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37° 38.3' N
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23° 09.6' O
Ort:
Palaia Epidhavros, Peleponnes, Griechenland
Datum/Uhrzeit:
17.07.2019
09:00 UTC+3
Wettermeldung:
vom
17.07.2019 07:45 UTC+3
25 °C
Frische Brise aus Nordost

Logbucheinträge im Juli 2019

16.07.2019 - Angistri, Peloponnes, Griechenland

Einige Tage auf dem Peloponnes

Porto Cheli liegt an einer weit ins Land eingeschnitten Bucht. Fast rundum geschützt vor den vorherrschenden Winden liegen die Boote hier sogar während des Winters vor Anker oder an Mooring Bojen. Alternativ, kann im Stadthafen rückwärts am Steg festgemacht werden. An Land gibt es einige Tavernen und kleine Läden. Im Gegensatz zu den kleinen Inseln der Ägäis sind es vornehmlich die Einheimischen, die hier ein und aus gehen. Aber Porto Cheli befindet sich im Umbruch. Bis vor kurzem gab es hier eine kleine Werft, in der Segler über den Winter ihre Boote an Land stellen konnten. Der Kran ist nicht mehr da, das Grundstück an Land leer. Stattdessen wird momentan eine neue Marina gebaut. Die Marina ist noch nicht fertig, aber an den Stegen lagen schon einige Motoryachten. Wir ankerten besser, der Untergrund war ein Traum, weicher Schlamm, unser CQR hielt wie einbetoniert. Mit Tilly setzten wir über und machten am Steg der Marina fest. Unser schweres Grosssegel war dabei, um es beim Segelmacher überholen zu lassen. Mit uns vieren, dem Sackkarren und dem Segel war Tilly schwer beladen und wir waren froh als wir den nächsten Steg erreichten. Kaum waren wir ausgestiegen, kam eine Griechin angeradelt und drohte uns direkt lautstark mit der Polizei. Wir sollten verschwinden. „Ok, kein Problem, aber können wir nicht wenigstens das schwere Segel an Land lassen während wir umparken?“ Nein! Wir drehten um und ärgerten uns ein bisschen über das rüde Verhalten.

In der alten Werft fanden wir Jutta, die Segelmacherin. Sie konnte es kaum glauben, dass unser Segel um die ganze Welt gesegelt ist. Das Tuch und die Nähte waren noch vollkommen in Ordnung, nur die Lattentaschen und Beschlagösen mussten ausgebessert werden. Das würde sie am Montag schaffen. Anschließend gingen wir zum Einkaufen (die Jungs vernichten momentan Obst schneller wie ich es kaufen kann) und dann schon wieder Anker auf um nach Koilada zu segeln, wo unser Kratzer endlich behoben werden sollte. Mit Rückenwind und unter Vorsegel waren wir schon nach 2.5 Stunden fest vertäut im Stadthafen von Koilada. Elias kam vorbei und schaute sich schon einmal die Reparaturstelle an. Am nächsten Morgen legte er los und zwei Tage später sah man kaum noch etwas von unserem Missgeschick. Während Elias arbeitete ließen wir es ganz ruhig angehen. In Koilada ist nicht viel los, mit Ausnahme der beiden Werften, ist es hier sehr ruhig. Es gibt keinen richtigen Supermarkt, sondern nur zwei Tante Emma Läden, an der ehemalige Apotheke hängt zwar noch das grüne Kreuz, aber der Laden ist dicht, selbst eine Bäckerei haben wir nicht gefunden und der nächste Geldautomat befindet sich im Nachbarort. Ich habe den Eindruck, dass sich hier Hase und Igel noch gute Nacht sagen. Wir werkelten ein bisschen an Bord, wuschen Wäsche, die Kids spielten am Spielplatz und Abends gab es Gyros mit Rotwein. Am Sonntag regnete es dann. Unglaublich, aber wahr! Es war der erste Regen seit Malaysia, vor sechs Monaten. Trotzdem ist der Wüstenstaub der Sahara noch nicht vollständig vom Mast gespült, am Ende fielen es nicht mehr als einige Tropfen vom Himmel.

Inzwischen ist unser Grosssegel wieder gesetzt. Trotzdem sind wir über Nacht nach Angistri getuckert. Wir wollten vor dem vorhergesagten starken Nordwind auf die Nordseite des Peloponnes gelangen. Bis nach Kroatien liegen noch viele Seemeilen vor uns und leider gar nicht mehr so lange Zeit.

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12.07.2019 - Porto Cheli, Peloponnes, Griechenland

5 bis 10 Meter Wellen...

.... meinte ein einlaufender deutscher Segler auf unsere Frage wie die Bedingungen vor der Bucht denn so seinen. Er schob noch nach, er würde jetzt einen Notstopp einlegen. Wir hatten über Nacht in der kleinen Bucht Kolona auf der Westseite von Kithnos geankert und wollten nun weiter Richtung Peloponnes segeln. Das Grosssegel war bereits im zweiten Reff gesetzt, der Anker schon aus dem Wasser. Spontan entschieden wir doch lieber ins dritte Reff zu gehen bevor wir uns die 5-10 Meter Wellen anschauen.

Die Nacht war kurz gewesen. Um 4 Uhr am Morgen wurde ich von einer heftigen Böe aus der Koje geholt. Bis dahin war es windstill gewesen und heiss, so dass ich erst kurz vorher vom Cockpit in die Achterkabine umgezogen war. Ich weiß nicht aus welcher Richtung dieser heftige Windstoß kam, aber anschließend ging es weiter mit heftigen Böen aus wirklich allen Himmelsrichtungen. Moya fuhr teilweise rückwärts durch die Bucht, genauso wie die anderen Boote, die kunterbunt durch die Bucht segelten. Ich schaute auf den Barographen: Luftdruckabfall von 8mbar in den letzten 5 Stunden und dachte „Wow, das ist für das Mittelmeer aber echt viel!“ Da ging wohl eine ganz schön knackige Kaltfront über uns hinweg.

Es dauerte nicht lange bis ich die ersten Ankerketten rattern hörte. Vor allem die Boote, die mit Landleine an der Nordseite der Bucht geankert hatten, hatten Probleme, dass der Anker nicht hielt. Um Moya herum war zum Glück genug Platz zum Schwojen, trotz unserer langen Kette. Wir hatten schon damit gerechnet, dass es etwas Wind geben würde. Aber die über 40 Knoten Wind waren dann doch etwas überraschend. Irgendwann pendelte sich der Wind auf Nordost ein und wehte nun zwar stark aber mehr oder weniger konstant. Am Morgen schauten wir uns die aktualisierte Wettervorhersage an und verwarfen unsere Pläne, den Tag an der Sandbank, die eine kleine vorgelagerte Insel mit Kithnos verbindet, zu verbringen. Der Untergrund war zum Ankern nicht einfach, Geröll mit Seegras dazwischen, so dass wir besser nicht alle von Bord gingen, zumal der Wind erst gegen Nachmittag seine volle Stärke erreichen sollte. Christian und die Kids erkundeten den Strand während ich an Bord blieb. Ich nutzte die Zeit und fand heraus, dass wir offensichtlich noch glimpflich davon gekommen waren. 6 Menschen waren am Festland von umfallenden Bäumen und herunterfallenden Dächern getötet worden. 108 waren verletzt worden. Wir hatten am Tag zuvor noch die verschiedenen Wettermodelle angeschaut und mit Renegade zusammen überlegt was da wohl kommen wird. Keines der Modelle hatte dieses Wetterphänomen akkurat vorhergesagt.

Nach dem Abendessen, nachdem die Böen in Kolona sich weitgehend gelegt hatten, gingen wir dann Anker auf. Die ersten Meilen Richtung Westen hatten dann noch ein bisschen was von Bullen reiten, aber 5-10 Meter Wellen waren das nicht, eher 2- 2.5 Meter. 5 Meter Welle hatten wir überhaupt nur ein einziges Mal auf unserer Reise, in Kolumbien. Inzwischen sind wir in Porto Cheli angekommen, ein kleiner Ort auf dem Peloponnes, gelegen in einer tiefen bewaldeten Bucht.

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10.07.2019 - Varis, Nisos Siros, Cykladen, Griechenland

Zwischenstopp im Touristenmekka der Cykladen

Über Nacht nach Delos

Die Vorhersage versprach, dass der Meltemi über Nacht einschlafen würde. Wir waren also guter Dinge, als wir am Abend die Mooringleine ins Wasser warfen und langsam aus der schönen Bucht mit dem seltsamen Felsen hinaus segelten, ausnahmsweise vor dem Wind. Moya schnitt ganz sanft durchs ruhige Wasser. Nach 10 Minuten war das Weißweinsegeln dann vorbei. Wir waren an der Südspitze von Patmos angekommen, änderten den Kurs auf West, hart am Wind, und wurden auch gleich von den über die Insel fallenden Böen ordentlich durchgeschüttelt. „Holy cow“ entfuhr es Nicole, deren Seebeine noch nicht so standhaft waren. Moya legte sich in die Wellen und los ging es Richtung Delos. Zumindest in etwa, denn der noch ordentlich wehende Nordwest machte es uns schwer die Insel direkt anzuhalten. Die Ägäis zeigte ihre spitzen Zähne während die Jungs selig schlummerten und Nicole kämpfte ihr Abendessen im Magen zu behalten. Sie lag im Cockpit, die Augen tapfer geschlossen, und verpasste so den spektakulären Sternenhimmel über uns. Die Milchstraße reichte bis zum Horizont hinab, genauso schön wie draußen auf dem pazifischen Ozean. Erst zum Ende meiner Wache um 3 Uhr am Morgen nahmen Wind und Welle ab. Von jetzt auf gleich ausgehaucht. Wir tuckerten also die restlichen Meilen und versenkten unser Eisen im kristallklaren Wasser vor dem antiken Hafen von Delos.

Im antiken Backofen von Delos

Schon um 9 Uhr war es heiß. Kein Lüftchen wehte. Die Gespenster der letzten Nacht waren schon vergessen. Bevor wir uns die Überreste der über 2500 Jahre alten Stadt anschauten, sprangen wir erst mal zur Abkühlung ins Wasser. Das Mittelmeer ist noch ganz schön kalt, aber bei den Außentemperaturen spürten unsere erhitzten Körper das kaum. Mit nassen Haaren und Badehosen unter den Klamotten, tuckerten wir mit Tilly hinüber zum Festmacher. Natürlich waren wir hier nicht allein, die Tagesausflügeler von Mykonos waren auch schon unterwegs. Von der antiken Hafenstadt ist leider nicht mehr allzuviel zu sehen. Nach ihrem Niedergang ist sie geplündert worden und die Inselbewohner der umliegenden Inseln verwendeten die Steine der antiken Gebäude um ihre Häuser zu bauen. Von den meisten der vielen Tempeln gibt es gerade noch einige Steine und im besten Falle ein paar Säulen. Das Amphitheater ist nur noch durch seine Form und die Lage am Hang als solches zu erkennen. Trotzdem findet man bei genauerem Hinschauen noch einige beeindruckende Gebäude, Statuen und Mosaiken. Die alten Zisternen scheinen immer noch wasserdicht zu sein, großen Teile von antiken Privathäusern sind noch erhalten mit unglaublich filigranen Boden Mosaiken. Im Museum gibt des Duzende Statuen von Göttern und wichtigen Persönlichkeiten, deren Gewänder und Gesichter bis ins letzte Detail ausgearbeitet sind. Sogar die Jungs waren beeindruckt von den schönen antiken Arbeiten und haben interessiert nachgefragt wie die Menschen von damals solche Dinge erschaffen konnten. Um die Mittagszeit waren wir fast gar, die Sonne brannte, es gab keinen Schatten um ihr zu entkommen und unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Wir sprangen noch einmal ins Wasser bevor wir das Eisen hoben.

Mykonos ist niemals still

Nach einer Stunde umrundeten wir ein Kreuzfahrtschiff und liefen in die Marina von Mykonos ein. Ein Rollerfahrer hupte wild und wedelte mit den Armen - die Marina ist voll, jedenfalls ohne Reservierung. So richtig enttäuscht waren wir darüber nicht, die Marina liegt abseits und hat noch nicht einmal sanitäre Einrichtungen. Allerdings ist sie die einzige sichere Möglichkeit in der Nähe der Stadt zu liegen, wenn der Meltemi weht. Aber er wehte ja nicht. Deshalb gingen wir direkt vor der Altstadt, unterhalb der berühmten Windmühlen, vor Anker. In den schmalen, weißen Gässchen der Stadt ist einiges los und das obwohl nur ein Kreuzfahrer vor Anker liegt. Die Restaurants, Bistros und Kaffees sind gut besucht, in den unzähligen Bekleidungs- und Souvenirläden suchen viele noch Etwas zum mit nach Hause nehmen. Zwischen den weißen Häusern herrscht ein kunterbuntes Treiben.

Zum Sonnenuntergang waren wir wieder zurück an Bord, mittlerweile war ein zweites Kreuzfahrtschiff angekommen. Vom Cockpit aus, beobachteten wir nicht nur die unter gehende Sonne, sondern auch die Menschen die sich inzwischen Kopf an Kopf an dem kleinen Strand und vor den Windmühlen gedrängt hatten, um den roten Ball im Meer versinken zu sehen. Mir wurde mit einem Schlag bewusst welch ein Glück wir haben und wie sehr wir unsere Lady vermissen werden... Auch in der Nacht kam Mykonos nicht zur Ruhe, noch um 5 Uhr am Morgen, als wir Nicole zum Flughafen Taxi brachten, schallte die laute Musik aus den Bars an der Waterfront zu uns herüber.

Unser Kleiner schwimmt

Am Morgen setzte dann der Nordwind ein. Unsere ruhige Bucht verwandelte sich ein einen Hexenkessel. Wir wollten ohnehin weiter um heute Nacht etwas Schlaf nachzuholen. Am Nachmittag badeten wir schon wieder in dem tollen Südbucht von Siros. Segeln im Mittelmeer ist halt doch ganz anders als in den Ozeanen der Welt. Von einer Bucht zur nächsten ist es nie weit.

Von Deck aus sprangen wir ins türkise Wasser. Joni machte seine ersten Schwimmzüge und war mächtig stolz, dass er jetzt auch ohne Schwimmweste schwimmen konnte. Er war erst aus dem Wasser zu kriegen, als ganz überraschend Renegade auftauchte und Evi und Peter herüber kamen. Wir hatten die Beiden zuletzt in Kastelorizo gesehen. Welch eine Freude.

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06.07.2019 - Patmos, Griechenland

Noch immer in den Dodekanes

Party Flüchtlinge

Seit Nicole bei uns an Bord ist, ist Texas allgegenwärtig. Auf Nisiros wehte auf einem Katamaran nicht nur eine gigantische US Flagge, größer als jedes Segel von Moya, sondern auch die rot, weiss, blaue Flagge mit dem weißen Stern. Landsleute von Nicole. Sie nahmen an der Bucketlust Rallye teil und waren tatsächlich nicht nur aus Texas, sondern genau wie Nicole aus Houston. Wir plauderten ein bisschen und erfuhren, dass Bucketlust eine Party Rallye mit wenig Segeln aber viel Feiern ist und waren gar nicht wirklich traurig, dass wir am Abend noch ablegten, um über Nacht nach Leros zu segeln. Die Musik im Hafen, war bereits am Nachmittag laut, und die Betrunkenen fuhren mit Quads durch die Gegend oder fielen verkleidet ins Wasser. Wir segelten also in die Nacht hinein und freuten uns über den abnehmenden Wind der Abendstunden, über die Milchstraße über uns und über die paar Stunden Schlaf, die wir vermutlich im Hafen von Nisiros nicht bekommen hätten.

Texas überall

Nach einer angenehmen Nacht, zumindest teilweise unter Segeln, kamen wir zu Sonnenaufgang in Leros an. Die Bucht sah aus wie aus dem Bilderbuch: weiße Häuser mit einem kleinen Fischerhafen davor, kleine Straßen mit Oleander und Bougainvillea, auf dem dahinter liegenden Berg Windmühlen und eine Festung. Wir verbrachten den Tag am Strand und wanderten am Nachmittag hinauf zur Festung. Die Jungs waren voll dabei bis Joshua Blasen an den Füßen bekam. Tapfer wanderte er weiter. Oben angekommen trafen wir George. Er stand da, begrüsste die Besucher, sammelte 1€ Eintrittsgeld ein und fragte „Where are you from?“ und später „I‘m from Houston, Montrose“. Was für ein Zufall!

Am nächsten Morgen starteten wir früh, um in Patmos zu sein, bevor der starke Nachmittagswind einsetzte. Die Überfahrt war kurz und wir gingen in Deckung in der Bucht von Grikos bevor der Meltemi mit voller Stärke wehte und immer noch weht. Selbst hier, hinter den Hügeln, gehen im Moment Böen mit mehr als 40 Knoten über uns hinweg. Wir ließen Moya an einer Mooring Boje und nahmen den Bus nach Chora, um das Kloster und das kleine weiße Dorf auf den Hügeln zu besuchen. Beides ist seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe. Die Fresken im Kloster waren umwerfend, genauso wie die reichen Verzierungen an Türen und der Schmuck in den Räumlichkeiten. Leider reichte die Zeit nur für einen kurzen Blick, bevor wir am Mittag hinauskatapultiert wurden. Der nächste Bus brachte uns nach Skala, das Hauptdorf von Patmos. Im Bus lachte uns ein großer Texas Sticker entgegen, im Dorf fanden wir Schirme mit Houston Aufdruck und einen alten Mann, der lachend erklärte, dass er im Saint Josefs Hospital in Houston geboren wurde. Es wirkte fast so, als ob halb Texas nach Griechenland ausgewandert ist. Nicole überlegt, ob sie das als ein Zeichen auffassen soll, nach dem Motto „Du kannst das auch“. Kein schlechter Ort wie ich finde.

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03.07.2019 - Nisiros, Griechenland

Segeln in den Dodekanes

Nicole ist zurück

Ganze zwei Tage hat sie gebraucht um zu uns zu kommen. Der Flieger aus den USA war Stunden verspätet und die Anschlussflüge natürlich weg. Kein guter Start. Die Ladies und Gentleman von der Lufthansa haben sie ganz schön im Regen stehen gelassen. Sie buchte also alle Flüge neu, nur um am Flughafen zu sitzen und vergebens zu warten, dass der Anschluss pünktlich kommt. Am Ende verbrachte sie die zweite Nacht ihrer Anreise anstatt bei uns an Bord in Athen und kam am nächsten Morgen ohne ihre Tasche auf Rhodos an. Was ein Höllentrip! Trotzdem war sie voller Tatendrang. Wir frühstückten zusammen, schmissen anschließend die Leinen los und ich drückte alle Daumen und Zehen, dass Nicole nicht auch noch seekrank werden würde.

Wir fliegen nach Symi

Die Überfahrt nach Symi war fantastisch. Die See war nahezu glatt. Obwohl wir hart am Wind unterwegs waren, flogen wir geradezu nach Nordwesten. Mit 7 Knoten, später 8 Knoten, sogar 8.5 Knoten rasten wir dahin. Wow! So schnell! Ich fragte mich ersthaft, ob der neue Unterwasseranstrich uns schneller machte, aber wahrscheinlich waren es einfach traumhafte Bedingungen. Wenige Stunden später liefen wir in den Stadthafen von Symi ein. Wir versenkten das Eisen und legten bei 20 Knoten Wind von der Seite römischen-katholisch (mit dem Heck zur Hafenmauer) zwischen zwei anderen Yachten an. Dieses, für Griechenland so typische, Manöver brachte mich ganz schön ins Schwitzen, wir hatten es kaum irgendwo anders auf der Welt gebraucht. Drin waren wir zwar schnell, aber die Routine fehlte noch und wir checkten noch einige Male unsere Kette, bevor wir uns sicher waren, dass alles passte.

Vor 11 Jahren war Symi noch ein verschlafenes Nest, mit schönen kleinen Häusern in Pastelfarben. Die Insel war damals unsere Lieblingsinsel in Griechenland gewesen. Inzwischen hat sich einiges geändert. Die Uferpromenade ist schön hergerichtet, auch die Häuser dahinter waren makellos. Wo früher kleine Fischerboote lagen reihten sich jetzt Yachten und Tour Boote mit dem Heck zur Hafenmauer, die teilweise etwas herunter gekommenen Fassaden waren verschwunden. Es gab kaum ein Wohnhaus mehr in der ersten Reihe, statt dessen gab es unzählige Restaurants, kleine Läden und Bars. Obwohl die Tagestouristen von Rhodos schon mit den Schnellfähren auf dem Rückweg waren, pulsierten die kleinen Straßen. Es war viel los, auch nachts kam der Ort nicht mehr zur Ruhe. Objektiv ist der Ort jetzt sicherlich schöner, als damals, trotzdem fand ich Symi nicht mehr so beeindruckend, es wirkte für mich, als ob das Dorf seinen Charakter verloren hat.

Wir streiften durch die Gassen und liefen ein Stückchen den Berg hinauf. Der Ausblick von oben war gigantisch, aber die Kids hatten wenig Sinn dafür. Durst! ... und ich hatte das Wasser am Boot vergessen. Das Vergnügen war also eher ein kurzes. Stattdessen ging es zum Spielplatz. Am nächsten Morgen ging ich los und kaufte fürs Frühstück ein. Mit den herzlichen Grüßen der Griechen, frischem Brot und Obst, startete der Tag wunderbar.

Im Vulkan von Nisiros

Der Meltemi, das lokale Windphänomen der Ägäis, bringt im Sommer fast ausschließlich Wind aus Norden und Nordwesten. Die Winde sind am Nachmittag am stärksten und gehen oft in der Nacht etwas zurück. Manchmal bläst es aber auch nachts und zwar ganz beträchtlich, 30 Knoten sind nichts Außergewöhnliches. Im Juli ist es nicht sonderlich schlau Richtung Nordwesten zu segeln, da ist quasi vorprogrammiert, dass man eins auf die Nase bekommt. Da wir im August in Kroatien sein wollen, sind unsere Alternativen aber begrenzt, um nicht zu sagen nicht existent, so dass wir versuchen an Tagen mit wenig Wind voran zu kommen.

Am Morgen setzten wir die Segel und konnten bis zur Mittagszeit tatsächlich segeln. Am Nachmittag drehte der Wind und nahm zu, Henry war gefragt. Angenehm war das Gebolze gegen Wind und Welle nicht. Nicole wurde ganz grün im Gesicht, aber nicht nur sie war froh als wir endlich in dem kleinen Hafen von Nisiros anlegten. Für eine Vulkanexpedition war es schon zu spät, aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben. Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem Mietwagen hinauf zum Krater und kletterten hinunter in den Schlot. Der Vulkan war schon seit tausenden von Jahren nicht mehr ausgebrochen, so dass im Krater Bäume wuchsen und Rinder weideten. Trotzdem ist der Vulkan noch aktiv, im Schlot riecht es streng nach Schwefelwasserstoff und es gibt dampfende Schlammlöcher und Schichten von grüngelblichen Ablagerungen. Mit der strahlenden Sonne von oben und der heißen Erde unter den Füssen fühlten wir uns fast wie im Backofen, so dass wir bald unseren Vulkanausflug beendeten und stattdessen das Dorf am Kraterrand und den Hauptort besuchten. Joshua machte währenddessen konstant Notfallpläne für den Fall eines Ausbruchs. Wie schon in Lanzarote und in Vanuatu war er schwer beeindruckt von der Naturgewalt eines Vulkans.

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