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8° 30.0' S
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119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
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vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
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Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Proviantierung

17.09.2018 - Port Vila, Efata, Vanuatu

Proviantierung in Vanuatu

Port Vila ist die Hauptstadt von Vanuatu. Sie liegt auf Efata in der Bucht Mele geschützt hinter zwei kleinen Inselchen. Beim Einlaufen sahen wir neben der Cityskyline, schön angelegte Resorts, das Containerterminal und den Hauptanleger mit einem großen Kreuzfahrtschiff davor. Zwischen der vorgelagerten Iririki Insel und dem Festland lagen rund 20 Yachten an Moorings, dazwischen fuhren Taxiboote und kleine Funboote umher. Kaum zu glauben, dass das dasselbe Land wie auf Tanna ist. Schon vom Boot aus erkennen wir: Port Vila ist eine richtige Stadt. Nur die angespülten Bootwracks auf Iririki vom letzten Tsunami deuten darauf hin, dass wohl auch hier die Menschen nicht im Geld schwimmen.

An der Uferstraße reihen sich die Minibusse und Taxis auf, angrenzend gibt es Beauty salons, Restaurants, Bars, Eisdielen, ein Casino, Souvenirgeschäfte, Chinaläden, Supermärkte und der Gemüsemarkt. Die Markthalle ist voll von Tischen, hinter welchen die Bauersfrauen sitzen, quatschen, schlafen oder das Gemüse waschen und mit Plamen- und Bananenblättern verpacken. Schmale Gässchen schlängeln sich zwischen den Tischen hindurch, in ihrer Mitte stehen trotz der Enge noch Palmwedelkörbe mit Kürbissen, Süßkartoffeln, Kokosnüssen und Tarowurzel. Auf den Tischen gibt es was gerade so reif ist, Ananas leider nicht mehr und Mango noch nicht, dafür aber Bananen, Papayas und - ganz toll - Inselhimbeeren. Die schmecken wie eine Kreuzung aus Him- und Erdbeere und wurden gleich von den Jungs zu Dutzenden verputzt. Beim Gemüse ist es ähnlich, Salat, Bok Choy, Inselkraut, Karotten, Brokkoli und Tomaten liegen da zum Verkauf. Jeder Tisch hat eine etwas andere Zusammenstellung, aber am Ende doch die gleichen Produkte. Die Preise sind von erschwinglich für Himbeeren (500 Vatu entsprechen ca 4 Euro) bis hin zu billig für Salat (10 Köpfe für 200 Vatu) und stehen auf Schildchen bei den Waren, gehandelt wird hier somit nicht, Einheimische und Touris zahlen das Gleiche. Kartoffeln und Zwiebeln gibt es hier allerdings nicht, dafür mussten wir in den Supermarkt.

Bon Marche heißen die Supermärkte hier und handeln mit vielen importierten Produkten, hauptsächlich aus Frankreich, Australien und Neuseeland. Die Auswahl ist breit, es gibt fast Alles - zu unerhört teueren Preisen. 1900 Vatu (16 Euro) für 250g Salami oder 2400 Vatu für 1kg Nüsse sind eine richtige Kampfansage. Sogar Milch, Reis, Nudeln und Mehl sind hier doppelt so teuer wie überall sonst (jedenfalls in den Ländern, die wir besuchten). Schlimm, denn das brauchen die Locals wirklich, so dass sie für Grundnahrungsmittel tief in die Tasche greifen müssen. Wir wollten es genau wissen und waren auch noch in den Chinaläden, um zu schauen, ob die Basics dort billiger zu kriegen sind - keine Chance.

Nach unserem Erlebnis auf Tanna, wo die Menschen Früchte gegen Reis, Mehl und Öl tauschen wollten, haben wir Moya dennoch bis unters Deck voll gemacht, um auf dem weiteren Weg nach Norden handeln und auch verschenken zu können. Wir kauften Mehl, Milchpulver, Zucker, Reis, Tee, Lollis, Kaugummis, Luftballons, Bälle, Stifte, Hefte, Stoffe, Garn, Gummizüge, Nadeln, Batterien, Streichhölzer, Solarlampen, Holzsägen, Stechbeitel und haben auch schon in unseren Schränken Kleidung zum weggeben zusammengesammelt. Mal sehn was die Leute brauchen können. Auch die Dieseltanks sind wieder voll, das Motoröl ist gewechselt, so dass wir nun bald zu den äußeren Inseln Vanuatus aufbrechen können.

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04.08.2018 - Pago Pago, Amerikanisch Samoa, USA

Samoaner

Wir waren ein bißchen auf der Insel unterwegs. Vor allem wollten wir proviantieren und einige amerikanische Kleinigkeiten für Moya kaufen, die es eben nur hier gibt - Flex Tape, klebt sogar unter Wasser, Silikonhandschuhe, damit wir uns nicht ständig am Gasofen verbrennen und die Küchenhandtücher nicht in Flammen aufgehen, einen LED Strahler zum Ankern und eine vernünftige Kühltasche zum Einkaufen. Ganz nebenbei haben wir aber noch einige nette Episoden mit den unglaublich herzlichen Samoanern erlebt:

Wir waren ja schon am Vortag im Supermarkt gewesen, um zu sehen was es hier gibt. Pete, der Manager, hatte sofort angeboten uns die Lebensmittel zum Hafen fahren zu lassen - nur heute ginge es nicht. Das ist für uns ein super Angebot, denn größere Einkäufe mit den Kids und den Öffentlichen werden manchmal echt anstrengend. So waren wir also nochmal wieder gekommen. Als wir den Wagen durch die Regalzeilen mit den gigantischen Verpackungen schoben, hielt der Gabelstapler neben uns: „I always see you here“ sagte der rundliche Samoaner und bot uns Transporthilfe an. Er dachte wir wären wieder gekommen, weil wir die Sachen nicht auf einmal haben tragen können. Was für ein Star! Wo gibt es das denn anderswo?

Als wir dann nach unseren Einkäufen auf unseren Fahrer warteten, lernten wir die Frauen Handball Olympia Mannschaft von Amerikanisch Samoa kennen. Die jungen Frauen saßen heute schon zum zweiten Mal am Eingang des Supermarkts, verschenkten Lollies und verkauften T-shirts, um an Geld zu kommen, um im Oktober zur Olympiade zu fahren. Die Mädels waren ganz angetan von Joshi und Joni und fanden es total spannend, dass wir aus Deutschland sind. Das Stück gemeinsame Geschichte reicht wohl aus, dass jede von Ihnen auch mal in Deutschland vorbei schauen will. Als Richy, unsere Fahrer dann eintrudelte, trug die ganze Mannschaft unsere Einkäufe zum Van. Weder die jungen Frauen, noch Ricky wussten so richtig eine Antwort auf meine Frage, was sie uns empfehlen hier auf der Inseln zu unternehmen. Stattdessen fragten beide, ob wir denn Western Samoa besuchen würden - dort sei es schön. Ich hakte ein wenig nach und erfuhr, dass jeder Bewohner amerikanisch Samoas immer noch Familie in Western Samoa hat. Ganz wehmütig erzählte Richy, dass jeder neue Governor danach strebt, die Samoaner wieder zu vereinigen. Ich dachte sofort an den Mauerfall. Auch die Samoaner sind ein Volk, nur sind sie schon seit über hundert Jahren auf zwei Länder geteilt, erst Deutschland, USA, später dann neuseeländisch Zugehörigkeit und Unabhängigkeit für Western Samoa. Richy jedenfalls glaubt nicht so richtig daran, dass die Wiedervereinigung, die er sich sichtlich wünscht, bald kommen wird. Wie unfair! Trotzdem, und auch nicht durch die Zyklone, die hier jährlich durchgehen (wir sehen immer noch beschädigte Häuser vom letzten) oder die Tsunamis, lässt sich der große Mann sein tiefes, herzliches Lachen und seine Hilfsbereitschaft verderben. Ich bin nicht sicher an was es liegt, aber hier im Pazifik sind die Menschen schon sehr Besonders.

Zurück im Hafen, waren einige Cruiser gerade dabei die Counting Stars zu retten. Die Familie war von Bord gegangen und der Katamaran quer über die Bucht gedriftet. Der Ankergrund ist immer noch voller Unrat, der vom Tsunami 2009 ins Meer gerissen worden ist und deshalb schlecht - die Anker halten nicht. Zu viert schafften sie den Anker per Hand ohne Winde aus dem Wasser zu ziehen und neu zu setzen. Wie schon bei der Aftermath, die im übrigen noch auf Suwarrow wieder repariert werden konnte, ist die Community unschlagbar. Man gehört dazu sobald man mindestens ein Segel dabei hat, so wussten wir auch sofort, dass am Abend eine kulturelle Veranstaltung an der Markthalle stattfinden wird und wir am Sonntag zum Potluck eingeladen sind.

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20.06.2018 - Fakarava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Schwarze Südsee Perlen

Wir sind nochmal umgezogen aber immer noch auf Fakarava. Das geht hier, denn Fakarava ist das zweitgrößte Atoll der Tuamotus. Dieses Mal liegt Moya vor dem Ort Rotoava, mit 2 Kirchen, einer betonierten Straße, einem Campingplatz und sage und schreibe drei Tante Emma Läden. Das ist an sich schon Grund genug hierher zu kommen, noch besser wird es aber dadurch, dass heute Morgen das Versorungsschiff da war. Der Salat von Vorgestern leitete somit kulinarische Höhenflüge ein. Heute Morgen frühstückten wir frisches Baguette und frisch gebackene Croissants. Später habe ich sogar Zucchinis ergattert. Schnell muss man sein, denn schon heute Nachmittag war in zwei der drei Läden außer Zwiebeln und Kartoffeln kein frisches Blatt mehr zu finden. Für uns kein Problem, wir hatten schon am Morgen eingekauft, bevor wir uns auf zwei Rädern auf Perlensuche gemacht haben.

Die Lagunen der Atolle bieten mit ihrem klaren Wasser optimale Bedingungen für die Perlenzucht, deshalb gibt es nicht nur hier sondern auch auf den anderen Atollen zahlreiche Farmen. Bisher hatten wir uns noch keine aus der Nähe angeschaut, das wollten wir heute aber ändern und das Rätsel der schwarzen Perlen ergründen. Südlich von Rotoava gibt es die Perlenfarm Hinano. Klingt polynesisch, wird aber von einem ehemaligen Schwaben aus Bad Wildbad betrieben. Günther war 1979 nach Tahiti ausgewandert und ist seit 2002 in Fakarava im Perlengeschäft. Er erklärte uns detailliert wie man von einer Auster zur Black Pearl kommt und beantwortet unermüdlich unsere Fragen. Das Ganze erinnert an medizinische Eingriffe und erfordert handwerkliches Geschick und Übung. Angefangen vom Herstellen eines Transplantats aus den perlmutbildenden Schichten einer Auster und einem vorgefertigten Nukleus, über die Implantation in die Gonaden einer anderen Auster, bis hin zu der Resektionen nach 18 Monaten sind die Schritte nicht trivial. Bis zu einer halben Million Austern lagen früher allein in Günthers Austernbänken, 50% davon produzieren erfolgreich eine Perle nach 18 Monaten auch wenn die Qualität der Meisten nicht für das große Geld reicht. Einige Perfekte gibt es aber doch und auch die nicht ganz Perfekten kann man noch zu schönem Schmuck weiterverarbeiten. Wir hatten tollen informativen Aufenthalt und denken, dass es auch Günther ganz gut gefallen hat mal wieder deutsch zu sprechen.

Am Rückweg sind wir dann fast mit Martin zusammen geprallt. Der Schweizer ist mit einem Boot nach Raroia mitgenommen worden. Dort wurde er dann privat aufgenommen, schlicht weil es kein Hotel oder Pension gibt. Um weiter die Atolle zu bereisen, flog er nach Tahiti und von dort zurück nach Fakarava. Die Atolle sind untereinander überhaupt nicht verbunden, was eine Reise mit dem Rucksack sehr mühsam macht.

Wie gut, dass wir doch unser schwimmendes Zuhause mit dabei haben.

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30.05.2018 - 11°09' S; 140°42' W; Pazifik

On the lean towards Raroia

Nachdem wir Moya gestern für die Passage zu den Tuamotus vorbereitet haben, sind wir nochmal an Land getuckert. Wir wollten gerne Gemüse, Eier und Brot einkaufen, da die Tuamotus einer der remotesten Plätze der Erde sind. Viele der Atolle sind nicht oder nur spärlich besiedelt. Ergo gibt es diese Dinge oft gar nicht oder wenn sie dann doch mal von einem Versorgungsschiff gebracht werden, werden sie zu astronomischen Preisen angeboten werden. Leider war unsere Ausbeute nicht wirklich gut, der kleine Laden bot bis auf Knobi nichts frisches an, Baguettes waren aus und das obwohl die Aranui 5, das Hauptversorgungsschiff der Marquesas, morgens erst da war. Wir hätten wohl in die 15 km entfernte Hakahau Bucht segeln müssen, dort soll die Versorgung mit einem echten Supermarkt (vermutlich der einzige der Marquesas, sonst gibt es hier nur kleine Tante Emma Lädchen) exzellent sein. Aber das hätte unsere ganze Tagesplanung über den Haufen geschmissen und unsere Abfahrt einen weiteren Tag verzögert. Wir wollten um 17:00 Uhr Anker auf gehen, damit wir passend zu Slack water (Stillwasser) am Samstag Morgen vor dem Pass von Raroia stehen, um dann beste Bedingungen für unsere erste Atoll Einfahrt zu haben. Die Tuamotus sind kein einfaches Segelgebiet und wurden bereits von Cook die gefährlichen Inseln genannt, da man die Atolle erst spät sieht und zwischen den Inseln sowie in den Einfahrten sehr starke Strömungen herrschen können. Täglich gibt es wegen der Tide nur ein bis zwei gute Möglichkeiten in die Atolle hinein zu fahren, so dass wir versuchen unsere Ankunft gut zu timen, um nicht einige Stunden oder gar über Nacht vor dem Pass warten zu müssen. Viele Kinderboote waren schon dort oder auf dem Weg dorthin, wir wollten also auch los und gaben uns so mit unseren erstanden Eiern zufrieden. Zum Glück hatten wir immer wieder Früchte mit an Bord gebracht, so dass wir jetzt zwar wenig Gemüse aber zumindest Obst am Schiff hatten.

16:50 Uhr gingen wir Anker auf, setzten die Segel und segelten überraschender Weise an der Küste Ua-Pous entlang Richtung Süden. Wir hatten damit gerechnet auf der Leeseite der Insel erst einmal Henry bemühen zu müssen, aber wo Wind war, war auch Vortrieb. Die Segel standen dicht geholt für das erste Stück unserer Passage. Moya neigte sich nach Lee und segelte 45 Grad zum Wind im ruhigen Wasser. Parallel zu uns waren noch zwei Katamarane von Ua-Pou gestartet, aber sie segelten weiter in westliche Richtung, weil sie vielleicht zu einem anderen Atoll wollten oder nicht so hart am Wind segeln konnten wie ein Einrümpfer.

Als wir die Wellenabdeckung von Ua-Pou verließen wurde, es etwas ruppiger und ich war froh das Abendessen vorgekocht zu haben. Der Schwell war nicht groß genug, dass wir große Geschwindigkeitseinbußen gehabt haben, aber er reichte aus, dass es anstrengend wurde. Der Topf blieb auf unserem aufgehängten Herd, so dass sich jeder an seinen Teller und seinen Löffel klammern musste. Auch in der Nacht segelten wir weiterhin am Wind, so dass wir auf die Leekojen ausgewichen sind und Christian sich zwischen den Rundumblicken im Salon auf den Boden legte um nicht vom Sofa zu purzeln. Die Nacht verlief ereignislos und am Morgen waren wir bereits 90 Meilen näher am Ziel.

Vorhin hatten wir dann auch noch unseren ersten Thunfisch überhaupt an der Angel, bisher hatten wir nur Mahis und Barrakudas gelandet, mussten den Leckerbissen aber wieder in den Ozean werfen, da im Fleisch viele kleine Würmer herum krabbelten. Das Thunfischglück war also wieder nicht mit uns, aber das wird schon noch was, jetzt da unsere Handline optimiert ist.

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12.05.2018 - Baie Tahauku, Hiva Oa, Marquesas, Französisch Polynesien

Erste Expedition auf Hiva Oa

Gestern Morgen wurden wir um kurz vor sechs von Moya Rufen geweckt. Ein anderer Segler wollte uns vor de Ankunft der Versorgungsschiffes warnen. Wir streckten die Köpfe aus dem Niedergang und tatsächlich waren wir im vorderen Bereichs des Hafenbeckens alleine, obwohl hier am Tag davor noch mindestens 5 weitere Boote lagen. Die wußten offensichtlich was, was wir nicht wussten. Der Capitano entschied, dann doch auch besser mal Anker auf zu gehen. Auf dem Weg zum Ankerkasten, wir hatten gerade den Motor gestartet, ertönte schon ein tiefes lautes Tröten, das uns spätestens jetzt aus unseren Kojen geholfen hätte. Das Versorungsschiff oder besser gesagt ein Zwitter zwischen Kreuzfahrer und Containerschiff fuhr bereits auf die Hafenmole zu. Es wollte zum Anleger, um die Touris für den heutigen Tag abzusetzen und den Insulanern Lebensmittel, Baumaterialien und sonstige Güter zu bringen. Wir waren ein kleines bisschen im Weg und waren dankbar, dass wir vorgewarnt waren und so noch rechtzeitig das Feld räumen konnten.

Die Kinder waren natürlich von dem Spektakel aufgewacht, wir frühstückten, organisierten Internet für den Tag und schauten was bei Euch so los war. Internet auf den Inseln ist laaangsam und das obwohl wir wohl schon das schnellste Netz verwendeten und dafür pro Tag und Gerät 4€ bezahlten. Reconnecten dauerte also ein bißchen, bevor wir entschieden ins Dorf zu laufen um endlich frische Lebensmittel zu kaufen und eine lokale SIM Karte zu erstehen, damit wir dann zwar noch langsameres Netz haben, dafür aber auch außerhalb des Hafens. Als wir um 14 Uhr vor dem kleinen Gemischtwarenhändler standen, gab es bereits eine Schlage von Menschen, die darauf warteten, dass sich die Türen nach der Mittagspause öffneten. Das Schiff war da und jetzt der beste Zeitpunkt, um Gemüse zu bekommen. Mit 40 Minuten Verspätung war es soweit, der Laden öffnete und der Run begann. Wir erstanden einige Tomaten, Gurken, Kraut, Kartoffeln, Karotten, Zucchini und Aubergine und waren damit Franc im Gegenwert von 80 Euronen los - Autsch, ist das teuer! Wir waren zwar vorgewarnt, aber ich musste dennoch kräftig schlucken. Sim Karten gibt es nur in der Post und die hat heute, genauso wie gestern, morgen und Sonntag geschlossen. Wow! Auch der Blick auf die Öffnungszeiten der anderen Läden zeigte, dass es hier etwas relaxter zugeht. Wir werden jetzt also bis Montag auf Hiva Oa bleiben, denn ohne Sim Karte, hat man in den anderen Ankerbuchten keine Chance ins Internet zu kommen und selbst funken geht hier wegen den Bergen schlecht.

Heute Morgen nahmen wir unsere Putzaktion, die wir gestern gestartet hatten, wieder auf. Die bräunlich gelbliche Masse bedarf einiger Überredungskunst mit der Bürste, um vom Lack zu lassen. Inzwischen sind zwei Drittel des seitlichen Lacks wieder weiß, aber unter Wasser, haben wir immer noch ein Rankenfusskrebs Biotop. Um das zu ändern brauchen wir klareres Wasser und eine ruhigere Ankerbucht, hier ist selbst hinter dem Wellenbrecher das Wasser in ständiger Bewegung und Moya schaukelt mit.

Nachdem die Arme lang wurden, packten wir einen leichten Wanderrucksack und gingen auf erste Entdeckungstour. Erst am Hafen entlang wanderten wir aus der Bucht hinaus. Über kleine Trampfelpfade stiegen wir durch riesige Mimosenbüsche und dichtes Grün bis wir zu einer Landschaft aus schwarzen Lavafelsen kamen. Dort schlugen die Wellen des Pazifiks an die Küste und schossen in großen Wasserfontänen in den Himmel. Danach ging es vorbei an Palmen den Berg hinauf Richtung Resort, das über der Bucht thronte. Wenig später trafen wir wieder auf richtige Wege und polynesische Häuser, auf Stelzen gebaut mit Hängematte auf der Terasse und einem hervorragenden Blick über die Bucht. Daneben standen Brotfrucht, Pomelo, Mangobäume und Bäume mit mir unbekannten Früchten. Joni war heute das erste Mal überhaupt richtig mit am Start und ist die ganze Strecke tapfer mitgelaufen und geklettert. Bei der genialen Aussicht konnte auch unser Kleiner gar nicht mehr aufhören zu schaun. Über die Baie Tahauku habe ich gelesen, dass man nur hier her kommt, um einzureisen und dann schnellst möglich an schönere Orte entschwindet, aber wir finden es hier schon wirklich traumhaft.

Anschließend sind wir per Anhalter ins Dorf gefahren und wollten irgendwo einen Kaffee trinken. Das Dorf war wie ausgestorben, alle Läden waren zu und auch das kleine Cafe hatte nur Mo bis Fr bis 1.30 Uhr geöffnet. Wir sind trotzdem noch ein bißchen durch den Ort gelaufen, haben und die Tikis am Marktplatz angeschaut und gesucht ob wir nicht doch noch irgendwo ein nettes Plätzchen zum Einkehren finden. Die Pizzeria am Ortsausgang hat uns dann vor dem sicheren Hungertod gerettet.

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15.05.2018:
Kommentar from Robert
Wir verfolgen Eure aufregende Reise und freuen uns über den guten Verlauf. Eine bewunderswerte Leistung. Herzliche Grüße X-AMS :)
16.05.2018:
Kommentar from Maxi
Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Pazifik-Fahrt! Wir verfolgen eifrig Euren Blog und sind fasziniert wie Ihr das alles meistert. Viel Spaß und Grüße an die Jungs.
17.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Vielen Dank Euch beiden, wir freuen uns sehr über Grüße aus der Heimat! Wir wachsen mit unseren Aufgaben und haben wirklich Glück, dass unsere beiden Kapitäne so gut mit machen. Leider haben wir hier Probleme mit dem Internet, deshalb kann es sein, dass unser Logbuch in nächster Zeit nicht immer auf aktuellen Stand sein wird.
26.04.2018 - 6°34'S / 111°10'W, Pazifik

3 Wochen auf See

Länger als jemals zuvor und wir sind noch nicht da. Aber wir sehen auf unserer Seekarte deutlich, dass wir nun näher an den Marquesas als an Panama sind. Es liegen „nur“ noch 1680 Meilen vor uns 2300 Meilen sind bereits geschafft. Navionics mutmaßt, dass wir noch weitere 12 Tage rollen werden - wir wagen allerdings noch keine Hochrechnung, da unser Tempo doch fast ausschließlich von Wind und Ozean bestimmt wird. Die Wellen haben inzwischen ein kleines bißchen nachgelassen, aber sie kommen dafür nicht mehr so konstant, das Meer ist unruhig, so dass wir jetzt noch mehr durchs Boot geschleudert werden wie die Tage davor. Manchmal haben unsere Bewegungen etwas von Slapstick und erinnern an James von Dinner for one beim Servieren des dritten Gangs „skull“. Nur die Kinder sind wesentlich graziöser unterwegs als Christian und ich.

Nachdem wir gestern den 6sten Tag in Folge Mahi gegessen haben und wir unseren Gaff in den dunkelblauen Tiefen versenkt haben, hat unsere Angel momentan Ruhepause. Es muss mal wieder etwas anderes auf den Tisch. Nach den letzten Tomaten gestern, haben wir heute unsere letzte Ananas verdrückt. Auch Bananen, Melonen, Broccoli, Paprika, Sellerie und Salat sind inzwischen aufgebraucht. Nach drei Wochen gibt es noch Orangen, Äpfel, Kokosnuss, Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis, Kraut, eine Gurke und zwei Karotten. Letztere werden es wohl nicht mehr bis morgen schaffen. Trotzdem bin ich überrascht wie lange unsere frischen Vorräte überlebt haben. Frischer als vom Gemüsegrossmarkt in Panama City bekommt man Obst und Gemüse vermutlich nur noch direkt beim Bauern. Auch die Lagerung der Vegis hat dieses Mal besser geklappt als bei unserer Atlantiküberquerung, bei der ich ständig gegen Fäulnis in der Bilge gekämpft habe. Karotten konnte ich bei der letzten Passage nur im Kühlschrank aufbewahren, da sie innerhalb von 3 Tagen in der Bilge angefangen haben zu schimmeln. In Panama waren die Karotten beim Einkauf nicht gekühlt, so dass sie per se schon viel länger haltbar sind. Dieses Mal liegen sie in einer gut belüfteten mit einem Tuch abgedunkelten Box zusammen mit den Kartoffeln im Vorschiff. Beides hat bisher ohne Fäulnis ungekühlt gehalten. In Zukunft werde ich wenn möglich nur noch auf dem Markt einkaufen.

Ansonsten ist alles beim Alten bei uns, auch nach drei Wochen auf dem Wasser herrscht der ganz normale Wahnsinn.

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28.04.2018:
Kommentar from Eva Maria Eugster
Hallo ihr Lieben! Wir sind am Donnerstag Morgen in Galapagos auf der Isla Santa Cruz angekommen. Haben uns nach langem hin- und her doch entschlossen einen Stopp einzulegen. Wünschen euch weiterhin eine gute Passage und hoffen, euch in den Marquesas zu treffen! Ganz liebe Grüsse von der Mirabella Crew
14.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Wow, da wart ihr ja schnell. Wir freuen uns sehr auf Euch. Die Jungs warten sehnsüchtig auf Eure Mädels.
04.04.2018 - Bahia de Panama, Panama

Letzte Tankstelle für 7000 km - Wir starten auf den Pacific Paddle Jump

Nach einem super anstrengenden Tag starten wir unseren Pacific Paddle Jump tatsächlich per Paddel. Unser Außenborder hat uns heute Abend beim an Bord gehen im Stich gelassen oder besser gesagt wollte das Benzin einfach ausgehen - peinlich. Direkt vor der Tankstelle lag Tilly, was uns aber nichts nützte, da dort nur Diesel verkauft wird, dafür aber in großen Mengen. Deshalb sind wir von der letzten Tankstelle der nächsten 7000km gestanden, ins Dingi gestiegen und mit den Kids zu Moya zurück gepaddelt.

Nebenbei riefen wir Robert, der uns am Steg verabschiedete, noch zu "Ciao, bis später", wir gehen fest davon aus den Allgäuer auf den Marquesas wieder zu sehen. Als wir die Schotten aus dem Niedergang zogen, wäre ich am liebsten umgedreht, unsere Einkäufe des Tages standen noch im Salon. Gurken, Karotten, Kartoffel, Ananas, Orangen, Kürbisse, Zucchini, Salat, Tomaten, Melonen, Kohl und Sellerie lagen dort und wollten noch ein Plätzchen in den Obst und Gemüsenetzen finden. Wir hatten vorhin bevor wir zum Port Captain geeilt sind nur kurz die Eier verräumt und Fleisch, Wurst und Käse in den Kühlschrank geräumt. Der Rest musste warten, da wir sonst unsere Ausreise nicht mehr hätten erledigen können.

Fast wären wir trotzdem noch gescheitert, der Port Captain war um 15 Uhr schon zu Hause und Christian musste seine ganze Größe und Überzeugungskraft einsetzten, damit seine Sekretärin uns das International Zarpe zum Auslaufen ausstellte. Als er dann vor dem Immigration Office stand machte es von innen "Klick", das war das Schloss das gerade umgedreht worden war. Ein paar kräftige Rumpser genügten, dass wieder aufgeschlossen wurde, so dass wir jetzt Stempel in unseren Pässen haben und tatsächlich vor einer Stunde Anker auf gegangen waren. Jetzt sind die Segel voll gesetzt und Moya segelt in gemächlichen Tempo aus der Bahia de Panama.

Wir haben uns in den letzten Tagen im Kreis gedreht. Starten oder nicht starten, das war hier die Frage. Die Wettervorhersage ist nicht sehr erbauend, die nächsten Wochen ist hier nichts als Flaute vorhergesagt. Das ist allerdings keine Seltenheit sondern normal hier in der ITCZ. Da es heute und morgen wenigstens noch etwas Wind zum segeln geben soll und unser Tank nicht groß genug ist um den gesamten Weg bis nach Galapagos zu motoren, wo hoffentlich der Südostpassat einsetzt, haben wir beschlossen das bißchen Wind noch mitzunehmen und Anker auf zu gehen. Der erste Teil unserer Passage wird sehr gemütlich werden, wir werden wie immer berichten.

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25.03.2018 - Portobello, Panama

Proviantierung für den Pazifik

Dass die Provisionierung für den Pazifik nicht einfach ist erkennt man daran, dass sich doch einige Segler Blogger auf ihren Websites über diese Thema auslassen. Das Gute ist, dass die Überfahrten aus früheren Jahren bei vielen Pacific Puddle Jumpern schon abgeschlossen sind und sie deshalb auch schreiben wie es denn gelaufen ist. Die Lektüre der Internetseite ist teilweise wirklich amüsant, man findet Lebensmittellisten an welchen man schon erkennt aus welchem Land das Schiff eigentlich herkommen muss. Wer errät zum Beispiel aus welchem Land dieses Schiff wohl kommt: Hunderte Kilos an tiefgekühlten Fleisch, gepaart mit 20 Dosen Erdnussbutter und großen Mengen an Haferflocken? Ganz besonders gestaunt habe ich aber über die Proviantierung der Bella Marina. Die Hauptbestandteile der Kost für 6 Monate Pazifik waren: Zum Frühstück: 72 Liter Kokosmilch mit Vanillegeschmack, Kaffee und Special K Müsli; Mittagessen: 10 kg Chia Samen, 5 kg Protein Pulver, 50 Packungen Sardinen; Abendessen: 36 Dosen Käse, 30 Dosen Butter, 60 Packungen Cracker, 72 Dosen Fisch, 50 Dosen SPAM und 24 Packungen Mac and Cheese dazu noch einige Snacks und Vitaminpillen. Wenn ich 5 Monate mit Crackern und Mac and Cheese zum Abend Essen überlebt hätte, gäbe es für mich eine realistische Chance, dass ich einfach über Bord springen würde. Nur gut, dass nicht jeder dasselbe mag.

Auch die Herangehensweise wie die Leute proviantieren weicht deutlich voneinander ab, einige rechnen mit Kilokalorien, andere überlegen sich genau was sie wohl kochen werden und rechnen die Lebensmittel für die Gerichte hoch. Einige nehmen nur den Proviant für die Passage zwischen Galapagos und französisch Polynesien mit nach dem Motto "wo es Menschen gibt, gibt es auch essen", die meisten aber packen ihre Boote randvoll - manchmal sogar eine ganze Tonne an Essen- damit es für das nächste halbe Jahr reichen wird. Wenn man genauer recherchiert und nicht an bestimmte Markenprodukte gebunden ist, scheint es in französisch Polynesien fast alles zu geben, was es auch hier in Panama gibt, nur eben sehr viel teurer. Auf den ersten Blick, mag es einfach erscheinen, einfach so viel wie möglich mit zu nehmen. Wenn man dann aber bedenkt, dass lange Lagerung an Lebensmitteln auf Booten gar nicht so einfach ist und nicht wenige Segler wegen Fäulnis und Ungeziefer große Teile ihres Vorrats haben über Bord gehen lassen müssen und schließlich in Australien oder Galapagos nicht erlaubte Lebensmittel konfisziert werden, mag es am Ende vielleicht sogar billiger sein die Bilge in Panama nicht ganz so voll zu machen.

Am Ende hat es sich für uns aber trotzdem besser angefühlt möglichst große Vorräte anzulegen und neben unserer ohnehin schon vollen Bilge noch zwei weitere große Fächer mit 100 Konserven, 20 Packungen Keksen, 30 Packungen Snacks, 20 Suppen, 15 kg Reis, 15 kg Nudeln, 5kg Linsen und Bohnen,15 kg Mehl, 10 Packungen Müsli, Backzutaten, 10 Marmeladen und Honig, 15 Flaschen Öl, Essig, Ketchup, Senf und Saucen, 30 Liter Milch, 100 Litern Getränke und Hygieneartikeln zu füllen. Gegen die Schädlinge, deren Eier man oft schon mit kauft, haben wir unsere Vorräte vakkum-verpackt. Unseren Ausflug nach Sabanitas, wo wir eingekauft haben, war auch mit dem Bus unkompliziert. Tatsächlich war es der größte Lebensmitteleinkauf den ich in meinem bisherigen Leben gemacht habe. Die Ladefläche des Minibuses, der uns nach Portobello zurückgefahren hat, war fast voll bedenkt und ich habe einen ganzen Tag gebraucht um die Lebensmittel im Schiff unter zu bringen und zu katalogisieren an welcher Stelle was liegt. Auch wenn Moya jetzt leicht nach Backbord geneigt ist, sind wir noch weit von einer extra Tonne Zuladung entfernt, aber es fehlen ja auch noch die frischen Sachen.

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27.03.2018:
Kommentar from Nici
Ihr lieben, das klingt alles so unglaublich spannend, ich fiebere mit und wünsche euch eine gute Zeit. Wie viel Zeit habt ihr denn bis Polynesien eingeplant? Ich drücke euch. Liebe Grüße Nici
02.04.2018:
Kommentar from Moya Crew
Nici, danke für Deine lieben Worte. Wir sind auch ganz aufgeregt, dass wir jetzt im Pazifik segeln. Wie lange wir in Polynesien bleiben werden, haben wir noch nicht entschieden. Wir werden spätestens zum Anfang der Zyklonsession im November den Südpazifik verlassen müssen, aber wollen spontan entscheiden wie lange wir auf den polynesischen Inseln und den sonstigen Inseln bleiben wollen. Es gibt so viele Möglichkeiten.
05.03.2018 - Nargana, San Blas, Panama

Auf dem Teufelsfluss

Nargana liegt nur wenige Meter entfernt vom Festland Panamas an der Mündung des Rio Diablo. Die beiden, durch eine Brücke verbundenen, Inseln Nargana und Corazon de Jesus bekommen normalerweise ihr Trinkwasser durch eine Wasserleitung vom Festland. Leider ist die Rohrleitung mit 20 cm Durchmesser mittlerweile so marode, dass die beiden Inseln momentan ihr Wasser mit den Einbäumen zum Dorf bringen müssen. Sie paddeln dafür 3 Meilen den Fluss hinauf, bis sie an den Teil der Wasserleitung kommen, die noch Wasser führt. Alle Männer des Dorfes kommen jeden Donnerstag zusammen, um eine neue Wasserleitung für das Dorf zu bauen. Jeder Mann der nicht zum Dienst antritt muss Strafe zahlen, die mit der Anzahl der fehlenden Tage exponentiell nach oben schnellt. Die Männer tauschen zuerst die Wasserleitung vom Fluss bis zum Dorf aus, den Teil der momentan kein Wasser mehr führt, später ist auch geplant eine neue Leitung von den Bergen bis zum Fluss zu legen.

An letzterer sind wir heute entlang gewandert und finden eine Komplettsanierung ist dringend notwendig, denn Wasserfontänen schießen im regelmäßigen Abstand in hohem Bogen aus dem Plastikrohr. Für uns waren sie heute willkommene Abkühlung auf unserem Weg durch den Dschungel, für die Dorfbewohner ist es schrecklich, dass nur noch ein kleines Rinnsal am Fluss unten aus der Leitung kommt. Wo wir konnten haben wir kleine Holzspieße geschnitzt und als Pfropfen in die Leitung gesteckt um die Lecks zu schließen. Wir waren heute begleitet von Jackson, einem jungen Guna Guide, der uns den Teufelsfluss und den Weg durch den Dschungel gezeigt hat. Bis zu den Wasserfällen wollten wir eigentlich laufen, haben dann aber schon vorher umdrehen müssen, da es schon zu spät geworden war und wir es sonst nicht mehr vor Sonnenuntergang zu Moya zurück geschafft hätten. Es war dennoch ein schöner Ausflug, erst mit unserem Dingi zwischen Mangroven hindurch den Fluss hinauf zu fahren, uns dann den Friedhof der Gunas anzuschauen und dann immer entlang der Wasserleitung den Berg hinauf zu wandern. Der Weg führte uns tief in den Dschungel hinein. Wir sahen bunte Schmetterlinge und Vögel, kreuzten mehrere Rinnsale, balancierten über Baumstämme und wateten durch den Fluss. Neben dem Pfad an der Wasserleitung entlang, war der Urwald so dicht, dass man ohne Machete keine Chance zum Durchkommen gehabt hätte.

Joshua hat die Wanderung sichtlich genossen, er rannte, kletterte und freute sich bei jedem Bach über die Steine zu balancieren. Joni wanderte auch schon prima die einfacheren Teile des Pfades mit. Nur als unsere Kekse ausgingen gab es fast eine Meuterei. Nach dem anstrengenden Tag wurden die Kinder und ich bei Moya abgesetzt um zu Kochen, während der Capitano und Kathi erfolgreich noch etwas Gemüse und Brot ergatterten. Proviantieren auf San Blas ist schwierig, eh sei denn man will von Kochbananen, Kokosnüssen und Fisch leben. Nargana war der erste Ort an dem wir auch noch etwas anderes kaufen konnten, nachdem das Versorgungsschiff aus Kolumbien heute da war. Und wie ihr seht haben wir hier auch eine SIM Karte in einer kleinen Guna Hütte erstanden und haben jetzt sogar Internet im nirgendwo - manchmal zumindest und unendlich langsam.

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26.02.2018 - Cartagena, Kolumbien

Das andere Cartagena

Die Überfahrt von Cartagena nach San Blas ist eigentlich nur 1.5 Tage, dennoch bereiten wir Moya wie für eine längere Passage vor. Die meisten der insgesamt 370 San Blas Inseln sind unbewohnt und auf den bewohnten leben die Gunas, ein indigener Volksstamm, weitgehend unbeeinflusst von der westlichen Zivilisation. Auf den Inseln wird es keinen Geldautomaten geben und die Einkaufsmöglichkeiten werden auch eingeschränkt sein. Die Guna sollen zwar Touristen gegenüber aufgeschlossen sein und auch mal Obst und Gemüse verkaufen, aber wie genau unsere Interaktion mit dieser Volksgruppe aussehen wird wissen wir jetzt noch nicht und sind sehr gespannt darauf. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir unsere neue Crew Katharina heute auf den Markt von Cartagena geschleppt und so viel Obst und Gemüse gekauft bis unsere Vorratskammern überquollen und ich gar nicht mehr wusste wo ich das ganze Zeug noch hinstecken sollte.

Unser Ausflug zum Markt hat uns ein etwas anderes Gesicht von Cartagena gezeigt, während die Altstadt sehr vom Tourismus geprägt ist, sahen wir auf unserem Spaziergang durch Manga erst ein reiches Viertel mit vielen Villen aus der republikanischen Zeit und dann später auf dem Markt Bazurto das wahre Leben der Großteil der Bevölkerung. Die vielen schäbigen Verschläge standen eng nebeneinander auf schmutzigem Lehmboden, darüber waren Fetzen aus alten Planen und Tüchern gespannt um ein wenig Schatten zu spenden. Zwischen den Buden schoben Budenbesitzer schwere Holzkarren mit Metall bezogenen Holzrädern. Auf Ihnen türmten sich Schachteln und Kisten. Das Marktviertel ist riesig und je verkaufter Ware in verschiedene Bereiche eingeteilt. Im Fischbereich sahen wir haufenweise ungekühlte nur mit Wasser bespritzen Fisch, von Wahoo über Hai bis zu Red Sapper gab es dort alles zu haben, der Boden war bedeckt von Schuppen, es roch streng. Im Gemüseviertel liefen Hühner und Katzen zwischen unseren Füssen umher und es gab alles was in Kolumbien so angebaut wird: Mangos, Papayas, Bananen, Kartoffeln, Karotten, Auberginen, Tomaten und noch vielen mehr. Unter anderem auch einige exotische Früchte die für mich neu waren.

Kathi kannte die meisten davon, meine Kindergartenfreundin lebt hier in Kolumbien in der Kaffeezone und übernahm so auch die harten Verhandlungen an den Marktständen. Zusammen mit Joshua sind die beiden durch die Reihen gezogen und haben bewundernde Blicke geerntet als sie aussuchten was wir die nächsten Tage Essen werden. Neben unzähligen Komplimenten kamen wir so schwer bepackt zwischen den Marktständen hervor, dass Christian fast zusammengebrochen wäre. Der Capitano war nämlich auch fürs Tragen der meisten Ladung verantwortlich. Wir nahmen uns ein Taxi kamen trotzdem alle total erschöpft bei Moya wieder an. Nun musste nur noch die Wäsche und unsere Ausreise abgeholt werden, bevor wir jetzt endlich bereit sind zum Auslaufen.

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28.02.2018:
Kommentar from Robert
Hallo alle zusammen. Tolles Abenteuer, anschauliche Berichte und schöne Bilder. Es werden euch viele um eure Reise beneiden. Grüße aus Gochsen an euch und meine Tochter speziell.
23.01.2018 - Piscadera, Curacao

Kleine Segelauszeit

Seit vorgestern morgen stehen wir in der Piscadera Bucht, gleich neben dem Hilton Hotel - in dem die Großeltern eingecheckt haben - und haben Moya noch keinen Zentimeter bewegt. An Land und der Küste bläst der Wind kräftig, aber hier vor Anker spüren wir kaum etwas davon. Moya liegt so ruhig als seien wir in einer Marina. Einen kleinen Nachteil gibt es aber, es ist ziemlich heiß an Bord, so dass wir nachts schwitzen, weil wir das letzte kleine Lüftchen auch noch mit den Fliegengitter vor die Luken ausgesperrt haben, um nicht lebendig aufgefressen zu werden. Die Kinder finden es genial mal nicht im Meer sondern im Pool zu plantschen und den Fernseher von Oma und Opa am Nachmittag zu missbrauchen, wenn es zu heiß ist. Es geht also bei uns momentan noch gemächlicher zu als normalerweise.

Selbst für Wäsche waschen, Putzen und Moyas' To Do Liste bleibt noch jede Menge Zeit und das beste daran ist, dass es sogar ein bißchen Spaß macht hier an Bord die Dinge zu erledigen, wenn die beiden Kurzen nicht zwischen den Beinen herumklettern und alles wieder durch einander bringen. Moya sieht inzwischen wieder so stattlich aus, dass wir es sogar gewagt haben, Besuch mit an Bord zu bringen. Claudia und Christoph haben uns beim Einlaufen gesehen und uns ein großartiges Angebot gemacht für das wir uns gerne bedanken wollten. Die beiden sind auch leidenschaftliche Segler, deshalb wussten sie wieviel Geschleppe und Gerenne ein Einkauf ohne Auto sein kann, und haben uns kurzer Hand mit ihrem Leihwagen zum nächsten Supermarkt gebracht. Es war ein riesiger Markt bestückt mit vielen niederländischen Produkten, als gab alles was wir schon so lange nicht mehr hatten: Gouda, gekochter Schinken, Salami, Eis, Äpfel und sogar Pfirsiche. Da alles auch noch halb so teuer war wie auf den anderen karibischen Inseln, konnten wir gar nicht mehr aufhören einzuladen bis unser Einkaufswagen am Ende randvoll war.

Gestern haben wir unseren zweiten Versuch gestartet an ein Anchor Permit zu kommen und sind leider wieder gescheitert. Die Behörde zieht momentan um, so dass wir den ganzen Weg umsonst gemacht hatten. Aber wenigstens waren dieses Mal die Kinder nicht dabei. Das holländische Sea Research Ship lag immer noch am Kai und dieses Mal konnten wir tatsächlich den ersten Offizier dazu überreden uns herum zu führen. Momentan fährt die Pelagia unter dem wissenschaftlichen Projekt NICO in 12 Etappen über den Atlantik durch die Karibik und wieder zurück nach Texel (Holland). Die Wissenschaftler sammeln dabei Wasser und Sedimentproben vom Grund des Atlantiks (in bis zu 8000 Meter Tiefe) um zu erforschen wie sich der Klimawandel auf den Ozean auswirkt. 11 Mann Crew und 14 Wissenschaftler leben und forschen zusammen an Bord. Ich war ganz aufgeregt, das Zusammenspiel von high Tech Science und der Grobmechanik der großen Schiffsmotoren, Kräne und schwerem Equipment für die Probennahme zu sehen. Und offensichtlich war nicht nur ich begeistert, die kleine Doktorandin, die daran arbeitet wie sich der erhöhte CO2 Gehalt im Wasser auf kleine Schneckentierchen (ich habe den Namen vergessen) auswirkt, ist schon seit 7 Wochen an Bord und strahlte immer noch als sie über das Projekt sprach. Sie wird zwar seekrank, aber wofür gibt es Medikamente, die Zeit die Sie hier an Bord hat, muss genutzt werden. Unser kleiner Ausflug in die Stadt war also doch noch erfolgreich gewesen.

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25.01.2018:
Kommentar from sarah
soooo toll! endlich hab ich mal wieder geschmökert und bin (wie immer) begeistert von euren abenteuern und bildern! lg aus nz :-)
25.01.2018:
Kommentar from Dieter
Ich habe einen uralten Segelfreund, Jogi, der schon sehr lange in Panama lebt und eine guten Draht zu vielen Marinas und vor allem auch zu den Kunas auf San Blas hat. Ich werde ihn informieren, dass ihr in der Gegend sein werdet. Er kennt die Moya sehr gut und würde sich sicher sehr freuen, sie wieder zu sehen und euch kennenzulernen. Und wenn ihr Tips oder Hilfe braucht, seid ihr an der besten Adresse. Tel. und Mail schicke ich an eure E-Mail-Adresse. Alles Gute, Dieter
26.01.2018:
Kommentar from Moya Crew
Liebe Sarah, schön, dass Du immer noch Zeit findest trotz großer Fahrt und Baby Franz auf unsere Seite zu schauen. Das freut mich sehr. Grüße zu Euch Kiwis. Lieber Dieter, einen Kontakt in Panama, wäre wirklich große klasse! Vielen Dank für Euren noch immer unermüdlichen Support. Das wissen wir sehr zu schätzen.
22.12.2017 - Friendship Bay, Bequia

Nächste Station: Paradies

...hieß es nach unserem Abstecher in Kingstown. Bequia ist die größte Insel der Grenadinen, dennoch ist sie weniger als zwei Kilometer breit, nicht mal 10 Kilometer lang und beherbergt nur 5000 Einwohner. Im einzigen Dorf der Insel Port Elizabeth ist trotzdem einiges los. Die Admirality Bay die vor dem Ort liegt is voll von ankernden Yachten. Dazwischen fahren kleine Boote herum, verkaufen Eis, Wasser, Diesel, sammeln Wäsche ein, bieten ihre illegal gelegen Mooring Bojen oder Taxiservice an. Hier sind sie also alle! Wir haben uns schon die letzten Tage gewundert, dass wir am Horizont so viele Segler gesehen haben, aber die Buchten entlang der Küste leer waren. Kein Wunder, die Insel ist grün, das Wasser in der Bucht an den tieferen Stellen dunkelblau an den seichten Stellen türkisblau, der Strand ist weiß und der Ort wunderschön. Entlang der Bucht ragen Felsen auf und bilden unter Wasser ideale Plätze zum Schnorcheln oder Tauchen. Die Häuser sind bunt und sehr gepflegt und alles ist darauf ausgelegt die Yachties glücklich zu machen. Es gibt unzählige Bars, Cafés und Restaurants, Läden mit Angelbedarf, Delikatessupermärkte, Obst und Gemüseläden, eine Tauchschule, einen Rigger, verschiedene Segelmacher und sogar einen Paparazzi.

Letzterer hat uns bereits vor der Insel aufs Korn genommen und Action-Fotos von Moya gemacht. Wir wunderten uns schon ziemlich als das kleine Schlauchboot angerast kam und der Typ mit einem riesigen Teleobjektiv in alle 4 Richtungen abgespannt in seinem Boot stand und knipste. Die Fotos von Moya unter Segeln, die wir selbst nicht machen können, haben uns zuerst prima gefallen, dann aber ist uns die Luft weggeblieben und wir fanden sie gar nicht mehr so toll.

So ähnlich ging es uns später auch bei Doris Fresh Food, auf einem Tablett lag ein Leib Vollkornbrot, daneben ein Olivenciabatta und Schokocrossaints - mir ist schon das Wasser im Munde zusammengelaufen bis der Schwabe in mir Oberwasser bekommen hat. In dem kleinen Laden mitten im karibischen Nirgendwo findet man Alles von Lindt Schokolade bis Hengstenberg Saure Gurken und jeder Artikel kostet in etwa gleich so um die 10 Euronen. Bei Doris einzukaufen war nicht drin, aber 2 Smoothies für die Kinder und Cappuccinos aus der Siebträgermaschine für Christian und mich mit Blick auf die Bay mussten dann einfach sein. Bevor es zurück an Bord ging sind wir den Belmont Walkway um die Bucht gelaufen, ein schmaler Weg direkt am Wasser entlang der bis zum Strand führt und von dem man die Waterfront hervorragend erkunden kann.

Zurück bei Moya schaue ich noch einmal in unseren Cruising Guide um mich noch ein bißchen über den Ort zu informieren - dabei stolpere ich über den Absatz "avoid anchoring on the wreck that is 13°00,67'N, 61°14,47'W" und frage Christian ob es wisse, dass es hier ein Wrack gibt. Auf sein Kopfschütteln schaue ich auf unser GPS -Bingo! Genauer kann man gar nicht mehr treffen, 2 Meter unter Moyas´ Kiel liegt wohl noch ein Boot, das laut Hafenführer schon einige Anker verschlungen hat. Unser Eisen ist wieder aus dem Wasser gekommen als wir uns am Nachmittag in die Friendshipbay aufgemacht haben, wo wir Weihnachten verbringen werden.

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24.10.2017 - Tazacorte, La Palma

Wir bereiten uns auf den Atlantik vor

Schon seit Wochen habe ich immer wieder ein Auge auf das Atlantikwetter. Zwischen den Kanaren und den Kap Verden weht oft ein kräftiger Wind aus Nordost. Diese Woche ist er nicht ganz so stark. Der Gedanken an unsere längste Passage macht mich schon etwas nervös und ich frage mich wie es wohl werden wird, ungefähr eine Woche Tag und Nacht an Bord zu verbringen. Ich schwanke zwischen: das kann ganz schön anstrengend werden, wenn die Kinder oder das Wetter nicht mit machen und: Wir haben mittlerweile mehrere tausend Seemeilen mit Moya gesegelt, die Kap Verden werden da einfach eine weitere Passage, die etwas länger ist. Letztendlich werden wir es erst wissen wenn wir es gemacht haben. Also schiebe ich die Gedanken zur Seite und konzentriere mich darauf uns uns Moya bestmöglich auf den ersten Teil der Atlantiküberquerung vorzubereiten.

Nach 4 Großeinkäufen in den letzten Wochen, haben wir gestern nur noch Obst, Milchprodukte, Fleisch und Gemüse gekauft und denken dass wir jetzt gewappnet sind. 20 Äpfel, 20 Orangen, 10 Bananen, 10 Mandarinen, 8 Pflaumen, 6 Kiwis und 5 Mangos sollten unsere kleinen Obstmonster an Bord bei Laune halten. Auch mit länger haltbaren Artikeln ist Moya bis zum Anschlag gefüllt: Konserven, Nudeln, Reis, Mehl, Milch, Knabbereien und Hygieneartikeln. Die Lebensmittel werden schon auf den Kap Verden deutlich teuerer und spätestens in der Karibik lassen die Preise Tränen in den Augen aufsteigen. Heute wurde noch einmal richtig ran geklotzt, es wurde gepinselt, gebohrt, montiert und noch einmal Rigg, Motor und Windpilot gecheckt. Alle Wäsche ist mittlerweile gewaschen und Moya gründlich geputzt. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, dann kann es losgehen.

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25.10.2017:
Kommentar from Nici
Ich wünsche euch eine gute Zeit, passt gut auf euch auf und denkt an euer Ziel :) die kapverden sind mit Sicherheit traumhaft, wir wollen dann Bilder sehen, die uns bei dem Wetter hier neidisch machen. Viele Grüße