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10.05.2019 - Marsa Abu Makhadiq, Ägypten, Rotes Meer

6 Leben

Nächtliche Jagd

Die Zerstörungswut unseres ungebetenen Gastes hat uns so entsetzt, dass wir entschieden haben, nicht schlafen zu gehen, bevor der Nager dingfest gemacht ist. Unsere Lebensmittelbilgen waren inzwischen leer, alles was noch zu Essen da war, war in dichte Hartplastikkisten verpackt oder in der Bugkabine verräumt. Aushungern war die Devise, damit die leckeren Wurst- und Käsestücke in unseren multiplen Fallen ihre Wirkung tun konnten. Wir saßen also bei gedimmten Licht im Salon und warteten bis sich unsere Ratte zeigen würde. Um uns herum waren die Rattenfallen aufgebaut. Es dauerte nicht lange, da zeigte sich der Übertäter. Vorsichtig krabbelte er auf eine der Klebefallen zu. Wir rührten uns nicht. Schwups, war der Käse von dem mit dickem Ratten-Kleber bestrichenen Karton geklaut und die Pappe abgeschüttelt. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Auch beim zweiten Mal blieben die im Netz hochgerühmten Klebefallen wirkungslos. Immer wieder kam der Nager in den Salon geschlichen und nagte dann doch tatsächlich ganz vorsichtig den Käse von der konventionellen Klappfalle. Bei der kleinsten Berührung hätte diese ausgelöst und innerhalb von 8 Millisekunden - wir haben es gemessen - die Ratte festgesetzt. Hätte! In Wirklichkeit war unser Erzfeind zu vorsichtig. Aus Verzweiflung fing der Capitano an eine Falle aus unserer Spülschüssel zu bauen, mit Stöckchen und Schnürchen und einem Stück Apfel. Mittlerweile war es zwei Uhr morgens. Wir warteten und beobachten. Schließlich kletterte das graue Tier den Niedergang hinauf. Der Capitano hetzte mit der Taschenlampe hinterher, während ich alle Schotten dicht machte. Sie flüchtete in unseren Ankerkasten. Klappe zu, Affe tot - oder zumindest einmal aufgeräumt bis zum nächsten Morgen.

Tötungsphantasien

Wir gingen ins Bett, hundemüde, aber einschlafen konnten wir immer noch nicht. Uns wollte einfach keine sinnvolle Möglichkeit einfallen, wie wir die Ratte im Ankerkasten um die Ecke bringen können. Rattengift war keine Option, da das Gift verzögert wirkt und wir beim Ankerauf gehen die Ankerbox öffnen müssen. Sie wäre direkt ausgebüchst. Christians Phantasie ging mit ihm durch, die Theorien reichten von mit Anästhetikum präparierte Köder, über selbstproduziertes Zyankali bis zu Abgase unseres Außenborders in den Kasten zu leiten. Alles wurden direkt wieder verworfen. Auch meine Ideen den Ankerkasten zu fluten oder die Flöte herauszukramen passten dem Capitano nicht.

Letztendlich einigten wir uns, nach mentaler Inkubation über Nacht, am nächsten Morgen darauf, die Ratte auszuräuchern. Wir kauften Kohle und präparierten eine leere große Konservendose so, dass sie mit Draht aufgehängt werden konnte. Dann machten wir Feuer. Als das Ding richtig gut brannte hängten wir es in den Ankerkasten. Die Idee war, dass das Feuer schnell durch fehlenden Sauerstoff ausgehen würde und dann Kohlenstoffmonoxid produzieren würde, das die Ratte dann vergiften würde. So die Theorie.

Mausetod

In der Praxis funktionierte unser Plan so halb. Dichter Qualm war im Kasten, allerdings brachen wir die Aktion wohl zu früh ab. Unser Gast lebte noch, wenn auch sichtlich angeschlagen. Viel langsamer als sonst ging er dem Bootshaken aus dem Weg, als wir im Kasten stocherten. Nach einigen Fangfehlversuchen ließen wir die Ratte schließlich zögerlich heraus und verfolgten sie zu zweit mit den Paddeln unseres Dingies. Joshi und Joni schauten interessiert zu und feierten, als wir sie schließlich über Bord geschubst hatten. Dort schwamm sie doch tatsächlich Richtung Ankerkette. Christian sprang ins Dingi und drückte sie immer wieder unter Wasser. Sie überlebte aushungern, ankleben, vergasen, ins Wasser schleudern und erschlagen, aber beim Ertrinken waren dann ihre 6 Leben aufgebraucht.

Wir testen unsere Technik an Bord, alles ok. Zu feiern wagten wir aber erst einen Tag später, als die Käse und Wurstköder unangerührt bleiben. Wir sind wieder rattenfrei!

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