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21° 21.0' N
Länge:
37° 00.7' O
Ort:
Khor Shinab, Sudan, Rotes Meer
Datum/Uhrzeit:
16.04.2019
17:30 UTC+3
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vom
16.04.2019 10:40 UTC+3
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Logbucheinträge zu Piraten

05.04.2019 - Rotes Meer, 15°46' N / 41°21' O

Tag 22: Wir verlassen die Piraten Allee

Heute werden wir die militärisch kontrollierte Zone, auch high risk area oder Piraten Allee genannt, verlassen. Nachdem wir doch sehr lange überlegt und Risiken abgewogen haben, bevor wir unsere Entscheidung gefällt haben in dieses Gebiet zu segeln, würde ich gerne noch einmal die Gelegenheit nutzen und unsere Einschätzung der Lage zusammen fassen:

Unserer Meinung nach war es kein Zufall, dass unsere Passage ins Rote Meer unproblematisch und sicher verlief. Die Anti-Piraten Koalition leistet hier großartige Arbeit. Viele Nationen sichern in systematischer Zusammenarbeit die Sicherheit in einem schmalen Korridor durch den Golf von Aden bis ins Rote Meer hinein. Dieser Korridor, der IRTC, ist zusammen mit den sich anschließenden Schifffahrtsstrassen ins Rote Meer ca. 650 Meilen lang und hoch frequentiert. Während unserer etwa fünf tägigen Überfahrt haben wir in ihm hunderte von Schiffen gesehen. Das waren hauptsächlich Tanker und Containerschiffe, aber auch einige Segler und Kreuzfahrtschiffe. Jeden Tag wurden wir mindestens einmal von einem Militärflugzeug überflogen, das aktiv den Funkkontakt mit uns suchte und sich erkundigte, ob alles in Ordnung an Bord ist. Kriegsschiffe haben wir nur ein Einziges real gesehen und keins am AIS, was aus zwei Gesichtspunkten auch durchaus Sinn macht: Zum einen wäre es wohl kontraproduktiv, würden die Kriegsschiffe ihre Position über AIS übertragen, dann würden potentielle Piraten zu jeder Zeit wissen wo sich ihre Kontrahenten aufhalten oder auch nicht. Zum anderen ist es logischer, wenn die Kriegsschiffe nördlich und südlich außerhalb des Korridors patrouillieren, um die Lage zu sichern, als zwischen dem vielen Verkehr herum zu fahren. Über ihre Anwesenheit kann allerdings kein Zweifel bestehen, wir haben sie mehrfach täglich auf Kanal 16 und 8 untereinander und mit den Frachtern funken hören. Außerdem könnte auch der Empfang weit entfernter AIS Signal im Zusammenhang stehen mit der Anwesenheit von militärischen Schiffen oder Flugzeugen und der Verwendung von Repeatern. Im Korridor gab es schon seit vielen Jahren keinen erfolgreichen Piratenübergriff mehr, auch nicht auf Frachter, während außerhalb dieses Bereichs, z.B. vor der somalischen Östküste durchaus Piraten aktiv waren. Zum Beispiel gab es 2017 insgesamt 11 Fälle versuchter oder erfolgreicher Piraterie auf Frachtschiffe in der Region, aber eben außerhalb des Transitkorridors. Vermutlich würde die Piraterie auch im Korridor eine Renaissance durchleben, wenn das Mandat der Anti-Piraten Koalition erlöschen würde. So aber scheinen die Watchkeepers durch systematische, fortwährende, effektive Überwachung, die Kommunikation mit den Schiffen und ihre militärische Präsenz die Sache innerhalb des Korridors im Griff zu haben.

Insgesamt wird Piraterie gegen Segelyachten oft emotional diskutiert. Das ist auch keine Überraschung geht es dabei ja um das leibliche Wohl von Schiff und Crew. Schaut man sich aber nüchtern die objektiven Zahlen an, gibt es in den letzten Jahren jährlich weniger als eine handvoll Berichte über erfolgreiche oder versuchte Piraterie auf Segelbooten weltweit und das obwohl da draußen tausende von Booten über die Weltmeere fahren. Einfacher Diebstahl fällt hierbei nicht unter die Definition von Piraterie, sondern nur Fälle von unautorisiertem Eindringen und Entwendung von Eigentum unter Gewaltandrohung. Auch bei dieser Faktenlage bleibt die Risikobewertung letztendlich beim Kapitän einer jeden Yacht, der die Relevanz der schlimmen Einzelfälle für das Wohl seines Schiffes einschätzen muss. Wir würden unter denselben Voraussetzungen noch einmal die Passage ins Rote Meer machen, wir haben uns die gesamten 3 Wochen sicher und gut überwacht gefühlt.

Momentan segeln wir Full Speed gegen Norden. Der Wind wurde wie mit einem Schalter heute morgen angeschaltet und weht jetzt mit 30 Knoten (wieder viel mehr als vorhergesagt) von achtern. Moya rauscht nur so über die aufgewühlte See, ohne Grosssegel, nur mit Genua und Fock. Das Wetter hier im Roten Meer hat es wirklich in sich.

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06.04.2019:
Kommentar from Martin ( Schwiegervater von Sarah)
wünsche euch eine gute Fahrt durchs Rote Meer.....der Wind könnte laut Vorhersage sich mit eurer Fahrt zu euren Gunsten wenden...
03.04.2019 - Rotes Meer, 13°44' N / 42°20' O

Tag 20: Land in Sicht!

Nach über 19 Tagen auf See haben wir gestern das erste Mal wieder Land gesehen und das gleich zweimal. Auf der Backbordseite tauchten zuerst die zu Dschibuti gehörenden Seba Inseln aus dem Dunst auf. Auf der Steuerbordseite folgte wenig später, die nur zwei Meilen vor dem Jemen liegende Insel Mayyun. Joshua wollte dort unbedingt eine Strandpause einlegen und verstand nicht so recht warum wir einfach an der Insel vorbei segelten. Schießen ist noch etwas romantisches für ihn, da helfen auch alle Erklärungen nichts. Nicht nur wegen des Bürgerkrieges kann man vor Mayyun nicht ankern, sie war schon vorher militärisches Sperrgebiet. Inzwischen haben aber die Houthi Rebellen vor vielen jemenitischen Häfen der Westküste Seeminen verlegt und es soll auch an manchen Orten auf Yachten geschossen worden sein. Der Jemen und alle vorgelagerten Inseln sind also absolut Tabu für uns. Die Durchfahrt durch die millitärkontrollierte Schifffahrtsstrasse in der Meerenge Bab El Mandeb wird somit unsere größte Annäherung an den Jemen gewesen sein. Mit moderatem Rückenwind segelten wir gestern, zwischen den Dicken, durch den Eingang zum roten Meer.

Vor 10 Tagen, kurz vor Soccotra, hatten wir tagsüber unsere Wachen verschärft. Fast immer saßen entweder Christian oder ich im Cockpit und scannten kontinuierlich den Horizont nach etwas Ungewöhnlichem ab. Kurz vor der Meerenge rief ich dann gestern das erste Mal „Christian, da ist ein Skiff.“ Tatsächlich waren es zwei, die ungefähr eine halbe Meile entfernt in entgegen gesetzter Richtung unterwegs waren. Die kleinen weißen, offenen Boote sind im Dunst und zwischen den weißen Wellenkämmen nur schwer zu erkennen. Jedes der Boote trug 5 Männer und war somit voll, Fässer, Leitern oder Fischernetze sahen wir keine und konnten daher auch überhaupt nicht einschätzen was sie wollten. Seltsam war das aber schon, zwei voll besetzte Böotchen in der Mitte der Schifffahrtstrasse in Richtung des hinter uns fahrenden Frachters fahren zu sehen. Wir beobachten sie noch ein bisschen, bereits nach einer Meile waren sie aber selbst mit dem Fernglas kaum mehr auszumachen. Es ist eher schwierig aus der Ferne einzuschätzen wer gut und wer böse ist. Wir würden aber eher auf gut tippen, von uns oder den hinter uns fahrenden Schiffen wollten sie jedenfalls nichts.

Mit der Dämmerung setzte dann der Gegenwind ein. Zu dem Zeitpunkt hatten wir die engste Stelle der Meerenge bereits hinter uns gelassen. Der Wind wehte stärker als angesagt und die erste Nachthälfte direkt auf die Nase. Da wir in der Schifffahrtstrasse bleiben wollten, blieb uns nichts anders übrig als mit der Maschine gegen die nun auch gegenläufige See anzubolzen. Schön war das nicht! Aber seit heute Morgen um 5 Uhr segeln wir wieder hart am Wind entlang der Küste Eritreas.

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29.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 15: Nicht alleine

Bereits seit einigen Tagen sind wir immer mehr Schiffen begegnet. Einige davon haben wir nur auf unserem AIS Schirm, andere am Horizont und wieder andere nur weniger als eine Meile entfernt vorbei fahren sehen. Inzwischen bilden sie einen fast stetigen Strom aus Tankern und Containerschiffen, kleinere aber auch die ganz großen Ozeanriesen. Auf unserer Steuerbordseite fahren die Schiffe Richtung Westen, auf unserer Backbordseite Richtung Osten, Moya ist dazwischen eingekuschelt. Wir sind in der Schifffahrtstrasse angekommen, die eigentlich keine ist, und fahren sozusagen auf dem Autobahnmittelstreifen.

Nachdem wir unsere AIS Position die letzten Tage nicht übertragen hatten und im Schleichmodus unterwegs waren, schalten wir den Sender nun wieder an, um die Berufsschiffe nicht zu irritieren. Seit drei Tagen sehen wir auf unserem AIS Schirm jeden Morgen Schiffe, die bis zu 250 Meilen weit entfernt sind und fragen uns, ob MSCHOA hier mobile Repeater verwenden, um den Verkehr besser überwachen zu können, denn normalerweise reichen selbst die starken Signale der Berufsschiffe nur bis zu 50 Meilen weit.

Der IRTC Korridor (internationally recognised transit corridor) liegt in internationalen Gewässern, unterliegt keiner nationalen Gesetzgebung und ist somit nicht rechtlich bindend. Trotzdem halten sich fast alle Schiffe innerhalb der definierten Schifffahrtswege auf, denn in dieser Zone kontrolliert die Anti Piraten Koalition MSCHOA besonders gut. Gestern flog auch schon ein weißes Flugzeug einen Kreis über uns. Eine Minute später knackte die Funke „Japanese navy aircraft for Moya“. Sie erkundigten sich nach unserem geplanten Zielhafen und informierten uns, dass die Kriegsschiffe der Koalition den Funkverkehr auf dem Notfall Kanal 16 überwachen. Beim fünften Versuch verstanden wir das dann auch. Insgesamt war in der Nacht auf dem Kanal 16 überraschend viel los, manch Wachhabendem schien es langweilig gewesen zu sein, so dass er seinen geistigen Sondermüll in den Äther ergoss.

Wenn man in den Korridor hineinfährt sieht man nichts als blauer Ozean, aber jeder weiß Bescheid in welchem 5 Meilen breiten Streifen er unterwegs sein soll. Der Mittelstreifen ist mit 2nm noch enger, das macht das Segeln schwieriger. Aber momentan spielt das noch keine Rolle, denn es gibt immer noch zu wenig Wind und eine 2 Knoten starke, entgegen laufende Strömung. Henry kämpft bereits seit mehr als 24h mit nur 4 Knoten gegenan. Die RSM Queen Mary 2 hatte da weniger Probleme. Der hell beleuchtete riesige Kreuzfahrer raste heute Nacht mit 22 Knoten an uns vorbei, Ziel Jordanien.

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03.03.2019 - Galle, Sri Lanka

Auf Wiedersehen Sri Lanka

Zurück an die Küste

Mit dem vollsten Bus aller Zeiten, fuhren wir zurück nach Galle. Ein Mann hatte Einsehen, dass es keine gute Idee ist, zwei kleine Kinder im Durchgang stehen zu lassen, so dass Joshi und Joni sich einen Platz teilten, während der Busfahrer im halsbrecherischen Tempo den Berg hinabschoss. Ich war froh hinten zu stehen, um die wilden Überholmanöver nicht auch noch sehen zu müssen. Nach 5 Stunden Fahrt konnten dann auch Christian und ich uns in einen der engen Sitze hineinfalten. Der letzte Teil der Strecke fuhr der Bus an der Küste entlang. Die Strände sahen toll aus. Ab und zu sahen wir einige der sri lankanischen Fischer, die im Meer auf Stelzen saßen. Mühevoll sah diese Art des Fischens aus.

Als wir endlich in Galle angekommen waren, fanden wir Moya unter einem dicken Staubpanzer. Die Zementfabrik hatte jeden Tag etwas zu uns rüber wehen lassen. Wir waren trotzdem froh wieder auf unserem schwimmenden zu Hause zu sein.

Der lange Weg nach Hause

Mit uns liegen 6 andere Segler im Hafen von Galle, alle auf dem Weg ins rote Meer oder von dort kommend. Wir nutzten die Gelegenheit Informationen aus erster Hand zu bekommen und fragten den beiden Yachten die bereits dort waren Löcher in den Bauch. Einige Begebenheiten im Golf von Aden, über die wir bereits im Internet gelesen hatten, rückten durch diese Gespräche in ein etwas anderes Licht. Eine ungeklärter Annäherung eines Bootes wurde zum Beispiel als gefällige Bezeichnung seitens der Behörden erklärt, da dem Segelboot der Treibstoff ausgegangen war und die Hilfe irgendwie gerechtfertigt werden musste. Wir hörten außerdem, dass in der Militär überwachten Zone, viel los sein soll. Kriegsschiffe und Flugzeuge kontrollieren, gleichzeitig sind wohl viele Frachtschiffe unterwegs. Seit vielen Jahren gab es keinen erfolgreichen Übergriff von Piraten auf eine Yacht mehr, obwohl wir davon ausgehen, dass momentan jährlich 50-100 Segelboote diese Route befahren. Wir sind natürlich trotzdem nicht ganz entspannt, aber die Gespräche mit den anderen Seglern sorgten dennoch für ein wenig besseres Gefühl. Und das ist auch gut so, denn um zum Ende unserer Elternzeit wieder in Deutschland sein zu können, gibt es nur einen Weg zurück ins Mittelmeer - der über das rote Meer. Die einzige Alternativstrecke zurück - um Südafrika herum, in die Karibik und von dort zurück nach Europa - ist in diesem Zeitrahmen nicht machbar und wegen den starken Strömungen und dem rauhen Wetter am Cape Angulhas außerdem auch nicht ganz ungefährlich.

Seit wir beschlossen haben ins Mittelmeer zurück zu segeln, haben wir konstant Informationen gesammelt, um eine fundiert Risikoabschätzung über die rote Meer Passage machen zu können. Jetzt nutzen wir jede freie Minute damit, aktuellste Berichte von anderen Seglern und den Behörden zusammen zu tragen, um optimal vorbereitet zu sein. Wir registrierten uns bei der MSCHOA, die die Anti Piraten Aktivitäten im Golf von Aden koordiniert und werden täglich an die Behörden berichten, damit die Kriegsschiffe immer genau über unseren Aufenthaltsort informiert sind und im schlimmsten Fall zur Hilfe kommen können. Wenn wir nicht der Überzeugung wären, dass der Weg ins rote Meer sicher ist, würden wir diese Passage nicht machen. Trotzdem steht uns wohl unsere nervenaufreibendste Passage noch bevor.

Moya ist inzwischen aus ihrem Panzer geschält, die Wäsche ist gewaschen, der Tank, die Gasflaschen, der Kühlschrank und die Gemüsenetze sind voll. Es kann also los gehen. Aber noch nicht ins rote Meer, sondern erst Mal zu den Malediven, wo wir noch einmal eine Woche am Strand und im Wasser verbringen wollen, bevor wir uns auf den langen Weg nach Hause machen.

Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare.
04.03.2019:
Kommentar from Christina
Wow, ihr wollt es wirklich wagen! Wir waren am Wochenende beim Piratenpräventivworkshop der Bundespolizei und da wurde das Gebiet als klares No-Go bezeichnet. Ich drücke die Daumen und zittere mit euch mit, dass alles gut geht und ihr heile ankommt! Liebe Grüße, Christina, Serenity Sailing
04.03.2019:
Kommentar from Dody
Drueck' Euch ganz feste die Daumen, wird schon gutgehen irgendwie! Big hugs xxx
04.03.2019:
Kommentar from Anna von SY Capetown
Wir sind in Gedanken bei euch. Ihr werdet es schon richtig machen. :)
04.03.2019:
Kommentar from Marlene und Werner
Gute Reise und einen super Segelwind! Wir freuen uns euch bald wieder näher bei uns zu haben. Liebe Grüße aus Deutschland.
05.03.2019:
Kommentar from Gabi
Ihr seid einfach zu schnell. Ich hatte diese Woche geplant, nach Sri Lanka zu kommen. Jetzt muss ich Fasching hier feiern, denn auf den Malediven war ich erst. Keine Angst vor Piraten, die halten sich an Containerschiffe und Versorger oder Kreuzfahrer. Außerdem sieht euer magerer Captain nicht danach aus, als gäbe es was zu holen auf dem Schiff. Macht es weiterhin so super wie bisher, dann klappt schon alles.
21.01.2018 - Piscadera Bay, Curacao

Auf Wiedersehen Venezuela oder zurück in der Zivilisation

9 Uhr: Wir sind gerade mit dem Frühstück fertig und ich habe einen ziemlich dicken Kopf. Christian packt deshalb die Kinder ein und fährt ohne mich zum Strand. Joshua ist ganz wild darauf die Asche, die die Jungs gestern mit Sand gelöscht haben, auszugraben. Es ist einer der seltenen Momente allein Bord. Statt wie sonst die Ruhe zu nutzen um Aufzuräumen oder zu Putzen, lege ich mich heute ins Cockpit in den Schatten unseres Binimis. Ich lausche dem leisen heulen des Windes uuuuuuu, der über Nacht zugenommen hat und inzwischen mit 20-25 Knoten weht und denke an die bevorstehende Passage. Eigentlich bin ich noch nicht bereit diesen wundervollen Ort schon wieder zu verlassen. Obwohl man meinen könnte eine Sandinsel ist wie die andere, gäbe es hier noch sooo viel zu entdecken, da die Tiere, das Wasser und die Landschaften eben doch alle ein wenig anders sind. Joshua und Jonathan zählen schon seit einer Woche die Tage rückwärts bis sie ihre Großeltern wieder sehen können und Joshua war ganz erbost als er erfuhr, dass wir über Nacht nach Curacao fahren würden, weil er dachte so dauert es einen Tag länger. Bleiben ist also keine Option, wir werden gegen Mittag starten und planen ungefähr 24 Stunden später anzukommen.

1:30 Uhr: Ich bin mal wieder auf Nachtwache. Der Sternenhimmel oben und auch unten im Wasser (die luminizierenden Algen) ist mal wieder sehr beeindruckend. Mit steifer Brise und Wellen von hinten fliegt Moya geradezu Richtung Westen. Nach 13 Stunden liegen schon hundert Meilen hinter uns (fast 8 Knoten im Schnitt), so schnell waren wir noch nie. Christian meinte bei der Abfahrt noch "es ist unmöglich, dass wir bei Dunkelheit ankommen werden" mittlerweile sind die Chancen für unmöglich ganz gut. Bonair liegt bereits querab und ich schalte erleichtert unseren AIS Sender endlich wieder an. Auf Los Roques haben wir viel mit den Einheimischen über die Piratenproblematik gesprochen, auf Los Roques gab es tatsächlich noch nie einen Zwischenfall, aber am Festland besonders im östlichen Teil des Landes in Festlandnähe sind definitiv einige unterwegs, auch wenn die Locals meinten die Anzahl der Piraten hätte sich durch die Krise nicht erhöht. Unsere Sicherheitsvorkehrungen waren also gut bedacht, man muss wirklich sehr vorsichtig sein.

5:30 Uhr: Christian und ich sitzen im Cockpit den Blick Richtung Osten gewandt und warten auf den ersten hellen Streifen am Horizont. Wir sind nun also doch bei Dunkelheit angekommen und segeln nun im Schneckentempo auf das Festland zu, um mit den ersten Sonnenstrahlen in die Piscadera Bucht einzulaufen.

9:00 Uhr: Die Großeltern kommen noch lange nicht, wir haben also Zeit um Einzuklarieren. Wir sind uns zwar nicht sicher, ob die Behörden an einem Sonntag geöffnet haben, machen uns aber dennoch auf den Weg nach Willemstad. Dort lag am Steg direkt vor dem Customs Büro die spanische Yacht, die zuvor morgens um 5:00 Uhr von der Küstenwache auf den Kopf gestellt worden war. Die Offiziellen waren wohl nicht ganz zimperlich, haben ohne Beleuchtung die Yacht geboarded und haben die gesamte Crew aus ihren Betten geholt. Der Schock war der Crew immer noch anzusehen. Kein Wunder! Wir erledigen unsere Zollerklärung, wandern dann durch die Halbe Stadt zur Immigration. Nun nur noch die Ankererlaubnis. Oh nein, das Office hat am Wochenende zu, nun müssen wir morgen noch einmal herkommen, naja wir haben ja Zeit. Dafür sehen wir ein Sea Research Schiff aus Texel, die Proben aus der Tiefsee ziehen. Schade, dass sie grade auf den Zoll warten, sonst hätte ich eine Tour bekommen, das hätte mich wirklich sehr interessiert. Jetzt laufen wir erst mal durch Willemstad. Man fühlt sich fast wie in Holland, mit Zugbrücken einer Schwimmbrücke und bunten holländischen Häusern.

17:00 Uhr: Oma und Opa sind endlich da! Die Kids sind überglücklich

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15.01.2018 - Los Roques, Venezuela

Landfall auf Los Roques

In den letzten 48 Stunden haben wir 300 nautische Meilen zurück gelegt - für Moya ist das absoluter Rekord. Mit solchen Etmalen hätten wir die Atlantiküberquerung in 14 Tagen geschafft. Dabei gab es noch nicht einmal sooo viel Wind, die 20-25 Knoten von hinten zusammen mit dem Äquatorialstrom haben uns einfach über das karibische Meer geschoben und schwups waren wir da. Geplant hatten wir die Überfahrt in 2 Tagen und 3 Nächten zu machen, nun dürfen wir die dritte Nacht in unseren Betten verbringen anstatt auf Wache - yeah!

Nur der Landfall auf Los Roques war etwas abenteuerlich. Wir waren in Grenada erst nach Sonnenuntergang gestartet, so dass wir hier auch erst in der Nacht angekommen sind. Prinzipiell ist es keine gute Idee nachts Inseln anzulaufen, die von Korallenriffen umgeben sind, so wie fast alle Inseln des Archipels. Die Seekarten in weniger befahrenden Gebieten sind oft nicht akkurat, so dass man sich auf sein GPS Gerät besser nicht verlassen sollte sondern schlicht und ergreifend die Augen zur Navigation verwendet. Warum wir dennoch nachts hier angelandet sind hat zwei Gründe, zum einen ist Anfahrt zum El Grand Roque unproblematisch, ohne Untiefen und ohne davor liegende Korallenriffe, zum anderen hat Christian vor unserer Abfahrt in Grenada Google Earth befragt und vom kompletten Archipel Luftbilder gespeichert, die haben wir über unsere Seekarten gelegt und haben die Daten verglichen. Bei der Übung kam heraus, dass unsere eine Seekarte identisch war zu den Google Earth Informationen, unsere andere Seekarte dagegen 500 Meter verschoben war. Wir waren also ziemlich sicher eine valide Seekarte zu haben und haben uns so langsam in die Bucht herangetastet und tatsächlich haben alle Tiefenangaben bis auf den Meter genau gestimmt - ich war schwer beeindruckt.

Sonst war unsere Passage weitgehend ereignislos, sieht man mal vom Piratengedankenkarusell ab. Ihr kennt das bestimmt: man weiss genau, dass bestimmte Sorgen irrational sind, aber trotzdem kann man nicht anders, als immer wieder das was wäre wenn Spielchen im Kopf durchlaufen zu lassen. Besonders gut klappt das übrigens nachts um drei Uhr auf Nachtwache. Nur gut, dass ich mich in der wahren Welt nur mit kleineren Schwierigkeiten auseinander setzten muss: über den riesiger Fisch, der unseren Köder samt Angelschnur geklaut hat, nachdem die Bremse an unserer Angel einfach keine Chance hatte den Zug des Giganten zu halten, hatte ich mich erst geärgert. Jetzt tut er mir einfach nur leid, ihm wird wohl unser Angelequipment vermutlich auch nicht bekommen.

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17.01.2018:
Kommentar from André
Cool, congratulations! Schnelle Überfahrt! Bin gespannt wie es euch gefällt! #sailingmirabella
14.01.2018 - Karibisches Meer, 12´36'N, 63°57'W

Schleichfahrt durch Piratengewässer

Die momentane politische Situation in Venezuela ist alles andere als stabil. Präsident Maduro, der gegen den Willen der Hauptbevölkerung das Parlament entmachtet, weit verbreitete Korruption und Arbeitslosigkeit und eine rasende Inflation (der Boliviar hat allein im letzten Jahr 700% an Wert verloren), die zur Lebensmittelknappheit führt. Kein Wunder also, dass die venezolanischen Menschen immer unzufriedener und verzweifelter werden und zu unorthodoxen Methoden greifen. In den letzten Jahren wurde am Festland und den festlandnahen Inseln sporadisch von Piraterie und unerwünschten Gästen an Bord von Booten berichtet. Gleichzeitig gab es seit Jahren die ständige Diskussion unter Cruisern, ob es sicher ist nach Venezuela zu segeln. Die jetzige politische Situation trägt wohl eher nicht zur Deeskalation bei, so dass zumindest ich das erste Mal seitdem wir unterwegs sind ein etwas ungutes Gefühl in der Magengegend habe.

Der Atlantik ist immer noch genauso blau, der Wind weht immer noch mit sanfter Brise und die Sonne scheint immer noch genauso hell vom Himmel, trotzdem schauen wir viel öfter als sonst zum Horizont und scannen die Umgebung ab. Piraten hier, über 100 nautische Meilen vor der Küste Venezuelas, anzutreffen ist höchst unwahrscheinlich, da die kleinen schnellen Flitzer zu wenig Reichweite besitzen und Piraten nicht über genügend Ressourcen verfügen um ungezielt durch das karibische Meer zu kreisen. Trotzdem haben wir unser AIS auf nur Empfangen gestellt und den Sender ausgeschaltet und sind somit nur durch direkten Sichtkontakt oder Radar zu sehen. Nachts sind die Navigationslichter aus. Bisher haben wir außer 2 Frachtschiffen, die uns mit nur wenigen Metern Abstand passierten, noch niemanden gesehen und ich hoffe, dass es auch morgen so weiter gehen wird. Moya fegt heute geradezu über die Wellen, wenn sie so weiter macht werden wir heute einen neuen Tagesrekord aufstellen und eventuell schon morgen Abend auf Los Roques ankommen. Los Roques ist ein kleines, abgelegenes Inselarchipel 80 nm nördlich von Caracas, das zwar zu Venezuela gehört, sich aber so gut es geht vom Festland distanziert. Die wenigen Menschen dort leben vom Tourismus. Nach unseren Recherchen gab es noch keine Piraterie im Archipel, so dass wir uns auf ein paar Tage dort freuen und die Menschen hoffentlich mit ein paar Dollars unterstützen können.

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