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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Wale

29.09.2018 - Nawono Bay, Vanua Lava, Vanuatu

Essen in Vanuatu & Schwertwale begleiten uns nach Vanua Lava

Wir bleiben nur eine Nacht auf Gaua, gerade so lange, um im Dorf „Hallo“ zu sagen und den Chief um Erlaubnis zu bitten vor seinem Dorf ankern zu dürfen. Die Dorfbewohner begrüßten uns wie überall hier in Vanuatu mit einem breiten Lachen. Wir hatten das Eisen noch nicht im Wasser versenkt, kam schon ein kleiner Ausleger Einbaum zu uns gepaddelt, um uns zu begrüßen, ein bißchen small-talk zu halten und nach Fisch zu fragen. Dass wir nach Fisch gefragt wurden, war neu, bisher wollte man uns Fisch immer verkaufen, deshalb hatten wir die Frage nach Fisch zu Beginn gar nicht richtig verstanden und geantwortet. „Ja, wir hätten gerne Fisch!“ Erst nach einer Weile klärte sich das Missverständnis auf. „Nein, wir haben leider keinen Fisch gefangen, tut uns leid!“ Es ist schon seltsam, dass die Menschen hier, die weitgehend abgeschottet auf so kleinen Inseln leben, nicht die Mittel haben größere Fische zu fangen. Mit den kleinen Einbäumen, kann bei ruhigem Wetter zwar prima mit Netzen gefischt werden, aber sobald die See nur ein wenig wellig ist, kann man sich mit den Einbäumen nicht mehr sicher bewegen und schon gar nicht das schützende Korallenriff verlassen. Große Fische wie Thunfisch, Wahoo oder Mahi beißen erst an, wenn der Köder sich mit einer gewissen Geschwindigkeit durchs Wasser bewegt, so dass die Ni-Vans mit ihren Einbäumen keine Chance auf den dicken Fang haben und das obwohl hier in den Banks Rekorde der größten gefangenen Schwertfische aufgestellt wurden.

Die Inselbewohner, leben weitgehend vom fruchtbaren Land das sie bewirtschaften und fangen die Lobster, die hier vor den Inseln leben. Auf den Inseln gibt es Obst und Gemüse, das ich zuvor noch nirgendwo gesehen habe. Die Kinder lieben Inselhimbeeren (sehen ähnlich aus wie Himbeeren, schmecken aber wie eine Kreuzung aus Him- und Erdbeere), Navarek (eine rote birnenförmige Frucht mit großem Kern in der Mitte), Pomelo, die kleinen süßen Bananen und die lokalen Papaya, obwohl sie die normalerweise nicht essen - aber ich finde, die sind hier besser als überall sonst. Seit wir hier sind experimentiere ich mit den wohlschmeckenden frischen Köstlichkeiten. Inselkraut und Bok Choy machen einen großartigen Salat, können aber auch mit Reis angebraten werden. Manjokpüree schmeckt ein bißchen wie Griesbrei, die rießigen Tarowurzeln ähneln Kartoffeln, Kumara schmecken nach Süßkartoffeln und aus grünen Kochbananen kann man super Reibekuchen machen. Mein persönlicher Favorit sind aber Choko, grüne birnenförmige schrumpelige Früchte von einer parasitären Rankpflanze, die man roh essen kann oder gekocht und wie eine Mischung aus Kohlrabi und Gurke schmecken. Neben diesen für uns Europäer eher ungewöhnlichem Gemüse gibt es hier aber auch Tomaten, Paprika, Kürbis und vereinzelt Gurken und Salat. All das tauschen die Inselbewohner gerne gegen eigentlich Alles, was man anbieten kann. Linette, die Tochter von Chief Robert, brachte uns bei unserem Besuch eine große Tasche buntes Gemüse, nachdem wir Kinderkleidung, Zucker, Reis, Hefte und Stifte dagelassen haben und den tiefen Schnitt ihres Vaters verarztet hatten. Der Chief war gerade dabei gewesen, das kleine „Restaurant“ wieder aufzubauen, als ein Bambusrohr brach und sich tief in seinen Daumen bohrte. Die Kids bekamen Lollis und freuten sich so darüber, dass wenig später zwei, in Masken und langen Graskostümen bekleidete, Gestalten auf uns zu kamen um uns zu erschrecken. Die Jungs hatten einen riesigen Spaß.

Gerne erlaubte uns der Chief in der Bucht zu ankern. Aber als wir auf seine Frage antworteten, wie lange wir bleiben würden, wurde er blas im Gesicht. Wir wollten wegen des Zyklons zügig nach Norden. Dass sich ein Zyklon in der Nähe der Inseln aufhält, hatte selbst der Chief noch nicht gehört und man sah ihm die einsetzende Anspannung richtig an. Vanuatu, liegt im Zentrum des Zyklongürtels und ist eines der Länder im Südpazifik die jährlich die meisten Zyklone überdauern. Trotzdem ist jeder Zyklon eine Katastrophe. Die Hütten aus Bambusrohren, Mangoholz und Palmenblättern halten den Kräften der Natur oft nicht stand und fallen ein, trotz Zyklonvorbereitung mit Sandsäcken und Extraschichten frischer Palmenblättern. Nach Pam 2015 stand kein Haus mehr. Auch am nächsten Morgen, als wir uns verabschiedeten, um weiter nach Vanua Lava zu segeln um den angesagten Ausläuferwinden zu entfliehen, war Roberts erste Frage nach neuen Zykloninformationen. Gut, dass wir ihn beruhigen konnten, weil Liua schon beim Abdrehen war.

Der Segeltag gestern war wunderbar. Weit genug entfernt von Liua, segelten wir mit 15 Knoten Wind Richtung Norden und sahen das erste Mal seit langem die Sonnen zwischen den Wolken hervorlugen. Es war zwar etwas holprig, aber das störte nicht weiter und wurde mit jedem Meter in Richtung Norden besser. Christian und ich grübelten gerade im Cockpit, wie wir nun unsere Reise am besten fortsetzten sollten, als ich fast von der Bank kippte. Im Augenwinkel hatte ich eine schwarze Rückenflosse direkt neben Moya gesehen - zu groß für einen Delfin. Ich sprang auf um besser sehen zu können und befürchtete einen großen Buckelwal unter uns zu entdecken. So nah wollte ich einen solchen Riesen dann noch lieber nicht sehen. Es war aber kein Buckelwal, sondern eine ganze Schule kleiner Schwertwale, die Verwandten der Orcas. Bestimmt 20 bis 30 Tiere schwammen um Moya herum, ließen sich immer wieder abfallen, um Schwung zu nehmen, am Schiff entlang zu schwimmen, um dann mit unseren Bug regelrecht zu kuscheln. Fast immer befanden sich 5 bis 6 Tiere direkt unter dem Bugspriet, prusten Wasser aus dem Luftloch, sprangen über die Wellen und tauchten wieder ab. Die Wale waren ganz schwarz und von unterschiedlicher Größe bis zu vielleicht 6 Meter lang. Sie hatten einen riesigen Spaß mit Moya und spielten mindestens 30 Minuten mit ihr. Joshua und Jonathan, die mittlerweile auch mit Schwimmwesten angeleint im Cockpit saßen, waren ganz aus dem Häuschen, zeigten und riefen, wenn sie wieder einen der Wale springen sahen. Am faszinierenden fand ich persönlich aber den Walgesang, eine Mischung aus pfeifen und piepsen, die man selbst außerhalb des Wassers gut hören konnte. Ich stand vorne am Bug und war den Walen zum Greifen nahe, nur 1 bis 2 Meter direkt unter mir schwammen sie. Kleine Schwertwale sind fast weltweit verbreitet, man weiß aber nur wenig über sie, da sie nur äußerst selten gesichtet werden - das war schon was ganz Besonderes.

Inzwischen stehen wir sicher vor Anker in der Nawono Bucht in Vanua Lava, Liuas Stärke nimmt weiter ab, sie befindet sich momentan 400 Meilen westlich von uns und soll sich in den nächsten Stunden auflösen. Trotzdem bläst es hier jetzt ganz ordentlich mit 25 Knoten, aber das Eisen hält bombig und die Bucht ist gut geschützt gegen den Schwell aus Südosten. Weiter südlich sind die Winde noch unangenehmer, dort wehen bis zu 40 Knoten, wir sind froh Richtung Norden gefahren zu sein.

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17.08.2018 - Pazifik 17°11S; 173°54W

Wale und eins auf die Nase vor Niuatoputapu

Niuatoputapu ist toll, vor allem die Menschen, trotzdem zieht es uns weiter, es gibt ja noch soooo viel zu entdecken. Am Vortag hat sich schon die La Pecadora auf die Reise gemacht, mit göttlichem Beistand. Der Priester von Niuatoputapu durfte mitfahren, da es momentan kein anderes Entkommen von der Insel gibt, als mit einem Segelboot, werden wir Cruiser zu Minifähren. Auch auf der Enjoy, die mit uns zusammen startete, fahren zwei einheimische Gäste mit nach Vava-U. Wir hätten sofort auch jemanden mitgenommen, sind inzwischen aber ganz froh nicht gefragt worden zu sein.

Der Capitano der Mango hatte nämlich einen guten Wetterriecher und stand der Vorhersage skeptisch gegenüber. 15 Knoten aus Südost bis Ost waren angesagt, aber die South Pacific Convergence Zone lag immer noch sehr nahe bei der Insel. Das war Nick zu risky, so dass die Mangocrew weiterhin vor Anker auf besseres Wetter wartet, während wir tatsächlich ordentlich eins auf die Nase kriegen.

Gestern vor dem Ablegen sah alles gut aus, die Sonne zeigte sich zum ersten Mal seit Tagen, eine mäßige Brise aus Südost wehte. Wir gingen Anker auf, tuckerten durch den Pass und wurden dort von einigen Buckelwalen begrüßt. Im Winter auf der Südhalbkugel schwimmen die Riesen zusammen mit ihren Kälbern in wärmere Gefilde und können so auf diesen Breiten beobachtet werden. In Tonga, als einzigem Land der Welt, werden sogar Touren angeboten, um mit den zahmen Giganten zu schwimmen. Als Privatboot ist es allerdings verboten sich den Walen zu nähern. Unser Wal und sein Kalb nahmen darauf keine Rücksicht, erst sprühte 50 Meter vor Moya eine Wasserfontäne in die Luft, dann tauchten die beiden an die Wasseroberfläche und wedelten zum Abschied mit ihrer Schwanzflosse. Wow, sind die gross, wir waren beeindruckt und die Kinder total aus dem Häuschen. Am Horizont sahen wir noch eine ganze Herde, wir wollten aber nicht stören und drehten ab Richtung Süden.

So hart wie es ging segelten wir am Wind, trotzdem schafften wir es nicht direkt den Südkurs zu halten. Wind und Welle kamen gegen uns, wir segelten 20 Grad off course. Schon nach einer Stunde verdunkelte sich der Himmel und ringsum zogen schwarze Wolken auf. Wohin wir auch blickten war es düster. Wenig später fing es an zu regnen, der Himmel weinte und hörte auch nicht so schnell wieder aus. Der Wind frischte auf und drehte weiter nach Süd, mit 30 Knoten fegte er die Wellen übers Meer, direkt von dort wo wir hin wollten. Irgendwie scheint wohl die Passage nach Vava-U unter keinem guten Stern zu stehen, die hatten wir ja vor zwei Wochen schon einmal abgebrochen. Dieses Mal entschieden wir, den Elementen zu trotzen, refften die Segel und wendeten um gegen den Wind zu kreuzen. Moya machte Lage, der Wind zog sie langsam nach Osten. An Bord wurden sämtliche Aktivitäten eingestellt, selbst die Kinder hatten ganz grüne Nasenspitzen. Statt Abendessen gab es Müsli, zu groß war das Risiko sich bei dem Gewackel beim Kochen zu verbrennen, dann fielen wir sehr früh in die Kojen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass wir in ein tiefes Loch fallen, wenn Moya über eine Welle fegte und dahinter im freien Fall ins Wellental plumpste. Der Aufprall war jedes Mal sanfter als gedacht, statt einen Fausthieb auf die Nase, klatschte das Wasser nur auf den Bug und spritze zu beiden Seiten weg. Trotzdem sammelten wir Wasser auf dem Vordeck, das dann gurgelnd über die Lenzrohre abfloss. Zum überhaupt aller ersten Mal entluden sich ein paar Wellen bei uns auch im Cockpit. Das Seeventil vorne im Bad hatte ich zu gemacht, aber wohl nicht ganz, so drückte das Wasser zum Waschbecken herein, schwappte auf den Boden bis es über die Türschwelle in die Küche lief. So ein Salat! Wir putzten also das nächtliche Schiff. Nach einer leichten Winddrehung wendeten wir Moya und versuchen nun Vava-U anzuhalten - weiterhin hart am Wind. Entspanntes Segeln ist anders, aber wenigstens ist das Ziel nicht mehr weit. Wir werden wohl morgen ankommen.

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