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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Angeln

31.10.2018 - Pazifik 10°16’ S, 147°13’ O

Auf dem Weg in die Torres Straße

Momentan ist bei uns Endspurt angesagt. Nach 7 Monaten, in denen wir den Pazifik einmal komplett vom Panama Kanal im Osten bis zum Eingang in den indischen Ozean in der Torres Straße hier im Westen durchquert haben, fehlen nun gerade einmal noch schlappe 280 Meilen bis wir den Pazifischen Ozean hinter uns liegen lassen und dem Indik Hallo sagen. Über 10000 nautische Meilen - fast einmal um die halbe Erde - legten wir in dieser Zeit zurück und sind nun nach nur etwas mehr als einem halben Jahr dabei uns vom nicht immer stillen Ozean zu verabschieden. Kaum einer segelt in dieser kurzen Zeit einmal durch den Pazifik, entweder verkaufen unsere Fellow Cruiser ihre Boote in Australien oder Neuseeland, oder sie lassen sich sehr viel mehr Zeit für die Erkundung der Südsee. Wir haben sogar einige Boote getroffen, die hier schon seit 10 Jahren unterwegs sind und natürlich finden wir auch, dass es noch soooo viel mehr zu sehen gegeben hätte. Ein kleines bißchen wehmütig fühlt es sich schon an, dieses großartige Segelrevier mit den vielleicht freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen und den schönsten Stränden unseres Planeten auf Wiedersehen zu sagen, aber die Cyclonsession naht in grossen Schritten und verwandelt bald das Paradies zum Alptraum. Vielmehr finden wir es fast unbegreiflich wie viele Eindrücke wir sammeln durften, so dass die 7 Monate in unseren Köpfen nicht wie nur ein halbes Jahr sondern viel länger erscheinen.

Auf den letzten Meter zeigt uns der Pazifik noch einmal wie aktiv und lebendig er sein kann. Mit 6 bis 8 Windstärken segelt Moya durch die bewegte Korallensee, um uns brechen sich die kurzen steilen Wellen immer wieder und es weht Gischt von den weißen Kronen ab. Unsere Segel sind voll gerefft, das Großsegel im dritten Reff, von der Genua steht gerade noch ein kleines Handtuch, nicht um Vortrieb zu machen, sondern um das Schiff seitwärts zu stabilisieren. Der Wind kommt von achtern, genauso wie die See, beides treibt uns mit 6 Knoten voran. Mit ein bißchen mehr hochgezogenen Tüchern wären wir noch deutlich schneller, aber wir wollen lieber etwas langsamer und dafür gemütlicher voran kommen. Wir sind zwar mittlerweile alle übern Berg, aber trotzdem noch nicht topfit.

Der Wind hatte eingesetzt nachdem wir am ersten Abend die Louisaden verlassen haben. Zwischen der Salomonensee und der Korallensee spannt sich hier über viele hunderte Meilen ein großes Barriereriff auf, durch das es nur wenige Durchgänge gibt. Wir fuhren gemeinsam mit den Dicken Kuttern durch den Jomard Eingang. Diese Schifffahrtstrasse ist eine wichtige Verbindung zwischen Australien und Japan und erspart den Großen den Umweg um die Louisaden herum zu fahren. Schon als es noch hell war sahen wir auf dem AIS ständige Bewegung in der Engstelle und hofften, dass kein Dicker später mit uns dort sein werden würde. Es war bereits vollständig nacht, als wir in die Straße hineinfuhren, bald näherte sich ein Frachter von hinten. Dann kamen uns zwei entgegen. Alle vier Schiff trafen sich exakt an der engsten Stelle der Straße, genau im Durchgang durch das Riff. Die Motorschiffe hätten eigentlich auf uns aufpassen müssen, aber ihr Nervenkostüm war wohl robuster als unseres. Durch die mit 4 Knoten auswärtsgehende Strömung, konnten wir unsere Fahrt nicht weiter verringern, so dass wir zeitgleich mit den drei großen Frachtern durch das Nadelöhr mussten. Der Capitano wechselte im Minutentakt den Platz vom Cockpit zum AIS Schirm und war sichtlich erleichtert, als wir aus dem turbulenten Wasser am Ausgang der Straße abbogen. Bei starkem Wind gegen den Tidenstrom wäre das bestimmt noch ungemütlicher geworden, ein richtiger Hexenkessel.

Wir hatten unsere Angel mal wieder nachgeschleppt und tatsächlich zog gegen Sonnenuntergang des zweiten Tages auf See ein Fisch an der Leine. Ich war eigentlich gerade beim Kochen und wollte nur eben die Schalen rausbringen, als ich - zum ersten mal überhaupt - unsere Handleine nicht heran ziehen konnte. „Da muss was großes dran sein“ rief ich und Christian eilte mir zur Hilfe. Danach folgten 30 Minuten in denen wir gemeinsam, einen riesenhaften Gelbflossenthunfisch an die Badeplattform heranzogen und dann rätselten, ob wir das Ding an Bord bekommen würden. Es war haarscharf, fast hätten wir den Giganten noch auf dem letzten Meter mitsamt unseres Gaffs verloren. Der Fisch war so schwer, dass Christian ihn nur von der Badeplattform aus mit meiner Hilfe aus dem Wasser gehievt kriegte. Er zog am Gaff, ich an der Leine so gut ich konnte. Es reichte geradeso, um den 150 cm großen Thunfisch unter der Reeling durch an Deck zu ziehen. Wie schwer er war, wissen wir nicht - zu schwer für unserer Waage und fast auch für uns. 90 cm Brustumfang hatte der Gute. Es tat uns leid, dass niemand da war mit dem wir das Fleisch teilen konnten, da wir das alles nie und nimmer essen werden können. Wir schnitten ca. 10 Kilogramm Filets zwischen den Gräten heraus und es wäre wohl fast noch einmal so viel möglich gewesen, als wir ihn zurück ins Meer warfen. Ohne Gefriertruhe an Bord kochten wir am nächsten Tag zum ersten Mal Fisch ein und aßen uns an dem exzellenten Fleisch pappsatt, jetzt haben wir immer noch weit über die Hälfte, die wir wohl essen bis uns der Fisch zu den Ohren rauskommt.

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10.10.2018 - Pazifischer Ozean - 11°24' S / 153°37' O

Angeln im Salomonen Meer

Mit Ausnahme des kleinen Thunfisch, den wir in den Banks Inseln von Vanuatu gefangen haben, hatten wir schon seit langem keinen Fisch mehr an der Strippe. Unsere Passagen zwischen den Inseln von Vanuatu waren meist nächtliche Überfahren, auf denen wir nicht angeln und auf der Passage von Tonga nach Fiji war Fischen wegen des schlechten Wetters nicht möglich. Der letzter Fang, der in unserer Pfanne gelandet ist, liegt also schon bis Nuiatoputapu (Tonga) zurück. Entsprechend waren die Kinder erbost, als wir den letzten Thunfisch verschenkt haben und sie ihre heiß ersehnte Proteindosis dahingehen sahen. Fleisch gibt es bei uns ohnehin nur für wenige Tage, wenn wir etwas an Land auftreiben können, das letzte Mal vor zwei Wochen in Santo, so dass die Jungs mittlerweile schwer begeisterte Fischesser sind, auch wenn sie noch zu Beginn unserer Reise die Nase gerümpft haben.

Als dann vor zwei Tagen endlich unsere leeren Limodosen klapperten, die wir an unserer Handleine als Fischalarm befestigt haben, waren Joshi und Joni ganz aus dem Häuschen. „Endlich wieder ein Fisch!“ Moya sauste mit 7 Knoten durch die Salomonen See, der Himmel war bedeckt, auch die See war einigermaßen ruhig, perfekte Bedingungen also zum Angeln. Ich ging direkt an unsere Leine, an der es ordentlich zog und zappelte. Wenig später hatten wir die 40 Meter Leine aufgerollt und einen richtigen Kämpfer an Deck liegen. Nicht zum ersten Mal hatte ich großen Respekt, als ich die spitzen Zähne des Barrakuda sah. Die will man lieber nicht in der Hand stecken haben. Barrakudas schmecken ausgezeichnet, man kann sie oft aber trotzdem nicht essen. Das liegt daran, dass sie Ciguatera in ihrem Gewebe anreichern, das auch für uns Menschen gefährlich ja sogar tödlich werden kann. Die kleinen Rifffische essen das Ciguatera-haltige Plankton des Riffs, werden dann von den Barrakudas verspeist, die es über die Jahre nicht abbauen, sondern im Muskelgewebe speichern, deshalb wird empfohlen nur kleine bis mittlere Exemplare zu essen. Da unser Barrakuda nur 2.5kg schwer (große werden bis zu 20 kg oder mehr) war und wir ihn weit draußen entfernt von den potentiell verseuchten Riffen gefangen haben, freuten wir uns auf ein Festessen am Abend.

Noch bevor ich damit fertig war den Fisch zu schuppen, rappelte es schon wieder. Dieses Mal hatten wir einen Mahi am Haken. „Seit den Marquesas fischen wir schon mit diesem rosafarbenen Squidköder. Er lebt immer noch und hat bis jetzt noch jeden Fisch gelandet“ meinte Christian gerade als ich den Mahi heranzog. Tatsächlich haben wir jetzt eine für uns optimale Angelausstattung zusammen. Nachdem sich im Atlantik noch jeder zweite Köder verabschiedet und mindestens so viele Fische reisaus genommen hatten, haben wir Lehrgeld bezahlt. Wir wissen jetzt, dass eine Handleine bei uns genauso gut funktioniert wie eine Angel und dass es vor allem auf die Haken ankommt. Stark müssen sie sein! Trotzdem hatte der Capitano kaum den Mund zu, als uns der erste Fisch seit den Marquesas ausbüchste. Murphy lässt grüßen! Heute Morgen klapperte es wieder und dieses Mal waren wir selbst Schuld, dass sie schöne Goldmakrele entkam. Der Gaff saß anstatt in der Seite nur in der Finne des Tieres, was der Schöne beim Herausheben ausnutzte. Das war wohl eher schmerzhaft, aber immer noch besser als es der vierte Fisch hatte, den wir vor einer Stunde an Bord zogen.

Meine Hypothese, dass der Westpazifik leer gefischt ist, wurde in den letzten drei Tagen gründlich widerlegt. Zumindest in der Salomonen See kann man noch täglich nur mit einer Leine einen Fisch fangen, genauso wie das auch im Ostpazifik war. Nur Thunfische machen sich hier wie dort rar.

In einer Stunde werden wir durch die Snake Passage in das Archipel der Louisiaden einschiffen - nach fast 7 Tagen auf See. Moya ist regelrecht nach Papua Neuguinea geflogen. Wir freuen uns auf den Landfall.

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29.09.2018 - Nawono Bay, Vanua Lava, Vanuatu

Essen in Vanuatu & Schwertwale begleiten uns nach Vanua Lava

Wir bleiben nur eine Nacht auf Gaua, gerade so lange, um im Dorf „Hallo“ zu sagen und den Chief um Erlaubnis zu bitten vor seinem Dorf ankern zu dürfen. Die Dorfbewohner begrüßten uns wie überall hier in Vanuatu mit einem breiten Lachen. Wir hatten das Eisen noch nicht im Wasser versenkt, kam schon ein kleiner Ausleger Einbaum zu uns gepaddelt, um uns zu begrüßen, ein bißchen small-talk zu halten und nach Fisch zu fragen. Dass wir nach Fisch gefragt wurden, war neu, bisher wollte man uns Fisch immer verkaufen, deshalb hatten wir die Frage nach Fisch zu Beginn gar nicht richtig verstanden und geantwortet. „Ja, wir hätten gerne Fisch!“ Erst nach einer Weile klärte sich das Missverständnis auf. „Nein, wir haben leider keinen Fisch gefangen, tut uns leid!“ Es ist schon seltsam, dass die Menschen hier, die weitgehend abgeschottet auf so kleinen Inseln leben, nicht die Mittel haben größere Fische zu fangen. Mit den kleinen Einbäumen, kann bei ruhigem Wetter zwar prima mit Netzen gefischt werden, aber sobald die See nur ein wenig wellig ist, kann man sich mit den Einbäumen nicht mehr sicher bewegen und schon gar nicht das schützende Korallenriff verlassen. Große Fische wie Thunfisch, Wahoo oder Mahi beißen erst an, wenn der Köder sich mit einer gewissen Geschwindigkeit durchs Wasser bewegt, so dass die Ni-Vans mit ihren Einbäumen keine Chance auf den dicken Fang haben und das obwohl hier in den Banks Rekorde der größten gefangenen Schwertfische aufgestellt wurden.

Die Inselbewohner, leben weitgehend vom fruchtbaren Land das sie bewirtschaften und fangen die Lobster, die hier vor den Inseln leben. Auf den Inseln gibt es Obst und Gemüse, das ich zuvor noch nirgendwo gesehen habe. Die Kinder lieben Inselhimbeeren (sehen ähnlich aus wie Himbeeren, schmecken aber wie eine Kreuzung aus Him- und Erdbeere), Navarek (eine rote birnenförmige Frucht mit großem Kern in der Mitte), Pomelo, die kleinen süßen Bananen und die lokalen Papaya, obwohl sie die normalerweise nicht essen - aber ich finde, die sind hier besser als überall sonst. Seit wir hier sind experimentiere ich mit den wohlschmeckenden frischen Köstlichkeiten. Inselkraut und Bok Choy machen einen großartigen Salat, können aber auch mit Reis angebraten werden. Manjokpüree schmeckt ein bißchen wie Griesbrei, die rießigen Tarowurzeln ähneln Kartoffeln, Kumara schmecken nach Süßkartoffeln und aus grünen Kochbananen kann man super Reibekuchen machen. Mein persönlicher Favorit sind aber Choko, grüne birnenförmige schrumpelige Früchte von einer parasitären Rankpflanze, die man roh essen kann oder gekocht und wie eine Mischung aus Kohlrabi und Gurke schmecken. Neben diesen für uns Europäer eher ungewöhnlichem Gemüse gibt es hier aber auch Tomaten, Paprika, Kürbis und vereinzelt Gurken und Salat. All das tauschen die Inselbewohner gerne gegen eigentlich Alles, was man anbieten kann. Linette, die Tochter von Chief Robert, brachte uns bei unserem Besuch eine große Tasche buntes Gemüse, nachdem wir Kinderkleidung, Zucker, Reis, Hefte und Stifte dagelassen haben und den tiefen Schnitt ihres Vaters verarztet hatten. Der Chief war gerade dabei gewesen, das kleine „Restaurant“ wieder aufzubauen, als ein Bambusrohr brach und sich tief in seinen Daumen bohrte. Die Kids bekamen Lollis und freuten sich so darüber, dass wenig später zwei, in Masken und langen Graskostümen bekleidete, Gestalten auf uns zu kamen um uns zu erschrecken. Die Jungs hatten einen riesigen Spaß.

Gerne erlaubte uns der Chief in der Bucht zu ankern. Aber als wir auf seine Frage antworteten, wie lange wir bleiben würden, wurde er blas im Gesicht. Wir wollten wegen des Zyklons zügig nach Norden. Dass sich ein Zyklon in der Nähe der Inseln aufhält, hatte selbst der Chief noch nicht gehört und man sah ihm die einsetzende Anspannung richtig an. Vanuatu, liegt im Zentrum des Zyklongürtels und ist eines der Länder im Südpazifik die jährlich die meisten Zyklone überdauern. Trotzdem ist jeder Zyklon eine Katastrophe. Die Hütten aus Bambusrohren, Mangoholz und Palmenblättern halten den Kräften der Natur oft nicht stand und fallen ein, trotz Zyklonvorbereitung mit Sandsäcken und Extraschichten frischer Palmenblättern. Nach Pam 2015 stand kein Haus mehr. Auch am nächsten Morgen, als wir uns verabschiedeten, um weiter nach Vanua Lava zu segeln um den angesagten Ausläuferwinden zu entfliehen, war Roberts erste Frage nach neuen Zykloninformationen. Gut, dass wir ihn beruhigen konnten, weil Liua schon beim Abdrehen war.

Der Segeltag gestern war wunderbar. Weit genug entfernt von Liua, segelten wir mit 15 Knoten Wind Richtung Norden und sahen das erste Mal seit langem die Sonnen zwischen den Wolken hervorlugen. Es war zwar etwas holprig, aber das störte nicht weiter und wurde mit jedem Meter in Richtung Norden besser. Christian und ich grübelten gerade im Cockpit, wie wir nun unsere Reise am besten fortsetzten sollten, als ich fast von der Bank kippte. Im Augenwinkel hatte ich eine schwarze Rückenflosse direkt neben Moya gesehen - zu groß für einen Delfin. Ich sprang auf um besser sehen zu können und befürchtete einen großen Buckelwal unter uns zu entdecken. So nah wollte ich einen solchen Riesen dann noch lieber nicht sehen. Es war aber kein Buckelwal, sondern eine ganze Schule kleiner Schwertwale, die Verwandten der Orcas. Bestimmt 20 bis 30 Tiere schwammen um Moya herum, ließen sich immer wieder abfallen, um Schwung zu nehmen, am Schiff entlang zu schwimmen, um dann mit unseren Bug regelrecht zu kuscheln. Fast immer befanden sich 5 bis 6 Tiere direkt unter dem Bugspriet, prusten Wasser aus dem Luftloch, sprangen über die Wellen und tauchten wieder ab. Die Wale waren ganz schwarz und von unterschiedlicher Größe bis zu vielleicht 6 Meter lang. Sie hatten einen riesigen Spaß mit Moya und spielten mindestens 30 Minuten mit ihr. Joshua und Jonathan, die mittlerweile auch mit Schwimmwesten angeleint im Cockpit saßen, waren ganz aus dem Häuschen, zeigten und riefen, wenn sie wieder einen der Wale springen sahen. Am faszinierenden fand ich persönlich aber den Walgesang, eine Mischung aus pfeifen und piepsen, die man selbst außerhalb des Wassers gut hören konnte. Ich stand vorne am Bug und war den Walen zum Greifen nahe, nur 1 bis 2 Meter direkt unter mir schwammen sie. Kleine Schwertwale sind fast weltweit verbreitet, man weiß aber nur wenig über sie, da sie nur äußerst selten gesichtet werden - das war schon was ganz Besonderes.

Inzwischen stehen wir sicher vor Anker in der Nawono Bucht in Vanua Lava, Liuas Stärke nimmt weiter ab, sie befindet sich momentan 400 Meilen westlich von uns und soll sich in den nächsten Stunden auflösen. Trotzdem bläst es hier jetzt ganz ordentlich mit 25 Knoten, aber das Eisen hält bombig und die Bucht ist gut geschützt gegen den Schwell aus Südosten. Weiter südlich sind die Winde noch unangenehmer, dort wehen bis zu 40 Knoten, wir sind froh Richtung Norden gefahren zu sein.

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12.08.2018 - Niuatoputapu, Tonga

Wir hüpfen nach Tonga

Nach 8 Tagen ohne Wind oder Wind aus südlichen Richtungen war es endlich soweit, die Wettervorhersage sagte 30 Stunden guten Segelwind aus Osten vorher. Nicht genug um nach Vava-U zu kommen, wo wir ja schon vor knapp zwei Wochen hin wollten, aber genug um Niuatoputapu oder wie die Segeler sagen „NewPotatoe“ zu erreichen. Die Captains von der La Pecadora, Mango und Moya klarierten also gesammelt aus Samoa aus, erst in die Stadt zur Immigration, dann zum Zoll. Das dauerte alles, ging aber ansonsten problemlos. Am Nachmittag schafften wir es dann noch Trevor von der Marina zu catchen, um unsere Schulden zu tilgen - gerade Mal 60€ kosteten die 4 Tage am Steg, wenn das doch immer so günstig wäre...

Während die Capitanos Papierkrieg erledigten, war Action bei uns an Bord. Die Kids waren eingefallen und spielten in Moyas Bauch. Einkaufsladen mit unseren restlichen Münzen aus aller Herrenländer - anstatt Früchte und Lebensmittel lagen Dinos und Tiere in der Auslage. Sogar Joni konnte dieses Mal prima mitmachen, sonst ist er manchmal etwas außen vor, da er als Kleinster noch nicht so schnell rennen, noch nicht so hoch hüpfen und auch sonst vieles einfach noch nicht so gut kann. Ich wuselte um die Kleinen herum und versuchte das Schiff startklar zu machen, was sogar überraschend gut klappte, zumindest solange bis der Hunger kam. Unterzuckert stieg die Lautstärke rasant gegen unendlich. Alle waren sich einig, Pfannkuchen wären jetzt gut.

Am Nachmittag mussten die Kinder nochmal ihre Beine bewegen und außerdem wollten die letzten Tala noch ausgegeben werden. Es reichte gerade noch für 2 Brote, 2 Eis für die Jungs und nochmal 2 für die kleinen Tänzer vom ersten Abend, die mit schmachtenden Blicken den Bootkindern beim Essen zusahen. Dann schmissen wir die Leinen los, tuckerten aus dem Hafen und warteten und warteten... Der angesagte Segelwind ließ auf sich warten, die ganze Nacht hindurch und denn nächsten Morgen zogen wir die Segel im Stundentakt hoch und holten sie wieder ein. Wenn sie mal oben waren machten wir bei einer schwachen Brise nicht mal 3 Knoten Fahrt - die Segel standen mit Glück gerade so. Schlafen war, ob der unendlichen Segelgeschichte auch eher Mau. Schier unglaublich, dass die Wettervorhersage hier nicht einmal die nächsten 24 Stunden verlässlich vorhersagt. Dieses Mal waren wir mit der ganzen Schoße aber nicht allein, die Mango plagte sich genauso. Es stimmt einfach: geteiltes Leid ist halbes Leid, da greift man dann auch mal mitten in der Nacht zur Funke um sich gegenseitig wieder aufzubauen. Tagsüber funkten wir über Kurzwelle alle zwei Stunden und bekamen Live Updates wie es gerade so läuft. Unser Highlight des ersten Tages war eindeutig der große Mahi Mahi, der uns Sushi für unterwegs bescherte und am Ankerplatz trotzdem noch für beide anderen Familien reichen wird. Gestern Nachmittag wurde dann alles besser, endlich legte der Ostwind los und Henry konnte seinen Dienst einstellen. Der Wind drehte über Nacht nach Nord, so dass wir dann heute morgen mit Rückenwind durch den Pass von Niuatoputapu gingen - die Mango wartete schon und die La Pecadora kommt auch gerade angerast, obwohl das 63 Fuss große Schiff erst einen halben Tag nach uns gestartet war.

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15.07.2018 - Maupiti, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Haarig - der Pass von Maupiti

Um noch ein bißchen mehr von Bora Bora kennen zu lernen verlegten wir unseren Ankerplatz in den Norden. In der Nähe des Flughafens liegen eine Hand voll kleiner Inselchen, davor ist das Wasser relativ flach und perfekt türkis schimmernd. Wir legten Moya in nur fünf Metern Wassertiefe - eine Seltenheit auf den Gesellschaftsinseln - vor Anker, schnappten uns Tilly machten uns auf Entdeckungsreise Richtung Motus.

Von weitem sahen die Inseln unbewohnt aus. Kleine Ilande, dicht mit Palmen bewachsen, weißer Sandstrand, ohne das geringste Lebenszeichen sahen wir. Beim näher kommen fielen uns dann aber die Schilder auf, die hier ganz akkurat aufgereiht im Abstand von ca. 50 Metern standen, einmal komplett um die Insel herum. „Privat Island“ stand darauf und spätestens als wir die zahlreichen Kameras an den Palmen ausmachten, hatten es sogar wir verstanden: da wollte jemand nicht gestört werden. Jemand der das Geld hatte drei große Gebäude zwischen den Palmen verstecken zu können, unter dem dichten Palmendach englischen Rasen anpflanzen und den weißen Sand mit der Harke kämmen zu lassen, so dass die Streifen im Sand zu erkennen waren. Wer der Besitzer von Motu Tane ist wissen wir nicht, allerdings scheint ihm Privatsphäre nicht ganz unwichtig zu sein. Vielleicht ist es ein Hollywoodsternchen, ein Profisportler oder ein Milliardär? Jedenfalls ist der Ort gut gewählt, direkt am Aussenriff mit herrlichen Korallen, Rifffischen und ohne Kontakt zu Menschen - und das auf Bora Bora. Ob der wohl weiß, wie schön sein Unterwasservorgarten ist, oder reicht es ihm oder ihr zu wissen dass man nachschauen könnte, wenn man nur wollte? Wir jedenfalls sind abgetaucht und haben die tollen Korallenformationen und bunten Fische bewundert. Zum Abschluss ist uns sogar ein Manta Rochen begegnet, ganz natürlich, ohne anfüttern glitt das riesige Tier durch das Wasser und war dann auch blitzschnell mit zwei Flügelschlägen weg als er mich bemerkte.

Für uns war das ein toller Abschied von Bora Bora, wir hatten schon am Morgen ausklariert bevor wir heute nach Maupiti, unsere letzte Insel französisch Polynesiens, gestartet sind. Maupiti ist klein, ohne Gendarmerie, deshalb musste der Papierkrieg schon auf Bora Bora erledigt werden. Es ging heute morgen schon nass los und wurde den ganzen Tag nur schlimmer. Ein Squall jagte den nächsten, der Wind drehte kräftig, wehte dabei frisch. Kurz vor Maupiti holte ich die Angelleine für die bevorstehende Pass Durchfahrt ein, als es plötzlich an der Leine zog, ein riesiger Mahi Bulle hatte sich in letzter Sekunde den Köder geholt und kämpfte jetzt. Mit starken Flossenzügen schwamm er von rechts nach links, tauchte ab und sprang aus dem Wasser, aber es half nichts, am Ende hatten wir ihn an Deck. Größer als Joshua war er und brachte 9kg auf die Waage und ist wie immer vorzüglich, das erste Viertel hat uns heute papsatt gemacht. Bevor wir mit dem Angeln angefangen haben, las ich öfter, dass Fische vor allem in der Morgen- oder Abenddämmerung anbeißen, jetzt weiss ich, dass das nicht stimmt, sie beißen dann wenn man es gerade am lästigsten ist - beim Segelreffen, beim Kochen oder wie heute beim Vorbereiten für die Einfahrt.

Und das war heute besonders nötig, denn der Pass von Maupiti ist lang und schmal und nach Süden geöffnet, dort wo die Wellen herkommen - und die waren gar nicht mal so klein. Von außen sahen wir nicht so richtig was im Pass los war und plötzlich waren wir mittendrin. Adrenalin flutete meine Blutbahnen und machte meine Knie weich, zum Glück waren die Kinder unten und Christian am Ruder - die Brecher und das ablaufende Wasser auf dem Riff waren mir einfach viel zu nah bei Moya - keine 20 Meter entfernt. Comfortlevel ade. Maupiti hat uns nun so lange, bis es ruhiger wird da draußen. Keine Ahnung wie lange das sein wird, die Wettervorhersage zu befragen ist sinnlos, die ist hier so zuverlässig wie würfeln.

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30.05.2018 - 11°09' S; 140°42' W; Pazifik

On the lean towards Raroia

Nachdem wir Moya gestern für die Passage zu den Tuamotus vorbereitet haben, sind wir nochmal an Land getuckert. Wir wollten gerne Gemüse, Eier und Brot einkaufen, da die Tuamotus einer der remotesten Plätze der Erde sind. Viele der Atolle sind nicht oder nur spärlich besiedelt. Ergo gibt es diese Dinge oft gar nicht oder wenn sie dann doch mal von einem Versorgungsschiff gebracht werden, werden sie zu astronomischen Preisen angeboten werden. Leider war unsere Ausbeute nicht wirklich gut, der kleine Laden bot bis auf Knobi nichts frisches an, Baguettes waren aus und das obwohl die Aranui 5, das Hauptversorgungsschiff der Marquesas, morgens erst da war. Wir hätten wohl in die 15 km entfernte Hakahau Bucht segeln müssen, dort soll die Versorgung mit einem echten Supermarkt (vermutlich der einzige der Marquesas, sonst gibt es hier nur kleine Tante Emma Lädchen) exzellent sein. Aber das hätte unsere ganze Tagesplanung über den Haufen geschmissen und unsere Abfahrt einen weiteren Tag verzögert. Wir wollten um 17:00 Uhr Anker auf gehen, damit wir passend zu Slack water (Stillwasser) am Samstag Morgen vor dem Pass von Raroia stehen, um dann beste Bedingungen für unsere erste Atoll Einfahrt zu haben. Die Tuamotus sind kein einfaches Segelgebiet und wurden bereits von Cook die gefährlichen Inseln genannt, da man die Atolle erst spät sieht und zwischen den Inseln sowie in den Einfahrten sehr starke Strömungen herrschen können. Täglich gibt es wegen der Tide nur ein bis zwei gute Möglichkeiten in die Atolle hinein zu fahren, so dass wir versuchen unsere Ankunft gut zu timen, um nicht einige Stunden oder gar über Nacht vor dem Pass warten zu müssen. Viele Kinderboote waren schon dort oder auf dem Weg dorthin, wir wollten also auch los und gaben uns so mit unseren erstanden Eiern zufrieden. Zum Glück hatten wir immer wieder Früchte mit an Bord gebracht, so dass wir jetzt zwar wenig Gemüse aber zumindest Obst am Schiff hatten.

16:50 Uhr gingen wir Anker auf, setzten die Segel und segelten überraschender Weise an der Küste Ua-Pous entlang Richtung Süden. Wir hatten damit gerechnet auf der Leeseite der Insel erst einmal Henry bemühen zu müssen, aber wo Wind war, war auch Vortrieb. Die Segel standen dicht geholt für das erste Stück unserer Passage. Moya neigte sich nach Lee und segelte 45 Grad zum Wind im ruhigen Wasser. Parallel zu uns waren noch zwei Katamarane von Ua-Pou gestartet, aber sie segelten weiter in westliche Richtung, weil sie vielleicht zu einem anderen Atoll wollten oder nicht so hart am Wind segeln konnten wie ein Einrümpfer.

Als wir die Wellenabdeckung von Ua-Pou verließen wurde, es etwas ruppiger und ich war froh das Abendessen vorgekocht zu haben. Der Schwell war nicht groß genug, dass wir große Geschwindigkeitseinbußen gehabt haben, aber er reichte aus, dass es anstrengend wurde. Der Topf blieb auf unserem aufgehängten Herd, so dass sich jeder an seinen Teller und seinen Löffel klammern musste. Auch in der Nacht segelten wir weiterhin am Wind, so dass wir auf die Leekojen ausgewichen sind und Christian sich zwischen den Rundumblicken im Salon auf den Boden legte um nicht vom Sofa zu purzeln. Die Nacht verlief ereignislos und am Morgen waren wir bereits 90 Meilen näher am Ziel.

Vorhin hatten wir dann auch noch unseren ersten Thunfisch überhaupt an der Angel, bisher hatten wir nur Mahis und Barrakudas gelandet, mussten den Leckerbissen aber wieder in den Ozean werfen, da im Fleisch viele kleine Würmer herum krabbelten. Das Thunfischglück war also wieder nicht mit uns, aber das wird schon noch was, jetzt da unsere Handline optimiert ist.

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26.04.2018 - 6°34'S / 111°10'W, Pazifik

3 Wochen auf See

Länger als jemals zuvor und wir sind noch nicht da. Aber wir sehen auf unserer Seekarte deutlich, dass wir nun näher an den Marquesas als an Panama sind. Es liegen „nur“ noch 1680 Meilen vor uns 2300 Meilen sind bereits geschafft. Navionics mutmaßt, dass wir noch weitere 12 Tage rollen werden - wir wagen allerdings noch keine Hochrechnung, da unser Tempo doch fast ausschließlich von Wind und Ozean bestimmt wird. Die Wellen haben inzwischen ein kleines bißchen nachgelassen, aber sie kommen dafür nicht mehr so konstant, das Meer ist unruhig, so dass wir jetzt noch mehr durchs Boot geschleudert werden wie die Tage davor. Manchmal haben unsere Bewegungen etwas von Slapstick und erinnern an James von Dinner for one beim Servieren des dritten Gangs „skull“. Nur die Kinder sind wesentlich graziöser unterwegs als Christian und ich.

Nachdem wir gestern den 6sten Tag in Folge Mahi gegessen haben und wir unseren Gaff in den dunkelblauen Tiefen versenkt haben, hat unsere Angel momentan Ruhepause. Es muss mal wieder etwas anderes auf den Tisch. Nach den letzten Tomaten gestern, haben wir heute unsere letzte Ananas verdrückt. Auch Bananen, Melonen, Broccoli, Paprika, Sellerie und Salat sind inzwischen aufgebraucht. Nach drei Wochen gibt es noch Orangen, Äpfel, Kokosnuss, Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis, Kraut, eine Gurke und zwei Karotten. Letztere werden es wohl nicht mehr bis morgen schaffen. Trotzdem bin ich überrascht wie lange unsere frischen Vorräte überlebt haben. Frischer als vom Gemüsegrossmarkt in Panama City bekommt man Obst und Gemüse vermutlich nur noch direkt beim Bauern. Auch die Lagerung der Vegis hat dieses Mal besser geklappt als bei unserer Atlantiküberquerung, bei der ich ständig gegen Fäulnis in der Bilge gekämpft habe. Karotten konnte ich bei der letzten Passage nur im Kühlschrank aufbewahren, da sie innerhalb von 3 Tagen in der Bilge angefangen haben zu schimmeln. In Panama waren die Karotten beim Einkauf nicht gekühlt, so dass sie per se schon viel länger haltbar sind. Dieses Mal liegen sie in einer gut belüfteten mit einem Tuch abgedunkelten Box zusammen mit den Kartoffeln im Vorschiff. Beides hat bisher ohne Fäulnis ungekühlt gehalten. In Zukunft werde ich wenn möglich nur noch auf dem Markt einkaufen.

Ansonsten ist alles beim Alten bei uns, auch nach drei Wochen auf dem Wasser herrscht der ganz normale Wahnsinn.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
28.04.2018:
Kommentar from Eva Maria Eugster
Hallo ihr Lieben! Wir sind am Donnerstag Morgen in Galapagos auf der Isla Santa Cruz angekommen. Haben uns nach langem hin- und her doch entschlossen einen Stopp einzulegen. Wünschen euch weiterhin eine gute Passage und hoffen, euch in den Marquesas zu treffen! Ganz liebe Grüsse von der Mirabella Crew
14.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Wow, da wart ihr ja schnell. Wir freuen uns sehr auf Euch. Die Jungs warten sehnsüchtig auf Eure Mädels.
19.04.2018 - 5°55’S / 96°27’W, Pazifik

Frischer Fisch ...

... direkt aus dem Ozean gab es gestern und heute und morgen auch. Nach 2 Wochen haben wir gestern am frühen Morgen unseren ersten Fisch aus dem Wasser gezogen. Es war ein Mahi-Mahi, oder auch Dorado oder Goldmakrele. Wir freuten uns, denn wir kannten die Mahis schon vom Atlantik und fanden da schon, dass sie nicht nur die schönsten aller Fische sind - mit ihrer blau, grün, goldenen Farbe, den blauen fächerartigen Flossen und den blauen Punkten - sondern auch noch sehr gut schmecken. Der Bulle zog ganz schön, dass unsere Angel sich heftig bog, aber am Ende lag das schöne Tier bei uns am Achterdeck. Einen knappen Meter lang war er und hatte genau die richtige Größe, dass wir vier 2 Tage lang davon satt werden würden. Er kam genau richtig, denn unsere frischen Lebensmittel sind inzwischen stark ausgedünnt, so dass bald Konservendosen und Trockenfutter Hauptbestandteil unserer Mahlzeiten werden. Ich bin trotzdem jedes Mal ein bißchen traurig, wenn mit dem Auslöschen der Lebensgeister in Sekunden die glänzend goldene Farbe verblast und der Fisch kalkweiß anläuft. Der Bezug zu unserer nächsten Mahlzeit ist eindeutig für mich ein ganz anderer, wenn ich sie selbst erjagt und nicht im Supermarkt erstanden habe. Zumindest ist es sonst weniger in meinem Bewusstsein, dass da ein Lebewesen meinetwegen nicht mehr am Leben ist.

Ich war gerade fertig den Fisch zu filetieren, da rauschte unsere Angelschnur schon wieder raus. „Wie? Erst 2 Wochen gar nichts und dann 2 Fische an einem Tag?“ dachte ich, eilte an die Angel und fing an zu kurbeln. Noch ein Mahi zog an der Angel und kämpfte mit wilden Schwimmbewegungen gegen mich. So lange bis er mit einen riesigen Satz aus dem Wasser sprang und sich vom Haken los riss. Weg war er! Und ich war froh darüber, denn wir hatten ja unser Abendessen schon erlegt. Es gab seit langem mal wieder Sushi und schmeckte uns mit Ausnahme von Joshi hervorragend. Unser Großer bleib dann doch lieber bei Reis.

Heute ruckte es schon wieder an unserer Angel und wir landeten unseren zweiten Mahi der Passage. Ein Thunfisch wäre zwar auch schön gewesen, aber wir wollen uns nicht beschweren. So gibt es eben Mahi in verschiedenen Variationen nachdem wir so lange kein Angelglück hatten. Christian und ich rätselten schon die ganze Zeit an was es den liegen kann, dass wir keinen Fisch fangen und haben nebenbei unsere Handline immer weiter verbessert. Zuerst dachten wir, die Fische reißen die Wiederhaken aus den Haken und wir können deshalb keinen Fisch landen. Aber nach dem 5ten kaputten Haken, hängte Christian einfach einen Haken ohne Köder ins Wasser, nach 24h waren die Wiederhaken fast abkorrodiert. Wir hatten also gar keine Bisse, sondern die Haken gingen einfach nur durchs Schleppen kaputt und das obwohl wir extra große, stabil wirkende Haken im Laden für Hochseefischer gekauft hatten. So was Ärgerliches! Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen, überleben die Haken an der Angel viel länger als an der Handline, so dass wir jetzt wieder ausschließlich mit unserer Angel fischen. Fast zwei Wochen lang hatten wir beides im Wasser. Warum wir jetzt plötzlich einen Fisch nach dem anderen an der Leine haben können wir uns nicht so richtig erklären, aber vielleicht hängt es mit der Bootsgeschwindigkeit zusammen. Die Fische beißen zumindest erst seitdem wir flott unterwegs sind. Oder sie haben vor Galapagos unter Wasser Warnschilder aufgestellt? Da wundert mich gar nichts mehr.

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27.05.2018:
Kommentar from adf
asd
08.04.2018 - 4°01’N / 83°07’W, Pazifik

Absolute Stille in den Doldrums

Nachdem ich gestern noch behauptet hatte, dass die NOAA das Wetter hier nicht vorhersagen kann, gab es heute tatsächlich absolute Windstille - wie vorhergesagt.

Gestern Nacht schon trat Henry zum Dienst an und tuckerte die gesamte Nacht hindurch. Heute morgen um 5:30 Uhr saß ich dann im Cockpit und schaute nach Osten zum Horizont, wo der Himmel gerade von schwarz auf blau überging. Der halbe Mond stand noch im Zenit und strahlte, einige Sterne waren noch übrig von dem unglaublich schönen Sternenhimmel heute Nacht. Moya schnitt durch das spiegelglatte Wasser. Es sah so aus als hätte jemand Klarsichtfolie ausgelegt und war so glatt, wie ich es mir im Ozean nicht hätte vorstellen können. Ich genoß die Stille des Morgens und hörte neben dem dumpfen Klackern von Henry nur das Kühlwasser aus dem Auspuff schießen. Gegen 6:30 Uhr streckte die Sonne gerade ihre ersten Strahlen hinter den wenigen Wolken am Horizont hervor. Die Wolken spiegelten sich im Wasser, ein goldenes Band glitzerte auf dem Wasser - atemberaubend schön. Unser Stern wärmte meine rechte Seite, als wir Besuch von einem Seevogel bekamen. Er war bräunlich, grau, hatte einen entenartigen Schnabel, Schwimmfüße und war ganz schön groß. Er setzte sich auf unseren Bugspriet, putzte sich die Federn und wir beobachteten uns interessiert gegenseitig bis Joshua plötzlich im Niedergang stand und sich den Schlaf aus den Augen wischte. „Warum segeln wir nicht?“ wollte er wissen, war dann aber auch schon von unserem Besucher abgelenkt.

Nach dem Frühstück zogen wir unsere Schwimmsachen an, schalteten Henry aus und setzten unser Paddle Board ins Wasser. Wir hatten bisher noch fast keine Fotos von Moya unter Segeln und fanden, dass heute der ideale Zeitpunkt war das zu ändern. Christian zog also die Segeln hoch während ich mit Kamera bewaffnet um Moya herum paddelte und ein Fotoshooting auf dem Wasser abhielt. Die Bilder sind schön geworden. Sie haben nur das kleine Manko, dass die Segel schlaff an den Fallen hingen - Dynamik sieht also anders aus. Als Moya von allen Seiten abgelichtet war, fielen die Tücher, die Badeleine ging über Bord und die ganze Familie sprang in den kühlen Pazifik. Wir sind inzwischen nur noch 5 Grad vom Äquator entfernt, die Sonne ist mächtig und heizt unser Schiff durch den ausbleibenden Wind auf. Es tat so gut den tropischen Temperaturen einen Moment zu entkommen und sich im Wasser abzukühlen. Kurz dachte ich daran was wohl unter mir alles herum schwamm, wischte den Gedanken aber schnell aus meinem Kopf und wollte mir den Moment nicht versauern lassen.

Unwillkürlich kamen meine Gedanken später aber wieder zu den Wasserlebewesen zurück, als wir merkten, dass an unserer Angelleine wohl ein Fisch gebissen hatte und alle drei Wiederhaken des stattlichen Hakens abgerissen hatte. Am frühen Abend hörten wir dann unsere Angelschnur surren. Ein riesenhafter Fisch ließ gerade vom Köder ab als ich anfing die Leine einzuholen. Nur Minuten davor hatten wir auch einen Biss an unserer Handline. Diesen Fisch haben wir allerdings erst gar nicht gesehen. Er nahm den Köder mit nachdem er das Stahlvorfach! durchgebissen hatte - kaum vorstellbar, aber wahr!

Die Flaute wurde heute Nachmittag nur von einigen Stunden Leichtwindsegeln unterbrochen, nun schnurrt Henry schon wieder. Er brachte uns heute ein ganzes Stück weiter nach Süden, fast bis auf die Höhe der Isla Malpelo. Paradox eigentlich, dass die absolute Windstille uns unsere bisher bestes Etmal der Passage bescherte.

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15.01.2018 - Los Roques, Venezuela

Landfall auf Los Roques

In den letzten 48 Stunden haben wir 300 nautische Meilen zurück gelegt - für Moya ist das absoluter Rekord. Mit solchen Etmalen hätten wir die Atlantiküberquerung in 14 Tagen geschafft. Dabei gab es noch nicht einmal sooo viel Wind, die 20-25 Knoten von hinten zusammen mit dem Äquatorialstrom haben uns einfach über das karibische Meer geschoben und schwups waren wir da. Geplant hatten wir die Überfahrt in 2 Tagen und 3 Nächten zu machen, nun dürfen wir die dritte Nacht in unseren Betten verbringen anstatt auf Wache - yeah!

Nur der Landfall auf Los Roques war etwas abenteuerlich. Wir waren in Grenada erst nach Sonnenuntergang gestartet, so dass wir hier auch erst in der Nacht angekommen sind. Prinzipiell ist es keine gute Idee nachts Inseln anzulaufen, die von Korallenriffen umgeben sind, so wie fast alle Inseln des Archipels. Die Seekarten in weniger befahrenden Gebieten sind oft nicht akkurat, so dass man sich auf sein GPS Gerät besser nicht verlassen sollte sondern schlicht und ergreifend die Augen zur Navigation verwendet. Warum wir dennoch nachts hier angelandet sind hat zwei Gründe, zum einen ist Anfahrt zum El Grand Roque unproblematisch, ohne Untiefen und ohne davor liegende Korallenriffe, zum anderen hat Christian vor unserer Abfahrt in Grenada Google Earth befragt und vom kompletten Archipel Luftbilder gespeichert, die haben wir über unsere Seekarten gelegt und haben die Daten verglichen. Bei der Übung kam heraus, dass unsere eine Seekarte identisch war zu den Google Earth Informationen, unsere andere Seekarte dagegen 500 Meter verschoben war. Wir waren also ziemlich sicher eine valide Seekarte zu haben und haben uns so langsam in die Bucht herangetastet und tatsächlich haben alle Tiefenangaben bis auf den Meter genau gestimmt - ich war schwer beeindruckt.

Sonst war unsere Passage weitgehend ereignislos, sieht man mal vom Piratengedankenkarusell ab. Ihr kennt das bestimmt: man weiss genau, dass bestimmte Sorgen irrational sind, aber trotzdem kann man nicht anders, als immer wieder das was wäre wenn Spielchen im Kopf durchlaufen zu lassen. Besonders gut klappt das übrigens nachts um drei Uhr auf Nachtwache. Nur gut, dass ich mich in der wahren Welt nur mit kleineren Schwierigkeiten auseinander setzten muss: über den riesiger Fisch, der unseren Köder samt Angelschnur geklaut hat, nachdem die Bremse an unserer Angel einfach keine Chance hatte den Zug des Giganten zu halten, hatte ich mich erst geärgert. Jetzt tut er mir einfach nur leid, ihm wird wohl unser Angelequipment vermutlich auch nicht bekommen.

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17.01.2018:
Kommentar from André
Cool, congratulations! Schnelle Überfahrt! Bin gespannt wie es euch gefällt! #sailingmirabella
26.12.2017 - Charlestown Bay, Canouan

Bittersweet

Joni brach heute Abend in Tränen aus nachdem ich seine Frage "Sind die Kinder noch da?" verneinte. Unser Kleiner ist momentan etwas unausgeglichen, hat er doch ganz tapfer alle seine Schnullis dem Christkind mitgegeben, damit sie an die Babies weiterverschenkt werden können. Tagsüber merkt man nur subtil was in ihm vorgeht, er ärgert Joshi, stört beim Spielen und weiß nicht so recht was er mit sich anfangen soll. Abends im Bett sieht man ihm seinen Kampf richtig an. Da kann nur Mama und auch nur mit Mühe helfen. Jonis emotionales Gleichgewicht ist also labil, Weinen und Lachen sehr nahe beieinander, da war es einfach für ihn zu viel, dass die beiden kleinen Jungs von der JaJaPaMi nicht mehr zum Spielen da waren.

Joshua und Jonathan waren die beiden letzten Tage im siebten Himmel, natürlich war es super, dass das Christkind da war, aber fast besser war noch mit Paul und Michel zu spielen und all die schönen Spielsachen zu testen, die Platz auf dem großen Katamaran hatten. Auch Christian und ich haben es genossen andere erwachsene Gesichter zu sehen und sich nett zu unterhalten mit Menschen die Ähnliches bewegt - sind sie doch auch Segler, Atlantiküberquerer und Eltern. Nach einem relaxten Spielnachmittag, haben unsere beiden Familienboote mit den beiden reizenden Britten Maria und Allan von der Lady Jane den Weihnachtsabend verbracht. Bevor es los ging zwang sich Christian zum ersten Mal seit Monaten in lange Hosen, Joshua freute sich sogar darauf eine Hemd zu tragen und ich suchte in den Tiefen meines Kulturbeutels Mascara heraus. Dann stellte ich fest, dass ich gar keine High Heels an Bord hatte - ohje keine Schuhe zum Kleid. Ich hatte keine andere Chance, als mit FlipFlops zum Restaurant zu gehen. Als wir aus dem Dingi am Anleger ausstiegen stellte ich schmunzelnd fest - ich war nicht allein.

Der Wind frischte auf, der gefühlt 17te Squall des Tages war im Anmarsch, wir joggten los und drückten die Daumen, dass wir nicht triefnaß beim Abendessen sitzen würden. Im Beach Hotel Bequia haben wir (trocken) bei hervorragendem Service, karibischen Ambiente, süffigen Cocktails und leckeren Essen den Abend verbracht. Wir saßen auf der Terrasse hin zum Meer, die Jungs konnten räubern ohne zu stören und hatten einen so tollen Abend, dass sie bis spät in die Nacht durchhielten. Bei guter Gesellschaft und aufgeräumten Kindern verging der Abend viel zu schnell. Die anschließende Nacht war überraschend ruhig, Moya rollte weniger wie die Tage zuvor von einer auf die andere Seite und die Luken waren und blieben offen, ohne multiples Aufstehen um Schiffsüberflutungen zu verhindern.

Nach diesem Tag war Abschied nehmen für keinen einfach - aber zum Glück sieht man sich ja immer zweimal oder vielleicht auch drei oder viermal. Die Pami und Lady Jane starteten nach Norden, wir sind nach Süden abgebogen. Bei 20-25 Knoten und subjektiv ganz schön ordentlichen Wellen sind wir nach Canouan gecruised und haben seit langem mal wieder unsere Angelleine ausgelegt. Nachdem ich den Köder ausgebracht hatte, hörte ich noch auf dem Weg zurück ins Cockpit "krrrrssssssssssssssss", die Angelschnur rauschte nur so raus. Immer ersten Augenblick dachte ich, der Haken hat sich in irgendetwas verfangen. Ich merkte aber schnell, da war einer so richtig wütend und kämpfte. Nur 3 kg schwer und 90 cm lang war der Fighter, aber die Zähne des Barracudas haben mir trotzdem ganz schön Respekt eingeflöst. Allein hätte ich ihn nicht landen können, nur zusammen haben Christian und ich den Fisch an Bord gebracht und ich war froh, dass hinterher alle Finger noch heile waren.

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27.12.2017:
Kommentar from Alexandra
Hallo Christian! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und viele liebe Grüße von der Reiteralm!
27.12.2017:
Kommentar from Gabi
Hallo Christian, auch von mir herzliche Glückwünsche zum Geburtstag.Schade, dass ich nicht mehr an Bord bin, sonst hätten wir im Beach Hotel noch einmal gefeiert, nachdem ihr doch tatsächlich dort Weihnachten feiern konntet ohne dass die englischen Ladies eure beiden Süßen an eine Palme haben ketten lassen. Viel Vergnügen weiterhin und vielleicht sehen wir uns ja noch einmal in der Südsee. Gabi
27.12.2017:
Kommentar from Christian
Hallo Christian, wünschen dir alles Gute zum Geburtstag - deine Kollegen vom Projekt. Rutscht gut ins Neue Jahr.
27.12.2017:
Kommentar from Steppke
Hallo ihr Vier, herzlichen Glückwunsch an den Skipper. Liebe Grüße, SSLTx :-)
27.12.2017:
Kommentar from Flo
Hallo Christian, wir wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag! Wo habt habt ihr eigentlich den hübschen Weihnachtsbaum her? ;) Gruss Flo,Patsy+FKM
27.12.2017:
Kommentar from Maxi, Lars und Benno
Hallo Christian, auch nochmal auf diesem Weg alles Gute zum Geburtstag! Lass Dich schön feiern!
28.12.2017:
Kommentar from Moya Crew
Danke für die vielen Geburtstagsgrüße. Und der Baum kommt natürlich aus ... China. Christian.
04.12.2017 - Atlantik 14´49'N, 54°18'W

Gewitter im Morgengrauen

Ein gleißend helles Licht blitze vor meinen Augen auf und holte mich aus dem Schlaf. Ich ging in den Salon, um zu schauen was los war. 6 Uhr, es war noch stockdunkel und ohnehin Zeit für meine zweite Nachtschicht. In Jonathans´s Koje regte sich auch schon etwas und Joshua rief von hinten "Mama, ich bin wach". Die Nacht war zu Ende.

Auf Moya´s Backbordseite war der Himmel noch dunkler und wieder zuckte ein Blitz in der Ferne durch die großen, dunklen Wolken, die sich bis zum Wasser zogen, so dass der Horizont nicht erkennbar war. Der Donner folgte einige Zeit später als relativ leises dumpfes Grollen. Christian war gerade dabei die Fenster zu schließen und ohne jegliche Verzögerung wurde es drücken heiß im Boot und ein feuchter Film legte sich auf die Haut. Noch regnete es nicht aber der düstere Himmel verhieß nichts Gutes.

Um gewappnet zu sein rollten wir die Genua auf, das Groß war schon im zweiten Reff - wie fast immer in der Nacht. Wir räumten unsere portablen elektronischen Geräte in den Backofen, zwar sollten die Geräte auch so durch den faraday´schen Käfig unseres Stahlrumpfs geschützt sein, aber man weiß ja nie. Ein Gewitter auf See ist nicht ohne, da die Masten der Yachten den weit und breit am höchsten in den Himmel hinauf ragen und so idealer Ansatzpunkt sind für Blitzkanäle. Als Joshua in den Salon wankte fragte er direkt "Haben wir einen Blitzableiter?" - zum Glück haben wir das schon ohne einen dedizierten Ableiter installiert zu haben durch unseren Stahlrumpf. Die meisten Yachties müssen sich hier vorab mehr Sorgen machen, denn bei einer GFK Yacht ohne Blitzableiter findet der Blitz nicht mehr ohne weiteres aus dem Boot hinaus, setzt alle elektronischen Geräte außer Gefecht und hinterläßt eventuell sogar ein Loch im Bootsrumpf. Trotzdem ist es auch für uns ist es schlecht vom Blitz getroffen zu werden, in der Mastspitze sitzt unser AIS, VHF Funkantenne und ist der Ansatzpunkt für die Kurzwellenantenne, die wahrscheinlich nicht überleben würden. Auf dem Radarschirm sahen wir, dass das Gewitterzentrum noch 6 Meilen entfernt war und setzten Moya auf nördlichen Kurs um auszuweichen. Danach konnten wir nur noch warten, Christian legte sich in die Koje und die Kinder aßen eine Kleinigkeit.

Langsam wurde es heller und bei Tagesanbruch lockerte der Himmel auf. Wir waren an der Gewitterzelle vorbei geschrammt. Ein paar Stunden zuvor machte es Blong, dann klatsch, klatsch, klatsch als Christian im Niedergang stand um seinen Rundumblick zu machen. Er konnte es kaum glauben, bei uns im Salon lag ein 30 cm großer fliegender Fisch auf dem Boden und zappelte was das Zeug hielt. Fast wäre er bei uns auf dem Herd gelandet, den der einzige Weg für ihn ins Boot zu kommen war durch die offen stehende Küchenluke. Tagsüber ist es immer wieder interessant zu zu sehen, wie elegant die Fisch über die Wellen fliegen und vorallem wie weit - mehrere hundert Meter sind da locker auch bei den Kleineren drin. Aber den schönsten Fisch, den wir bei uns bisher an Bord hatten war eindeutig der MahiMahi, den wir am Vorabend gefangen hatten. Er hatte einen dunkelblaue Rückenflosse, die er aufstellen konnte und über den ganzen blaugrünen Rücken verlief. Der Rest des Fisches war goldgelb gesprenkelt mit blauen Punkten und er glänzte. Die Flosse hinten war zweigeteilt und lief auf beiden Seiten spitz zu. Mahis sind in der offenen See zu Hause, schwimmen alleine oder in Paaren und sind schnelle, starke Jäger. Sie können bis zu 80 Pfund schwer werden, unserer war aber mit 3 kg ein kleineres Exemplar, hat aber auch so die ganze Familie satt gemacht und absolut fantastisch geschmeckt.

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11.12.2017:
Kommentar from Marcus
Nachbrenner: ich finde die Meilensteintrendanalyse hervorragend nerdig. 5 von 5 Projektmanagement-Sterne dafür. :-)))
02.12.2017 - Atlantik 13´41'N, 49°58'W

Essen auf See

Joni macht gerade -heute schon zum dritten Mal und es ist erst 9 Uhr- sein Tierpuzzle. Joshua sitzt neben mir und hilft beim Tippen. Christian steht gerade auf. Die Kinder haben schon ein Müsli gegessen damit sie durchhalten bis zu unserem gemeinsamen Frühstück. Die beiden stehen auf See immer im Morgengrauen auf, egal ob das heißt morgens um 5 oder um 8 Uhr aufzustehen. Es wird frisch gebackenes Vollkornbrot geben - wir haben schon seit den Kanaren angefangen selbst Brot zu backen. Die Brotversorgung an Bord ist also besser als auf den Kap Verden, wo es selbst bei den Bäckern nur wirklich grauenvolles Brot zu kaufen gibt, das schon bei Einkauf alt schmeckt. Vor zwei Tagen ist mir aufgefallen, dass der Grossteil unserer Hefe doch Backpulver ist, deshalb müssen wir ein bißchen Hefe sparen, aber bis Martinique wird es wohl reichen. Zu Mittag gibt es an Bord meist nur eine Kleinigkeit - Milchreis, Pudding, Suppe, Kuchen oder Obst. Richtig gegessen wird erst am frühen Abend bevor die Sonne untergeht und wir Moya für die Nacht klar machen.

Ich fand es ausserordentlich schwierig abzuschätzen, was wir in 2-3 Wochen auf See so essen werden und bin überrascht wie gut die Proviantierung dieses Mal geklappt hat. Eigentlich zählen hier nur die frischen Lebensmittel, weil wir für alles das lange haltbar ist einfach so lange Einkäufe in Moyas´ Bilge verstaut haben bis wir die Klappen nur noch unter Druck zu bekommen haben. Wenn man jetzt in die Schapps schaut, sieht man eigentlich gar nicht, dass wir schon etwas davon verbraucht haben - gut so, denn in der Karibik wird ´s teuer. Am Tag bevor wir die Leinen in Mindelo los geschmissen haben, war Großeinkauf auf dem Markt angesagt, wir kauften:

Obst: 5.5 kg Äpfel, 3.5 kg Orangen, 5 kg Bananen, 1 kg Zitronen, 1 kg Birnen, 1 Ananas, 1 Wassermelone und 1 Kokosnuss

Gemüse: 5 kg Kartoffeln, 3.5 kg Zwiebeln, 5 Knollen Knobi, 1 großen und 1 kleinen Kürbis, 6 Paprika, 2 grüne Salat, 5 Gurken, 3.5 kg Tomaten, 5 Zucchini, 1 Stange Lauch, 2 große Krautköpfe. Avocado hatten wir leider vergessen und Karotten absichtlich nicht gekauft, da diese aus mir unerfindlichen Gründen innerhalb kürzester Zeit an Bord anfangen zu faulen und schimmeln.

Fleisch, Käse und Eier: 700g Rinderhack, 700g Schweinefleisch, 1 gegrilltes Hähnchen, 50 Eier, 500g Schinken, 700g Gouda außerdem hatten wir noch von den Kanaren vakkumverpackten Käse, Butter, Streichkäse, Speck und Schinken.

Nur das Fleisch, Käse, Wurst und der grüne Salat hatten Platz im Kühlschrank, der Rest wanderte in 2 große Gemüsenetze und in die Bilge. Bisher mussten wir nur 2 Orangen über Bord gehen lassen und ich konnte jeden Tag ohne Probleme ein gesundes Abendessen kochen. Nach 2 Wochen auf dem Wasser haben wir wenig überraschend kein frisches Fleisch, Wurst und Käse mehr. Ich hoffe, dass wir bald wieder Angeln können - seit 7 Tagen ist das Wasser voll von Seegras, so dass unsere Angel fast die ganze Zeit an Bord ist und gestern abend hat noch ein ganz großer Brocken einfach unseren Köder mitgenommen, das Stahlvorfach war noch dran. Der Großteil von Obst und Gemüse wurde schon aufgefuttert, das letzte Viertel reicht aber hoffentlich für die letzten Tage. 1520 Meilen sind geschafft, es sind "nur" noch 650 nm, wenn der Wind so bleibt sind wir in 5 Tagen da!

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03.12.2017:
Kommentar from Ingeborg Tames
W4QNW...amateur radio code meines mannes..Sherwin sein name...ihr beide habt euch heute kurz via radio funk unterhalten...sherwin in den USA in South Carolina konnte die verbindung zu euch herstellen..Welch eine super und abenteuerliche fahrt ihr gerade mit euren kindern erlebt. Viel glueck und eine gefahrfreie reise. Schreibt ein buch darueber...Ich werde es Mir begeisterung lesen.. Alles gute fuer euch.. Wir werden weiter eure logbucheintragungen verfolgen Ingeborg und Sherwin
20.11.2017 - Atlantik 15´31'N, 28°21'W

Zeit...

...zu schlafen, sich in die Sonne sitzen und einfach auf die Wellen hinaus schauen, zu lesen, zu spielen, die Mittagsbreite zu bestimmen, kreativ zu sein - wir haben Zeit alles das zu machen für das wir uns normalerweise zu wenig Zeit nehmen. Momentan sind es hier um die 30 Grad Celsius mit nur sehr wenig Wind. Das Gute daran ist, dass wir uns an Bord normal bewegen können und es sich stellenweise fast so anfühlt als lägen wir vor Anker, der große Nachteil an wenig Wind ist, dass unsere Reisezeit sich verlängert. Momentan genießen wir Urlaub auf See ohne Ablenkung durch Internet, Freizeitstress, Bootinstandhaltung sondern wir sind einfach nur wir 4 auf See und leben.

Joshua folgte heute einem kreativen Impuls und fängt an zu malen, wenig später kam er zu Christian "Schau mal was ich geschrieben habe, ist das ein Wort?" Er buchstabiert: "FOOTOEF" Christian liest nochmal vor - Joshua lacht und meint "Cool, fast wäre es Foto geworden". Joni stellt wie immer das Schiff auf den Kopf und ein Ding nach dem anderen an, einmal nicht hingeschaut schon ist das Fernglas auseinander gebaut, Seile sind um unsere Sicherungsschalter geknotet oder man hört ihn singen. Christian hat sich heute leidenschaftlich mit seinem Sextanten beschäftigt und Tabellen für die Mittagsbreite des nächsten Monats berechnet. Falls dann doch wieder jeder Wahrscheinlichkeit das GPS ausfallen sollte sind wir nicht verloren, mein Mann bringt uns sicher in die Zivilisation zurück - wobei man vielleicht ohne GPS auf dem Atlantik eigentlich besser aufgehoben wäre als im Chaos der Restwelt.

Ich habe heute meinen ersten Fisch an Land gezogen und war stolz wie Oskar, dass ich Futter für alle herangeschafft hatte. Aber leider weiss ich nicht mal was es für ein Fisch war. Als er noch im Wasser schwamm und ab uns zu an die Meeresoberfläche aufblitzte dachte ich es sei eine Goldmakrele, als er dann an Bord lag verschwand langsam die wunderschön goldene Farbe dieses herrlichen Tieres und ich schaute nochmal ins Bestimmungsbuch - vielleicht war es doch ein Amberjack? Auch die nächsten Tage wird es bei wenig Wind bleiben, so sind wir nun nicht mehr auf direkter Route Richtung Karibik unterwegs, sondern weiter südlich um der komplett Flaute zu entkommen - mal schaun ob unser Plan aufgeht.

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21.11.2017:
Kommentar from Maxi
Wir wünschen Euch dass alles weitestgehend rund läuft, Joni die Moya nicht zerlegt und Joshi weiter so gute Laune hat! Viel Spaß und guten Wind! Wir sind gerade in Südafrika und hier stürmt es gewaltig - vielleicht ist der Wind in ein paar Tagen bei Euch :-) Maxi, Lars und Benno