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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Ciguatera

10.10.2018 - Pazifischer Ozean - 11°24' S / 153°37' O

Angeln im Salomonen Meer

Mit Ausnahme des kleinen Thunfisch, den wir in den Banks Inseln von Vanuatu gefangen haben, hatten wir schon seit langem keinen Fisch mehr an der Strippe. Unsere Passagen zwischen den Inseln von Vanuatu waren meist nächtliche Überfahren, auf denen wir nicht angeln und auf der Passage von Tonga nach Fiji war Fischen wegen des schlechten Wetters nicht möglich. Der letzter Fang, der in unserer Pfanne gelandet ist, liegt also schon bis Nuiatoputapu (Tonga) zurück. Entsprechend waren die Kinder erbost, als wir den letzten Thunfisch verschenkt haben und sie ihre heiß ersehnte Proteindosis dahingehen sahen. Fleisch gibt es bei uns ohnehin nur für wenige Tage, wenn wir etwas an Land auftreiben können, das letzte Mal vor zwei Wochen in Santo, so dass die Jungs mittlerweile schwer begeisterte Fischesser sind, auch wenn sie noch zu Beginn unserer Reise die Nase gerümpft haben.

Als dann vor zwei Tagen endlich unsere leeren Limodosen klapperten, die wir an unserer Handleine als Fischalarm befestigt haben, waren Joshi und Joni ganz aus dem Häuschen. „Endlich wieder ein Fisch!“ Moya sauste mit 7 Knoten durch die Salomonen See, der Himmel war bedeckt, auch die See war einigermaßen ruhig, perfekte Bedingungen also zum Angeln. Ich ging direkt an unsere Leine, an der es ordentlich zog und zappelte. Wenig später hatten wir die 40 Meter Leine aufgerollt und einen richtigen Kämpfer an Deck liegen. Nicht zum ersten Mal hatte ich großen Respekt, als ich die spitzen Zähne des Barrakuda sah. Die will man lieber nicht in der Hand stecken haben. Barrakudas schmecken ausgezeichnet, man kann sie oft aber trotzdem nicht essen. Das liegt daran, dass sie Ciguatera in ihrem Gewebe anreichern, das auch für uns Menschen gefährlich ja sogar tödlich werden kann. Die kleinen Rifffische essen das Ciguatera-haltige Plankton des Riffs, werden dann von den Barrakudas verspeist, die es über die Jahre nicht abbauen, sondern im Muskelgewebe speichern, deshalb wird empfohlen nur kleine bis mittlere Exemplare zu essen. Da unser Barrakuda nur 2.5kg schwer (große werden bis zu 20 kg oder mehr) war und wir ihn weit draußen entfernt von den potentiell verseuchten Riffen gefangen haben, freuten wir uns auf ein Festessen am Abend.

Noch bevor ich damit fertig war den Fisch zu schuppen, rappelte es schon wieder. Dieses Mal hatten wir einen Mahi am Haken. „Seit den Marquesas fischen wir schon mit diesem rosafarbenen Squidköder. Er lebt immer noch und hat bis jetzt noch jeden Fisch gelandet“ meinte Christian gerade als ich den Mahi heranzog. Tatsächlich haben wir jetzt eine für uns optimale Angelausstattung zusammen. Nachdem sich im Atlantik noch jeder zweite Köder verabschiedet und mindestens so viele Fische reisaus genommen hatten, haben wir Lehrgeld bezahlt. Wir wissen jetzt, dass eine Handleine bei uns genauso gut funktioniert wie eine Angel und dass es vor allem auf die Haken ankommt. Stark müssen sie sein! Trotzdem hatte der Capitano kaum den Mund zu, als uns der erste Fisch seit den Marquesas ausbüchste. Murphy lässt grüßen! Heute Morgen klapperte es wieder und dieses Mal waren wir selbst Schuld, dass sie schöne Goldmakrele entkam. Der Gaff saß anstatt in der Seite nur in der Finne des Tieres, was der Schöne beim Herausheben ausnutzte. Das war wohl eher schmerzhaft, aber immer noch besser als es der vierte Fisch hatte, den wir vor einer Stunde an Bord zogen.

Meine Hypothese, dass der Westpazifik leer gefischt ist, wurde in den letzten drei Tagen gründlich widerlegt. Zumindest in der Salomonen See kann man noch täglich nur mit einer Leine einen Fisch fangen, genauso wie das auch im Ostpazifik war. Nur Thunfische machen sich hier wie dort rar.

In einer Stunde werden wir durch die Snake Passage in das Archipel der Louisiaden einschiffen - nach fast 7 Tagen auf See. Moya ist regelrecht nach Papua Neuguinea geflogen. Wir freuen uns auf den Landfall.

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18.05.2018 - Baie Hapatoni, Tahuata, Marquesas, Französisch Polynesien

Zu Besuch im Paradies

Bei Hapatoni handelt es sich um eine kleine Ansammlung von bis 30 Häuschen. Es gibt eine Kirche, einen Friedhof aber weder Bäcker noch Restaurant oder sonstiges Geschäft - man kann hier kein Geld ausgeben. Die Häuschen stehen entlang des Ufers unter Palmen. Zwischen den bunten Häusern blüht es in allen Farben, statt grüne Pflanzen in allen vorstellbaren Grüntönen wechseln einander ab. Durchs Dorf zu streichen erinnert mich ein bisschen an einen Besuch eines botanischen Gartens. Neben der Kirche liegen einige Gräber mit weißen Holzkreuzen, Bildern von den Verstorbenen, Blumen und letztem ewigen Blick aufs Meer hinaus.

Unter einem offenen Gebäude nur mit Dach steht eine große, schön verzierte Holztrommel, die wir uns neugierig anschauen. Ein tätowierter junger Mann eilte mit einer Hand voll Bananen herbei. Die Bananen schenkte er den Kindern und führte uns dann den tiefen lauten Drum der Trommel vor. Nebenan gibt es ein Volleyballfeld, hier spielen die Männer um vier Uhr am Nachmittag gekonnt ihre matches, einige Segler sind auch mit am Start. Während die Frauen sich auf der Terrasse des orange farbenen Hauses zusammensetzen und Bingo spielen. Flink legen sie ihre Perlen auf große Matten mit aufgedruckten Zahlenreihen. Die Bingozahlen zieht jedes Mal eine andere aus einem kleinen Säckchen, sie sind aufgemalt auf kleinen Holzringen. Im blauen Haus sitzt eine alte Frau auf ihrer Terrasse, sie verschenkt Bananen, Mangos und den Code für ihr Internet Netzwerk und möchte im Gegenzug nur gut unterhalten werden mit den Geschichten der Boaties. Ihre Enkeltocher liegt nebenan im Wohnzimmer auf dem Boden und schläft, zumindest so lange bis sie von Joshi und Jonis Gebrüll wach wurde, danach spielen die Kinder fangen während auch wir den Geschichten der Segler lauschen. Ein spanisches Pärchen, das wir vor zwei Tagen bereits getroffen hatten, taucht hier entlang der Küste Apnoe und erzählt von faszinierenden Begegnungen mit bunten Fischen, Langusten, Delfinen, Mantarochen und sogar einem Tigerhai. Leider kann man die meisten Fische hier nicht essen, da durch akkumuliertes Ciguatera Toxin ungenießbar sind. Nur die Locals wissen genau wann und wo welcher Fisch gegessen werden kann, das ist von Bucht zu Bucht verschieden.

Wir angeln keine Rifffische, sondern essen statt dessen lieber die Früchte, die wir heute auf unserer kleinen Wanderung über die Bucht eingesammelt haben. Am Wegrand stehen zig Mangobäume mit tausenden von Mangos, viele davon liegen bereits halb vergammelt auf der Erde. Aber es gibt auch Bananenstauden, Limetten, Orangen und Pomelobäume. Ein gestrandeter Schiffbrüchiger könnte hier problemlos von den Früchten leben und genug Material für einen Unterschlupf wäre auch im Handumdrehen gefunden. Wahrscheinlicher wäre es aber, dass er von den Einheimischen adoptiert werden würde, die uns alle herzlich grüßen und anlächeln, so als ob wir auch zur Community gehören. Noch nirgendwo war es leichter in Kontakt zu den Locals zu kommen und die Natur kam noch nirgendwo näher an meine Vorstellung von Paradies.

Heute Nachmittag kommen die Bewohner aus Hiva Oa und Fatu Hiva zu Besuch nach Hapatoni, um zusammen mit den Dorfbewohnern Maria zu gedenken. Wir sind schon sehr gespannt, mehr über die christlichen Bräuche Menschen zu lernen.

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