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8° 30.0' S
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119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge im Dezember 2018

09.12.2018 - Labuan Bajo, Flores, Nusa Tenggara, Indonesien

Von Null auf Hundert - Der Tourismus in Flores

Passage gegen den Strom

Nur ungefähr 90 Seemeilen trennen Labuan Bajo von Riung. Eine Strecke, für die wir gewöhnlich am Abend starten, um am nächsten Morgen den Anker zu versenken. Nach dem Blick auf die GRIB files dachten wir schon, dass es dieses Mal anders kommen könnte: kein Wind und Gegenströmung bevor die Westwinde einsetzen und für Tage auf Moyas Nase blasen und jegliches Vorankommen erschweren würde. Ab 10 Uhr am Morgen bewegt sich normalerweise die Gastlandflagge leicht, auch wenn sie weit davon entfernt ist im Wind zu wehen, davor steht die Luft und man kann sich im Wasser spiegeln. Auf den Ritt mit dem Stier hatten wir keine Lust, deshalb gingen wir gleich morgens mit dem Einsetzten des ersten Lufthauchs Anker auf, um es rechtzeitig nach Labuan Bajo zu schaffen. Zwischen den Riffen ging es noch unter Maschine aus der Bucht hinaus, dann setzen wir die Segel und warteten, was das Lüftchen mit Moya anstellen würde. Es war mühsam. Am Abend hatten wir uns gerade mal 15 Meilen von der Bucht von Riung entfernt. Der Wind war nicht nur sehr leicht, sondern wehte auch aus Südwesten, so dass wir den Labuan Bajo nicht direkt anhalten konnten, sondern Richtung Westen kreuzten, was den Weg verlängerte und uns effektiv noch langsamer machte. Nachts setzte dann noch ein nach Osten schiebender Gegenstrom ein, so dass sich Moya irgendwann nach Osten bewegte, obwohl wir weiter nach Westen segelten. Henry musst also antreten, aber zum Glück nicht lange. Unsere Fahrt ans Nordwestende von Flores ging zwar langsam, dafür aber meist unter Segeln. Nach einer Nacht und fast zwei Tagen liefen wir in die Bucht von Labuan Bajo ein und waren total überrascht:

Das Tor zum Komodo Nationalpark: Labuan Bajo

Vor dem kleinen Ort lagen einige Inselchen im Meer, dazwischen tummelten sich hunderte von Booten. Dicht an dicht besiedelten sie jeden Fleck außerhalb des Fahrwassers der Fähren und der Untiefen der Riffe. Zweimal versuchten wir uns an ein freies Plätzchen heran zu tasten und beide Male wären wir um ein Haar auf dem Riff gelandet, da das Wasser hier anstatt klar grünlich trüb ist und so die Navigation nicht gerade erleichtert. Die Boote lagen alle an Anlegebojen, oft nicht allein, sondern gleich mehrere Schiffe aneinander vertäut. Manche Schiffe hingen auch einfach mit einem Seil hinten an einem anderen dran. Gleich nebenan lag dann das nächste Päckchen an der nächsten Mooring. Dazwischen quetschen war also nicht. Wir fragten uns noch was denn passiert, wenn der Wind dreht, während wir entschieden den Schutz der Inseln zu verlassen und im Schwell des inzwischen ganz ordentlich blasenden Südwestswinds vor Anker zu gehen. Wir ergatterten eine Boje und bekamen noch in der Nacht die Antwort auf unsere Frage: Die Boots rumpsen bei Winddrehung einfach ein wenig zusammen bis sich alles neu ausgerichtet hat, was aber keinen zu stören scheint.

Bei den Booten handelt es sich zu 90 Prozent um Ausflugsschiffe und kleine Tauchboote, die Tagestouren zu den Tauchgründen vor Komodo anbieten, und große Dampfer, auf denen die Touristen mehrere Tage herum gefahren werden. Auf vielen davon stehen noch zwei Masten herum, aber segeltauglich erschienen die eigentlich auf keinem der Boote. Auf fast allen Booten herrschte reges Treiben, es wurde gehämmert, gemalert und gezimmert. Die Boatboys wohnten ganz offensichtlich auf den Schiffen. Obwohl da hunderte von Ausflugsbooten lagen, haben wir aber weit und breit keinen Touristen gesehen.

Das änderte sich auch heute bei unserem Spaziergang im Ort nicht. Zumindest die Hafenregion von Labuan Bajo besteht neben den einfachen Häusern der Einheimischen fast ausschließlich aus Hotels, Restaurants, Cafes und Dutzende von Tourenagenturen. Die meisten davon waren sehr schön hergerichtet, man weiß hier offensichtlich was wir Touristen gerne haben. Auch in der Stadt wird überall gebaut, alles wird aufgehübscht und man erkennt schon jetzt, dass der neue Bootsanleger und die Uferpromenade geschmackvoll und umwerfend werden. Während der Tourismus an allen anderen von uns besuchten Orten auf Flores meist gar nicht oder nur subtil erkennbar war, waren wir nun in einer Touristenhochburg gelandet. Von hier aus starten viele Touristen um sich den Komodo Nationalpark anzuschauen. Im Sommer und zu Weihnachten ist hier vermutlich die Hölle los, 8000 Menschen pro Woche wollen da versorgt werden, jetzt aber sind die Boote und die Straßen leer und wir sind selbst hier etwas Besonderes.

Wollten wir im Ort alle Cafes probieren, wären wir Weihnachten noch hier. Deshalb gönnten wir uns nur einen Cappuccino beim Italiener und ein Eis in der Creperie, bevor wir vor den Atlantic Beach Club umparkten. Dort gibt es einen Pool und tatsächlich das ein oder andere Exemplar der Gattung Tourist. Joshua fühlt sich wie im Paradies.

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07.12.2018 - Riung, Flores, Nusa Tenggara, Indonesien

Der Nikolaus zu Besuch

In Deutschland ist die Adventszeit vermutlich schon in vollem Gange. Die meisten Menschen haben inzwischen einen Adventskalender oder einen Adventskranz im Wohnzimmer stehen, waren schon auf dem Weihnachtsmarkt oder zumindest in weihnachtlich geschmückten Einkaufszentren unterwegs und kramen so langsam die Lichterketten für den Tannenbaum im Garten hervor.

Der Advent beginnt auf Moya

Auch Moya segelt langsam aber sicher Weihnachten entgegen, auch wenn es uns dann doch schwer fällt Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Tannenzweige für einen Adventskranz habe ich erst gar nicht versucht zu finden. Dies Unterfangen wäre wohl aussichtslos und selbst wenn ich irgendwo die grünen Zweige hätte herzaubern können, wären sie wohl bei den Temperaturen hier in Nullkommanichts welk und nadellos geworden. Anstatt eines Adventskranzes habe ich den Kindern einen Adventskalender gebastelt. Aber die Päckchen sind nicht mit Schokolade gefüllt, die eher davonlaufen würde, sondern mit Weihnachtsschmuck, Bastelutensilien und kleinen Geschenken. Joshi und Joni haben große Augen gemacht und freuen sich inzwischen jeden Morgen darauf, dass das Frühstück zu Ende ist und sie ein Geschenk auspacken dürfen. Zuerst wussten die Beiden gar nicht, warum da plötzlich 24 kleine Päckchen im Salon stehen. Letztes Jahr war im Gefecht der Atlantiküberquerung die Adventszeit ein bißchen zu kurz gekommen und an die Vorweihnachtszeit vor zwei Jahren konnten sich beide Jungs nicht mehr erinnern. Auf unserem Plan steht auch Weihnachtsplätzchen zu Backen, aber Joshi meinte, damit sollten wir noch ein bißchen Warten, da sonst, wie im letzten Jahr, die Plätzchen nicht bis Weihnachten überleben. In der Zwischenzeit essen wir die fantastischen Lebkuchen aus der Heimat, die Frank uns mitgebracht hat. An den Glühwein haben wir uns noch nicht herangewagt, den sparen wir uns für Weihnachten auf, allerdings spiele ich momentan mit dem Gedanken eisgekühlten Sangria alla Santa daraus zu machen...

Da Indonesien hauptsächlich muslimisch geprägt ist, sind wir bisher nur zweimal an Weihnachten erinnert worden. Das erstmal in Kupang, in der westlichen Einkaufsmall, deren Haupteingang mit Schneemann und Weihnachtsschmuck dekoriert war, und deren Läden Kerzen und Christbaumschmuck verkauften. Einen Weihnachtsbaum haben wir aber erst im Sea World Resort gesehen, auch wenn der nicht grün war, sondern aus geschmückten Palmenblättern bestand.

Der Nikolaus war in Riung

Auch wenn die Vorweihnachtszeit hier in den Tropen sehr anders ist als in Europa, hat der Nikolaus den Weg an Bord gefunden. Joshuas Skepsis gipfelte in der Frage „wie der Nikolaus denn kommen kann, wenn er nicht mehr lebt“ und war erst durch die gefüllten Stiefeln zu besänftigen. Nur die Wunschzettel hat er vergessen mitzunehmen, so dass wir die dann doch noch als Flaschenpost verschicken müssen. Gut informiert, scheint der Nikolaus aber zu sein, denn die Bucht von Riung ist mit unzähligen Riffen und 21 kleinen Inseln gespickt, so dass es bestimmt gar nicht so einfach war uns zu finden, zumal Moya gar nicht vor dem Ort, sondern vor der Insel Tangil ankerte (12 Meter über Sand, 8°23,3' S /121°03,4' O). Dort haben wir den Tag hauptsächlich im Wasser verbracht, entweder direkt am Strand oder einige Meter weiter draußen am Riff, wo wir das erste Mal auf unserer Reise Feuerfischen begegneten, die majestätisch im Wasser floateten, und auch sonst noch einige bisher unbekannte tropische Fische kennenlernen durften. Die Korallen hier waren zwar nicht so schön, aber dafür schwammen wir hier in Schwärmen kleiner bunter Fische, die auch gar keine Angst vor uns zu haben schienen, was das Schnorcheln unvergleichlich machte. Ich fand eine riesige Seeschnecke mit unheimlich schönem Haus, warf sie dann aber wieder ins Wasser und hoffe, dass sie kein Einheimischer findet, denn die töten die Schnecken ohne zu Zögern und verkaufen die schmucken Häuser an Touristen. Am Abend sammelten wir Treibholz, machten ein großes Lagerfeuer am Strand und grillten die Würstchen, die ich überraschenderweise in Maumere erstehen konnte. Welch ein ungewöhnlicher Nikolaustag!

Bestechung am Steg

Am nächsten Tag sind wir nur um die Ecke bis vor den Ort getuckert und ankerten in 7 Metern über Schlamm (8° 24,6' S / 121°01,7' O). Riung ist zu großen Teilen etwas ins Landesinnere versetzt, an der Küste gibt es aber einen langen Steg, an dem die Fischerboote nach getaner Arbeit festmachen. Seltsamerweise sehen die Boote in vielen Gegenden der Welt anders, dort dann aber alle gleich aus. Hier sind die Boote sehr schmal und lang, bananenförmig, mit Dach und eingebautem, unglaublich lautem Motor, der tuckert als hätte sein letztes Stündlein geschlagen. Wir legten Tilly zwischen die Boote und liefen zwischen den auf Pfählen errichteten Häusern direkt am Steg hindurch Richtung Dorf. Als wir ankamen winkten uns ein paar Frauen heran, die vor einem Kiosk zusammensaßen, mit Schönheitsmasken im Gesicht. Sie freuten sich die Jungs zu sehen und wollten gerne ein Foto mit ihnen haben. Joshi und Joni mögen es gar nicht fotografiert zu werden, aber dieses Mal machten sie mit. Während wir im Dorf Obst und Gemüse einkauften und beim Cafe del Mar aßen, sprach sich herum, dass wir da sind. Im Sommer wird Riung wohl von einige Touristen besucht, denn es gibt hier mehrere „Restaurants“, Hostels und Tourenangebote zu den Inseln, an denen wir gestern alleine waren. Bei unserer Rückkehr zum Hafen hatten sich die Einheimischen in kleinen Grüppchen am Steg postiert, um uns für ein Foto abzupassen. Selfies mit den Jungs waren hoch im Kurs, aber dieses Mal wehrte sich Joshua mit Händen und Füssen und war auch durch gutes Zureden nicht umzustimmen, Joni machte dann natürlich auch nicht mit. Da zückten die beiden Mädels mit dem Kopftüchern zwei Waffelriegel. Dies zauberte ein zauberhaftes Lächeln auf Joshuas Gesicht und sorgte für Fotos zum Umfallen. Die Sache mit der Korruption, müssen wir wohl noch besser erklären...

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04.12.2018 - Sada, Flores, Nusa Tenggara, Indonesien

Entdeckungstour an der Nordküste von Flores

Wir blieben noch einen nassen, gewittrigen Tag vor Anker vor dem Sea World Resort und genossen noch einmal das gute Essen und von den unglaublich netten Menschen dort umsorgt zu werden. Das war fast wie Urlaub vom Segeln. Nach einem heftigen Gewitter, mit Blitzeinschlägen nur wenige hundert Meter entfernt von Moya, spielten die Kinder am Strand im warmen Regen, während Christian und ich mit einem Cocktail auf der fast leeren Terrasse des Hotels saßen und im Nichtstun aufgingen.

Es gibt noch Missionare

Jeden Sonntagabend trifft sich die kleine deutschsprachige Community der Region zum Sun Downer bei Pater Bollen. Wir waren dieses Mal auch auf die Terrasse seiner Bambushütte eingeladen. Als wir kamen war noch niemand da. Die indonesische Haushälterin Maria begrüßte uns herzlich, holte den Pater, half ihm in seine Schuhe und kümmerte sich dann um die Getränke - ganz nach alter Schule, so wie ich mir das vorgestellt habe. Die anderen Gäste kamen, Pater Klaus, der noch in der Gemeinde tätig ist, und ein theologischer Professor aus Graz. Als die drei herausgefunden hatten, dass mein Mann von Haus aus Physiker ist, war die Diskussion schon in vollem Gange. Die drei Theologen hatten Spass und der Capitano suchte nach ganz ungewohnten Argumenten. Kann man Wissenschaft und Glaube unter einen Hut bringen? Pater Bollen meinte ja und war der festen Meinung, dass „der Einzug des Pandeismus in die katholische Kirche dem Islam endgültig den Garaus machen würde“. Da meine zumindest ich den Missionar herauszuhören. Während die Herren über ihren Drinks die Zukunft der Religion diskutierten, erlebten die Jungs einen Zuckerschock. Maria hatte sie mit Schokoriegeln und Limo angefüttert, nun waren sie vollkommen außer Rand und Band und wilderten auf der Terrasse herum. Ich saß interessiert dabei, versuchte die Kinder zu zähmen und die Skurrilität der Situation auf mich wirken zu lassen.

Segeln ohne Wind

Die Wettervorhersage sagte für die gesamte nächste Woche absolute Flaute voraus. Mit keiner Aussicht auf Wind rangen wir uns dazu durch, Anker auf zu gehen und unter Maschine aus der Bucht zu tuckern. Am Riff Gosong Unjuran ließen wir das Eisen im den Sand fallen, eigentlich nur als Gewicht, das Wasser war mal wieder ein Spiegel und die Luft stand. Wir schauten den Fischern zu, die am Riff mit Speeren arbeiteten, sprangen zum Abkühlen ins Wasser und schauten uns die bunten Fische an. Joshua sichtete eine Qualle und flüchtete panisch zurück an Bord, ins Wasser war er nicht mehr zu bekommen, aber auch an Bord war es spannend. In Moyas Schatten suchten tausende von Minifischchen Schutz vor den schönen weißen Vögeln und grösseren Fischen, die sie trotzdem immer wieder in Gemeinschaftsarbeit jagten. Die Kleinen sprangen, um den Unterwasserjägern zu entgehen und wurden dann von den Vögeln abgegriffen. Es sah fast so aus als fiele Regen ins Wasser, wenn der ganze Schwarm zurück ins Wasser plumpste.

Mit dem leisesten Hauch setzten wir Segel und ließen uns mehr von der Strömung schieben, als dass wir Fahrt durchs Wasser gemacht hätten. Wir brauchten Stunden für die nur noch 10 Meilen bis zur nächsten Ankerbucht, aber immer nur motoren finden wir total lästig. Außerdem waren wir ohnehin mit Pfannkuchen backen beschäftigt, da machte es keinen Unterschied, ob wir vor Anker lagen oder drifteten.

Der frühe Vogel...

... kann mich mal. Ist meist unser Motto. Allerdings hat es der frühe Vogel auch kühl und Kühle ist seit einiger Zeit absoluter Ausnahmezustand. Die letzte Nacht war windlos. Wir verbrachten sie zwar mit offenen, aber mit Moskitonetzen bedeckten Luken. Das hielt die Plagegeister draußen, hatte aber zur Folge das die Wärme des Tages, die sonst so effektiv zu unseren Decksalonfenstern hinausgepustet wurde, weitgehend im Schiff blieb. Es war heiß, so heiß, dass wir uns möglich gleichmäßig im Schiff verteilten, um der minimalen Temperaturerhöhung der Luft durch einen anderen Körper zu entgehen. Um fünf Uhr mit Sonnenaufgang waren wir wach, genossen die morgendlichen 30 Grad und schnappten unsere Wanderschuhe. Die sanften Hügel von Flores luden zu einer kleinen Trekkingtour ein. Hier in unserer Ankerbucht gibt es neben dem Riff nur drei kleine Häuser der Fischer am Strand. Dahinter erheben sich die überraschend unbewaldeten, grasbewachsenen Hügel, ohne Straßen und Wege. Vor der großen Hitze des Tages stiegen wir hinauf, immer höher, bis wir schließlich von oben eine tolle Aussicht über Moya und das Riff hatten und auch auf der anderen Seite der fjordähnlichen Hügelkette die einsamen Buchten sehen konnten. Die Jungs hatten Spass an der Kletterei, spielten im hüfthohen, trockenen Gras verstecken und banden sich Kränze ins Haar. Der Frühstückshunger und die Lust auf Abkühlung trieb uns dann wieder hinunter.

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01.12.2018 - Maumere, Flores, Nusa Tenggara, Indonesien

Auf zum Kelimutu

Die letzten Tage lag Moya in einsamen wunderschönen Buchten vor Anker mit viel Zeit für uns am Strand und im Wasser. So ganz ohne andere Menschen muss man auf Dauer schon ganz gut mich sich selbst auskommen. Das sind wir zwar von unseren Ozeanpassagen gewohnt, allerdings ist es dann auch wieder schön andere Gesichter zu sehen, über andere als Familienthemen zu reden und natürlich andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Wir gingen also Anker auf mit Kurs nach Maumere zu dem kleinen Strandhotel Sea World.

Abendessen unter Palmen

Bei Sonnenuntergang fiel der Haken im dunklen Vulkansand. Wir fackelten nicht lange, sondern setzten direkt über. Trotzdem war es inzwischen dunkel, so dass wir vergeblich das Dingi Dock suchten und schließlich Tilly dort strandeten, wo gerade eine festliche Tafel direkt am Strand aufgebaut wurde. Die herzliche Kellnerin kam auf uns zu, hieß uns im Hotel willkommen und fragte, ob wir gerne zum Abendessen drinnen oder draußen sitzen wollen. Draußen natürlich! Im Handumdrehen war auch für uns der Tisch hergerichtet. Eine 10 köpfige Musikgruppe setzte sich neben uns und fing an ihren ungewöhnlichen Instrumenten einheimische Klänge zu entlocken und dazu zu singen. Auf einer Art von auf dem Boden liegendem Kontrabass wurde geklopft und die einzige Saite gezupft, daneben gab es viele nicht ganz so exotische Musikinstrumente und Gesang. Die Lieder erinnerten uns an die chillige Meerjungfrauen Südsee Musik aus Samoa - sehr relaxed.

Als sich herum gesprochen hatte, dass wir aus Deutschland sind, gesellte sich ein älterer Herr an unseren Tisch. Pater Heinrich Bollen war vor über 50 Jahren von Deutschland nach Indonesien gekommen und hatte sich neben seiner missionarischen Tätigkeit für die Menschen hier stark gemacht. Vor Jahren initiierte er den Aufbau von Sea World als Entwicklungshilfeprojekt und wohnt seit einigen Jahren im Hotel. Offensichtlich war er auch missionarisch nicht unerfolgreich, leben doch 80% Christen auf Flores. Nun war er ganz froh mal wieder seine Muttersprache zu gebrauchen. Das Essen kam, wir schlemmten die einheimischen Köstlichkeiten unter Palmen und genossen den tollen Abend.

Über die Insel zum Kelimutu

Noch nach dem Abendessen konnte das Hotel für uns Fahrer und Auto für den nächsten Tag organisieren. Um fünf Uhr standen wir deshalb am nächsten Morgen mit Wanderschuhen und Rücksäcken bepackt an der Rezeption. Dort wartete Gen bereits auf uns. Der nette, junge Mann mit dem ansteckendem Lachen und dem zurückgebundenem lockigen Haar fuhr uns die nächsten 12 Stunden über die Insel und erzählt uns ein bißchen von Flores.

Wir ließen das Provinzzentrum Maumere hinter uns liegen und fuhren durch viele kleine Dörfer auf die Südseite der Insel. Von dort ging es an Reisterrassen und Kakaoplantagen vorbei hinauf in die Berge. Gen zeigte uns wie Macadamia Bäume ausschauen, wie die Nüsse direkt am Rand der Straße auf dem Asphalt getrocknet und vor dem Verkauf geöffnet wurden. Überhaupt findet hier ein großer Teil des Lebens auf der Straße statt. Fußgänger laufen nicht auf dem Grasstreifen daneben, sondern direkt auf der Straße. Da trifft man sich dann auch schon mal und setzt sich zum Schnacken. Die Hunde sehen das ähnlich, auch sie lieben den Asphalt um sich auszuruhen. Die vorbei bretternden Motorräder, Autos, Bemos und LKWs stören da nicht wirklich. Und dabei ist gibt es durchaus Verkehr mit viel Hupen, Rasen und Überholen, auch hier nach dem Motto der Stärkere gewinnt. Gen fuhr überraschend gelassen an den mit ganzen Familen bestückten oder auf strassenbreite beladenen Motorrädern vorbei, er überholte sogar nur dort wo die Straße einsichtig war, was man von vielen anderen Verkehrsteilnehmern nicht behaupten konnte.

Drei Seen und ein Dieb

Nach drei Stunden abwechslungsreicher Fahrt bogen wir von der Hauptstraße ab hinauf zum Kelimutu. Wegen den vielen Erdrutschen war die Straße hier nagelneu und die Abhänge wurden gerade befestigt. Wir bezahlten, parkten und gingen los auf die kleine Wanderung hinauf zu den legendären verschiedenfarbigen Vulkanseen. Für die Einheimischen sind die Seen ein heiliger Ort, sie glauben, sie seinen die letzte Ruhestätte der Seelen nach dem Tod. Je nach Charakter des Menschen ruht die Seele im dunklen See Tiwu Ata Bupu, dem See des Alters, dem türkisfarbenen See der Jugend Tiwu Ko o Fai Nuwa Muri oder im dem roten bis wechselnden See Tiwu Ata Polo, dem See der Bösen. Die Farbe wechselt in jedem der Seen unabhängig mit der Zeit, da es sich um drei separate Schlote des noch immer aktiven Vulkans handelt. Die Färbung des Wassers ist abhängig von den vulkanischen Mineralien, dem Oxidationsstatus und dem pH Wert des Wassers und wird so auch vom Regen und Klima beeinflusst.

Nach kurzem Aufstieg standen wir vor den Zwillingsseen, beide hatten eine sehr unwirkliche türkise Farbe. Es sah toll aus. Wir gingen weiter zum See des Alters. Joshi und Christian waren voraus, Joni und ich langsamer auf den Treppen. Wir machten eine kurze Trinkpause und schauten uns den Affen an, der am Kraterrand saß. Kaum hatte ich den Rucksack geöffnet, schoss das diebische Tier auf mich zu, bleckte die Zähne und klaute schneller als ich schauen konnte meine Chipstüte aus dem Rucksack. Joni hatte Angst bekommen und war die Treppe hinauf gerannte, der Affe zurück mit der nun geöffneten Tüte auf seinen Platz am Abgrund und ich stand perplex da und überlegte, ob ich mich nun mit dem hässlichen Dieb anlegen sollte. Ich ließ es, dafür kam eine ganze Bande von Affen vorbei die nun den Kampf um die Tüte aufnahmen. Sowas! Joshi hätte einen Stein geworfen, aber so gewieft war ich nicht.

Oben sah man auf alle drei Seen hinunter, der See der Alten lag da in dunklem Grün. Am Aussichtspunkt saßen mehrere Frauen, die heiße Getränke, Suppen, Snacks und Webarbeiten verkauften. Daneben stand ein Schild „do not feed the monkeys“ - na wenn ich das mal eher gewusst hätte...

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