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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

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29.09.2018 - Nawono Bay, Vanua Lava, Vanuatu

Essen in Vanuatu & Schwertwale begleiten uns nach Vanua Lava

Wir bleiben nur eine Nacht auf Gaua, gerade so lange, um im Dorf „Hallo“ zu sagen und den Chief um Erlaubnis zu bitten vor seinem Dorf ankern zu dürfen. Die Dorfbewohner begrüßten uns wie überall hier in Vanuatu mit einem breiten Lachen. Wir hatten das Eisen noch nicht im Wasser versenkt, kam schon ein kleiner Ausleger Einbaum zu uns gepaddelt, um uns zu begrüßen, ein bißchen small-talk zu halten und nach Fisch zu fragen. Dass wir nach Fisch gefragt wurden, war neu, bisher wollte man uns Fisch immer verkaufen, deshalb hatten wir die Frage nach Fisch zu Beginn gar nicht richtig verstanden und geantwortet. „Ja, wir hätten gerne Fisch!“ Erst nach einer Weile klärte sich das Missverständnis auf. „Nein, wir haben leider keinen Fisch gefangen, tut uns leid!“ Es ist schon seltsam, dass die Menschen hier, die weitgehend abgeschottet auf so kleinen Inseln leben, nicht die Mittel haben größere Fische zu fangen. Mit den kleinen Einbäumen, kann bei ruhigem Wetter zwar prima mit Netzen gefischt werden, aber sobald die See nur ein wenig wellig ist, kann man sich mit den Einbäumen nicht mehr sicher bewegen und schon gar nicht das schützende Korallenriff verlassen. Große Fische wie Thunfisch, Wahoo oder Mahi beißen erst an, wenn der Köder sich mit einer gewissen Geschwindigkeit durchs Wasser bewegt, so dass die Ni-Vans mit ihren Einbäumen keine Chance auf den dicken Fang haben und das obwohl hier in den Banks Rekorde der größten gefangenen Schwertfische aufgestellt wurden.

Die Inselbewohner, leben weitgehend vom fruchtbaren Land das sie bewirtschaften und fangen die Lobster, die hier vor den Inseln leben. Auf den Inseln gibt es Obst und Gemüse, das ich zuvor noch nirgendwo gesehen habe. Die Kinder lieben Inselhimbeeren (sehen ähnlich aus wie Himbeeren, schmecken aber wie eine Kreuzung aus Him- und Erdbeere), Navarek (eine rote birnenförmige Frucht mit großem Kern in der Mitte), Pomelo, die kleinen süßen Bananen und die lokalen Papaya, obwohl sie die normalerweise nicht essen - aber ich finde, die sind hier besser als überall sonst. Seit wir hier sind experimentiere ich mit den wohlschmeckenden frischen Köstlichkeiten. Inselkraut und Bok Choy machen einen großartigen Salat, können aber auch mit Reis angebraten werden. Manjokpüree schmeckt ein bißchen wie Griesbrei, die rießigen Tarowurzeln ähneln Kartoffeln, Kumara schmecken nach Süßkartoffeln und aus grünen Kochbananen kann man super Reibekuchen machen. Mein persönlicher Favorit sind aber Choko, grüne birnenförmige schrumpelige Früchte von einer parasitären Rankpflanze, die man roh essen kann oder gekocht und wie eine Mischung aus Kohlrabi und Gurke schmecken. Neben diesen für uns Europäer eher ungewöhnlichem Gemüse gibt es hier aber auch Tomaten, Paprika, Kürbis und vereinzelt Gurken und Salat. All das tauschen die Inselbewohner gerne gegen eigentlich Alles, was man anbieten kann. Linette, die Tochter von Chief Robert, brachte uns bei unserem Besuch eine große Tasche buntes Gemüse, nachdem wir Kinderkleidung, Zucker, Reis, Hefte und Stifte dagelassen haben und den tiefen Schnitt ihres Vaters verarztet hatten. Der Chief war gerade dabei gewesen, das kleine „Restaurant“ wieder aufzubauen, als ein Bambusrohr brach und sich tief in seinen Daumen bohrte. Die Kids bekamen Lollis und freuten sich so darüber, dass wenig später zwei, in Masken und langen Graskostümen bekleidete, Gestalten auf uns zu kamen um uns zu erschrecken. Die Jungs hatten einen riesigen Spaß.

Gerne erlaubte uns der Chief in der Bucht zu ankern. Aber als wir auf seine Frage antworteten, wie lange wir bleiben würden, wurde er blas im Gesicht. Wir wollten wegen des Zyklons zügig nach Norden. Dass sich ein Zyklon in der Nähe der Inseln aufhält, hatte selbst der Chief noch nicht gehört und man sah ihm die einsetzende Anspannung richtig an. Vanuatu, liegt im Zentrum des Zyklongürtels und ist eines der Länder im Südpazifik die jährlich die meisten Zyklone überdauern. Trotzdem ist jeder Zyklon eine Katastrophe. Die Hütten aus Bambusrohren, Mangoholz und Palmenblättern halten den Kräften der Natur oft nicht stand und fallen ein, trotz Zyklonvorbereitung mit Sandsäcken und Extraschichten frischer Palmenblättern. Nach Pam 2015 stand kein Haus mehr. Auch am nächsten Morgen, als wir uns verabschiedeten, um weiter nach Vanua Lava zu segeln um den angesagten Ausläuferwinden zu entfliehen, war Roberts erste Frage nach neuen Zykloninformationen. Gut, dass wir ihn beruhigen konnten, weil Liua schon beim Abdrehen war.

Der Segeltag gestern war wunderbar. Weit genug entfernt von Liua, segelten wir mit 15 Knoten Wind Richtung Norden und sahen das erste Mal seit langem die Sonnen zwischen den Wolken hervorlugen. Es war zwar etwas holprig, aber das störte nicht weiter und wurde mit jedem Meter in Richtung Norden besser. Christian und ich grübelten gerade im Cockpit, wie wir nun unsere Reise am besten fortsetzten sollten, als ich fast von der Bank kippte. Im Augenwinkel hatte ich eine schwarze Rückenflosse direkt neben Moya gesehen - zu groß für einen Delfin. Ich sprang auf um besser sehen zu können und befürchtete einen großen Buckelwal unter uns zu entdecken. So nah wollte ich einen solchen Riesen dann noch lieber nicht sehen. Es war aber kein Buckelwal, sondern eine ganze Schule kleiner Schwertwale, die Verwandten der Orcas. Bestimmt 20 bis 30 Tiere schwammen um Moya herum, ließen sich immer wieder abfallen, um Schwung zu nehmen, am Schiff entlang zu schwimmen, um dann mit unseren Bug regelrecht zu kuscheln. Fast immer befanden sich 5 bis 6 Tiere direkt unter dem Bugspriet, prusten Wasser aus dem Luftloch, sprangen über die Wellen und tauchten wieder ab. Die Wale waren ganz schwarz und von unterschiedlicher Größe bis zu vielleicht 6 Meter lang. Sie hatten einen riesigen Spaß mit Moya und spielten mindestens 30 Minuten mit ihr. Joshua und Jonathan, die mittlerweile auch mit Schwimmwesten angeleint im Cockpit saßen, waren ganz aus dem Häuschen, zeigten und riefen, wenn sie wieder einen der Wale springen sahen. Am faszinierenden fand ich persönlich aber den Walgesang, eine Mischung aus pfeifen und piepsen, die man selbst außerhalb des Wassers gut hören konnte. Ich stand vorne am Bug und war den Walen zum Greifen nahe, nur 1 bis 2 Meter direkt unter mir schwammen sie. Kleine Schwertwale sind fast weltweit verbreitet, man weiß aber nur wenig über sie, da sie nur äußerst selten gesichtet werden - das war schon was ganz Besonderes.

Inzwischen stehen wir sicher vor Anker in der Nawono Bucht in Vanua Lava, Liuas Stärke nimmt weiter ab, sie befindet sich momentan 400 Meilen westlich von uns und soll sich in den nächsten Stunden auflösen. Trotzdem bläst es hier jetzt ganz ordentlich mit 25 Knoten, aber das Eisen hält bombig und die Bucht ist gut geschützt gegen den Schwell aus Südosten. Weiter südlich sind die Winde noch unangenehmer, dort wehen bis zu 40 Knoten, wir sind froh Richtung Norden gefahren zu sein.

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28.09.2018 - Lesalav Bay, Gaua, Vanuatu

Zyklonwache im Südpazifik im September

Seit ein paar Tagen schon beobachten wir das Sturmtief über den Salomonen. Es ist langsam entlang der Inselgruppe nach Süden gezogen und sah mit jeder Wettervorhersage bedrohlicher aus. So bedrohlich, dass es von dem Joint Typoon Warning Center (JTWC) als 91P Invest unter Beobachtung gestellt wurde. Das Warning Center sammelt Daten über Taifune, Zyklone und Stürme die sich potentiell in solche entwickeln können, informiert und erstellt Vorhersagen über die Zugbahn der Windsysteme.

Einen ausgewachsenen Zyklon im September gab es hier zwar noch nie seit Wetter aufgezeichnet wird, wir waren aber dennoch etwas beunruhigt, da wir in Vanuatu nur 400 Meilen entfernt sind und quasi im Vorgarten des Sturms herum segeln. Auch wir fingen an das System so eng zu beobachten wie wir konnten. Das hieß auch, dass wir erst einmal heraus finden mussten, wo wir verlässliche Vorhersagemodelle am besten bekommen können und diese notfalls auch ohne Internet abrufen können. Die Erde ist in verschiedene Teile aufgeteilt, für welche verschiedenen Institutionen für die Zyklonvorhersage zuständig sind. Die amerikanische NOOA übernimmt das größte Gebiet und ist für den Atlantik, den Zentral- und Ostpazifik zuständig. Die Australier übernehmen die Küsten rund um den Kontinent, Fiji Gewässer rund um die Inselgruppe. Für den Bereich der Salomonen ist das JTWC zuständig. Über ihre Internetseite (www.metoc.navy.mil.com) kann eine Übersichtskarte der aktuellen Stürme, sowie weitere Informationen zu jedem System heruntergeladen werden. Einen guten Überblick über die weltweite Hurrikan- und Zyklon-Situation findet man auch auf der Seite www.cyclocane.com, allerdings mit weniger Informationen. Vor allem die Vorhersage der Zugbahn und ihre Verlässlichkeit war für uns entscheidend, um Notfallpläne zu erstellen, deshalb wollten wir die vorhergesagte Bahn von 91P besser verstehen. Über die Seite www.tropicaltidbids.com konnten wir uns die graphische Darstellung der berechneten Zugbahnen unterschiedlichster Rechenmodelle detailliert anschauen und konnten so etwas besser einschätzen, ob wir uns im Gefahrenbereich des Sturms befinden. Über SMS bekommen wir Informationen über Ort und Zugbahn von Liua. Auch außerhalb des Internetbereichs können wir über Kurzwellenfunk, die aktuellen Informationen des Sturms beziehen und bleiben auch über das Pacific seafarer net (14.300 kHz, 0300 UTC) auf aktuellen Stand. Von zu hause schickt uns Flo noch regelmäßig Positionsemails, um alle Eventualitäten abzudecken (Danke, Flo!).

91P Invest wurde dann gestern Morgen unserer Zeit zum ersten Zyklon der Session und überhaupt ersten Zyklon im Südwestpazifik so früh im Jahr heraufgestuft. Noch niemals zuvor gab es hier einen Zyklon in September. Liua hält somit bereits den Rekord: erster Zyklon im Südpazifik. Der Kategorie 1 Zyklon entwickelte sich somit außerhalb der Zyklonsession die normalerweise am 1. November startet. Bis zum ersten Zyklon wollten wir eigentlich den Zyklongürtel verlassen haben und sind jetzt notgedrungen dabei Notfallpläne zu schmieden. Wir befinden uns ausserhalb der vorhergesagten Zugbahn von Liua, die nun nach aller Wahrscheinlichkeit nach Südwesten abdrehen wird. Die gestrige Vorhersage der Zugbahn ist bisher exakt eingetroffen, so dass wir zuversichtlich sind, dass Liua bis morgen früh an uns vorbei gezogen ist. Momentan befindet sich der Sturm ca. 200 Meilen nordwestlich von uns und über uns drückt die subtropische Rinne den Sturm weiter nach Westen.

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28.09.2018:
Kommentar from Martin
guten morgen aus dem nachts sehr kalten Deutschland......der Zyklon soll auch nach unseren Informationen nach Südwesten abziehen........wünsche euch viel Glück....das wäre schon eine Katastrophe wenn er zu euch ziehen würde...... lg Martin (Schwiegervater von Sarah)
28.09.2018:
Kommentar from Maxi
Oh je, ich drücke Euch die Daumen! Einen Zyklon über Eurem Kopf will ich mir nicht vorstellen...
28.09.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Kleines Update von Liua: Die Schreckenslady hat inzwischen deutlich nach Westen abgedreht und ist wegen der relativ kalten Wassertemperaturen hier schon dabei sich aufzulösen, laut Vorhersage innerhalb der nächsten 12 Stunden. Puhh! Fast schon Entwarnung, wir werden aber weiter beobachten. Danke fürs Daumen drücken, scheint geholfen zu haben.
08.09.2018 - 19°13’S; 172°40’O; Pazifik

Das Ding is durch

Interessant, wenn auch nicht gerade angenehm, war es durch die Scherung zu segeln - und nein es blieb nicht bei drehenden Winden. Zunächst waren wir unter wolkenverhangenem Himmel unterwegs, der Wind wehte von Osten und drehte dann ziemlich plötzlich nach Norden. Mit der Winddrehung verzogen sich die Wolken, als ob das Wolkenband abgeschnitten wurde, wir genossen angenehm warme Temperaturen. Der Wind wurde immer weniger und starb letztendlich als wir beim Abendessen saßen. Wir tuckerten also in die Nacht hinein und warteten darauf, dass der Wind von Westen wieder einsetzen würde, bevor er nach Süd drehen und wir wieder segeln können würden. Stattdessen setzten wir schon am Abend wieder die Segel, um den auffrischenden Nordwind einzufangen. Nach 10 Minuten war die Flaute wieder da und keine fünf Minuten später traf uns die 30 Knoten starke Windfront aus Süden. Zum Glück war das Grosssegel gerefft und das Vorsegel eingeholt, sonst wäre das abenteuerlich geworden. Innerhalb von 15 Minuten hatte der Wind um 180° gedreht, es regnete und war A...kalt. Von nun an wehte es mit 25 bis 30 Knoten, Moya macht Lage und schob sich durch die Wellen. Erst langsam, wir hatten schon seit Tagen mit dieser Gegenströmung zu tun, die uns einfach 2 Knoten Fahrt über Grund klaute, dann immer schneller bis wir mit 7-8 Knoten voran kamen. Zwar in Schlangenlinien und mit Rollen, aber es ging vorwärts. Es blieb gestern den ganzen Tag kalt und ungemütlich, erst heute Morgen lugte die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und der Wind ließ etwas nach. Trotzdem fliegen wir immer noch mit über 6 Knoten Richtung Vanuatu - nur noch 200 Meilen, dann ist unsere dritt längste Passage geschafft.

Und das auch noch mit vollen Akkus, der Windpropeller hat sich ordentlich gedreht, so dass wir sogar Saft zum Wassermachen unterwegs übrig hatten. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Capitano unser Stromleck entdeckt hat, durch das wir seit einiger Zeit durchgehend ca. 2-5 Ampere verloren haben. Seit Wochen waren wir strommässig immer am Limit und mussten sogar einige Male den Kühlschrank ausschalten, Wasser sparen (da wir zum Wassermachen Strom brauchen) und Henry um Strom bitten, was normalerweise absolute Ausnahme ist. Ein Stromkabel zur Lichtmaschine war aufgerieben, dadurch wurde unser Ladegerät so kurzgeschlossen, dass es konstant dachte, dass die Lichtmaschine läuft ohne Strom zu produzieren und den Erregerstrom erhöhte. Nachdem klar war, dass ein Stromleck da sein muss, war dieses schnell gefunden und gefixt. Seitdem passt unser Energie- und somit auch Wasserhaushalt wieder.

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06.09.2018 - 19°30S; 177°28O; Pazifik

Zurück im Osten

Unser GPS zeigt seit gestern Morgen um 5:15 Uhr statt westlicher wieder östliche Länge an. Wir mussten uns erstmal dran gewöhnen, dass die Werte jetzt rückwärts tickern. Mit jedem Meter sind wir jetzt, oder eigentlich schon seit einiger Zeit, Stuttgart liegt ja auf ca. 9°O, wieder näher zu Hause.

Fiji haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Die ersten drei Tage haben wir mit sehr leichten Winden gekämpft und waren kurz davor, Moya für ein paar Tage illegal auf einer der Lauinseln zu parken bis der Wind wieder einsetzen würde, da es allzu zäh voran ging. An Tagen, an welchen das GPS genau wie Moya sich langsam wie eine Schnecke durch den Salat schlägt, ist die Stimmung an Bord oft nicht so toll, vor allem, wenn wir gerade erst auf Passage gestartet sind. Die Kinder haben ihre Energiereserven noch nicht im Griff, ich bin schlecht gelaunt, weil wir rumstehen, mir aber trotzdem schlecht ist und Christian ist genervt von uns allen - kein Wunder. Ab Tag drei ging es dann aufwärts, meine Energie kam langsam zurück, der Wind dann am Abend auch - gemächlich.

Morgens zauberte ich einen Kindergarten- und einen Vorschulblock hervor, die ich die ganze Zeit noch in meiner Wunderkiste aus Deutschland versteckt hatte. Die Jungs waren kaum zu stoppen, sie malten, verbanden Punkte und zeichneten Buchstaben nach, selbst das Frühstück war Ihnen lästig „Mama, wir wollen weiter machen“ kam es aus beiden Mündern. Konnten sie ja auch, nach dem Frühstück. Dann spielten wir zusammen unser neues Spiel, das wir vor Kurzem geschenkt bekommen hatten, vertrieben die kleinen Spukgespenster aus dem Haus und sammelten die Schätze ein. Nach dem Mittagessen starteten wir dann ein Meeresprojekt, malten alle Meerestiere die uns einfielen und beantworteten die Fragen der Kinder rund um unsere Ozeane. Danke unserer Offline-Wikipedia fanden wir sogar heraus wieviel Wasser sich in unseren Ozeanen befindet und wieviel Salz. Heute kommen dann die Krokodile dran, das Projekt für Joni.

Zumindest dann, wenn wir die Stifte auf dem Tisch halten können. Denn aus dem Lüftchen ist inzwischen eine steife Brise geworden, so viel, dass Christian heute nacht während seiner Freiwache aus dem Bett klettern musste, um unser Großsegel zu reffen. Zu dem Zeitpunkt schoß Moya mit 7-8 Knoten durchs Wasser, und der Winddruck war so groß, dass Windy die Steuerung nicht mehr richtig im Griff hatte. Ich hatte wohl ein bißchen lange gewartet bis ich ihn geweckt habe, aber wenn es nicht sein muss möchte ich gerne vermeiden den Capitano um seinen wohl verdienten Schlaf zu bringen. Mit dem Reffen der Segel ließ der Wind dann auch ein bißchen nach, um heute Morgen wieder aufzufrischen. Auch jetzt flitzt Moya Richtung Westen, wo laut Wettervorhersage eine Windscherung auf uns wartet. Hier in dem Teil des Pazifiks ist es nämlich fast unmöglich länger als eine Woche konstant gutes Wetter zu haben, da immer wieder die Ausläufer der südlichen Tiefs auf die andersrum wehenden Hochs treffen und viel Regen mit sich bringen. Noch ist der Himmel blau und die Sonne scheint, vielleicht haben wir ja Glück und es bleibt dieses Mal nur bei drehenden Winden.

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07.09.2018:
Kommentar from Robert
Info vom 9°O. Zuschlag am 4.9.2018 erteilt. Herzliche Grüße von allen Robert, Achim, Chris
11.09.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Gratulation Robert et al - Christian ist schon ganz gespannt was es geworden ist.
17.08.2018 - Pazifik 17°11S; 173°54W

Wale und eins auf die Nase vor Niuatoputapu

Niuatoputapu ist toll, vor allem die Menschen, trotzdem zieht es uns weiter, es gibt ja noch soooo viel zu entdecken. Am Vortag hat sich schon die La Pecadora auf die Reise gemacht, mit göttlichem Beistand. Der Priester von Niuatoputapu durfte mitfahren, da es momentan kein anderes Entkommen von der Insel gibt, als mit einem Segelboot, werden wir Cruiser zu Minifähren. Auch auf der Enjoy, die mit uns zusammen startete, fahren zwei einheimische Gäste mit nach Vava-U. Wir hätten sofort auch jemanden mitgenommen, sind inzwischen aber ganz froh nicht gefragt worden zu sein.

Der Capitano der Mango hatte nämlich einen guten Wetterriecher und stand der Vorhersage skeptisch gegenüber. 15 Knoten aus Südost bis Ost waren angesagt, aber die South Pacific Convergence Zone lag immer noch sehr nahe bei der Insel. Das war Nick zu risky, so dass die Mangocrew weiterhin vor Anker auf besseres Wetter wartet, während wir tatsächlich ordentlich eins auf die Nase kriegen.

Gestern vor dem Ablegen sah alles gut aus, die Sonne zeigte sich zum ersten Mal seit Tagen, eine mäßige Brise aus Südost wehte. Wir gingen Anker auf, tuckerten durch den Pass und wurden dort von einigen Buckelwalen begrüßt. Im Winter auf der Südhalbkugel schwimmen die Riesen zusammen mit ihren Kälbern in wärmere Gefilde und können so auf diesen Breiten beobachtet werden. In Tonga, als einzigem Land der Welt, werden sogar Touren angeboten, um mit den zahmen Giganten zu schwimmen. Als Privatboot ist es allerdings verboten sich den Walen zu nähern. Unser Wal und sein Kalb nahmen darauf keine Rücksicht, erst sprühte 50 Meter vor Moya eine Wasserfontäne in die Luft, dann tauchten die beiden an die Wasseroberfläche und wedelten zum Abschied mit ihrer Schwanzflosse. Wow, sind die gross, wir waren beeindruckt und die Kinder total aus dem Häuschen. Am Horizont sahen wir noch eine ganze Herde, wir wollten aber nicht stören und drehten ab Richtung Süden.

So hart wie es ging segelten wir am Wind, trotzdem schafften wir es nicht direkt den Südkurs zu halten. Wind und Welle kamen gegen uns, wir segelten 20 Grad off course. Schon nach einer Stunde verdunkelte sich der Himmel und ringsum zogen schwarze Wolken auf. Wohin wir auch blickten war es düster. Wenig später fing es an zu regnen, der Himmel weinte und hörte auch nicht so schnell wieder aus. Der Wind frischte auf und drehte weiter nach Süd, mit 30 Knoten fegte er die Wellen übers Meer, direkt von dort wo wir hin wollten. Irgendwie scheint wohl die Passage nach Vava-U unter keinem guten Stern zu stehen, die hatten wir ja vor zwei Wochen schon einmal abgebrochen. Dieses Mal entschieden wir, den Elementen zu trotzen, refften die Segel und wendeten um gegen den Wind zu kreuzen. Moya machte Lage, der Wind zog sie langsam nach Osten. An Bord wurden sämtliche Aktivitäten eingestellt, selbst die Kinder hatten ganz grüne Nasenspitzen. Statt Abendessen gab es Müsli, zu groß war das Risiko sich bei dem Gewackel beim Kochen zu verbrennen, dann fielen wir sehr früh in die Kojen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass wir in ein tiefes Loch fallen, wenn Moya über eine Welle fegte und dahinter im freien Fall ins Wellental plumpste. Der Aufprall war jedes Mal sanfter als gedacht, statt einen Fausthieb auf die Nase, klatschte das Wasser nur auf den Bug und spritze zu beiden Seiten weg. Trotzdem sammelten wir Wasser auf dem Vordeck, das dann gurgelnd über die Lenzrohre abfloss. Zum überhaupt aller ersten Mal entluden sich ein paar Wellen bei uns auch im Cockpit. Das Seeventil vorne im Bad hatte ich zu gemacht, aber wohl nicht ganz, so drückte das Wasser zum Waschbecken herein, schwappte auf den Boden bis es über die Türschwelle in die Küche lief. So ein Salat! Wir putzten also das nächtliche Schiff. Nach einer leichten Winddrehung wendeten wir Moya und versuchen nun Vava-U anzuhalten - weiterhin hart am Wind. Entspanntes Segeln ist anders, aber wenigstens ist das Ziel nicht mehr weit. Wir werden wohl morgen ankommen.

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14.08.2018 - Niuatoputapu, Tonga

Flexibles Reisen von Niuatoputapu

Tonga legt Wert darauf, dass man das Königreich erst betritt, wenn man offiziell von den Behörden bevollmächtigt ist ins Land ein zu reisen. Wir verbrachten deshalb den Sonntag lieber mal an Bord um nicht gleich einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Am Montag Morgen ging dann das Wettrennen los - wer hat zuerst gefrühstückt und schafft es an Land, um bei den Offiziellen vorbei zu schauen? Wie immer war die Mango morgens vor uns dran. Wir wollten gerade nach den Frühstück ins Dingi steigen, als die Funke ging „bitte an Bord bleiben, die Behörden kommen um 14 Uhr auf die Boote um uns Einzuklarieren“ - die Mango Crew hatte bereits alles organisiert. Ich hatte gehofft, dass wir hier vor Anker keinen Besuch bekommen und kam etwas ins Rudern: Ist das Boot sauber genug? Sind unsere Medikamente vorzeigbar? Haben wir nicht doch zu viel alkoholische Getränke an Bord? Werden die Offiziellen unsere frischen Lebensmitteln konfiszieren? Hier im Südwestpazifik sollen die Behörden streng sein, um nicht ungewollt Krankheiten, Tiere oder Pflanzen einschleppen zu lassen, sollen sie auch mal über das Ziel hinaus schießen uns sogar das Müsli in Quarantäne nehmen.

Da kam die Einladung von der La Pecadora gerade recht, Joshi, der schon seit Tagen danach fragte, die Yacht zu zeigen. Die Männer gingen also Schiffchen gucken während ich Moya aufhübschte und unsere Bestände durchging. 4.5 Liter Wein oder Bier darf man als Erwachsener mit ins Land bringen; Medikamente nur mit Rezeptnachweis. Natürlich haben wir die nicht dabei, Früchte dafür noch einige aus Samoa. Und Alkoholika? - naja wenn man aus dem „oder“ ein „und“ macht passt das zumindest. Mmh - wird schon schief gehen, machen können wir jetzt ohnehin nichts mehr, dachte ich. Später kam eine in schwarz gekleidete Dame an Bord - sie sei Zoll und Immigration - und der Gesundheits- und Quarantäne-Mann im schwarzen Lavalava. Wir füllten die Zettel aus, bekamen den Hinweis unser Obst nicht an Land zu bringen, unsere Gebühren zu zahlen bevor wir fahren und dann war's das schon. Die ganze Aufregung war mal wieder umsonst - gut so!

Wir Yachties gingen am Nachmittag also ein bißchen spazieren und sahen den Gesundheitsmann gleich drei Mal out of office mit seinem Pickup Früchte aus dem Dschungel holen. Die Bootkinder wurden von den local kids umstürmt und bewundert und direkt auf unserer kleinen Tour begleitet. Wir waren für die ca. 15 Minis die Abwechslung des Tages, genauso wie für die Moskitos, die uns trotz DEET und langen Hosen bei lebendigen Leib fast auffrasen. Sogar am Strand schleppte jeder von uns europäischen Leckerbissen eine kleine schwarze Wolke hinter sich her. Ein Glück, dass sie es nicht bis zu den Booten schafften. Neben den Plagegeistern, rannten im Dorf noch unzählige Schweine und Ferkel umher, einige Pferde gab es auch. Wir trafen zwei junge Ladies von der Hauptstadt, die inzwischen schon seit drei Wochen auf Niuatoputapu festsaßen, da die Fluggesellschaft immer wieder die Rückflüge strich, jetzt warten sie auf das Vorsorgungsschiff nächste Woche. Schon im Lonely Planet steht, wer Niuatoputapu besuchen will muss flexibel sein. Das trifft sogar für uns zu, abgelegt wird, wenn der Wind passt. Und der lässt momentan auf sich warten, da die südpazifische Konvergenzzone direkt über uns liegt und neben dem trüben Himmel nur Squalls vorbei schickt.

Heute ging es dann mit 8 Mann zu Fuß und per Anhalter über die Insel. Überraschend viele Autos fahren hier auf dem drei Kilometer langen Eiland herum, aber alle sind unheimlich freundlich und nehmen uns selbst als 2 Familien bereitwillig mit. Viele sehen wir heute schon zum zweiten Mal und werden sogar von der Zolldame wie alte Bekannte behandelt, als sie uns mit dem Auto zurück zum Anleger bringt. Am süßesten fand ich aber Tiu, die uns heute eine Sim Karte verkaufte und uns direkt später anrief - unsere Nummer hatte sie ja - um sich mit uns zu verabreden damit die Kinder miteinander spielen können. Neben ihrer Tochter brachte sie zwei Stauden Bananen, Limetten und Papayas aus ihren Garten mit.

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15.08.2018:
Kommentar from Lars
weiterhin ganz viel Spaß an die Entdecker 4!! Es macht super Spaß Eure Abenteuer zu verfolgen. Geniesst die Zeit
12.08.2018 - Niuatoputapu, Tonga

Wir hüpfen nach Tonga

Nach 8 Tagen ohne Wind oder Wind aus südlichen Richtungen war es endlich soweit, die Wettervorhersage sagte 30 Stunden guten Segelwind aus Osten vorher. Nicht genug um nach Vava-U zu kommen, wo wir ja schon vor knapp zwei Wochen hin wollten, aber genug um Niuatoputapu oder wie die Segeler sagen „NewPotatoe“ zu erreichen. Die Captains von der La Pecadora, Mango und Moya klarierten also gesammelt aus Samoa aus, erst in die Stadt zur Immigration, dann zum Zoll. Das dauerte alles, ging aber ansonsten problemlos. Am Nachmittag schafften wir es dann noch Trevor von der Marina zu catchen, um unsere Schulden zu tilgen - gerade Mal 60€ kosteten die 4 Tage am Steg, wenn das doch immer so günstig wäre...

Während die Capitanos Papierkrieg erledigten, war Action bei uns an Bord. Die Kids waren eingefallen und spielten in Moyas Bauch. Einkaufsladen mit unseren restlichen Münzen aus aller Herrenländer - anstatt Früchte und Lebensmittel lagen Dinos und Tiere in der Auslage. Sogar Joni konnte dieses Mal prima mitmachen, sonst ist er manchmal etwas außen vor, da er als Kleinster noch nicht so schnell rennen, noch nicht so hoch hüpfen und auch sonst vieles einfach noch nicht so gut kann. Ich wuselte um die Kleinen herum und versuchte das Schiff startklar zu machen, was sogar überraschend gut klappte, zumindest solange bis der Hunger kam. Unterzuckert stieg die Lautstärke rasant gegen unendlich. Alle waren sich einig, Pfannkuchen wären jetzt gut.

Am Nachmittag mussten die Kinder nochmal ihre Beine bewegen und außerdem wollten die letzten Tala noch ausgegeben werden. Es reichte gerade noch für 2 Brote, 2 Eis für die Jungs und nochmal 2 für die kleinen Tänzer vom ersten Abend, die mit schmachtenden Blicken den Bootkindern beim Essen zusahen. Dann schmissen wir die Leinen los, tuckerten aus dem Hafen und warteten und warteten... Der angesagte Segelwind ließ auf sich warten, die ganze Nacht hindurch und denn nächsten Morgen zogen wir die Segel im Stundentakt hoch und holten sie wieder ein. Wenn sie mal oben waren machten wir bei einer schwachen Brise nicht mal 3 Knoten Fahrt - die Segel standen mit Glück gerade so. Schlafen war, ob der unendlichen Segelgeschichte auch eher Mau. Schier unglaublich, dass die Wettervorhersage hier nicht einmal die nächsten 24 Stunden verlässlich vorhersagt. Dieses Mal waren wir mit der ganzen Schoße aber nicht allein, die Mango plagte sich genauso. Es stimmt einfach: geteiltes Leid ist halbes Leid, da greift man dann auch mal mitten in der Nacht zur Funke um sich gegenseitig wieder aufzubauen. Tagsüber funkten wir über Kurzwelle alle zwei Stunden und bekamen Live Updates wie es gerade so läuft. Unser Highlight des ersten Tages war eindeutig der große Mahi Mahi, der uns Sushi für unterwegs bescherte und am Ankerplatz trotzdem noch für beide anderen Familien reichen wird. Gestern Nachmittag wurde dann alles besser, endlich legte der Ostwind los und Henry konnte seinen Dienst einstellen. Der Wind drehte über Nacht nach Nord, so dass wir dann heute morgen mit Rückenwind durch den Pass von Niuatoputapu gingen - die Mango wartete schon und die La Pecadora kommt auch gerade angerast, obwohl das 63 Fuss große Schiff erst einen halben Tag nach uns gestartet war.

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01.08.2018 - Pazifik 15°34.5S; 169°06.8W

Meuterei im Pazifik

innerhalb von zwei Tagen, wurde aus den vorhergesagten 20 Knoten Segelwind von Südosten eine totale Flaute. Die Wettervorhersage hatte mal wieder ordentlich daneben gelangt. Vorgestern schon hatte der Wind nachgelassen und war gestern so schwach, dass die Segel kaum standen. Mit nur noch 3 Knoten kamen wir voran, wohl wissend, dass die Front naht.

Wir gingen unsere Alternativen durch. Nuie schied aus, da die Front eine Winddrehung nach Westen mitbrachte und so die westliche, einzige Ankerbucht unsicher wird. Nuiatoputapu macht irgendwie auch keinen Sinn, da es fast genauso weit dorthin ist wie nach Vava-U Tonga, wo wir hinwollen, und wir es mit dem schwachen Wind dorthin auch nicht mehr vor dem Frontdurchlauf schaffen. Bleiben also, entweder Zähne zusammen beißen und die Front abwettern, um direkt Vava-U anhalten zu können oder nach Norden abdrehen, um nach Pago Pago, amerikanisch Samoa zu segeln, dem einzigen Ort des Südpazifiks, wo wir eigentlich überhaupt nicht hinwollen, da es hässlich sein soll wie die Nacht finster. Direkten Kurs nach Vava-U bedeutet außerdem 100 Meilen Wind direkt auf die Nase, ohne Chance zu segeln. Auch nach Pago Pago müssten wir motoren, da mittlerweile absolute Flaute herrscht, außerdem würden wir vermutlich 1 ganze Woche durch diesen Umweg verlieren, da nach den Westwinden Südwinde einsetzen und somit segeln nach Süden unmöglich macht. Das wars, wir haben also die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Bam, Bam, ddddddrrr, schiiiiisch, klack, klack, flop, brrrrr, bam - so ging das heute die gesamte Nacht, ununterbrochen. Da half auch Segel Totalumbau bei Dunkelheit nichts. Geschlafen habe ich auch nur deshalb, weil ich so müde von der Wache war, die natürlich trotz des Gestehes nicht wegfällt. Die Moral an Bord lässt zu wünschen übrig, die Crew ist frustriert und dann will der Capitano auch noch weiter Richtung Westen stehen, bis die Front uns am Freitag trifft, drehende Winde und Squalls mit sich bringt und uns ordentlich durchschüttelt bevor wir dann Henry hinzuziehen müssen, um gegen Wind und Welle nach Tonga zu motoren und im besten Fall Samstag da zu sein. Dann hätten wir es zwar geschafft, aber die Aussichten lassen mir die Haare zu Berge stehen. Die Crew meutert als dann auch noch ein Gewitter am Horizont aufzieht, dann lieber doch sicheres, hässliches Land unter den Füßen, als erst Flaute, dann Sturm und Gegenwind auf See. Pago Pago soll es also sein - wie schön!

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29.07.2018 - Pazifik 14°06.1S; 165°04.1W

Überraschungsstart Richtung Tonga

Auch für uns - ganz so schnell wollten wir eigentlich von hier gar nicht wieder weg. Vor allem jetzt nachdem wir die Crews der 10 Boote vor Anker bei einem der legendären Pot lucks kennengelernt hatten.

Gestern hatten wir uns mit den Cruisern am Strand zum Mittagessen verabredet. Jeder brachte einen Beitrag mit, so entstand für alle ein tolles, wenn auch interessantes Buffet. An den Essen merkte man schon, dass inzwischen bei fast allen die frischen Lebensmitteln rar geworden sind, so dass die meisten improvisierten: Reissalat mit Rotebeete und Erbsen, gebackene Reis-Bohnenplätzchen, Nanbrot mit Bohnendipp, Knäckebrot mit Käse und Pickels, Salat mit Palmenherzen und Mais, Kokoskuchen, Popcorn, Muffins und tatsächlich auch noch einen Krautsalat. Das beste aber waren die Juwelen - das Rinderfilet, das von dem Seglerehepaar von der La Pecadora, einer nagelneuen todschicken 20 Meter Segelyacht, gestiftet wurde. Rinderfilet für alle geht nur mit großer tiefgekühlter Schatztruhe an Bord gepaart mit Großzügigkeit der Eigner. Wir waren entsprechend beeindruckt über den Leckerbissen, der da über einem halben leeren alten Fass gegrillt wurde und wirklich dann auch umwerfend gut schmeckte.

Nebenbei haben wir unsere Bootsnachbarn näher kennen gelernt und von manchen auch Geschichten aus ihrem früheren Leben gehört. Ums Feuer standen da Menschen aus unterschiedlichsten Nationen: Engländer, US-Amerikaner, Letten, Franzosen, Costa Ricaner, Deutsche und viele Kanadier aus allen Altersschichten zwischen 3 und 70 Jahren. Es waren Professoren, Lehrer, Kameramänner, Regisseure, Unternehmer, Pharmazeuten, Softwareentwickler und Lebenskünstler dabei, Menschen die einen festen Zeitplan folgten und andere die nur bis zum Ende der Session planten und danach entscheiden wie es weiter gehen soll. Eine bunte Gruppe also, die aber eines gemeinsam haben.

Mit gefüllten Bäuchen und vielen neuen Kontakten haben wir schon einmal unsere Ausreise bei den Rangern erledigt, um die nächsten Tage unser Nomadenleben wieder aufzunehmen zu können. Es war etwas traurig, denn Harry und John hatten wir bereits nach so kurzer Zeit ins Herz geschlossen. Danach tuckerten wir zu Moya zurück und kriegten noch Besuch von Brain, der Wetter mitbrachte. Nach einem Blick in die Vorhersage entschieden wir spontan direkt los zu segeln, da nächstes Wochenende eine Front über die Region hinwegziehen soll und wir gerne bis dahin in Tonga sein würden. Die Alternative wäre gewesen noch über eine Woche auf Suwarrow zu bleiben, bevor das Wetter es wieder erlaubt weiter zu segeln. Weniger als eine Stunde nach unserer Entscheidung gingen wir Anker auf und fuhren mit dem letzten Tageslicht durch den Pass.

Den ersten Tag sind wir gut voran gekommen, Moya flog geradezu über die Wellen, dennoch sind es noch weitere 600 Meilen bis zum Ziel. Wir hoffen es bis Freitag Morgen nach Tonga zu schaffen, bevor es ungemütlich wird.

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22.07.2018 - Pazifik 14°54.7S; 157°13.9W

Die gefährliche Mitte

so wurde der Abschnitt des Pazifiks zwischen Tahiti und Tonga von Cruisern benannt. Für viele war die Passage von Bora Bora nach Tonga sogar der schlimmste Teil ihrer Pazifiküberquerung oder gar einer noch längeren Reise wie der Weltumsegelung. Auch wir haben schon auf den Gesellschaftsinseln gemerkt, dass von einem konstant wehenden Südostpassat keine Rede sein kann und das Wetter keine Langeweile aufkommen lässt. Abwechselnd hatte es fast keinen Wind, dann steifen Wind mit 30 Knoten oder mehr und das vor Anker. Außerhalb der von den Riffen geschützten Lagunen kamen oft hohe Welle aus Süden dazu. Wir haben deshalb auch gehörigen Respekt vor den Elementen in diesem Gebiet.

Nachdem die Wettervorhersage in den Grib files dann auch oft unzuverlässig war, haben wir uns ein bißchen näher mit der Großwetterlage im Südpazifik beschäftigt und verstehen jetzt ein bißchen besser wie diese Phänomene zustande kommen. Südlich von uns befinden sich Hochdruckgebiete, welche uns die aus Südwesten wehenden Trade-Winds bringen. Im Winter auf der Südhalbkugel ziehen südlich von 30° Süd in regelmäßigen Abständen Tiefdruckgebiete von Westen nach Osten, welche auch das Wetter in unseren Breiten bestimmen. Zum einen verstärkt ein gerade vorbei gezogenes Tief den Südostwind im Hoch, man spricht von accelerated Trade Winds, die auch mal mit 30 Knoten blasen. Zum anderen treffen die südöstlich Winde, die nördlichen Winde der unten gerade vorbeiziehenden Überbleibsel der Tiefdruckfronten. Wenn das passiert sind die globalen Wettermodelle hilflos überfordert und sagen vorher, dass in den nordwestlichen Verlängerungen der Tiefdruckfronten die Winde sich gegenseitig auflösen, Flaute also. In diesen Scherungen findet tatsächlich aber alles andere als Flaute statt. Oft gibt es starke Böen aus verschiedenen Richtungen gepaart mit heftigen Squalls, Wetter in das man besser nicht hineinkommen möchte. Seit wir das verstanden haben ziehen wir zusätzlich zu den Gribfiles, die Wetterkarten von Honolulu für den gesamten Pazifik, damit sieht man zumindest die Tiefdruckgebiete schon weit im voraus und kann sich auf die assoziierten Scherungen einstellen oder sie ganz vermeiden indem man eine andere Route wählt.

Seitdem wir in Maupiti gestartet sind können wir uns aber über starken Seegang und viel Wind nicht beschweren, stattdessen kämpfen wir seit gestern mit dem Gegenteil, es weht nur eine schwache Brise mit weniger als 8 Knoten. Überdurchschnittlich viel klettern wir an Deck herum und versuchen die Segel zu optimieren. Erst Passatbesegelung mit ausgebauter Genua, Fock und und Grosssegel, dann Leichtwindbesegelung mit dem Assymetrischen und der Genua um besser voran zu kommen. Über Nacht Umbau wegen der Squalls, mit gerefftem Grosssegel und Genua und heute morgen wieder alles zurück auf Leichtwindbesegelung. Trotzdem schafften wir in den letzten 24h gerade mal 80 Meilen, aber wenigsten wachsen langsam die Seebeine. Und wenn der Wind wieder etwas draufpackt sind wir in drei Tagen da.

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18.06.2018 - Fakurava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Umweltpolizei am Korallenriff

Die letzten Tage war es am Südpass so ungemütlich, dass wir gestern die Flucht nach Norden ergriffen haben. Moya stampfte an ihrer Mooringboje, mit jeder Welle, die sich über das gesamte Atoll aus Norden aufbauen konnte, hob sich erst ihr Bug, dann das Heck bevor es bestimmt über einen Meter wieder ins Wasser knallte. Ich kriegte in der Nacht fast kein Auge zu, hörte die Badeleiter scheppern, die sich aus ihrer Halterung gelöst hatte und das Seil von Tilly knarzen. Selbst als beide Problemchen beseitig waren blieben die Augen offen, weil mich jede Welle fast aus der Koje katapultierte. Tagsüber war es kaum besser, der Wind pfiff aus Nordwesten, an Schnorcheln war kein Gedanke zu verschwenden und selbst mit Tilly zur Insel übersetzen war abenteuerlich.

Eigentlich wären wir so gerne noch einmal im Pass geschwommen, aber das Gestampfe wollten wir uns nicht noch weiter antun. Die Grib-files lagen mit der Wind Richtung mal wieder falsch, so dass wir auch nicht wirklich wussten wie lange das noch so gehen würde. Auf der Fax-Wetterkarte sahen wir, dass zwei Hochdruckgebiete mit einem Tiefdruckausläufer im Süden vorbeizogen. Fakurava befand sich in der Verlängerung der Kaltfront, wo die beiden Windsysteme aufeinander treffen und die computerberechnete Vorhersage deshalb mal wieder nicht so richtig weiß von wo der Wind herkommen soll. Das Pazifikwetter ist gar nicht so einfach zu verstehen wie man meinen könnte. Obwohl wir hier in den Tropen sind wird das Wetter hier immer wieder durch das Winterwetter im Süden beeinflusst. Wir lesen fleißig und wissen jetzt schon mal, das wir besser auf die Wetterkarte und weniger auf die Grib-files schauen sollten.

Moya liegt seit gestern in Tapehopu in der Mitte von Fakurava am östlichen Aussenriff. Hier waren die Bedingungen deutlich besser, wenn auch nicht gemütlich. An Land gibt es ein kleines Haus in dem Getränke und Eis an Cruiser verkauft werden. Geblieben sind wir vor allem wegen des Internets, zu dem wir das ersten Mal seit Wochen Zugang haben - und natürlich wegen den Bajka Jungs. Die vier Kinder sind inzwischen eine richtige Rasselbande. Mit Stöcken, Seilen und wildem Geschrei mischen sie die Korallen und Einsiedlerkrebse auf und gehen auf Expedition. Heute waren sie die Umweltpolizei am Aussenriff und haben in angeschwemmten Eimern Plastikmüll aufgesammelt. Die Inselchen auf der Leeseite der Atolle waren bisher immer sehr sauber, aber auf die Luvseite von Fakurava treffen Wind und Wellen ungebrochen und spülen jede Menge Plastikmüll an - leider. Auf nur vier Quadratmeter sammelten wir genug Müll um einen 10 Litereimer zu füllen. Vor allem werden Seile, Bojen und zerbrochene Plastikwannen von Fischern angespült, aber man findet auch jede Menge Zahnbürsten, Plastikbesteck, Flaschen, Deckel, Schuhe und sogar Legobausteine. Wo der Müll hier im Nirgendwo herkommt? Keine Ahnung, nur von Fischern kann er jedenfalls nicht sein. Wenn es so schlimm ist wie heute, dann bin ich immer wieder entsetzt was wir Menschen hier tun. Wir werden auf jeden Fall damit weiter machen und jedesmal am Strand ein bißchen Müll zu sammeln, Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Als wir heute am späten Nachmittag dann auf dem Rückweg von unserer Mission „rettet die Ozeane“ ware, ist uns doch tatsächlich ein Segler mit einer Tüte Salat entgegen gekommen. Die beiden Köpfe strahlten mich an, so dass ich gar nicht anders konnte als zu fragen, wo die denn herkommen. Das letzte Mal eingekauft hatten wir im Mai, so dass unser Kühlschrank vor Leere gähnt und unsere frischen Sachen schon seit einiger Zeit absolute Mangelverwaltung sind. Tatsächlich leben wir momentan hauptsächlich von Konserven und trocknen Lebensmitteln, mehr als auf jeder Ozeanpassage. Jeden Abend wird es momentan schwieriger etwas Brauchbares auf den Tisch zu zaubern.

Nach einem fünf Minuten Marsch standen wir vor einem lilafarbenen Haus, davor hatte die Familie Tomaten, Paprika und Salat mühevoll zwischen leeren Kokosnussschalen angebaut und verkaufte auch an Segler. Die Kinder hätten mir nach dem Einkauf die Tomaten beinahe aus der Hand gerissen und haben dann beim Abendessen fast ihren Kopf nicht mehr aus der Salatschüssel gekriegt. Wie sehr man sich doch über frischen Salat freuen kann nach nur drei Wochen Abstinenz. Mir ging es genauso.

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14.06.2018 - Fakurava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Nautische Herausforderungen auf den Tuamotus

Dieselbe Wettervorhersage wurde von dem Capitano und mir grundlegend verschieden interpretiert. Er: „Ah super, endlich Wind zum Segeln, lass uns nach Fakurava starten!“ Ich: „Ohje, die nächsten Tage gibt es hier viel zu viel Wind, wollen wir nicht lieber bleiben?“ Angesagt waren ab gestern Abend eine frische Brise mit 20 Knoten aus Südost, leicht zunehmend.

In der Lagune sah es dann gestern so freundlich aus, dass wir das Eisen erst aus dem Labyrinth der Korallenköpfe befreiten und schließlich- nach einigem vor und zurück- aus dem Wasser zogen. Die Sonne schien vom blauen Himmel herab, die Sicht war so gut, dass wir uns - mit dem Einfahrtstrack in der Tasche - trauten unter Segel durch die Lagune zu fahren. Mit leichtem Wind von hinten und keiner richtigen Welle gilt Moya dahin - wie auf einem See, was die Lagune im Endeffekt auch irgendwie ist, nur mit Meerzugang. Um rundum navigationsfähig zu bleiben, hatten wir unser Großsegel im zweiten Reff und nur ein kleines bisschen Vorsegel dazu gesetzt. Es war herrlich so ganz ohne Geschaukel dahin zu pflügen. Unsere Abfahrt hatten wir so getimed, dass wir zwei Stunden vor Hochwasser am Pass waren. Wenn es etwas windig ist, liegt das Slackwater bei Hochwasser immer nach vorne verschoben, während es bei Niedrigwasser erst danach kommt. Das liegt daran, dass ständig Wasser aus der Lagune hinaus will und nach Niedrigwasser durch den einsetzenden Flutstrom gebremst wird und selbst den Flutstrom vor Hochwasser zum Erliegen bringt. Da das Wasser im Ozean immer noch aufgewühlt war, wollten wir mal wieder keine Experimente machen, sondern möglichst bei Stillwasser hinaus, um zusätzlichen Turbulenzen zu entgehen. Der Pass lag ruhig vor uns, wir segelten also hinein und waren wohl kurz vor Slack, den uns kam noch 1 Knoten Strömung entgegen - kein Problem.

Wir hatten nur 50 Meilen vor uns bis Fakurava, aber dafür über 20 Stunden Zeit, da wir bei Nacht nicht durch den Pass fahren wollten. Das bedeutet wir wollten langsam segeln. Langsam ist normalerweise für uns kein Problem, aber ausgerechnet heute flitzte Moya durch die Welle, obwohl das Großsegel stark gerefft und das Vorsegel gar nicht erst gesetzt war. Wir fingen an Abzukreuzen, um den Weg zu verlängern. Mit dem Anbruch der Nacht legte der Wind noch einmal ordentlich zu, anstatt 20 Knoten waren es nun 30 - starker Wind also. Dazu hatte der Pazifik eine Kreuzsee - d.h. überlagernde Wellen aus zwei Richtungen - parat. Um uns herum lagen außerdem noch mehrere Atolle, zu denen wir besser großen Abstand halten wollten. Es wäre schon sehr ungemütlich gewesen, ohne dass man alle zwei Stunden an Deck klettern musste, um die Segel zu shiften, so aber sehnte ich den Tagesanbruch herbei und doch wieder nicht. Der Pass von Fakurava lag mir im Magen. Vor dem Schutz der Lagune lag ja noch die enge Durchfahrt in der es, wenn man bei der falschen Zeit hindurchfährt, im besten Fall sehr ungemütlich wird. Da das Stillwasser vom Wetter beeinflusst wird, kann man immer nur schätzen, wann das Wasser steht und bei manchen Wetterlagen gibt es das gar nicht. Ich hatte also etwas Muffensausen und hatte Christian schon überzeugt abzudrehen, wenn wir die kleinste Unregelmäßigkeit entdecken.

Genau zu Niedrigwasser um 10 Uhr waren wir heute am Pass und wollten erstmal nur die Bedingungen auskundschaften. Trotz der mächtigen See lag der Pass erstaunlich ruhig vor uns, so dass wir uns spontan hineintasteten - zwischen rechts und links brechenden Wellen am Ufer. Je weiter wir Richtung Lagune fuhren, desto ruhiger wurde es. Ich war echt froh als unser Anker versenkt war und auch noch auf anhieb hielt, bei 30 Knoten Wind ist das nicht so richtig spassig das Ankermanöver zu wiederholen. Die Schweizer Bajka mit den beiden Jungs liegt nur drei Boote weiter, die werden wir jetzt erstmal besuchen.

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11.06.2018 - Tahanea, Tuamotus, Französisch Polynesien

Südsee par Excellence...

mit weniger wollte sich Joshua nicht begnügen. Es musste schon ein unbewohntes Atoll sein mit richtigem Sandstrand (auf den meisten Atollen der Tuamotus gibt es nur Strand aus groben Korallenstückchen), kristallklares Wasser mit Sichtweiten unter Wasser von über 50 Meter, bunter Korallenwelten mit kleinen Rifffischen und ein Naturschutzgebiet getaucht in die schönsten sattesten Farben, die man sich vorstellen kann. Das Alles findet man auf der Südostseite von Tahanea, bei einer Gruppe von kleinen Inseln, direkt dahinter donnern mit mächtigem Getöse die Südpazifikwellen an das Aussenriff und türmen sich zu meterhohen Brechern. Gestern wollten wir dem Schwell entkommen, der sich wegen des Westwindes in der Lagune aufbaute und unsere Achorage am Pass in eine ungemütliche schwappende Suppe verwandelte und tuckerten quer über die Lagune in den besser geschützten Süden.

Nach der nicht vorhergesagten Flaute, gab es tatsächlich Westwind und das im Gürtel des Südostpassats, natürlich war der auch nicht in der Wettervorhersage und kam überraschend. Erst heute haben wir herausgefunden, dass die südpazifische Konvergenzzone wohl momentan über den Tuamotus liegt. Wenn das passiert trifft der Südostpassat auf westliche Winde, die durch von Neuseeland nach Westen ziehende Tiefdruckgebiete entstehen. Die Folge ist chaotisches Wetter, von Flaute, über Starkwind bis zu Gewitter, das keiner so richtig vorhersagen kann. Bei uns reichte es für einen steifen Westwind, der mittlerweile nach Süden gedreht und etwas abgeflaut ist, so dass wir hier vor dem südlichen Aussenriff 1a geschützt liegen. Nur das Rauschen der sich brechenden Wellen erinnern uns daran, dass das im Süden vorbeiziehende Tief ordentlich gewütet hat und uns jetzt die Überbleibsel der 8 Meter Wellen vorbei schickt.

Die kleinen Inseln von Tahanea sind wie aus dem Bilderbuch, weißer Sand in türkisblauem Wasser mit grünen Palmen und anderen Pflanzen bedeckt. Davor ist das Wasser flach, hellblau mit dunklen Korallenköpfen dazwischen. Steckt man den Kopf unter die Wasseroberfläche sieht es fast aus wie durchsichtig, wäre da nicht das Licht, das durch die Oberfläche Muster auf den Grund zeichnet. Die Unterwasserwelt kann man durch diese ganz außergewöhnliche Sicht bestens beobachten. Darauf scheint unser Großer gewartet zu haben, bis er heute entschied, dass jetzt wohl ein guter Zeitpunkt ist, um schwimmen zu lernen. Ich hatte ihn vor allem in letzter Zeit immer wieder dazu animiert schwimmen zu üben, aber er hatte wenig Lust die Übungen zu machen. Nachdem ich ihn heute dazu bewegt hatte seine Schwimmweste auszuziehen und er einen Spritzer Wasser in die Augen bekommen hatte, wollte er schon aufgeben. Meine gesamten Überredungskünste brauchte es, dass er es noch einmal mit Taucherbrille und Schnorchel versuchte. Das war der Durchbruch - mit dem Kopf unter Wasser, schwamm er einfach los. Ich vermute, dass er es schon länger konnte, es aber gar nicht gemerkt hatte. Ohne Brille hatte er immer Angst Wasser in die Augen zu kriegen. Natürlich müssen wir jetzt üben und sein Stil erinnert auch noch ein bißchen an einen Hund, aber der erste wichtigste Schritt ist geschafft - er hat Spass zu schwimmen und die Unterwasserwelt zu entdecken. Es kamen auch gleich einige Fische zu kucken vorbei zu seinem ersten Schnochelgang.

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07.04.2018 - 5°41’N / 81°50’W, Pazifik

Unterwegs zwischen Panama und Galapagos - Tag 3

Heute morgen habe ich verschlafen und wurde erst von den Kindern geweckt. Trotzdem kam ich nur schwer auf die Beine, der Schlaf hing noch schwer an meinen Gliedern und meine Augenlieder zogen nach unten. Eigentlich hätte der Capitano mich um 5 Uhr zu meiner Morgenwache wecken müssen, aber letzte Nacht war unser Wachrhythmus etwas durch einander gekommen, so dass der Gute mich schlafen ließ.

Um 23:00 Uhr heute Nacht hat jemand den Wind ausgeknipst. Gerade lief noch unser Windpropeller, Moya pflügte durchs Wasser und wir überlegten sogar, ob wir unser Leichtwindsegel gegen die Genua tauschen werden müssen, als von jetzt auf gleich absolute Windstille herrschte. Unser Blister hing schlaff nach unten und machte keine Regung, also holten wir das Ding rein. Der Pazifik war zwar fast glatt, aber die Miniwellen reichten dass Moya hin und her schaukelte. Da unser Geschwindigkeitsmesser immer noch 1.5 Knoten in die richtige Richtung zeigte, beschlossen wir der Dinge erst einmal zu harren und zur Stabilisierung nur unser Großsegel zu setzen. Gesagt, getan! Moya lag schon viel ruhiger im Wasser, nur drehte sie sich jetzt mit dem Bug in die 2 Knoten Wind und fuhr jetzt 0.5 Knoten rückwärts. Wir nahmen das Segel besser wieder runter und setzten stattdessen ein Stückchen Genua um wieder in Ausgangssituation zurück zu kommen. Mittlerweile war es fast Mitternacht und Christian legte sich hin. Wir drifteten bis um kurz vor 3:00 Uhr morgens unsere Genua anfing zu flappen. Mit 7 Knoten Wind setzten wir unser Assymetrisches und fuhren seitdem konstant nach Südwesten.

Natürlich hatten wir vor unserer Abfahrt die neusten Wetterdaten gezogen und seitdem täglich ein Update über Kurzwelle empfangen, aber trotzdem werden wir immer wieder überrascht, wann Moya das nächste Mal stehen bleibt oder ein kleines Lüftchen zum Segeln weht. Die Wettervorhersagen der amerikanischen NOAA, die sonst so zuverlässig stimmen, scheinen hier in der Innertropical Convergencezone absolut keine Aussagekraft zu haben, zumindest hatten die vorhergesagten Windpattern der letzten 3 Tage - mal abgesehen von sehr leichten Winden - nichts mit unserer Realität gemein. Vorausschauende Routenplanung nach der besten Wetterlage, wie wir sie sonst immer gemacht haben, machen somit keinen Sinn mehr. Wir laufen jetzt stumpf in Richtung kürzester Strecke, wenn der momentane Wind es zulässt.

Heute waren wir tagsüber ganz flott unterwegs und drücken jetzt die Daumen, dass die Wettervorhersage für heute Nacht und morgen nicht stimmt, die mal wieder absolute Flaute ansagt. Die Moral an Bord ist momentan noch gut, damit das so bleibt habe ich schon mal frisches Brot und Kuchen als Flautenschieber gebacken und werde mir bis morgen noch ein neues Unterhaltungsprogramm für die Kids überlegen. Heute haben wir Schiffchen gebastelt, eine kleine Armada Richtung Panama davon segeln lassen und dabei „it‘s the end of the world“ gehört - wie wahr!

Moya sieht inzwischen so aus, als läge sie tatsächlich vor Anker. Das Großsegel ist geborgen und ein Sonnenschirm ist aufgespannt um das Achterdeck spielbar zu machen. Im Cockpit ist ein kleiner Tisch aufgebaut, der normalerweise unterwegs immer unter Deck verräumt ist, und bringt ein bißchen Normalität in unser Nomadenleben. Eigentlich merkt man nur am Rundumblick, dass wir Mitten auf dem Ozean und nicht in einer Bucht liegen. Der Blister steht seit heute Nacht unangetastet, Moya steuert sich selbst, die Windfahne macht kaum eine Ruderbewegung um auf Kurs zu bleiben und selbst die Bootsbewegungen waren vor Anker manchmal schon schlimmer.

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