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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu AIS

04.11.2018 - Pazifik 9°50’ S, 139°29’ O

Segeln in der Torres Straße

Die Torres Straße liegt mittlerweile in unserem Kielwasser und, so dachte ich, auch der Pazifik. Bis mich der Capitano gestern aufklärte, dass das Arafura Meer, durch das wir momentan segeln, ein Seitenmeer des Pazifiks und nicht des Indiks ist. Der Indische Ozean fängt offiziell erst vor der Insel Timor an, irgendwo in den unendlichen blauen Weiten ist wohl die Grenze Indik-Pazifik ohne offensichtlichem Anhaltspunkt. Für mich persönlich bleibt trotzdem die Torres Straße der Abschluss unserer Pazifiküberquerung - und was für einer.

Segeln mit allem drum und dran. Die Torres Strasse führt zwischen Australien und Papua Neuguinea einmal quer durchs Great Barriere Reef, so dass wir uns, wie auch die Berufsschifffahrt, um unzählbar viele kleine und große Riffe herum schlängeln mussten. Der Bligh Entrance liegt nur ca. 30 Meilen vor der Südküste Papua Neuguineas entfernt, während der Westausgang direkt vor der Nordküste Australiens liegt. Die australische Küstenwache sagte uns zweimal Hallo, einmal per Flugzeug und einmal per Kriegsschiff, um zu kontrollieren was wir so vor haben. Zwischen Aus- und Eingang der Torres Straße ist das Meer, selbst in der Schifffahrtsstrasse, beeindruckend türkis und an vielen Stellen nicht tiefer als 15 Meter, was die Navigation der großen Cargoschiffe mit einem Tiefgang von 10 Metern oder mehr doch etwas einschränkt. Auch für uns war die Navigation zwischen den Ozeanriesen nicht ganz einfach. Schon am Bligh Entrance wehte eine steife Brise aus Südost. 25 Knoten Wind auf Raumschotkurs und entsprechende Wellen waren natürlich für Moya kein Problem, es schaukelte halt ein wenig. Aber dann bog die Schifffahrtstrasse nach Süden ab, aus dem Wind vor dem Baum wurde ein hart am Wind und Welle segeln, mitten in der engen Wasserstraße. Die Crew war etwas angespannt, es ruckelte und zuckelte. Jede Bewegung war doppelt anstrengend, da wir immer noch mit den Überresten unserer Influenza kämpften und die Fahrt durch die wilden, stark befahrenen Gewässern, vor allem bei Nacht viel Aufmerksamkeit forderte. Aber Moya hielt Kurs, so dass wir nach Sonnenuntergang des zweiten Tages in der Passage abfallen konnten, um uns vom Wind, der inzwischen über 30 Knoten stark wehte, durch die Riffe vor der Nordküste Australiens schieben lassen konnten. Entspannt war es zwar auch hier nicht, denn hier waren die Durchgänge in den Riffen am engsten und die meisten Dicken waren hier unterwegs. Aber wenigstens kamen Wind und Welle wieder von hinten, so dass Moya im dritten Reff 8 Knoten Fahrt durchs Wasser machte. Kurz vor einer Engstelle zwischen zwei Tonnen funkte Christian mit der maltesischen Seasmile, um zu klären wie wir am besten aneinander vorbei fahren können. Der Cargocarrier kam mit 11 Knoten auf die Engstelle zu, wir mit 8 Knoten aus der Gegenrichtung, voll gerefft. Es war dunkel und es sah nach maximal bescheidenem Timing aus. „We are fully reefed and can’t reduce our speed“ sagte der Capitano ins Funkgerät und ich dachte: paradoxe Situation - 8 Knoten fahren wir ja schließlich nicht alle Tage. Der Carrier musste mit seinem Tiefgang exakt in der Fahrrinne bleiben. Wir vereinbarten, dass wir im Notfall die Tonnenstrasse verlassen würden und sahen wie sich etwas mächtig großes Dunkles vor uns auftürmte. Erst kurz vor dem Erreichen der roten Tonne, konnten meine Augen das Schiff voll auflösen und da rauschte es auch schon an uns vorbei. Ohne AIS und die dazugehörige Geschwindigkeits- und Richtungsinformation der anderen Schiffe, wäre so eine Situation noch deutlich schwieriger einzuschätzen gewesen, so dass wir mal wieder happy waren über die modernen Errungenschaften der Schifffahrt.

Nach einer zweiten Nacht fast ohne Schlaf verließen wir die Torres Straße, gestern Morgen gegen fünf Uhr und genossen erstmal den vielen Platz um uns herum und das nachlassen des Windes außerhalb der Düse zwischen Australien und PNG. Inzwischen haben wir direkten Kurs nach Dili in Osttimor gesetzt und hoffen dort möglichst bald anzukommen, die Hälfte der Strecke haben wir immerhin schon geschafft.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
06.11.2018:
Kommentar from Richard Stoll
Hallo Moya und Team, schade dass Ihr nicht Pause bei uns in Cairns macht. Viel Spass noch auf Eurem Weg an Australien vorbei. Liebe Grüße und Handbreit, -Richard
13.11.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Lieber Richard, uns ist es total schwer gefallen Australien fürs erste Auszulassen, aber wir hoffen sehr einen Besuch irgendwann mal nachholen zu können, vielleicht dann ohne Boot? Danke, für die Handbreit, die brauchen wir immer.
14.03.2018 - Christobal, Panama

Panamakanal ohne Agent

Wir hatten unsere Nasen die letzten Tag in die verschiedensten Bücher und Internetseiten gesteckt, um so viel wie möglich über die Durchfahrt durch den Panamakanal aufzusaugen. Nachdem wir detailierte Anleitungen gefunden haben wie so ein small vessel transit vor sich geht, dachten wir: "das können wir selbst organisieren und sparen uns lieber die 350 USD für einen Agenten". Wir füllten also vor 2 Tagen das Formular 4405 "Request for Handline Inspection" aus, schickten es via email an das Admeasurers Office im Hafen von Christobal und fragten telefonisch einen Termin für die Vermessung von Moya an. Im Vermessungsbüro wurde englisch gesprochen, so dass wir ohne Probleme einen Termin für die Vermessung für heute Morgen vereinbaren konnten. Die Vermessung ist der erste Schritt auf dem Weg zur Durchfahrt durch den Kanal und kann nur in Christobal erfolgen, entweder in der Shelter Bay Marina oder in der Flats Anchorage im Industriehafen. Gestern bestätigten wir noch einmal, dass wir heute in den Flats vor Anker liegen würden und segelten dann von Portobello nach Colon.

Schon nachdem wir die große Bucht vor Portobello verließen sahen wir die dicken Kontainerschiffe wie auf einer Schnur aufgereiht. Als wir näher kamen konnten wir sie blad nicht mehr zählen. Die meisten Großen lagen vor oder innerhalb des riesigen Breakwaters vor Anker, der den gigantischen Industriehafen von Christobal vom karibischen Meer abtrennt. Wer in den Hafen hinein will, muss die Christobal Signal Station per VHF kontaktieren und auf Anweisungen warten. Auf Kanal 12 funkten wir mit der hocheffizienten Dame am Funk, die den gesamten Hafen kontrollierte und auch den Dicken detaillierte Angaben machte, wann, wie und wo sie ankern, die Lotsen an Bord nehmen oder in den Hafen fahren sollten. Ausnahmsweise, mussten wir gestern den Giganten Platz machen, obwohl wir unter Segel unterwegs waren, da der Schifffahrtsverkehr des Kanals Vorfahrt hat. Als wir in Christobal ankamen war es bereits dunkel und die Lichter des Hafens waren manchmal kaum von den Lämpchen der Schiffe zu differenzieren. Unser AIS war mal wieder Gold wert, da wir so alle Schiffsbewegungen am Bildschirm verfolgen konnten anstatt Rätsel raten zu spielen, ob das weiße Licht wohl zum Hafen oder einem Schiff gehören könnte. Wir wurden mehrere Male von der Signalfrau eingebremst bevor wir dann in den Flats bei 15 Meter Wassertiefe ankerten. Trotz unserer anfänglichen Skepsis hielt das Eisen, aber schön lag Moya da nicht zwischen den Kränen des Kontainerhafens, einigen Gastanks und der Einfahrt in die Schleusen des Panamakanals.

Heute morgen kam dann mit ein wenig Verspätung ein Pilotboot und setzte den Vermesser bei uns an Bord ab. Mr Lopez war sehr nett, sprach perfektes Englisch und nahm sich viel Zeit mit uns die Formulare auszufüllen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach der Vermessung müssen die Durchfahrtsgebüren bei der Citibank in Christobal bezahlt werden, anschließend kann man dann telefonisch den vorläufigen Transittermin bei der Kanalbehörde erfragen. Da man von den Flats aus mit unserem Dingi keinen Landzugang hat, schickte uns der Vermesser zum Club Nautico, wo wir mit Tilly anlegen können um von dort zur Citibank zu gehen. Er riet uns aber dringend davon ab heute in die Stadt zu gehen, da die Straßen von Polizei, Militär und Aufständischen besiedelt sind, die um politische Verbesserungen ringen und dabei wohl etwas zu emotional geworden sind. Wir wollten nicht zwischen die Fronten geraten und blieben lieber an Bord und hoffen, dass sich die Unruhen morgen gelegt haben.

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28.02.2018 - Mamiputu, San Blas, Panama

Unspoilt San Blas

Bei Dunkelheit lag die Skyline mit den vielen kleinen beleuchteten Fenster der Hochhäuser hinter uns. Die roten und grünen Lämpchen der Tonnen blinkten in der Einfahrt zum inneren Hafen, das Blinken der Gefahrentonne war nur schwer auszumachen, vor all den Lichtern der Stadt. Nachdem alle Papiere beisammen waren, wollten wir los und hatten gerade die Kinder in ihre Kojen verstaut. Nur der Anker schien uns ein Schnäppchen schlagen zu wollen. Moyas` Ankerkette führte direkt unter die seit heute vor uns liegende Segelyacht, so dass wir ohne Hilfe des fremden Skippers erstmal hier festhingen. Aber wir hatten Glück Richard war an Bord, aber alleine, so dass er zwar gewillt war uns zu helfen, aber die Yacht nicht von der Mooringboje trennen konnte, da er sonst nicht wieder hätte anlegen können. Wir fenderten beide Boote ab und tasteten uns bis ans Heck von "The second Life" mit der Hoffnung uns an ihrer Seite entlang nach vorne ziehen zu können. Erst als Richard seinen Motor startete und ein Stückchen nach vorne fuhr hatten wir ein bißchen Platz um einen Teil der Ankerkette zu bergen. The second Life war dabei bedenklich nah, nur zwei Meter von unserem Bugspriet entfernt und wurde von dem wenigen Wind in der Bucht wieder in unsere Richtung gedrückt. Der Capitano schaltete schnell, dampfte rückwärts und schleppte, die Ankerkette nur noch wenige Meter im Wasser, das Eisen mit uns mit. Puh! Zu viel Action für den Start einer Passage.

Es ging dann gemächlicher weiter, mit leichter Brise von hinten, langsam aus dem Hafen hinaus durch die Bucht von Cartagena und dann durch die flugzeuglandebahnähnlich beleuchtete Bocca Chicca hinaus. In der Ausfahrt, nachdem alle Lichter identifiziert waren, legte ich mich hin um vor meiner Wache noch ein wenig Schlaf zu tanken. Gerade als ich mich über das gemächliche Tempo freute, legte sich Moya auf die Backbordseite und wurde von den Wellen des karibischen Meers einmal mehr durchgeschüttelt. Mit einem Schlag waren aus 15 Knoten 35 geworden und Moya rollte wie in der Achterbahn. Ich dachte: "Ohje, wie jedesmal wird unsere neue Crew ins kalte Wasser geschmissen?" und drückte die Daumen, dass Kathi nicht seekrank wird. Die Wettervorhersage hatte zwar gründlich daneben gelegen, aber das Schlimmste war schon nach der Hälfte der Nacht vorbei und am Morgen lernte ich, Kathi war nicht seekrank. Schlafen konnten zwar nur die Kinder und der Skipper gut in der ersten Nacht, aber wenigstens fütterte keiner die Fische.

Während die meisten meiner Nachtwachen ausgesprochen öde verlaufen, gab es gestern richtig was zu erleben. Schon bei der Wachübergabe sah ich die beiden Lämpchen von Matra N in der Ferne, nach einer Stunde piepste dann unser AIS das davor warnte, dass innerhalb der nächsten halben Stunde ein Fahrzeug weniger als 500 Meter von uns entfernt sein würde. Nach weiteren 10 Minuten sah ich in der hellen Mondnacht die Umrisse des riesigen Schiffs für meinen Geschmack viel zu nah hinter unserem Heck und funkte hinüber, um sicher zu gehen, dass der Große uns auch sieht. 63 Meter Entfernung zu Matra N in 15 Minuten zeigte unser AIS. Der nette Mann an der Funke sagte zwar "I will take care" machte es aber sehr spannend, erst nach 10 Minuten, kurz bevor ich hart nach Steuerbord abgedrehte und schon innerlich fluchte, änderte er seinen Kurs und dampfte an uns vorbei. Christian sagte mir später, dass unser AIS Sender ausgeschaltet war, so dass Matra N wohl Schwierigkeiten damit gehabt hatte unseren Kurs abzuschätzen. Es lebe das AIS!

Bis auf eine nächtliche Dusche im Bett verlief der Rest der Überfahrt unspektakulär, der Wind nahm auf guten Segelwind ab, die Wellen wurden immer kleiner, so dass wir heute morgen nach knappen 1.5 Tagen im Morgengrauen Panama vor uns sahen. Wir verkleinerten unsere Segel und warteten auf die Sonne, bevor wir uns ins Labyrinth der Korallenköpfe navigierten. Nur mit Eric Bauhaus` Cruising guide und Sonne von hinten wagten wir den Landfall auf der kleinen Guna Yala Insel Mamitupu. Unsere Navionics und OpenCPN Karten sind für die San Blas Inseln im besten Fall grobe Anhaltspunkte an welcher Stelle man auf Festland treffen würde aber völlig unzureichend für die Lage der Inseln, der Riffe und die Angaben der Tiefen. Trotz der sehr guten Karten von Eric stieg mein Puls bei der Anfahrt, als die Karte noch 31 Meter angab wir aber nur noch 7 Meter Wasser unter dem Kiel hatten. Einige Meter weiter waren wir wieder im tiefen Wasser. Flache und tiefe Stelle wechselten sehr abrupt. Die bis an die Oberfläche reichenden Korallen ließen sich zwar leicht durch die brechenden Wellen aus machen, aber Stellen mit nur wenig Tiefgang sind weniger leicht zu spotten. Moya lief langsam unter Motor, segeln hatten wir uns in der Anfahrt nicht getraut, bis wir zwischen Festland und Mamitupu den Anker schmissen.

Unsere nächsten Nachbarn: Korallenköpfe, die Palmen bewachsene, unbewohnte Insel Uasdup, unberührter, dichter Dschungel und das kleine Dorf der Guna Yala - von einem anderen Segelboot ist weit und breit nichts zu sehn. Mamitupu sieht malerisch aus. Auf der Westseite stehen Einbäume unter Palmen auf weißem Sandstrand und warten darauf zu Wasser gelassen zu werden. Auf der Ostseite reihen sich dicht die kleinen Palmenblätter gedeckten Häuser aneinander. Gleich nach dem Frühstück bekamen wir Besuch von mehreren Einbäumen mit Männern und Kindern. Die Guna verkauften Kokosnüsse, Kochbananen und Fisch, alles was sie zum Leben brauchten. Auf unserem Inselrundgang trafen wir dann Männer in westlicher Kleidung, viele lachende Kinder und auch die traditionell gekleideten, kurzhaarigen Frauen mit den vielen Kettchen um die Waden, bedruckten Röcken um die Hüften und farbenfroh bestickten Blusen. Die Menschen fanden uns, oder eigentlich unsere beiden Blondschöpfe, genauso interessant wie wir sie. So liefen wir durch die engen Gassen, wurden von neugierigen Blicken verfolgt und immer wieder auf Spanisch in kurze Gespräche verwickelt. Dass Joni und Joshi 3 und 5 Jahre sind konnten sie kaum glauben, waren doch die neunjährigen Jungen in etwas so groß wie Joshua. Oft sahen wir die gleichen Personen hinter der nächsten Ecke wieder auftauchen und neugierig zu uns herüber schauen. Die Frauen verkauften schön bestickte Blusen und Deckchen. Alle waren sehr nett und zuvorkommend, nur fotografiert werden wollten die meisten nicht. Die Gässchen waren sauber und gepflegt, nur die Küste war vom Treibgut übersäht. Viele Häuser hatten eine eigene Solarzelle, die Strom für das Nötigste liefert. Ein Restaurant oder Pub gibt es hier nicht, nur einen kleinen Laden, dessen Regale dünn bestückt sind aber dennoch einen Kühlschrank mit kalten Getränke besitzt. Es gibt sogar eine kleine Schule auf der Insel. Im Kongresshaus, treffen sich Abends alle Bewohner der Insel um wichtige Dinge zu besprechen und Entscheidungen zu treffen, vielleicht waren wir dort sogar Thema heute?

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14.01.2018 - Karibisches Meer, 12´36'N, 63°57'W

Schleichfahrt durch Piratengewässer

Die momentane politische Situation in Venezuela ist alles andere als stabil. Präsident Maduro, der gegen den Willen der Hauptbevölkerung das Parlament entmachtet, weit verbreitete Korruption und Arbeitslosigkeit und eine rasende Inflation (der Boliviar hat allein im letzten Jahr 700% an Wert verloren), die zur Lebensmittelknappheit führt. Kein Wunder also, dass die venezolanischen Menschen immer unzufriedener und verzweifelter werden und zu unorthodoxen Methoden greifen. In den letzten Jahren wurde am Festland und den festlandnahen Inseln sporadisch von Piraterie und unerwünschten Gästen an Bord von Booten berichtet. Gleichzeitig gab es seit Jahren die ständige Diskussion unter Cruisern, ob es sicher ist nach Venezuela zu segeln. Die jetzige politische Situation trägt wohl eher nicht zur Deeskalation bei, so dass zumindest ich das erste Mal seitdem wir unterwegs sind ein etwas ungutes Gefühl in der Magengegend habe.

Der Atlantik ist immer noch genauso blau, der Wind weht immer noch mit sanfter Brise und die Sonne scheint immer noch genauso hell vom Himmel, trotzdem schauen wir viel öfter als sonst zum Horizont und scannen die Umgebung ab. Piraten hier, über 100 nautische Meilen vor der Küste Venezuelas, anzutreffen ist höchst unwahrscheinlich, da die kleinen schnellen Flitzer zu wenig Reichweite besitzen und Piraten nicht über genügend Ressourcen verfügen um ungezielt durch das karibische Meer zu kreisen. Trotzdem haben wir unser AIS auf nur Empfangen gestellt und den Sender ausgeschaltet und sind somit nur durch direkten Sichtkontakt oder Radar zu sehen. Nachts sind die Navigationslichter aus. Bisher haben wir außer 2 Frachtschiffen, die uns mit nur wenigen Metern Abstand passierten, noch niemanden gesehen und ich hoffe, dass es auch morgen so weiter gehen wird. Moya fegt heute geradezu über die Wellen, wenn sie so weiter macht werden wir heute einen neuen Tagesrekord aufstellen und eventuell schon morgen Abend auf Los Roques ankommen. Los Roques ist ein kleines, abgelegenes Inselarchipel 80 nm nördlich von Caracas, das zwar zu Venezuela gehört, sich aber so gut es geht vom Festland distanziert. Die wenigen Menschen dort leben vom Tourismus. Nach unseren Recherchen gab es noch keine Piraterie im Archipel, so dass wir uns auf ein paar Tage dort freuen und die Menschen hoffentlich mit ein paar Dollars unterstützen können.

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15.12.2017 - Marigot Bay, St. Lucia

The Nightswatch

...war heute etwas ganz Besonderes. Nicht nur dass wir ausnahmsweise drei Erwachse auf Wache waren, sondern auch weil richtig was los war. Wir sind gestern Abend um 21 Uhr gestartet, die Kinder waren sicher in ihren Kojen verstaut und waren im Land der Träume. Die große Bucht von Fort de France war beleuchtet von tausenden Lämpchen an Land, aber auch auf dem Wasser blinkte es, dazwischen lagen die großen Ankerleger. Wir hatten es nicht eilig wir hatten schließlich nur 40 Meilen vor uns bis St. Lucia und wollten erst im Morgengrauen ankommen, so sind wir erst mal mit 1.5 Knoten aus der Bucht hinausgestanden. Kaum waren wir um die Ecke beim Roque Diamond kam aus der Nachbarbucht die Royal Clipper - die Segel waren schön angestrahlt von Scheinwerfern. Auch sie wollte nach St Lucia. Christian packte den Ehrgeiz, er wollte gerne vor dem 5 Master ankommen und reffte unsere Segel aus. Im Abstand von nur einer halben Meile segelten wir neben dem Riesen entlang.

Um uns rum gab es viele Lichter, es waren ganz schön viele Schiffe unterwegs, viele davon konnten wir nicht auf dem AIS sehen, sondern nur ihre Lichter erkennen. Gegen 2 Uhr morgens, Christian schlief gerade, kamen zwei Schiffe auf der Steuerbord Seite immer näher. Ich hatte sie schon einige Zeit beobachtet und noch war es unkritisch, aber es gefiel mir nicht, da ich nur das eine von beiden auf dem AIS sah. Als es dann auch noch mit einem Strahler aufblinkte kam mir das Ganze noch suspekter vor und ich schaltete vorsichtshalber mal unser Funkgerät an. Die Royal Clipper war immer noch auf unserer Backbordseite und hatte die Segelbeleuchtung die schon seit einiger Zeit aus war wieder eingeschaltet. Gabi meinte "Oh die haben wohl Probleme mit ihrer Elektrik". Kurz darauf frischte der Wind auf, wir mussten die Segel reffen und genau als ich die Leinen in der Hand hatte hörte ich am Funk "Moya, Moya, Moya". Wie sich herausstellte waren die zwei Schiffe zu Steuerbord nur ein Schiff das ein riesiges Ölfass in einer halben Meile Abstand hinter sich herzog. Der Verband bat uns hinter ihm durchzugehen, was für uns hieß von 6 Knoten auf 3 abzubremsen und unser Kurs nach Steuerbord zu ändern. Wenig später hörten wir "Royal Clipper for Captain Dann, will you continue with this speed and course? Then I need to go to starbord, but there is still Moya". Offensichtlich hatten die Beiden schon über uns gesprochen und wir waren wohl ziemlich im Weg und die Leuchtzeichen waren wohl für uns bestimmt und hatten mit der Elektrik nichts zu tun (peinlich!). Sekunden danach hatten wir die Royal Clipper am Funk und wir hörten "We are going under sail only, could you make room for us?" Christian antwortete "We are running under sails too, but obviously not with as many as you. We will slow down and take care of you. Please go ahead an adjust your course." Danach fuhr der 5 Master scharf nach Steuerbord passierte uns nur wenige hundert Meter entfernt. Gleichzeitig kreuzte die Captain Dann Richtung Backbord und wir guckten, dass wir nicht am Ende noch das Ölfass mitnahmen. Das Wettrennen hat Moya gewonnen, wir waren heute morgen vor der Clipper in der Marigot Bay vor Anker. Die Clipper Gäste haben wir später an Land getroffen, die hatten von der nächtlichen Action nichts mitbekommen.

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16.12.2017:
Kommentar from Martina & Stefan
Trinkt für uns im Hotel Capella an der Bar einen Zacapa-Rum mit während eure Jungs im Pool planschen :-) Wenn Ihr in der Marina eingecheckt seid, habt Ihr auch freuen Zugang zum Capella-Hotel am süd-westlichen Ende von Marigot Bay. Das ist Luxus pur! Ganz liebe Grüße Martina & Stefan
30.11.2017 - Atlantik 13´27'N, 45°19'W

Altlantiküberquerung Tag 12: Rauschefahrt Richtung Karibik

Als wir in Mindelo unsere Passage gestartet haben, haben wir unsere Bordzeit auf UTC - 2 Stunden gestellt. Die Sonne ist deshalb bereits um kurz nach 17 Uhr untergegangen, aber dafür war es um 5 Uhr morgens auch schon wieder hell. Inzwischen beginnt die Morgendämmerung um 7:30 Uhr, wir sind der Sonne hinterher gefahren und merken so, dass wir wirklich schon 1200 nautische Meilen von den Kap Verden entfernt sind. Ansonsten sieht der Atlantik ziemlich genauso aus wie an Tag 1 unsere Überfahrt nur der Himmel ist inzwischen bewölkt.

Wer aufgepasst hat merkt, dass jetzt schon über die Hälfte der Strecke hinter uns liegt - gerade jetzt sind es noch 920 Meilen nach Martinique, wo wir in der Marina Le Marin anlegen werden. Wir freuen uns jetzt schon auf des erste Landessen und überlegen schon was wir im Restaurant bestellen werden, bei mir ist gerade ein Rindersteak mit frischem Salat ganz hoch im Kurs, Christian möchte Burger und die Kinder Chicken Wings. Gestern ist zum ersten Mal ein Segler an uns vorbei gekommen, morgens sahen wir das Segel am Horizont und dachten kurz nach ob unser AIS ausgefallen war, da wir kein Siganl detektierten (das erste Mal). Seltsam war auch, dass wir nachts die Navigationslichter nicht gesehen haben. Vielleicht musste er Strom sparen und hat zur Sicherheit mal AIS und Navigation aus. Schade, wenn Leute das machen, sicherer ist es wenn jeder jeden sehen kann.

Wir haben gestern außerdem einen Rekord aufgestellt indem wir an einem Tag 139 nm zurückgelegt haben, morgens um sechs Uhr hatten wir schon die Strecke zurückgelegt die wir einige Tage zuvor erst nachmittags um 15 Uhr am Ende unseres nautischen Tages geschafft hatten. So macht Segeln noch mehr Spass. Es geht übrigens momentan nicht allen so gut wie uns hier auf dem Atlantik. Wir hatten ein längeres Gespräch mit dem Amateurfunk Seglernetzwerk Intermar in Deutschland. Über Kurzwelle haben wir erfahren, dass die Boote der Atlantic Rallye for Cruisers die am 19 November in Gran Canaria gestartet waren immer noch in dem großen Flautengebiet festhingen. Offensichtlich ist dieses Jahr der Passatwind noch nicht so richtig etabliert, die Bedingungen sind sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Laut Statistik ist das Risiko einen Tag in der Flaute zu verbringen auf der Ostseite 4% auf der Westseite des Atlantiks 2%. Unsere Entscheidung Richtung Süden auszuweichen hat uns ein Grossteil der Flaute erspart, so dass wir wenigstens mit Schwachwind segeln konnten. Jetzt freuen wir uns, dass wir optimalen Segelwind mit 15 Knoten von Nordost bis Ost haben.

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