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Breite:
37° 38.3' N
Länge:
23° 09.6' O
Ort:
Palaia Epidhavros, Peleponnes, Griechenland
Datum/Uhrzeit:
17.07.2019
09:00 UTC+3
Wettermeldung:
vom
17.07.2019 07:45 UTC+3
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Frische Brise aus Nordost

Logbucheinträge zu Rotes_Meer

16.05.2019 - Suez, Ägypten, Rotes Meer

Tor nach Hause

Es ist 6 Uhr morgens, ich sitze im Cockpit, die Luft ist noch klar und frisch, im Schiff ist es noch still. Um 8 Uhr sollen wir an Land sein und unsere Pässe zur Ausreise abgeben. Um 9 Uhr soll dann der Pilot an Bord kommen, für die Kanaldurchfahrt.

Hinter mir zieht der nach Norden fahrende Convoy der Dicken vorbei. 50 Schiffe, jedes beladen mit bis zu 20000 Seecontainern, tuckern langsam am Yachthafen vorbei Richtung Mittelmeer. Ein kleines Containerschiff zahlt dafür 500000 USD, die ganz Dicken auch schon 2 Millionen. Tatsächlich zahlen wir den gleichen Preis wie die Großen, 8 USD pro Tonne, um durch den Kanal fahren zu dürfen. Allerdings sind wir im Vergleich ein Leichtgewicht, so dass die Kosten für uns bezahlbar bleiben, vermutlich zum Leidwesen der Kanalbetreiber. Wenn der Convoy durch ist, werden auch wir nach Norden schippern, durch den Lake Bitter bis nach Ismailiah, wo wir die Nacht verbringen werden, bevor es dann morgen ins Mittelmeer geht.

Die letzten Tage waren entspannt. Wir liegen seit Montag an einer Mooring Boje im Yachtclub. An den Steg trauten wir uns nach unseren unerwünschten Besuchern von Port Ghalib nicht. Captain Heebi, unser Agent, verbrachte bei unserer Ankunft ein kleines Wunder, indem er die Kanalbehörden dazu bracht, dass wir zusammen mit den nach Norden fahrenden Dicken die ersten paar Meter des Kanals bis zum Yachtclub zurücklegen. Eigentlich ist das unmöglich und bedeutet deshalb normalerweise für Yachten lange Wartezeiten bis sie dann im Yachtclub anlegen dürfen. Für uns wurde eine Ausnahme gemacht, vielleicht wegen der Kinder, vielleicht aber auch weil Windchase, Renegade und Millipal noch vor dem Convoy durchgeschlüpft waren und Captain Heebi die Formalitäten für alle Yachten zusammen erledigen wollte. Wir wissen es nicht, waren aber sehr dankbar die gute Organisation und die professionelle Arbeit des Captain. Noch am selben Abend, gegen 23 Uhr, bekamen wir unsere Pässe zurück, und waren nun klar das Land betreten zu dürfen.

Der Yachtclub ist ein wenig runtergekommen und liegt in einem Viertel, das einmal reich gewesen sein muss. Die alten Villen sehen trotz ihrer Patina toll aus und wären Schönheiten, wenn man ein wenig renovieren würde. Im Club gibt es sogar einen Spielplatz. Ein paar Blöcke weiter gibt es eine echt ägyptische Foodmeile mit kleinen Restaurants, die Kebab, Tee, Kaffee und Shishas verkaufen. Die Ägypter sitzen nach Sonnenuntergang vor den Lokalen an kleinen Tischen auf der Straße und genießen ihr Frühstück zum Ende des Fastentages. Auch wir aßen dort zusammen mit den Crews der anderen Yachten. Köfta, Sish Kebab, Reis, Hummus, Salat und Fladenbrot, echtes ägyptisches Essen - lecker! Zur Feier des Ramadans bekamen wir dazu einen lilafarbenen, sehr leckeren Saft gereicht und süße Bällchen als Nachtisch. Beides sind lokale Köstlichkeiten und werden speziell zubereitet für das Fastenbrechen am Ende des Tages.

Nach dem Essen wanderten wir durch den alltäglichen abendlichen Sandsturm zu Moya zurück. Tagsüber ist es hier unglaublich heiß, die Luft steht. Das Fasten, vor allem nichts zu Trinken, muss in diesem Klima eine fast übermenschliche Disziplin erfordern. Am späten Nachmittag setzte bisher immer ein starker warmer Wind ein, der viel Staub aus der Wüste mitbrachte. Moya hat außen mittlerweile einen richtigen Sandpanzer und ich trage täglich eine Kehrschaufel voll Sand aus dem Schiff.

Bald wird sich das ändern. Das Mittelmeer wartet auf uns.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
17.05.2019:
Kommentar from Manfred Krüger
Wilkommen im Mittelmeer! Schaut Ihr euch auch die Ursprünge der helenistischen Kultur an? Viel Glück und Spass weiterhin bei Eurer Großen Fahrt!
13.05.2019 - Suez, Ägypten, Rotes Meer

Bürokratisches Monster

Fake

Nachdem wir uns nun schon seit zwei Wochen in Ägypten befinden und bisher nur Hotels, Restaurants und Touri Geschäfte gesehen haben, die fast die gesamte Küstenlinie von Port Ghalib bis zum Golf von Suez bedecken, wollten wir endlich das wahre Ägypten sehen. Es war zwar ganz nett seit fast zwei Jahren mal wieder Storck Riesen zu essen, im Touri Supermarkt Gouda und Salami einzukaufen, Abends ein Bier zu trinken und Burger zu essen, aber mit Ägypten hat diese eigens für die Touristen designte Welt wenig zu tun. Ganze Städte wurden von den Saudi Arabischen Ölscheichs für touristische Zwecke auf dem Reißbrett entworfen und aus dem Boden gestampft, inklusive Marinas, Schulen, Apartmenthäuser für die Angestellten, und natürlich jeder Menge Hotels. Port Ghalib, Abu Hasheesh, El Gouna sind nur Bespiele dafür. Wir können uns nicht vorstellen, dass sich diese Investitionen tragen, aber vielleicht tun sie es ja eines Tages?

Hurghada hat zwar einen alten Ortskern, wäre aber nur noch eine weitere Touristenstadt gewesen, also tuckerten wir nur an der Stadt vorbei und begutachten mit gutem Abstand die vielen Motoryachten im Hafen und Hotels dahinter. Wir wollten nach El Tur auf dem Sinai, um doch noch einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen.

Rausgeworfen

Auf Seglerblogs hatten wir gelesen, dass El Tur eine Besuch Wert sein soll, eingebettet zwischen den Bergen der Sinai Halbinsel, soll sie von Touristen weitgehend verschont sein. Nach einer weiteren Fahrt durch die Nacht warfen wir gestern Morgen bei Sonnenaufgang unser Eisen ins Wasser. Statt Tauchbooten, lagen Fischerboote neben uns, statt Hotels sahen wir Flachbauten an der Küste und eine Moschee. Zum ersten Mal in Ägypten hörten wir den Muezzin singen. Vielversprechend! Wir freuten uns auf unseren Landgang. Nach einem ruhigen Start in den Tag wässerten wir Tilly und tuckerten zu einem kleinem halb verfallenen Steg, an dem kleine Fischerboote vertäut waren. Wir stiegen aus und auf den Weg Richtung Stadt. Nach nur 10 Metern standen die Kinder und ich vor einem total verblüfften Ägypter in Flecktarn, die MP im Anschlag. Wir waren in eine militärische Stellung gelaufen. Hinter ihm war ein Loch im Boden ausgehoben mit Sandsäcken davor, daneben gab es zwei Unterschlupfe hinter Ziegelmauern und auf der Straße waren metallene Gebilde aufgebaut um eine Durchfahrt per Auto zu verhindern. Zwei weitere bewaffnete Männer kamen um die Ecke. Oh!

“Naja, kein Problem” dachte ich. Freunde von uns waren letztes Jahr auch hier mit dem Boot und waren von Soldaten kontrolliert worden. Wir zeigten unsere Papiere vor und schauten ihn ratlose Gesichter. Englisch sprach hier keiner. Schließlich wurden wir in ein klimatisches Büro gebracht, zum Chef in zivil, der konnte dann auch Englisch und prüfte unsere Visa. Obwohl wir haargenau dieselben Visa haben wie jemand der mit dem Flugzeug nach Ägypten reist, verweigerte er uns unseren Landgang. El Tur sei ein nationaler Hafen, wo wir als Ausländer keinen Stempel bekommen können. Er verstand sehr wohl, dass wir schon offiziell ins Land einreist sind und uns eigentlich frei im Land bewegen dürfen, trotzdem scheiterten wir, auch nur an den Strand zu dürfen. Er warf uns höflich hinaus.

Nach unzähligen Behördengängen meine ich nun endlich die irrwitzigen Regularien der Ägypter zu verstehen: Wer mit dem Boot nach Ägypten einreist, muss dies an einem internationalen Hafen tun und dort seinen Papierkram erledigen. Will man dann einen nationalen Hafen besuchen, benötigt man zusätzlich die Freigabe des internationalen Hafens der entsprechenden Region. Um El Tur zu besuchen müssten wir also, obwohl wir schon offiziell in Land eingereist sind, den internationale Hafen der Region Sinai in Sharm el Sheik besuchen und unsere Papiere prüfen lassen. Genauso hätten wir vermutlich in Abu Makhadiq vorher nach Hurghada gemusst, um an Land gegen zu dürfen. Dort wurde ein Auge zu gedrückt, wir haben ja auch “Marinagebühren” bezahlt - fürs Ankern, das allererste Mal überhaupt. Das 150 USD teure Cruising Permit, das wir in Port Ghalib erwerben mussten, hat somit den Wert von Klopapier. Mann, Mann, Mann! Komplizierter geht’s nicht mehr.

Vielleicht bekommen wir in Suez das wahre Ägypten noch zu sehen? Wir warten momentan, anlegen zu dürfen.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
14.05.2019:
Kommentar from Adolf
Hätte Euch gern eine stressfreiere Reise, vor allen Dingen mit mehr individueller Bewegungsfreiheit, gewünscht....Fast schon ein Witz , dass die letztlich erfolgreiche Rattenjagt das einzig positive Erfolgserlebnis der letzten Tage zu sein scheint.Mit wieder einmal herzlichem Dank für Eure so ausführliche Berichterstattung und eine gute Weiterreise , Adolf
14.05.2019:
Kommentar from Birgit
So ist es! Wir mussten das besagte Cruising Permit bei unserer Notlandung in El-Guna vorzeigen, haben es jedoch nie überreicht bekommen. Der nette Coast Guard hat alle unsere Papiere, die in arabisch verfasst waren, durchgesehen und keins gefunden. Untereinander haben die beiden Agenten, der aus El-Guna und der neue aus Hurghada, es dann aber irgendwie geregelt. Alle weiteren Kommentare spare ich mir. Wir waren sehr froh Ägypten hinter uns lassen zu können. Eine schöne Überfahrt wünsche ich euch. Birgit
10.05.2019 - Marsa Abu Makhadiq, Ägypten, Rotes Meer

6 Leben

Nächtliche Jagd

Die Zerstörungswut unseres ungebetenen Gastes hat uns so entsetzt, dass wir entschieden haben, nicht schlafen zu gehen, bevor der Nager dingfest gemacht ist. Unsere Lebensmittelbilgen waren inzwischen leer, alles was noch zu Essen da war, war in dichte Hartplastikkisten verpackt oder in der Bugkabine verräumt. Aushungern war die Devise, damit die leckeren Wurst- und Käsestücke in unseren multiplen Fallen ihre Wirkung tun konnten. Wir saßen also bei gedimmten Licht im Salon und warteten bis sich unsere Ratte zeigen würde. Um uns herum waren die Rattenfallen aufgebaut. Es dauerte nicht lange, da zeigte sich der Übertäter. Vorsichtig krabbelte er auf eine der Klebefallen zu. Wir rührten uns nicht. Schwups, war der Käse von dem mit dickem Ratten-Kleber bestrichenen Karton geklaut und die Pappe abgeschüttelt. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Auch beim zweiten Mal blieben die im Netz hochgerühmten Klebefallen wirkungslos. Immer wieder kam der Nager in den Salon geschlichen und nagte dann doch tatsächlich ganz vorsichtig den Käse von der konventionellen Klappfalle. Bei der kleinsten Berührung hätte diese ausgelöst und innerhalb von 8 Millisekunden - wir haben es gemessen - die Ratte festgesetzt. Hätte! In Wirklichkeit war unser Erzfeind zu vorsichtig. Aus Verzweiflung fing der Capitano an eine Falle aus unserer Spülschüssel zu bauen, mit Stöckchen und Schnürchen und einem Stück Apfel. Mittlerweile war es zwei Uhr morgens. Wir warteten und beobachten. Schließlich kletterte das graue Tier den Niedergang hinauf. Der Capitano hetzte mit der Taschenlampe hinterher, während ich alle Schotten dicht machte. Sie flüchtete in unseren Ankerkasten. Klappe zu, Affe tot - oder zumindest einmal aufgeräumt bis zum nächsten Morgen.

Tötungsphantasien

Wir gingen ins Bett, hundemüde, aber einschlafen konnten wir immer noch nicht. Uns wollte einfach keine sinnvolle Möglichkeit einfallen, wie wir die Ratte im Ankerkasten um die Ecke bringen können. Rattengift war keine Option, da das Gift verzögert wirkt und wir beim Ankerauf gehen die Ankerbox öffnen müssen. Sie wäre direkt ausgebüchst. Christians Phantasie ging mit ihm durch, die Theorien reichten von mit Anästhetikum präparierte Köder, über selbstproduziertes Zyankali bis zu Abgase unseres Außenborders in den Kasten zu leiten. Alles wurden direkt wieder verworfen. Auch meine Ideen den Ankerkasten zu fluten oder die Flöte herauszukramen passten dem Capitano nicht.

Letztendlich einigten wir uns, nach mentaler Inkubation über Nacht, am nächsten Morgen darauf, die Ratte auszuräuchern. Wir kauften Kohle und präparierten eine leere große Konservendose so, dass sie mit Draht aufgehängt werden konnte. Dann machten wir Feuer. Als das Ding richtig gut brannte hängten wir es in den Ankerkasten. Die Idee war, dass das Feuer schnell durch fehlenden Sauerstoff ausgehen würde und dann Kohlenstoffmonoxid produzieren würde, das die Ratte dann vergiften würde. So die Theorie.

Mausetod

In der Praxis funktionierte unser Plan so halb. Dichter Qualm war im Kasten, allerdings brachen wir die Aktion wohl zu früh ab. Unser Gast lebte noch, wenn auch sichtlich angeschlagen. Viel langsamer als sonst ging er dem Bootshaken aus dem Weg, als wir im Kasten stocherten. Nach einigen Fangfehlversuchen ließen wir die Ratte schließlich zögerlich heraus und verfolgten sie zu zweit mit den Paddeln unseres Dingies. Joshi und Joni schauten interessiert zu und feierten, als wir sie schließlich über Bord geschubst hatten. Dort schwamm sie doch tatsächlich Richtung Ankerkette. Christian sprang ins Dingi und drückte sie immer wieder unter Wasser. Sie überlebte aushungern, ankleben, vergasen, ins Wasser schleudern und erschlagen, aber beim Ertrinken waren dann ihre 6 Leben aufgebraucht.

Wir testen unsere Technik an Bord, alles ok. Zu feiern wagten wir aber erst einen Tag später, als die Käse und Wurstköder unangerührt bleiben. Wir sind wieder rattenfrei!

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08.05.2019 - Marsa Abu Makhadiq, Ägypten, Rotes Meer

Der Wurm ist drin...

Angenagt

...oder doch eher die Ratte. Ich bin am verzweifeln. An unserem letzten Tag in Port Ghalib fand ich eine angefressene Kartoffel auf der oberen Koje in der Bugkabine. Die Hälfte der Kartoffel war abgekaut. Mir war sofort klar, dass wir ein Tier an Bord haben müssen - ein großes. Wie sonst sollte eine Kartoffel aus unserem Korb heraus kommen. Selbst die Kinder wissen, dass das Gemüse kein Spielzeug ist und hinein beißen würden sie erst recht nicht. Obwohl die Bissspuren fast von den Zähnchen der Kleinen stammen hätte können. Nein, eine Maus war das nicht. Wohl eher eine Ratte. Mir rollten sich die Fussnägel hoch. Ich durchsuchte unsere Bugkabine, fand aber nichts.

Natürlich hatten wir keine Falle an Bord. Renegade half aus. Allerdings trauten wir uns noch nicht die Falle zu aktivieren, da wir über Nacht nach Norden unterwegs waren. Wir hatten Bedenken einer Fehlzündung. Die Ratte musste weg und das beim ersten Mal, denn sonst würde sie die Falle in Zukunft meiden. Am nächsten Morgen kontrollierte ich die Lebensmittel - alles war in Ordnung. War sie vielleicht gleich wieder von Bord gegangen? Nein, war sie nicht! Ich hatte sie bei meiner Suchaktion versehentlich bei der Ankerwinsch eingesperrt. Joshua hörte sie. Jetzt wussten wir wenigstens wo sie war. Der Capitano wurde kreativ und schmiedete 101 verrückte Pläne sie dort heraus zu holen. Wir versuchten es erst mit einem Sack. Als das nicht funktionierte, ganz pragmatisch mit der Rattenfalle und Käse. Tür zu und warten. Ein halbe Stunde später schepperte es. „Das war‘s“ - dachte ich.

Schwarze Männer

Auf unserem Weg nach Marsa Abu Makhadiq, erhielten wir einen Funkspruch von der Windchase. Aus ihrem Plan Suez zu erreichen war auch nichts geworden. Ihre Maschine streikte - Totalausfall. Und das hier im Roten Meer mit all den Riffen und dem Gegenwind. Sie segelten momentan und würden am nächsten Morgen auf Höhe von Marsa Abu Makhadiq sein. Wir planten sie in die Bucht zu schleppen. Aber als wir ankamen, hatten sie es bereits geschafft. Nur zum Anker einfahren, zogen wir sie kräftig mit Moya zurück. Der Anker hielt, das war auch wichtig, denn 35 Knoten Wind sollten einmal mehr über uns hinweg fegen. Wir schäkelten besser mal unseren Zweitanker an unsere Kette, damit sich die Windlast auf zwei Anker verteilt.

Die beiden Peter von Renegade und Melipal waren Motorexperten, beide verschwanden zusammen mit Paul für zwei Tage auf die Windchase und kriegten in mühevoller, schweißtreibender Arbeit in der engen Motorbilge die Maschine wieder in Gang. Danach waren sie von Kopf bis Fuss schwarz, genauso wie das Schiff - aber die Maschine lief wieder. Es war wieder einmal Wahnsinn, wie verlässlich, hilfsbereit und gut die Segler zusammenarbeiten. Die Community ist einfach großartig, wirklich jeder tut was er kann, wenn ein anderer in Not ist. Paul und Sue hatten schon das zweite Mal auf ihrer gerade einmal acht monatigen Reise aus Neuseeland befürchtet, dass ein Defekt das Ende ihrer Segelreise bedeuten würde. Schon in Indien wäre um ein Haar ihr Mast gekippt, und nun war es die Maschine.

Nach Sonnenuntergang

Da weder Mann nach Maus mehr auf die Windchase gepasst hätten, arbeiten wir inzwischen an unserer To-Do-Liste. Unser Vergaser des Außenborders musste mal wieder gereinigt werden, genauso wie die Polster im Salon. Der Niedergang brauchte einen neuen Anstrich und der Lack an der Leiste im Salon wartete auch auf eine Erneuerung. Das Relingnetz war nicht mehr weiß, sondern rot von Staub der Wüste, es musste zum Waschen runter. Die Jungs sind inzwischen so groß, dass sie uns prima bei den Arbeiten unterstützten. Am Abend gingen wir dann mit einem Bärenhunger an Land, um Einzukaufen und Essen zu gehen.

Die ganze Bucht ist zugepflastert, alles gehört hier einem Mann, der nicht aufhört, immer weitere Hotels bauen zu lassen, ganz egal, ob die anderen leer stehen oder schon wieder nieder gerissen werden. 2002 gab es hier in der Bucht noch gar nichts und nun findet man kein freies Plätzchen mehr an der Küste. Zwischen den Hotels, Hotelskeletten, Rohbauten und Baustellen fanden wir schließlich ein Restaurant. Bestellen konnten wir aber noch nicht. Seit Sonntag hat der Fastenmonat Ramadan angefangen und bei Sonnenuntergang gibt es dann Frühstück, für Koch, Kellner und alle. Die Straßen und Lokale liegen für eine halbe Stunde verlassen, bis auf die Gäste. Wir fasteten also auch, wenigstens ein bisschen.

Zerstörung

Als die Kids im Bett waren, schauten Christian und ich noch einen Film. Zumindest bevor mich der Schlag traf. Da rannte doch tatsächlich eine Ratte direkt auf meinen Kopf zu in Richtung Gemüsenetz. Ich konnte es kaum glauben, dass wir tatsächlich noch ein zweites Tier an Bord haben sollte. Die musste schon die ganze Zeit da sein, denn hier liegen wir vor Anker. Im Nachhinein ärgere ich mich unheimlich, dass wir in Ghalib das erste Boot neben dem Hotel und den Mülleimern waren. Zur Sicherheit hatten wir noch Klebefallen gekauft. Wir stellten unser Arsenal auf, aber das Tier ist schlau und mittlerweile auch zu unseren Lebensmittel Vorräten vorgedrungen. Innerhalb einer Nacht verwüstete Sie einen guten Teil davon, frass sich durch Reispackungen, Milchtüten und Keksschachteln. Jetzt sind alle Lebensmittel in Plastikkisten verpackt und stehen in der rattenfreien und -dichten Vorderkabine. Heute nacht gibt es nur noch Käse und Wurst in zahlreichen Fallen ...

Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.
09.05.2019:
Kommentar from Martin
Ihr armen Rattenfänger, ihr tut mir leid, da kann ich als Tierarzt aus der Ferne auch nicht helfen, würde euch eine Katze schicken....lg aus dem verregneten kühlen Germany
09.05.2019:
Kommentar from Marcus und Judith
Oh jeh... habt ihr den Trick 35 aus https://www.yacht.de/schenk/trick/trick35.html schon versucht? Viele Grüße und viel Glück aus Stuttgart
10.05.2019:
Kommentar from Dody
Oh Sch...e!!! Druecke Euch ganz feste die Daumen dass sie wenigstens von Euren Kabeln und Schlaeuchen wegbleibt. So ist es an sich schon schlimm genug, aber das andere wuerde ich nicht mal meinem aergsten Feind wuenschen (wenn ich sowas haette)! Big hugs und "Força" wie die Portugiesen sagen wuerden. xxx
11.05.2019:
Kommentar from Andre Rüegg
Oh, Mist . Viel Glück mit dieser Ratte!
05.05.2019 - Port Ghalib, Ägypten, Rotes Meer

In den Armen des Kapitalismus

Unsere Pläne Luxor zu besuchen und ein bisschen zu entspannen legten wir ad Akta und sind nach 3 Tagen und jeder Menge Gerenne wieder unterwegs. Die Wettervorhersage warf einmal mehr unsere Planungen über den Haufen. Stürmischer Wind ist ab Montag Abend für unbestimmte Zeit angesagt. Wir standen somit vor der Entscheidung die nächsten Wochen in Port Ghalib auszuharren oder uns eben am besten gestern schon auf den Weg nach Norden zu machen. Wir kauften Lebensmittel ein, tankten und genossen die Urlaubsatmosphäre der Hafenpromenade mit den vielen Restaurants, Bars und Kneipen und der dahinter liegenden kleinen Einkaufsstraße. Nach so langer Zeit im „wilden Westen“ war es einfach wunderbar mit den drei befreundeten Crews Kebab zu essen und ein Bier trinken zu gehen. Das Beste: Es gab sogar Eis - richtig leckeres, frisch hergestelltes! Das mag vielleicht albern klingen, aber für uns war das ein bisschen wie Weihnachten.

Gleichzeitig versuchten wir unsere Papiere zu organisieren. Obwohl wir einen Agenten hatten, was seit Oktober 2018 Pflicht ist, gab es immer noch jede Menge Papierkrieg. Allein zum Tanken musste unser Bootsstempel ganze acht Mal herhalten. Die Bürokratie Ägypten stellt alles was wir bisher erlebt haben in den Schatten, selbst die Formalitäten in Indonesien oder Sri Lanka wirken auf einmal simpel. Um für uns eine nationale Clearance zu erwirken, musste unser Agent persönlich nach Hurghada fahren (das sind fast 200 km) um dort die Papiere von den Offiziellen unterschreiben zu lassen. Aus kulturellen Gründen ist ein Fax nicht akzeptabel. Kein Wunder, dass der Gute 48 Stunden vor unserer Abreise informiert werden wollte. Aus einer Weiterfahrt gestern wurde somit nichts, aber dafür hatten wir heute Nachmittag dann endlich alle nötigen Dokumente in der Hand. Es ist der absolute Wahnsinn welch Wasserkopf da gefüttert werden muss, eigentlich kaum zu glauben, wenn man die Formalitäten mit der Einreise per Flugzeug vergleicht. Aber es kommt noch bizzarer: Um die starken Winde abzuwettern, überlegten wir als nächstes eine Marina in der Hurghada Ecke anzusteuern, da wir es nach dem verlorenen Tag nicht mehr bis Suez schaffen werden. Wir kontaktierten die Marina, die uns darüber informierte, dass wir, obwohl wir schon offiziell im Land eingereist sind und alle Papiere in der Tasche haben, noch einmal in Hurghada einchecken müssen. Anderen Cruisern zufolge kostet das 1000 USD. Ob das stimmt, oder die Papiere nur unentgeltlich geprüft werden wissen wir nicht, aber wir riskieren das besser nicht und ankern stattdessen. Mit dem Geld kann man schöneres machen, als Stunden am Steg auf die Offiziellen zu warten.

Nach all den positiven Erfahrungen auf unserer Reise scheinen wir nun wieder in den Fängen des Kapitalismus zu sein. Die Dollarzeichen in den Augen der Menschen hier sind unverkennbar. Wo viele Touristen sind wird eben Geld verdient. Da zahlt man dann auch schon mal das 8-fache für eine SIM Karte oder so viel wie eine Nacht im Hotel, wenn man nur den Hotelpool nutzen möchte. Über den Tisch gezogen wird man auf alle Fälle.

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06.05.2019:
Kommentar from Flo
Ist halt Ägypten... Musste dort auch schon schmieren um eine Landefreigabe zu bekommen...
02.05.2019 - Port Ghalib, Ägypten, Rotes Meer

Die Uhr tickt anders in Port Ghalib

Die Tage am Riff waren wunderbar. Die bunten Korallen und Fische der lebendige Unterwasserwelt luden immer wieder zu einem Sprung ins Wasser ein, unsere Segelnachbarn auf einen Kaffee. Trotzdem wollten weiter - zurück in die Zivilisation und ein Stück näher ans Mittelmeer. Die vor zwanzig Jahren aus dem Boden gestampfte Marina Port Ghalib mit den vielen dazu gehörigen Hotelanlagen erschien uns brilliant, die Füße endlich wieder an Land zu setzen, nicht nur um unsere Kaffeevorräte wieder auf zu füllen und vielleicht sogar einen Blick auf das alte Ägypten zu erhaschen. Unsere Mitsegler hingegen wollten sich den Stress der ägyptischen Bürokratie noch nicht geben und statt dessen Marsa Alam erkunden, also verabschiedeten wir uns leider -wie so oft- schon nach wenigen Tagen.

Mit den letzten Sonnenstrahlen verließen wir die Lagune und tuckerten bei spiegelglatter See Richtung Norden. Man, waren wir schnell! Schon vor 9 Uhr am nächsten Morgen lag Moya sicher vertäut am Zollsteg. Zwei Mann hatten bereits dort auf uns gewartet und grüßten uns mit strahlendem Lachen „Welcome to Egypt“. Das fing ja toll an. Unser Agent kam wenig später dazu und begann mit dem Papierkrieg. Nach multiplen Läufen verschiedenster Personen von Moya ins Hafenbüro und Bergen an Papier, die natürlich gestempelt werden mussten, waren wir vor 11 Uhr durch mit dem Papierkram. Quarantäne war auch schon an Bord gewesen, um die Impfpässe zu kontrollieren, Fieber zu messen und die Hygiene an Bord zu checken. Jetzt fehlte nur noch der Zoll und der Sicherheitscheck. In einer halben Stunde, hieß es.

Unsere Funke rauschte „Moya, Moya, Moya, this is Melipal“. Peter war aus Marsa Alam davon gejagt worden und nun auf dem Weg nach Port Ghalib. Der Hafenmeister hatte mitgehört. Jetzt ging nichts mehr. Die langsamen Prozesse wurden eingefroren. Drei Stunden später halfen wir Peter sein Schiff zu vertäuen, wir waren noch da. Weitere vier Stunden später traf schließlich Renegade ein, die erst am Morgen am Riff gestartet war, wir waren immer noch da. Die Kids machten Terror, sie wollten ein Eis, sahen die Touris in Badehosen hinter dem Tor vorbei laufen und gegenüber am Riff schnorcheln. Ich konnte mitfühlen. Auch ich fand, dass das Ganze Prozedere an Folter grenzt. Nach sage und schreibe 10 Stunden, die Sonne war schon untergegangen, erhielten wir die Freigabe in die Marina einzulaufen. Und wir waren froh! Auf die ganze Nacht am Zollsteg zu liegen und nicht von Bord zu dürfen, hatten wir überhaupt keine Lust. Am Marinasteg wartete Windchase, sie wollte eigentlich am Tag zuvor Richtung Suez segeln, aber die Herrschaften hatten die Papiere nicht rechtzeitig fertig gekriegt und dann war das Wetter-Fenster wieder mal zu.

Mit Löchern im Magen suchten wir den schnellsten Weg zu etwas essbarem. Das Mittagessen war ausgefallen, die halbe Stunde war ja schon rum und die Offiziellen konnten jeden Moment auftauchen. Das Marina Lodge Resort bot Buffet an. Wir schlugen zu und fühlten uns wie im Schlaraffenland. Mit strahlenden Gesichtern machten wir uns alle über die Salattheke her. Juhu, Vitamine, die mussten sogar noch vor dem Fleisch her.

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30.04.2019 - Fury Shoal, Dolphin Reef, Ägypten, Rotes Meer

Zwischen Delfinen

Wow! Ich hätte niemals gedacht, dass man in freier Natur wirklich mit einer Schule Delfine schwimmen kann. Es war schon immer super, die Tiere am Bug von Moya schwimmen, springen und spielen zu sehen, aber zwischen den Tieren zu schwimmen ist eine einzigartige Erfahrung. Bestimmt 50 Tiere sind um uns herum geschwommen. Teilweise so nah, dass man die ledrige Haut anfassen konnte. Mama Define mit ihren Babys waren dabei. Einige Tiere schwammen im zweier Verband Bauch an Bauch. Anderer kuschelten in kleinen Grüppchen oder kabbelten sich. Sie hatten Spaß.

Dass wir Menschen zwischen ihnen herum paddelten waren sie längst gewohnt. Jedes der 17 Tauchschiffe, die an diesem Tag in der Lagune lagen, setzte seine um die 20 Tauchgäste ins Wasser, damit diese die Tiere aus der Nähe zu beobachten können. Wir hatten Glück, als wir mit Tilly in die Lagune hinüber tuckerten, waren wir zuerst alleine, erst später mussten wir die Tiere teilen. Der Menschenauflauf wurde uns bald zu viel, so dass wir zurück zu Moya flüchteten. Die Define aber sind munter weiter zwischen den Tauchbegeisterten umher geschwommen. Ganz ohne Scheu. Ob die Tauchboote die Tiere anfüttern wissen wir nicht, gesehen haben wir es zumindest nicht. Die Meeressäuger sollen sich fast täglich in der Lagune aufhalten. Der Name des Riffes ist also berechtigt.

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28.04.2019 - Fury Shoal, Dolphin Reef, Ägypten, Rotes Meer

Wir sind in Ägypten

Auf die Nase

Es dauerte einen ganzen Tag mehr als geplant, bis wir Moyas Bug an einer der Mooring Bojen hier am Riff vertäuten. Und dabei waren es nur 200 Meilen von Khor Shinab. Wir wollten einfach nicht die gesamte Strecke motoren und kämpften die Hälfte der Zeit unter Segeln, kreuzend gegen den Nordwind. Um das Kap Ras Banas pfeifft der Wind immer mit noch ein paar Knoten mehr herum. Es wäre gut gewesen hier bei Flaute oder Leichtwind vorbei zu kommen. Aber das Wetterfenster war kurz und bereits zu, als wir gestern Nacht schließlich am Kap vorbei kamen, bei 25 Knoten Wind auf die Nase. Schon tagsüber hatte der Wind zugenommen und wir hatten das Kneten des Brotteig auf den Boden verlegt, weil wir keine Chance mehr hatten, stehen zu bleiben ohne durchs Schiff zu fallen. Die Kinder hatten unsere Einkauftüten herausgekramt und sind damit mit Begeisterung über den Boden „Schlitten gefahren“. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie kreativ die kleinen Geister werden können.

Es wird kompliziert

In den letzten Wochen hörten wir im Internet, über E-Mail und im realen Leben Cruiser immer wieder sagen „I‘m fed up by the Egyptians“. Seit letztes Jahr im Oktober scheinen sie die Einreisegebühren in Port Ghalib verzehnfacht zu haben. Wer nach Hurghada will, muss nochmal und sogar noch tiefer in die Tasche greifen und das an Land gehen irgendwo anders muss trotzdem erstandenem Cruising Permit meist eine Tortur sein. In Suez wird jeder über den Tisch gezogen und nach Port Said soll man nur Segeln, wenn man bereits einen Platz in der Psychiatrie vorgebucht hat. Seit 1 April 2019 braucht man nun auch noch plötzlich eine Gelbfieberimpfung für die Einreise in Port Ghalib, falls man aus dem Sudan kommt. So die Meinungen der Yachties.

Dass zumindest einige dieser Brocken, die die Ägypter dem Yachttourismus in den Weg legen, nicht aus der Luft gegriffen sind haben wir auch schon erfahren. Das Angebot für unsere Einreise in Ghalib ist exorbitant und beinhaltet Unsinnigkeiten wie Automiete für Behördengänge, obwohl die Behörden sich vor Ort befinden und der Agent ein langjährigen Anbieter für Touren ins Landesinnere ist. Genau dieser hat seit kurzem das Monopol als Agent für die Einreise in Ghalib. Man nimmt es von den Lebenden. Andere Cruiser beginnen einen Boykott, aber uns bleibt kaum eine Wahl, schon jetzt gibt es nur Nudeln oder Reis zum Abendessen.

Auch die Küstenwache scheint übereifrig. Ein ägyptisches Kriegsschiff wies uns darauf hin in einem Sperrgebiet zu segeln, obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in den ägyptischen Hohheitsgewässer befanden. Wir schauen mal wie es für uns weiter gehen wird und fragen uns schon jetzt, ob das Alles irgendwie mit dem Massentourismus zu tun haben könnte?

Am Delfin Riff

Dass es hier Touristen gibt, ist unbestreitbar. Als wir gestern Morgen nach Sonnenaufgang zwischen den Riffen den Weg in die Lagune suchten, lagen da bereits 10 große Motoryachten. Jede davon hatte eine ganze Ladung Tauchtouristen an Bord, die auf den Booten für ein oder zwei Wochen leben um die Riffe zu erkunden. Zu unserem Entzücken lagen auf der anderen Seite der Lagune aber auch zwei Segelboote, Melipal und Renegat. Die Malteser und Österreicher hatten zusammen mit Windchase nur 20 Meilen nördlich von uns die zehn Starkwindtage abgewettert. Wenn wir das gewusst hätten...

Wir zogen unsere Neoprenanzüge an und waren gleich nach dem Frühstück im Wasser. Das Wasser ist das erste Mal so kalt, dass wir die Anzüge wirklich brauchen. Wir verstehen nun, was der Australier Greg meinte, als er sagte „Greece is great, but the water is freezing“. Damals dachten wir noch, „der war noch nie in der Ostsee“, aber inzwischen scheinen wir auch verdorben zu sein. Obwohl die Delfine gestern nicht vorbei geschaut haben, war das Schnorcheln am Riff große Klasse. Das Wasser ist glasklar, so gute Sicht hatten wir, mal abgesehen von Sanganeb, seit den Tuamotus nicht mehr. Am Nachmittag hatten wir Spass mit den beiden anderen Crews. Es tat gut wieder einmal mit jemandem außerhalb der Familie zu sprechen. Wenn man hört „im nördlichen Roten Meer segelt man doch nicht“ fühlen sich die 120 Segelmeilen plötzlich wie eine kleine Heldentat an, anstatt zu denken „wieder nur ein Drittel des Weges gesegelt“.

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26.04.2019 - Rotes Meer, 22°23' N / 37°30 O'

On the road again

Windstille

Als wir gestern Morgen aufwachten fehlte etwas. Erst als ich ins Cockpit hinauf kletterte wurde mir bewusst was es war: Das Pfeifen des Windes. Moya schwamm im samtigen Wasser, spiegelglatt ohne die geringste Regung. 9 Tage lang zeigte ihr Bug Richtung Norden, nun hatte sie sich gedreht und hing locker am Gewicht ihrer Kette. Der fehlende Wind katalysierte unsere Aktivitäten. Innerhalb Minuten hatten wir gefrühstückt, uns fertig gemacht und Tilly gewässert. Wir tuckerten an Land. Endlich! Noch auf dem Wasser, schaltete sich der Wind wieder an. Von jetzt auf gleich. Wir konnten die Windgrenze auf dem Wasser klar ausmachen. Da war er also wieder, aber dieses Mal in humaner Stärke. Tilly sicher an einem Strauch vertäut, nahmen wir die Füße in die Hände um die Wüste zu erkunden. Wir fanden Grashüpfer, Sträucher, Kamelspuren und sehr viele Muscheln, die etwas fehl am Platz wirkten. Die Hügel am Rande des Marsas zogen uns an. Zwischen den scharfen Steinen suchten wir einen Weg hinauf. Von oben konnten wir weit in die Wüste hinein sehen und überlegten wie schrecklich es sein muss, durch die Wüste zu gehen und dann das Wasser des Marsas, Salzwasser, zu sehen.

Diktator Wind

Ohne Starkwind hätten wir gerne das Marsa noch näher erkundet. Zum ersten Mal sahen wir die Riffe von nahem. Das türkisblau Wasser, die bunten Korallen luden zum Schnorcheln ein, die Sandklippen zum Räubern. Trotzdem mussten wir weiter. Der Wind diktiert. Nach so langer Zeit in der Bucht wollten wir nicht riskieren, unsere Besuchszeit im Marsa weiter zu verlängern. Nur zwei Tage lang sollten die Nordwinde nachlassen. Aber nach unserem Besuch an Land wehte schon wieder eine frische Brise. Bedeutend weniger als die letzten Tage, aber nicht perfekt. Wir hoben den Anker und verließen den Schutz des Marsas. Die Wellen brachen sich an den Riffen rechts und links des Eingangs und den vorgelagerten Riffen, die unter diesen Bedingungen klar durch die weiße Gischt auszumachen waren. Der Schwell war noch beträchtlich. Stumpf unter Maschine dagegen anzubolzen, ist eine Möglichkeit, aber keine komfortable und auch keine schnelle. Stattdessen begannen wir zu Kreuzen und legten so ungefähr die dreifache Stecke zurück. Unser Plan, Samstag Morgen am Dolphin Reef zu ankern, ist jetzt schon obsolet. Mal sehen wie lange es dauern wird oder ob wir einen anderen sicheren Platz suchen müssen für die nächste Windwelle.

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27.04.2019:
Kommentar from Birgit
Für die Einreise nach Ägypten braucht man ab dem 1.4. eine Gelbfieberimpfung wenn man aus dem Sudan kommt. Kein Witz!
29.04.2019:
Kommentar from Gerhard
Ihr seit ja schon in Ägypten und nach Marsa Alam ist es auch nicht mehr weit. Ein sicherer Hafen.
22.04.2019 - Khor Shinab, Sudan

Sturm vor Anker

Der Osterhase war da

Kaum zu glauben! Gestern Morgen weckten uns die Jungs, weil sie erst bunte Ostereier, später dann sogar Osterkörbchen an Bord gefunden haben. Der sudanesische Hase hat es wohl irgendwie an Bord geschafft. Aber Schokoeier und Schokohasen gab es keine, die sind wahrscheinlich beim Weg durch die Wüste geschmolzen. Die Jungs freuten sich trotzdem ein Loch in Bauch. Wir hatten am Tag zuvor extra noch zusammen Osternestchen, Osterhasen und Hennen aus Hefeteig gebacken. Die waren eigentlich für den Osterhasen gedacht, aber der hat sie wohl nicht gefunden. Deshalb gab es zum Osterfrühstück auch etwas Abwechslung, denn unsere Vorräte sind mittlerweile recht ausgedünnt.

Gefangen an Bord

Es wird langsam Zeit, dass wir hier weg kommen. Schon seit einer Woche sitzen wir hier in der Bucht und waren immer noch nicht an Land. Es sind zwar alle wieder gesund, aber der Wind bläst immer noch ungebremst mit voller Kraft. 38 Knoten, zeigt unser Windmesser an, die Böen misst er nicht. Das ist stürmischer Wind. Und stürmisch ist es hier wirklich. Moya liegt vor Anker auch ohne Segel leicht gekränkt im Wasser. Obwohl man unseren Windpropeller meistens nicht hört, gibt er inzwischen Geräusche von sich, als ob Moya demnächst abhebt. Wir schalten ihn deshalb meistens aus, nur wenn der Wassermacher an ist läuft er und macht danach die Batterien im Handumdrehen wieder voll. Tilly liegt auf dem Vordeck, es ist undenkbar sie bei diesem Wind ins Wasser zu setzen. Selbst ein Teller mit Kartoffelschalen wurde Christian aus der Hand gerissen, als er die Schalen ins Wasser werfen wollte.

Unser Anker hielt prima bis heute Nachmittag der Wind noch ein Schippchen drauf legte. Wir Eumel hatten noch nicht einmal die komplette Ankerkette im Wasser. Peinlich! Moya stellte sich erst quer, dann fingen wir langsam an Richtung Riff zu draggen. Noch bevor der Ankeralarm piepte war ich im Cockpit und Christian am Zündschlüssel. Wir holten das Eisen aus dem Wasser mit eingespielten Handzeichen. Mit Rufen kann man sich schon lange nicht mehr verständigen. Das Pfeifen des Windes übertönt alles andere. Die Übung am Anker zahlte sich aus, nach einer halben Stunde lag Moya etwas weiter vom Riff entfernt. Der Anker hält, dieses Mal mit voller Kettenlänge. Da für Morgen ähnliches Wetter vorhergesagt ist, werden wir wohl gegen Abend, wenn der Wind in der Regel etwas nachlässt, unseren Zweitanker an unsere Ankerkette schäkeln, um noch mehr Gewicht ins Wasser zu kriegen und den Zug am Hauptanker zu verringern. Spätestens dann sollten wir sicher liegen. Über einen so langen Zeitraum so viel Wind hatten wir seit Kolumbien nicht. Man könnte denken, dass der Mittelmeerraum irgendwann keine Luft mehr haben sollte. Wir drücken die Daumen, dass der Spuk in drei Tagen zu Ende ist.

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19.04.2019 - Khor Shinab, Sudan

Ostervorbereitungen in der Wüste

Nordwind

Pünktlich kam der Wind und bläst seither kräftig aus Norden. So stark, dass wir die letzten drei Tagen nicht von Bord gegangen sind. Obwohl wir in dem seeähnlichen Marsa liegen, bauen sich selbst über die nur wenigen Meter vom Land Wellen auf. Ein Übersetzen mit Tilly wäre vermutlich eine nasse Angelegenheit. Irgendwie hat unsere Situation momentan was von Überfahrt, nur dass wir Schlafen können.

Unsere Bord Apotheke wird gebraucht

Aber nicht nur das Wetter hielt uns davon ab, die Wüste zu erkunden, sondern auch Joshi, der sich seit unserer Ankunft in der Bucht nur mühevoll durchs Boot schleppte. Er klagte erst über Kopf- und Bauchschmerzen, dann auch über Halsschmerzen. Tatsächlich waren seine Mandeln mit weißen Eiterstipchen überzogen und er hatte Fieber, so dass ich ihn vor zwei Tagen auf Antibiotika setzte. Als gestern Morgen die Medikamente kaum Wirkung zeigten, riefen wir die funkärztliche Beratung in Cuxhaven an und arbeiteten mal wieder an Notfallplänen. Gegen den starken Wind zwischen den Riffen nach Ägypten zu kreuzen halten wir für sehr schwierig und vielleicht sogar unsicher, zurück nach Port Sudan fahren wäre eine sichere Möglichkeit würde uns aber um Tage zurückwerfen und wir wären immer noch im Sudan mit eventuell nicht westlichem Gesundheitsstandard. Ähnlich wäre das, wenn wir mit Tilly an Land gefahren wären und ein Auto zu der Straße, die hier am Marsa vorbeigeht, bestellt hätten, um nach Port Sudan zu fahren. Wahrscheinlich wären wir einmal über das rote Meer nach Jeddah gesegelt. In Saudi Arabien, darf man nur in Notsituationen anlegen, die mit einem kranken Kind an Bord ja gegeben wäre, außerdem würden wir erwarten, dass die medizinische Versorgung dort besser ist als im Sudan. Soweit kam es aber nicht.

Das Telefonat mit dem Arzt aus Cuxhaven, beruhigte mich. Er bestätigte meine laienhafte Diagnose, sowie Dosis und Medikation für Joshi. Außerdem stellte er uns Hilfe in Aussicht, falls das Antibiotikum auch weiterhin nicht wirken sollte und wir ein Krankenhaus brauchen sollten. Die funkärztliche Beratung berät vor allem die Berufsschiffe und ist mit ähnlichen Zentren in der ganzen Welt vernetzt. Das Telefonat hat seine Wirkung nicht verfehlt, nur einige Stunden später ging es Joshi schon deutlich besser und heute ist er schon wieder am Räubern.

Karfreitag am Wasser

Während der Wüstenwind Moya mit Sand eindeckt, verbringen wir auch den heutigen Tag innen. Ob sich der Osterhase in die Wüste verirrt und dann auch noch zu uns übersetzen kann, ist fraglich, aber falls er es schaffen sollte, würde er sich freuen. Die Jungs haben Bilder für ihn gemalt, Eierbecher gebastelt und Eier ausgeblasen, bemalt und den Salon damit dekoriert. Mal schauen was uns sonst noch so einfällt.

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16.04.2019 - Khor Shinab, Sudan

In Deckung in einem Marsa

Marsas das sind tiefe, flussartige Einschnitte des Meeres ins Land. Rechts und Links sind diese Meeresarme normalerweise ausgekleidet von Korallenriffen. Khor Shinab ist ein großes Marsa und führt sogar mehrere Meilen hinein ins Land, zwischen Hügelketten hindurch bis in die Wüste Nubia. Hier liegen wir seit dem späten Nachmittag und mehreren Stunden Suche nach einem geeigneten Platz vor Anker.

Schon draußen am Sanganeb Riff, gestern bei unserem kleinen Abstecher zu den Talia Inseln und nun wieder heute hatten wir Schwierigkeiten guten Ankergrund zu finden. Der Meeresboden scheint hier im roten Meer fast überall von Korallen bedeckt. Richtiggehende Korallen Canyons gibt es da unten. Das Gelände ist sehr uneben und das Wasser meist zu flach oder zu tief zum Ankern. Auf Koralle ankern wollen wir schon vom Umweltgedanken her nicht, aber selbst wenn wir den mal zur Seite schieben würden, würde der Anker auf Koralle schlecht halten und das Risiko wäre hoch ihn zu verlieren, da er sich irgendwo unwiederbringlich festhaken könnte. So fürchterliche Ankergründe wie hier im roten Meer hatten wir auf unserer Reise noch nirgendwo. Jedes Mal wenn das Eisen endlich hält ist mir die Erleichterung ins Gesicht geschrieben.

Der Anker hält momentan gut, das sollte er auch, denn ab heute Nacht sind für 10 Tage starke nördliche Winde angesagt. Noch können wir uns das kaum vorstellen, Moya liegt hier bei absoluter Windstille. Aber wir haben schon vor einigen Tagen gesehen, dass der Wind hier wie von einem Schalter ein und ausgeschaltet wird. Auch heute Nacht soll er innerhalb einer Stunde um 180° seine Richtung ändern. Wir hatten gehofft die Windchase in unserem Marsa wieder zu treffen, aber leider sind wir hier alleine. Es gibt auch kein Dorf, nur Wasser, Wüste und Moya. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die 10 Tage bis zu unserer Weiterfahrt ziehen könnten. Aber es hilft nichts, 30 Knoten Wind sollten wir besser aussitzen.

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11.04.2019 - Suakin, Sudan

Putsch im Sudan: Es geht heiss her - aber nicht hier

Gestern Abend haben wir es doch noch an Land geschafft. Wir tuckerten mit Tilly hinüber zu der kleinen Insel. Es gab keinen Steg an dem wir anlegen konnten, wir banden die Festmacherleine an einem Seil im Boden an. Auf den Steinen lagen einige Reifen, so dass wir aus unserem kleinen Gummiboot aussteigen konnten. Wir standen direkt in den Ruinen. Sie sind hier überall, nicht nur auf der kleinen Insel sondern erstrecken sich auch entlang des Hafens. Kaum ein Gebäude ist mehr als solches zu erkennen, beschädigt sind sie alle, sogar die Moscheen. Bereits an Bord war mir aufgefallen, dass ich den Muezzin gar nicht höre. Jetzt sehe ich, dass der einfach ohne Lautsprecher zum Gebet ruft. Die Menschen leben in, ich weiß nicht, Bretterbuden wäre eine Übertreibung, zwischen den Trümmern. Wir treffen fast nur Männer und Kinder auf der staubigen, gestampften Straße, fast keine Frauen. Alle sind wahnsinnig nett und begrüßen uns lachend mit Welcome oder Assalamu Alaykum. Es ist sehr schmutzig, vor allem staubig, und ich frage mich wie zum Teufel die Männer ihre schneeweißen Roben in all dem Dreck sauber kriegen. Die Kinder sind neugierig und sagen Hallo. Wir laufen ein bisschen durch die Straßen und sind gar nicht mehr so sicher, ob wir wirklich an Land essen wollen. Fleisch auf keinen Fall, die Gefahr krank zu werden erscheint gross. Wir wagen uns dann doch in eine der Bretterbuden und ich bin erleichtert als wir frittierten Fisch, Brot und original versiegelte Flaschen Sprite serviert bekommen. Es war sehr lecker.

Heute Morgen haben wir dann den Gemüse Markt gefunden mit vielen kleinen Ständen. Jetzt haben wir wieder Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Auberginen, eine Art Gurken, Bananen, Melonen und Orangen an Bord und ich freu mich jetzt schon auf einen Tomatensalat. Spannend war das Abwiegen der Waren, ein Kilo Tomaten wurden einfach mit dem gleichen Metallklotz gegen gewogen als die zwei Kilo Kartoffeln. Dass hier Bildung hier wirklich im Argen liegt, konnten wir dann auch gleich feststellen, als der Mann am Marktstand nicht zu überzeugen war, dass er uns zu viel Wechselgeld gegeben hat. Moyas Tank ist auch schon wieder voll, der Capitano hat dafür am Morgen hart mit zahlreichen Kanistern gearbeitet.

Ihr seht also, dass uns das Geschehen in Khartoum fast unberührt lässt. Das einzige was wir von der militärischen Übernahme und dem Abdanken des Präsidenten mitbekommen haben ist, dass die sozialen Netzwerke blockiert und einige Internetseiten zensiert sind. Wenn ich nicht in die Nachrichten geschaut hätte, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass hier ein Putsch statt gefunden hat. Uns geht’s gut. No worries!

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10.04.2019 - Suakin, Sudan

Immer noch an Bord

Oh ist das gemein. Jetzt ist es schon 16:00 Uhr und wir sitzen immer noch an Bord. Seit heute Morgen um 9:00 Uhr liegt Moya vor der kleinen kreisrunden Insel von Alt-Suakin vor Anker und wir können schon mal von Bord aus einen Blick auf die Ruinen des einst wichtigen Seehafens werfen. Aber leider eben immer noch von Moya aus. Dabei jucken die Beine. Sie würden gerne an Land Auslauf bekommen.

Die Korallengebäude aus einer anderen Zeit sind komplett in sich zusammen gefallen. Alt-Suakin sieht aus, wie nach einem großen Erdbeben oder so wie ich mir eine Stadt nach Bombenbeschuss vorstelle. Dabei ist die Stadt schon seit vielen Jahrzehnten beschädigt und verfällt im Laufe der Zeit immer mehr, bis heute kaum mehr Gebäude erkennbar sind. Seit der Gründung von Port Sudans zu Beginn des letzten Jahrhunderts verlor Suakin seine Bedeutung als einzige Hafenstadt des Sudans und wurde zur Geisterstadt. Sowohl der Markt, als auch die Geschäfte sollen sich trotzdem hier befinden, auch wenn das von unserer Position aus vor dem Fischerhafen kaum vorstellbar ist. Wir werden sehen.

Mr. Mohamed war vor zwei Stunden bei uns an Bord, wir füllten zusammen die Papiere aus, nun schlägt er sich durch den Papierkrieg mit den Behörden. Wir sind inzwischen immer noch „gefangen“ an Bord, aber wenigstens haben wir bereits Internet (das funktioniert hier überraschend gut) und einige sudanesische Pfund, so dass wir direkt übersetzen können, sobald wir unsere Pässe und die Hafenpässe in den Händen halten.

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09.04.2019 - Rotes Meer, 18°28' N / 38°11' O

Tag 26: Suakin wir kommen

Der ersehnte Wind ist dann doch noch gekommen. Erst tatsächlich von Süden, dann aber leider relativ schnell von Osten und inzwischen von Nordosten. Der direkten Kurs ist nicht zu halten, wir kreuzen auf. Es sind aber nur noch 70 Meilen bis nach Suakin, wir werden also Morgen unseren Landfall im Sudan machen.

Inzwischen schlängeln wir uns zwischen den vorgelagerten Riffen hindurch und bereiten uns auf Suakin vor. Die Jungs haben am Morgen schon eine große Tasche mit einem Teil ihrer Spielzeuge zusammen gepackt, die sie den armen sudanesischen Kindern schenken wollen. Die Trennung von ihren Lego Duplo und sonstigen Sachen war gar nicht so einfach für sie, aber dass andere Kinder gar nichts zum Spielen haben wollten sie noch weniger. Während dessen sortierte ich die Kleider der Kinder noch einmal durch, vermutlich werden wir auch für die aussortieren Sachen dankbare Abnehmer finden. Immerhin lag der Sudan in 2013 (neuere Daten habe ich nicht da) beim Human Development Index (HDI) gerade mal auf Platz 166 von insgesamt 187 bewerteten Ländern und gehört daher zu den sehr armen Ländern der Erde. Der Index berücksichtigt aber nicht nur das Bruttonationaleinkommen pro Kopf eines Landes sondern auch Lebenserwartung, Lebensstandard und Bildung der Menschen. Die Menschen im Sudan haben laut dem HDI sogar noch schlechtere Chancen auf menschliche Entwicklung als die Menschen in Papua-Neuguinea (Platz 157) und Vanuatu (Platz 131), den bisher ärmsten Ländern unserer Reise. Gerade mal 49% der Frauen und 71% der Männer sind in der Lage zu lesen und zu schreiben. Die von unseren Tauschhandel übrig geblieben Hefte, Farb- und Bleistifte habe deshalb auch schon mal bereit gelegt.

Mr. Mohamed, unser Agent, weiß auch schon Bescheid, dass wir morgen ankommen werden und fängt schon einmal an unsere Einreise und Diesel für Moya zu organisieren. Wir sind schon sehr gespannt auf die kleine Stadt und freuen uns auf Schwarzafrika.

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08.04.2019 - Rotes Meer, 17°37' N / 39°28' O

Tag 25: Endlich Land

Nach 24 Tagen auf dem Wasser waren wir gestern das erste Mal wieder an Land. Das war zwar nicht so ganz legal, aber die Hitze an Bord war nur schwer zu ertragen. Die Luft stand, die Sonne brannte mächtig auf uns herab. Wir badeten von unserer Badeplattform aus, bliesen ein Minischlauchboot auf, und die Kinder verwendeten es auf dem Achterdeck als Planschpool. Aber es war einfach nicht dasselbe, als im Sand zu buddeln und sich die Füße auszutreten. Der schöne weiße Sandstrand winkte so auffällig er konnte. Auf der kleinen Sandinsel schien es nichts zu geben, außer Sand, Wasser und viele, viele Möwen. Wir machten also doch noch Tilly startklar und tuckerten hinüber. Das grünliche Wasser war glasklar. Im fünf Meter tiefen Wasser konnten wir genau die kleinen Korallenpatches sehen und einige Fische, die dazwischen herum schwammen.

Auch an Land war es heiß, kein Schatten weit und breit. Wir stellten unseren Sonnenschirm auf und bekamen erst einmal eine Ladung Rost über die Füße. Ein neues Opfer der Salzwasseratmosphäre, sie hatte ihn von innen rosten lassen. Einmal stand er noch. Die Kinder vergnügten sich inzwischen damit über den Strand zu fetzen und die Möwen zu jagen. Bei unserem Strandspaziergang fanden wir tausende von Einsiedlerkrebse, einen wunderschönen Krebs, mehrere schöne Muschelschneckenhäuser und einen riesigen Schädel eines Vogels, vielleicht eines Pelikans. Trotz Schwimm-T-shirts und Lichtschutzfaktor 50 Sonnencreme mussten wir unsere Sachen schon relativ schnell wieder zusammen sammeln, man merkt dass hier die Wüste nicht weit entfernt ist.

Gegen Abend entschieden wir noch ein bisschen Diesel zu verfeuern und uns wieder auf den Weg nach Norden zu machen. Zum Glück ist unser Tank immer noch fast halbvoll. Jetzt warten wir angespannt bei absoluter Windstille auf den ersehnten Wind aus Süden.

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09.04.2019:
Kommentar from André, SY Mirabella
Grandios! Immer wieder schön von euch zu lesen.
07.04.2019 - Entaasnu, Eritrea

Tag 24: Gegenwind

Wer gut auf unsere Position geachtet hat, ist bestimmt schon ausgefallen, dass wir an Massawa, unserem geplanten Zielhafen, vorbei gesegelt sind. Das liegt nicht daran, dass wir Eritrea doof finden oder Massawa nicht gerne gesehen hätten, die Stadt hat ja eine sehr dichte Geschichte, sondern wieder einmal am Wind.

Das rote Meer ist mit seiner Großwetterlage berechenbar. Im Winter weht im südlichen Teil, hauptsächlich ein Wind aus Süden während im nördlichen Teil der Wind aus Norden bläst. Dazwischen, so ungefähr auf Höhe der Grenze Eritrea-Sudan befindet sich eine Konvergenzzone, in der alle möglichen unmöglichen Wetterphänome auftreten. Im Sommer gibt es im gesamten roten Meer fast ausschließlich Wind aus Norden, für uns also Gegenwind. Zusätzlich treten lokale, schlecht vorhersagbare Effekte auf; das ist der Khamsin im Norden, ein heißer und trockener Wüstenwind, der viel Staub und Sand aus der Sahara mitbringt, der Belat im Süden, der in Sturmstärke von den Bergen der arabischen Insel herabweht und die See ordentlich aufmischt, der Haboob der auch mit Sturmstärke an der sudanesischen Küste wütet und der Kharif, der aus Somalia her bläst. Das Wetter im roten Meer ist also positiv formuliert eine Herausforderung.

Wir versuchen momentan die letzten Lüftchen aus Süden mit zunehmen, um dem Gegenwind möglichst lange aus dem Weg zu gehen, und haben deshalb entschieden noch ein paar Tage länger mit unserer leeren Kombüse zu leben und direkt Suakin im Sudan anzulaufen. Für Morgen war eigentlich einer, der auf unserer Höhe seltenen Winde aus Süden vorhergesagt, aber momentan sieht es schon wieder so aus als ob er es vielleicht doch nicht zu uns schafft.

Gestern sind wir bis zu der Insel Harmil gesegelt, um auf der Südseite der Insel Schutz gegen die nördlichen Winde und Wellen zu suchen. Der Anker war noch nicht richtig eingefahren, da raste auch schon ein kleines offenes Boot auf uns zu. 3 Mann waren an Bord, sie wollten unsere Papiere sehen, wussten dann aber nicht so richtig, was sie mit uns machen sollten. Irgendwann zogen sie mit unserem Papierkram ab und versprachen später wieder zu kommen. Ich war nervös, der Capitano tiefenentspannt, auch noch nach fünf Stunden. Kurz vor Sonnenuntergang kamen sie dann doch noch und verscheuchten uns aus der Bucht. Harmil sei Millitärzone, wir können aber vor der Nachbarinsel Entaasnu ankern. Dort liegen wir jetzt, wenn auch nicht ganz so gut geschützt.

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08.04.2019:
Kommentar from Gabi
Super gemacht bisher, aber ihr denkt schon an den Krieg im Sudan. Wenn ihr im Sudan Proviant bunkern wollt, befürchte ich, dass ihr eure letzten Dosen an die hungernde Bevölkerung spenden werdet. Hoffe, dass ich zu schwarz sehe. Weiterhin gutes Gelingen. Gabi
06.04.2019 - Rotes Meer, 16°27' N / 40°10' O

Tag 23: Schätze des Meeres

Gestern Morgen hatten wir zum ersten Mal überhaupt einen Blauflossen Thunfisch an der Angel, das wussten wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Diese Art von Thunfisch kann bis zu 4.5 Meter lang und 650 kg schwer werden. Unserer war ein kleines Exemplar, aber gekämpft hat er wie ein Großer. Erst später haben wir herausgefunden, welch ein Schatz wir aus dem Meer gezogen haben.

Ich schätze, dass unser Fang ungefähr zwei bis drei Jahre alt gewesen sein müsste, ca. 1 Meter lang und ca. 10 kg schwer. Wenn meine Schätzung richtig ist, war er wohl leider noch ein Teenager und er war noch nicht geschlechtsreif. Das ist sehr schade, denn Blauflossen Thunfische sind durch Überfischung zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, aber stark gefährdet. Der Blauflossen Thun wird auch roter Thun genannt, da er dieses herrlich rote Fleisch besitzt, das auch beim Braten rot bleibt. In die Dose wandert dieser Thunfisch nicht, das sind ihre hellfleischigen Kollegen wie z.B. die Bonitos, die Langflossen oder die Gelbflossen Thunfische. Die roten Thuns sind eine Delikatesse. Wenn Ihr Thunfisch Sushi oder Sashimi in einem Sushi Restaurant bestellt, bekommt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Blauflossen Thun. Sage und schreibe 80% des Roten Thuns, der hauptsächlich im Atlantik vorkommt, wird nach Japan zu genau diesem Zweck exportiert. Seit Jahren wird schon ein absolutes Fangverbot diskutiert, aber leider konnte man sich dazu bisher nicht durchringen. Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass es in paar Jahren den Blauflossen Thun nur noch im Sternerestaurant für viel Geld geben wird.

Auch bei uns landete unser toller Fang gestern roh als Sushi auf dem Tisch. Es war unglaublich lecker. Sogar Joshua, der sonst sehr piki ist und Sushi kategorisch verschmäht, probierte erst skeptisch, ließ es sich dann aber solange schmecken bis nichts mehr da war. Verhungern werden wir also Dank der Schätze des Meeres und Dank Eurer Rezeptideen nicht, die haben wir übrigens alle schon getestet und für lecker befunden. Die Kinder haben sogar einen regelrechten Streit um den letzten von Mekkis’ Kartoffelsterz angezettelt.

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06.04.2019:
Kommentar from Claudia und Christoph
Hallo ihr Abenteurer, das war alles super spannend bis jetzt. Wir lesen täglich eure Berichte und können gar nicht glauben, dass Curacao schon über ein Jahr her sein soll. Wir drücken euch die Daumen, dass alles weiter so prima läuft! Lieben Gruß Claudia und Christoph
05.04.2019 - Rotes Meer, 15°46' N / 41°21' O

Tag 22: Wir verlassen die Piraten Allee

Heute werden wir die militärisch kontrollierte Zone, auch high risk area oder Piraten Allee genannt, verlassen. Nachdem wir doch sehr lange überlegt und Risiken abgewogen haben, bevor wir unsere Entscheidung gefällt haben in dieses Gebiet zu segeln, würde ich gerne noch einmal die Gelegenheit nutzen und unsere Einschätzung der Lage zusammen fassen:

Unserer Meinung nach war es kein Zufall, dass unsere Passage ins Rote Meer unproblematisch und sicher verlief. Die Anti-Piraten Koalition leistet hier großartige Arbeit. Viele Nationen sichern in systematischer Zusammenarbeit die Sicherheit in einem schmalen Korridor durch den Golf von Aden bis ins Rote Meer hinein. Dieser Korridor, der IRTC, ist zusammen mit den sich anschließenden Schifffahrtsstrassen ins Rote Meer ca. 650 Meilen lang und hoch frequentiert. Während unserer etwa fünf tägigen Überfahrt haben wir in ihm hunderte von Schiffen gesehen. Das waren hauptsächlich Tanker und Containerschiffe, aber auch einige Segler und Kreuzfahrtschiffe. Jeden Tag wurden wir mindestens einmal von einem Militärflugzeug überflogen, das aktiv den Funkkontakt mit uns suchte und sich erkundigte, ob alles in Ordnung an Bord ist. Kriegsschiffe haben wir nur ein Einziges real gesehen und keins am AIS, was aus zwei Gesichtspunkten auch durchaus Sinn macht: Zum einen wäre es wohl kontraproduktiv, würden die Kriegsschiffe ihre Position über AIS übertragen, dann würden potentielle Piraten zu jeder Zeit wissen wo sich ihre Kontrahenten aufhalten oder auch nicht. Zum anderen ist es logischer, wenn die Kriegsschiffe nördlich und südlich außerhalb des Korridors patrouillieren, um die Lage zu sichern, als zwischen dem vielen Verkehr herum zu fahren. Über ihre Anwesenheit kann allerdings kein Zweifel bestehen, wir haben sie mehrfach täglich auf Kanal 16 und 8 untereinander und mit den Frachtern funken hören. Außerdem könnte auch der Empfang weit entfernter AIS Signal im Zusammenhang stehen mit der Anwesenheit von militärischen Schiffen oder Flugzeugen und der Verwendung von Repeatern. Im Korridor gab es schon seit vielen Jahren keinen erfolgreichen Piratenübergriff mehr, auch nicht auf Frachter, während außerhalb dieses Bereichs, z.B. vor der somalischen Östküste durchaus Piraten aktiv waren. Zum Beispiel gab es 2017 insgesamt 11 Fälle versuchter oder erfolgreicher Piraterie auf Frachtschiffe in der Region, aber eben außerhalb des Transitkorridors. Vermutlich würde die Piraterie auch im Korridor eine Renaissance durchleben, wenn das Mandat der Anti-Piraten Koalition erlöschen würde. So aber scheinen die Watchkeepers durch systematische, fortwährende, effektive Überwachung, die Kommunikation mit den Schiffen und ihre militärische Präsenz die Sache innerhalb des Korridors im Griff zu haben.

Insgesamt wird Piraterie gegen Segelyachten oft emotional diskutiert. Das ist auch keine Überraschung geht es dabei ja um das leibliche Wohl von Schiff und Crew. Schaut man sich aber nüchtern die objektiven Zahlen an, gibt es in den letzten Jahren jährlich weniger als eine handvoll Berichte über erfolgreiche oder versuchte Piraterie auf Segelbooten weltweit und das obwohl da draußen tausende von Booten über die Weltmeere fahren. Einfacher Diebstahl fällt hierbei nicht unter die Definition von Piraterie, sondern nur Fälle von unautorisiertem Eindringen und Entwendung von Eigentum unter Gewaltandrohung. Auch bei dieser Faktenlage bleibt die Risikobewertung letztendlich beim Kapitän einer jeden Yacht, der die Relevanz der schlimmen Einzelfälle für das Wohl seines Schiffes einschätzen muss. Wir würden unter denselben Voraussetzungen noch einmal die Passage ins Rote Meer machen, wir haben uns die gesamten 3 Wochen sicher und gut überwacht gefühlt.

Momentan segeln wir Full Speed gegen Norden. Der Wind wurde wie mit einem Schalter heute morgen angeschaltet und weht jetzt mit 30 Knoten (wieder viel mehr als vorhergesagt) von achtern. Moya rauscht nur so über die aufgewühlte See, ohne Grosssegel, nur mit Genua und Fock. Das Wetter hier im Roten Meer hat es wirklich in sich.

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06.04.2019:
Kommentar from Martin ( Schwiegervater von Sarah)
wünsche euch eine gute Fahrt durchs Rote Meer.....der Wind könnte laut Vorhersage sich mit eurer Fahrt zu euren Gunsten wenden...
04.04.2019 - Rotes Meer, 14°06' N / 41°52' O

Tag 21: Kurze Verschnaufpause bei Riesenquallen

Auch für diese Nacht war wieder Wind direkt auf die Nase vorhergesagt. Wir hatten aber überhaupt keine Lust noch eine Nacht gegen Wind und Wellen anzukämpfen. Außerdem schwächelte ich ein bisschen. Eine Pause vor Anker und eine ganze Nacht ohne Unterbrechung durchschlafen wirkte aber Wunder.

Schon seit dem Morgen wurden wir von Schwärmen schwarz weißer Möwen begleitet, die immer wieder Moya umkreisten, dann eine kleine Schwimmpause einlegten bevor sie wieder im Tiefflug über uns hinwegglitten. Majestätisch sah das aus. Joni und ich saßen fast eine Stunde an der Reling und beobachteten, was sie als nächstes machen würden. Den ganzen Tag über flogen sie neben uns her. Vielleicht dachten sie ja wir seinen ein Fischerboot und irgendwann würde etwas abfallen? Am späten Nachmittag erreichten wir die kleinen kargen Inselchen vor Mersa Dudo, Eritrea. Im Schatten der kleinen Insel Sadla wollten wir gerne ankern, vor dem Nordwind und den Wellen geschützt. Ein Fischerboot lag dort und ruhte sich für den nächste Nacht auf See aus. Das Boot war nicht groß und randvoll mit Netzen, Bojen und sieben tiefschwarzen Männern in bunten Klamotten, die uns beim Näherkommen winkten. Sie gingen gerade Anker auf, so dass ich gleich aufhören konnte darüber nachzugrübeln was ich ihnen wohl am besten geben könnte.

Als ich den Anker klar machte fielen mir große weiße Gebilde im Wasser auf. Im ersten Moment dachte ich es wären weiße Kanister oder leere Plastiktüten. Dann schaute ich genauer hin und sah die großen weißen Schirme, die weiße blumenkohlartige Tentakel hinter sich herzogen. Es waren Hunderte und sie waren riesig, nicht alle, aber ich sah die eine oder andere Qualle mit bestimmt einem ganzen Meter Durchmesser. Spontan strich ich die Idee vor Anker mit den Kindern ins Wasser zu springen. An Land gehen wollten wir ohnehin nicht, denn wir waren noch nicht in Eritrea eingereist und an der Küste scheint es überall Militärcamps zu geben. Stattdessen plünderte ich meine Schatzkiste, so dass es Gummibärchen und Eistee zur Feier des Tages gab.

Heute Morgen waren wir alle schon früh wach und trotzdem ausgeschlafen. Der Himmel ist ganz milchig. Wir sind schon wieder unterwegs Richtung Norden, um den bald einsetzenden Wind gänzlich mitzunehmen. Unsere Passage ist immer noch nicht zu Ende.

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05.04.2019:
Kommentar from Lars
Megaritt! Sehr spannend! Weiterhin gutes Gelingen und Spaß!
03.04.2019 - Rotes Meer, 13°44' N / 42°20' O

Tag 20: Land in Sicht!

Nach über 19 Tagen auf See haben wir gestern das erste Mal wieder Land gesehen und das gleich zweimal. Auf der Backbordseite tauchten zuerst die zu Dschibuti gehörenden Seba Inseln aus dem Dunst auf. Auf der Steuerbordseite folgte wenig später, die nur zwei Meilen vor dem Jemen liegende Insel Mayyun. Joshua wollte dort unbedingt eine Strandpause einlegen und verstand nicht so recht warum wir einfach an der Insel vorbei segelten. Schießen ist noch etwas romantisches für ihn, da helfen auch alle Erklärungen nichts. Nicht nur wegen des Bürgerkrieges kann man vor Mayyun nicht ankern, sie war schon vorher militärisches Sperrgebiet. Inzwischen haben aber die Houthi Rebellen vor vielen jemenitischen Häfen der Westküste Seeminen verlegt und es soll auch an manchen Orten auf Yachten geschossen worden sein. Der Jemen und alle vorgelagerten Inseln sind also absolut Tabu für uns. Die Durchfahrt durch die millitärkontrollierte Schifffahrtsstrasse in der Meerenge Bab El Mandeb wird somit unsere größte Annäherung an den Jemen gewesen sein. Mit moderatem Rückenwind segelten wir gestern, zwischen den Dicken, durch den Eingang zum roten Meer.

Vor 10 Tagen, kurz vor Soccotra, hatten wir tagsüber unsere Wachen verschärft. Fast immer saßen entweder Christian oder ich im Cockpit und scannten kontinuierlich den Horizont nach etwas Ungewöhnlichem ab. Kurz vor der Meerenge rief ich dann gestern das erste Mal „Christian, da ist ein Skiff.“ Tatsächlich waren es zwei, die ungefähr eine halbe Meile entfernt in entgegen gesetzter Richtung unterwegs waren. Die kleinen weißen, offenen Boote sind im Dunst und zwischen den weißen Wellenkämmen nur schwer zu erkennen. Jedes der Boote trug 5 Männer und war somit voll, Fässer, Leitern oder Fischernetze sahen wir keine und konnten daher auch überhaupt nicht einschätzen was sie wollten. Seltsam war das aber schon, zwei voll besetzte Böotchen in der Mitte der Schifffahrtstrasse in Richtung des hinter uns fahrenden Frachters fahren zu sehen. Wir beobachten sie noch ein bisschen, bereits nach einer Meile waren sie aber selbst mit dem Fernglas kaum mehr auszumachen. Es ist eher schwierig aus der Ferne einzuschätzen wer gut und wer böse ist. Wir würden aber eher auf gut tippen, von uns oder den hinter uns fahrenden Schiffen wollten sie jedenfalls nichts.

Mit der Dämmerung setzte dann der Gegenwind ein. Zu dem Zeitpunkt hatten wir die engste Stelle der Meerenge bereits hinter uns gelassen. Der Wind wehte stärker als angesagt und die erste Nachthälfte direkt auf die Nase. Da wir in der Schifffahrtstrasse bleiben wollten, blieb uns nichts anders übrig als mit der Maschine gegen die nun auch gegenläufige See anzubolzen. Schön war das nicht! Aber seit heute Morgen um 5 Uhr segeln wir wieder hart am Wind entlang der Küste Eritreas.

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02.04.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 19: April, April!

Irgendjemanden musste ich doch in den April schicken und die Auswahl der Opfer an Bord ist begrenzt. Hand aufs Herz, wer hat geglaubt, dass wir in Aden sind? Sind wir natürlich nicht, die schönen Kirchen werden vergeblich auf uns warten. Den Logbucheintrag von gestern habe ich frei erfunden. Das einzige Richtige an dem gestrigen Eintrag ist, dass in unserem Obst- und Gemüsenetzen tatsächlich gähnende Leere herrscht.

Unsere frischen Sachen gehen dieses Mal nicht langsam, sondern schnell zu Neige. Das ist aber auch kein Wunder, der letzte Gemüsemarkt war in Galle und liegt inzwischen einen ganzen Monat zurück. Bis auf einige wenige, schrumplige Äpfel haben wir nur noch einige Zwiebeln, Kartoffeln, Kürbis und Weisskraut und wenige Eier. Meine Kreativität in der Pantry ist mal wieder gefragt, ich bin schon dazu über gegangen Ideen sofort aufzuschreiben, damit ich sie auch bloß nicht wieder vergesse. Denn die Küche wird ohne Fleisch, wenig Käse und fast keinen frischen Produkten doch schnell eintönig oder aufwendig. Nicht nur wegen des Geschaukels stehe ich auf Passage oft sehr lange in der Pantry, sondern einfach weil wir mal was anderes Essen wollen. Selbstgemachte Spätzle, Rotis, Gnocchis, Schupfnudeln, Linsenbällchen, Falafeln, Pizza dauern alle bis sie fertig sind, das brauchen wir aber, da es sonst eine Meuterei an Bord gäbe. Abwechselnd Reis und Nudeln essen hält man auf Dauer einfach nicht aus - zumindest nicht ohne schlechte Laune. Falls ihr noch eine Rezept Idee für mich haben solltet, schreibt sie doch bitte in einen Kommentar, ich würde mich sehr freuen. Heute wird es einfach werden mit dem Abendessen, wir haben nämlich gestern auf dem Weg nach Bab del Mandeb einen Barrakuda gefangen. Heute werden wir ins rote Meer flutschten, trotzdem wird es noch einige Tage dauern bis wir Massawa erreichen werden, es ist Gegenwind angesagt.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
02.04.2019:
Kommentar from Marcus und Judith
Hey! Wir haben es geglaubt und uns Sorgen über Euren Geisteszustand gemacht! Für die gelungene Veräppelung gibt es jetzt ein Rezept für lecker Kartoffelsterz: 1 kg Kartoffeln (mehlig), 100g Mehl, (Weißmehl), 1 TL Salz, evtl. ein Ei. Die Kartoffeln kochen und vollständig auskühlen lassen. Die gekochten und erkalteten Kartoffeln reiben oder durchpressen und mit dem Mehl und Ei und dem Salz zu Streuseln verarbeiten. Falls die Kartoffeln nicht mehlig genug sind, braucht man u.U. mehr Mehl. Die Streusel in einer Pfanne im Fett anbraten. Entweder in der Pfanne langsam ausbacken, oder ca. 1 Stunde im Backofen bei 180 Grad im Backblech fertig backen, dabei immer mal wieder mit dem Pfannenwender durchmischen. Am Ende sollte er goldgelb und schön bröselig sein. Als Beilage gehen Apfelmus oder andere süße Kompotte. Man kann ihn aber auch deftig zu Sauerkraut servieren. Guten Appetit und viele liebe Grüße
03.04.2019:
Kommentar from Marlene und Werner
Wir dachten ihr seid von allen guten Geistern verlassen. Der Aprilscherz ist gelungen Vielleicht lassen sich eure Lebensmittelvorräte für Griesschnittn oder Milchreis jeweils mit Kompott verwenden. Zuvor eine gebrannte Griessuppe. (4 Essl. Griess mit etwas Butter anrösten und mit Wasser ablöschen,etwas Suppenpulver dazugeben und ein verschlagenes Ei unter Rühren dazugeben.)
01.04.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 18: Ungeplanter Abstecher nach Aden

Moya flog auch heute den gesamten Tag über die Wellen, der starke Wind hielt an. Um den starken Winddruck in unserem Rigg zu reduzieren, holten wir das Grosssegel ein und änderten unsere Segelkonfiguration. Zur ausgebaumten Genua setzten wir nur noch unsere kleine Fock dazu und verzichteten komplett auf unser Grosssegel. Es wurde deutlich komfortabler an Bord, Moya rollte nicht mehr so sehr von einer auf die andere Seite und segelte dennoch fast ungebremst Richtung Westsüdwesten. Auch mit den beiden Vorsegeln sind wir mit unserer Navigation eingeschränkt, da wir nur direkt vor dem Wind laufen können.

Kurz nach Sonnenuntergang drehte dann der Wind unerwartet auf Südost. Wir überlegten kurz, ob wir eine Turnstunde auf dem Vordeck einlegen sollten, entschieden uns aber dagegen. Es war schon dunkel, die Wellen immer noch hoch und der Wind pfiff. Statt dessen wollten wir die Schifffahrtsstrasse kurzfristig verlassen, um sie später wieder zu treffen. Da die Straße hier weiterhin in WSW Richtung verläuft, später aber nach Nordwesten abknickt, würden wir ein bisschen abkürzen können, wenn wir direkt nach Westen segeln, bei gleichzeitig besseren Windwinkel. Wir warteten also eine Lücke in der Schlange der Cargo Schiffe ab und mogelten uns nördlich aus der Schifffahrtstrasse. Unsere AIS Übertragung schalteten wir zur Sicherheit lieber mal aus. Christian legte sich hin, ich stellte den Timer für die Nachtwache auf 15 Minuten und gab mir 5 Minuten mehr zwischen den Rundumblicken als in der Schifffahrtstrasse, Verkehr war ja nicht zu erwarten.

Der Schlafmangel der letzten Tage schien mir doch mehr zugesetzt zu haben als ich dachte, schon nach den ersten Kontrollblicken muss ich eingeschlafen sein. So tief, dass ich den klingelnden Timer nicht wahrnahm. Normalerweise wecke ich Christian zum Ende meiner Wache, heute nicht. Als ich aufwachte war es noch dunkel, der Timer klingelte (immer noch) und ich stolperte nach draußen für den Rundumblick. Draußen war alles in Ordnung, die Segel standen, kein Lämpchen zu sehen. Erst der Blick auf unser GPS rüttelte mich wach. Kurs 303° und 4:31 Uhr stand dort. „Das kann nicht sein“ dachte ich und tippte auf den Bordcomputer, um ihn aus dem Standby Modus zu holen. Mit Entsetzen stellte ich fest, dass es wirklich schon fast Morgen war und ich die ganze Nacht verschlafen haben muss. Inzwischen waren wir nicht wie geplant nach Westen gesegelt, sondern nach Nordwesten und waren nun kaum mehr 10 Meilen vom jemenitischen Festland entfernt. Aden musste direkt vor uns liegen. Mit weichen Knien weckte ich den Capitano.

Christian konnte meine Aufregung nicht so recht nachvollziehen. Er hatte gut geschlafen und schließlich war ja nichts passiert. „Wenn wir schon mal da sind, können wir doch auch gleich einen Tag bleiben und uns die Stadt anschauen“ meinte er. Ich bin mir zwar nicht so sicher, ob das wirklich eine gute Idee ist, ließ mich aber davon überzeugen, dass wir eine kleine Pause bitter nötig haben, die Kinder Auslauf brauchen und die leeren Gemüsenetze wieder aufgefüllt werden müssen. Wir liegen also inzwischen im Hafen von Aden vor Anker und warten auf die Behörden. An Land sieht alles ruhig aus.

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01.04.2019:
Kommentar from Flo
Sollen dort schöne Kirchen haben...
31.03.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 17: Geisterfahrer

Erst gar kein Wind und jetzt über 25 Knoten. Das entspricht Windstärke 6, starker Wind. An Land bewegen sich bei diesem Wind auch dicke Äste und man hört ein Pfeifen. 20 Knoten hätten mir eigentlich auch gereicht. Ja, ja, ich weiß, irgendwas ist immer. Aber heute Nacht ging es ganz schön zur Sache.

Die inzwischen ordentlichen Wellen rollten unter dem Schiff durch und hoben es an, bevor es wieder hinunter ging, dabei wurde Moya jedesmal leicht nach rechts oder nach links gedrückt. Quer zur Fahrtrichtung sitzend fühlte man sich als würde man ununterbrochen wippen. Moya segelte zwischen den Tankern und Containerschiffen, die noch immer wie auf zwei Perlenschnüren aufgereiht an uns vorbei zogen. Moya machte richtig Fahrt Richtung Westen, wurde jedoch ganz allmählich, über Stunden hinweg nach Süden aus dem Mittelstreifen auf die ostwärts gerichtete Fahrbahn gedrückt. Der Wind kam direkt von achtern, eigentlich sogar schon leicht aus der falschen Seite in das Grosssegels. Wir konnten unter keinen Umständen weiter abfallen (für Nichtsegler: den Wind weiter von hinten nehmen), da wir sonst eine Patenthalse (wenn der Baum unkontrolliert vom Wind von einer auf die andere Seite gedrückt wird) riskieren würden. Das Segel ist zwar mit einer nach vorne ziehenden Leine gesichert, so dass eigentlich der Baum bleiben sollte wo er ist, selbst mit Wind von der falschen Seite im Segel, aber das darf dann auch nicht schiefgehen, da sonst unser Rigg schwere Schäden nehmen würde. Abfallen war somit keine gute Idee, aber nachts als Geisterfahrer unterwegs sein eben auch nicht. Ein noch Norden gerichteter Strom sollte einsetzte und unseren Kurs wieder verbessern. Aber er tat uns den Gefallen nicht.

Um 3 Uhr heute Morgen waren wir dann schon fast eine halbe Meile auf der Gegenfahrbahn und wir mussten was tun. Wir holten das Gross dicht, fuhren eine Halse und nun quer zur Schifffahrtsstrasse. Unser Ziel war, den Mittelstreifen einmal zu queren, um uns dann ganz langsam nach einer erneuten Halse wieder nach Süden drücken zu lassen. Mit dieser Aktion wollten wir ein nächtliches Umbauen unserer Segelkonfiguration verhindern. Das wäre bei diesen Bedingungen nicht so lustig geworden. Unsere Idee funktionierte, nur Murphy schlug mal wieder zu und schickte uns einen koreanischen Tanker genau dorthin wo wir die zweite Halse fahren wollten. Am Morgen hat der Strom dann endlich eingesetzt, so dass wir, trotz des starken Windes, wieder genau auf Kurs unterwegs sind. Viel Wind und Welle haben aber auch was Gutes, wir sind flott unterwegs und Piraten kommen ganz sicher keine vorbei. Mit ihren offenen kleinen Booten wäre das vermutlich ein Selbstmordkomando.

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30.03.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 16: Unerwünschter Besuch

Am Nachmittag entdeckten wir doch tatsächlich einen blinden Passagier an Bord. Es war eine grüne Wanze, Nezara viridula. „Wo kommt die denn her?“ Wir überlegten, ob wir die Wanze schon die ganze Zeit an Bord haben, oder ob es ihr gelungen sein kann, denn ganzen Weg von der arabischen Halbinsel oder gar Afrika hierher geflogen zu sein. Gut fliegen können Baumwanzen schon, aber wir sind immerhin 75 nm vom Jemen und 100 nm von Somalia entfernt.

Noch mehr staunte ich dann aber nach dem Abendessen. Es war bereits dunkel geworden und ich war im Cockpit für den Rundumblick und um nach den Segeln zu sehen. Endlich gab es wieder genug Wind zum Segeln und durch die Flaute der letzten Tage noch überhaupt keine Wellen. Moya machte 5 Knoten Fahrt ohne die geringste Schaukel Bewegung. So macht Segeln Spass! Die Bedingungen waren so stabil, dass wir entschieden uns von der ausgebaumten Genua und ausnahmsweise von unserem Leichtwindsegel durch die Nacht ziehen zu lassen. Mit dieser Konfiguration ist der Bereich in dem wir navigieren können wesentlich eingeschränkter, da der Wind sehr achterlich in die Segel wehen muss. Aber der Windwinkel passte, um selbst auf dem engen Mittelstreifen segeln zu können, nur mussten wir eben öfter kontrollieren, ob Kurs und Segel noch stimmen.

Ich war also draußen und schaute, als plötzlich sehr laute rhythmische Geräusche ertönten. Fast wie ein wiederkehrendes Pfeifen, oder Tschirpen. „Nein, es war ein Zirpen!“ stellte ich nach einem Moment fest. „Joshi, Joni kommt mal raus, wir haben eine Grille an Bord!“ Mit der Taschenlampe gingen wir auf die Suche unserer Lärmbelästigung. Meine Ohren klingelten, ich hatte keine Ahnung, dass Flügel aneinander reiben von kleinen männlichen Insekten so laut sein kann. Wir mussten nicht lange suchen, der Sänger saß direkt neben mir und war gar nicht mal so klein. Für ein Insekt sogar ziemlich groß und dunkelbraun. Ich hatte vorher noch nie eine Grille bewusst gesehen, nur gehört und war nicht sicher, ob es wirklich eine Grille war, aber das Bild in Wikipedia war eindeutig. Dabei fliegen die meisten Arten gar nicht. Aber ist es wahrscheinlich, dass wir diesen Gast 15 Tage lang mit uns herum geschippert haben ohne, dass er gesungen hätte? Überhören konnten wir ihn jedenfalls kaum.

Heute Morgen noch vor unserer täglichen Funkrunde mit dem japanischen Flugzeug, nahmen wir den Blister vom Himmel, der Wind hatte zugelegt und war zu viel für unser Asymmetrisches. Wir waren spätestens jetzt dem Flautenbereich entkommen und setzten unsere Grosssegel. Die See hat wieder Schaumkrönchen und Moya rollt auch schon wieder ganz ordentlich von einer auf die andere Seite. Es geht voran!

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29.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 15: Nicht alleine

Bereits seit einigen Tagen sind wir immer mehr Schiffen begegnet. Einige davon haben wir nur auf unserem AIS Schirm, andere am Horizont und wieder andere nur weniger als eine Meile entfernt vorbei fahren sehen. Inzwischen bilden sie einen fast stetigen Strom aus Tankern und Containerschiffen, kleinere aber auch die ganz großen Ozeanriesen. Auf unserer Steuerbordseite fahren die Schiffe Richtung Westen, auf unserer Backbordseite Richtung Osten, Moya ist dazwischen eingekuschelt. Wir sind in der Schifffahrtstrasse angekommen, die eigentlich keine ist, und fahren sozusagen auf dem Autobahnmittelstreifen.

Nachdem wir unsere AIS Position die letzten Tage nicht übertragen hatten und im Schleichmodus unterwegs waren, schalten wir den Sender nun wieder an, um die Berufsschiffe nicht zu irritieren. Seit drei Tagen sehen wir auf unserem AIS Schirm jeden Morgen Schiffe, die bis zu 250 Meilen weit entfernt sind und fragen uns, ob MSCHOA hier mobile Repeater verwenden, um den Verkehr besser überwachen zu können, denn normalerweise reichen selbst die starken Signale der Berufsschiffe nur bis zu 50 Meilen weit.

Der IRTC Korridor (internationally recognised transit corridor) liegt in internationalen Gewässern, unterliegt keiner nationalen Gesetzgebung und ist somit nicht rechtlich bindend. Trotzdem halten sich fast alle Schiffe innerhalb der definierten Schifffahrtswege auf, denn in dieser Zone kontrolliert die Anti Piraten Koalition MSCHOA besonders gut. Gestern flog auch schon ein weißes Flugzeug einen Kreis über uns. Eine Minute später knackte die Funke „Japanese navy aircraft for Moya“. Sie erkundigten sich nach unserem geplanten Zielhafen und informierten uns, dass die Kriegsschiffe der Koalition den Funkverkehr auf dem Notfall Kanal 16 überwachen. Beim fünften Versuch verstanden wir das dann auch. Insgesamt war in der Nacht auf dem Kanal 16 überraschend viel los, manch Wachhabendem schien es langweilig gewesen zu sein, so dass er seinen geistigen Sondermüll in den Äther ergoss.

Wenn man in den Korridor hineinfährt sieht man nichts als blauer Ozean, aber jeder weiß Bescheid in welchem 5 Meilen breiten Streifen er unterwegs sein soll. Der Mittelstreifen ist mit 2nm noch enger, das macht das Segeln schwieriger. Aber momentan spielt das noch keine Rolle, denn es gibt immer noch zu wenig Wind und eine 2 Knoten starke, entgegen laufende Strömung. Henry kämpft bereits seit mehr als 24h mit nur 4 Knoten gegenan. Die RSM Queen Mary 2 hatte da weniger Probleme. Der hell beleuchtete riesige Kreuzfahrer raste heute Nacht mit 22 Knoten an uns vorbei, Ziel Jordanien.

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28.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 14: Nächtliches Treiben oder Wer will schon schlafen?

Christian weckte mich heute Morgen um 2 Uhr zu meiner Nachtwache. Die Maschine knatterte. Es gab immer noch nicht mehr als ein Hauch von Wind. „Unsere Tankanzeige zeigt nur noch halbvoll!“ meinte der Capitano und öffnete die Klappe im Fussboden neben Joni‘s Koje. Die Tankanzeige gibt den Dieselstand in unserem Tagestank an. Der sollte eigentlich immer voll sein, da - sobald der Motor arbeitet - kontinuierlich Diesel aus unserem Kieltank gefiltert und in den Tagestank gepumpt wird. Überschüssiger Diesel fließt dann über einen Überlauf zurück in den Kieltank. Selbst mir war klar, dass da etwas nicht stimmte.

Wir setzen Segel und schalten Henry ab. Die Segel hängen lose an den Fallen, aber zumindest driften wir nicht unkontrolliert, sondern mit einem Knötchen Richtung Westen. Wir suchen Messgeräte und Werkzeuge zusammen, dann beginnt Christian in der Bodenklappe zu hantieren. „Zündung an! Und wieder aus!“ leitet er mich an. Schnell war herausgefunden, dass der Dieselfilter verstopft war. Das war eigentlich überhaupt kein Problem, denn Moya besitzt ein redundantes Pump-System mit 2 unabhängigen Pumpen und vorgeschalteten Dieselfiltern zwischen denen man umschalten kann. Doch nach Bestätigung des Schalters rührte sich immer noch nichts, die zweite Dieselpumpe machte keinen Mucks. Christian machte sich an die Dieselfilter. Dieselschwaden ziehen durchs Schiff. Lecker! Aber immerhin! Die eine Pumpe lief wieder, nachdem die Filter gewechselt waren. Die andere nicht, sie muss irgendwann kaputt gegangen sein, ohne dass wir es gemerkt hätten. Also baute Christian auch noch gleich die defekte Pumpe aus und eine Ersatzpumpe ein. Die hatten wir zum Glück als Ersatzteil dabei. Manchmal lohnt es sich also doch, dass das halbe Schiff gut gefüllt ist mit Werkzeugen und Ersatzteilen.

Um 6:00 Uhr konnte sich Christian endlich hinlegen. Eine halbe Stunde später schepperte es im Cockpit. Ich hatte gestern Abend vergessen die Angelleine einzuholen. Ein kleiner Bonito war an der Leine. Den schaffte ich dann auch alleine zu landen. Joshua schaute zu. Die Nacht war vorbei.

Mit Sonnenaufgang setzte ein laues Lüftchen ein, wir segeln endlich wieder - aber laaangsam.

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27.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 13: Zeit Vernichtung

Ihr wollt also wissen, wie wir die Zeit in der Flaute tod schlagen?! Hier sind unsere letzten 24 Stunden:

  • 12:00 Uhr: Wir versuchen noch das letzte Lüftchen einzufangen und bauen unsere Passatbesegelung von ausgebaumter Genua und gesichertem Grosssegel um. Das Groß kommt runter, der Blister rauf.
  • 12:45 Uhr: Ich nutze das ruhige Wetter zum Putzen und scheuche die Kinder durchs Boot. Christian lädt den Logbucheintrag hoch und die Wettervorhersage herunter. Irgendwann beschließt Joshi für Christian eine Schatzsuche durchs zu erstellen.
  • 14:00 Uhr: Wir machen Vorschule. Heute spielen die Jungs mit englischen Zahlen.
  • 14:50 Uhr: “Hunger!” schreit Joni. Ohwe, wir haben das Mittagessen vergessen. Schnell verarbeiten wir unser altes Brot zu armen Rittern.
  • 16:30 Uhr: Nach dem Essen ist vor dem Essen. Ich backe Roti fürs Abendessen. Christian liest den Kids „Emil und die Detektive“ zu Ende, danach verwüsten sie das Schiff.
  • 17:10 Uhr: Schicht im Schacht. Das Segel muss runter. Henry muss ran. Ich mache Falafeln. Es dauert die Kichererbsen mit dem Messer kleinzuhacken. Die Kinder hören Bibbi Blocksberg und räumen irgendwann tatsächlich das Chaos des Tages auf. Der Capitano startet den Wassermacher und füllt Flaschen ab.
  • 18:30 Uhr: Abendessen, Zähneputzen, Abspülen, Duschen, Angel rein.
  • 20:05 Uhr: Die Kids sind im Bett - puh, abends sind sie immer anstrengend. Christian und ich schauen einen Saalbach und Kepler Tatort, mit Unterbrechungen für den Ausguck alle 15 Minuten.
  • 21:40 Uhr: Unsere Wassertanks sind voll. Es ist stockdunkel, der Mond ist noch nicht aufgegangen. Auch Sterne sieht man keine. Dafür leuchtet das Wasser von Moyas Bugwelle grünlich. Das grüne Leuchten setzt sich auch in Streifen seitlich fort. Es sieht aus wie Polarlichter im Wasser. Manchmal flieht ein überraschter Fisch mit grünem Schweif vor Moya, blitzschnell. Auch sie zieht einen langen, grünlichen Kometenschweif hinter sich her. Das Leuchten ist so hell, dass ich es sogar schaffe in der Dunkelheit zu fotografieren. Wir sind wieder einmal überwältigt von den Wundern unseres blauen Planeten. Christian legt sich viel zu spät hin.
  • 0:20 Uhr: 5 Knoten Wind, wir bauen die Segel um. Blistern wollen wir nicht bei Nacht. Wir machen 3 Knoten Fahrt.
  • 3:15 Uhr: Ich kugle aus meiner Koje und setzte mich ins Cockpit. Alle 15 Minuten Rundumblick.
  • 5:30 Uhr: Die Sonne geht bald auf. Der Himmel ist schon hell. Ich wecke Christian. Nächster Wachwechsel.
  • 6:00 Uhr: Joni steht auf und legt sich zu mir in die Koje.
  • 8:15 Uhr: Frühstück! Alle zusammen. Unsere Position ist bereits per E-Mail zu den Watchkeepers gesendet.
  • 8:55 Uhr: Der Wind ist schon wieder weg. Also Segel rein, Motor an. Die Kinder spielen Lego und rasen dabei wie wild durchs Schiff.
  • 10:10 Uhr: Badestopp. Kein Lüftchen, 0 Knoten. Wir lassen sogar das Grosssegel gesetzt. Nur eine Schwimmleine ist zur Sicherheit im Wasser und ein Erwachsener an Bord. Ansonsten gibt es nur uns, 2000 Meter tiefes Wasser und ein sanft wiegender, spiegelglatter Ozean. Die Kinder sind kaum mehr aus dem Wasser zu kriegen.
  • 11:00 Uhr: Duschen, die Maschine läuft.
  • 11:20 Uhr: Wir spielen “Wer ist es?” und Memory im Cockpit und setzten den Sauerteig für das Brotbacken am Nachmittag an.
  • 12:00 Uhr: Die Jungs kleben kleine bunte Hölzchen zu einer Schildkröte zusammen und malen sie aus. Danach stellen sie Fragen. Wir finden zusammen heraus, dass es 341 Arten gibt. Dass Schildkröten besser sehen können als Menschen. Dass die größte Art, die Lederschildkröte (die haben wir neulich erst gesehen) bis zu 2.5m lang und 900kg schwer werden, die Aldabra Riesenschildkröte dafür bis zu 250 Jahre alt werden kann, wenn auch nur in Gefangenschaft. Und noch eine ganze Menge mehr.
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26.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 12: Flaute

Der Wind ist weg. Ganz weg. Wir versuchten es mit unserem Leichtwindsegel, aber selbst das hängt nur lose am Fall und bewegt sich leicht durch das Schaukeln von Moya im kaum vorhandenen Schwell. Da ist sie also die Flaute, vor der uns alle gewarnt haben. Sie scheint nordöstlich von Soccotra fast schon stationär zu sein. Jedenfalls zeigten unsere Wetterfiles hier seit Wochen wenig Wind.

Nach nur 17 Motorstunden seit unserer Abfahrt auf den Malediven, blieb uns bereits in der Nacht nichts anderes übrig als unter Maschine zu laufen. Wie würden unsere lieben Politiker sagen? Alternativlos! Inzwischen treiben wir mit nicht mal 2 Knoten in die richtige Richtung, es gibt zwar fast keinen Wind (3 Knoten zeigt der Windmesser), dafür aber eine leichte Strömung nach Westen. Henry kriegt eine verdiente Pause, solange bis ich die Langsamkeit nicht mehr Ertragen kann. Diese Flaute ist ganz besonders frustrierend, da momentan nur 200 Meilen weiter westlich ein schöner Segelwind weht, von dem man nicht so genau weiß, wie lange er anhält. Wenn wir den verpassen, heißt das eventuell, dass wir seeehr lange bis ins rote Meer brauchen werden. Um die gesamte Strecke zu motoren, reicht unsere große Dieselreserve vermutlich immer noch nicht ganz.

Die Stimmung an Bord lässt zu wünschen übrig, sie ist wie der Wind in den Keller gestürzt.

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26.03.2019:
Kommentar from Tante Gabi
Denkt an die Wikinger mit ihren Flößen die nur mit der Strömung vorwärts gekommen sind. Ich habe die Geburtstage der Kinder total vergessen. Aber so richtig fehlt die Großtante ja nicht. Es würde mich aber schon interessieren, wie man sich bei so einer Flaute im unendlichen Ozean tatsächlich fühlt. Ob man die Stille nutzen kann, um etwas zu lernen oder zu lehren oder seine Muskeln zu trainieren oder ob man nur träge dahindöst und auf jeden Windhauch wartet. Jetzt wünsche ich euch eine steife Brise, damit die gute Moya wieder so dahinfliegt und euch die Langeweile vertreibt.
27.03.2019:
Kommentar from yacht alamic swissflag
ich schreib mal deutsch tag zusammen od zu 4 wir werden am 29 märz richtung socotra starten als segelboot jedoch die ganze strecke motoren. es ist schade dass ihr socotra nicht besucht pro person kommen ca 250 us das ist richtig jedoch spart ihr beim diesel zu 0.50 cent genau die hälfte wieder ein wenn ihr dort tankt. schade schade hätte euch gerne dort getroffen . ich lege noch den letzte email vom ex agent for socotra bei Hello ! I`m stay on a boat too in Turkey now (junk rig shooner). But my partner on Socotra can organise everything for you. On Socotra everything is fine as usual. It's very quiet and peaceful place. We are far from the events on the mainland. Basic info you can find at http://socotra.info/report-sailing-boat-delta-socotra.html or http://www.noonsite.com/Countries/Yemen/socotra The last published report report you can read at www.seachildsailing.blogspot.com<http://www.seachildsailing.blogspot.com/> Now is better to avoid mainland in Yemen. Aden is not safe at the moment and is dangerous to approach the Yemeni islands in the Red Sea. Ancorage place on Socotra - 12°40.50 N - 54°04.44 E. Is better to come in a day time. Is better to drop the ancor more west from seaport You will find a few cargo ships with long ancorage ropes. Take care. You have to wait aboard till sequirity come to the boat for custome and immigration control. Sea port dont have VHF (or dont use it). For seaport autorities your agent is Ghanem Ali. He will organize for you everything on Socotra. He is very nice and open person. His telephon 00967771738887 or 00967770272222 kubrhi@gmail.com Please call him before and he will meet you in sea port VHF ch. 72 Visa (a stamp in the passport) you are getting on arrival. The immigration office and security services at the port are asked to notify the arrival of the advance. Therefore, it would be great if you send me in advance copies of your passports, the name of the boat and ETA. Usually for few days immigration take 150$ per person. All fees for clearance icluding agent's commission is 230 USD. Plus 10 USD for boat which bring passport and customs control aboard. Transfer Seaport - Hadibo and back - 30 USD, day trip 100 USD - Toyota Landcruiser with local english-speaking driver/guide (car can take 4-6 person depent of the location of the seats). There is no internet-cafe in the city but you can use Internet at Ghanem office. Fuel now is 0,52$ per lt (good fuel from Emirates - new gas station in Hadiboh) I will be glad to answer your questions. Best regards, Denis P.S. I think you are second sailor from Turkey who will come to Socotra (maybe you know Ahmet Davran - he was the first I think
25.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 11: Socotra links ab

Socotra ist eine große Insel 150 Meilen vor der somalischen Küste. Trotzdem gehört sie nicht zu Somalia, sondern zum Jemen und wird momentan von den Vereinigten Arabischen Emiraten kommisarisch regiert. Der jemenitische Bürgerkrieg hat es nicht auf die Insel geschafft. Deshalb, wegen der Länge der Passage und vor allem, weil die Insel auch das Galapagos des Indischen Ozeans genannt wird, haben wir bis heute darüber nach gedacht dort einen Zwischenstopp einzulegen. Außerdem hat man momentan ansonsten kaum eine Chance die wunderbare Insel zu besuchen, da keine sicheren Flugverbindungen existieren. Die Insel beheimatet zahlreiche endemische Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. 90% der Reptilien Socotras z.B. leben nur dort. Vor allem haben mich aber die Bilder der Drachenblutbäume und der Flaschenbäume der Wüsteninsel vorab nachhaltig beeindruckt.

Trotzdem haben wir uns nun gegen einen Besuch entschieden. Warum? - Nun, die Einreise Gebühren sind gesalzen, allein die Visa für den Kurzbesuch würden uns 600 USD kosten. Viel schwerwiegender aber ist, dass wir die Insel nicht ohne die Begleitung eines Führers betreten würden dürfen. Letztendlich hat aber erst die Wettervorhersage den Ausschlag gegeben. Für die nächste Woche soll es Ostwind im Golf von Aden geben - nicht selbstverständlich, so spät in der Session des Nordost Monsuns. Wir segeln also weiter und hoffen, dass die Vorhersage hält was sie verspricht.

Ob wir aber tatsächlich mit einem Schlag bis ins rote Meer nach Eritrea flutschen können, ist alles andere als sicher. Durch die Meerenge Bab El Mandeb weht der Wind wie durch eine Düse mal von Norden, mal von Süden. Da können wir nur mit Wind von hinten durch, ansonsten stoppen in Dschibuti. Noch mindestens 850 Meilen liegen also vor uns.

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24.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 10: Meeresleuchten

Bereits vor ein paar Tagen schepperte es laut im Cockpit. Unser Angelalarm, leere Getränkedosen an einer Schnur, waren durch den Ruck an der Handleine nicht nur runtergefallen, sondern quer durchs Cockpit katapultiert worden. Ich hatte gerade meine Hände im Brotteig versenkt. „Immer dann, wenn es am Ungünstigsten ist“ dachte ich und sagte zu Christian: „Ich komme gleich!“. Um einen Fisch zu landen, sind wir immer zu zweit. Ich hole meist die Leine ran und Christian arbeitet mit dem Gaff, sobald der Fisch in Reichweite ist. Nur bei unserem größten Fang, dem 25kg Gelbflossenthunfisch, hatte ich es nicht mehr alleine geschafft, die Leine aufzuwickeln - er war einfach zu stark.

Aber an diesem Tag, war ich noch nicht einmal damit fertig, meine Hände sauber zu machen, da rief Christian von draußen: „Du kannst unten bleiben! Der Fisch hat die Leine abgerissen.“ „Was?! Die Leine abgerissen? Das muss ein Ungetüm gewesen sein!“ war meine Reaktion, denn unsere Handline ist keine normale Angelschnur, sondern ein drei Millimeter Seil mit einem langem, 1,8 mm Monofilament als Vorfach. Es war vor dem Knoten durchgerissen, dort wo es mit den Gummipuffern verbunden war, nur die Reste hingen noch herum. Mit dieser Leine hatte wir auch den großen Yellowfin gelandet. Ich war eigentlich ganz froh, dass der Fisch weg war. Ich habe zwar keine Ahnung wie groß er gewesen sein muss, aber landen hätten wir ihn bestimmt nicht können und letztendlich das Seil kappen müssen. Ich hoffe nur, dass er sich irgendwie davon befreien kann, sonst wird es sehr unschön für ihn.

Am nächsten Tag baute der Capitano einen neuen Köder und eine Handleine. Das war schnell erledigt, die Gummipuffer hatten wir ja noch. Beim Abendessen klapperte es wieder. Es war kein Fisch dran, aber der Köder war noch da. Minuten später wiederholte sich das Ganze noch zweimal. “Seltsam! Mit diesen Haken entkommt uns normalerweise kaum ein Fisch” dachte ich als es schon wieder schepperte. Dieses Mal zog es an der Leine. Wir zogen unsere Schwimmwesten an, holten die Taschenlampe (es war schon dunkel), Messer und Gaff, dann zog ich die Leine ran. “Schau mal, es leuchtet manchmal im Wasser, dort wo der Fisch schwimmt” meint ich und dann “Der sieht aber seltsam aus, ich glaube das ist ein Tintenfisch.” Es war ein ca. 1 Meter langer Kalmar! Er wechselte ständig die Farbe zwischen weiß leuchtend und rot. Die Kinder waren inzwischen im Cockpit und schauten neugierig zu, als wir den Kopffüßer mit der Pütz nach oben kranten. Am Heck brauchten wir ein bisschen, da er sich fest an Moyas Rumpf gesaugt hatte. Eigentlich wollten wir ihn ins Wasser zurück setzen, aber als wir endlich den Haken heraus hatten, war er bereits fast tod. Jetzt wird es heute Abend Calamaris geben. Ich bin mal gespannt, ob das schmeckt.

Inzwischen habe ich nachgelesen, Kalmare fängt man normalerweise nicht beim Trollen, sondern mit Netzen. Wir scheinen durch einen großen Schwarm gesegelt zu sein. Kalmare können überraschend schnell schwimmen, indem sie das Wasser durch einen Trichter aus ihrer Mantelhöhle herauspressen. Immerhin waren wir 4 Knoten schnell, als er anbiss. Wikipedia sagt, dass es über 250 unterschiedliche Kalmare gibt, alle haben 10 Tentakeln. Die Riesenkalmare werden bis zu 12m lang - das ist so groß wie Moya! - aber die leben zum Glück nur in der Tiefsee. Wow!

Gestern Abend leuchtet das Meer um uns herum, hunderte von eimergroßer Lichtflecken, nicht die kleinen Sterne, die wir sonst so beobachten. Ich bin fast sicher, dass wir wieder durch einen Tintenfisch Schwarm gesegelt sind. Es war beeindruckend! Ein Geburtstagsfeuerwerk von Neptun!

Ich frage mich, ob der Ozean hier noch gesünder ist. Ein Rückzugsort für die Meeresbewohner? Jedenfalls haben wir seit unserer Abfahrt auf den Malediven keine drei Schiffe gesehen (die fahren auf kürzester Strecke nördlich von uns) und kommerzielle Fischer schon gar nicht.

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23.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 9: Piratenparty

Ist das aufregend wenn man sechs wird! Da saß Joshua schon vor dem Frühstück mit Augenklappe, Säbel und Piratenhut da, starrte auf die eingepackten Geschenke und transportierte sie dann ganz vorsichtig in seine Koje. Gestern waren wir den ganzen Tag damit beschäftigt gewesen unsere Piraten Accessoires zu basteln. Jetzt sah unser Piratenkapitän richtig gut aus. Aber nervös war er! Sein normalerweise riesiger Appetit war zum Frühstück kaum vorhanden, und das obwohl es Piraten Hefezopf gab. Danach gab es kein Halten mehr. Ran an den Schatz.

Bald war Alles ausgepackt. Nur zu dumm, dass wir vergessen hatten die Audiodateien des neuen Tiptoi Spiels herunter zu laden. Jetzt konnte unser Oberpirat nicht einmal seine neuen Spielsachen testen, aber er ist ja schon groß und hat stattdessen tapfer ein bisschen gebastelt. - Ob wir bei der UKTMO anfragen sollten, ob die Watchkeepers uns die Dateien mit einem ihrer Schiffe vorbei bringen könnten? Internet gibt es jedenfalls erstmal keins und was kann schon wichtiger sein als ein lachendes Kinderherz?

Irgendwann ist dem Piratenkapitän das gelbe Zettelchen mit dem Totenkopf im Salon aufgefallen, da stand drauf „Der Schatz liegt an einem dunklen Ort“ und ein kleines Rätsel dessen Lösung den Ort des nächsten Hinweises eröffnet. Nach weiteren 5 Zetteln und Rätseln - zwei davon löste Pirat Joni Kurzbein - und einer Reise Quer durchs und übers Schiff, war der Goldschatz gefunden. Die Piratenmannschaft war ganz aus dem Häuschen und Joni meldete an, dass er sich auch eine Schatzsuche zu seinem nächsten Geburtstag wünsche. Emil und die Detektive kamen als Gäste vorbei, danach Pettersson und Findus und schließlich kam ein kleines Piratenschiff mit rot-weiß gestreiften Segeln vorbei gesegelt und hat den internationalen Geburtstagskuchen gebracht. Gebacken mit Mehl aus Sri Lanka, Eier von den Malediven, Zucker aus Panama, Kakao aus Kolumbien, Kokosöl aus Papua Neuguinea, Milch aus Indonesien und Pfirsichen aus Curacao.

Wir segeln auch und kommen endlich besser voran. Heute Nacht ist der Wind, zum ersten Mal seitdem wir auf den Malediven gestartet sind, nicht ganz oder nahezu eingeschlafen. Bisher waren vor allem die Nächte besonders zäh, während wir am Tag zumindest ein kleines bisschen Wind hatten. Das war heute anders. Der Blick auf die restliche Reisezeit resultierte ausnahmsweise nicht in einer vorübergehenden Depression. Ganz langsam nähern wir uns Soccotra.

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22.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 8: Joshi lädt ein

Zu meiner Geburtstagsparty morgen lade ich Euch herzlich ein. Dieses Jahr findet sie auf dem Wasser auf unserer Moya mit dem Motto Piraten statt. Um 14 Uhr gehts los. Ganz besonders würde ich mich freuen wenn die Opas und Oma kommen. Ihr dürft dann auch gerne an Bord übernachten. Bei der Anreise müsst ihr etwas kreativ werden, aber das schafft ihr bestimmt, immerhin werde ich sechs Jahre. Flugzeug mit Seilwinde würde z.B. gehen. Es wird auch Kuchen geben. Kleine Geschenke reichen. - Joshua

Olé! Es gibt ein bisschen Wind. Ganze 11 Knoten! Das reicht, dass wir endlich, endlich etwas besser voran kommen. Mit 4 Knoten segeln wir jetzt der Sonne hinterher. Das Stimmungsbarometer an Bord steigt, genauso wie die Temperatur. Obwohl wir die letzten Tage kaum Wind hatten, hat der leichte Nordwind ausgereicht, dass es nachts so kühl war, dass sogar der Capitano sich zugedeckt hat und das obwohl er auch im deutschen Winter mit T-shirt herumläuft. Objektiv zeigte das Thermometer immer noch 27°C im Salon an, aber das kann eigentlich gar nicht stimmen, oder? Inzwischen weht der Wind aus Osten und die Temperaturen sind auch nachts wieder angenehm.

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23.03.2019:
Kommentar from Oma und Opa
Lieber Joshua, schade, dass wir bei Deiner Geburtstagsfeier nicht dabei sein können. Wir gratulieren Dir herzlich zu Deinem 6. Geburtstag und wünschen Dir viel Glück, viel Freude in der Schule und einen wunderschönen Tag mit leckerem Geburtstagskuchen. Bald seid ihr wieder in Deutschland, wir freuen uns sehr auf Dich, Joni und Deine Eltern. Passt gut auf euch auf ! Viele liebe Grüße von Oma und Opa
23.03.2019:
Kommentar from Fliers
Alles liebe zum Burtzeltag, lieber Joshi! Feiert bis die Schwarte kracht! Alina, Antje, Felix & Thomas
23.03.2019:
Kommentar from Opa
Hallo Joshi, alles Gute zu Deinem Geburtstag.Deine Mama hat Dir bestimmt einen schönen Kuchen gebacken. Wir ho l. en Deine Geburtstagsfeier nach , wenn ihr wieder zu Hause seid.Dein Opa
23.03.2019:
Kommentar from Alexandra
Hallo Joschi, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, wir hoffen Du hast eine schöne Feier 😀. Viele Grüße aus Passau, Alex, Axel, Jakob und Bruno
23.03.2019:
Kommentar from Nici
Lieber Joshua, ich wünsche dir zu deinem 6. Geburtstag nur das Beste, das du dein Lächeln niemals verlierst und und weiterhin ein so toller junge bleibst wie du es bist :)
21.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 7: Vollmond

Heute Nacht war es fast so hell wie an einem düsteren Wintertag in Deutschland. Der Vollmond begleitete uns die ganze Nacht. In solchen Nächten fällt mit die Nachtwache viel einfacher. Anstatt in die Düsterniss zu starren, sieht man das Mondlicht reflektiert auf dem Wasser, die Wolken und den Horizont. Das Timing ist eigentlich ganz gut, denn ab jetzt wird der Mond abnehmen und im letzten Viertel dann erst am frühen Morgen aufgehen, was uns den Grossteil der Nacht unsichtbar macht, wenn wir die Navigationlichter ausschalten. Wenn es so langsam weitergeht wie bisher, werden wir genau dann den Golf von Aden durchqueren. Gut zu wissen, dass wir einfach mal von der Bildfläche verschwinden könnten, wenn wir wollten. Geplant ist es nicht, denn nachts gab es selbst auf die Containerschiffe und Tanker unseres Wissens überhaupt noch nie einen Piratenangriff.

Seit gestern springt nun auch Henry wieder an. Die Starterbatterie ist im Nirvana angekommen und eine unserer Servicebatterien nun mit dem Starter verbunden. Die Aktion war überraschend einfach, die Klemmen passten und die Kabel waren lang genug. Nach 30 min. verkündete der Capitano “Mission accomplished”.

Wir dümpeln weiter Richtung Westen, bei den schwachen Winden (eigentlich immer unter 10 Knoten, inzwischen haben sie von Norden auf Osten gedreht) ist das eine richtige Geduldsprobe. Aber immerhin gibt es dafür auch fast keinen Schwell und Moya liegt im Wasser fast wie vor Anker unter wolkenlosen Himmel.

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20.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 6: Abgeschickt

Gestern Nachmittag wurde unser Salon zum Künstler Studio umgewandelt. Die Sache mit der Flaschenpost nahmen die Jungs sehr ernst. Beide wollten dem Finder bildlich zeigen wie es bei uns so zugeht und legten sich beim Malen so richtig ins Zeug. Joni malte Moya mit allem drum und dran, Segel, Mast, Fenster, Deckshaus, Windpilot, Solarpanels, Fischen im Wasser und uns im Schiffsbauch. Joshi zeichnete die einsame Insel mit Kokospalmen und eine große Welle aus der ein Wal sprang unter einen Regenbogen. Dann schnitten wir Buchstaben aus Buntpapier aus und klebten unsere Nachricht, bevor alles eingerollt wurde und in der Flasche verschwand. Der Capitano wurde kreativ beim Verschließen der Flasche und umwickelte sie mit einem Seil, falls jemand sie herausfischen will und damit sie sich vom Müll abhebt.

Obwohl wir gestern im Schildkröten Tempo unterwegs waren, verschwand die Flasche sehr schnell hinter aus, nachdem die Jungs ihren Brief aufgegeben hatten - 700 Meilen von der arabischen Halbinsel, 800 Meilen von Indien und 900 Meilen von Afrika entfernt. “Wer findet die denn?” wollte Joshua wissen und lauschte ganz gespannt als wir die Möglichkeiten durchgingen: Wir sind nicht weit vom Äquatorialstrom entfernt, wenn es die Flasche dorthin schafft, wir sie in Windeseile an die afrikanische Küste getragen. Vielleicht findet sie dort jemand aus Somalia oder Kenya oder sie wird weiter an Madagaskar vorbei in den Mozambikkanal gespült und trifft von dem kräftigen nach Süden gerichteten Agulhasstrom auf Südafrika. Auch dort könnte sie gefunden werden oder sie reist weiter um das Kap der Guten Hoffnung in den Atlantik. Es kann aber auch sein, dass unsere Flaschenpost da unten in die nach Osten gerichteten Strömungen der Roaring Forties gerät und dann noch einmal den gesamten Ozean überquert und an der australischen Westküste ankommt. Oder, oder, oder... Nur eins wollen wir nicht, dass sie in einem der Müllgürtel auf See oder einem Müllhaufen an Land landet. Wir nehmen noch Wetten an, wann unsere Post ankommen wird. Wer in den Kommentaren mitmacht und am nächsten dran ist, bekommt ein kleines Geschenk (wenn sie gar nicht ankommt, dann verlieren alle) - es kann sich nur um Jahre handeln ;-)

Die Meeresströmungen scheinen auf den ersten Blick zu vernachlässigen zu sein. Was ist schon ein halber Knoten Strom? Aber aus einem halben wir oft ein ganzer oder mehr Knoten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten und einer 2200 Meilen langen Passage heißt das: entweder nach 15 oder nach 23 Tagen anzukommen, je nachdem ob die 1 Knoten Strömung mit oder entgegen läuft. Da wird dann vermutlich auch klar warum wir manchmal im Zickzack unterwegs sind. Trotzdem halfen alle Strömungsvorhersagen heute Nacht nichts, wir waren drin in einer entgegen laufenden Strömung und Wind gab es auch nur einstellig, also segelten wir fast auf der Stelle. Schlappe 76 Meilen haben wir seit gestern zurück gelegt. Aber wenigstens ist der Himmel blau, kein Wölkchen zu sehen.

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20.03.2019:
Kommentar from Nici
Tolle Idee :) ich tippe auf 6 Jahre im Ozean. Ganz liebe Grüße, ich bin in Gedanken fest bei Euch.
22.03.2019:
Kommentar from Martina & Stefan
Also wenn wir nicht die Geschichte von Christians - vermutlich erster - Flaschenpost kennen würden, würden wir sagen, sie kommt nie irgendwo an. Aber so tippen wir mal auf Südafrika! Weiterhin viel Spaß und vor allem sichere Fahrt ins Rote Meer!!!
19.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 5: Eine Flaschenpost...

... bereiten wir momentan vor. Die leere Pinot Grigio Flasche liegt schon ausgespült im Cockpit und trocknet. Gestern und vorgestern Abend gab es je ein Glas Wein für den Capitano und mich. Normalerweise trinken wir auf Passage keinen Alkohol, aber der Ozean ist momentan zahm wie ein Kätzchen und außerdem müssen wir über alternative Kommunikationsmittel nachdenken, nachdem gestern das Verschicken unseres neusten Logbucheintrags nicht geklappt hat ;-)

Wir verschicken unsere E-Mails nicht wie die meisten Segler über ein IridiumGo Satellitentelefon, sondern über das Netzwerk WinLink, das mit unserem Kurzwellenfunkgerät kommuniziert. Letztendlich heißt das, dass die Buchstaben einer E-Mail von einem Software Modem moduliert, sozusagen in Geräusche übersetzt, von unserer vom Masttop bis zum Achterdeck gespannten Antenne als elektromagnetische Wellen in den Äther gesendet und dann von einer Funkstation empfangen, wieder zu Buchstaben übersetzt schließlich als E-Mail verschickt werden. Das geht sehr langsam. Wenn wir am Funkgerät sitzten und eine E-Mail aus nur Text verschicken, kann das deshalb schon mal eine Stunde dauern. Große E-Mails oder Mails mit Anhängen zu empfangen dauert dann noch viel länger bis hin zur Unmöglichkeit.

An vielen Tagen hören wir eine passende Funkstation -momentan auf Mauritius- schon nach wenigen Minuten, manchmal brauchen wir aber Stunden und viele viele Anläufe, um mit einer Station in Verbindung zu treten, manchmal klappt es überhaupt nicht. An solchen Tagen gibt es dann keinen Logbucheintrag. Beschwerdebriefe aber bitte nicht an uns, sondern direkt an die Sonne, die ist nämlich daran Schuld, wenn ihre Sonnenwinde die Atmosphäre ungünstig ionisieren und somit die Funkwellen nicht vernünftig reflektiert werden können.

Gestern war so ein Tag, an dem wir Stunden vor der Funke saßen und es am Ende nicht geschafft haben, den Eintrag hochzuladen. Unsere Position haben wir den Watchkeepers aber trotzdem mitgeteilt - per Satellitentelefon. Spätestens nach zwei Tagen weis auch Flo unser Sicherheitsbeauftragter Bescheid, dass wir in Ordnung sind. Dann hängt er, wie gestern, einen kurzen Kommentar an den letzten Logbucheintrag. Keine Sorge also, wenn der Logbucheintrag einmal oder auch öfter ausfällt, es liegt an der Sonne, nicht an den Piraten.

Ach ja, und wir segeln noch, hart am Wind von Norden.

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18.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 4: Der Wind stirbt...

...genauso wie unsere Starter Batterie. Warum nur? Vorgestern sprang der Motor noch perfekt an. Er hatte seit wir in Portugal gestartet sind überhaupt noch nie Zicken gemacht.

Heute Nacht war der Wind schließlich ganz eingeschlafen nachdem er tagsüber bereits geschwächelt hatte. Andere Cruiser hatten uns bereits vorgewarnt, dass die Winde im arabischen Meer mit dem voranschreitenden März und April immer unsteter werden. Flauten und sehr leichte Winde sind typisch für die Übergangszeit zwischen Nordost und Südwest Monsun. Deshalb drückten wir auch so auf die Tube, als wir in Malaysia los gesegelt sind und den ersehnten Aufenthalt in Thailand komplett strichen. Das Ziel über 90% der Strecke unter Segeln zurück zu legen, so wie im Atlantik und Pazifik, hatten wir schon in Indonesien aufgegeben und seither Moyas Tank immer voll gehalten.

Henry sollte also arbeiten, doch als der Capitano den Schlüssel drehte, hustete der Anlasser nur noch im Zeitlupentempo. Schließlich sprang die Maschine doch noch an, aber die Batteriespannung stürzte auf unter 9V ab. Wahrscheinlich hat es einen Kurzschluss in einer der Zellen gegeben, durch die voranschreitende Verschlammung mit Bleisulfat über die Jahre. Unsere Starterbatterie scheint also einen sehr plötzlichen Tod zu sterben, mitten auf dem Indischen Ozean. Bescheidenes Timing würde ich sagen. Momentan sitzt Christian über den Verdrahtungsplänen und überlegt wie er eine unserer Service Batterien umklemmen könnte, die haben wir letztes Jahr erneuert.

Der Wind haucht seit dem frühen Morgen wieder, wir schnecken gegen Westen.

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19.03.2019:
Kommentar from Christina | serenity sailing
Oh shit!!! Was ein Timing! Ich schicke euch per Luftpost Batterie- und Reparatur-Energie. ;-)
21.03.2019:
Kommentar from Dody
Verflixte Batterien!!! Bei mir sterben sie immer puentlich im Monat nachdem die Garantiezeit abgelaufen ist. Weil ich mir meine Cruising-Plaene nicht vom timing meiner Batterien vorschreiben lassen wollte hab' ich auf hochwertigere AGM und weiss ich was umgestellt. Das einzige was sich veraendert hat war dass ich damit 5 Jahre Garantie hatte und sie eventuell 2 Monate nach Ablauf der Garantie-Zeit von 5 Jahren noch gut waren. Und dann ... genauso Tot. Big hugs x
17.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 3: Keine Lust auf Nachtwache

Der Himmel ist von einer leichen weißen Wolkendecke bedeckt. Der Wind weht immer noch aus N und hat etwas zugelegt. Gerade so viel, dass Moya, leicht zur Seite geneigt, mit 5 Knoten durchs Wasser schneidet. Wir kommen ganz gut voran. 103 Meilen waren es in den letzten 24 Stunden, ausschließlich unter Segeln.

Unsere Passagen Routine stellt sich langsam ein, die Seebeine wachsen und die Kinder werden ruhiger. Nur die Nachtwache flupt noch nicht so richtig. Heute Nacht hätte ich ein kleines Vermögen gegeben, wenn Christian mich um 2:00 Uhr nicht geweckt oder ich mich nochmal umdrehen hätte können, um weiter zu schlafen. Ich war so müde, dass ich dann auch direkt im Sitzen eingeschlafen bin. Aber nicht lange, denn der Timer weckte mich schon wenige Minuten später. Nach drei Tagen auf See ohne die Spur eines Schiffes fragte ich mich grummelig, warum ich eigentlich mitten in der Nacht aufstehe. Auch der wieder einmal gigantische Sternenhimmel steigerte meine Laune nicht. Aber die Antwort auf meine Frage ließ nicht lange auf sich warten und bestand aus einem kleinen Licht am Horizont. Naja, da bleibt nur zu hoffen, dass sich meine innere Uhr heute oder morgen an den unterbrochenen Schlafrhythmus gewöhnt.

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18.03.2019:
Kommentar from Imaadh Abdulla
I wish your a very safe and good sailing too .. take some rest and try to sleep when you get free .
18.03.2019:
Kommentar from Flo
Alles O.K. an Bord! 18.03.19 15:24z Gruss Flo
16.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 2: Blauer Himmel, blaues Meer

Die Sonne brennt vom Himmel, es ist kaum ein Wölkchen zu sehen. Das Thermometer zeigt 31°C. Es ist dennoch erträglich an Bord, denn die leichte Brise von gestern hat sich gehalten. Wir segeln gemächlich Richtung Westen, das Meer ist ruhig.

Unsere Notfallpläne, von denen wir ausgehen, dass wir sie nie brauchen werden, sind inzwischen finalisiert und hängen über dem Navigationstisch und im Cockpit an der Steuersäule. Für verschiedene Szenarien haben wir uns vorab überlegt, was in welcher Reihenfolge getan werden muss und von wem. Vor allem geht es darum bei Sichtung oder Annäherung eines unbekannten Schiffes die Lage genau zu beobachten und die Watchkeepers des patrouillierenden Militärs im Golf von Aden zu informieren, damit frühzeitig Hilfe eintreffen kann. Aber es sind auch andere Aktionen vermerkt.

Christian updated momentan unsere aktuelle Position und sendet sie, wie jeden Tag, zu den Watchkeepers. Ansonsten verläuft die Überfahrt bisher ereignislos, wir sehen nicht einmal ein Containerschiff oder fangen einen Fisch.

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15.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 1 auf dem Weg ins rote Meer

Unter blauem Himmel mit leichter Cumulusbewölkung setzten wir die Tücher und richteten Moyas Bug nach Westen. Der vorhergesagte leichte Wind trieb Moya auf den Ozean hinaus. Schnell waren die niedrigen Inseln der Malediven nicht mehr zu sehen. Doch schon in der Nacht wurde aus der leichten nördlichen Brise stehende Luft. Die Segel schlugen trotz der kaum vorhandenen Welle. Moya’s großer Tank ist randvoll, trotzdem schalteten wir Henry erst ein als wir wirklich standen. Diesel Sparprogramm ist angesagt - er muss strengstens rationiert werden. Um fünf Uhr heute Morgen erahnte ich einen Hauch von der Seite im Fahrtwind und setzte die Segel. Seitdem sind wir nicht schnell, aber konstant unterwegs.

Zum Start unserer vorerst letzten großen Ozean Überquerung, habe ich meine letzten Schätze aus Deutschland hervorgekramt. Direkt nach dem Frühstück haben die Jungs begeistert angefangen in den neuen Wieso, Weshalb, Warum Heftchen zu malen, kleben und rätseln. Außerdem werden sie ausnahmsweise unser Tablet verwenden dürfen. Die Internetverbindung der Malediven war so gut, dass ich einige LernApps herunterladen konnte. Jetzt sind sie ganz aufgeregt.

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03.03.2019 - Galle, Sri Lanka

Auf Wiedersehen Sri Lanka

Zurück an die Küste

Mit dem vollsten Bus aller Zeiten, fuhren wir zurück nach Galle. Ein Mann hatte Einsehen, dass es keine gute Idee ist, zwei kleine Kinder im Durchgang stehen zu lassen, so dass Joshi und Joni sich einen Platz teilten, während der Busfahrer im halsbrecherischen Tempo den Berg hinabschoss. Ich war froh hinten zu stehen, um die wilden Überholmanöver nicht auch noch sehen zu müssen. Nach 5 Stunden Fahrt konnten dann auch Christian und ich uns in einen der engen Sitze hineinfalten. Der letzte Teil der Strecke fuhr der Bus an der Küste entlang. Die Strände sahen toll aus. Ab und zu sahen wir einige der sri lankanischen Fischer, die im Meer auf Stelzen saßen. Mühevoll sah diese Art des Fischens aus.

Als wir endlich in Galle angekommen waren, fanden wir Moya unter einem dicken Staubpanzer. Die Zementfabrik hatte jeden Tag etwas zu uns rüber wehen lassen. Wir waren trotzdem froh wieder auf unserem schwimmenden zu Hause zu sein.

Der lange Weg nach Hause

Mit uns liegen 6 andere Segler im Hafen von Galle, alle auf dem Weg ins rote Meer oder von dort kommend. Wir nutzten die Gelegenheit Informationen aus erster Hand zu bekommen und fragten den beiden Yachten die bereits dort waren Löcher in den Bauch. Einige Begebenheiten im Golf von Aden, über die wir bereits im Internet gelesen hatten, rückten durch diese Gespräche in ein etwas anderes Licht. Eine ungeklärter Annäherung eines Bootes wurde zum Beispiel als gefällige Bezeichnung seitens der Behörden erklärt, da dem Segelboot der Treibstoff ausgegangen war und die Hilfe irgendwie gerechtfertigt werden musste. Wir hörten außerdem, dass in der Militär überwachten Zone, viel los sein soll. Kriegsschiffe und Flugzeuge kontrollieren, gleichzeitig sind wohl viele Frachtschiffe unterwegs. Seit vielen Jahren gab es keinen erfolgreichen Übergriff von Piraten auf eine Yacht mehr, obwohl wir davon ausgehen, dass momentan jährlich 50-100 Segelboote diese Route befahren. Wir sind natürlich trotzdem nicht ganz entspannt, aber die Gespräche mit den anderen Seglern sorgten dennoch für ein wenig besseres Gefühl. Und das ist auch gut so, denn um zum Ende unserer Elternzeit wieder in Deutschland sein zu können, gibt es nur einen Weg zurück ins Mittelmeer - der über das rote Meer. Die einzige Alternativstrecke zurück - um Südafrika herum, in die Karibik und von dort zurück nach Europa - ist in diesem Zeitrahmen nicht machbar und wegen den starken Strömungen und dem rauhen Wetter am Cape Angulhas außerdem auch nicht ganz ungefährlich.

Seit wir beschlossen haben ins Mittelmeer zurück zu segeln, haben wir konstant Informationen gesammelt, um eine fundiert Risikoabschätzung über die rote Meer Passage machen zu können. Jetzt nutzen wir jede freie Minute damit, aktuellste Berichte von anderen Seglern und den Behörden zusammen zu tragen, um optimal vorbereitet zu sein. Wir registrierten uns bei der MSCHOA, die die Anti Piraten Aktivitäten im Golf von Aden koordiniert und werden täglich an die Behörden berichten, damit die Kriegsschiffe immer genau über unseren Aufenthaltsort informiert sind und im schlimmsten Fall zur Hilfe kommen können. Wenn wir nicht der Überzeugung wären, dass der Weg ins rote Meer sicher ist, würden wir diese Passage nicht machen. Trotzdem steht uns wohl unsere nervenaufreibendste Passage noch bevor.

Moya ist inzwischen aus ihrem Panzer geschält, die Wäsche ist gewaschen, der Tank, die Gasflaschen, der Kühlschrank und die Gemüsenetze sind voll. Es kann also los gehen. Aber noch nicht ins rote Meer, sondern erst Mal zu den Malediven, wo wir noch einmal eine Woche am Strand und im Wasser verbringen wollen, bevor wir uns auf den langen Weg nach Hause machen.

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04.03.2019:
Kommentar from Christina
Wow, ihr wollt es wirklich wagen! Wir waren am Wochenende beim Piratenpräventivworkshop der Bundespolizei und da wurde das Gebiet als klares No-Go bezeichnet. Ich drücke die Daumen und zittere mit euch mit, dass alles gut geht und ihr heile ankommt! Liebe Grüße, Christina, Serenity Sailing
04.03.2019:
Kommentar from Dody
Drueck' Euch ganz feste die Daumen, wird schon gutgehen irgendwie! Big hugs xxx
04.03.2019:
Kommentar from Anna von SY Capetown
Wir sind in Gedanken bei euch. Ihr werdet es schon richtig machen. :)
04.03.2019:
Kommentar from Marlene und Werner
Gute Reise und einen super Segelwind! Wir freuen uns euch bald wieder näher bei uns zu haben. Liebe Grüße aus Deutschland.
05.03.2019:
Kommentar from Gabi
Ihr seid einfach zu schnell. Ich hatte diese Woche geplant, nach Sri Lanka zu kommen. Jetzt muss ich Fasching hier feiern, denn auf den Malediven war ich erst. Keine Angst vor Piraten, die halten sich an Containerschiffe und Versorger oder Kreuzfahrer. Außerdem sieht euer magerer Captain nicht danach aus, als gäbe es was zu holen auf dem Schiff. Macht es weiterhin so super wie bisher, dann klappt schon alles.