• Neuster Eintrag
  • April 2019 ⇒
  • ⇐ Februar 2019
Letzte Position:
(auf Karte anzeigen)

Breite:
21° 21.0' N
Länge:
37° 00.7' O
Ort:
Khor Shinab, Sudan, Rotes Meer
Datum/Uhrzeit:
16.04.2019
17:30 UTC+3
Wettermeldung:
vom
16.04.2019 10:40 UTC+3
31 °C
Schwache Brise aus Ost

Logbucheinträge im März 2019

31.03.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 17: Geisterfahrer

Erst gar kein Wind und jetzt über 25 Knoten. Das entspricht Windstärke 6, starker Wind. An Land bewegen sich bei diesem Wind auch dicke Äste und man hört ein Pfeifen. 20 Knoten hätten mir eigentlich auch gereicht. Ja, ja, ich weiß, irgendwas ist immer. Aber heute Nacht ging es ganz schön zur Sache.

Die inzwischen ordentlichen Wellen rollten unter dem Schiff durch und hoben es an, bevor es wieder hinunter ging, dabei wurde Moya jedesmal leicht nach rechts oder nach links gedrückt. Quer zur Fahrtrichtung sitzend fühlte man sich als würde man ununterbrochen wippen. Moya segelte zwischen den Tankern und Containerschiffen, die noch immer wie auf zwei Perlenschnüren aufgereiht an uns vorbei zogen. Moya machte richtig Fahrt Richtung Westen, wurde jedoch ganz allmählich, über Stunden hinweg nach Süden aus dem Mittelstreifen auf die ostwärts gerichtete Fahrbahn gedrückt. Der Wind kam direkt von achtern, eigentlich sogar schon leicht aus der falschen Seite in das Grosssegels. Wir konnten unter keinen Umständen weiter abfallen (für Nichtsegler: den Wind weiter von hinten nehmen), da wir sonst eine Patenthalse (wenn der Baum unkontrolliert vom Wind von einer auf die andere Seite gedrückt wird) riskieren würden. Das Segel ist zwar mit einer nach vorne ziehenden Leine gesichert, so dass eigentlich der Baum bleiben sollte wo er ist, selbst mit Wind von der falschen Seite im Segel, aber das darf dann auch nicht schiefgehen, da sonst unser Rigg schwere Schäden nehmen würde. Abfallen war somit keine gute Idee, aber nachts als Geisterfahrer unterwegs sein eben auch nicht. Ein noch Norden gerichteter Strom sollte einsetzte und unseren Kurs wieder verbessern. Aber er tat uns den Gefallen nicht.

Um 3 Uhr heute Morgen waren wir dann schon fast eine halbe Meile auf der Gegenfahrbahn und wir mussten was tun. Wir holten das Gross dicht, fuhren eine Halse und nun quer zur Schifffahrtsstrasse. Unser Ziel war, den Mittelstreifen einmal zu queren, um uns dann ganz langsam nach einer erneuten Halse wieder nach Süden drücken zu lassen. Mit dieser Aktion wollten wir ein nächtliches Umbauen unserer Segelkonfiguration verhindern. Das wäre bei diesen Bedingungen nicht so lustig geworden. Unsere Idee funktionierte, nur Murphy schlug mal wieder zu und schickte uns einen koreanischen Tanker genau dorthin wo wir die zweite Halse fahren wollten. Am Morgen hat der Strom dann endlich eingesetzt, so dass wir, trotz des starken Windes, wieder genau auf Kurs unterwegs sind. Viel Wind und Welle haben aber auch was Gutes, wir sind flott unterwegs und Piraten kommen ganz sicher keine vorbei. Mit ihren offenen kleinen Booten wäre das vermutlich ein Selbstmordkomando.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
30.03.2019 - Irgendwo im Golf von Aden

Tag 16: Unerwünschter Besuch

Am Nachmittag entdeckten wir doch tatsächlich einen blinden Passagier an Bord. Es war eine grüne Wanze, Nezara viridula. „Wo kommt die denn her?“ Wir überlegten, ob wir die Wanze schon die ganze Zeit an Bord haben, oder ob es ihr gelungen sein kann, denn ganzen Weg von der arabischen Halbinsel oder gar Afrika hierher geflogen zu sein. Gut fliegen können Baumwanzen schon, aber wir sind immerhin 75 nm vom Jemen und 100 nm von Somalia entfernt.

Noch mehr staunte ich dann aber nach dem Abendessen. Es war bereits dunkel geworden und ich war im Cockpit für den Rundumblick und um nach den Segeln zu sehen. Endlich gab es wieder genug Wind zum Segeln und durch die Flaute der letzten Tage noch überhaupt keine Wellen. Moya machte 5 Knoten Fahrt ohne die geringste Schaukel Bewegung. So macht Segeln Spass! Die Bedingungen waren so stabil, dass wir entschieden uns von der ausgebaumten Genua und ausnahmsweise von unserem Leichtwindsegel durch die Nacht ziehen zu lassen. Mit dieser Konfiguration ist der Bereich in dem wir navigieren können wesentlich eingeschränkter, da der Wind sehr achterlich in die Segel wehen muss. Aber der Windwinkel passte, um selbst auf dem engen Mittelstreifen segeln zu können, nur mussten wir eben öfter kontrollieren, ob Kurs und Segel noch stimmen.

Ich war also draußen und schaute, als plötzlich sehr laute rhythmische Geräusche ertönten. Fast wie ein wiederkehrendes Pfeifen, oder Tschirpen. „Nein, es war ein Zirpen!“ stellte ich nach einem Moment fest. „Joshi, Joni kommt mal raus, wir haben eine Grille an Bord!“ Mit der Taschenlampe gingen wir auf die Suche unserer Lärmbelästigung. Meine Ohren klingelten, ich hatte keine Ahnung, dass Flügel aneinander reiben von kleinen männlichen Insekten so laut sein kann. Wir mussten nicht lange suchen, der Sänger saß direkt neben mir und war gar nicht mal so klein. Für ein Insekt sogar ziemlich groß und dunkelbraun. Ich hatte vorher noch nie eine Grille bewusst gesehen, nur gehört und war nicht sicher, ob es wirklich eine Grille war, aber das Bild in Wikipedia war eindeutig. Dabei fliegen die meisten Arten gar nicht. Aber ist es wahrscheinlich, dass wir diesen Gast 15 Tage lang mit uns herum geschippert haben ohne, dass er gesungen hätte? Überhören konnten wir ihn jedenfalls kaum.

Heute Morgen noch vor unserer täglichen Funkrunde mit dem japanischen Flugzeug, nahmen wir den Blister vom Himmel, der Wind hatte zugelegt und war zu viel für unser Asymmetrisches. Wir waren spätestens jetzt dem Flautenbereich entkommen und setzten unsere Grosssegel. Die See hat wieder Schaumkrönchen und Moya rollt auch schon wieder ganz ordentlich von einer auf die andere Seite. Es geht voran!

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
29.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 15: Nicht alleine

Bereits seit einigen Tagen sind wir immer mehr Schiffen begegnet. Einige davon haben wir nur auf unserem AIS Schirm, andere am Horizont und wieder andere nur weniger als eine Meile entfernt vorbei fahren sehen. Inzwischen bilden sie einen fast stetigen Strom aus Tankern und Containerschiffen, kleinere aber auch die ganz großen Ozeanriesen. Auf unserer Steuerbordseite fahren die Schiffe Richtung Westen, auf unserer Backbordseite Richtung Osten, Moya ist dazwischen eingekuschelt. Wir sind in der Schifffahrtstrasse angekommen, die eigentlich keine ist, und fahren sozusagen auf dem Autobahnmittelstreifen.

Nachdem wir unsere AIS Position die letzten Tage nicht übertragen hatten und im Schleichmodus unterwegs waren, schalten wir den Sender nun wieder an, um die Berufsschiffe nicht zu irritieren. Seit drei Tagen sehen wir auf unserem AIS Schirm jeden Morgen Schiffe, die bis zu 250 Meilen weit entfernt sind und fragen uns, ob MSCHOA hier mobile Repeater verwenden, um den Verkehr besser überwachen zu können, denn normalerweise reichen selbst die starken Signale der Berufsschiffe nur bis zu 50 Meilen weit.

Der IRTC Korridor (internationally recognised transit corridor) liegt in internationalen Gewässern, unterliegt keiner nationalen Gesetzgebung und ist somit nicht rechtlich bindend. Trotzdem halten sich fast alle Schiffe innerhalb der definierten Schifffahrtswege auf, denn in dieser Zone kontrolliert die Anti Piraten Koalition MSCHOA besonders gut. Gestern flog auch schon ein weißes Flugzeug einen Kreis über uns. Eine Minute später knackte die Funke „Japanese navy aircraft for Moya“. Sie erkundigten sich nach unserem geplanten Zielhafen und informierten uns, dass die Kriegsschiffe der Koalition den Funkverkehr auf dem Notfall Kanal 16 überwachen. Beim fünften Versuch verstanden wir das dann auch. Insgesamt war in der Nacht auf dem Kanal 16 überraschend viel los, manch Wachhabendem schien es langweilig gewesen zu sein, so dass er seinen geistigen Sondermüll in den Äther ergoss.

Wenn man in den Korridor hineinfährt sieht man nichts als blauer Ozean, aber jeder weiß Bescheid in welchem 5 Meilen breiten Streifen er unterwegs sein soll. Der Mittelstreifen ist mit 2nm noch enger, das macht das Segeln schwieriger. Aber momentan spielt das noch keine Rolle, denn es gibt immer noch zu wenig Wind und eine 2 Knoten starke, entgegen laufende Strömung. Henry kämpft bereits seit mehr als 24h mit nur 4 Knoten gegenan. Die RSM Queen Mary 2 hatte da weniger Probleme. Der hell beleuchtete riesige Kreuzfahrer raste heute Nacht mit 22 Knoten an uns vorbei, Ziel Jordanien.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
28.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 14: Nächtliches Treiben oder Wer will schon schlafen?

Christian weckte mich heute Morgen um 2 Uhr zu meiner Nachtwache. Die Maschine knatterte. Es gab immer noch nicht mehr als ein Hauch von Wind. „Unsere Tankanzeige zeigt nur noch halbvoll!“ meinte der Capitano und öffnete die Klappe im Fussboden neben Joni‘s Koje. Die Tankanzeige gibt den Dieselstand in unserem Tagestank an. Der sollte eigentlich immer voll sein, da - sobald der Motor arbeitet - kontinuierlich Diesel aus unserem Kieltank gefiltert und in den Tagestank gepumpt wird. Überschüssiger Diesel fließt dann über einen Überlauf zurück in den Kieltank. Selbst mir war klar, dass da etwas nicht stimmte.

Wir setzen Segel und schalten Henry ab. Die Segel hängen lose an den Fallen, aber zumindest driften wir nicht unkontrolliert, sondern mit einem Knötchen Richtung Westen. Wir suchen Messgeräte und Werkzeuge zusammen, dann beginnt Christian in der Bodenklappe zu hantieren. „Zündung an! Und wieder aus!“ leitet er mich an. Schnell war herausgefunden, dass der Dieselfilter verstopft war. Das war eigentlich überhaupt kein Problem, denn Moya besitzt ein redundantes Pump-System mit 2 unabhängigen Pumpen und vorgeschalteten Dieselfiltern zwischen denen man umschalten kann. Doch nach Bestätigung des Schalters rührte sich immer noch nichts, die zweite Dieselpumpe machte keinen Mucks. Christian machte sich an die Dieselfilter. Dieselschwaden ziehen durchs Schiff. Lecker! Aber immerhin! Die eine Pumpe lief wieder, nachdem die Filter gewechselt waren. Die andere nicht, sie muss irgendwann kaputt gegangen sein, ohne dass wir es gemerkt hätten. Also baute Christian auch noch gleich die defekte Pumpe aus und eine Ersatzpumpe ein. Die hatten wir zum Glück als Ersatzteil dabei. Manchmal lohnt es sich also doch, dass das halbe Schiff gut gefüllt ist mit Werkzeugen und Ersatzteilen.

Um 6:00 Uhr konnte sich Christian endlich hinlegen. Eine halbe Stunde später schepperte es im Cockpit. Ich hatte gestern Abend vergessen die Angelleine einzuholen. Ein kleiner Bonito war an der Leine. Den schaffte ich dann auch alleine zu landen. Joshua schaute zu. Die Nacht war vorbei.

Mit Sonnenaufgang setzte ein laues Lüftchen ein, wir segeln endlich wieder - aber laaangsam.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
27.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 13: Zeit Vernichtung

Ihr wollt also wissen, wie wir die Zeit in der Flaute tod schlagen?! Hier sind unsere letzten 24 Stunden:

  • 12:00 Uhr: Wir versuchen noch das letzte Lüftchen einzufangen und bauen unsere Passatbesegelung von ausgebaumter Genua und gesichertem Grosssegel um. Das Groß kommt runter, der Blister rauf.
  • 12:45 Uhr: Ich nutze das ruhige Wetter zum Putzen und scheuche die Kinder durchs Boot. Christian lädt den Logbucheintrag hoch und die Wettervorhersage herunter. Irgendwann beschließt Joshi für Christian eine Schatzsuche durchs zu erstellen.
  • 14:00 Uhr: Wir machen Vorschule. Heute spielen die Jungs mit englischen Zahlen.
  • 14:50 Uhr: “Hunger!” schreit Joni. Ohwe, wir haben das Mittagessen vergessen. Schnell verarbeiten wir unser altes Brot zu armen Rittern.
  • 16:30 Uhr: Nach dem Essen ist vor dem Essen. Ich backe Roti fürs Abendessen. Christian liest den Kids „Emil und die Detektive“ zu Ende, danach verwüsten sie das Schiff.
  • 17:10 Uhr: Schicht im Schacht. Das Segel muss runter. Henry muss ran. Ich mache Falafeln. Es dauert die Kichererbsen mit dem Messer kleinzuhacken. Die Kinder hören Bibbi Blocksberg und räumen irgendwann tatsächlich das Chaos des Tages auf. Der Capitano startet den Wassermacher und füllt Flaschen ab.
  • 18:30 Uhr: Abendessen, Zähneputzen, Abspülen, Duschen, Angel rein.
  • 20:05 Uhr: Die Kids sind im Bett - puh, abends sind sie immer anstrengend. Christian und ich schauen einen Saalbach und Kepler Tatort, mit Unterbrechungen für den Ausguck alle 15 Minuten.
  • 21:40 Uhr: Unsere Wassertanks sind voll. Es ist stockdunkel, der Mond ist noch nicht aufgegangen. Auch Sterne sieht man keine. Dafür leuchtet das Wasser von Moyas Bugwelle grünlich. Das grüne Leuchten setzt sich auch in Streifen seitlich fort. Es sieht aus wie Polarlichter im Wasser. Manchmal flieht ein überraschter Fisch mit grünem Schweif vor Moya, blitzschnell. Auch sie zieht einen langen, grünlichen Kometenschweif hinter sich her. Das Leuchten ist so hell, dass ich es sogar schaffe in der Dunkelheit zu fotografieren. Wir sind wieder einmal überwältigt von den Wundern unseres blauen Planeten. Christian legt sich viel zu spät hin.
  • 0:20 Uhr: 5 Knoten Wind, wir bauen die Segel um. Blistern wollen wir nicht bei Nacht. Wir machen 3 Knoten Fahrt.
  • 3:15 Uhr: Ich kugle aus meiner Koje und setzte mich ins Cockpit. Alle 15 Minuten Rundumblick.
  • 5:30 Uhr: Die Sonne geht bald auf. Der Himmel ist schon hell. Ich wecke Christian. Nächster Wachwechsel.
  • 6:00 Uhr: Joni steht auf und legt sich zu mir in die Koje.
  • 8:15 Uhr: Frühstück! Alle zusammen. Unsere Position ist bereits per E-Mail zu den Watchkeepers gesendet.
  • 8:55 Uhr: Der Wind ist schon wieder weg. Also Segel rein, Motor an. Die Kinder spielen Lego und rasen dabei wie wild durchs Schiff.
  • 10:10 Uhr: Badestopp. Kein Lüftchen, 0 Knoten. Wir lassen sogar das Grosssegel gesetzt. Nur eine Schwimmleine ist zur Sicherheit im Wasser und ein Erwachsener an Bord. Ansonsten gibt es nur uns, 2000 Meter tiefes Wasser und ein sanft wiegender, spiegelglatter Ozean. Die Kinder sind kaum mehr aus dem Wasser zu kriegen.
  • 11:00 Uhr: Duschen, die Maschine läuft.
  • 11:20 Uhr: Wir spielen “Wer ist es?” und Memory im Cockpit und setzten den Sauerteig für das Brotbacken am Nachmittag an.
  • 12:00 Uhr: Die Jungs kleben kleine bunte Hölzchen zu einer Schildkröte zusammen und malen sie aus. Danach stellen sie Fragen. Wir finden zusammen heraus, dass es 341 Arten gibt. Dass Schildkröten besser sehen können als Menschen. Dass die größte Art, die Lederschildkröte (die haben wir neulich erst gesehen) bis zu 2.5m lang und 900kg schwer werden, die Aldabra Riesenschildkröte dafür bis zu 250 Jahre alt werden kann, wenn auch nur in Gefangenschaft. Und noch eine ganze Menge mehr.
Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
26.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 12: Flaute

Der Wind ist weg. Ganz weg. Wir versuchten es mit unserem Leichtwindsegel, aber selbst das hängt nur lose am Fall und bewegt sich leicht durch das Schaukeln von Moya im kaum vorhandenen Schwell. Da ist sie also die Flaute, vor der uns alle gewarnt haben. Sie scheint nordöstlich von Soccotra fast schon stationär zu sein. Jedenfalls zeigten unsere Wetterfiles hier seit Wochen wenig Wind.

Nach nur 17 Motorstunden seit unserer Abfahrt auf den Malediven, blieb uns bereits in der Nacht nichts anderes übrig als unter Maschine zu laufen. Wie würden unsere lieben Politiker sagen? Alternativlos! Inzwischen treiben wir mit nicht mal 2 Knoten in die richtige Richtung, es gibt zwar fast keinen Wind (3 Knoten zeigt der Windmesser), dafür aber eine leichte Strömung nach Westen. Henry kriegt eine verdiente Pause, solange bis ich die Langsamkeit nicht mehr Ertragen kann. Diese Flaute ist ganz besonders frustrierend, da momentan nur 200 Meilen weiter westlich ein schöner Segelwind weht, von dem man nicht so genau weiß, wie lange er anhält. Wenn wir den verpassen, heißt das eventuell, dass wir seeehr lange bis ins rote Meer brauchen werden. Um die gesamte Strecke zu motoren, reicht unsere große Dieselreserve vermutlich immer noch nicht ganz.

Die Stimmung an Bord lässt zu wünschen übrig, sie ist wie der Wind in den Keller gestürzt.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
26.03.2019:
Kommentar from Tante Gabi
Denkt an die Wikinger mit ihren Flößen die nur mit der Strömung vorwärts gekommen sind. Ich habe die Geburtstage der Kinder total vergessen. Aber so richtig fehlt die Großtante ja nicht. Es würde mich aber schon interessieren, wie man sich bei so einer Flaute im unendlichen Ozean tatsächlich fühlt. Ob man die Stille nutzen kann, um etwas zu lernen oder zu lehren oder seine Muskeln zu trainieren oder ob man nur träge dahindöst und auf jeden Windhauch wartet. Jetzt wünsche ich euch eine steife Brise, damit die gute Moya wieder so dahinfliegt und euch die Langeweile vertreibt.
27.03.2019:
Kommentar from yacht alamic swissflag
ich schreib mal deutsch tag zusammen od zu 4 wir werden am 29 märz richtung socotra starten als segelboot jedoch die ganze strecke motoren. es ist schade dass ihr socotra nicht besucht pro person kommen ca 250 us das ist richtig jedoch spart ihr beim diesel zu 0.50 cent genau die hälfte wieder ein wenn ihr dort tankt. schade schade hätte euch gerne dort getroffen . ich lege noch den letzte email vom ex agent for socotra bei Hello ! I`m stay on a boat too in Turkey now (junk rig shooner). But my partner on Socotra can organise everything for you. On Socotra everything is fine as usual. It's very quiet and peaceful place. We are far from the events on the mainland. Basic info you can find at http://socotra.info/report-sailing-boat-delta-socotra.html or http://www.noonsite.com/Countries/Yemen/socotra The last published report report you can read at www.seachildsailing.blogspot.com<http://www.seachildsailing.blogspot.com/> Now is better to avoid mainland in Yemen. Aden is not safe at the moment and is dangerous to approach the Yemeni islands in the Red Sea. Ancorage place on Socotra - 12°40.50 N - 54°04.44 E. Is better to come in a day time. Is better to drop the ancor more west from seaport You will find a few cargo ships with long ancorage ropes. Take care. You have to wait aboard till sequirity come to the boat for custome and immigration control. Sea port dont have VHF (or dont use it). For seaport autorities your agent is Ghanem Ali. He will organize for you everything on Socotra. He is very nice and open person. His telephon 00967771738887 or 00967770272222 kubrhi@gmail.com Please call him before and he will meet you in sea port VHF ch. 72 Visa (a stamp in the passport) you are getting on arrival. The immigration office and security services at the port are asked to notify the arrival of the advance. Therefore, it would be great if you send me in advance copies of your passports, the name of the boat and ETA. Usually for few days immigration take 150$ per person. All fees for clearance icluding agent's commission is 230 USD. Plus 10 USD for boat which bring passport and customs control aboard. Transfer Seaport - Hadibo and back - 30 USD, day trip 100 USD - Toyota Landcruiser with local english-speaking driver/guide (car can take 4-6 person depent of the location of the seats). There is no internet-cafe in the city but you can use Internet at Ghanem office. Fuel now is 0,52$ per lt (good fuel from Emirates - new gas station in Hadiboh) I will be glad to answer your questions. Best regards, Denis P.S. I think you are second sailor from Turkey who will come to Socotra (maybe you know Ahmet Davran - he was the first I think
25.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 11: Socotra links ab

Socotra ist eine große Insel 150 Meilen vor der somalischen Küste. Trotzdem gehört sie nicht zu Somalia, sondern zum Jemen und wird momentan von den Vereinigten Arabischen Emiraten kommisarisch regiert. Der jemenitische Bürgerkrieg hat es nicht auf die Insel geschafft. Deshalb, wegen der Länge der Passage und vor allem, weil die Insel auch das Galapagos des Indischen Ozeans genannt wird, haben wir bis heute darüber nach gedacht dort einen Zwischenstopp einzulegen. Außerdem hat man momentan ansonsten kaum eine Chance die wunderbare Insel zu besuchen, da keine sicheren Flugverbindungen existieren. Die Insel beheimatet zahlreiche endemische Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. 90% der Reptilien Socotras z.B. leben nur dort. Vor allem haben mich aber die Bilder der Drachenblutbäume und der Flaschenbäume der Wüsteninsel vorab nachhaltig beeindruckt.

Trotzdem haben wir uns nun gegen einen Besuch entschieden. Warum? - Nun, die Einreise Gebühren sind gesalzen, allein die Visa für den Kurzbesuch würden uns 600 USD kosten. Viel schwerwiegender aber ist, dass wir die Insel nicht ohne die Begleitung eines Führers betreten würden dürfen. Letztendlich hat aber erst die Wettervorhersage den Ausschlag gegeben. Für die nächste Woche soll es Ostwind im Golf von Aden geben - nicht selbstverständlich, so spät in der Session des Nordost Monsuns. Wir segeln also weiter und hoffen, dass die Vorhersage hält was sie verspricht.

Ob wir aber tatsächlich mit einem Schlag bis ins rote Meer nach Eritrea flutschen können, ist alles andere als sicher. Durch die Meerenge Bab El Mandeb weht der Wind wie durch eine Düse mal von Norden, mal von Süden. Da können wir nur mit Wind von hinten durch, ansonsten stoppen in Dschibuti. Noch mindestens 850 Meilen liegen also vor uns.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
24.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 10: Meeresleuchten

Bereits vor ein paar Tagen schepperte es laut im Cockpit. Unser Angelalarm, leere Getränkedosen an einer Schnur, waren durch den Ruck an der Handleine nicht nur runtergefallen, sondern quer durchs Cockpit katapultiert worden. Ich hatte gerade meine Hände im Brotteig versenkt. „Immer dann, wenn es am Ungünstigsten ist“ dachte ich und sagte zu Christian: „Ich komme gleich!“. Um einen Fisch zu landen, sind wir immer zu zweit. Ich hole meist die Leine ran und Christian arbeitet mit dem Gaff, sobald der Fisch in Reichweite ist. Nur bei unserem größten Fang, dem 25kg Gelbflossenthunfisch, hatte ich es nicht mehr alleine geschafft, die Leine aufzuwickeln - er war einfach zu stark.

Aber an diesem Tag, war ich noch nicht einmal damit fertig, meine Hände sauber zu machen, da rief Christian von draußen: „Du kannst unten bleiben! Der Fisch hat die Leine abgerissen.“ „Was?! Die Leine abgerissen? Das muss ein Ungetüm gewesen sein!“ war meine Reaktion, denn unsere Handline ist keine normale Angelschnur, sondern ein drei Millimeter Seil mit einem langem, 1,8 mm Monofilament als Vorfach. Es war vor dem Knoten durchgerissen, dort wo es mit den Gummipuffern verbunden war, nur die Reste hingen noch herum. Mit dieser Leine hatte wir auch den großen Yellowfin gelandet. Ich war eigentlich ganz froh, dass der Fisch weg war. Ich habe zwar keine Ahnung wie groß er gewesen sein muss, aber landen hätten wir ihn bestimmt nicht können und letztendlich das Seil kappen müssen. Ich hoffe nur, dass er sich irgendwie davon befreien kann, sonst wird es sehr unschön für ihn.

Am nächsten Tag baute der Capitano einen neuen Köder und eine Handleine. Das war schnell erledigt, die Gummipuffer hatten wir ja noch. Beim Abendessen klapperte es wieder. Es war kein Fisch dran, aber der Köder war noch da. Minuten später wiederholte sich das Ganze noch zweimal. “Seltsam! Mit diesen Haken entkommt uns normalerweise kaum ein Fisch” dachte ich als es schon wieder schepperte. Dieses Mal zog es an der Leine. Wir zogen unsere Schwimmwesten an, holten die Taschenlampe (es war schon dunkel), Messer und Gaff, dann zog ich die Leine ran. “Schau mal, es leuchtet manchmal im Wasser, dort wo der Fisch schwimmt” meint ich und dann “Der sieht aber seltsam aus, ich glaube das ist ein Tintenfisch.” Es war ein ca. 1 Meter langer Kalmar! Er wechselte ständig die Farbe zwischen weiß leuchtend und rot. Die Kinder waren inzwischen im Cockpit und schauten neugierig zu, als wir den Kopffüßer mit der Pütz nach oben kranten. Am Heck brauchten wir ein bisschen, da er sich fest an Moyas Rumpf gesaugt hatte. Eigentlich wollten wir ihn ins Wasser zurück setzen, aber als wir endlich den Haken heraus hatten, war er bereits fast tod. Jetzt wird es heute Abend Calamaris geben. Ich bin mal gespannt, ob das schmeckt.

Inzwischen habe ich nachgelesen, Kalmare fängt man normalerweise nicht beim Trollen, sondern mit Netzen. Wir scheinen durch einen großen Schwarm gesegelt zu sein. Kalmare können überraschend schnell schwimmen, indem sie das Wasser durch einen Trichter aus ihrer Mantelhöhle herauspressen. Immerhin waren wir 4 Knoten schnell, als er anbiss. Wikipedia sagt, dass es über 250 unterschiedliche Kalmare gibt, alle haben 10 Tentakeln. Die Riesenkalmare werden bis zu 12m lang - das ist so groß wie Moya! - aber die leben zum Glück nur in der Tiefsee. Wow!

Gestern Abend leuchtet das Meer um uns herum, hunderte von eimergroßer Lichtflecken, nicht die kleinen Sterne, die wir sonst so beobachten. Ich bin fast sicher, dass wir wieder durch einen Tintenfisch Schwarm gesegelt sind. Es war beeindruckend! Ein Geburtstagsfeuerwerk von Neptun!

Ich frage mich, ob der Ozean hier noch gesünder ist. Ein Rückzugsort für die Meeresbewohner? Jedenfalls haben wir seit unserer Abfahrt auf den Malediven keine drei Schiffe gesehen (die fahren auf kürzester Strecke nördlich von uns) und kommerzielle Fischer schon gar nicht.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
23.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 9: Piratenparty

Ist das aufregend wenn man sechs wird! Da saß Joshua schon vor dem Frühstück mit Augenklappe, Säbel und Piratenhut da, starrte auf die eingepackten Geschenke und transportierte sie dann ganz vorsichtig in seine Koje. Gestern waren wir den ganzen Tag damit beschäftigt gewesen unsere Piraten Accessoires zu basteln. Jetzt sah unser Piratenkapitän richtig gut aus. Aber nervös war er! Sein normalerweise riesiger Appetit war zum Frühstück kaum vorhanden, und das obwohl es Piraten Hefezopf gab. Danach gab es kein Halten mehr. Ran an den Schatz.

Bald war Alles ausgepackt. Nur zu dumm, dass wir vergessen hatten die Audiodateien des neuen Tiptoi Spiels herunter zu laden. Jetzt konnte unser Oberpirat nicht einmal seine neuen Spielsachen testen, aber er ist ja schon groß und hat stattdessen tapfer ein bisschen gebastelt. - Ob wir bei der UKTMO anfragen sollten, ob die Watchkeepers uns die Dateien mit einem ihrer Schiffe vorbei bringen könnten? Internet gibt es jedenfalls erstmal keins und was kann schon wichtiger sein als ein lachendes Kinderherz?

Irgendwann ist dem Piratenkapitän das gelbe Zettelchen mit dem Totenkopf im Salon aufgefallen, da stand drauf „Der Schatz liegt an einem dunklen Ort“ und ein kleines Rätsel dessen Lösung den Ort des nächsten Hinweises eröffnet. Nach weiteren 5 Zetteln und Rätseln - zwei davon löste Pirat Joni Kurzbein - und einer Reise Quer durchs und übers Schiff, war der Goldschatz gefunden. Die Piratenmannschaft war ganz aus dem Häuschen und Joni meldete an, dass er sich auch eine Schatzsuche zu seinem nächsten Geburtstag wünsche. Emil und die Detektive kamen als Gäste vorbei, danach Pettersson und Findus und schließlich kam ein kleines Piratenschiff mit rot-weiß gestreiften Segeln vorbei gesegelt und hat den internationalen Geburtstagskuchen gebracht. Gebacken mit Mehl aus Sri Lanka, Eier von den Malediven, Zucker aus Panama, Kakao aus Kolumbien, Kokosöl aus Papua Neuguinea, Milch aus Indonesien und Pfirsichen aus Curacao.

Wir segeln auch und kommen endlich besser voran. Heute Nacht ist der Wind, zum ersten Mal seitdem wir auf den Malediven gestartet sind, nicht ganz oder nahezu eingeschlafen. Bisher waren vor allem die Nächte besonders zäh, während wir am Tag zumindest ein kleines bisschen Wind hatten. Das war heute anders. Der Blick auf die restliche Reisezeit resultierte ausnahmsweise nicht in einer vorübergehenden Depression. Ganz langsam nähern wir uns Soccotra.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
22.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 8: Joshi lädt ein

Zu meiner Geburtstagsparty morgen lade ich Euch herzlich ein. Dieses Jahr findet sie auf dem Wasser auf unserer Moya mit dem Motto Piraten statt. Um 14 Uhr gehts los. Ganz besonders würde ich mich freuen wenn die Opas und Oma kommen. Ihr dürft dann auch gerne an Bord übernachten. Bei der Anreise müsst ihr etwas kreativ werden, aber das schafft ihr bestimmt, immerhin werde ich sechs Jahre. Flugzeug mit Seilwinde würde z.B. gehen. Es wird auch Kuchen geben. Kleine Geschenke reichen. - Joshua

Olé! Es gibt ein bisschen Wind. Ganze 11 Knoten! Das reicht, dass wir endlich, endlich etwas besser voran kommen. Mit 4 Knoten segeln wir jetzt der Sonne hinterher. Das Stimmungsbarometer an Bord steigt, genauso wie die Temperatur. Obwohl wir die letzten Tage kaum Wind hatten, hat der leichte Nordwind ausgereicht, dass es nachts so kühl war, dass sogar der Capitano sich zugedeckt hat und das obwohl er auch im deutschen Winter mit T-shirt herumläuft. Objektiv zeigte das Thermometer immer noch 27°C im Salon an, aber das kann eigentlich gar nicht stimmen, oder? Inzwischen weht der Wind aus Osten und die Temperaturen sind auch nachts wieder angenehm.

Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare.
23.03.2019:
Kommentar from Oma und Opa
Lieber Joshua, schade, dass wir bei Deiner Geburtstagsfeier nicht dabei sein können. Wir gratulieren Dir herzlich zu Deinem 6. Geburtstag und wünschen Dir viel Glück, viel Freude in der Schule und einen wunderschönen Tag mit leckerem Geburtstagskuchen. Bald seid ihr wieder in Deutschland, wir freuen uns sehr auf Dich, Joni und Deine Eltern. Passt gut auf euch auf ! Viele liebe Grüße von Oma und Opa
23.03.2019:
Kommentar from Fliers
Alles liebe zum Burtzeltag, lieber Joshi! Feiert bis die Schwarte kracht! Alina, Antje, Felix & Thomas
23.03.2019:
Kommentar from Opa
Hallo Joshi, alles Gute zu Deinem Geburtstag.Deine Mama hat Dir bestimmt einen schönen Kuchen gebacken. Wir ho l. en Deine Geburtstagsfeier nach , wenn ihr wieder zu Hause seid.Dein Opa
23.03.2019:
Kommentar from Alexandra
Hallo Joschi, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, wir hoffen Du hast eine schöne Feier 😀. Viele Grüße aus Passau, Alex, Axel, Jakob und Bruno
23.03.2019:
Kommentar from Nici
Lieber Joshua, ich wünsche dir zu deinem 6. Geburtstag nur das Beste, das du dein Lächeln niemals verlierst und und weiterhin ein so toller junge bleibst wie du es bist :)
21.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 7: Vollmond

Heute Nacht war es fast so hell wie an einem düsteren Wintertag in Deutschland. Der Vollmond begleitete uns die ganze Nacht. In solchen Nächten fällt mit die Nachtwache viel einfacher. Anstatt in die Düsterniss zu starren, sieht man das Mondlicht reflektiert auf dem Wasser, die Wolken und den Horizont. Das Timing ist eigentlich ganz gut, denn ab jetzt wird der Mond abnehmen und im letzten Viertel dann erst am frühen Morgen aufgehen, was uns den Grossteil der Nacht unsichtbar macht, wenn wir die Navigationlichter ausschalten. Wenn es so langsam weitergeht wie bisher, werden wir genau dann den Golf von Aden durchqueren. Gut zu wissen, dass wir einfach mal von der Bildfläche verschwinden könnten, wenn wir wollten. Geplant ist es nicht, denn nachts gab es selbst auf die Containerschiffe und Tanker unseres Wissens überhaupt noch nie einen Piratenangriff.

Seit gestern springt nun auch Henry wieder an. Die Starterbatterie ist im Nirvana angekommen und eine unserer Servicebatterien nun mit dem Starter verbunden. Die Aktion war überraschend einfach, die Klemmen passten und die Kabel waren lang genug. Nach 30 min. verkündete der Capitano “Mission accomplished”.

Wir dümpeln weiter Richtung Westen, bei den schwachen Winden (eigentlich immer unter 10 Knoten, inzwischen haben sie von Norden auf Osten gedreht) ist das eine richtige Geduldsprobe. Aber immerhin gibt es dafür auch fast keinen Schwell und Moya liegt im Wasser fast wie vor Anker unter wolkenlosen Himmel.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
20.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 6: Abgeschickt

Gestern Nachmittag wurde unser Salon zum Künstler Studio umgewandelt. Die Sache mit der Flaschenpost nahmen die Jungs sehr ernst. Beide wollten dem Finder bildlich zeigen wie es bei uns so zugeht und legten sich beim Malen so richtig ins Zeug. Joni malte Moya mit allem drum und dran, Segel, Mast, Fenster, Deckshaus, Windpilot, Solarpanels, Fischen im Wasser und uns im Schiffsbauch. Joshi zeichnete die einsame Insel mit Kokospalmen und eine große Welle aus der ein Wal sprang unter einen Regenbogen. Dann schnitten wir Buchstaben aus Buntpapier aus und klebten unsere Nachricht, bevor alles eingerollt wurde und in der Flasche verschwand. Der Capitano wurde kreativ beim Verschließen der Flasche und umwickelte sie mit einem Seil, falls jemand sie herausfischen will und damit sie sich vom Müll abhebt.

Obwohl wir gestern im Schildkröten Tempo unterwegs waren, verschwand die Flasche sehr schnell hinter aus, nachdem die Jungs ihren Brief aufgegeben hatten - 700 Meilen von der arabischen Halbinsel, 800 Meilen von Indien und 900 Meilen von Afrika entfernt. “Wer findet die denn?” wollte Joshua wissen und lauschte ganz gespannt als wir die Möglichkeiten durchgingen: Wir sind nicht weit vom Äquatorialstrom entfernt, wenn es die Flasche dorthin schafft, wir sie in Windeseile an die afrikanische Küste getragen. Vielleicht findet sie dort jemand aus Somalia oder Kenya oder sie wird weiter an Madagaskar vorbei in den Mozambikkanal gespült und trifft von dem kräftigen nach Süden gerichteten Agulhasstrom auf Südafrika. Auch dort könnte sie gefunden werden oder sie reist weiter um das Kap der Guten Hoffnung in den Atlantik. Es kann aber auch sein, dass unsere Flaschenpost da unten in die nach Osten gerichteten Strömungen der Roaring Forties gerät und dann noch einmal den gesamten Ozean überquert und an der australischen Westküste ankommt. Oder, oder, oder... Nur eins wollen wir nicht, dass sie in einem der Müllgürtel auf See oder einem Müllhaufen an Land landet. Wir nehmen noch Wetten an, wann unsere Post ankommen wird. Wer in den Kommentaren mitmacht und am nächsten dran ist, bekommt ein kleines Geschenk (wenn sie gar nicht ankommt, dann verlieren alle) - es kann sich nur um Jahre handeln ;-)

Die Meeresströmungen scheinen auf den ersten Blick zu vernachlässigen zu sein. Was ist schon ein halber Knoten Strom? Aber aus einem halben wir oft ein ganzer oder mehr Knoten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten und einer 2200 Meilen langen Passage heißt das: entweder nach 15 oder nach 23 Tagen anzukommen, je nachdem ob die 1 Knoten Strömung mit oder entgegen läuft. Da wird dann vermutlich auch klar warum wir manchmal im Zickzack unterwegs sind. Trotzdem halfen alle Strömungsvorhersagen heute Nacht nichts, wir waren drin in einer entgegen laufenden Strömung und Wind gab es auch nur einstellig, also segelten wir fast auf der Stelle. Schlappe 76 Meilen haben wir seit gestern zurück gelegt. Aber wenigstens ist der Himmel blau, kein Wölkchen zu sehen.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
20.03.2019:
Kommentar from Nici
Tolle Idee :) ich tippe auf 6 Jahre im Ozean. Ganz liebe Grüße, ich bin in Gedanken fest bei Euch.
22.03.2019:
Kommentar from Martina & Stefan
Also wenn wir nicht die Geschichte von Christians - vermutlich erster - Flaschenpost kennen würden, würden wir sagen, sie kommt nie irgendwo an. Aber so tippen wir mal auf Südafrika! Weiterhin viel Spaß und vor allem sichere Fahrt ins Rote Meer!!!
19.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 5: Eine Flaschenpost...

... bereiten wir momentan vor. Die leere Pinot Grigio Flasche liegt schon ausgespült im Cockpit und trocknet. Gestern und vorgestern Abend gab es je ein Glas Wein für den Capitano und mich. Normalerweise trinken wir auf Passage keinen Alkohol, aber der Ozean ist momentan zahm wie ein Kätzchen und außerdem müssen wir über alternative Kommunikationsmittel nachdenken, nachdem gestern das Verschicken unseres neusten Logbucheintrags nicht geklappt hat ;-)

Wir verschicken unsere E-Mails nicht wie die meisten Segler über ein IridiumGo Satellitentelefon, sondern über das Netzwerk WinLink, das mit unserem Kurzwellenfunkgerät kommuniziert. Letztendlich heißt das, dass die Buchstaben einer E-Mail von einem Software Modem moduliert, sozusagen in Geräusche übersetzt, von unserer vom Masttop bis zum Achterdeck gespannten Antenne als elektromagnetische Wellen in den Äther gesendet und dann von einer Funkstation empfangen, wieder zu Buchstaben übersetzt schließlich als E-Mail verschickt werden. Das geht sehr langsam. Wenn wir am Funkgerät sitzten und eine E-Mail aus nur Text verschicken, kann das deshalb schon mal eine Stunde dauern. Große E-Mails oder Mails mit Anhängen zu empfangen dauert dann noch viel länger bis hin zur Unmöglichkeit.

An vielen Tagen hören wir eine passende Funkstation -momentan auf Mauritius- schon nach wenigen Minuten, manchmal brauchen wir aber Stunden und viele viele Anläufe, um mit einer Station in Verbindung zu treten, manchmal klappt es überhaupt nicht. An solchen Tagen gibt es dann keinen Logbucheintrag. Beschwerdebriefe aber bitte nicht an uns, sondern direkt an die Sonne, die ist nämlich daran Schuld, wenn ihre Sonnenwinde die Atmosphäre ungünstig ionisieren und somit die Funkwellen nicht vernünftig reflektiert werden können.

Gestern war so ein Tag, an dem wir Stunden vor der Funke saßen und es am Ende nicht geschafft haben, den Eintrag hochzuladen. Unsere Position haben wir den Watchkeepers aber trotzdem mitgeteilt - per Satellitentelefon. Spätestens nach zwei Tagen weis auch Flo unser Sicherheitsbeauftragter Bescheid, dass wir in Ordnung sind. Dann hängt er, wie gestern, einen kurzen Kommentar an den letzten Logbucheintrag. Keine Sorge also, wenn der Logbucheintrag einmal oder auch öfter ausfällt, es liegt an der Sonne, nicht an den Piraten.

Ach ja, und wir segeln noch, hart am Wind von Norden.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
18.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 4: Der Wind stirbt...

...genauso wie unsere Starter Batterie. Warum nur? Vorgestern sprang der Motor noch perfekt an. Er hatte seit wir in Portugal gestartet sind überhaupt noch nie Zicken gemacht.

Heute Nacht war der Wind schließlich ganz eingeschlafen nachdem er tagsüber bereits geschwächelt hatte. Andere Cruiser hatten uns bereits vorgewarnt, dass die Winde im arabischen Meer mit dem voranschreitenden März und April immer unsteter werden. Flauten und sehr leichte Winde sind typisch für die Übergangszeit zwischen Nordost und Südwest Monsun. Deshalb drückten wir auch so auf die Tube, als wir in Malaysia los gesegelt sind und den ersehnten Aufenthalt in Thailand komplett strichen. Das Ziel über 90% der Strecke unter Segeln zurück zu legen, so wie im Atlantik und Pazifik, hatten wir schon in Indonesien aufgegeben und seither Moyas Tank immer voll gehalten.

Henry sollte also arbeiten, doch als der Capitano den Schlüssel drehte, hustete der Anlasser nur noch im Zeitlupentempo. Schließlich sprang die Maschine doch noch an, aber die Batteriespannung stürzte auf unter 9V ab. Wahrscheinlich hat es einen Kurzschluss in einer der Zellen gegeben, durch die voranschreitende Verschlammung mit Bleisulfat über die Jahre. Unsere Starterbatterie scheint also einen sehr plötzlichen Tod zu sterben, mitten auf dem Indischen Ozean. Bescheidenes Timing würde ich sagen. Momentan sitzt Christian über den Verdrahtungsplänen und überlegt wie er eine unserer Service Batterien umklemmen könnte, die haben wir letztes Jahr erneuert.

Der Wind haucht seit dem frühen Morgen wieder, wir schnecken gegen Westen.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
19.03.2019:
Kommentar from Christina | serenity sailing
Oh shit!!! Was ein Timing! Ich schicke euch per Luftpost Batterie- und Reparatur-Energie. ;-)
21.03.2019:
Kommentar from Dody
Verflixte Batterien!!! Bei mir sterben sie immer puentlich im Monat nachdem die Garantiezeit abgelaufen ist. Weil ich mir meine Cruising-Plaene nicht vom timing meiner Batterien vorschreiben lassen wollte hab' ich auf hochwertigere AGM und weiss ich was umgestellt. Das einzige was sich veraendert hat war dass ich damit 5 Jahre Garantie hatte und sie eventuell 2 Monate nach Ablauf der Garantie-Zeit von 5 Jahren noch gut waren. Und dann ... genauso Tot. Big hugs x
17.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 3: Keine Lust auf Nachtwache

Der Himmel ist von einer leichen weißen Wolkendecke bedeckt. Der Wind weht immer noch aus N und hat etwas zugelegt. Gerade so viel, dass Moya, leicht zur Seite geneigt, mit 5 Knoten durchs Wasser schneidet. Wir kommen ganz gut voran. 103 Meilen waren es in den letzten 24 Stunden, ausschließlich unter Segeln.

Unsere Passagen Routine stellt sich langsam ein, die Seebeine wachsen und die Kinder werden ruhiger. Nur die Nachtwache flupt noch nicht so richtig. Heute Nacht hätte ich ein kleines Vermögen gegeben, wenn Christian mich um 2:00 Uhr nicht geweckt oder ich mich nochmal umdrehen hätte können, um weiter zu schlafen. Ich war so müde, dass ich dann auch direkt im Sitzen eingeschlafen bin. Aber nicht lange, denn der Timer weckte mich schon wenige Minuten später. Nach drei Tagen auf See ohne die Spur eines Schiffes fragte ich mich grummelig, warum ich eigentlich mitten in der Nacht aufstehe. Auch der wieder einmal gigantische Sternenhimmel steigerte meine Laune nicht. Aber die Antwort auf meine Frage ließ nicht lange auf sich warten und bestand aus einem kleinen Licht am Horizont. Naja, da bleibt nur zu hoffen, dass sich meine innere Uhr heute oder morgen an den unterbrochenen Schlafrhythmus gewöhnt.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
18.03.2019:
Kommentar from Imaadh Abdulla
I wish your a very safe and good sailing too .. take some rest and try to sleep when you get free .
18.03.2019:
Kommentar from Flo
Alles O.K. an Bord! 18.03.19 15:24z Gruss Flo
16.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 2: Blauer Himmel, blaues Meer

Die Sonne brennt vom Himmel, es ist kaum ein Wölkchen zu sehen. Das Thermometer zeigt 31°C. Es ist dennoch erträglich an Bord, denn die leichte Brise von gestern hat sich gehalten. Wir segeln gemächlich Richtung Westen, das Meer ist ruhig.

Unsere Notfallpläne, von denen wir ausgehen, dass wir sie nie brauchen werden, sind inzwischen finalisiert und hängen über dem Navigationstisch und im Cockpit an der Steuersäule. Für verschiedene Szenarien haben wir uns vorab überlegt, was in welcher Reihenfolge getan werden muss und von wem. Vor allem geht es darum bei Sichtung oder Annäherung eines unbekannten Schiffes die Lage genau zu beobachten und die Watchkeepers des patrouillierenden Militärs im Golf von Aden zu informieren, damit frühzeitig Hilfe eintreffen kann. Aber es sind auch andere Aktionen vermerkt.

Christian updated momentan unsere aktuelle Position und sendet sie, wie jeden Tag, zu den Watchkeepers. Ansonsten verläuft die Überfahrt bisher ereignislos, wir sehen nicht einmal ein Containerschiff oder fangen einen Fisch.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
15.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 1 auf dem Weg ins rote Meer

Unter blauem Himmel mit leichter Cumulusbewölkung setzten wir die Tücher und richteten Moyas Bug nach Westen. Der vorhergesagte leichte Wind trieb Moya auf den Ozean hinaus. Schnell waren die niedrigen Inseln der Malediven nicht mehr zu sehen. Doch schon in der Nacht wurde aus der leichten nördlichen Brise stehende Luft. Die Segel schlugen trotz der kaum vorhandenen Welle. Moya’s großer Tank ist randvoll, trotzdem schalteten wir Henry erst ein als wir wirklich standen. Diesel Sparprogramm ist angesagt - er muss strengstens rationiert werden. Um fünf Uhr heute Morgen erahnte ich einen Hauch von der Seite im Fahrtwind und setzte die Segel. Seitdem sind wir nicht schnell, aber konstant unterwegs.

Zum Start unserer vorerst letzten großen Ozean Überquerung, habe ich meine letzten Schätze aus Deutschland hervorgekramt. Direkt nach dem Frühstück haben die Jungs begeistert angefangen in den neuen Wieso, Weshalb, Warum Heftchen zu malen, kleben und rätseln. Außerdem werden sie ausnahmsweise unser Tablet verwenden dürfen. Die Internetverbindung der Malediven war so gut, dass ich einige LernApps herunterladen konnte. Jetzt sind sie ganz aufgeregt.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
14.03.2019 - Uligan, Malediven

Abschied von Uligan oder das ultimative Erlebnis

Die anderen Malediven

Wenn man mit dem Flugzeug zu den Malediven reist und in einem der wunderschönen Hotelresorts übernachtet, kann man unsere Erfahrungen hier vermutlich nicht nachvollziehen. Die Malediven bestehen aus über 1000 Inseln, 300 davon sind bewohnt, dazu kommen weitere 100 Inseln, die an nationale oder internationale Hotels verpachtet sind. Auf den bewohnten Inseln gibt es keine Hotels, zumindest keine die Alkohol ausschenken, denn der Alkoholkonsum ist strengstens verboten. Die meisten Resorts verwenden sogar eine andere Zeitzone und nicht die maledivische Zeit, um ihren Gästen den Zeitzonenwechsel zu erleichtern. Es gibt also kaum einen Überlapp zwischen der einheimischen Welt und der Touristenwelt der Malediven. Resort Touristen dürfen ohne geführte Tour oder Sondergenehmigung die bewohnten Inseln nicht besuchen, genauso ist es den Locals untersagt, die Hotelinseln zu besuchen - und wie wir gestern erfahren haben - gilt dies auch für ausländischen Yachten. Für uns war es ein absolutes Vergnügen das ursprüngliche Gesicht der Malediven kennenzulernen. Bevor wir hier ankamen, waren wir uns des Privilegs überhaupt nicht bewusst.

Das Abschiedsdinner mutiert zur kleinen Boatparty

Nachdem Assad, Imaadh und Co unseren Aufenthalt auf Uligan so besonders gemacht hatten, wollten wir wenigstens ein kleines bisschen zurückgeben. Naiv wie ich war, lud ich Imaadh und Assads kleine Familie zum Abendessen an Bord ein. Assad zögerte die Einladung anzunehmen, ich dachte aus Bescheidenheit. Er war viel zu höflich mir zu sagen, dass meine Einladung ihn vor ein Problem stellte. Letztendlich sagte er dann doch noch zu, so dass ich den gestrigen Tag weitgehend in der Pantry verbrachte. Ich wollte verschiedene deutsche und europäische Gerichte kochen, um ihnen zu zeigen was wir so essen. Als Vorspeise gab es Antipasti, einen Thunfischaufstrich auf Sauerteigbrot, Käsespieße, Tortilla und schwäbischen Zwiebelkuchen, danach Hühnerfrikassee mit Reis und Salat. “Die Reste essen wir dann unterwegs” dachte ich mit der Vorstellung eines europäischen Abendessen im Hinterkopf.

Um 17 Uhr war mir dann bereits klar, dass der Abend etwas anders laufen würde. Es bekam nämlich folgende Nachricht “How many people can your boat accommodate?” Bereits eine Stunde später legte ein sehr volles Speedboat an. Christian zählte 19 Personen, hauptsächlich Kinder und Frauen. Ich grinste in mich hinein, da hatte ich wohl einen siebten Sinn gehabt. Die Kids waren neugierig und bekamen eine Bootsführung, während die Frauen lieber an Deck blieben. Ich verteilte so gut es ging das Fingerfood und freute mich über die vielen Gäste an Bord. Bereits eine halbe Stunde später wurden die Frauen und Kinder dann wieder eingesammelt und an Land zurück gebracht, in der zweiten Runde waren die Männer dran.

Während Imaadh auf dem Vordeck sein Abendgebet verrichtete, gab es auch für die Männer Vorspeisen. Erst jetzt klärte mich Assad auf, dass der Zollbeamte die Einladung an Bord von seinem Vorgesetzten absegnen ließ und jetzt mit an Bord dabei war, um zu kontrollieren, dass hier alles mit rechten, alkoholfreien Dingen zu geht. Nach der Hauptspeise, zogen sich die Männer dann ins Cockpit zurück und legten sich vor dem Kaffee erstmal hin, das Essen muss schließlich verdaut werden. Wir hatten einen brillanten, kulturell diversen Abend.

Ciao Uligan

Natürlich wollten wir noch Tschüss sagen, bevor wir gegen Mittag Anker auf gingen und tuckerten noch einmal an Land. Im Hafen wartete Imaadh schon auf uns. Heute sah ich ihn das erste Mal in Bürokleidung, schick mit schwarzer Hose, Krawatte und weißem Hemd. Wenig später kam Niyaz dazu und drückte uns zum Abschied einige Dosen maledivischen Thunfisch in die Hand. Auch Imaadhs älterer Bruder, den wir gestern kennengelernt hatten, kam nochmal mit seiner Tochter vorbei, genauso wie Assad und noch einige andere, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte. Wir tranken gemeinsam Kaffee, dann war es Zeit uns zu verabschieden. Das war gar nicht so einfach, denn inzwischen waren wir Freunde geworden. Als Imaadh uns dann noch ein Abschiedsgeschenk in die Hand drückte, war ich ein bisschen gerührt. Vielleicht bekommen wir ja mal Besuch, wenn wir wieder zu Hause sind?

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
15.03.2019:
Kommentar from Adolf
Hallo Moya und Crew , zum Aufbruch in die "europäische Zivilisation" wieder einmal ein herzliches Danke für Eure tollen Reiseberichte , deren Orte ich mir von Fall zu Fall auch im Internet angesehen habe. Eine glückliche Weiterreise , meine Gedanken begleiten Euch , Adolf
12.03.2019 - Uligan, Malediven

Adoptiert von einer maledivischen Familie

Sailorsdinner

Mittlerweile war es richtig voll geworden am Ankerplatz. Die beiden britischen Yachten Calliope und Miss Tiggy lagen nun neben Moya, am anderen Ende der Insel war ein kanadisches Boot angekommen. Vier Boote vor Anker waren Grund genug für Assad ein Willkommens Dinner für die Crews nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft zu organisieren.

Bevor es so weit war, gingen wir zu dem zauberhaften weißen Sandstrand gleich hinter dem Hafen. Die Kinder genossen es sichtlich, seit langem mal wieder ausgiebig den Strand umzugraben. Aber noch besser fanden sie die Einsiedlerkrebse. Bei genauerem Hinsehen erspähten wir hunderte der kleinen, sich bewegenden Schneckenhäuser. Die Jungs fingen eine Sammlung an und bauten schließlich, damit die Hermiten nicht immer wieder ausbüchsen ein Labyrinth. Manche schafften es trotzdem zu entkommen, per Räuberleiter.

Nach Anbruch der Dunkelheit war dann eine Festtafel für uns gedeckt und wir lernten die Crews der beiden britischen Schiffe kennen. Auch sie sind auf dem Weg zurück ins Mittelmeer. Genauso wie wir sind sie eher schnell um den Globus unterwegs. Tatsächlich sind sie die ersten Boote, die wir auf unserer Reise trafen, die ihre Weltumsegelung in unter drei Jahren beenden werden. Wir hatten direkt einen Draht zueinander. Zu dumm, dass sie am nächsten Tag schon wieder aufgebrochen sind, um noch einen Abstecher in Male zu machen, vor der langen Passage “nach Hause”.

Während wir tratschten, futterten wir gegrillten Fisch, Rotis, Dal, Curry und Reis. Die Frauen hatten ein richtiges Festmahl gezaubert. Während Assad und Imaadh mit uns aßen, waren die Frauen leider nicht von der Partie. Irgendwann wurde Joni müde und musste mal dringend. Der Abend endete abrupt. Spannend fand ich aber, dass Imaadh uns nach meiner Frage nach einer Toilette in ein Haus in der Nähe des Hafens führte. Es war aber nicht Imaadhs Haus. Er führte uns durch das blitzblanke Wohnzimmer und ein Schlafzimmer ins moderne Bad. Erst am nächsten Tag erfuhr ich, dass wir bei seiner Cousine waren. Die Verwandtschaftsverhältnisse hier auf der Insel finde ich ohnehin sehr interessant. Heute hörte ich schon zum dritten Mal von dem Onkel in Deutschland und erntete Staunen, als ich seinen Namen wusste. Es scheint also viele Cousinen zu geben. Inzwischen habe ich fast den Eindruck, die 500 Seelen der Insel sind eigentlich eine große Familie.

Familienausflug

Gestern Morgen pingte mein Handy. “Wir fahren auf eine andere Insel und holen Euch um 10 Uhr ab.” Ok gut, wir machen wohl einen Ausflug, dachte ich. Wohin hatten wir keine Ahnung. Die einheimischen Kinder haben diese Woche Ferien, deshalb kam zwei Stunden später eine kleines Speedboat mit 5 Erwachsenen und 4 Kindern an Bord und sammelten uns ein. Wir fuhren nach Dhidhdhoo, der Hauptinsel der Region. Assads Familie wollte sich im Krankenhaus durchchecken lassen, Imaadh wollte gerne seine Frau und seinen Sohn sehen und uns sein neu gebautes Haus zeigen, zwei der Mädchen wollten ihre Papas sehen. Es scheint hier völlig normal zu sein, dass die Familien oft getrennt auf verschiedenen Inseln wohnen und sich nur alle ein bis zwei Monate sehen. Imaads Frau und Sohn werden in das neue Haus in Dhidhdhoo einziehen, während er ein zweites Haus für sich auf Uligan baut.

Nach der Hausführung tingelte unsere Gruppe zum Strand. Dort gab es einen Wasserhüpfpark. Die Kinder und Papas hatten inzwischen Ganzkörper Badesachen an und verschwanden sofort zusammen im Wasser. Die Frauen saßen mit ihren langen Roben und Kopftüchern am Ufer und schauten dem Treiben zu. Trotz der Hitze trugen sie unter den Röcken Jeans und Socken, so dass man keinen Zentimeter Haut sehen konnte mit Ausnahme von Gesicht und Händen. Ich setzte mich dazu und versuchte es mit ein bisschen small talk. Die Frauen lachten herzlich, allerdings scheiterten meine Kommunikationsversuche trotzdem. Während die Männer fast perfekt englisch sprechen, verstehen die meisten Frauen nur wenig. In Zukunft wird sich das vielleicht ändern, denn die kleinen Mädchen plappern schon eifrig mit, da die meisten Schulbücher hier auf englisch gedruckt sind. Der Wasserpark war auch bei unseren Jungs ein voller Erfolg. Auf der Rückfahrt wollten ihre Augen einfach nicht mehr offen bleiben, sie sahen deshalb auch den fliegenden Fisch nicht, der sekundenlang in unserem Tempo neben dem Speedboot herflog.

Spass vor Anker

Vor jeder großen Passage klettert Christian ins Rigg und kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Heute wollte der Rest der Familie auch mal Moya von oben sehen. Der Ausblick vom Masttop ist toll. Man konnte über Uligan hinweg sehen und unter uns sah man die Schildkröten an Moya vorbei schwimmen. Eine Drohne müsste man haben. Danach probierten die Kinder noch aus, wie gut man den Bootsmannstuhl als Schaukel verwenden kann.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
09.03.2019 - Uligan, Malediven

Grenzenlose Gastfreundschaft auf den Malediven

Zurück auf den Atollen

Gestern Nachmittag versenkten wir unser Eisen vor der Insel Uligan auf dem nördlichsten Atoll der Malediven. Ein kleiner Sandpatch zwischen den Korallenriffen war der perfekte Ort, um hier einige Tage vor Anker zu liegen. Das Wasser war so klar und türkisblau, dass wir dem Anker beim Eingraben zuschauen konnten. Ich musste direkt an die Tuamotus denken. Die Atolle der Malediven sind zwar viel älter als die Atolle französisch Polynesiens, so alt, dass es keine abgeschlossen Lagunen gibt, sondern versprengte Inseln. Aber auch hier scheinen wir wieder an einem der wenigen Orte der Erde zu sein, wo blau blauer, weiß weißer und grün grüner ist.

Wir schauten hinüber zu dem kleinen Hafen, unser Agent Assad sollte kommen, aber es rührte sich noch nichts. Die Einreise auf den Malediven mit dem Schiff dürfen wir, genauso wie in Sri Lanka, nicht selbst organisieren, sondern müssen dafür einen Agenten engagieren. Um die Kröten zu sparen, machen wir das normalerweise selbst, aber hier hatten wir keine Wahl. Die Malediven sind auch für Boote kein billiges Pflaster, deshalb waren wir uns lange nicht sicher, ob wir hier überhaupt einen Stopp hier einlegen werden. Richtig teuer wird es allerdings erst, wenn man länger als eine Woche bleibt, also grummelten wir zwar ein bisschen, beschlossen aber trotzdem einen Abstecher auf den Inseln zu machen. In Uligan soll die Einreise einfacher sein als in der Hauptstadt Male, hörten wir. Aber diese Aussage trifft die Sache nicht so wirklich: So etwas hatten wir noch nicht erlebt!

Kaffeetrinken mit Freunden

Assad kam mit einem kleinen Motorboot zu uns herausgefahren. Mit an Bord hatte er drei junge Männer in unterschiedlichen Uniformen. Noch bevor sie bei uns an Bord gelangten, war ich gebührend verblüfft: Sie zogen doch tatsächlich alle ihre Schuhe aus - undenkbar! Sie stellten sich als Zoll, Küstenwache und Immigration vor und machten es sich im Boot bequem. Assad, der Mann mit dem strahlenden Lachen, zog aus seinem Rucksack eine Packung Eis heraus und hatte ab diesem Zeitpunkt zwei neue Freunde gewonnen. Aber das war noch nicht alles, er hatte nicht nur Eis dabei, sondern auch viele kleine gefüllte Gebäckteilchen, süße Stückchen und Kokosmilch für alle. Ob ich einen Kaffee machen könnte? „Ja, klar. Gerne!“ Ich war so überrascht, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte. Die Offiziellen setzten sich mit uns zum Kaffeekränzchen zusammen, wir quatschten und stempelten nebenbei. Niyah, der Einreisebeamte, drückte mir plötzlich mit grinsendem Gesicht sein Telefon ans Ohr. Am anderen Ende war Rasheed, sein Onkel, der seit 32 Jahren in Bergisch Gladbach lebt. Als der Papierberg bezwungen war, zog Assad zwei große Geschenke aus den Rucksack und gab sie den Kindern „Welcome to the Maldives“ stand drauf. Seine 5-jährige Tochter hatte gesehen, dass gleichaltrige Kinder kommen werden und darauf bestanden die Jungs zu beschenken. Zum Abendessen waren wir dann auch noch eingeladen und ganz verlegen ob der großen Gastfreundlichkeit. Wow!

An Land lernten wir dann Imaadh kennen. Er ist der Bürgermeister von Uligan und Bruder von Niyah. Die Beiden teilen das gleiche Lachen und das sprühenden Charisma. Da Assad verhindert war, holte Imaadh uns vom Hafen ab und führte uns ein wenig herum. Wir aßen gemeinsam, dann fingen die Kinder mit den local kids an zu Spielen. Erst jetzt merkten wir, dass wir gar nicht bei Assad zu hause waren. Wer uns bewirtete wissen wir immer noch nicht. Jeder kennt hier jeden und springt füreinander ein.

Erste Inselerkundung

Auch heute nahm uns Imaadh unter seine Fittiche. Den ganzen Tag nahm er sich Zeit und führte uns herum. Zuerst durften wir die kleine Ika kennenlernen. Assads Tochter ist ein Wildfang und es dauerte nicht lange bis die Kinder zusammen räuberten. Ika zeigte uns ihr zu Hause. Danach fuhren wir alle zusammen mit einem kleinen Elektrodreirad über die Insel. Imaadh zeigte uns die Highlights. Strände im Norden, die Schule, die Gebäude der Navy, eine halbfertige Hotelruine, Strände in der Mitte und Strände im Süden. Er war mächtig stolz, vor allem darauf, das er jedes Jahr ungefähr 10 Kreuzfahrtschiffe hier auf der Insel empfängt. Am Nachmittag organisierte Imaah ein Boot und einige Kanister, um Diesel für Moya zu besorgen. Auf Uligan gibt es keine Tankstelle und Moya darf den Ankerplatz ohne Cruising Permit nicht verlassen, also brachten wir den Treibstoff mit dem Speedboat von Ihavandoo zu ihr. Als wir zurück waren bedankten wir uns bei Imaadh, doch er winkte nur ab und sagte „alles was mir gehört, könnt ihr gerne verwenden“.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
08.03.2019 - 6°41,9 N, 73°34,9 O, Indischer Ozean

Wasser im Schiff

Joshi Adlerauge

„Papa, das rote und orange Lämpchen der Bilgepumpe ist an“ rief Joshua ganz aufgeregt gestern Morgen um kurz nach 6:00 Uhr. Er war kurz davor aufgestanden und wusste genau, dass da eigentlich nur das grüne Licht leuchten sollte. Christian hatte mich ausnahmsweise noch nicht zur Morgenwache geweckt, aber nach dem Ausruf von Joshi war ich hellwach. Die beiden Lämpchen zeigten an, dass unsere Bilgepumpe arbeitete, sie pumpte Wasser aus dem Schiffsbauch nach draußen. Wasser im Schiff! Gar nicht gut. Beim aus der Koje klettern fragte ich mich, wo das Wasser wohl herkommt, als auch schon der Capitano mit Taschenlampe bewaffnet an mir vorbei rannte. In der Hektik hatte er ganz vergessen das Licht im Maschinenraum anzuschalten. Gleichzeitig brüllte Joni aus dem vorderen Bad „aus dem Wasserhahn kommt nichts!“. Ich schaltete das Licht ein und die Frischwasserpumpe besser aus, denn unsere Wasserleitungen stehen bei angeschalteter Pumpe unter Druck. Christian kam erleichtert aus dem Maschinenraum gekrabbelt: „Es ist Frischwasser.“ Das grüne Lämpchen der Bilgepumpe leuchtete jetzt auch wieder. „Ok gut! - Hast Du schon eine Ahnung wo es herkommt?“ Hatte er nicht und war auch schon wieder auf dem Weg das Problem zu suchen.

Schon wenige Minuten später wurde er fündig, der Schlauch von der Druckwasserpumpe zu unserem Warmwasserspeicher hatte sich wohl im Laufe der Zeit gelöst. Durch das Druckwassersystem im Schiff sprudelte nun unser Trinkwasser in die Bilge und wurde brav ins Meer gepumpt. Es war dennoch der denkbar beste Auslöser für das Problem „Wasser im Schiff“, überall anders wäre es deutlich aufwändiger geworden das Leck zu finden. Der Schlauch war schnell wieder drauf gesteckt, die Schlauchschelle angezogen und gecheckt, dass alles dicht ist. Und einmal mehr dachte ich „wie gut, dass wir einen Wassermacher an Bord haben.“ Ohne ihn wäre ich weniger entspannt gewesen, wenn das kostbare Nass in der Mitte des indischen Ozeans im Meer verschwindet.

Fast da

Die letzten Nächte waren unglaublich dunkel. Der abnehmende Mond ging immer erst in den frühen Morgenstunden auf. Heute ist Neumond. Selbst die Sterne waren in der milchigen, fast stehenden Luft nur in kleiner Zahl erkennbar. Normalerweise reichte deren Licht immer, um selbst in einer mondlosen Nacht den Horizont zu sehen. Die letzten Tage war dem nicht so. Ich fand es fast ein bisschen gespenstisch, so in das Schwarze hinein zu fahren. Aber jetzt haben wir es fast geschafft.

Zum Glück behielt die Wettervorhersage auch dieses Mal nicht Recht. Wir hatten zumindest ein kleines bisschen Wind zum Segeln. Der nagende Strom drehte letztendlich auch noch in unsere Richtung, so dass wir jetzt schon die ersten Inseln der Malediven ausmachen können. Wir freuen uns schon auf den Landfall.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
06.03.2019 - 6°10 N, 76°29 O, Indischer Ozean

Kriechend zu den Malediven

Rückenwind sollten wir haben, zumindest für die ersten beiden Tage unserer Passage. Allerdings hielt das Wetter sich wie so oft nicht an die Vorhersage.

Wir klarierten aus Sri Lanka aus, die Navy Offiziere kamen an Bord und verließen Moya erst wieder, als wir die Leinen los schmissen. Sie nahmen es sehr genau und kontrollierten gründlich, dass unsere Crew komplett und sofort den Boden Sri Lankas verließ. Nachdem der Prozess der Ausreise erst einmal gestartet war, gab es kein zurück mehr, dabei hatte ich doch noch im Supermarkt die Würstchen vergessen. Aber egal, es geht auch so. Albert und Sheena halfen uns bei Ablegen. Die Lücke zwischen Miss Tiggy und dem Ausflugsboot vor uns war super eng. Aber den Capitano managte die Situation prima, dampfte in die Vorspring ein bis Moyas Heck aus der Lücke gedreht war und fuhr ohne jeglichen Moment der Unsicherheit einfach hinaus. „Well done“ brüllte Albert noch vom Steg und winkte uns ein letztes Goodbye zu, bevor wir aus dem Hafen tuckerten. Leider werden wir die beiden netten Briten wohl so schnell nicht mehr wiedersehen, denn sie segeln ostwärts während wir nach Westen unterwegs sind.

Der Hafen von Galle liegt geschützt. Wenn überall anders eine steife Brise weht, steht hier die Luft. Wir mussten nur wenige Meter entfernt zum Surferstrand gehen, dort wehte immer ein angenehmes Lüftchen, während die Hitze im Hafen um die Mittagszeit fast unerträglich war. Deshalb dachten wir auch, als wir die Leinen loswarfen, „kein Problem, wenn wir aus dem Hafen raus sind können wir Segel setzten“. Leider kam es dazu erstmal nicht, denn das kleine Lüftchen wehte von Westen direkt auf Moyas Nase. Nach einigen Stunden unter Maschine, drehten wir die Nase nach Norden, holten die Tücher raus und arbeiten uns anstatt nach Westen nach Norden. Es lief zäh, zäh wie Kaugummi. Zu dem wenigen Wind, kam ein fetter Gegenstrom hinzu. Wir segelten gerade einmal 2 Knoten über Grund, obwohl wir wesentlich schneller durchs Wasser unterwegs waren und das auch noch in die falsche Richtung. Wir sind nicht sicher, ob wir auf den Malediven tanken können und der Weg bis zur nächsten Tankstelle ist sehr lang, deshalb ist unser Dieselvorrat jetzt so wertvoll wie Gold. Trotzdem mussten wir Henry noch am selben Tag ein paar Mal bemühen, um nicht rückwärts zu fahren. Mit Wind aus West, wo wir eigentlich hin wollten, konnten wir auf dem Steuerbordbug nach NNO und auf dem Backbordbug nach SSO segeln, so stark war die entgegenlaufende Strömung. Später schaltete der Wind komplett ab.

Auch gestern kämpften wir mit Flaute und schwachem Gegenwind und fuhren mal in nördliche mal in südliche Richtungen, solange nur etwas Westkomponete dabei war. Inzwischen ist Moya so hart am Wind wie möglich, aber dafür fast auf Westkurs unterwegs, immerhin mit 3 Knoten. Wenn es so weitergehen würde, wären wir in zwei Tagen Uligan, aber leider vermiest uns Wettervorhersage den Tag. Ab Morgen soll der Wind seine Arbeit wieder einstellen. Wir hoffen bis dahin wenigstens dem Gegenstrom entkommen zu sein. Vier Tage auf See hatten wir für diese Passage geplant, jetzt sieht es so aus, als ob wir eher sechs brauchen werden.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
03.03.2019 - Galle, Sri Lanka

Auf Wiedersehen Sri Lanka

Zurück an die Küste

Mit dem vollsten Bus aller Zeiten, fuhren wir zurück nach Galle. Ein Mann hatte Einsehen, dass es keine gute Idee ist, zwei kleine Kinder im Durchgang stehen zu lassen, so dass Joshi und Joni sich einen Platz teilten, während der Busfahrer im halsbrecherischen Tempo den Berg hinabschoss. Ich war froh hinten zu stehen, um die wilden Überholmanöver nicht auch noch sehen zu müssen. Nach 5 Stunden Fahrt konnten dann auch Christian und ich uns in einen der engen Sitze hineinfalten. Der letzte Teil der Strecke fuhr der Bus an der Küste entlang. Die Strände sahen toll aus. Ab und zu sahen wir einige der sri lankanischen Fischer, die im Meer auf Stelzen saßen. Mühevoll sah diese Art des Fischens aus.

Als wir endlich in Galle angekommen waren, fanden wir Moya unter einem dicken Staubpanzer. Die Zementfabrik hatte jeden Tag etwas zu uns rüber wehen lassen. Wir waren trotzdem froh wieder auf unserem schwimmenden zu Hause zu sein.

Der lange Weg nach Hause

Mit uns liegen 6 andere Segler im Hafen von Galle, alle auf dem Weg ins rote Meer oder von dort kommend. Wir nutzten die Gelegenheit Informationen aus erster Hand zu bekommen und fragten den beiden Yachten die bereits dort waren Löcher in den Bauch. Einige Begebenheiten im Golf von Aden, über die wir bereits im Internet gelesen hatten, rückten durch diese Gespräche in ein etwas anderes Licht. Eine ungeklärter Annäherung eines Bootes wurde zum Beispiel als gefällige Bezeichnung seitens der Behörden erklärt, da dem Segelboot der Treibstoff ausgegangen war und die Hilfe irgendwie gerechtfertigt werden musste. Wir hörten außerdem, dass in der Militär überwachten Zone, viel los sein soll. Kriegsschiffe und Flugzeuge kontrollieren, gleichzeitig sind wohl viele Frachtschiffe unterwegs. Seit vielen Jahren gab es keinen erfolgreichen Übergriff von Piraten auf eine Yacht mehr, obwohl wir davon ausgehen, dass momentan jährlich 50-100 Segelboote diese Route befahren. Wir sind natürlich trotzdem nicht ganz entspannt, aber die Gespräche mit den anderen Seglern sorgten dennoch für ein wenig besseres Gefühl. Und das ist auch gut so, denn um zum Ende unserer Elternzeit wieder in Deutschland sein zu können, gibt es nur einen Weg zurück ins Mittelmeer - der über das rote Meer. Die einzige Alternativstrecke zurück - um Südafrika herum, in die Karibik und von dort zurück nach Europa - ist in diesem Zeitrahmen nicht machbar und wegen den starken Strömungen und dem rauhen Wetter am Cape Angulhas außerdem auch nicht ganz ungefährlich.

Seit wir beschlossen haben ins Mittelmeer zurück zu segeln, haben wir konstant Informationen gesammelt, um eine fundiert Risikoabschätzung über die rote Meer Passage machen zu können. Jetzt nutzen wir jede freie Minute damit, aktuellste Berichte von anderen Seglern und den Behörden zusammen zu tragen, um optimal vorbereitet zu sein. Wir registrierten uns bei der MSCHOA, die die Anti Piraten Aktivitäten im Golf von Aden koordiniert und werden täglich an die Behörden berichten, damit die Kriegsschiffe immer genau über unseren Aufenthaltsort informiert sind und im schlimmsten Fall zur Hilfe kommen können. Wenn wir nicht der Überzeugung wären, dass der Weg ins rote Meer sicher ist, würden wir diese Passage nicht machen. Trotzdem steht uns wohl unsere nervenaufreibendste Passage noch bevor.

Moya ist inzwischen aus ihrem Panzer geschält, die Wäsche ist gewaschen, der Tank, die Gasflaschen, der Kühlschrank und die Gemüsenetze sind voll. Es kann also los gehen. Aber noch nicht ins rote Meer, sondern erst Mal zu den Malediven, wo wir noch einmal eine Woche am Strand und im Wasser verbringen wollen, bevor wir uns auf den langen Weg nach Hause machen.

Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare.
04.03.2019:
Kommentar from Christina
Wow, ihr wollt es wirklich wagen! Wir waren am Wochenende beim Piratenpräventivworkshop der Bundespolizei und da wurde das Gebiet als klares No-Go bezeichnet. Ich drücke die Daumen und zittere mit euch mit, dass alles gut geht und ihr heile ankommt! Liebe Grüße, Christina, Serenity Sailing
04.03.2019:
Kommentar from Dody
Drueck' Euch ganz feste die Daumen, wird schon gutgehen irgendwie! Big hugs xxx
04.03.2019:
Kommentar from Anna von SY Capetown
Wir sind in Gedanken bei euch. Ihr werdet es schon richtig machen. :)
04.03.2019:
Kommentar from Marlene und Werner
Gute Reise und einen super Segelwind! Wir freuen uns euch bald wieder näher bei uns zu haben. Liebe Grüße aus Deutschland.
05.03.2019:
Kommentar from Gabi
Ihr seid einfach zu schnell. Ich hatte diese Woche geplant, nach Sri Lanka zu kommen. Jetzt muss ich Fasching hier feiern, denn auf den Malediven war ich erst. Keine Angst vor Piraten, die halten sich an Containerschiffe und Versorger oder Kreuzfahrer. Außerdem sieht euer magerer Captain nicht danach aus, als gäbe es was zu holen auf dem Schiff. Macht es weiterhin so super wie bisher, dann klappt schon alles.