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Breite:
36° 26.0' N
Länge:
28° 14.3' O
Ort:
Rhodos, Grichenland
Datum/Uhrzeit:
28.05.2019
07:35 UTC+3
Wettermeldung:
vom
29.05.2019 12:00 UTC+3
28 °C
Mäßige Brise aus Ost

Logbucheinträge zu Griechenland

16.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Rhodos - bewegte und ruhige Ecken

Die Großeltern haben uns inzwischen verlassen und sind wieder nach Deutschland zurück gejettet. Aber nicht ohne vorher einen gemeinsamen Ausflug mit dem Mietauto über die Insel zu unternehmen. Während Rhodos Stadt sehr touristisch ist, findet man außerhalb sogar Eckchen, die von den Touris weitgehend verschont werden. Die Landschaft ist hügelig, durchzogen von kleinen Dörfchen und über weite Strecken mit unzähligen Olivenbäumen bewachsen. Ich fühlte mich fast wie in der Toskana.

Lindos ist zwar alles andere als ein authentisches griechisches Dörfchen, trotzdem wollten wir den Ort mit der Festung und der schönen Bucht davor gerne besuchen. Ganz einfach war das nicht. Die kleinen weißen Mietautos standen in Reihen am Rand der Straße und in Schlangen darauf. Der Stau war nur von einen Mann in zivil mit Trillerpfeife im Mund in geregelte Bahnen zu lenken. Alle suchten einen Parkplatz. Als wir schließlich unten am Strand einen ergattert hatten, starteten wir unsere Entdeckungstour genau dort. Der Strand war belagert, jeder Quadratmeter belegt von Liegen und Sonnenschirmen, dahinter reihten sich die Strandrestaurants auf. Das waren wir überhaupt nicht mehr gewöhnt. Schnell liefen wir über die Holzbretter im Sand zum anderen Ende der Bucht und stiegen durch kleine Gässchen hinauf zur Festung. Über Pflastersteine und Mosaike, vorbei an netten Restaurants, Hotels, kleinen Läden und Pensionen ging es. Überholt wurden wir von zwei Esel mit hellhäutigen Menschen auf dem Rücken. Das Dorf ist wunderschön, aber in jeder Ecke für den Tourismus hergerichtet. Das wahre Griechenland findet man hier eher nicht.

Auch in Rhodos ist es erstmal schwierig nicht in einem Tourischuppen zu landen. In der Altstadt gibt es wenig anderes und auch bei der Marina findet man eine Autovermietung, einen kleinen Supermarkt mit Apothekenpreisen und einige posh Restaurants. Läuft man aber einige Straßen in das Wohnviertel hinter der Marina findet man auch die kleine Gyros Taverne, eine Konditorei, mit endlosen süßen Köstlichkeiten, oder die Hippopotamus Café Bar, wo normalerweise nur die Griechen sich die Klinke in die Hand drücken.

Am besten aber lernt man die Griechen kennen, wenn man mit ihnen arbeitet. Die Marinieros sind natürlich hochprofessionell, genauso wie der Segelmacher, der uns unsere Genua zwar ein paar Tage verspätet, aber dafür in Top Zustand zurück brachte. Er hat das Segel nicht nur repariert und die UV Protection erneuert, sondern es auch gewaschen und alle Nähte überprüft. Nur als wir ihn nach der Rechnung fragten kam er ein wenig ins Schwitzen, damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet. An der Mehrwertsteuer vorbei wirtschaften ist hier die Regel und keine Ausnahme. In der kurzen Zeit hier auf der Insel sind wir schon zig Mal darüber gestolpert, keinen Kassenzettel zu bekommen, andere Preis genannt zu kriegen, wenn mit Karte bezahlt wird oder direkt angesprochen zu werden, dass es ohne Rechnung bessere Preise gibt. Wer Böses denkt, schweift ab zur Pleite Griechenlands. Qualität haben bisher alle Handwerker geliefert, nur Socrates ist auch nach Duzenden Anrufen und 5 Besuchen in seinem Laden nicht dazu zu bewegen gewesen, sein Versprechen wahr zu machen und eine neue Sprayhood anzufertigen. Naja, vielleicht finden wir noch jemanden anderen?

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11.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Kinderfrei

Die Grosseltern sind zu Besuch. Sie haben sich in Rhodos Stadt in einem kleinen Hotel eingemietet. Die Jungs waren schon Tage davor total aus dem Häuschen und zählten die Tage rückwärts bis zu ihrer Ankunft. Bei jedem Flugzeug zeigten zwei kleine Zeigefinger in den Himmel und fragten ob Oma und Opa drin seinen. Das letzte Mal hatten Joni und Joshi Opi und Omi auf Curaçao vor fast 1.5 Jahren gesehen. Vor allem für das bisher nur vier Jahre kurze Leben von Joni ist das eine beträchtliche Zeit. Trotzdem gab es keinerlei Startschwierigkeiten, die Jungs gingen sofort auf Tuchfühlung und schlossen die Großeltern in die Arme, zeigten ihnen die Marina und ließen sie von da an kaum mehr aus den Augen. Schon am ersten Morgen verabschiedeten sich die vier, tingelten durch Rhodos Stadt, zum Spielplatz und zum Hotel. Die darauffolgenden Tage habe ich die Kleinen kaum gesehen. Ein Ausflug jagte den nächsten: Lindos, das Schmetterlingstal, der Golden Beach und Symi wurden zusammen erkundet, während wir unsere Arbeiten an Moya voran brachten. Jeden Abend trafen wir uns alle nach einem erfüllten Tag und fielen in eine der zahllosen griechischen Tavernen ein. Ich liebe das griechische Essen und den genialen Kaffee den es hier an jeder Ecke gibt. Costas, aus der kleinen Bar Hippopotamus, erwartet uns inzwischen schon zum Cappuccino am Nachmittag. Eigentlich kommen wir täglich bei ihm in der Mittagspause vorbei, wenn wir in das kleine Industriegebiet zwischen Werft und Marina wandern um einzukaufen und Socatres so lange zu nerven bis er vielleicht irgendwann doch noch unsere Sprayhood in Angriff nimmt. Bisher wenig erfolgreich.

Vor zwei Tagen beschlossen die Kinder dann bei Opa und Oma im Hotel zu übernachten. Für Christian und mich bedeutete das den ersten Abend kinderfrei seit dem Beginn unserer Reise. Nach über 500 Tagen Kinderbetreuung mehr oder weniger 24/7 war dieser Abend sehr besonders, obwohl wir eigentlich nur zur dem kleinen Bistro um die Ecke tingelten, ein Bier tranken und Gyros aßen. Der Gin Tonic am Hafen musste danach allerdings schon noch sein. Wir hatten ja etwas zu feiern: die erste Nacht ganz ohne Kinder seitdem Joshi auf der Welt ist. Ungewohnt ruhig war es an Bord.

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12.06.2019:
Kommentar from Micha + Markus
Herzlichen Glückwunsch. Auch wenn die Jungs so lieb und kuschelig sind, ist ein Tag ohne sie auch mal schön. Klingt, als hättet Ihr ihn genossen. Wir sind auch gerade auf dem Meer, setzen gerade in Japan über die Ise-Bucht vor Nagoya von Irago nach Toba über. Viele Grüße, Markus und Micha
24.05.2019 - Kastelorizo, Griechenland

Verliebt in Kastelorizo

Die Insel hat es mir wirklich angetan. Obwohl viele der jungen Einheimischen nichts lieber täten, als von hier weg zu kommen, bin ich ganz entzückt von den vielen kleinen bunten Häuschen mit den Holzbalkonen und bunten Fensterläden. Zwischen den schön hergerichteten Gebäuden gibt es auch immer wieder Lücken, wo einst Häuser gestanden haben müssen und halb verfallene Häuser bei denen kaum noch die Aussenmauern stehen und im besten Fall die alten Läden windschief in ihren Angeln hängen. Dazwischen Aprikosenbäume, Rhododendren, Zitronen, kleine üppig grün bepflanzte Hinterhöfe, schmale Gässchen, weiße Treppen, Kapellen und verwinkelte Wege. An einigen Gebäuden hängen Schilder „For Sale“ mit einer Telefonnummer darunter. Mir jucken die Finger.

In einem der Touri Cafes an der Uferpromenade hängt ein Bild des Orts von vor hundert Jahren, damals war der kleine Ort eine kleine Stadt gewesen. Inzwischen umgibt einen Stille, wenn man hinter die erste Häuserzeile geht. Aber selbst direkt hier im Hafen sitzt jeden Tag ein Mann, der seine Fische und Calamari ausnimmt, die erst später in seinem Lokal verkauft. So wie es schon immer war. Das haben auch die riesigen Wasserschildkröten gemerkt, die täglich um Moya herumschwimmen und ab und zu ihre Köpfe aus dem Wasser strecken. Gleich um die Ecke gibt es einen Bäcker, mit Backstube dahinter. Jeden Tag waren wir bisher dort und kommen täglich mit einer noch größeren Tasche an Gebäck heraus - ich bin nicht sicher, ob ich jemals schon so tollen Blätterteig gegessen habe. Wenn wir noch ein bisschen da sind, werden wir alle noch richtig kugelig, das Tzatziki und Gyros sind nämlich auch unschlagbar.

Immer wieder liefen uns hellhäutige Menschen mit schweren Wanderschuhen über den Weg. Hinter dem Ort ragen die Felsen in den Himmel. Schmale steinerne Pfade führen hinauf. Von oben hat man eine unglaubliche Aussicht über die Bucht und den Ort bis in die nur einige wenige Kilometer entfernte Türkei. Wir wanderten hinauf und einmal über das Plateau bis zum Kloster St. George, das hübsch renoviert ist, aber schon seit langem nicht mehr in Benutzung ist. Auch das Fort haben wir ausgekundschaftet. Die Kids waren voll mit dabei, richtig im Wanderfieber. Ursprünglich wollten wir bereits gestern weiter segeln, aber es ist einfach zu schön hier. Das finden auch die befreundeten Crews von Renegade und Juliane, die wir schon in Ägypten getroffen haben. Griechenland ist und bleibt eines unserer Lieblingsländer, vor allem mit wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind.

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21.05.2019 - Kastelorizo, Griechenland

Zurück in Europa

Die letzten drei Tage zeigte das Stimmungsbarometer Minustemperaturen an. Wir waren zurück. Das Ende unserer Reise steht bevor. Es war kalt. Am Schlimmsten aber war, wir hatten Moya, unserer treuen Lady, die sich immer gut um uns gekümmert hat und uns so zuverlässig um die Welt getragen hat, eine Schramme verpasst. Kaum waren wir im Mittelmeer angekommen und die Tücher gehisst, pflügte Moya hart am Wind durch die Wellen. Der Wind kam aus Nordwesten, im Prinzip da wo es hingehen sollte. Wir segelten durch das durch Tonnen markierte Fahrwasser und wurden langsam von Wind und Wellen auf der östlichen Seite hinaus gedrückt. Eigentlich kein Problem, es gab dort keine Schiffe und das Wasser war auch tief genug. Wir saßen zusammen im Cockpit, als sich das Schiff plötzlich seltsam bewegte. Im ersten Moment wussten wir überhaupt nicht was los war. Erst wenig später sahen wir eine riesige Tonne auf der Steuerbordseite an uns vorbei ziehen - zum Greifen nahe. Das war es also gewesen! Oh Sh..! Die Tonne gehörte zum Nachbarfahrwasser, das unmittelbar, parallel neben unserem Fahrwasser verlief. Wir hatten sie, obwohl sie so groß ist, schlicht nicht gesehen und auch nicht mit ihr gerechnet - unser Fehler! Ein kurzer Blick zum Bug genügte, um zu sehen, dass Moya weiterhin seetüchtig ist, allerdings hat sie jetzt eine unschöne Schramme an der Nase. Wir entschieden weiter zu segeln, allerdings mit anderem Vorsegel. Das Topzeichen der Tonne hatte unsere Genua beschädigt. Langsamer als gewohnt segelten wir weiter, die Crew litt mit, die Stimmung am Tiefpunkt.

Erst heute Morgen wurde es wieder etwas heller, als vor uns die bergige türkische Küste auftauchte und direkt davor auch die östlichste Insel Griechenlands Kastelorizo. Nachdem wir die Insel umrundeten sahen wir die wunderschönen, kleinen Häuschen mit den bunten Fensterläden am Fuße des Felsen, die Moschee und die Kirche, den Stadthafen mit den davor liegenden Fischerbooten und Yachten, dazwischen grüne Büsche, Bäume und üppig blühende Rhododendren. Wildromantisch und einfach nur schön. Mir ging das Herz auf. Als wir dann in einer der vielen Tavernen am Hafen echten Cappuccino schlürften und Schoko-Croissants aßen, genoss ich es bereits in vollen Zügen zurück in Europa, zurück zu Hause, zu sein.

Wie viel Glück wir mit unserer Lady haben lernten wir dann auch noch. Mit einer wenigen soliden Yacht, wäre die Sache wohl nicht so glimpflich ausgegangen, ist die Einschätzung eines Schiffbau Ingenieurs, der sich heute unseren Makel ansah. Mit einem Loch statt einer Schramme wären wir auch definitiv noch nicht hier. Arbeit wartet auf uns, aber es gibt wesentlich Schlimmeres.

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23.05.2019:
Kommentar from Gabi
Eure treue, zuverlässige Moya muss nun doch noch am Schluss eine auf die Nase bekommen, aber wie gewohnt, hat sie schlimmeres Ungemach verhindert. Lasst sie dafür nun aufhübschen, damit sie noch den Rest der Strecke stolz durch das Mitteilmeer ziehen kann. Sie hat es verdient. Tante Gabi
23.05.2019:
Kommentar from Micha + Markus
Auch von uns einen herzlichen Glückwunsch, dass Ihr wieder im Mittelmehr seid und willkommen zurück in Europa. Nach Rhodos ist es dann auch nicht mehr weit, daran haben wir noch viele schöne Erinnerungen an die Segelwoche mit Euch.