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Breite:
33° 44.8' N
Länge:
30° 54.0' O
Ort:
Überfahrt Ägypten nach Griechenland, Tag 2
Datum/Uhrzeit:
19.05.2019
10:30 UTC+2
Wettermeldung:
vom
19.05.2019 13:55 UTC+2
25 °C
Schwache Brise aus West

Logbucheinträge zu Ratten

10.05.2019 - Marsa Abu Makhadiq, Ägypten, Rotes Meer

6 Leben

Nächtliche Jagd

Die Zerstörungswut unseres ungebetenen Gastes hat uns so entsetzt, dass wir entschieden haben, nicht schlafen zu gehen, bevor der Nager dingfest gemacht ist. Unsere Lebensmittelbilgen waren inzwischen leer, alles was noch zu Essen da war, war in dichte Hartplastikkisten verpackt oder in der Bugkabine verräumt. Aushungern war die Devise, damit die leckeren Wurst- und Käsestücke in unseren multiplen Fallen ihre Wirkung tun konnten. Wir saßen also bei gedimmten Licht im Salon und warteten bis sich unsere Ratte zeigen würde. Um uns herum waren die Rattenfallen aufgebaut. Es dauerte nicht lange, da zeigte sich der Übertäter. Vorsichtig krabbelte er auf eine der Klebefallen zu. Wir rührten uns nicht. Schwups, war der Käse von dem mit dickem Ratten-Kleber bestrichenen Karton geklaut und die Pappe abgeschüttelt. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Auch beim zweiten Mal blieben die im Netz hochgerühmten Klebefallen wirkungslos. Immer wieder kam der Nager in den Salon geschlichen und nagte dann doch tatsächlich ganz vorsichtig den Käse von der konventionellen Klappfalle. Bei der kleinsten Berührung hätte diese ausgelöst und innerhalb von 8 Millisekunden - wir haben es gemessen - die Ratte festgesetzt. Hätte! In Wirklichkeit war unser Erzfeind zu vorsichtig. Aus Verzweiflung fing der Capitano an eine Falle aus unserer Spülschüssel zu bauen, mit Stöckchen und Schnürchen und einem Stück Apfel. Mittlerweile war es zwei Uhr morgens. Wir warteten und beobachten. Schließlich kletterte das graue Tier den Niedergang hinauf. Der Capitano hetzte mit der Taschenlampe hinterher, während ich alle Schotten dicht machte. Sie flüchtete in unseren Ankerkasten. Klappe zu, Affe tot - oder zumindest einmal aufgeräumt bis zum nächsten Morgen.

Tötungsphantasien

Wir gingen ins Bett, hundemüde, aber einschlafen konnten wir immer noch nicht. Uns wollte einfach keine sinnvolle Möglichkeit einfallen, wie wir die Ratte im Ankerkasten um die Ecke bringen können. Rattengift war keine Option, da das Gift verzögert wirkt und wir beim Ankerauf gehen die Ankerbox öffnen müssen. Sie wäre direkt ausgebüchst. Christians Phantasie ging mit ihm durch, die Theorien reichten von mit Anästhetikum präparierte Köder, über selbstproduziertes Zyankali bis zu Abgase unseres Außenborders in den Kasten zu leiten. Alles wurden direkt wieder verworfen. Auch meine Ideen den Ankerkasten zu fluten oder die Flöte herauszukramen passten dem Capitano nicht.

Letztendlich einigten wir uns, nach mentaler Inkubation über Nacht, am nächsten Morgen darauf, die Ratte auszuräuchern. Wir kauften Kohle und präparierten eine leere große Konservendose so, dass sie mit Draht aufgehängt werden konnte. Dann machten wir Feuer. Als das Ding richtig gut brannte hängten wir es in den Ankerkasten. Die Idee war, dass das Feuer schnell durch fehlenden Sauerstoff ausgehen würde und dann Kohlenstoffmonoxid produzieren würde, das die Ratte dann vergiften würde. So die Theorie.

Mausetod

In der Praxis funktionierte unser Plan so halb. Dichter Qualm war im Kasten, allerdings brachen wir die Aktion wohl zu früh ab. Unser Gast lebte noch, wenn auch sichtlich angeschlagen. Viel langsamer als sonst ging er dem Bootshaken aus dem Weg, als wir im Kasten stocherten. Nach einigen Fangfehlversuchen ließen wir die Ratte schließlich zögerlich heraus und verfolgten sie zu zweit mit den Paddeln unseres Dingies. Joshi und Joni schauten interessiert zu und feierten, als wir sie schließlich über Bord geschubst hatten. Dort schwamm sie doch tatsächlich Richtung Ankerkette. Christian sprang ins Dingi und drückte sie immer wieder unter Wasser. Sie überlebte aushungern, ankleben, vergasen, ins Wasser schleudern und erschlagen, aber beim Ertrinken waren dann ihre 6 Leben aufgebraucht.

Wir testen unsere Technik an Bord, alles ok. Zu feiern wagten wir aber erst einen Tag später, als die Käse und Wurstköder unangerührt bleiben. Wir sind wieder rattenfrei!

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08.05.2019 - Marsa Abu Makhadiq, Ägypten, Rotes Meer

Der Wurm ist drin...

Angenagt

...oder doch eher die Ratte. Ich bin am verzweifeln. An unserem letzten Tag in Port Ghalib fand ich eine angefressene Kartoffel auf der oberen Koje in der Bugkabine. Die Hälfte der Kartoffel war abgekaut. Mir war sofort klar, dass wir ein Tier an Bord haben müssen - ein großes. Wie sonst sollte eine Kartoffel aus unserem Korb heraus kommen. Selbst die Kinder wissen, dass das Gemüse kein Spielzeug ist und hinein beißen würden sie erst recht nicht. Obwohl die Bissspuren fast von den Zähnchen der Kleinen stammen hätte können. Nein, eine Maus war das nicht. Wohl eher eine Ratte. Mir rollten sich die Fussnägel hoch. Ich durchsuchte unsere Bugkabine, fand aber nichts.

Natürlich hatten wir keine Falle an Bord. Renegade half aus. Allerdings trauten wir uns noch nicht die Falle zu aktivieren, da wir über Nacht nach Norden unterwegs waren. Wir hatten Bedenken einer Fehlzündung. Die Ratte musste weg und das beim ersten Mal, denn sonst würde sie die Falle in Zukunft meiden. Am nächsten Morgen kontrollierte ich die Lebensmittel - alles war in Ordnung. War sie vielleicht gleich wieder von Bord gegangen? Nein, war sie nicht! Ich hatte sie bei meiner Suchaktion versehentlich bei der Ankerwinsch eingesperrt. Joshua hörte sie. Jetzt wussten wir wenigstens wo sie war. Der Capitano wurde kreativ und schmiedete 101 verrückte Pläne sie dort heraus zu holen. Wir versuchten es erst mit einem Sack. Als das nicht funktionierte, ganz pragmatisch mit der Rattenfalle und Käse. Tür zu und warten. Ein halbe Stunde später schepperte es. „Das war‘s“ - dachte ich.

Schwarze Männer

Auf unserem Weg nach Marsa Abu Makhadiq, erhielten wir einen Funkspruch von der Windchase. Aus ihrem Plan Suez zu erreichen war auch nichts geworden. Ihre Maschine streikte - Totalausfall. Und das hier im Roten Meer mit all den Riffen und dem Gegenwind. Sie segelten momentan und würden am nächsten Morgen auf Höhe von Marsa Abu Makhadiq sein. Wir planten sie in die Bucht zu schleppen. Aber als wir ankamen, hatten sie es bereits geschafft. Nur zum Anker einfahren, zogen wir sie kräftig mit Moya zurück. Der Anker hielt, das war auch wichtig, denn 35 Knoten Wind sollten einmal mehr über uns hinweg fegen. Wir schäkelten besser mal unseren Zweitanker an unsere Kette, damit sich die Windlast auf zwei Anker verteilt.

Die beiden Peter von Renegade und Melipal waren Motorexperten, beide verschwanden zusammen mit Paul für zwei Tage auf die Windchase und kriegten in mühevoller, schweißtreibender Arbeit in der engen Motorbilge die Maschine wieder in Gang. Danach waren sie von Kopf bis Fuss schwarz, genauso wie das Schiff - aber die Maschine lief wieder. Es war wieder einmal Wahnsinn, wie verlässlich, hilfsbereit und gut die Segler zusammenarbeiten. Die Community ist einfach großartig, wirklich jeder tut was er kann, wenn ein anderer in Not ist. Paul und Sue hatten schon das zweite Mal auf ihrer gerade einmal acht monatigen Reise aus Neuseeland befürchtet, dass ein Defekt das Ende ihrer Segelreise bedeuten würde. Schon in Indien wäre um ein Haar ihr Mast gekippt, und nun war es die Maschine.

Nach Sonnenuntergang

Da weder Mann nach Maus mehr auf die Windchase gepasst hätten, arbeiten wir inzwischen an unserer To-Do-Liste. Unser Vergaser des Außenborders musste mal wieder gereinigt werden, genauso wie die Polster im Salon. Der Niedergang brauchte einen neuen Anstrich und der Lack an der Leiste im Salon wartete auch auf eine Erneuerung. Das Relingnetz war nicht mehr weiß, sondern rot von Staub der Wüste, es musste zum Waschen runter. Die Jungs sind inzwischen so groß, dass sie uns prima bei den Arbeiten unterstützten. Am Abend gingen wir dann mit einem Bärenhunger an Land, um Einzukaufen und Essen zu gehen.

Die ganze Bucht ist zugepflastert, alles gehört hier einem Mann, der nicht aufhört, immer weitere Hotels bauen zu lassen, ganz egal, ob die anderen leer stehen oder schon wieder nieder gerissen werden. 2002 gab es hier in der Bucht noch gar nichts und nun findet man kein freies Plätzchen mehr an der Küste. Zwischen den Hotels, Hotelskeletten, Rohbauten und Baustellen fanden wir schließlich ein Restaurant. Bestellen konnten wir aber noch nicht. Seit Sonntag hat der Fastenmonat Ramadan angefangen und bei Sonnenuntergang gibt es dann Frühstück, für Koch, Kellner und alle. Die Straßen und Lokale liegen für eine halbe Stunde verlassen, bis auf die Gäste. Wir fasteten also auch, wenigstens ein bisschen.

Zerstörung

Als die Kids im Bett waren, schauten Christian und ich noch einen Film. Zumindest bevor mich der Schlag traf. Da rannte doch tatsächlich eine Ratte direkt auf meinen Kopf zu in Richtung Gemüsenetz. Ich konnte es kaum glauben, dass wir tatsächlich noch ein zweites Tier an Bord haben sollte. Die musste schon die ganze Zeit da sein, denn hier liegen wir vor Anker. Im Nachhinein ärgere ich mich unheimlich, dass wir in Ghalib das erste Boot neben dem Hotel und den Mülleimern waren. Zur Sicherheit hatten wir noch Klebefallen gekauft. Wir stellten unser Arsenal auf, aber das Tier ist schlau und mittlerweile auch zu unseren Lebensmittel Vorräten vorgedrungen. Innerhalb einer Nacht verwüstete Sie einen guten Teil davon, frass sich durch Reispackungen, Milchtüten und Keksschachteln. Jetzt sind alle Lebensmittel in Plastikkisten verpackt und stehen in der rattenfreien und -dichten Vorderkabine. Heute nacht gibt es nur noch Käse und Wurst in zahlreichen Fallen ...

Zu diesem Eintrag gibt es 4 Kommentare.
09.05.2019:
Kommentar from Martin
Ihr armen Rattenfänger, ihr tut mir leid, da kann ich als Tierarzt aus der Ferne auch nicht helfen, würde euch eine Katze schicken....lg aus dem verregneten kühlen Germany
09.05.2019:
Kommentar from Marcus und Judith
Oh jeh... habt ihr den Trick 35 aus https://www.yacht.de/schenk/trick/trick35.html schon versucht? Viele Grüße und viel Glück aus Stuttgart
10.05.2019:
Kommentar from Dody
Oh Sch...e!!! Druecke Euch ganz feste die Daumen dass sie wenigstens von Euren Kabeln und Schlaeuchen wegbleibt. So ist es an sich schon schlimm genug, aber das andere wuerde ich nicht mal meinem aergsten Feind wuenschen (wenn ich sowas haette)! Big hugs und "Força" wie die Portugiesen sagen wuerden. xxx
11.05.2019:
Kommentar from Andre Rüegg
Oh, Mist . Viel Glück mit dieser Ratte!