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36° 26.0' N
Länge:
28° 14.3' O
Ort:
Rhodos, Grichenland
Datum/Uhrzeit:
28.05.2019
07:35 UTC+3
Wettermeldung:
vom
29.05.2019 12:00 UTC+3
28 °C
Mäßige Brise aus Ost

Logbucheinträge zu Berufsschifffahrt

17.05.2019 - 31°14' N, 32°21' O, Mittelmeer

Manövrieren im Suezkanal

Kanal Deals

Zum gefühlt hundertsten Mal wurden unsere Pässe geprüft, dieses Mal kamen die Immigration Officer dafür zusammen mit dem Pilot zu Moya heraus getuckert, die Gesichter argwöhnisch betrachtet und schließlich für in Ordnung befunden. Nach dem letzten Dicken des nach Norden fahrenden Convoys durften wir in den Kanal. Mohamed, unser Pilot und Advisor, lotste uns zunächst aus dem Yachtclub heraus zu zwei davor wartenden Fischerbooten. „I need you to moor“, sagte er in seinem kaum vorhandenen Englisch und zeigte auf die Boote. Nach kurzem Telefonat mit der Marina fanden wir heraus, dass wir an den Booten festmachen sollten, um durch den Kanal geschleppt zu werden. Das ginge schneller. Was wie eine offizielle Aufforderung klang, war tatsächlich nur ein weiteres Mal eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Vermutlich hat das schon das ein oder andere Mal funktioniert, aber nicht bei Christian, der den Deal sofort durchschaute und an den Booten vorbei knatterte - mit 9 Knoten. Der Tidenstrom schob kräftig Richtung Norden und tatsächlich waren die Fischer auch nicht schneller als wir. Bald war das erste Containerschiff direkt vor uns. Mohamed wies uns an, es links zu überholen. „Ok! Aber war Überholen nicht genau das, was die Kanalbehörde nicht wollte und uns deshalb nach den Dicken, die normalerweise sehr viel schneller unterwegs sind, in den Kanal schickte?“ Inshala! Wir zogen vorbei, immer schön an der linken Seite des Kanal. Ab und zu wichen wir kleinen Fischerböötchen aus. Im Lake Bitter, warteten die Großen dann bis der südwärts laufende Convoy vorbei war und stießen dunkle Russschwaden in die stehende, heisse Wüstenluft. Wir durften weiterfahren, entgegen der Fahrtrichtung der Dicken. Am Nachmittag, Mohamed hatte inzwischen zwei Mal gebetet und war trotz der Hitze nicht einmal zu einem Schluck Wasser zu überzeugen, zog wie jeden Tag ein Sandsturm auf. Der blaue Himmel, war jetzt beige-gelblich, die Boote vor uns nur noch schlecht zu erkennen und das Vorankommen wurde mühsamer. Wir hatten es aber fast schon geschafft. Ismailiah war nur noch 30 Minuten entfernt.

Dort angekommen, setzten Melipal und Windchase ihre Piloten am Steg ab und gingen vor Anker. Um 17 Uhr legten wir direkt am Anleger an und blieben auch dort, nebenan war ein Spielplatz und es gab ein kleines Restaurant. Die Festmacher waren gerade vertäut, als Peter von Melipal über Funk Bescheid gab, dass sie auch an den Steg mussten. Er hatte einen Anruf von Captain Heebi bekommen, dass sie sonst am nächsten Tag nicht weiterfahren dürften. Da hatte sich wohl jemand aus dem Club bei Heebi beschwert. Christian kommentierte mittlerweile ein bisschen zynisch: „Warum ankern da 42 USD, die doch eigentlich in die Kasse des Clubs gehören?“ Windchase und Melipal hatten keine Alternative, legten grummelig an und vernichteten ihre letzten Alkoholvorräte. Um kurz nach 20 Uhr, wir hatten gerade zu Abend gegessen, klopfte es an unsere Bordwand. Ein Mann informierte uns, dass sich ein amerikanisches Kriegsschiff für den nächsten Tag angekündigt hätte und der Kanal deshalb gesperrt würden werde. Für bedeutete das ein weiterer Tag in Ismailiah. Ich dachte mir: „Für uns kein Problem, wir sind ja ohne Zeitdruck unterwegs.“ Vielmehr beschäftigte mich was Trump da eigentlich vorhat. Erst letzte Woche war der Flugzeugträger Abraham Lincoln mit der zugehörigen Armada durch den Kanal Richtung persischer Golf gegangen und nun noch ein Kriegsschiff der Amis!

Peter wollte sich mit der Situation nicht zufrieden geben und rief Captain Heebi an. Um 23 Uhr war dann ein Kompromiss gefunden. Wir würden morgens um 4 Uhr starten, so dass wir vor dem Kriegsschiff aus dem Kanal wären. Allerdings müssten wir noch den Yachtclub bezahlen und von Immigration kontrolliert werden. Um 1 Uhr war dann auch das geschafft, die Geschäftszeiten während des Fastenmonats sind deutlich in die Nacht verschoben, und wir legten uns in die Kojen.

Angekommen im Mittelmeer

Bereits 3:50 Uhr klopfte es. Es war noch stockdunkel. Ein neuer Mohamed Pilot kam an Bord und hatte es eilig loszukommen. Der sympathische Mann und Vater von 5 Kindern hatte uns ägyptisches Gebäck mitgebracht. Ich strahlte ihn an und bot ihm Kaffee zum Frühstück an. Obwohl es noch Nacht war, lehnte er ab, er würde fasten, kein Essen und Trinken nach dem Morgengebet. Wir legten also ohne Frühstück ab und tuckerten Richtung Norden. Müde! Um 8:00 Uhr waren wir schon an der Abzweigung nach Port Said. 25 Knoten Wind drückten von Westen, das erste Mal seit langem war die Luft kalt. Ich zog meinen Fleece Pulli und eine Windjacke an. Zwei Stunden und einige Selfies später setzten wir Mohamed auf einem Pilotboot ab, zogen die Tücher hinauf und wagten uns hinaus in die aufgewühlte See und das Tonnenlabyrinth vor der ägyptischen Küste. Wir sind im Mittelmeer.

Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.
19.05.2019:
Kommentar from Maxi
Ihr habt es geschafft! Herzlichen Glückwunsch und willkommen zurück (fast) zuhause. Wie seltsam es sich für Euch anfühlen muss wieder im Mittelmeer zu sein. Im Vergleich zu Euren Abenteuern klingt „Mittelmeer“ unglaublich langweilig. Liebe Grüße!
19.05.2019:
Kommentar from Nici
Hallo ihr vier, ich habe bis zum Schluss mitgefiebert und freue mich sehr das ihr wieder in heimischen Gewässern seid ohne negativen Vorkommnisse. Ich wünsche euch eine schöne restliche Segelzeit und freue mich auf eure letzten Wochen voller Abenteuer. Ganz liebe Grüße Nici
20.05.2019:
Kommentar from Gabi
Willkommen zuhause! Klingt zwar etwas großspurig, aber am Sonntag ist EU-Wahl, die ihr leider versäumt, aber das bestätigt, dass ihr euch quasi in heimischen Gewässern befindet. Beim Sprung ins Wasser werdet ihr euch auch gleich heimisch fühlen. Toll, dass ihr das geschafft habt, 2 Jahre auf See und um die Welt gesegelt mit den beiden Kurzen! Eure Moya ist so ein Super-Segler, dass sie das Mittelmeer weiterhin bis zum Ende des Törns mit Bravour bewältigen wird, auch wenn es vielleicht noch etwas stürmisch wird. Liebe Grüße Tante Gabi
26.05.2019:
Kommentar from Dody
Whow, ihr habt es geschafft, ganz herzlichen Glueckwunsch, Klasse gemacht!!! Und dabei fuehlt es sich fast wie gestern an dass wir in Nazaré zusammengehockt haben beim Koepfe zerbrechen ob es klappen koennte und was, wenn nicht ... Big hugs an Euch alle xxx
16.05.2019 - Suez, Ägypten, Rotes Meer

Tor nach Hause

Es ist 6 Uhr morgens, ich sitze im Cockpit, die Luft ist noch klar und frisch, im Schiff ist es noch still. Um 8 Uhr sollen wir an Land sein und unsere Pässe zur Ausreise abgeben. Um 9 Uhr soll dann der Pilot an Bord kommen, für die Kanaldurchfahrt.

Hinter mir zieht der nach Norden fahrende Convoy der Dicken vorbei. 50 Schiffe, jedes beladen mit bis zu 20000 Seecontainern, tuckern langsam am Yachthafen vorbei Richtung Mittelmeer. Ein kleines Containerschiff zahlt dafür 500000 USD, die ganz Dicken auch schon 2 Millionen. Tatsächlich zahlen wir den gleichen Preis wie die Großen, 8 USD pro Tonne, um durch den Kanal fahren zu dürfen. Allerdings sind wir im Vergleich ein Leichtgewicht, so dass die Kosten für uns bezahlbar bleiben, vermutlich zum Leidwesen der Kanalbetreiber. Wenn der Convoy durch ist, werden auch wir nach Norden schippern, durch den Lake Bitter bis nach Ismailiah, wo wir die Nacht verbringen werden, bevor es dann morgen ins Mittelmeer geht.

Die letzten Tage waren entspannt. Wir liegen seit Montag an einer Mooring Boje im Yachtclub. An den Steg trauten wir uns nach unseren unerwünschten Besuchern von Port Ghalib nicht. Captain Heebi, unser Agent, verbrachte bei unserer Ankunft ein kleines Wunder, indem er die Kanalbehörden dazu bracht, dass wir zusammen mit den nach Norden fahrenden Dicken die ersten paar Meter des Kanals bis zum Yachtclub zurücklegen. Eigentlich ist das unmöglich und bedeutet deshalb normalerweise für Yachten lange Wartezeiten bis sie dann im Yachtclub anlegen dürfen. Für uns wurde eine Ausnahme gemacht, vielleicht wegen der Kinder, vielleicht aber auch weil Windchase, Renegade und Millipal noch vor dem Convoy durchgeschlüpft waren und Captain Heebi die Formalitäten für alle Yachten zusammen erledigen wollte. Wir wissen es nicht, waren aber sehr dankbar die gute Organisation und die professionelle Arbeit des Captain. Noch am selben Abend, gegen 23 Uhr, bekamen wir unsere Pässe zurück, und waren nun klar das Land betreten zu dürfen.

Der Yachtclub ist ein wenig runtergekommen und liegt in einem Viertel, das einmal reich gewesen sein muss. Die alten Villen sehen trotz ihrer Patina toll aus und wären Schönheiten, wenn man ein wenig renovieren würde. Im Club gibt es sogar einen Spielplatz. Ein paar Blöcke weiter gibt es eine echt ägyptische Foodmeile mit kleinen Restaurants, die Kebab, Tee, Kaffee und Shishas verkaufen. Die Ägypter sitzen nach Sonnenuntergang vor den Lokalen an kleinen Tischen auf der Straße und genießen ihr Frühstück zum Ende des Fastentages. Auch wir aßen dort zusammen mit den Crews der anderen Yachten. Köfta, Sish Kebab, Reis, Hummus, Salat und Fladenbrot, echtes ägyptisches Essen - lecker! Zur Feier des Ramadans bekamen wir dazu einen lilafarbenen, sehr leckeren Saft gereicht und süße Bällchen als Nachtisch. Beides sind lokale Köstlichkeiten und werden speziell zubereitet für das Fastenbrechen am Ende des Tages.

Nach dem Essen wanderten wir durch den alltäglichen abendlichen Sandsturm zu Moya zurück. Tagsüber ist es hier unglaublich heiß, die Luft steht. Das Fasten, vor allem nichts zu Trinken, muss in diesem Klima eine fast übermenschliche Disziplin erfordern. Am späten Nachmittag setzte bisher immer ein starker warmer Wind ein, der viel Staub aus der Wüste mitbrachte. Moya hat außen mittlerweile einen richtigen Sandpanzer und ich trage täglich eine Kehrschaufel voll Sand aus dem Schiff.

Bald wird sich das ändern. Das Mittelmeer wartet auf uns.

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17.05.2019:
Kommentar from Manfred Krüger
Wilkommen im Mittelmeer! Schaut Ihr euch auch die Ursprünge der helenistischen Kultur an? Viel Glück und Spass weiterhin bei Eurer Großen Fahrt!
29.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 15: Nicht alleine

Bereits seit einigen Tagen sind wir immer mehr Schiffen begegnet. Einige davon haben wir nur auf unserem AIS Schirm, andere am Horizont und wieder andere nur weniger als eine Meile entfernt vorbei fahren sehen. Inzwischen bilden sie einen fast stetigen Strom aus Tankern und Containerschiffen, kleinere aber auch die ganz großen Ozeanriesen. Auf unserer Steuerbordseite fahren die Schiffe Richtung Westen, auf unserer Backbordseite Richtung Osten, Moya ist dazwischen eingekuschelt. Wir sind in der Schifffahrtstrasse angekommen, die eigentlich keine ist, und fahren sozusagen auf dem Autobahnmittelstreifen.

Nachdem wir unsere AIS Position die letzten Tage nicht übertragen hatten und im Schleichmodus unterwegs waren, schalten wir den Sender nun wieder an, um die Berufsschiffe nicht zu irritieren. Seit drei Tagen sehen wir auf unserem AIS Schirm jeden Morgen Schiffe, die bis zu 250 Meilen weit entfernt sind und fragen uns, ob MSCHOA hier mobile Repeater verwenden, um den Verkehr besser überwachen zu können, denn normalerweise reichen selbst die starken Signale der Berufsschiffe nur bis zu 50 Meilen weit.

Der IRTC Korridor (internationally recognised transit corridor) liegt in internationalen Gewässern, unterliegt keiner nationalen Gesetzgebung und ist somit nicht rechtlich bindend. Trotzdem halten sich fast alle Schiffe innerhalb der definierten Schifffahrtswege auf, denn in dieser Zone kontrolliert die Anti Piraten Koalition MSCHOA besonders gut. Gestern flog auch schon ein weißes Flugzeug einen Kreis über uns. Eine Minute später knackte die Funke „Japanese navy aircraft for Moya“. Sie erkundigten sich nach unserem geplanten Zielhafen und informierten uns, dass die Kriegsschiffe der Koalition den Funkverkehr auf dem Notfall Kanal 16 überwachen. Beim fünften Versuch verstanden wir das dann auch. Insgesamt war in der Nacht auf dem Kanal 16 überraschend viel los, manch Wachhabendem schien es langweilig gewesen zu sein, so dass er seinen geistigen Sondermüll in den Äther ergoss.

Wenn man in den Korridor hineinfährt sieht man nichts als blauer Ozean, aber jeder weiß Bescheid in welchem 5 Meilen breiten Streifen er unterwegs sein soll. Der Mittelstreifen ist mit 2nm noch enger, das macht das Segeln schwieriger. Aber momentan spielt das noch keine Rolle, denn es gibt immer noch zu wenig Wind und eine 2 Knoten starke, entgegen laufende Strömung. Henry kämpft bereits seit mehr als 24h mit nur 4 Knoten gegenan. Die RSM Queen Mary 2 hatte da weniger Probleme. Der hell beleuchtete riesige Kreuzfahrer raste heute Nacht mit 22 Knoten an uns vorbei, Ziel Jordanien.

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17.01.2019 - Puteri Habour Marina, Malaysia

Ein Labyrinth von Schiffen in der Singapur Strait

Chillen am Nongsa Point

Wenn man mal von unserer Bootschrubbaktion absieht, waren wir zwei Tage einfach nur faul. Seit Monaten hatten wir keinen Steg mehr an Moya’s Seite und haben das Schiff nur mit Tilly verlassen, deshalb war es nun schon ganz besonders toll, das Schiff zu Fuß verlassen zu können. Gedanken wie “haben wir auch wirklich Alles” erübrigen sich da, man kann ja einfach flugs zurück an Bord klettern. Wenn das Dingi erstmal an Land steht, überlegt man da schon eher “brauchen wir das jetzt wirklich?”, schließlich heißt es dann nicht nur zurück zum Schiff tuckern, sondern Schuhe aus, aufschließen und das Dingi wassern. Wir waren jedenfalls happy, einen Steg vor unseren Füßen zu haben. Die Jungs konnten gleich morgens losrennen und wir konnten viel besser als von Tilly aus Moya sauber machen. Nach dem Ausflug den Kumai Fluss hinauf hatte sich unsere Dame ein Wellnessprogramm mehr als verdient, denn das kaffeefarbene Wasser des Flusses hatte einen orangefarbenen Schleier auf ihrem Bauch hinterlassen. Der musste weg! Aber er wollte nicht. Ich nehme an, durch das Schürfen in den Minen Borneos wird Eisenoxid alias Rost im Wasser gelöst, das sich dann auf unserem weißen Lack niedergelassenen hat. Mann, haben wir geschrubbt. Joshi und Joni waren auch am Start, aber die beiden Feuerwehr-Möchtegerns haben lieber den Spritzpart übernommen. Nach getaner Arbeit ging es dann an den leeren Hotelpool zum Abkühlen. Was kann man sich Besseres vorstellen? Die Nongsa Point Marina ist relativ neu, sauber, sicher, abseits und total leer. Wir treffen nur ein anderes bewohntes Boot, sieht man von den Crews der dicken Motoryachten ab. Auch im Hotel war keiner. Wir hatten die Anlage fast für uns. Teilen mussten wir nur mit der Crew von Rehua und einer großen Echse, die sich im Hotelpool pudelwohl gefühlt hat. Joni entdeckt das Springen und hüpft in einer nicht mehr enden wollenden Serie immer wieder ins Wasser. Joshi kneift, lässt sich aber zum Tauchen überreden. Endlich darf mal Wasser ins Gesicht.

Ganz klein zwischen den ganz Dicken

Nach unserem faulen Tag in der Marina klarierten wir gestern Morgen aus und begaben uns auf unsere 45 Meilen lange Reise, durch die wohl meist befahrene Schifffahrtsstrasse der Welt. Unser kleiner Bordcomputer hatte Mühe alle mehr als 1500 AIS Signale mit zu tracken. Es waren so viele, dass sie in manchen Bereichen der Straße gar nicht von einander aufzulösen waren. Wir entschieden uns, noch ein bisschen auf der indonesischen Seite dem Hauptfeld aus dem Weg zu gehen und der Küste entlang zu segeln. Das hatte auch den großen Vorteil, dass wir so der Tidenströmung, die anfangs noch gegen uns lief, weitgehend entkamen. Aber irgendwann mussten wir nun mal auf die andere Seite, wir wollten ja schließlich nach Norden. Wir fuhren deshalb parallel zu der dreispurigen Schifffahrtsstrasse und warteten auf einen günstigen Augenblick den Verkehr zu kreuzen. Wie Perlen auf einer Schnur fuhren in der Strasse Tanker, Container Schiffe und Schlepper. Einer Spur Richtung Westen, eine Richtung Osten und dazwischen befand sich die Tiefwasser Route für die ganz Großen. Zwischen den Schiffen flitzten die Schnellfähren und überraschenderweise auch einige lebensmüde Kanufahrer. Wir warteten bis der 330 Meter lange Tanker vorbei war, dann drehten wir nach Norden und arbeiteten uns bis an die Küste Singapurs. Wohl ein wenig zu nah, denn wenig später bekamen wir Besuch von der Coast Guard, die uns höflich auf die singapurianischen Hoheitsgewässer hinwies. Jaja, wir sind ja schon weg! Nur noch der second Link trennte uns von Puteri Habour. Wir bibberten, ob wir wohl unter der Brücke durchkommen würden. Sie hatte an ihrer höchsten Stelle nur 25 Meter Durchfahrtshöhe. Da auf der Seekarte hier jedoch eine Untiefe verzeichnet war, mussten wir weiter am Rand an einer weniger hohen Stelle hindurch. Aber am Ende war alles gut und wir tuckerten zwischen der großen Baustelle, auf der in Singapur Neuland generiert wird, und der neuen malaysischen Hochhaussiedlung nach Puteri Habour, genau richtig zum Sonnenuntergang.

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04.11.2018 - Pazifik 9°50’ S, 139°29’ O

Segeln in der Torres Straße

Die Torres Straße liegt mittlerweile in unserem Kielwasser und, so dachte ich, auch der Pazifik. Bis mich der Capitano gestern aufklärte, dass das Arafura Meer, durch das wir momentan segeln, ein Seitenmeer des Pazifiks und nicht des Indiks ist. Der Indische Ozean fängt offiziell erst vor der Insel Timor an, irgendwo in den unendlichen blauen Weiten ist wohl die Grenze Indik-Pazifik ohne offensichtlichem Anhaltspunkt. Für mich persönlich bleibt trotzdem die Torres Straße der Abschluss unserer Pazifiküberquerung - und was für einer.

Segeln mit allem drum und dran. Die Torres Strasse führt zwischen Australien und Papua Neuguinea einmal quer durchs Great Barriere Reef, so dass wir uns, wie auch die Berufsschifffahrt, um unzählbar viele kleine und große Riffe herum schlängeln mussten. Der Bligh Entrance liegt nur ca. 30 Meilen vor der Südküste Papua Neuguineas entfernt, während der Westausgang direkt vor der Nordküste Australiens liegt. Die australische Küstenwache sagte uns zweimal Hallo, einmal per Flugzeug und einmal per Kriegsschiff, um zu kontrollieren was wir so vor haben. Zwischen Aus- und Eingang der Torres Straße ist das Meer, selbst in der Schifffahrtsstrasse, beeindruckend türkis und an vielen Stellen nicht tiefer als 15 Meter, was die Navigation der großen Cargoschiffe mit einem Tiefgang von 10 Metern oder mehr doch etwas einschränkt. Auch für uns war die Navigation zwischen den Ozeanriesen nicht ganz einfach. Schon am Bligh Entrance wehte eine steife Brise aus Südost. 25 Knoten Wind auf Raumschotkurs und entsprechende Wellen waren natürlich für Moya kein Problem, es schaukelte halt ein wenig. Aber dann bog die Schifffahrtstrasse nach Süden ab, aus dem Wind vor dem Baum wurde ein hart am Wind und Welle segeln, mitten in der engen Wasserstraße. Die Crew war etwas angespannt, es ruckelte und zuckelte. Jede Bewegung war doppelt anstrengend, da wir immer noch mit den Überresten unserer Influenza kämpften und die Fahrt durch die wilden, stark befahrenen Gewässern, vor allem bei Nacht viel Aufmerksamkeit forderte. Aber Moya hielt Kurs, so dass wir nach Sonnenuntergang des zweiten Tages in der Passage abfallen konnten, um uns vom Wind, der inzwischen über 30 Knoten stark wehte, durch die Riffe vor der Nordküste Australiens schieben lassen konnten. Entspannt war es zwar auch hier nicht, denn hier waren die Durchgänge in den Riffen am engsten und die meisten Dicken waren hier unterwegs. Aber wenigstens kamen Wind und Welle wieder von hinten, so dass Moya im dritten Reff 8 Knoten Fahrt durchs Wasser machte. Kurz vor einer Engstelle zwischen zwei Tonnen funkte Christian mit der maltesischen Seasmile, um zu klären wie wir am besten aneinander vorbei fahren können. Der Cargocarrier kam mit 11 Knoten auf die Engstelle zu, wir mit 8 Knoten aus der Gegenrichtung, voll gerefft. Es war dunkel und es sah nach maximal bescheidenem Timing aus. „We are fully reefed and can’t reduce our speed“ sagte der Capitano ins Funkgerät und ich dachte: paradoxe Situation - 8 Knoten fahren wir ja schließlich nicht alle Tage. Der Carrier musste mit seinem Tiefgang exakt in der Fahrrinne bleiben. Wir vereinbarten, dass wir im Notfall die Tonnenstrasse verlassen würden und sahen wie sich etwas mächtig großes Dunkles vor uns auftürmte. Erst kurz vor dem Erreichen der roten Tonne, konnten meine Augen das Schiff voll auflösen und da rauschte es auch schon an uns vorbei. Ohne AIS und die dazugehörige Geschwindigkeits- und Richtungsinformation der anderen Schiffe, wäre so eine Situation noch deutlich schwieriger einzuschätzen gewesen, so dass wir mal wieder happy waren über die modernen Errungenschaften der Schifffahrt.

Nach einer zweiten Nacht fast ohne Schlaf verließen wir die Torres Straße, gestern Morgen gegen fünf Uhr und genossen erstmal den vielen Platz um uns herum und das nachlassen des Windes außerhalb der Düse zwischen Australien und PNG. Inzwischen haben wir direkten Kurs nach Dili in Osttimor gesetzt und hoffen dort möglichst bald anzukommen, die Hälfte der Strecke haben wir immerhin schon geschafft.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
06.11.2018:
Kommentar from Richard Stoll
Hallo Moya und Team, schade dass Ihr nicht Pause bei uns in Cairns macht. Viel Spass noch auf Eurem Weg an Australien vorbei. Liebe Grüße und Handbreit, -Richard
13.11.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Lieber Richard, uns ist es total schwer gefallen Australien fürs erste Auszulassen, aber wir hoffen sehr einen Besuch irgendwann mal nachholen zu können, vielleicht dann ohne Boot? Danke, für die Handbreit, die brauchen wir immer.
31.10.2018 - Pazifik 10°16’ S, 147°13’ O

Auf dem Weg in die Torres Straße

Momentan ist bei uns Endspurt angesagt. Nach 7 Monaten, in denen wir den Pazifik einmal komplett vom Panama Kanal im Osten bis zum Eingang in den indischen Ozean in der Torres Straße hier im Westen durchquert haben, fehlen nun gerade einmal noch schlappe 280 Meilen bis wir den Pazifischen Ozean hinter uns liegen lassen und dem Indik Hallo sagen. Über 10000 nautische Meilen - fast einmal um die halbe Erde - legten wir in dieser Zeit zurück und sind nun nach nur etwas mehr als einem halben Jahr dabei uns vom nicht immer stillen Ozean zu verabschieden. Kaum einer segelt in dieser kurzen Zeit einmal durch den Pazifik, entweder verkaufen unsere Fellow Cruiser ihre Boote in Australien oder Neuseeland, oder sie lassen sich sehr viel mehr Zeit für die Erkundung der Südsee. Wir haben sogar einige Boote getroffen, die hier schon seit 10 Jahren unterwegs sind und natürlich finden wir auch, dass es noch soooo viel mehr zu sehen gegeben hätte. Ein kleines bißchen wehmütig fühlt es sich schon an, dieses großartige Segelrevier mit den vielleicht freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen und den schönsten Stränden unseres Planeten auf Wiedersehen zu sagen, aber die Cyclonsession naht in grossen Schritten und verwandelt bald das Paradies zum Alptraum. Vielmehr finden wir es fast unbegreiflich wie viele Eindrücke wir sammeln durften, so dass die 7 Monate in unseren Köpfen nicht wie nur ein halbes Jahr sondern viel länger erscheinen.

Auf den letzten Meter zeigt uns der Pazifik noch einmal wie aktiv und lebendig er sein kann. Mit 6 bis 8 Windstärken segelt Moya durch die bewegte Korallensee, um uns brechen sich die kurzen steilen Wellen immer wieder und es weht Gischt von den weißen Kronen ab. Unsere Segel sind voll gerefft, das Großsegel im dritten Reff, von der Genua steht gerade noch ein kleines Handtuch, nicht um Vortrieb zu machen, sondern um das Schiff seitwärts zu stabilisieren. Der Wind kommt von achtern, genauso wie die See, beides treibt uns mit 6 Knoten voran. Mit ein bißchen mehr hochgezogenen Tüchern wären wir noch deutlich schneller, aber wir wollen lieber etwas langsamer und dafür gemütlicher voran kommen. Wir sind zwar mittlerweile alle übern Berg, aber trotzdem noch nicht topfit.

Der Wind hatte eingesetzt nachdem wir am ersten Abend die Louisaden verlassen haben. Zwischen der Salomonensee und der Korallensee spannt sich hier über viele hunderte Meilen ein großes Barriereriff auf, durch das es nur wenige Durchgänge gibt. Wir fuhren gemeinsam mit den Dicken Kuttern durch den Jomard Eingang. Diese Schifffahrtstrasse ist eine wichtige Verbindung zwischen Australien und Japan und erspart den Großen den Umweg um die Louisaden herum zu fahren. Schon als es noch hell war sahen wir auf dem AIS ständige Bewegung in der Engstelle und hofften, dass kein Dicker später mit uns dort sein werden würde. Es war bereits vollständig nacht, als wir in die Straße hineinfuhren, bald näherte sich ein Frachter von hinten. Dann kamen uns zwei entgegen. Alle vier Schiff trafen sich exakt an der engsten Stelle der Straße, genau im Durchgang durch das Riff. Die Motorschiffe hätten eigentlich auf uns aufpassen müssen, aber ihr Nervenkostüm war wohl robuster als unseres. Durch die mit 4 Knoten auswärtsgehende Strömung, konnten wir unsere Fahrt nicht weiter verringern, so dass wir zeitgleich mit den drei großen Frachtern durch das Nadelöhr mussten. Der Capitano wechselte im Minutentakt den Platz vom Cockpit zum AIS Schirm und war sichtlich erleichtert, als wir aus dem turbulenten Wasser am Ausgang der Straße abbogen. Bei starkem Wind gegen den Tidenstrom wäre das bestimmt noch ungemütlicher geworden, ein richtiger Hexenkessel.

Wir hatten unsere Angel mal wieder nachgeschleppt und tatsächlich zog gegen Sonnenuntergang des zweiten Tages auf See ein Fisch an der Leine. Ich war eigentlich gerade beim Kochen und wollte nur eben die Schalen rausbringen, als ich - zum ersten mal überhaupt - unsere Handleine nicht heran ziehen konnte. „Da muss was großes dran sein“ rief ich und Christian eilte mir zur Hilfe. Danach folgten 30 Minuten in denen wir gemeinsam, einen riesenhaften Gelbflossenthunfisch an die Badeplattform heranzogen und dann rätselten, ob wir das Ding an Bord bekommen würden. Es war haarscharf, fast hätten wir den Giganten noch auf dem letzten Meter mitsamt unseres Gaffs verloren. Der Fisch war so schwer, dass Christian ihn nur von der Badeplattform aus mit meiner Hilfe aus dem Wasser gehievt kriegte. Er zog am Gaff, ich an der Leine so gut ich konnte. Es reichte geradeso, um den 150 cm großen Thunfisch unter der Reeling durch an Deck zu ziehen. Wie schwer er war, wissen wir nicht - zu schwer für unserer Waage und fast auch für uns. 90 cm Brustumfang hatte der Gute. Es tat uns leid, dass niemand da war mit dem wir das Fleisch teilen konnten, da wir das alles nie und nimmer essen werden können. Wir schnitten ca. 10 Kilogramm Filets zwischen den Gräten heraus und es wäre wohl fast noch einmal so viel möglich gewesen, als wir ihn zurück ins Meer warfen. Ohne Gefriertruhe an Bord kochten wir am nächsten Tag zum ersten Mal Fisch ein und aßen uns an dem exzellenten Fleisch pappsatt, jetzt haben wir immer noch weit über die Hälfte, die wir wohl essen bis uns der Fisch zu den Ohren rauskommt.

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31.03.2018 - Panama City, Panama

Wir erobern den Pazifik - Panama Kanal, Teil 2

5:30 Uhr: Wir quälen uns aus den Betten, gestern war es spät geworden. Erst Viertel nach Sieben waren wir fest an der Boje, haben danach gegessen und sind dann im Cockpit versumpft. Es war einfach sehr toll einen Abend an Bord mit anderen Erwachsenen zu verbringen und sich zu unterhalten. In der Nacht hatte es dann kurz angefangen zu regnen, gerade so viel, dass ich aufgestanden bin um alle Luken zu schließen und dann gleich wieder aufzureissen. Zum Glück waren keine Mücken unterwegs, denn ihm See war es selbst mit offenen Luken kaum auszuhalten. Dementsprechend schwer ist es jetzt, noch vor Sonnenaufgang aus den Federn zu kommen.

7:00 Uhr: Fertig gefrühstückt und ablege-bereit warten wir auf den Lotsen. Er sollte eigentlich zwischen 6 und 6:30 Uhr an Bord kommen. Wir vermuten, die Kanalbehörde rechnet nicht mit deutscher Pünktlichkeit und plant mit Puffern. Neben uns liegen die Dicken in einer Reihe und warten darauf in die Gatun Schleuse zu fahren. Hinter uns rufen die Brüllaffen im Dschungel, kleine Vögel kommen zu Besuch, setzten sich unerschrocken neben unseren Windpropeller und die Solarpanels. Sie sehen vermutlich nicht allzu viele Menschen, denn sie haben überhaupt keine Angst vor uns.

7:45 Uhr: Endlich kommt das Pilotboot herangefahren. Vorne steht ein Mann mit Schwimmweste, fertig zum Übersteigen. Zu unserer Überraschung war es Franklin, der abgesetzt wurde. Er war heute Morgen überraschend von der Kanalbehörde angerufen worden und hatte so vermutlich noch eine kürzere Nacht als wir, denn er musste ja gestern noch 45 Minuten nach Hause fahren und heute morgen wieder hier her. Er war nicht überrascht, die Lotsen bekommen immer erst am Nachmittag davor gesagt, ob sie am nächsten Tag arbeiten werden. Wenn nicht, kommt es trotzdem öfter vor, dass sie kurzfristig gerufen werden. Das passiert immer dann, wenn sich durch die Schleusung eines kleineren Containerschiffes einen Slot für den Yachttransit auftut. Entsprechend, kann man als Yacht auch einen sehr kurzfristigen Termin durch wiederholtes Anrufen bei der Kanalbehörde bekommen.

8:05 Uhr: Wir legen ab und machen uns auf den Weg durch den Gatun Lake. Der See ist wunderschön, überall sehen wir von Regenwald bewachsene Miniinseln, die früher einmal bevor der Rio Chagres gestaut worden ist, die Spitzen kleiner Hügel darstellten. Schade, dass wir nicht länger hierbleiben können, es wäre toll gewesen einige Tage den See zu erkunden. Der Regenwald blüht wie jedes Jahr zu Ostern, gelb und pink. Christian verschwindet im Keller und schaltet unseren Wassermacher an, der braucht hier im Süsswasser sehr viel weniger Energie als im Ozean, außerdem sind unsere Tanks durch die vielen Menschen an Bord kurz vorm Austrocknen.

9:35 Uhr: Hinter uns fahren, neben der italienischen Yacht noch zwei Katamarane, die heute Morgen schon durch die Gatun Locks gekommen sind. Unser Motorbootfreund ist schon auf und davon. Im Gänsemarsch tuckern wir am Rande des gut Betonten Fahrwassers durch den See. Immer wieder kommen uns die Dicken entgegen oder überholen uns. Franklin ist im ständigen Kontakt zu den Lotsen der anderen Yachten und der passierenden Großen. Gerade kommen wir am Smithsonian Institute vorbei, die hier den Regenwald erforschen und tatsächlich schon vor dem Kanal hier waren. Hier sind damals, fernab von allem Trubel in aller Stille die Verträge für den Kanal ausgehandelt worden. Ich frage Franklin, ob er bereits hier arbeitete, als die Amerikaner den Kanal betrieben haben. "1979 started the transitioning to Panama, during this time I started to work here". Sie haben damals erst das mittlere Management von Amerikaner auf Panamesen umgestellt, danach die höheren Etagen bevor vor der Jahrtausendwende der Kanal offiziell an Panama übergeben wurde. Seither hat sich an der Kanalführung nicht viel geändert, mit Ausnahme der Regel, dass die Pilots jetzt für ihre Schiffe persönlich verantwortlich sind, was die Unfallzahl im Kanal drastisch reduziert hat.

11:15 Uhr: Wir legen zusammen mit den beiden Kats und dem Italiener an einer Boje an. Ein Dicker weiter vorne im Kanal hat Motorprobleme und muss jetzt von einem Schlepper gezogen werden. Franklin erwartet eine zweistündige Verzögerung. Mir kommt das gar nicht so ungelegen, dann kann ich jetzt in Ruhe das Mittagessen vorbereiten.

12:10 Uhr: Das Mittagessen ist fertig, allerdings muss es erst mal warten, denn wir legen ab und wollen in einer Stunde bei der Pedro Miguel Schleuse sein.

12:30 Uhr: Wir essen während wir durch die engsten Stellen des Kanals fahren. Hier ist der Kanal in massives Gestein gesprengt worden. Über 10000 Menschen sind damals beim Kanalbau gestorben, die meisten davon hier. Zur Zeit wird hier der Kanal verbreitert, damit zwei der Dicken aneinander vorbei fahren können und so noch mehr Schiffe durch den Kanal können. Die Großen zahlen für die Durchfahrt im Schnitt eine halbe Million USD, so dass sich die schweren Bauarbeiten in nicht allzu langer Zeit amortisieren. Seit der Eröffnung der neuen Locks vor 1.5 Jahren sind bereits 1200 der Neo-Panamax Schiffe durch den Kanal gefahren, on Top zu dem was davor schon durch kam.

13:30 Uhr: Der deutsche Katamaran Vava-U nimmt die Italiener an ihre Steuerbordseite und uns auf die Backbordseite. Ab jetzt geht es im Dreiergespann weiter, wir haben dabei die nette Vava-U Crew zum Plaudern. Henry hat kurze Pause, da die Vava-U uns mitnimmt.

13:40 Uhr: Von unserer Backbordseite gehen zwei Seile hinüber zur Schleuse, genauso wie auf der Steuerbordseite der Italiener. Hinter uns wird der Dicke von den Zügen, rechts und links auf der Schleusenmauer in die Kammer gezogen. Wir wundern uns, wie klein die Kammer eigentlich ist (110 x 1000 Fuss) - vor 100 Jahren, waren die Schiffe noch kleiner. Jetzt füllt sogar der kleine Dicke, die gesamte Breite aus.

14:00 Uhr: Die beiden Schleusentore öffnen sich - wir sind nun schon auf dem Weg bergab. Wir und die Italiener haben gerade mit dem ablaufendem Wasser die Festmacher nachgegeben, so dass die drei Boote den Weg hinunter schön in der Schleusenmitte blieben.

14:15 Uhr: Vertäut mit den anderen beiden Schiffen fahren wir durch den Miraflores Lake Richtung Schleuse.

14:45 Uhr: Der Kanal ist fast geschafft. Jetzt müssen wir nur noch durch die beiden letzten Schleusenkammern der Miraflores Schleuse und werden dabei wie die Affen im Zoo von hunderten Touristen auf der Aussichtsplattform beobachtet.

15:45 Uhr: Das letzte Schleusentor öffnet sich. Vor uns liegt der Pazifik! Wow, wir sind nun auf dem Weg in die Südsee. Das ist ganz schön aufregend aber auch ein bißchen beängstigend. Das bergab Schleusen hat trotz der starken Strömung in den Kammern sehr entspannt funktioniert, nicht zu vergleichen mit unserem bergauf Abenteuer von gestern.

16:45 Uhr: Franklin wird vor dem Balboa Yachtclub abgeholt. Er und die Crew haben einen großartigen Job gemacht. Unsere beiden kleinen Kapitäne, waren die ganze Kanalfahrt angeleint im Cockpit und haben das Treiben interessiert verfolgt. Sie haben zwar ab und an Frank und Stefan belagert, waren heute aber wirklich große Klasse und prima mitgemacht als es besonders wichtig war. Retrospektiv, finden wir, die Kanaldurchfahrt war zwar anstrengend, aber sehr interessant. Einen Agenten haben wir an keiner Stelle, weder für die Durchfahrt noch für die vorherige Organisation gebraucht.

17:05 Uhr: Wir ankern vor der Marina Playita und stoßen auf das geglückte Bezwingen des Kanals an. Geschafft! Trotzdem bin ich ein bißchen traurig, denn Mats und Stefan verlassen uns jetzt ohne Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen. Frank bleibt noch über Nacht bevor er morgen nach Colon zurück fährt.

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02.04.2018:
Kommentar from Marlene und Werner
Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Kanaldurchfahrt. Wir haben eure interessanten Berichte und Bilder täglich verfolgt und wünschen euch weiterhin eine gute Reise.
03.04.2018:
Kommentar from Judith und Marcus
Ihr Lieben, herzlichen Glückwunsch zur Kanaldurchquerung und hallo im Pazifik. Wahnsinn. Wir reiben uns die Augen bei Euren Abenteuern und fiebern mit. Wir vermissen Euch natürlich... aber zum Glück gibt es das tolle Logbuch. Liebe Frühlingsgrüße aus BaWü
05.04.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Vielen Dank für Eure Glückwünsche! Uns hat es richtig Spaß gemacht. Der Panama Kanal war wirklich eine tolle Erfahrung. @Judith und Marcus: Unsere Gästekabine ist momentan frei. Kommt doch mal vorbei.
30.03.2018 - Lake Gatun, Panama Kanal, Panama

Gatun Locks - Panama Kanal, Teil 1

Heute war also der große Tag an dem wir den berühmten Panama Kanal befahren würden. Schon beim Aufstehen war ich ganz schön nervös. Gestern war zwar unsere Durchfahrt bestätigt worden, aber die Kanalbehörde hat bis zum letzten Moment die Möglichkeit um zu planen und den Transit zu verschieben. Und selbst wenn es klappt, wie würden wir die Schleuse nehmen, an der Seite eines Schleppers, im dreier Päckchen oder alleine in der Schleusenmitte? Außerdem war Stefan, unser letzter Line Hander noch nicht in Colon angekommen - ohne ihn geht nichts. Für den Transit brauchen wir neben dem Capitano, den Pilot und zusätzlich noch 4 Mann an den Leinen. Da Joshi und Joni noch nicht ganz so weit sind, werden wir die nächsten zwei Tage mit 8 Mann an Bord unterwegs sein. Ich machte mich daran die Laken zu waschen und für unsere ungewöhnlich große Crew Essen vor zu bereiten und backte Brot, Kuchen und kochte schon Mal für später vor - 8 Münder zu stopfen ist bei meiner Pantry schon eine kleine Herausforderung.

Christian hatte unsere Solarzellen abgeklebt um sie in den Schleusen vor den von oben kommenden Seilen zu schützen und bastelte draußen mit Mats am Außenborder und hat mittlerweile den Vergaser schon zum vierte Mal auseinander gebaut. Die Maschine streikt schon seit zwei Tagen und eigentlich brauchen wir sie dringend um Frank und Stefan an Bord zu bringen. Die Kinder wuseln abwechselnd im Cockpit und Salon herum und veranstalten Chaos.

Als ich den Kuchen gerade in den Ofen schob, klingelte das Telefon. Stefan stand an den Toren des Industriehafens vor verschlossenen Türen. In den Flats an Bord zu kommen, war ein Problem, wir hatten schon beim letzten Mal keinen Landzugang gefunden und letztendlich mit Moya vor dem Club Nautico geankert. Wir bissen in sauren Apfel und wollten das sündhaft teure Wassertaxi für Stefan rufen, mit Antwort "Manana". Dabei blieb es auch und war natürlich was für den Eimer. Aber für 20 Dollar fuhr auch ein Privatmann Stefan gerne zu Moya - keine 5 Minuten dauerte die Fahrt von der Muelle 5. Christian holte inzwischen Frank ab. Unser Außenborder funktionierte genau bis zu Franks' Maxim, Christian und er ruderten zurück und da nun alle an Bord waren gaben sie die Mission Motorfix bis auf Weiteres auf.

Statt dessen gingen wir an die Leinen, der Capitano briefte uns und gab Anweisungen wie er die Leinen gerne angebracht hätte und wann welche Leine zuerst fixiert werden muss, bevor jeder einmal einen Probewurf unter den kritischen Skipperaugen absolvierte. Die letzten Stunden hatten wir stündlich unseren Transit Termin bestätigt. 14:30 Uhr sollte der Pilot an Bord kommen - nur wo war er? 15:30 Uhr kam dann endlich das Pilotboot heran gerast und setzte Franklin bei uns ab. Wir hatten Glück und einen sehr erfahrenden Advisor mit schon über 800 Kanaldurchfahrten an Bord und erfuhren, dass unser Dicker mit dem wir schleusen würden schon unterwegs war. Die amerikanische Motoryacht, die seit ungefähr 2 Stunden Kreise drehet würde auch mit uns schleusen, genauso wie die italienische Segelyacht.

Und los ging es, Anker hoch und immer dem Motorboot folgen. Moya lief unter Maschine und wurde von 20 Knoten Nordwind Richtung Schleuse gedrückt. Vor der ersten Schleusenkammer verzögerte sich die Weiterfahrt. Der Feiertagsverkehr über das Schleusentor war dicht, die Kammer blieb zu bis alle Autos passiert hatten und wir Boote warteten.

Nach 45 Minuten ging es endlich weiter, zuerst fuhr das kleine Containerschiff in die Schleuse, dahinter das Motorboot, das an der Seitenwand anlegte. Wir dockten längsseits an der Backbordseite der Motoryacht an, an unserer anderen Seite folgte dann die italienische Yacht. Die Pilots achteten penibel darauf, dass die Schiffe möglichst eng mit einander vertäut sind, dann schloss sich das Tor und das Wasser fing an zu kochen. Leider nur auf der rechten Seite der Kammer, genau da wo wir lagen brodelte es, die Boote ruckten in die Leinen und arbeiteten gegeneinander. Scary! Besonders auf die Achterleine wirkten unglaubliche Kräfte. Seeehr lange 10 Minuten später, war die Schleuse gefüllt mit Wasser und Moya bereits 8 Meter über dem Meer. Die Seile hatten gehalten, wir atmeten auf. Unser italienischer Nachbar legte ab, Christian kündigte an zum Ablegen in die Spring zu dampfen um den teuren Dampfer rechts von uns nicht zu beschädigen. Der Skipper der Motoryacht fing an zu schimpfen und gab seinen Leuten die Anweisung unsere Leine zu lösen und Moya weg zu drücken. Unsere Lady drückt man nicht so schnell. Wir wissen, wir brauchen die Leine damit es keine Katastrophen gibt. Christian fuhr das Manöver noch bevor die Spring ab war - lehrbuchmäßig.

In der nächsten Schleusenkammer hieß es zurück auf Los und noch einmal. Dieses Mal komandierte unser Motorfreund schon beim Anlegen. Gleiches Spiel, das Tor schloss sich hinter uns und Wasser strömte in die Kammer, dieses Mal auf beiden Seiten, was die Leinen besser wegsteckten. Beim Ablegen eskalierte die Situation, unser Bootsnachbar wollte unter keinen Umständen, dass wir die Spring zum Ablegen verwenden. Er war offensichtlich um seine Yacht besorgt, kannte sich aber kein bißchen mit Langkielern aus. Großmündig befahl er wie Christian Moya besser fahren solle. Da sein Vorschlag sein Schiff eher beschädigen würde und wir es dann bezahlen würden müssen, konnten wir hier einfach nicht nachgeben. Wir sind wie zuvor mit Vorspring abgelegt, ohne jeglichen Probleme. Brüllend stand er an Bord und verweigerte, dass wir in der nächsten Kammer an ihm anlegten.

Franklin reagierte bedacht und bat uns und die italienische Yacht unsere Leinen um zu bauen und die beiden Yachten zu vertäuen, um als Alternative in der Mitte der Schleuse zu schleusen. Gleichzeitig funkte er nach oben zum Bodenpersonal, dass die Leinenwerfer sich bereit machen müssen. Die Konstellation zwischen den Kammern zu ändern war eigentlich verboten, da es schwierig ist die Boote in den Strömungen zu halten, außerdem rennt die Zeit. Franklin hatte in seinen 800 Handline Durchfahrten so etwas noch nie anordnen müssen. Dementsprechend hektisch wurde es an Bord, trotzdem hatten wir die Leinen in Rekordgeschwindigkeit umgelegt und uns mit der italienischen Yacht vertäut um gemeinsam in der Kammermitte hinauf zu schleusen. Die letzte Schleusung war dann ein Kinderspiel.

Mit dem letzten Tageslicht fuhren wir aus der Kammer, an den neuen Schleusen vorbei und legten an eine Boje an, an der wir die Nacht verbrachten. Wir waren alle geschafft und froh, dass es erst am nächsten Morgen weiter geht.

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01.04.2018:
Kommentar from Alexandra
Hallo Joschi! Bei den vielen Neffen und Nichten hab' ich Deinen Geburtstag glatt vergessen (habe geglaubt es ist erst im Mai soweit), entschuldige bitte. Dafür jetzt nachträglich noch alles Gute von Deiner Tante Alex :))
02.04.2018:
Kommentar from Moya Crew
Danke Alex! Liebe Grüße nach Passau.
28.03.2018 - Karibische See, Panama

Endlich wieder auf dem Wasser - Sweet Day Sail zum Rio Chagres

Christian schaut heute morgen ins Logbuch und fragt "Sabrina, wann sind wir zum letzten Mal gesegelt? Das Logbuch sagt wir stehen seit dem 16 März hier, aber es kann doch nicht sein, dass wir schon seit 12 Tage hier sind!". Ich überlege kurz und stelle dann erstaunt fest, dass wir tatsächlich schon seit knapp 2 Wochen in Portobello vor Anker liegen. Dass die Bucht hervorragend ist, um ruhige Tage vor Anker zu verbringen wusste sogar schon Kolumbus, der hier -nachdem er sich in den ersten drei Expeditionen nur auf den karibischen Inseln aufgehalten hat- bei seiner vierten Entdeckungstour vor Anker gegangen ist. Auch später wurde die Bucht von den Spaniern rege verwendet und mit Forts aufgerüstet, vor allem nach der Plünderung von Nombre de Dios.

Zum letzten Mal ist Moya an einem Ort so lange in Nazaré gelegen und vor Anker vermutlich noch nie, zumindest nicht seitdem sie unsere Lady ist. Beim Anker Manöver stutzte ich ziemlich, als ich sah, dass die öberflächennahen Teile der Ankerkette mit Algen bewachsen waren und die Kette weiter unten rötlich verfärbt war. Offensichtlich wurde es höchste Zeit unsere Zelte hier abzubrechen und Portobello den Rücken zu kehren. Kaum zu glauben, dass wir wirklich 12 Tage hier waren, durch die Vorbereitungen für den Pazifik ist die Zeit einfach an uns vorbei gerannt. Eher hätten wir aber kaum fahren können, denn erst gestern haben wir das letzte Fenster wieder eingebaut. Ich im Beiboot mit Stirnlampe auf dem Kopf, denn es war schon dunkel, und Christian mit Schraubendreher bewaffnet in der Achterkoje haben wir zusammen etwas gebastelt bis das Fenster wieder in der Bordwand verschwand. Ob es dicht ist sehen wir später, denn Moya liegt momentan auf ihrer Backbordseite und cruised Richtung Südwesten.

Aber nicht nur das Fenster werden wir später genauestens unter die Lupe nehmen, sondern auch unsere Bilge. Wir hatten nämlich gestern ein Erlebnis der anderen Art, als wir feststellten, dass wir Salzwasser in der Bilge hatten - der Alptraum jeden Seglers. Es war zwar weniger als ein halbes Wasserglas, aber trotzdem macht Wasser im Schiff absolut keinen Spass, vor allem dann wenn man nicht so richtig sagen kann wo es eigentlich her kommt. Das Wasser stand hinten unter unserem Bett und wir dachten vor ein paar Tagen, dass es zum offenen Fenster hereingeregnet hatte. Da das Wasser trotz mehrmaligem Aufwischen immer wieder nach tropfte und das Fenster inzwischen zugeklebt war, mussten wir gestern schließlich einsehen, dass es wohl irgendwo anders herkommen muss. Nur wo? Moya hat so weit achterlich eigentlich nur einen Auslass, der in dem das Ruderlager steckt - nur da war alles trocken. Wir pressten trotzdem mal Fett ins Lager und tatsächlich war gestern Abend fast kein Wasser mehr nachgelaufen und wir sind guter Dinge das Leck gefixt zu haben.

Seit heute Morgen sind wir übrigens nicht mehr allein an Bord, sondern mit Mats unterwegs. Wir haben den Schweden im Hostel von Portobello aufgetan, denn uns hat immer noch der letzte Line Hander für den Kanal Transit gefehlt. Neben dem Kapitän und dem Kanal Piloten, braucht man nämlich noch 4 Leuten an den Seilen damit man für die Durchfahrt zugelassen wird. Mats ist auch Segler aber momentan mit dem Rucksack unterwegs, wollte sich den Kanal ohnehin gerne anschauen und sucht schon seit Tagen nach einer Möglichkeit zu segeln. Jetzt liegt er auf dem Vordeck und genießt die tollen Bedingungen auf dem Wasser. Mit fliegenden Tüchern segelt Moya bei moderater Welle von der Seite und 18 Knoten Wind aus Norden, die uns in die richtige Richtung schieben. Anstatt direkt nach Colon abzubiegen, finden wir unseren Weg zwischen den Dicken hindurch, lassen die Tanker und Kontainerschiffe hinter uns liegen und segeln noch ein paar Meilen weiter nach Western zum Rio Chagres. Dort bleiben wir über Nacht, bevor wir Morgen früh das letzte Mal für eine lange Zeit im Atlantik segeln werden.

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14.03.2018 - Christobal, Panama

Panamakanal ohne Agent

Wir hatten unsere Nasen die letzten Tag in die verschiedensten Bücher und Internetseiten gesteckt, um so viel wie möglich über die Durchfahrt durch den Panamakanal aufzusaugen. Nachdem wir detailierte Anleitungen gefunden haben wie so ein small vessel transit vor sich geht, dachten wir: "das können wir selbst organisieren und sparen uns lieber die 350 USD für einen Agenten". Wir füllten also vor 2 Tagen das Formular 4405 "Request for Handline Inspection" aus, schickten es via email an das Admeasurers Office im Hafen von Christobal und fragten telefonisch einen Termin für die Vermessung von Moya an. Im Vermessungsbüro wurde englisch gesprochen, so dass wir ohne Probleme einen Termin für die Vermessung für heute Morgen vereinbaren konnten. Die Vermessung ist der erste Schritt auf dem Weg zur Durchfahrt durch den Kanal und kann nur in Christobal erfolgen, entweder in der Shelter Bay Marina oder in der Flats Anchorage im Industriehafen. Gestern bestätigten wir noch einmal, dass wir heute in den Flats vor Anker liegen würden und segelten dann von Portobello nach Colon.

Schon nachdem wir die große Bucht vor Portobello verließen sahen wir die dicken Kontainerschiffe wie auf einer Schnur aufgereiht. Als wir näher kamen konnten wir sie blad nicht mehr zählen. Die meisten Großen lagen vor oder innerhalb des riesigen Breakwaters vor Anker, der den gigantischen Industriehafen von Christobal vom karibischen Meer abtrennt. Wer in den Hafen hinein will, muss die Christobal Signal Station per VHF kontaktieren und auf Anweisungen warten. Auf Kanal 12 funkten wir mit der hocheffizienten Dame am Funk, die den gesamten Hafen kontrollierte und auch den Dicken detaillierte Angaben machte, wann, wie und wo sie ankern, die Lotsen an Bord nehmen oder in den Hafen fahren sollten. Ausnahmsweise, mussten wir gestern den Giganten Platz machen, obwohl wir unter Segel unterwegs waren, da der Schifffahrtsverkehr des Kanals Vorfahrt hat. Als wir in Christobal ankamen war es bereits dunkel und die Lichter des Hafens waren manchmal kaum von den Lämpchen der Schiffe zu differenzieren. Unser AIS war mal wieder Gold wert, da wir so alle Schiffsbewegungen am Bildschirm verfolgen konnten anstatt Rätsel raten zu spielen, ob das weiße Licht wohl zum Hafen oder einem Schiff gehören könnte. Wir wurden mehrere Male von der Signalfrau eingebremst bevor wir dann in den Flats bei 15 Meter Wassertiefe ankerten. Trotz unserer anfänglichen Skepsis hielt das Eisen, aber schön lag Moya da nicht zwischen den Kränen des Kontainerhafens, einigen Gastanks und der Einfahrt in die Schleusen des Panamakanals.

Heute morgen kam dann mit ein wenig Verspätung ein Pilotboot und setzte den Vermesser bei uns an Bord ab. Mr Lopez war sehr nett, sprach perfektes Englisch und nahm sich viel Zeit mit uns die Formulare auszufüllen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach der Vermessung müssen die Durchfahrtsgebüren bei der Citibank in Christobal bezahlt werden, anschließend kann man dann telefonisch den vorläufigen Transittermin bei der Kanalbehörde erfragen. Da man von den Flats aus mit unserem Dingi keinen Landzugang hat, schickte uns der Vermesser zum Club Nautico, wo wir mit Tilly anlegen können um von dort zur Citibank zu gehen. Er riet uns aber dringend davon ab heute in die Stadt zu gehen, da die Straßen von Polizei, Militär und Aufständischen besiedelt sind, die um politische Verbesserungen ringen und dabei wohl etwas zu emotional geworden sind. Wir wollten nicht zwischen die Fronten geraten und blieben lieber an Bord und hoffen, dass sich die Unruhen morgen gelegt haben.

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