Letzte Position:
(auf Karte anzeigen)

Breite:
9° 33.2' N
Länge:
65° 08.0' O
Ort:
Überfahrt von den Malediven ins Rote Meer, Tag 6
Datum/Uhrzeit:
20.03.2019
12:00 UTC+4
Wettermeldung:
vom
20.03.2019 12:00 UTC+4
31 °C
Mäßige Brise aus Nordost
Umfrage

Wir möchten gerne wissen, wer unsere Logbuch-Leser sind. Bitte nimm kurz an der Umfrage teil.

Name:
Ich bin:
Ich lese das Logbuch:

Logbucheinträge zu Elternzeit

03.03.2019 - Galle, Sri Lanka

Auf Wiedersehen Sri Lanka

Zurück an die Küste

Mit dem vollsten Bus aller Zeiten, fuhren wir zurück nach Galle. Ein Mann hatte Einsehen, dass es keine gute Idee ist, zwei kleine Kinder im Durchgang stehen zu lassen, so dass Joshi und Joni sich einen Platz teilten, während der Busfahrer im halsbrecherischen Tempo den Berg hinabschoss. Ich war froh hinten zu stehen, um die wilden Überholmanöver nicht auch noch sehen zu müssen. Nach 5 Stunden Fahrt konnten dann auch Christian und ich uns in einen der engen Sitze hineinfalten. Der letzte Teil der Strecke fuhr der Bus an der Küste entlang. Die Strände sahen toll aus. Ab und zu sahen wir einige der sri lankanischen Fischer, die im Meer auf Stelzen saßen. Mühevoll sah diese Art des Fischens aus.

Als wir endlich in Galle angekommen waren, fanden wir Moya unter einem dicken Staubpanzer. Die Zementfabrik hatte jeden Tag etwas zu uns rüber wehen lassen. Wir waren trotzdem froh wieder auf unserem schwimmenden zu Hause zu sein.

Der lange Weg nach Hause

Mit uns liegen 6 andere Segler im Hafen von Galle, alle auf dem Weg ins rote Meer oder von dort kommend. Wir nutzten die Gelegenheit Informationen aus erster Hand zu bekommen und fragten den beiden Yachten die bereits dort waren Löcher in den Bauch. Einige Begebenheiten im Golf von Aden, über die wir bereits im Internet gelesen hatten, rückten durch diese Gespräche in ein etwas anderes Licht. Eine ungeklärter Annäherung eines Bootes wurde zum Beispiel als gefällige Bezeichnung seitens der Behörden erklärt, da dem Segelboot der Treibstoff ausgegangen war und die Hilfe irgendwie gerechtfertigt werden musste. Wir hörten außerdem, dass in der Militär überwachten Zone, viel los sein soll. Kriegsschiffe und Flugzeuge kontrollieren, gleichzeitig sind wohl viele Frachtschiffe unterwegs. Seit vielen Jahren gab es keinen erfolgreichen Übergriff von Piraten auf eine Yacht mehr, obwohl wir davon ausgehen, dass momentan jährlich 50-100 Segelboote diese Route befahren. Wir sind natürlich trotzdem nicht ganz entspannt, aber die Gespräche mit den anderen Seglern sorgten dennoch für ein wenig besseres Gefühl. Und das ist auch gut so, denn um zum Ende unserer Elternzeit wieder in Deutschland sein zu können, gibt es nur einen Weg zurück ins Mittelmeer - der über das rote Meer. Die einzige Alternativstrecke zurück - um Südafrika herum, in die Karibik und von dort zurück nach Europa - ist in diesem Zeitrahmen nicht machbar und wegen den starken Strömungen und dem rauhen Wetter am Cape Angulhas außerdem auch nicht ganz ungefährlich.

Seit wir beschlossen haben ins Mittelmeer zurück zu segeln, haben wir konstant Informationen gesammelt, um eine fundiert Risikoabschätzung über die rote Meer Passage machen zu können. Jetzt nutzen wir jede freie Minute damit, aktuellste Berichte von anderen Seglern und den Behörden zusammen zu tragen, um optimal vorbereitet zu sein. Wir registrierten uns bei der MSCHOA, die die Anti Piraten Aktivitäten im Golf von Aden koordiniert und werden täglich an die Behörden berichten, damit die Kriegsschiffe immer genau über unseren Aufenthaltsort informiert sind und im schlimmsten Fall zur Hilfe kommen können. Wenn wir nicht der Überzeugung wären, dass der Weg ins rote Meer sicher ist, würden wir diese Passage nicht machen. Trotzdem steht uns wohl unsere nervenaufreibendste Passage noch bevor.

Moya ist inzwischen aus ihrem Panzer geschält, die Wäsche ist gewaschen, der Tank, die Gasflaschen, der Kühlschrank und die Gemüsenetze sind voll. Es kann also los gehen. Aber noch nicht ins rote Meer, sondern erst Mal zu den Malediven, wo wir noch einmal eine Woche am Strand und im Wasser verbringen wollen, bevor wir uns auf den langen Weg nach Hause machen.

Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare.
04.03.2019:
Kommentar from Christina
Wow, ihr wollt es wirklich wagen! Wir waren am Wochenende beim Piratenpräventivworkshop der Bundespolizei und da wurde das Gebiet als klares No-Go bezeichnet. Ich drücke die Daumen und zittere mit euch mit, dass alles gut geht und ihr heile ankommt! Liebe Grüße, Christina, Serenity Sailing
04.03.2019:
Kommentar from Dody
Drueck' Euch ganz feste die Daumen, wird schon gutgehen irgendwie! Big hugs xxx
04.03.2019:
Kommentar from Anna von SY Capetown
Wir sind in Gedanken bei euch. Ihr werdet es schon richtig machen. :)
04.03.2019:
Kommentar from Marlene und Werner
Gute Reise und einen super Segelwind! Wir freuen uns euch bald wieder näher bei uns zu haben. Liebe Grüße aus Deutschland.
05.03.2019:
Kommentar from Gabi
Ihr seid einfach zu schnell. Ich hatte diese Woche geplant, nach Sri Lanka zu kommen. Jetzt muss ich Fasching hier feiern, denn auf den Malediven war ich erst. Keine Angst vor Piraten, die halten sich an Containerschiffe und Versorger oder Kreuzfahrer. Außerdem sieht euer magerer Captain nicht danach aus, als gäbe es was zu holen auf dem Schiff. Macht es weiterhin so super wie bisher, dann klappt schon alles.
03.09.2018 - 19°21S; 177°46W; Pazifik

Vor exakt 365 Tagen

... sind wir in Nazaré in Portugal gestartet und haben das erste von vielen hunderten Malen Segel gesetzt. Flo, Patricia, Felix, Max und Katharina waren dabei als wir die Leinen im Club Nautico los schmissen und haben uns die ersten Meilen unsere Elternzeitreise begleitet. Mit so viel Action an Bord hatten Bedenken wie das Segeln mit den Kleinen so werden wird keinen Platz, so dass wir uns voller Tatendrang und Vorfreude ins Abenteuer stürzten. Es fühlte sich fast so an wie der Start eines Urlaubstörns. Nur ein bißchen traurig waren wir als Dody an der Hafenmauer winkte und wir die letzten Blicke auf den Leuchtturm auf dem charakteristischen Felsen vor der Stadt warfen. Wenn alles gut ging, würden wir beide eine lange Zeit nicht mehr sehen. Wo wir hinsegeln wollten wussten wir damals noch nicht so wirklich, außer erstmal über Marokko zu den Kanaren, von dort aus könnte man ja noch umdrehen, falls uns Moya, die Jungs oder der Atlantik über den Kopf wachsen sollte. Mögliche Optionen danach waren Segeln im Mittelmeer oder die Atlantikrunde. Der Südpazifik spukte zwar in unseren Hinterköpfen herum, dort zu segeln hatten wir ja immer erträumt, aber so richtig konkret wollten wir lieber nicht an die Inseln denken, wer wusste denn schon ob uns das Cruising Leben überhaupt gefallen wird.

Jetzt, genau ein Jahr später, sind wir schon im westlichen Pazifik angekommen, nachdem wir um die halbe Welt gesegelt sind. 13500 Seemeilen oder 25000 Kilometer liegen bereits in unserem Kielwasser. 16 Länder haben wir besucht und unzählige Entdeckungstouren an Land unternommen. Natürlich gab es Situationen, in welchen ich mich fragte „was mach ich hier eigentlich“, als dem Wind mal wieder die Puste ausging, als Moya von einer Seite auf die andere rollte und man trotz Flaute durchs Schiff fiel oder als wir nachts vor dem Hafen im Sturm standen und weder anlegen noch ankern konnten oder jedesmal wenn ich vor Übelkeit auf Sparflamme unterwegs war, froh wenn die Kinder sich selbst beschäftigten oder wenn die Dusche mal wieder kalt war, oder, oder, oder ... Aber richtig bereut habe ich die Entscheidung mit unseren Kindern unseren blauen Planeten zu entdecken keine Minute. Es ist zwar nicht so bequem wie zu Hause, alles ist zunächst einmal kompliziert. In jeder Bucht muss man aufs Neue herausfinden wo es was gibt. Es gibt keine Spülmaschine, keinen Fernseher, kein Auto, keine Waschmaschine, keinen Gefrierschrank, und Lebensmittel meistens auch nicht alle. Aber dafür erleben wir so schöne, aufregende Dinge, wie ich sie mir niemals hätte vorstellen können, lernen interessante Menschen und andersartige Kulturen kennen und erleben die Schönheit unserer Ozeane. Aber vor allem läuft die Zeit wieder normal und rast nicht an einem vorbei - fast so wie es als Kind war. So bleibt doppelt mehr Zeit für die Jungs.

Die deutsche Elternzeit ist ein riesiges Privileg. Wir haben segelnde Familien aus vielen Ländern kennen gelernt, aber keiner hatte es so einfach wie wir, die einfach die Taschen und Kinder gepackt und Familienzeit eingelegt haben. Wir freuen uns jetzt auf unser zweites Familienjahr und sind schon ganz gespannt was unser blauer Planet noch so auf Lager hat. Im Moment segeln wir gemächlich, südlich an der Laugruppe von Fiji vorbei und hoffen, dass der Wind nicht wieder ganz einschläft.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
03.09.2018:
Kommentar from Claudia und Christoph
Hallo ihr vier, Wir finden das immer noch alles sehr aufregend was ihr da so täglich erlebt. Ist für uns inzwischen ein tägliches Ritual, zu schauen, ob es neue Nachrichten von Moya gibt. Wir finden schön, dass ihr so umpfangreich berichtet! Für den nächsten großen "Hopser" wünschen wir alles gute und drücken die Daumen, dass alles weiter so interessant und ohne große Komplikationen weiter läuft. Alles Liebe aus Hattingen von der Ruhr! Claudia und Christoph
11.09.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Danke Euch Beiden! Wie schön von Euch zu hören und dass es unser Blog zu Euch immer noch ins Wohnzimmer schafft. Rumpelnde Grüße aus Tanna
02.03.2018 - San Ignacio de Tupile, San Blas, Panama

Es lebe die Elternzeit

Als ich heute morgen kurz nach dem Ablegen auf unserem Bugspriet stand, mir den Wind um die Nase hab wehen lassen und dabei Ausschau nach Korallenriffen gehalten habe, wurde mir einmal mehr richtig bewusst was für ein Geschenk Deutschland uns mit unserer Elternzeit gemacht hat. An einem Freitag hier zu stehen und nicht im Büro zu sein ist Luxus pur, zumal wir uns an einem der schönsten Orte der Welt -zumindest meiner Welt- befinden. Durch die äußeren Korallenriffe ist das Meer hier glatt wie ein See, Moya gleitet fast ohne Bewegung durch das stille Wasser. Über uns erstreckt sich strahlend blauer Himmel unterbrochen von Cumuluswolken, die sich ab und zu vor die Sonne schieben und zum Figurenraten animieren. Links von uns liegt die Küste Panamas mit unerschlossenem Dschungel ohne jegliche Siedlung oder auch nur den Hauch eines Pfades und rechts liegen die vielen kleinen Insel von San Blas, jede davon könnte aus einem Reiseprospekt entsprungen sein. Wir sind nun wirklich an einem der Bilderbuchorte, von denen ich immer dachte, dass es sie nur in den Katalogen gibt.

Die Idylle geht selbst im Wasser weiter, wenn die Guna Yala mit ihren Einbäumen zwischen den Insel und dem Festland hin und her paddeln oder für weitere Strecken auch mal Segel setzten. Ein romantisches Fotomotiv jagt das nächste - fast schon kitschig. Wir sind Mitten drin und dürfen Fragen beantworten wie "ist die Spinne dort giftig?" "was sind das für Schneckenhäuser?" oder "sind die Häuser hier alles aus Holz gebaut?" und erkunden mit unseren Jungs diese atemberaubenden neuen Orte. Natürlich hadere ich auch manchmal damit, dass vor allem Joshua weit von seiner Kindergartengang entfernt ist und wir leider auch nicht so häufig wie wir es gerne hätten Kinder auf anderen Segelbooten treffen.

Aber meistens freue ich mich einfach nur darüber wie die Kinder die vielen neuen Eindrücke verarbeiten und dabei neugierig und glücklich in die Welt hinaus gehen. An Tagen wie heute lächele ich gerade zu von Innen, als ich Joshuas strahlendes Gesicht sah, als er einen Miniatureinbaum von einem alten Guna in die Hand gedrückt bekommen hatte und wenige später mit Benicai, einem kleinen Guna Jungen, und Joni zwischen den Hütten hindurch fegte und fangen spielte. Es ist so schön zu sehen wie die Kinder Spielen ohne Grenze, ohne Vorurteile, ohne sich von irgendwelchen Barrieren aufhalten zu lassen.

Heute morgen waren wir nach Mono Island gefahren. Die Navigation hatte es ganz schön in sich, trotz meiner Position auf dem Bugspriet und idealem Sonnenstand, sah ich die Korallenpatches immer erst wenn Moya gefühlt schon aufgelaufen war. Auch das Echolot fiel von 15 Meter Tiefe unter Kiel auf nur 1 Meter in Sekunden. Lautes Rufen "Links", "Rechts" oder "Rückwärts" verhinderten Grundberührung, aber teilweise war in Moyas Drehung nur noch eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Unsere Inselexpedition auf Mono ist heute dann doch kürzer ausgefallen, nachdem wir kurz nach dem Anlanden sahen wie eine handgrosse Spinne in ihrem Netz eine Raupe verspeiste. Mit Flipflops an den Füssen hatten wir ein ungutes Gefühl zwischen Palmen und Gestrüpp herum zu turnen. Nach dem nachmittäglichen Irrfahrt durch die Untiefen, haben wir dann vor San Ignacio de Tupile den Anker geworfen, um unser zweites und ein wenig weniger traditionelles Guna Dorf zu besuchen. Bis zum letzten Meter ist die gesamte Insel von Häusern bedeckt, die meisten davon traditionelle Hütten mit Palmwedeln als Dach, dazwischen gibt es aber auch einige Wellblechhäuser. Die Hütten am Wasser hatten außerdem einen kleinen Verschlag direkt über dem Wasser aufgebaut, unten offen. Auf der Insel waren viele vor allem die jüngeren Guna Frauen in westlicher Kleidung und ohne den traditionellen Guna Arm und Beinschmuck bekleidet. Während auf Mamitupu keinerlei elektronischen Geräte zu sehen waren, saßen hier einige mit Mobiltelefon vor ihrer Hütte. Die Kinder ließen dennoch selbstgebaute Drachen aus Treibgut steigen und waren stolz als wir sie bewunderten. Einige Male fehlte Joni kurz, als er zu seinem Entsetzten am Arm weg gelots wurde, Kinder und Frauen wollten den Kleinen am liebsten von möglichst nahem sehen und anfassen.

Es gibt ein kleines Hotel und eine Art Restaurant in dem wir zu Abend gegessen haben. Unsere Getränke mussten wir selbst mitbringen zu Essen gab es zur Auswahl frittierte Kochbananen mit Fisch oder Hähnchenbeine. Kathi trug das Essen zusammen mit dem Koch und gleichzeitig Kellner aus dem Nebenraum in den heruntergekommenen Schankraum in dem drei verwaiste Plastiktische mit zusammengewürfelten Plastikstühlen standen, an der Wand hing eine Tafel, der Putz bröckelte von der Wand und über den Fussboden bahnte sich eine Ameisenautobahn. Als der Guna Koch dann für frittierte Kochbanane, zwei Hähnchenbeine und einen halben Fisch 20 USD abrechnen wollte, begann es in Kathis Venen zu brodeln. Sie verhandelte hart und beglich unsere Rechnung dann im beider-seitigen Einvernehmen, aber zum Frühstück werden wir wohl eher nicht mehr kommen. Heute Morgen diskutierten wir noch wo eigentlich der ganze Müll den wir auf den Inseln gesehen haben herkommen könnte. Heute Abend waren wir dann entsetzt und ernüchtert als wir gleich mehrere Männer sahen, die volle Mülltonnen mit Plastik und Kartonabfällen im Meer entsorgten und so ihr kleines Paradies selbst vergifteten. Traurig! Als wir dann kurz vor Anbruch der Dunkelheit ablegten wurden wir am Bootsanleger umringt von Gunas, sie schauten wie wir ins Dingi kletterten, unsere Paddel auspackten und Richtung Moya davon dümpelten. Ich könnte mir vorstellen, dass Zootiere sich in etwas so fühlen müssen wie wir in dieser Situation. Benicai rannte am Land entlang, kletterte über die festgemachten Einbäume und winkte bis wir nicht mehr zu sehen waren.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.