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Labuan Bajo, Flores, Indonesien
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08.12.2018
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vom
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Logbucheinträge zu Französisch_Polynesien

16.07.2018 - Maupiti, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Wikinger auf Maupiti

„Nur Wikinger, verrückte Franzosen aus der Britannie und Polynesier fahren bei diesen Bedingungen durch den Pass“ sagte der nette Franzose von dem kleinen Laden im Dorf und zeigte mit dem Zeigefinger seitlich an seine Schläfe. Wir haben Baguette bestellt für morgen und dabei Moya als Namen angegeben, da schaute er verblüfft auf, sah Christian mit anderen Augen an und meinte er hätte uns am Pass gesehen. Franzosen und Polynesier sind wir nicht, also bleibt nur die Kategorie Wikinger für uns übrig, die bei Christians Aussehen gar nicht so schlecht passt. Der Capitano und vor allem Moya hatten gestern alles im Griff, trotz 4 Knoten Gegenstrom, Welle von hinten und brodelndem Wasser, fuhr sie wie auf Schienen. Sie ist eben ein richtiges Drachenschiff - 100% da wenn es mal ruppig wird.

Nur mir fehlen die Wikingergene, kalt mag ich ja gar nicht und entspannt finde ich auch besser als brodeln. Bisher werde ich aber trotzdem von der Wikingermannschaft geduldet und sogar auf Expedition mitgenommen. Anstatt auf dem Wasser ging es dabei durch den Wald den Berg hinauf. Bis ganz auf die Spitze des erloschenen Vulkans. Der markierte Weg startete direkt im Dorf, ging steil nach oben, so dass man schon nach Minuten eine wunderbare Aussicht auf den Ankerplatz hatte. Danach ging es in den Wald hinein, Wurzeln verhinderten, dass wir auf den rutschigen Pfaden fielen, weiter oben, als es felsiger wurde, waren dann Seile zum festhalten angebracht. Joshua war ganz aufgedreht bei der Kraxelei, ihm machte das Klettern einen riesengroßen Spaß. Joni saß die zweite Hälfte der Strecke auf meinem Rücken, oben war es für ihn zu steil und selbst für Joshua nur mit enger Führung machbar. Nach 1.5 Stunden waren wir auf dem Gipfel von Mont Pahahere, 385 Meter über dem Meer. Von hier aus überblickten wir die kleine Insel, sahen die Motus, die Korallenriffe angeordnet wie ein Schachbrett, das Dorf, den Pass und natürlich die Lagune mit ihren verschiedenen Blautönen. Für heute suchten wir uns einen schönen Strand zum Schwimmen, da die Wellen am Pass mindestens noch so groß waren wie am Vortag - mit mir Weichei müssen die Wikinger da wohl auch noch ein bißchen bleiben.

Aber dafür hatten sie heute auch einen schönen Tag auf den Motus, die sind hier sogar frei zugänglich und haben wunderbaren, feinen weißen Sandstrand, ganz untypisch für französisch Polynesien, und natürlich Palmen und flaches, ruhiges Wasser, ideal für Joshuas Schwimmübungen. Wie immer durfte die Kokosnuss als Nachmittagssnack nicht fehlen. Da Christian kein Messer mit hatte, schälte er die fasrige weicher Schale unseres Fundstücks einfach mit einem spitzen Stein ab. Selbst das Kokosfleisch konnte er damit aus der harten Schale entfernen. Was man nicht alles so lernt, wenn man auf Südseeatollen herumtollt.

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15.07.2018 - Maupiti, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Haarig - der Pass von Maupiti

Um noch ein bißchen mehr von Bora Bora kennen zu lernen verlegten wir unseren Ankerplatz in den Norden. In der Nähe des Flughafens liegen eine Hand voll kleiner Inselchen, davor ist das Wasser relativ flach und perfekt türkis schimmernd. Wir legten Moya in nur fünf Metern Wassertiefe - eine Seltenheit auf den Gesellschaftsinseln - vor Anker, schnappten uns Tilly machten uns auf Entdeckungsreise Richtung Motus.

Von weitem sahen die Inseln unbewohnt aus. Kleine Ilande, dicht mit Palmen bewachsen, weißer Sandstrand, ohne das geringste Lebenszeichen sahen wir. Beim näher kommen fielen uns dann aber die Schilder auf, die hier ganz akkurat aufgereiht im Abstand von ca. 50 Metern standen, einmal komplett um die Insel herum. „Privat Island“ stand darauf und spätestens als wir die zahlreichen Kameras an den Palmen ausmachten, hatten es sogar wir verstanden: da wollte jemand nicht gestört werden. Jemand der das Geld hatte drei große Gebäude zwischen den Palmen verstecken zu können, unter dem dichten Palmendach englischen Rasen anpflanzen und den weißen Sand mit der Harke kämmen zu lassen, so dass die Streifen im Sand zu erkennen waren. Wer der Besitzer von Motu Tane ist wissen wir nicht, allerdings scheint ihm Privatsphäre nicht ganz unwichtig zu sein. Vielleicht ist es ein Hollywoodsternchen, ein Profisportler oder ein Milliardär? Jedenfalls ist der Ort gut gewählt, direkt am Aussenriff mit herrlichen Korallen, Rifffischen und ohne Kontakt zu Menschen - und das auf Bora Bora. Ob der wohl weiß, wie schön sein Unterwasservorgarten ist, oder reicht es ihm oder ihr zu wissen dass man nachschauen könnte, wenn man nur wollte? Wir jedenfalls sind abgetaucht und haben die tollen Korallenformationen und bunten Fische bewundert. Zum Abschluss ist uns sogar ein Manta Rochen begegnet, ganz natürlich, ohne anfüttern glitt das riesige Tier durch das Wasser und war dann auch blitzschnell mit zwei Flügelschlägen weg als er mich bemerkte.

Für uns war das ein toller Abschied von Bora Bora, wir hatten schon am Morgen ausklariert bevor wir heute nach Maupiti, unsere letzte Insel französisch Polynesiens, gestartet sind. Maupiti ist klein, ohne Gendarmerie, deshalb musste der Papierkrieg schon auf Bora Bora erledigt werden. Es ging heute morgen schon nass los und wurde den ganzen Tag nur schlimmer. Ein Squall jagte den nächsten, der Wind drehte kräftig, wehte dabei frisch. Kurz vor Maupiti holte ich die Angelleine für die bevorstehende Pass Durchfahrt ein, als es plötzlich an der Leine zog, ein riesiger Mahi Bulle hatte sich in letzter Sekunde den Köder geholt und kämpfte jetzt. Mit starken Flossenzügen schwamm er von rechts nach links, tauchte ab und sprang aus dem Wasser, aber es half nichts, am Ende hatten wir ihn an Deck. Größer als Joshua war er und brachte 9kg auf die Waage und ist wie immer vorzüglich, das erste Viertel hat uns heute papsatt gemacht. Bevor wir mit dem Angeln angefangen haben, las ich öfter, dass Fische vor allem in der Morgen- oder Abenddämmerung anbeißen, jetzt weiss ich, dass das nicht stimmt, sie beißen dann wenn man es gerade am lästigsten ist - beim Segelreffen, beim Kochen oder wie heute beim Vorbereiten für die Einfahrt.

Und das war heute besonders nötig, denn der Pass von Maupiti ist lang und schmal und nach Süden geöffnet, dort wo die Wellen herkommen - und die waren gar nicht mal so klein. Von außen sahen wir nicht so richtig was im Pass los war und plötzlich waren wir mittendrin. Adrenalin flutete meine Blutbahnen und machte meine Knie weich, zum Glück waren die Kinder unten und Christian am Ruder - die Brecher und das ablaufende Wasser auf dem Riff waren mir einfach viel zu nah bei Moya - keine 20 Meter entfernt. Comfortlevel ade. Maupiti hat uns nun so lange, bis es ruhiger wird da draußen. Keine Ahnung wie lange das sein wird, die Wettervorhersage zu befragen ist sinnlos, die ist hier so zuverlässig wie würfeln.

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13.07.2018 - Bora Bora, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Heiva auf Bora Bora

Bora Bora ist fast ein richtiges Atoll, sie ist eine der ältesten Inseln der Gesellschaftsinseln, 10 Millionen Jahre gibt es sie schon. Der Vulkan im Zentrum ist zwar noch nicht komplett erodiert, aber das Korallenriff ist stark ausgeprägt und die Lagune in Teilen flach. Hier haben die Amerikaner im zweiten Weltkrieg nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbour einen großen Marine Stützpunkt errichtet, als Basis für den Krieg, um den Pazifik. Da es damals wenig Infrastruktur auf der Insel gab, wurden zunächst Straßen gebaut um die Versorgung der 20000 Mann zu gewährleisten. Außerdem gibt es eine große Navy Basis beim Flughafen und zahlreiche Flaks mit Unterständen überall auf der Insel verteilt.

Natürlich wollten die Kinder zu den Kanonen - in den Piratengeschichten, die sie hören und vorgelesen bekommen, kommen die ja immer wieder vor - deshalb waren sie für die kleine Wanderung den Berg hinauf leicht zu motivieren. Außerdem geht Laufen mit anderen Kindern am Start viel besser, plötzlich wird gerannt und geräubert, fangen gespielt und mit Stöcken im Schlamm gespielt und die Strecke wird zur Nebensache. Wo wir zu viert motivieren müssen, geht zu acht fast Alles wie von selbst. Nur Joni war etwas unglücklich, er ist der Kleinste und somit auch der langsamste und konnte nicht immer mit den beiden fünf-jährigen und der acht-jährigen Sophie mithalten. Am Ende standen wir trotzdem alle bei den beiden riesigen Flaks und schauten über die Lagune aufs Meer hinaus. Wie immer haben sich die Schritte weg von the beaten tracks gelohnt.

Heute war einer der wenigen Abende, an denen wir es nochmal von Bord geschafft haben. Normalerweise gehen die Kids nach Sonnenuntergang ins Bett und stehen bei Sonnenaufgang auf. Ausserhalb dieses Routine gibt es normalerweise Drama, deshalb vermeiden wir es bei Dunkelheit von Bord zu gehen. Heute aber gab es an Land einfach zu viel zu sehen, so dass wir nach dem Abendessen an Land tuckerten. Im Juli ist Heiva auf den Gesellschaftsinseln und gipfelt am 14. Juli. Heiva ist das traditionelle Festival der Polynesier, bei dem sie sich in verschiedensten Disziplinen messen und zusammen die Besten feiern. Es gibt Wettbewerbe im Kanufahren, im Bananenstaudenwettlauf, im Singen, Tennis, stärkster Mann und vieles mehr.

Heute Abend gab es traditionelles Tanzen. Männer, Frauen und sogar Kinder in frisch geflochtenen und dekorierten Kostümen aus Palmenblättern und anderen Planzen traten in einer großen Gruppe auf und tanzten zusammen. Eine Stunde lang zeigten sie ihr Können, die Frauen schüttelten ihre Hintern in unglaublicher Frequenz, die Männer wippten mit den Kien, den Takt gaben die Trommler vor - immer schneller und schneller. Die Gruppe blieb synchron und strahlte dabei pure Energie und Freude aus. Stolz präsentierten die Frauen ihr offenes Lachen, die Männer glänzten vor Schweiß. Jeder machte mit, egal ob hager oder mit dicken Ringen um den Bauch, schwangen die Hüften und wackelten die Hintern. Monate hatten die Menschen sich für diesen Abend vorbereitet und wir durften staunend dabei sein. Direkt vor der Tanzfläche saßen wir zusammen mit der Mango Crew im Sand, hinter uns war aufgestuhlt und nebenan gab es eine Tribünen für die Gäste der großen Hotelketten, die mit Booten auch zu diesem Event gebracht wurden. Morgen wird die nächste Tanzgruppe auftreten und Punkte sammeln. Wer den Tanzwettbewerb gewinnen wird, werden wir nicht erfahren, aber zumindest für uns ist das auch gar nicht wichtig. Es war der absolute Wahnsinn.

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12.07.2018 - Bora Bora, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Die Perle der Südsee

Obwohl Bora Bora als Perle der Südsee gilt, hatten wir vorab so viel Negatives über die grüne bergige Insel mit dem großen Aussenriff und dem türkis durchscheinenden kristallklaren Wasser gelesen. Andere Cruiser schrieben von unfreundlichen Polynesiern und einer Insel die auf Tourismus getrimmt ist und ihren authentischen Charme verloren hat. Über die Lagune sollen Motorboote mit posenden Wasserskifahrern heizen, Auslegerkanus sollen Touristen Ukulele singend zum Aussenriff gondeln um dort Rochen und Haie anzufüttern, weil ansonsten die Unterwasserwelt tot ist, die Strände der umliegenden Motus sollen allesamt privat sein, manche davon kameraüberwacht und streng reguliert, so dass jeder Zugang unmöglich ist. Im Dorf soll man sich zu Fuss kaum fortbewegen können aus Angst von den Autos überfahren zu werden. Unsere Erwartungen an Bora Bora waren dementsprechend nüchtern.

Mittlerweile sind wir seit knapp zwei Tagen hier und was soll ich sagen, die Berichte sind zu grossen Teilen richtig, wenn auch etwas überzeichnet. Uns gefällt es hier nämlich trotz allem sehr gut. Die Insel mit ihren Riffen und Stränden ist eine echte Schönheit. Schon bei der Anfahrt auf den Pass waren wir schwer beeindruckt von den Farben die das Wasser hier annehmen kann - und das auch noch nach 2 Monaten Südpazifik. Wir ankerten vor einem der Motus und störten uns nicht über die private Hotelanlage, in der hier die meisten Touristen glamourös ihren Urlaub unter Palmen verbringen, auch die schickimicki Motorboote, die ohne Rücksicht das Wasser der Lagune aufwirbelten, so dass man am Ankerplatz ordentlich durchgerüttelt wird, sind zwar nicht das was man sich wünscht, aber trotzdem halb so wild. Statt uns zu grämen schnappten wir Tilly und machten beim Touri Programm einfach mit, schließlich sind wir ja auch nur Touristen, auch wenn wir hier etwas länger unterwegs sind. Genau bei den singenden Auslegerkanus am Riff, dort wo die Hotelgäste in Ausflügen hingegondelt werden mischten wir mit und sahen uns die Stachelrochen und Haie an. Wenn sie schon angefüttert werden, sahen sich nun vier faszinierte Augenpaare mehr das Spektakel aus der hinteren Reihe an. Anfassen wollten wir lieber nicht. Auch die Koralle hier ist in keinem schlechteren Zustand als auf den Nachbarinseln, vielleicht war sie es, aber jetzt fängt sie wieder an zu wachsen.

Vor dem Dorf liegen wir nun an einer Mooringen und genießen bequemes Anlegen am Steg und sogar einen Minipool am Land für die Kids. Ins Dorf laufen wir an der Straße entlang -ohne Gesteige- aber die Polynesier fahren rücksichtsvoll, so dass wir uns nicht wie lebensmüde fühlen. Ja und die Polynesier, die empfinden wir hier als freundlich wie immer. Und natürlich macht alles noch viel mehr Spass, wenn man Gleichgesinnte trifft, so dass das „ach, das klingt deutsch“ auf der Straße heute gereicht hat, um morgen mit der vier köpfigen Mango Crew wandern zu gehen - die Kinder sind bereits beste Freunde.

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10.07.2018 - Tahaa, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Treffen mit Nemo im Korallenlabyrinth von Tahaa

Es gibt sie ja doch noch! Lebende Korallen auf den Gesellschaftsinseln. Wohingegen man auf den Tuamotus Korallen in den schönsten Formationen und allen möglichen Farben sehen kann, waren wir bisher von der Unterwasserwelt der Gesellschaftsinseln etwas ernüchtert. Wir sahen in Tahiti, Raiatea und auf Huahine fast nur tote Korallen, entsprechend wenige Fische waren auch unterwegs. Ob das Korallensterben hier an verschmutztem Wasser, menschlicher Einwirkung, der globalen Erwärmung, Zyklonen oder anderen Faktoren liegt wissen wir nicht, wir vermuten aber, dass es zumindest teilweise an lokalen Einflüssen liegen muss, sonst können wir uns die Korallenpracht 200 km östlich nur schwerlich erklären. Heute zeigte uns der Sprung ins Wasser, dass in den Korallengärten von Tahaa die Korallen erholen und große Teile wieder wachsen.

Schon gestern waren wir aus der lang eingeschnittenen Bucht von Haamene gefahren. Die Bucht ist nach Osten hin offen und wirkte so beim Einsetzen des Südostpassats wie eine Düse. Wir lasen in Böen 35 Knoten Wind vom Windmesser ab, das ist fast Sturmstärke. Bei diesem Wind machte selbst unser Windgenerator regelmäßig eine Notbremsung, damit unsere Akkus nicht überladen und Moya nicht abhebt - zumindest könnte man das bei den Geräuschen glauben. Moyas Anker hielt zwar wie Bombe, aber durch den Schwell, der sich über 2.5 Meilen aufbauen kann, hüpfte Moya auf den Wellen. „Auf der Leeseite muss es ruhiger sein“ dachten wir und zogen das Eisen aus dem Wasser. Das war bei dem Wind und weil die Kette immer noch an Deck lag - unsere Streicharbeiten waren durch den Regen verzögert- gar nicht so einfach. Aber schließlich war es geschafft und wir hofften auf eine Mooring in der Bucht von Tapuamu. Als wir dort ankamen wehte es immer noch mit 25 Knoten, der Wind fiel hier einfach von den Bergen herab. Das war nicht ganz was wir uns vorgestellt hatten, zumal keine Boje frei war und unser Echolot konstant 20 Meter Wasser unterm Kiel anzeigte. Auch mit der Kette im Kasten wäre es nicht möglich gewesen hier zu ankern, also suchten wir nach Alternativen. Am Aussenriff gibt es hier drei Motus, dazwischen liegen die Korallengärten, wo wir gerne schnorcheln wollten. Laut Cruising guide ist das Ankern hier aber aussichtslos und die Stelle auch wenig geschützt. Wir versuchten es trotzdem, tatsächlich war der Wind hier sogar etwas schwächer als in der Bucht. Einige Bootslängen vor der Sandbank versenkten wir den Haken in 8 Meter Wassertiefe - er hielt auf Anhieb und bestand den Test auch über Nacht.

Heute morgen wehte es immer noch ordentlich. Gut, dass wir Übung im Übersteigen ins Dingi haben, denn das war etwas wackelig heute. Durch das schwappende Wasser ging es hinüber zu den Inseln. Auf der größten gibt es eine Hotelanlage mit Wasserbungalows, die war tabu, bei hunderten von Dollar die Nacht will die Elite unter sich bleiben. Das Motu nebenan tat es auch zum Anlanden und die Korallengärten waren ohnehin im Wasser und das gehört jedem. Mit Kind und Kegel gingen wir Schnorcheln. Joni wollte zwar noch keine Taucherbrille, aber er guckte einfach von Christians Rücken in Wasser. Joshi war voll dabei - ganz ohne Schwimmhilfe. Im Labyrinth der Korallen war das Wasser nur ein bis zwei Meter tief, ideal zum Schnorcheln mit Kinder, denn die bunten Fische sind auch dann ganz nah, wenn man nicht hinunter taucht. Vom Aussenriff kann man sich in einem kleinen Kanal in die Lagune treiben lassen und nebenbei Korallen und Fische schauen. Wir waren wieder mal total begeistert von der Unterwasserwelt. Nur kalt war es heute, Joshi fing schon bald an zu zittern und beendete unsere kleine Wasserexpedition, aber nicht bevor wir Nemo in einer Seeanemone erspäht haben - wow ist das toll.

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08.07.2018 - Tahaa, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Spazieren im Regen auf Tahaa

Gemütlich starteten wir heute morgen. Der Plan war nach dem Frühstück zur Vanille Farm auf der Südseite der Insel zu laufen, uns dort die Vanilleproduktion erklären zu lassen und heute Abend mal wieder essen zu gehen. Das Restaurant Tahaa Maitai liegt keine hundert Meter von Moya entfernt und wurde uns von anderen Cruisern wegen der exzellenten Küche empfohlen. Die kochen dort wohl auch deftige Gerichte mit Vanille, was total gut schmecken soll.

Die grauen Wolken am Himmel störten uns nicht weiter. Zum Wandern ist es ja ohnehin besser wenn unser Stern nicht so vom Himmel brennt, außerdem sind die Regengüsse normalerweise in Minuten vorbei. Deshalb packten wir den Rucksack so wie immer, also ohne Regensachen, nur mit zwei Extra Shirts für die Kinder. Danach setzten wir mit Tilly über. Es tröpfelte, hörte aber gleich wieder auf. Wir gingen los. Am Ortsausgang fing es leicht an zu regnen, aber das machte nichts, es war ja warm. Wir suchten einen Baum als Unterstand. Als es nachließ gingen wir weiter durch eine satt grüne Landschaft. Große Urwaldbäume sahen wir und viele bunte Blumen und Blätter- es war mal wieder fast so wie im botanischen Garten, nur hier wächst das Zeug von selbst. Joshua fing an am Wegrand einen Strauß zu pflücken. Joni wollte das dann natürlich auch. Beide marschierten gut gelaunt den Hügel hinauf. Oben fing es wieder an zu regnen, wir stellten uns erst unter eine Palme und als die den Regen nicht mehr abhalten konnte unter einen Brotfruchtbaum, der mit seinen großen Blättern ein besseres Dach bildete. Bald reicht das aber auch nicht mehr, der Himmel hatte seine Tore geöffnet, es schüttete. Man sah selbst die Bergkante nicht mehr, die nur noch eingehüllt in dichte graue Wassernebelschwaden war. Wir wurden also nass. Sobald es nicht mehr prasselte sondern nur noch plätscherte, wackelten wir weiter bis zur nächsten Unterstellgelegenheit. Richtig aufhören zu regnen wollte es heute nicht mehr.

Nach ein bißchen Suchen fanden wir die Farm, aber es war keiner da. Vielleicht wollten sie am Sonntag keinen Besuch von Touristen? Vielleicht hatten sie auch ganz zu gemacht? Unsere Führung fiel jedenfalls ins Wasser. Es regnete weiter, wir kehrten um. Es war trotzdem es schöner Spaziergang mit anschließender Spielerunde an Bord. Dort haben wir dann auch zu Abend gegessen, das Maitai hat nämlich am Sonntag nur mittags geöffnet. Keinen hat das aber so richtig gestört, auch Joni der zwischenzeitlich etwas grummelig schaute, war trocken wieder happy.

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07.07.2018 - Tahaa, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Fast geschafft

Vor der Werft lagen wir die letzten Tage vor Anker. Es gibt dort einen der wenigen Spots hier auf den Gesellschaftsinseln, wo das überhaupt möglich ist, an den meisten Stellen ist das Wasser dafür zu tief oder zu flach. In Sekunden rauscht das Echolot von ungefähr 30 Metern auf unter 5, laut Seekarte gehts es danach im gleichen Tempo weiter bis auf Null, es ist zu riskant, dass man bei der nächsten Winddrehung auf dem Riff hängt. An vielen Stellen haben die Polynesier Moorings angebracht, um das Bleiben zu erleichtern. Allerdings lassen sie sich diesen Service auch bezahlen, 2500 CPF oder mehr (22 Euros) für eine Nacht am Ball sind keine Seltenheit. Das schmerzt natürlich in der Reisekasse, vor allem weil Ankern ja gar nichts kostet. Trotzdem sind die Bojen gut besucht, vor allem die Charterkatamarane trifft man dort häufig - kein Wunder, bei den Charterpreisen in französisch Polynesien werden die Mooringkosten unter Portokasse verbucht.

Auf Raiatea liegen die Basen der Vercharterer, von hier aus starten die Katamarane ihre Erkundungstour auf den Gesellschaftsinseln. Wer es ruhig mag kann ohne Probleme einen gesamten Wochentörn in der mit Tahaa geteilten Lagune verbringen, es gibt 101 Möglichkeiten. Ansonsten liegt Bora Bora in Sichtweite und Huahine um die Ecke. Tatsächlich sind wir auch wegen der Vercharterer hier, denn die großen Flotten ziehen auch die Marine Experten an. Der Workshop unserer Segelmacherin Regine, liegt so auch direkt auf dem Gelände der Charterbasis. Trotzdem hat Regine es geschafft unseren Blister, unsere Sprayhood und das Binimi in nur zweieinhalb Tagen sehr gut zu reparieren. Währenddessen arbeiteten wir an Bord.

Nachdem wir die letzten drei Tage konstant schmutzige Hände hatten und der Geruch von frischer Farbe in der Nase hing, wollten wir das heute zumindest zeitweilig ändern. Unsere Ankerkette liegt zwar immer noch an Deck, da im Ankerkasten noch nicht alle nötigen Farbschichten gemalert sind, aber das hielt uns nicht davon ab, einige Meilen nach Norden zu tuckern. Den restlichen Tag werkelten wir zwar weiter, aber Moya ist inzwischen so weit aufgehübscht, dass wir morgen auf Erkundungstour starten können. Die Reling spiegelt, die Holzelemente an Deck glänzen und an den Maststufen sind Leinen gespannt und die Segel abzuhalten, um weitere Segelunfälle zu vermeiden. Die Projektliste ist zwar noch nicht leer, aber nun sind erstmal wieder die Kinder dran, die die letzten Tage geduldig auf uns gewartet haben.

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04.07.2018 - Raiatea, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Wellnessprogramm für Moya

Obwohl uns unsere eiserne Lady so zuverlässig, ganz ohne Mätzchen bereits um die halb Welt getragen hat, haben wir sie in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Seit Portobello lag Moyas Projektliste großteils unangetastet im Navigationstisch - sieht man mal vom Unterwasserschiff ab. Wir waren erst viel zu beschäftigt den Pazifik zu erobern und danach überwältigt von der Schönheit der Inseln in der Südsee, so dass Moya etwas warten musste. Natürlich gab es bisher auch nicht alle Ersatzteile und Profis, die wir brauchen - aber Ausreden beiseite, es lag schon an uns.

Gestern haben wir Huahine in unserem Kielwasser gelassen und sind nach Raiatea gefetzt. Es gab ordentlich Wind, gerade so viel, dass wir unter voller Genua und leicht gerefften Grosssegel mit Rumpfgeschwindigkeit durch die Wellen fegten. Der Seegang war auch gestern enorm, die riesigen lange Wellen kamen von Süden als Ausläufer des Tiefs das uns dann doch nicht getroffen hat. Man kann Wellenhöhen ja so schlecht schätzen und auf Fotos sieht das Meer ja normalerweise immer sanft wie ein Ententeich aus, trotzdem gibt es ausnahmsweise ein Foto auf der man die Dimensionen der Wellenberge erahnen kann. Parallel zu uns segelte nämlich eine Schweizer Yacht, die sogar ihren Mast zu großen Teilen in den Wellentälern verstecken konnte und dabei war sie wirklich nah - seht selbst.

Bei normalen Inseln würde man sich bei so einem Seegang in die tiefste Bucht flüchten, die man finden kann, und hoffen, dass es der Schwell nicht hinein schafft. Hier braucht man sich darum keine Gedanken zu machen, einmal durch den Pass und man arrangiert sich maximal noch mit den Wellen, die der Wind in der Lagune aufzubauen schafft. Was auf den Tuamotus noch ungemütlich werden kann, ist hier meist kein Problem, da die Lagune durch den Vulkan in der Mitte deutlich kleiner und somit weniger Windaufbaufläche bietet. Wir segelten also hinein in das Atoll und warfen unseren Anker an die Nordseite von Raiatea in ruhigem Wasser direkt vor einer Werft.

Wir hatten gehört, dass es hier zwei Segelmacher geben soll und neben unserem zerrissenen Blister, wollte unsere Sprayhood auch unbedingt Aufmerksamkeit. Die tropische Sonne ist aggressiv und hat inzwischen fast alle Nähte angegriffen, nicht mehr lange, dann wären nur noch die einzelnen Stoffstücke übrig geblieben. Tatsächlich hatten wir Glück. Regine quetscht nun unsere Reparaturen trotz vollem Terminkalender noch dazwischen und ist vielleicht sogar schon bis zum Wochenende damit fertig. Mit abgebautem Binimi, das an einer Stelle an der Oberseite verstärkt werden muss, und ohne Sprayhood, beschlossen wir hier liegen zu bleiben, um an Moyas Liste zu arbeiten. Die Ankerkette liegt momentan an Deck, die Klappe vom Ankerkasten ist ab und der Capitano war heute den halben Tag hineingefaltet, um einen neuen Anstrich vorzubereiten. Währenddessen arbeitete ich an Deck mit Stechbeitel, Schleifgerät und Farbe bewaffnet. Joshua malte einen Plan von allen Stellen an denen ich arbeitete und kennzeichnete farbig den Arbeitschritt, orange für angefangen, blau für fertig geschliffen und rot für grundiert. Joni wuselte dazwischen herum, versteckte Werkzeuge und verteilte seine Lego Duplo an Deck. Außerdem bekam Moya neue Lazy Jacks. Während ich hier schreibe, arbeitet Christian neben mir mit dem neu gekauften Edelstahlseil, um ein Auge hinein zu spleißen. Das Unterfangen sieht momentan noch etwas wild aus. In alle Richtungen stehen widerspenstige Drähte ab, ich bin aber zuversichtlich, dass er die auch noch bändigt. Morgen geht es weiter mit Streichen, die Holzteile wollen auch einen neuen Look.

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11.07.2018:
Kommentar from Dody
Ei Sabrina, das ist aber aergerlich mit dem Bimini! Kannst Du mir sagen wie wo was passiert ist? Etwas Extra-Stoff habt ihr ja gluecklicherweise noch, hoffe es ist nicht so schlimm!!!
16.07.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Danke Dody. Das war halb so schlimm, nur eine kleine Reparatur, da wir das Binimi von oben mit unserem Baum angeschrabbt haben. Die Segelmacherin hat einfach ein Webbing als Schutz drüber genäht. Wir sind weiterhin hoch zufrieden mit Deiner tollen Arbeit :-)
02.07.2018 - Huahine, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Neues Hulahula Mädchen auf Huahine

Es ist kein Klischee und auch nicht nur fürs Fernsehen, hier laufen manche Ladies den ganzen Tagen mit Blüten im Haar oder wunderschönen, frisch geflochten Blumenkränzen auf dem Kopf herum. Wir treffen sie auf der Straße, an der Supermarktkasse oder eben wie gestern an dem kleinen Strand von Port Bourayne. Ich möchte die Menschen normalerweise nicht mit meiner Kamera belästigen, aber dieses Mal ging ich hin und fragte, ob ich fotografieren dürfe. Die Frau lachte mich an und freute sich, dann nahm sie ihren Kranz vom Kopf und schenkte ihn mir, weil er mir so gut gefalle. Wow! Ich war mal wieder hin und weg über die Offenheit und Gastfreundlichkeit der Polynesier und bereute ein weiteres Mal kein französisch zu sprechen. Mit englisch kommt man hier zwar schon durch, aber richtige Gespräche führen und Kontakte knüpfen geht so viel besser, wenn man sie Sprache der Leute spricht. Trotzdem waren die Menschen in noch keinem anderen Land durchgängig so freundlich und kommunikativ ohne aufdringlich zu sein - vielleicht mit Ausnahme von Venezuela. Ich zog meinen neuen Kopfschmuck auf und fühlte mich den restlichen Tag noch mehr wie in der Südsee.

Der Strand war weitgehend leer, es gab hier nur den Guard, eine kleine Gruppe von Polynesiern und ein Touri Pärchen, alle bis auf den Mann mit dem Hut aus Palmenblättern waren mit kleinen Booten hierher gekommen. Auch heute war er da, in einer kleinen Hütte verkauft er selbstgebastelten Schmuck, reinigt den Strand, sammelt Blumen und Farne und zeigt den Besuchern wo sie die Boote abstellen können - wo er wohnt, haben wir nicht rausgefunden. Früher war die kleine Bucht wohl bewohnt, nur wenige Meter vom Strand entfernt in den Dschungel hinein gibt es noch die Überreste eines großen Gebäudes, das inzwischen halb eingefallen und überwachsen ist. Wir folgten einem kleinen Trampelpfad in das dichte Grün hinein und gingen auf Dschungelexpedition. Nach etwa hundert Metern weitete sich der Pfad und sah schon fast aus wie ein richtiger Weg, der sich den Berg hinauf wand. Wir gingen hinauf auf der Suche nach einem Aussichtspunkt. Immer wieder sahen wir alte Wegstücke und Steinmauern vermutlich von vor sehr langer Zeit. Außerdem war der Berg bewohnt von der polynesischen Bergkrabbe (so haben wir sie genannt), die großen Krebse wohnten hier oben in Erdlöchern und waren ganz schön schnell unterwegs, natürlich nur seitwärts. Die Jungs machten einen Wettbewerb daraus, gewonnen hatte der, der mehr Krebse findet. Wir gingen immer weiter hinauf, das Rauschen des Meeres wurde immer leiser, die Urwaldriesen überragten uns mit ihren dichten grünen Kronen, Lianen hingen herab und Parasitenpflanzen wanden sich die Stämme hinauf, um näher ans Licht zu gelangen. Schließlich fanden wir nach einer Abzweigung eine winzige Stelle, an der sich die Pflanzen teilten und seitlich den Blick auf sie Lagune von Port Bourayne zuließen. Moya sahen wir von hier aus genauso wenig wie das Aussenriff, wir waren zu weit Richtung Osten entlang der Küstenlinie der südlichen der beiden Inseln von Huahine gelaufen.

Christian trackte unseren Weg mit GPS, um es später mit Open Street maps zu teilen, hier gibt es tatsächlich noch weiße Stellen auf den Karten und er hilft diese zu füllen. Auf dem Rückweg fanden wir noch eine weitere Weggabelung und standen wenig später vor einem großen Lavafelsen, hinter dem wir das Meer rauschen hörten. Die Kinder konnten zwar nicht hinauf, aber Christian und ich kletterten nach einander die drei Meter nach oben, um einen phänomenalen Ausblick direkt auf Moya zu haben.

Am Nachmittag tuckerten wir zum Dorf Fare. Das kleine Örtchen war schnell inspiziert, trotzdem war es größer als die Orte der Tuamotus und es gab einen Supermarkt, der Eis verkaufte. Natürlich wollten die Jungs ein Eis haben, so dass wir wenig später auf dem Parkplatz Schokoeis schlemmten. Als wir gerade fertig waren, kam Joni mit zwei neuen Eistüten auf uns zu gerannt, er hatte es von dem weißen Auto an der Ecke geschenkt bekommen und gleich noch eine Packung Kekse dazu - typisch polynesisch.

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30.06.2018 - Huahine, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Bei den Brechern bleibt der Atem weg

Gestern sind wir von Tahiti geflüchtet. Es gibt dort zu viel Lärm und zu viele Menschen, das sind wir nicht mehr gewohnt. Außerdem sind wir von der Schönheit der Marquesas und der Tuamotus ziemlich verdorben, so dass uns Tahiti gar nicht so gut gefallen hat. Wir zogen also das Eisen aus dem Wasser und tuckerten zum Pass. Unterwegs wurden wir von Wasserskifahrern begleitet, die sich richtig ins Zeug legten, als sie meine Kamera sahen. Geschützt von dem vorgelagerten Korallenriff war das Wasser still, optimale Bedingungen für ihre Kunststücke. Am Pass brachen sich die langen Ozeanwellen rechts und links am Korallenriff in riesigen Brechern. Auf der linken Seite tummelten sich Surfer die sich wagemutig in die Wellen stürzten. Rechts war keiner, da jeder ungebremst von den rollenden Wellen auf das Riff gedrückt würde. In der Mitte blieb ein schmaler betonter Streifen mit relativ ruhigem Wasser, hier wollten wir durch. Auf halben Weg nach draußen rollten die Brecher mit weißer Gischt auf beiden Seiten von Moya. Scary! Zum Glück ist die Navigation hier auf den Gesellschaftsinseln einfacher, da die Lagune durch die Insel in der Mitte wesentlich kleiner ist, so dass es wesentlich weniger Strömung gibt als auf den Tuamotus. Die Ausfahrt war so zwar spektakulär, aber eigentlich Kindergarten.

Als wir draußen waren sahen wir auch warum es am Riff so hoch her ging. Die See war fast glatt wenn man von den meterhohen, sehr langen Wellen absieht, die Moya ganz sanft anhoben und dann wieder absenkten. Die Wellen waren so lang, dass wir davon an Bord kaum etwas mitbekamen, außer, dass andere Boote immer wieder zeitweilig hinter den Bergen verschwanden. Die Wellen kamen aus Süden, vermutlich von einem entfernten Wintersturm.

Über Nacht segelten wir gemächlich nach Norden, bis dann heute Morgen der Wind auffrischte und Moya Richtung Huahine flog. Der Schwell hatte nicht nachgelassen, so dass wir mit respektvollen Abstand zum Aussenriff an der Westseite von Huahine entlang segelten - die Brecher waren hier sogar noch größer als gestern. Wir suchten das kleine Nadelöhr, fanden es schließlich zwischen den großen Wellen und schlüpften am frühen Nachmittag nach 120 Meilen auf dem Wasser hinein. Huahine ist wie Tahiti von Bergen übersät und grün bewachsen. Bis auf einige wenige Segelboote ist hier in Port Bourayne aber nichts los - die Stille ist zurück.

Wir konnten uns heute nur schwer entscheiden, wo wir vor Anker gehen sollten und diskutierten noch am Morgen ob wir nicht besser nach Raiatea segeln sollten. Der Grund für unsere Unentschlossenheit ist das heranziehende Tiefdruckgebiet, das uns morgen wohl südlich passieren wird, wir aber eventuell noch die Ausläufer miterleben werden. Die Ankergründe sind auf den Gesellschaftsinseln größtenteils tief mit Korallenköpfen dazwischen, beides ist nicht ideal um einen Sturm abzuwettern. Deshalb waren wir heute froh eine akzeptable Mooringboje gefunden zu haben, um für alle Fälle gewappnet zu sein.

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01.07.2018:
Kommentar from Marcus (und Judith :-)
Hallo Ihr Lieben, vor Tahiti fliehen zu wollen und zu können, das hört sich an wie wahrer Luxus. Bin sehr gespannt auf die Bilder der Surfbreaks. Wie immer vielen Dank für das tolle Logbuch & dass Ihr uns an Eurem Abenteuer ein wenig teilhaben lasst. Genießt es weiter!
04.07.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Ich gebe zu, wir sind echt gut im Jammern auf höchstem Niveau. Wenn nebenbei noch Zeit bleibt und wir nicht vor Kälte bibbern - heute waren es nur 28°C- genießen wir auch schon mal unser Luxusleben ;-) Voila für Dich die Pics
28.06.2018 - Maeva Beach, Tahiti, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Mann, gibt es hier viele Autos

Das fällt uns auch noch am dritten Tag hier in Papeete auf. Die 4 spurige Straße entlang der Uferpromenade ist den ganzen Tag bis spät in die Nacht hinein stark befahren. Ein Auto reiht sich am nächsten auf, nur unterbrochen von LKWs. Zum Glück gibt es viele Zebrastreifen und nette Polynesier die anhalten, sonst wäre kaum ein Durchkommen. Wir waren gestern zu Fuss in Papeete unterwegs und suchten nach einem Laden für Bootszubehör. Außerdem wollten wir zum Zoll, um eine Bescheinigung als Yacht im Transit zu bekommen. Mit diesem Wisch kann man dann nämlich Duty free tanken für 70 Cent pro Liter Diesel anstatt 1,10€. Da läuft man doch gerne ein bißchen.

Während Christian zum Zoll tingelte sind die Kinder und ich zum Fischerhafen gelaufen bzw. gerollert. Dafür mussten wir am Fährterminal vorbei, einmal durchs Industriegebiet. Nach ein bischen Suchen fanden wir schließlich Sin Tung Hing Marine, dort gab es Angelbedarf, Tauch- und Schnorchelutensilien, Seile, Außenborder, und Bootszubehör. Wir suchten eine 40 mm Anode für unsere Welle, ein absolutes Standardteil in Europa. Die Auswahl war gross, aber eine mit 40 mm war nicht dabei. Schon in Panama und Kolumbien hatten wir vergeblich danach gesucht. Wir schauten noch in einen weiteren Bootszubehörladen und danach in einen der Bootsmotoren vertreibt - keine Chance, obwohl wir doch in Frankreich sind. Die Lesson learned für den Tag war: alle Ersatzteile für Wartungsarbeiten für die gesamte Reise mitnehmen. Beim nächsten Mal dann ;-). Wenigsten bekamen wir ein Stahlseil um unseren Unterliekstrecker zu reparieren. Nur klemmen konnten sie das Seil nicht, so dass sich Christian nun im Stahlseilspleissen versuchen wird. Jetzt fehlt uns noch eine Segelmacherei, um unser Leichtwindsegel flicken zu lassen. Nach der Schnitzeljagd durch den Hafen ging es noch einmal mit dem Bollerwagen zum Supermarkt - wir mussten einfach noch einige französische Köstlichkeiten für unsere Bilge kaufen - wer weiß denn schon wann es so eine Auswahl wieder geben wird.

Am Abend waren wir dann platt, aber froh, dass wir alles geschafft hatten, was wir uns für den Tag vorgenommen hatten, so dass wir heute die Leinen los schmeißen konnten, um uns zu den Ankerliegern zu gesellen. Das große Ankerfeld liegt an der Leeseite der Insel hinter dem Korallenriff, das die Insel umgibt und ist so gut geschützt vor den Passatwinden und vor den Ozeanwellen. Dort liegt auch die Marina Tahina, die Duty free Diesel verkauft. Bevor wir vor Anker gingen, wurde Moyas Tank wieder gefüllt. Am Anlegesteg der Tankstelle konnte ich mit der Zapfpistole in der Hand den Rifffischen zuschauen, die direkt unter dem Steg hin uns her schwammen - Zeit hatte ich genug, schließlich dauert es ne Ecke bis 370 Liter Diesel den Weg in den Tank gefunden hatten.

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26.06.2018 - Papeete, Tahiti, Gesellschaftsinseln, Französisch Polynesien

Stadt auf polynesisch

Der Wind hatte in der Nacht nachgelassen, so dass wir schon darüber nachdachten ob wir Henry an den Start bringen müssen, um noch bei Tageslicht auf Tahiti anzukommen. In der Dunkelheit in unbekanntes Terrain zu segeln, noch dazu wenn die Inseln von Korallenriffen umgeben sind wollten wir nicht wagen, auch wenn der Pass nach Papeete hinein so gut betont ist wie es eben möglich ist. Einen kleinen Zeitpuffer hatten wir noch, so dass wir zumindest bis morgens warten konnten bevor wir die Maschine anschalten würden.

Am Morgen legte der Wind wieder ein wenig zu. Wir kreuzten erst ab und setzten schließlich Passatbesegelung. Durch ein wenig Segeltrimm holten wir schließlich über 5 Knoten Fahrt aus der schwachen Brise heraus und segelten am Nachmittag gegen 15:30 Uhr um den Point Venus. Das ist die nördlichste Spitze von Tahiti auf der Captain Cook damals schon seine Instrumente aufbaute um den Venus Transit zu beobachten. Tahiti lag in dichten grauen Wolken und begrüßte uns mit Regen. Ja auch hier kommt das mal vor und dann sieht auch die Südsee nicht mehr so richtig aus wie die Südsee. Seit langer Zeit sahen wir zum ersten Mal wieder ein Flugzeug über unsere Köpfe hinweg fliegen, das den nahe gelegenen Flughafen ansteuerte. Joni wollte gleich wissen "Sitzen Oma und Opa da drin" - da wir bewusst seit dem Nachhauseflug der Großeltern in der Karibik keine Maschine mehr gesehen hatten.

Kurz darauf funkten wir mit dem Port Captain und erhielten Erlaubnis in das Hafengebiet von Papeete einzulaufen. Vergeblich versuchten wir jemanden von der Marina Papeete ans Funkgerät zu kriegen und suchten uns schließlich einfach so einen Liegeplatz an den Stegen. Von anderen Seglern erfuhren wir später, dass ab 16 Uhr Feierabend und keiner mehr da ist. Die Marina liegt im Herzen von Papeete, direkt dahinter befindet sich die Uferpromenade, das Einkaufsviertel und eine bis spät in die Nacht stark befahrene Straße. Mit der Marina-Zugangskarte vom Nachbarschiff eilten wir in die Stadt. Nach fast 3 Monaten fast ohne Autos mussten wir uns erst wieder an die Geräuschkulisse, das Brummen, Hupen und Knattern gewöhnen. Auch Abends im Cockpit sind uns die Stadtgeräusche momentan sehr präsent. Dafür hatten wir noch einen Tag Galgenfrist bis wir wieder mit Menschenmassen konfrontiert wurden, die Stadt ist nämlich nach 16 Uhr wie ausgestorben, alle Läden sind dicht, die Rollläden zu und die Restaurants um 18 Uhr noch nicht geöffnet.

Aber wir fanden die Ecke mit den Food Trucks. Das ist ganz toll, auf einem Platz bauen jeden Abend ungefähr 20 Minibusse ihre Küche und Tische auf und verkaufen Essen und Getränke zu für Tahiti günstigen Preisen. Man hat hier die Qual der Wahl, es gibt alles von gegrilltem Fisch, über Steak, Sashimi und polynesischen Spezialitäten bis hin zu Crepes und Hamburger. Das war genau das Richtige für uns, jeder konnte das Essen was er am liebsten hatte und die Kinder konnten nebenbei auch noch Rennen. Bei Nachhausegehen bewunderten wir dann die vielen Lichter der Stadt in der Dunkelheit und die wunderschön beleuchtete Marina. Durch die Beleuchtung im Wasser sah man sogar Korallen und viele bunte Rifffische umher schwimmen, die man sonst nur mit dem Schnorchel vors Gesicht bekommt.

Heute wurde dann gewaschen, Laufrad und Roller gefahren, Spielplatz erobert und eingekauft. Das erst Mal seit Panama gibt es hier wieder Alles zu kaufen. Die Preise sind zwar auch hier zum Davonlaufen, aber heute durften wir, immerhin haben wir die letzten drei Wochen keine 100 Euros unter die Leute gebracht - schlicht weil es keine Möglichkeit dafür gab. Als die Jungs sahen was da in meinem Rucksack war, fingen sie an auszupacken. Sie aßen innerhalb von Sekunden direkt neben der Waschmaschine Kiwis, Joghurt und Schokocroissants - all das was es seit Monaten nicht mehr gab - und hätten gleich mit den Birnen weiter gemacht, hätte ich sie nicht gestoppt. Es war eine richtig kleine Essparty. Danach ging es noch in die Stadt, dieses Mal waren die Geschäfte geöffnet. Besonders die Markthalle fand ich richtig schön und natürlich die vielen bunten polynesischen Tücher und Kleider.

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27.06.2018:
Kommentar from Gabi
Hallo Ihr Seefahrer, schade, dass es bei mir nicht geklappt hat, aber jetzt nutzt den Regen für das Gauguin-Museum, gefällt sicher auch den Kindern. Viel Vergnügen weiterhin wünscht Tante Gabi
04.07.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Ja das wäre wirklich toll gewesen, Französisch Polynesien mit Dir unsicher zu machen. Aber aufgeschoben ist ja nicht....Für Gauguin hat es leider nicht mehr gereicht.
24.06.2018 - 17°01 S, 147°54 W, Pazifik

Tahiti 100 Meilen voraus

Wir hatten haben seit gestern unser Nomadendasein wieder aufgenommen. Die Wetterkarte zeigte eine stationäre Kaltfront südwestlich vor Tahiti, die GFS Grib files guten Segelwind für die nächsten beiden Tage, so dass es für uns nach über drei Wochen auf den Motus hieß weiterzusegeln - die Welt da draußen wartet und hat noch so viel zu bieten. Die Bajka hingegen bekommt noch Besuch auf den Atollen und bleibt deshalb noch ein bißchen. Das „ciao, bis später“ war gar nicht so einfach, aber nach einem letzten Kaffee für die Erwachsenen und Spielen an Bord für die Boysgang war auch das geschafft.

Um 10 Minuten nach 12 Uhr waren wir am Pass von Toau. Es war ca. eine Stunde vor Hochwasser, aber Stillwasser war trotzdem schon durch und ein leichter Ebbstrom setzte bereits aus der Lagune hinaus. Der Pass ist in Ost-West Richtung ausgerichtet, so dass gegen die Strömung eine steife Brise aus Ost stand. Die Folge waren steile, kurze Wellen, geschätzt 1.5 bis 2 Meter hoch, die vom Ozean in die Lagune drückten - eine klassische Wind gegen Strom Konstellation und ganz schön ungemütlich. Es half nichts, der Pass war breit und die Wellen nicht gefährlich, also stellte ich mich ans Ruder und tat mein bestes, dass Moyas Bug nicht nach jeder Welle metertief ins Wasser platschte. Christian saß neben mir im Cockpit und leitete mich den besten Weg entlang, die Kinder waren im Salon und hatten aufgehört zu Spielen um sich festzuhalten. Es wackelte ganz ordentlich und das Schaukeln schläferte ein, so dass sie keine 10 Minuten später, als wir den Pass hinter uns ließen, eingeschlafen waren. Trotz der manuellen Steuerung, gabelt ich die erste Welle unserer Reise im Cockpit auf. Ich sah die große steile Wand noch anrollen, drehte Moyas Bug schräg zu ihr und segelte Moya auf die andere Seite, dann machte es platsch und ich war durchnässt von meiner zweiten Dusche an diesem Morgen. Durch die Lenzrohre lief das Wasser ab, alles kein Problem.

Hart-am-Wind segelten wir an der Ostseite von Toau entlang und umrundeten anschließend das Atoll auf der Südseite. Der Seegang im Ozean war auch ganz ordentlich, aber Moya hatte schon schlimmeres bestens gemeistert, wir hatten also einen schönen Segeltag und eine ereignislose Nacht mit viel Wind. Heute ist der ungeliebte Tag 2. Das ist eigentlich immer der doofste Tag einer Überfahrt, da sich alles noch nicht so richtig eingespielt hat, die Kinder noch unruhig sind und noch nicht auf den Bordmodus gewechselte haben und mir wie so oft übel ist. Aber wir sind schon gut voran gekommen und werden morgen um die Mittagszeit in Papeete ankommen, der Hauptstadt französisch Polynesiens.

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25.06.2018:
Kommentar from Marlene und Werner
Eure Berichte aus der Südsee sind sehr faszinierend und begeistern uns sehr, es nur bedauerlich, dass alles so weit weg ist und wir euch nicht so einfach besuchen können. Aber, wir haben dieses Jahr den längsten Tag im Harz verbracht und mussten wieder feststellen, auch in Deutschland gibt es wunderschöne Ecken. Einen guten Segelwind und eine gute Weiterreise.
04.07.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Über Besuch würden wir uns sehr freuen, aber die Last Minute Flüge sind nach Tahiti alles andere als Schnäppchen- leider! Vielleicht klappt es ja wenn wir wieder näher an Europa dran sind, bald ticken die Meilen wieder runter.
22.06.2018 - Toau, Tuamotus, Französisch Polynesien

Abenteuerspielplatz und Sonnwendfeuer am Riff

Ursprünglich war der Plan von Fakarava nach Tahiti weiter zu segeln, allerdings war das bevor wir wussten wie schön es hier ist. Die Tiere, das Wasser und die Pflanzen der Atolle harmonieren so wundervoll zusammen und bilden zusammen grandiose Stückchen Erde. Außerdem ist jedes Atoll ein bisschen anders, Raroia hat die schönsten, buntesten Korallen, Tahanea den weissesten Strand, Fakarava die schillerndsten Fische und Toau nun das klarste Wasser. Es gibt so viel zu entdecken und wir waren noch gar nicht bereit weiterzuziehen.

Zusammen mit der Bajka gingen wir deshalb in die Verlängerung auf Toau. Gestern Morgen kurz nach Sonnenaufgang, setzten wir Segel und unsere kleine Flottille startete Richtung Fakarava Nordpass. Um 7 Uhr war Stillwasser zwar schon vorbei, aber der Nordpass ist breit, tief und ohne Hindernisse, so dass wir gegen den Flutstrom segelten. Das Wasser war zwar turbulent und die Strömung gegenan, aber das bewirkte nicht mehr als ein bißchen Schaukeln und langsameres Vorankommen. Nach ein paar Minuten waren wir draußen im Pazifik und drehten den Bug nach Norden. Im zweiten Reff schob uns der steife Wind im Handumdrehen die 15 Meilen bis zur Einfahrt in die Lagune von Toau. Es war ein herrlicher aber kurzer Segeltag. Bereits um die Mittagszeit fiel das Eisen an der Südseite des Riffs, so dass am Nachmittag noch auf Entdeckungstour gegangen und am Strand geräubert werden konnte. Die Rasselbande fegte über den Strand, sammelte Einsiedlerkrebse und erkundete das Aussenriff.

Heute haben die Captains dann am Strand einen richtigen Abenteuerspielplatz aufgebaut. Seile, Stickleiter, Palmen, abgestorbene Bäume und sogar Korallenköpfe wurden mit integriert. Die Jungs kletterten und spielten. Das Highlight war eine Seilrutsche, mit der man vom Strand aus ins Wasser sausen konnte. Da haben sich nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Jungs gefreut, auch wenn die zweiteren nur zum Halten eingespannt waren und nicht „nochmal“ nach jeder Fahrt gerufen haben. Anschließend zündeten wir einen großen Haufen trockener Zweige und Treibholz an, um Würstchen und Stockbrot zu Grillen. Die Kinder suchten Holz, sägten Stöcke und schnitzten. Die Flammen loderten hoch in den Himmel bevor dann der Teig in die Glut gehalten werden konnte. Beim Essen leuchteten die Augen der Kinder - kein Wunder heute hatten sie ja selbst gekocht und außerdem gab es ausnahmsweise Limo. Keiner wollte nach Hause, selbst als es dunkel geworden und nur noch die Glut unseres Sonnwendfeuers übrig war am beinahe kürzesten Tag des Jahres. Erst als Joshua und Jonathan kurz vorm Umkippen waren durften wir sie ins Dingi bringen und im Mondschein unter Sternenhimmel zu Moya zurück fahren. Obwohl der Mond nur etwas mehr als halbvoll war, sah man den Grund im flachen Wasser der Lagune und die Korallenköpfe waren perfekt auszumachen - das war ganz unwirklich, aber sehr schön.

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30.06.2018:
Kommentar from Dody
Whow, klasse, das haette MIR auch riesig Spass gemacht :-D!!! Sorry, ich war die ganze Zeit im Irrglauben, dass ihr Kommentare erst lange spaeter lesen koennt wenn ihr landbasiertes Internet habt - deshalb hab' ich sozusagen nichts geschrieben. Trotzdem: es macht mir riesig Spass Eure Reise mitzuerleben und ich bin jeden Morgen gespannt auf das was ihr neues erlebt habt! Big hugs an Euch alle & fair winds
04.07.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Danke Dody, freut uns wie immer sehr von Dir zu hören - antworten geht dann leider erst wenn wir wieder richtiges Internet haben
20.06.2018 - Fakarava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Schwarze Südsee Perlen

Wir sind nochmal umgezogen aber immer noch auf Fakarava. Das geht hier, denn Fakarava ist das zweitgrößte Atoll der Tuamotus. Dieses Mal liegt Moya vor dem Ort Rotoava, mit 2 Kirchen, einer betonierten Straße, einem Campingplatz und sage und schreibe drei Tante Emma Läden. Das ist an sich schon Grund genug hierher zu kommen, noch besser wird es aber dadurch, dass heute Morgen das Versorungsschiff da war. Der Salat von Vorgestern leitete somit kulinarische Höhenflüge ein. Heute Morgen frühstückten wir frisches Baguette und frisch gebackene Croissants. Später habe ich sogar Zucchinis ergattert. Schnell muss man sein, denn schon heute Nachmittag war in zwei der drei Läden außer Zwiebeln und Kartoffeln kein frisches Blatt mehr zu finden. Für uns kein Problem, wir hatten schon am Morgen eingekauft, bevor wir uns auf zwei Rädern auf Perlensuche gemacht haben.

Die Lagunen der Atolle bieten mit ihrem klaren Wasser optimale Bedingungen für die Perlenzucht, deshalb gibt es nicht nur hier sondern auch auf den anderen Atollen zahlreiche Farmen. Bisher hatten wir uns noch keine aus der Nähe angeschaut, das wollten wir heute aber ändern und das Rätsel der schwarzen Perlen ergründen. Südlich von Rotoava gibt es die Perlenfarm Hinano. Klingt polynesisch, wird aber von einem ehemaligen Schwaben aus Bad Wildbad betrieben. Günther war 1979 nach Tahiti ausgewandert und ist seit 2002 in Fakarava im Perlengeschäft. Er erklärte uns detailliert wie man von einer Auster zur Black Pearl kommt und beantwortet unermüdlich unsere Fragen. Das Ganze erinnert an medizinische Eingriffe und erfordert handwerkliches Geschick und Übung. Angefangen vom Herstellen eines Transplantats aus den perlmutbildenden Schichten einer Auster und einem vorgefertigten Nukleus, über die Implantation in die Gonaden einer anderen Auster, bis hin zu der Resektionen nach 18 Monaten sind die Schritte nicht trivial. Bis zu einer halben Million Austern lagen früher allein in Günthers Austernbänken, 50% davon produzieren erfolgreich eine Perle nach 18 Monaten auch wenn die Qualität der Meisten nicht für das große Geld reicht. Einige Perfekte gibt es aber doch und auch die nicht ganz Perfekten kann man noch zu schönem Schmuck weiterverarbeiten. Wir hatten tollen informativen Aufenthalt und denken, dass es auch Günther ganz gut gefallen hat mal wieder deutsch zu sprechen.

Am Rückweg sind wir dann fast mit Martin zusammen geprallt. Der Schweizer ist mit einem Boot nach Raroia mitgenommen worden. Dort wurde er dann privat aufgenommen, schlicht weil es kein Hotel oder Pension gibt. Um weiter die Atolle zu bereisen, flog er nach Tahiti und von dort zurück nach Fakarava. Die Atolle sind untereinander überhaupt nicht verbunden, was eine Reise mit dem Rucksack sehr mühsam macht.

Wie gut, dass wir doch unser schwimmendes Zuhause mit dabei haben.

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18.06.2018 - Fakurava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Umweltpolizei am Korallenriff

Die letzten Tage war es am Südpass so ungemütlich, dass wir gestern die Flucht nach Norden ergriffen haben. Moya stampfte an ihrer Mooringboje, mit jeder Welle, die sich über das gesamte Atoll aus Norden aufbauen konnte, hob sich erst ihr Bug, dann das Heck bevor es bestimmt über einen Meter wieder ins Wasser knallte. Ich kriegte in der Nacht fast kein Auge zu, hörte die Badeleiter scheppern, die sich aus ihrer Halterung gelöst hatte und das Seil von Tilly knarzen. Selbst als beide Problemchen beseitig waren blieben die Augen offen, weil mich jede Welle fast aus der Koje katapultierte. Tagsüber war es kaum besser, der Wind pfiff aus Nordwesten, an Schnorcheln war kein Gedanke zu verschwenden und selbst mit Tilly zur Insel übersetzen war abenteuerlich.

Eigentlich wären wir so gerne noch einmal im Pass geschwommen, aber das Gestampfe wollten wir uns nicht noch weiter antun. Die Grib-files lagen mit der Wind Richtung mal wieder falsch, so dass wir auch nicht wirklich wussten wie lange das noch so gehen würde. Auf der Fax-Wetterkarte sahen wir, dass zwei Hochdruckgebiete mit einem Tiefdruckausläufer im Süden vorbeizogen. Fakurava befand sich in der Verlängerung der Kaltfront, wo die beiden Windsysteme aufeinander treffen und die computerberechnete Vorhersage deshalb mal wieder nicht so richtig weiß von wo der Wind herkommen soll. Das Pazifikwetter ist gar nicht so einfach zu verstehen wie man meinen könnte. Obwohl wir hier in den Tropen sind wird das Wetter hier immer wieder durch das Winterwetter im Süden beeinflusst. Wir lesen fleißig und wissen jetzt schon mal, das wir besser auf die Wetterkarte und weniger auf die Grib-files schauen sollten.

Moya liegt seit gestern in Tapehopu in der Mitte von Fakurava am östlichen Aussenriff. Hier waren die Bedingungen deutlich besser, wenn auch nicht gemütlich. An Land gibt es ein kleines Haus in dem Getränke und Eis an Cruiser verkauft werden. Geblieben sind wir vor allem wegen des Internets, zu dem wir das ersten Mal seit Wochen Zugang haben - und natürlich wegen den Bajka Jungs. Die vier Kinder sind inzwischen eine richtige Rasselbande. Mit Stöcken, Seilen und wildem Geschrei mischen sie die Korallen und Einsiedlerkrebse auf und gehen auf Expedition. Heute waren sie die Umweltpolizei am Aussenriff und haben in angeschwemmten Eimern Plastikmüll aufgesammelt. Die Inselchen auf der Leeseite der Atolle waren bisher immer sehr sauber, aber auf die Luvseite von Fakurava treffen Wind und Wellen ungebrochen und spülen jede Menge Plastikmüll an - leider. Auf nur vier Quadratmeter sammelten wir genug Müll um einen 10 Litereimer zu füllen. Vor allem werden Seile, Bojen und zerbrochene Plastikwannen von Fischern angespült, aber man findet auch jede Menge Zahnbürsten, Plastikbesteck, Flaschen, Deckel, Schuhe und sogar Legobausteine. Wo der Müll hier im Nirgendwo herkommt? Keine Ahnung, nur von Fischern kann er jedenfalls nicht sein. Wenn es so schlimm ist wie heute, dann bin ich immer wieder entsetzt was wir Menschen hier tun. Wir werden auf jeden Fall damit weiter machen und jedesmal am Strand ein bißchen Müll zu sammeln, Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Als wir heute am späten Nachmittag dann auf dem Rückweg von unserer Mission „rettet die Ozeane“ ware, ist uns doch tatsächlich ein Segler mit einer Tüte Salat entgegen gekommen. Die beiden Köpfe strahlten mich an, so dass ich gar nicht anders konnte als zu fragen, wo die denn herkommen. Das letzte Mal eingekauft hatten wir im Mai, so dass unser Kühlschrank vor Leere gähnt und unsere frischen Sachen schon seit einiger Zeit absolute Mangelverwaltung sind. Tatsächlich leben wir momentan hauptsächlich von Konserven und trocknen Lebensmitteln, mehr als auf jeder Ozeanpassage. Jeden Abend wird es momentan schwieriger etwas Brauchbares auf den Tisch zu zaubern.

Nach einem fünf Minuten Marsch standen wir vor einem lilafarbenen Haus, davor hatte die Familie Tomaten, Paprika und Salat mühevoll zwischen leeren Kokosnussschalen angebaut und verkaufte auch an Segler. Die Kinder hätten mir nach dem Einkauf die Tomaten beinahe aus der Hand gerissen und haben dann beim Abendessen fast ihren Kopf nicht mehr aus der Salatschüssel gekriegt. Wie sehr man sich doch über frischen Salat freuen kann nach nur drei Wochen Abstinenz. Mir ging es genauso.

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15.06.2018 - Fakurava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Schwimmen mit den Haien durch den Fakurava Südpass

Auch wenn man im Sand ankert, liegen hier auf den Atollen dazwischen immer wieder Korallenköpfe, an welchen die Kette vorbeikommt. Spätestens bei der nächsten Winddrehung ist dann vorprogrammiert, dass sich die Ankerkette ganz nett um die Korallenköpfe legt und sich dabei unter den Korallen verklemmt. Für die Korallen ist so eine scheuernde Ankerkette natürlich alles andere als gut, und auch für uns wird es äußerst unangenehm, wenn ein bißchen Schwell aufkommt. Moya reißt dann mit ihrem gesamten Gewicht an der viel zu kurzen, unnachgiebig verklemmten Kette, so dass enorme Kräfte auf die am Bug befindlichen Teile herrschen. Wir, die normalerweise Mooring Bojen eher aus dem Weg gehen, waren gestern ganz froh, als eine Boje frei wurde und wir unsere Lady umlegen konnten. Die Bojen hier sehen gut aus mit starken Seilen und waren offensichtlich gut gewartet. Die Dinger sind sonst wie eine Wundertüte, man weiß nie so richtig auf was man sich einlässt. Gut installiert halten sie mehr als unser Anker, aber wer weiß schon bei Festmachen, ob die Boje stabil im Untergrund verankert oder die Seile unter Wasser schon verrottet sind. Zu viele Geschichten über losgerissene, frei driftende Boote poppen da im Kopf auf -manch einer hat so schon sein Schiff verloren. Bevor Moya an den Ball kam, inspizierten wir ihn erst mal. „Alles gut, wir sind ja in Frankreich“ meinte der Capitano. - Ja, und außerdem noch in einem durch die UNESCO klassifizierten Bioreserve, hier müssen die sich mit den Bojen Mühe geben.

Das gesamte Fakurava Atoll ist in Schutzzonen unterteilt, um dieses besondere Ökosystem zu schützen. Hier am Südpass durften wir selbst diese atemberaubende Welt besuchen. Alle 6 Stunden ändern sich die Strömungsverhältnisse im Pass, ein und ausströmendes Wasser wechseln sich ab, unterbrochen durch wenige Minuten Stillwasser. Viele Fische suchen diese Nische, Schwärme von verschiedenster Arten schwimmen in den Strömungen mit dem hohen Nährstoffgehalt. Dazu gehören auch die Zackenbarsche, die eigentlich solitär unterwegs sind, kommen sie jedes Jahr im Juni/Juli zu zig Tausenden in den Fakurava Südpass, um sich bei Vollmond zu paaren. Bis es soweit ist, verweilen sie im Pass und versuchen durch ihre gute Tarnung am Grund zwischen den Korallen zu überleben. Denn nicht nur sie kommen, sondern auch, durch das hohe Nahrungsangebot angelockt, Scharen von Haie. Der Pass ist berühmt für die Wall of sharks, Haie so dicht, dass sie wirken wie eine Wand und entsprechend viele Taucher sind hier unterwegs. Tagsüber ohne Probleme, da die Haie nachts jagen und ohnehin normalerweise vor Menschen Angst haben.

Nachdem der Wind etwas abgeflaut war, schnappten wir Tilly und tuckerten zu Stillwasser in den Pass. Da anschließend der Flutstrom in die Lagune drücken würde, würden wir Schlimmstenfalls in das Atoll hineingespült. Mit den Kindern im Beiboot und der Leine am Arm schwammen Christian und ich an der Wasseroberfläche durch den Pass. Wer hätte gedacht, dass wir mal in durch Haie verpestetes Wasser schwimmen würden? Zumindest mir erschien das noch bis vor Kurzem unvorstellbar. Wir hatten nur wenig Zeit, denn nach 10 Minuten begann schon der Strom einzusetzen und wurde dann immer stärker. Es reichte aber um die großen Tiere 20 Meter weit unter uns am Grund des Passes auf und ab schwimmen zu sehen - zu Dutzenden. Trotzdem gut, dass wir nicht näher dran waren.

Nachdem wir fast bis in die Lagune gespült worden waren, legten wir bei dem kleinen Tauchladen an. Direkt in Passmitte an einer vor der Strömung geschützten Stelle, über einem flachen Riff lagen die Stege. Es war der optimale Ort mit den Kindern zu schnorcheln, in Fischschwärmen zu schwimmen, die vielen bunten Fische zu beobachten und die Blacktip Riffhaie zu bewundern. Joni: „Sind die Haie giftig?“ -Nein - „Kann man die Essen?“ - schön wie einfach so ein Kindergehirn noch funktioniert. Auch Joshua fand sie gut und versuchte ganz aufgeregt hinterher zu schwimmen. Die Bajka Jungs waren auch mit beim Schnorcheln, so dass danach noch ordentlich geräubert wurde. Eine richtige kleine Gang aus vier glücklichen Jungs war da am Start und als es dann auch noch Pfannkuchen für alle gab, waren sie im siebten Himmel - und wir Erwachsenen irgendwie auch.

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18.06.2018:
Kommentar from Martina & Stefan
Hallo Ihr Lieben, endlich gibt es zu den vielen immer wieder spannenden Reiseberichten auch wieder traumhaft schöne Bilder!! Wir verfolgen natürlich weiterhin Eure beeindruckend schöne Reise und warten jeden Tag auf neue Berichte. In Deutschland genießen wir zwar auch einen sehr intensiven Sommer mit Dauersonnenschein, aber Eure Berichte toppen natürlich immer wieder alles!!! Weiterhin alles Gute und viel Spaß
18.06.2018:
Kommentar from Moya Crew
Es ist total schön von Euch zu hören. Dass ihr in Deutschland einen schönen Sommer habt freut uns auch, das haben wir noch gar nicht mit gekriegt. Wir freuen uns momentan ganz Besonders über Kommentare, da wir hier am Ende der Welt nur sehr selten Internetzugang haben, aber emails und Kommentare über Kurzwelle empfangen können. Das ist auch der Grund warum es so lange keine Bilder gab.
14.06.2018 - Fakurava, Tuamotus, Französisch Polynesien

Nautische Herausforderungen auf den Tuamotus

Dieselbe Wettervorhersage wurde von dem Capitano und mir grundlegend verschieden interpretiert. Er: „Ah super, endlich Wind zum Segeln, lass uns nach Fakurava starten!“ Ich: „Ohje, die nächsten Tage gibt es hier viel zu viel Wind, wollen wir nicht lieber bleiben?“ Angesagt waren ab gestern Abend eine frische Brise mit 20 Knoten aus Südost, leicht zunehmend.

In der Lagune sah es dann gestern so freundlich aus, dass wir das Eisen erst aus dem Labyrinth der Korallenköpfe befreiten und schließlich- nach einigem vor und zurück- aus dem Wasser zogen. Die Sonne schien vom blauen Himmel herab, die Sicht war so gut, dass wir uns - mit dem Einfahrtstrack in der Tasche - trauten unter Segel durch die Lagune zu fahren. Mit leichtem Wind von hinten und keiner richtigen Welle gilt Moya dahin - wie auf einem See, was die Lagune im Endeffekt auch irgendwie ist, nur mit Meerzugang. Um rundum navigationsfähig zu bleiben, hatten wir unser Großsegel im zweiten Reff und nur ein kleines bisschen Vorsegel dazu gesetzt. Es war herrlich so ganz ohne Geschaukel dahin zu pflügen. Unsere Abfahrt hatten wir so getimed, dass wir zwei Stunden vor Hochwasser am Pass waren. Wenn es etwas windig ist, liegt das Slackwater bei Hochwasser immer nach vorne verschoben, während es bei Niedrigwasser erst danach kommt. Das liegt daran, dass ständig Wasser aus der Lagune hinaus will und nach Niedrigwasser durch den einsetzenden Flutstrom gebremst wird und selbst den Flutstrom vor Hochwasser zum Erliegen bringt. Da das Wasser im Ozean immer noch aufgewühlt war, wollten wir mal wieder keine Experimente machen, sondern möglichst bei Stillwasser hinaus, um zusätzlichen Turbulenzen zu entgehen. Der Pass lag ruhig vor uns, wir segelten also hinein und waren wohl kurz vor Slack, den uns kam noch 1 Knoten Strömung entgegen - kein Problem.

Wir hatten nur 50 Meilen vor uns bis Fakurava, aber dafür über 20 Stunden Zeit, da wir bei Nacht nicht durch den Pass fahren wollten. Das bedeutet wir wollten langsam segeln. Langsam ist normalerweise für uns kein Problem, aber ausgerechnet heute flitzte Moya durch die Welle, obwohl das Großsegel stark gerefft und das Vorsegel gar nicht erst gesetzt war. Wir fingen an Abzukreuzen, um den Weg zu verlängern. Mit dem Anbruch der Nacht legte der Wind noch einmal ordentlich zu, anstatt 20 Knoten waren es nun 30 - starker Wind also. Dazu hatte der Pazifik eine Kreuzsee - d.h. überlagernde Wellen aus zwei Richtungen - parat. Um uns herum lagen außerdem noch mehrere Atolle, zu denen wir besser großen Abstand halten wollten. Es wäre schon sehr ungemütlich gewesen, ohne dass man alle zwei Stunden an Deck klettern musste, um die Segel zu shiften, so aber sehnte ich den Tagesanbruch herbei und doch wieder nicht. Der Pass von Fakurava lag mir im Magen. Vor dem Schutz der Lagune lag ja noch die enge Durchfahrt in der es, wenn man bei der falschen Zeit hindurchfährt, im besten Fall sehr ungemütlich wird. Da das Stillwasser vom Wetter beeinflusst wird, kann man immer nur schätzen, wann das Wasser steht und bei manchen Wetterlagen gibt es das gar nicht. Ich hatte also etwas Muffensausen und hatte Christian schon überzeugt abzudrehen, wenn wir die kleinste Unregelmäßigkeit entdecken.

Genau zu Niedrigwasser um 10 Uhr waren wir heute am Pass und wollten erstmal nur die Bedingungen auskundschaften. Trotz der mächtigen See lag der Pass erstaunlich ruhig vor uns, so dass wir uns spontan hineintasteten - zwischen rechts und links brechenden Wellen am Ufer. Je weiter wir Richtung Lagune fuhren, desto ruhiger wurde es. Ich war echt froh als unser Anker versenkt war und auch noch auf anhieb hielt, bei 30 Knoten Wind ist das nicht so richtig spassig das Ankermanöver zu wiederholen. Die Schweizer Bajka mit den beiden Jungs liegt nur drei Boote weiter, die werden wir jetzt erstmal besuchen.

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11.06.2018 - Tahanea, Tuamotus, Französisch Polynesien

Südsee par Excellence...

mit weniger wollte sich Joshua nicht begnügen. Es musste schon ein unbewohntes Atoll sein mit richtigem Sandstrand (auf den meisten Atollen der Tuamotus gibt es nur Strand aus groben Korallenstückchen), kristallklares Wasser mit Sichtweiten unter Wasser von über 50 Meter, bunter Korallenwelten mit kleinen Rifffischen und ein Naturschutzgebiet getaucht in die schönsten sattesten Farben, die man sich vorstellen kann. Das Alles findet man auf der Südostseite von Tahanea, bei einer Gruppe von kleinen Inseln, direkt dahinter donnern mit mächtigem Getöse die Südpazifikwellen an das Aussenriff und türmen sich zu meterhohen Brechern. Gestern wollten wir dem Schwell entkommen, der sich wegen des Westwindes in der Lagune aufbaute und unsere Achorage am Pass in eine ungemütliche schwappende Suppe verwandelte und tuckerten quer über die Lagune in den besser geschützten Süden.

Nach der nicht vorhergesagten Flaute, gab es tatsächlich Westwind und das im Gürtel des Südostpassats, natürlich war der auch nicht in der Wettervorhersage und kam überraschend. Erst heute haben wir herausgefunden, dass die südpazifische Konvergenzzone wohl momentan über den Tuamotus liegt. Wenn das passiert trifft der Südostpassat auf westliche Winde, die durch von Neuseeland nach Westen ziehende Tiefdruckgebiete entstehen. Die Folge ist chaotisches Wetter, von Flaute, über Starkwind bis zu Gewitter, das keiner so richtig vorhersagen kann. Bei uns reichte es für einen steifen Westwind, der mittlerweile nach Süden gedreht und etwas abgeflaut ist, so dass wir hier vor dem südlichen Aussenriff 1a geschützt liegen. Nur das Rauschen der sich brechenden Wellen erinnern uns daran, dass das im Süden vorbeiziehende Tief ordentlich gewütet hat und uns jetzt die Überbleibsel der 8 Meter Wellen vorbei schickt.

Die kleinen Inseln von Tahanea sind wie aus dem Bilderbuch, weißer Sand in türkisblauem Wasser mit grünen Palmen und anderen Pflanzen bedeckt. Davor ist das Wasser flach, hellblau mit dunklen Korallenköpfen dazwischen. Steckt man den Kopf unter die Wasseroberfläche sieht es fast aus wie durchsichtig, wäre da nicht das Licht, das durch die Oberfläche Muster auf den Grund zeichnet. Die Unterwasserwelt kann man durch diese ganz außergewöhnliche Sicht bestens beobachten. Darauf scheint unser Großer gewartet zu haben, bis er heute entschied, dass jetzt wohl ein guter Zeitpunkt ist, um schwimmen zu lernen. Ich hatte ihn vor allem in letzter Zeit immer wieder dazu animiert schwimmen zu üben, aber er hatte wenig Lust die Übungen zu machen. Nachdem ich ihn heute dazu bewegt hatte seine Schwimmweste auszuziehen und er einen Spritzer Wasser in die Augen bekommen hatte, wollte er schon aufgeben. Meine gesamten Überredungskünste brauchte es, dass er es noch einmal mit Taucherbrille und Schnorchel versuchte. Das war der Durchbruch - mit dem Kopf unter Wasser, schwamm er einfach los. Ich vermute, dass er es schon länger konnte, es aber gar nicht gemerkt hatte. Ohne Brille hatte er immer Angst Wasser in die Augen zu kriegen. Natürlich müssen wir jetzt üben und sein Stil erinnert auch noch ein bißchen an einen Hund, aber der erste wichtigste Schritt ist geschafft - er hat Spass zu schwimmen und die Unterwasserwelt zu entdecken. Es kamen auch gleich einige Fische zu kucken vorbei zu seinem ersten Schnochelgang.

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09.06.2018 - Tahanea, Tuamotus, Französisch Polynesien

Brodelndes Wasser

Gestern Abend kam dann doch noch ein wenig Wind auf, so dass wir unser Motorboot Dasein endlich einstellen konnten. Wir hatten zwar schon am Nachmittag bestimmt fünf Mal die Segel gesetzt, aber dann auch wieder geborgen. Dieses Mal pustete es weiter, zwar von vorne und auch nicht sonderlich stark, aber es reichte zum Segeln. Juhu! Um uns herum war der Himmel tiefschwarz, mit nur wenigen Lücken dazwischen, dennoch bekam Moya nicht einen Tropfen zu sehen. Irgendwie schlängelten wir uns wohl zwischen den Squalls hindurch.

Da wir die vorherige Nacht gedriftet waren, war unser Zeitpuffer bis zum Morgen Stillwasser auf Tahanea dahin geschmolzen. Unter Segeln bei dem wenigen Wind verpassten wir die Slack um ca. zwei Stunden, der Flutstrom hatte also schon eingesetzt und drückte das Wasser vom Ozean durch den Pass ins Atoll. Dennoch sah das Wasser im Pass ruhig aus. Wir überlegten kurz, ob wir es wagen sollten bei fast halber Tide in den Pass zu fahren oder ob wir bis zum nächsten Stillwasser vor dem Atoll ausharren sollten. Nach den beiden kurzen Nächten auf Passage wollten wir ankommen, außerdem sah der Pass ohne Wind und Welle so harmlos aus. Ca. 500 Meter breit und 20 Meter tief ohne jegliche Untiefe lag er still vor uns. Der Capitano zögerte nicht lange und tastete sich langsam zwischen die Inseln hinein. An der schmalsten Stelle beschleunigte Moya, 3 Knoten Strom von hinten drückten uns hinein. Bis auf einige kleinere Turbulenzen auf der Innenseite des Passes war es ruhig an Bord. Sportlich fuhren wir ins Atoll und ankerten 6 Meter über Sand zwischen Korallenköpfen, hinter uns das Aussenriff und mit kleinen Palmen bewachsenen Inseln.

Die Inseln mussten wir natürlich erkunden und starteten am Nachmittag unsere erste Expedition. Der Boden der Inseln ist bedeckt mit Millionen abgestorbener Korallenstücke, dazwischen fanden wir Treibholz, ein bißchen Müll und Dutzende knallrote, faustgroße Kokoskrabeen. Die Kinder waren hin und weg von den Krebsen und hätten sie am liebsten als Haustierchen mit an Bord gebracht. Außerdem war ein angespültes Abwasserrohr der Hit um damit im Wasser zu spielen. Die Inseln entlang arbeiteten wir uns langsam nach Süden, wateten durch kleinere Meeresarme bis wir direkt am Pass standen. Dort hatten Segler viele Steintürme aufgebaut und hübsch mit Korallen und Muscheln dekoriert. Wir türmten noch einen daneben und schauten den Elementen im Pass zu. Das ruhig dahin fließende Wasser war zu einer brodelnden Suppe geworden und schoss aus dem Pass hinaus. Am Ufer des Passes brachen sich Wellen, davor stand eine große stehende Welle, die in starke Wassertubulenzen überging. Ich denke mir: „So sieht das also aus, wenn man besser nicht durch den Pass fahren sollte - gut, dass wir das mal gesehen haben. Von Land. Wahnsinn wie sehr und in welch kurzer Zeit sich das Setting ändert, obwohl draußen im Ozean kaum ein Lüftchen weht und kein bisschen Schwell vorhanden ist.“

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08.06.2018 - 16°22 S, 143°56W Pazifik, Tuamotus, Französisch Polynesien

Ein schimmerndes Tuch

war der Pazifik heute. Glatt wie ein Spiegel, nur leicht bewegt von sehr weit her gleitenden sehr langem, kaum merklichem Schwell. Im Wasser reflektierten sich heute Nacht die Sterne, der Mond und die Milchstrasse, so dass es aussah, als ob es aus der Tiefe leuchtete. Am Tage spiegelten sich die Wolken. Nicht der kleinste Windhauch war zu spüren. Wir drifteten durch die Nacht, warteten auf Wind, der ja hätte kommen sollen, am Morgen erst schalteten wir dann Henry an, der seitdem mit nur kleinen Unterbrechungen vor sich hin schnurrt. Atemberaubend schön ist der Ozean, wenn er so zahm ist und glänzt in dem schönen tiefem Blau - soweit das Auge reicht.

Gestern Morgen waren wir ein bißchen traurig Anker auf gegangen. Die Wettervorhersage hatte ab nachmittags Wind vorhergesagt, der dann am Samstag einer totalen Flaute weicht. Wir wollten den Segelwind nutzen um in zwei Nächten und einem Tag nach Tahanea zu segeln. 140 Meilen lang ist die Passage und bei gutem Wind an einem Tag machbar, aber nur schwierig wenn der Zeitplan von Stillwasser noch berücksichtigt werden muss. Um ein bißchen Puffer zu haben planten wir eine 36-stündige Überfahrt damit wir am Samstag morgen vor dem Pass von Tahanea auf slack water warten können. Da die Sonne nachmittags aus Richtung des Passes scheint, die Strahlen im Wasser reflektieren und somit die Korallenköpfe und Rifflets nicht oder nur sehr schwer zu erkennen sind, tuckerten wir gleich nach dem Frühstück und dem see-you-later bei Katja und Matthias los. Morgens steht die Sonne hoch, so dass man eine bessere Sicht auf die Unterwasserwelt hat. Noch besser wäre nur die Sonne im Rücken zu haben, so wie bei unserer ersten Fahrt über die Lagune, als wir die Korallen schon von weitem erblickten. Mit unserem GPS track der Hinfahrt und der Seekarte mit den von uns markierten Riffen war der Rückweg zum Pass straight forward.

Unterwegs hielt Christian sogar bei einem der vielen Miniriffen an, ließ mich ins Wasser hüpfen für ein kurzes aber exzellentes Schnorchelabenteuer. Während man an den Korallenköpfen in Ufernähe hauptsächlich kleine Fische sieht, schwimmen hier auch die Großen zwischen prächtigen in fast allen Farben leuchtenden Korallen. Am Pass gingen wir vor Anker und schauten zu mit welcher Geschwindigkeit hier das Wasser aus dem Atoll hinausschloss. Wir ließen Kokosnussschalen schwimmen und verfolgten wie sie immer mehr beschleunigten bis sie durch die tiefste Stelle der Passes hinaus in den Ozean gerissen wurden. Rechts und Links vor dem Pass, schlugen die Wellen gegen die Riffe, während sich genau vor dem Pass stehende Wellen aufbauten, obwohl es absolut windstill war. Das Wasser war an dieser Stelle wie von einem Mixer durch gequirlt und sah respekteinflössend aus. Im seichten Wasser am Rande des Passes stellten wir uns in die Strömung und fühlten die Kraft, die die Strömung sogar hier noch hatte. Das Wasser, das die Wellen die letzten Tage an der Ostseite des Atolles in das Atoll hineingedrückt hatten, wollte wieder hinaus und es gibt nur diesen einen Abfluss.

Kurz vor Sonnenuntergang tuckerten wir dann durch den Pass, der Strom schob immer noch von hinten. Wir hätten gerne noch gewartet bis es noch ruhiger geworden wäre und der Wind angefangen hätte zu wehen, aber in der Dunkelheit wollten wir dann doch lieber nicht durch den Pass. Die kurze Fahrt durch den Pass verlief ruhig, wenn auch rasant, allerdings waren die Wellen vor dem Pass weniger nett und schüttelten uns ganz schön durch.

Auf den vorhergesagten Wind warten wir leider immer noch. Die Vorhersage hat dieses Mal ganz schön daneben gegriffen. Zu dumm, dass wir jetzt unseren wertvollen Diesel verbrennen müssen, um Morgen rechtzeitig am Pass von Tahanea zu sein.

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06.06.2018 - Raroia, Tuamotus, Französisch Polynesien

Südseeentspannung

Heute ist schon unser fünfter Tag auf Raroia, wie schnell hier die Zeit vergeht! Moya liegt ohne die geringste Regung im Wasser. Es ist windstill, aber man hört das donnern der Wellen, die auf das Aussenriff prallen. Südlich von Rarioa gab es die letzten Tage starke Winde und Seegang. Der Schwell kommt nun hier in hohen Brechern an. Hinter der Kon Tiki Insel sieht man einen weißen brodelnden Streifen und Gischt, die teilweise meterhoch in die Luft schießt. In der Lagune ist das Wasser spiegelglatt, mal abgesehen vom Planschen der Jungs, die gerade hinter dem Schiff im Wasser mit Wolke, unserem aufblasbaren Delfin, spielen. Christian bastelt an der Kurzwellenantenne und ich sitze im Cockpit, lehne mich zurück und ergebe mich dem süßen Nichtstun. Die Wäsche ist gewaschen, Moyas Unterwasserschiff abgeschabt, die Kabine geputzt, die Kinder sind satt und die Teller können auch noch ein bißchen warten. Genauso hatte ich mir das vorgestellt als wir damals beschlossen die Segel zu setzen und die Welt zu entdecken - Sonne, Palmen, Sand, azurblaues, kristallklares Wasser und einen Mix zwischen aktivem Erkunden, Segeln und Relaxen.

Einfach mal auf der faulen Haut liegen ist toll, hatten wir bisher aber selten. Das ist eigentlich paradox, wenn einer zwei Jahre lang Zeit hat und machen kann was er möchte, könnte man meinen er hat auch Zeit zum Faulsein. Wäre da nicht die Kinder, Moya, tausend Möglichkeiten was man tun könnte und Millionen neuer Orte die man entdecken könnte, könnte unsere Nichtstunrate höher liegen. Die faulsten Tage sind bei uns die Tage auf See, dort will zwar das Boot gesegelt werden, die Kinder versorgt, aber sonst gibt es auf dem engem Raum eingeschränkte Möglichkeiten für Aktivitäten. Trotzdem sind wir nach den Überfahrten oft ein bißchen ko, Schlafmangel, konstante Ausgleichbewegung und das Geschaukele zehren irgendwie auch. Gerade ist einer der wenigen Momente, an denen nichts geplant ist, nichts wichtiges zu tun und die Jungs friedlich sind. Ich könnte jetzt sogar daran denken mir einen Kaffee zu machen, die Kissen zurecht zu machen und ein Buch zu lesen, mitten am Tag oder hinüber zur Insel schauen, um die wunderbare Umgebung zu genießen.

Stattdessen kann ich es mal wieder nicht lassen schreibe erst am Logbuch bis die Hummeln im Hintern zu wild werden. Die Unterwasserwelt lockt mich sch die ganze Zeit. Genauso wie an den letzten Tagen, an denen Christian und ich uns abwechselnd die schönen Kreaturen und Korallengebilde im klaren Wasser anschauten und jedesmal etwas neues Tolles entdeckten. Wenn ich nicht irgendwann total ausgekühlt wäre (ja das geht selbst in dem warmen Wasser hier), könnte ich endlos zwischen den Korallenköpfe schwimmen, den Rifffischen zuschauen und in die bunten Schwärme hineintauchen. Ich sammle also die Jungs ein und wir fahren an Land, das Nichtstun muss noch ein bißchen warten.

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04.06.2018 - Raroia, Tuamotus, Französisch Polynesien

Fena Kon Tiki

Vor dem 60 Seelen Dörfchen ankerten wir in 15 Meter tiefen Wasser. Das ist eigentlich etwas zu tief für uns, da wir nur 50 Meter Kette im Kasten haben und somit in dieser Tiefe nicht genügend Kette strecken können für eine gute Haltekraft des Ankers. Was mich aber noch mehr beunruhigte waren die Boomies - die Korallenköpfe- die es hier sowie überall gibt. Wenn sich bei drehendem Wind die Ankerkette um die Boomies wickelt ist man erst mal gefangen und kann den nicht mehr bergen, da hilft oft nur noch hinuntertauchen und die Kette lösen - undenkbar in 15 Metern ohne Taucherflasche. Naja, es war kein Wind und außerdem standen wir erst mal, also Tilly gewässert und los ins Dorf.

Wir fuhren am Korallenriff vorbei und legten am großen Betonanleger an. Dort standen einige Kinder die versuchten mit selbstgebauteb Angelruten Fische zu fangen. Im Wasser schwammen zwei oder drei ausgewachsene Blacktip Reef Sharks. Die waren ungefähr 1.5 Meter lang und ihre Rückenflosse hatte eine schwarze Spitze, sie waren gar nicht mehr so süss wie die Kleinen aus der Anaho Bucht. Die Einheimischen scheinen nicht sonderlich großen Respekt vor den Haien zu haben, aber mir waren die trotzdem suspekt und machte eine Gedankennotiz „Nachschlagen, ob die Blacktips gefährlich sind“. Vor dem Gebäude am Anleger saß ein älterer Herr im Rollstuhl und schaute aufs Meer hinaus, neben ihm hockte ein jüngerer, dicklicher Mann auf dem Boden und bastelte Muschelketten aus kleinen Schneckenhäusern. Vor dem Haus nebenan verbrannte eine Frau gerade ihren Plastikmüll, ihre Kinder riefen Bon jour! und als sie merkten wir sprechen kein französisch How are you? Die Frau kam auf uns zu und nahm uns unsere Mülltüte ab, unterhalten konnten wir uns leider nicht und ich fluchte mal wieder in der Schule nicht französisch gelernt zu haben.

Unsere kleine Entdeckungstour dauerte nicht lange, es gab einige Häuser, eine Schule, einen kleinen Flughafen, einen Vinispot, den wir nutzten um unseren letzten Logbucheintrag ins Netz zu stellen, und einen Laden vor dem die Blauen Werbeschilder der lokalen Biermarke und Muschelketten aus Austerschalen hingen. Ein Mann stand hinter dem Tresen mit verbundenen Händen und Füssen. Er sprach sogar ein bißchen englisch und meinte es sei eine Hautkrankheit, sei aber schon ganz gut. Citguatera gäbe es hier nicht (später erfuhren wir, dass er schon sechs Vergiftungen hinter sich hat). Brot oder frische Lebensmittel hat er keine und gibt es hier im Atoll nicht, aber er könne uns gefrorenes Toastbrot verkaufen. Das nahmen wir als Überbrückung bis wir wieder selbst Brot backen, unsere Müslivorräte gehen nämlich auch langsam zu neige. Dann setzten wir uns noch an den kleinen Strand und aßen eine Kokosnuss, die wir gefunden hatten, die Jungs spielten im Wasser. Zwei korpulente Damen brachten ihre Stühle, schauten den Jungs wohlwollend zu und freuten sich über unser „Nana“ zum Abschied.

Nach kurzer Erkundungstour über das Riff entschieden wir noch einmal Anker auf zu gehen, um auf der geschützten Ostseite des Atolls die Nacht zu verbringen. Christian startete den Motor, drückte den Knopf der Ankerwinsch. Das leise zuckeln der Winsch begann, aber leider nicht lange, bald hörte man wie schwer sie sich tat die Kette nach oben zu liften, bis sie dann aufgab. Die Kette war gespannt wie ein Flitzebogen und zog Moyas Bug ein bißchen weiter ins Wasser. Wir fingen an Kette nachzulassen, Moya anders auszurichten, wieder hochzuholen. Stück für Stück hatten wir immer ein wenig mehr Kette im Kasten, aber dann war einfach nichts mehr zu machen, wir hingen immer wieder an der selben Stelle bei inzwischen 17 Meter Wassertiefe. Christian setzte seine Taucherbrille auf und meinte „ich schau mir das mal an“. Ich stand am Ankerkasten und überlegte, ob er größenwahnsinnig geworden war und rief noch, ob er nicht wenigstens die Flossen nehmen wolle, aber da war er schon verschwunden. Es dauerte und dauerte und dauert bevor er die Wasseroberfläche durchschlug und nach Luft japste. Er hatte nicht nur geschaut, sondern hatte den Anker vom Korallenkopf befreit, nur am Rückweg wäre ihm fast die Luft ausgegangen. Wir nehmen uns vor in so tiefem Wasser nicht mehr zu ankern.

Mit der Nachmittagssonne von hinten fuhren wir rund 12 km über die Lagune. Christian am Steuer, ich am Bug, die Kinder im Salon. Im Slalom navigierten wir im tiefen Wasser zwischen den Korallenriffen, die immer wieder auftauchten, aber durch die Sonne gut auszumachen waren, in der Seekarte waren sie nicht verzeichnet. Gegen 17 Uhr versenkten wir das Eisen 8 m über Sand im Wasser vor einer kleinen Insel. Fena Kon Tiki, der Endstation der berühmten Kon Tiki, wollten wir dann am nächsten Tag erkunden. Das Kon Tiki Floss war 1947 über den Pazifik gesegelt und war hier bruchgelandet.

Mit Schnorchel und Flossen bewaffnet paddelten wir gestern an Land. Die Insel direkt am östlichen Aussenriff des Atolls war mini, es gab Palmen, pink-weißer Sand, weiße Vögel und einen großen Gedenkstein, zum Andenken an die spektakuläre Landung der Kon Tiki und ihrer Expedition, die von dem Norweger Thor Heyendahl geleitet wurde. Über das Aussenriff wanderten wir ein Stückchen weiter nach Süden, dort lag eine weitere Yacht und wir wollten gerne „Hallo“ sagen. Zwischendurch mussten wir immer Stücke durchs Wasser und tauchten in die schillernde Unterwasserwelt ein. Inzwischen hatte ich von Wikipedia gelernt, dass die Blacktip reef sharks Angst vor den Menschen haben und es nur selten zu kleineren Unfällen kam, wenn sie menschliche Füsse mit Fischen verwechselt haben, so dass das Gefühl nicht mehr ganz so mulmig war, wenn eines der Exemplare in die Nähe kam. Die kleinen Korallenköpfe im Wasser sind farbenprächtige Welten und das zu Hause von vielen kleinen Rifffischen und großen Muscheln die im Inneren in grün, blau, orange oder lila schimmern - wunderschön. Überhaupt war das Schnorcheln hier phänomenal, gleich beim ersten mal Kopf unter sahen wir Nadelfische, kleine Zebrafische, Grouper, kleine gelbe, weiße und blaue Fische, wohin man den Kopf auch drehte wimmelte es und versteckte sich in den bunten vielgestaltigen Korallen.

Später lernten wir Katja und Matthias von der Papillon kennen, die beiden waren schon seit drei Monaten auf Raroia und versorgten uns mit vielen wertvollen Tipps, der Kon Tiki Doku und guter Abendunterhaltung. Die Kinder waren ganz hinweg, mal wieder deutsche Gäste zu haben, so dass sie fast nicht ins Bett zu kriegen waren. Als sie dann doch im Schlummerland waren, versumpften wir Erwachsenen im Cockpit und genossen die laue Nacht. Es ist immer wieder spannend neue Blauwassersegler kennen zu lernen, wirklich alle haben eine interessante Geschichte zu erzählen.

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02.06.2018 - Raroia, Tuamotus, Französisch Polynesien

Raroia - wir erobern unser erstes Atoll

1:00 Uhr: In den ersten beiden Tage unserer Passage zu den Tuamotus waren wir gut voran gekommen. Der Wind kam zwar relativ von vorn, wir konnten den Kurs dennoch geradeso anhalten ohne kreuzen zu müssen. So hart am Wind unterwegs zu sein war zwar etwas ungemütlich -vor allem meinem Magen gefiel das gar nicht- aber es ging vorwärts.

Gestern hatte dann der Wind etwas nachgelassen. Bereits beim Aufstehen zu meiner Morgenwache merkte ich wie die Lebensgeister zurückkehrten und neue Energie mich antrieb. Ich nutzte den Schub, um erst einmal ein ausgiebiges Frühstück vorzubereiten, nachdem flauen Gefühl der letzten Tage und den eher simplen Mac n Cheese von gestern Abend hatte ich nun richtig Hunger. Nach dem Frühstück machte ich mich dann daran Christians Schrank auszuräumen und die Wäsche nach und nach zu waschen. Wir hatten vorgestern festgestellt, dass es im Schrank ein bißchen müffelt. Als wir die Sachen dann rausgenommen hatten merkten wir, dass fast alle Kleidungsstücke an der einen oder anderen Stelle leichte Schimmelspuren hatten. In meinem Schrank war alles in Ordnung, deshalb vermuten wir, dass es als wir das Fenster über Christians Schrank draußen hatten und es rein geregnet hat im Schrank klamm geworden ist. Jetzt hoffe ich, dass wir das Zeug durch Waschen und gut trocknen wieder dauerhaft verbannen können, die Shirts sehen zumindest erstmal wieder gut aus.

Der Wind hat den Tag über weiter nachgelassen und ist jetzt um 1:00 Uhr morgens vollkommen eingeschlafen. Es sind noch 20 Meilen bis zum Pass von Raroia. Der Ozean ist absolut glatt, Moya steht in die richtige Richtung und driftet. Ich grüble noch einmal darüber nach wann denn jetzt genau Stillwasser sein wird. Auf den ersten Blick scheint diese Frage trivial nämlich genau zu Hoch- oder Niedrigwasser, aber auf den zweiten scheint dann noch nicht alles so einfach. Zum einen ist da das Problem, dass die Gezeitentafeln nicht für jedes der Atolle vorhanden sind, zum zweiten weichen die Tafeln unterschiedlicher Quellen zum Teil signifikant voneinander ab, zum dritten gibt es eine unbestimmte Verzögerung des Slack waters, da der Wasserstrom in die Atolle hinein und aus den Atolle heraus oft an nur einer Stelle, dem Pass, abfließen kann und zum vierten müssen dann auch noch Richtung und Stärke von Wind und Wellen berücksichtigt werden, da diese Stillwasser weiter verzögern können oder sogar ganz verhindern. Da heute kein Wind weht und die See glatt ist, können wir wenigstens Punkt 4 vergessen. Punkt 1 ist hoffentlich auch nicht so dramatisch, da wir über die Tideninfos der anderen Atolle extrapolieren. Punkt 2 ist da schon blöder - eigentlich hätte ich gedacht, dass die Information der amerikanischen NOAA verlässlich sein sollten, aber ich kann mir beim besten Willen nicht erklären warum sie die lokalen Wasserstände in UTC-11 anstatt der hiesigen Zeitzone UTC-10 angeben. Außerdem haben wir mittlerweile von einigen anderen Yachten gehört, die bei der Einfahrt mit den NOAA Wasserständen arbeiteten, noch eine starke Strömung und stehende Wellen im Pass erlebten. Ob das jetzt an nicht exakten Tideninformationen der NOAA liegt oder daran, dass Stillwasser verschoben ist (Punkt 3) wissen wir nicht. Es bleibt ein bißchen Raten, wann der beste Zeitpunkt für unsere Einfahrt sein wird. Momentan planen wir bei Sonnenaufgang da zu sein, um uns alles gut anzuschauen und dann Slackwater für die Einfahrt irgendwann zwischen 6 und 8 Uhr abzuwarten.

5:30 Uhr: Moya läuft unter Motor seit einer Stunde. Wir wollen rechtzeitig am Pass sein. Joni kommt zu mir in die Koje „Mama, ich sehe viele kleine Inseln“ kurz darauf überbrachte er auch Christian die Nachricht. Unser Capitano erschreckte, er hatte die Inselchen, die in einem großen Kreis das Atoll markieren noch gar nicht bemerkt.

6:30 Uhr: Die Sonne ist vor einer halben Stunde aufgegangen. Sie schob sich am Horizont hinter den dunklen Wolken nach oben, an einzelnen Stellen fanden ihre Strahlen den Weg zu uns und spiegelte sich auf der glatten Wasseroberfläche. Die Farben des Himmels reichten von dunkelblau über lila, rose, hellblau bis hin zu gelb und orange. Wow! Gerade haben wir die Peilstäbe entdeckt, die den Weg durch den Pass weisen. Im Pass ist das Wasser spiegelglatt, kein Lüftchen weht, wir fahren also direkt drauf zu. Ich stehe vorne am Bug, schaut ins Wasser und erschrecke fürchterlich als plötzlich der Boden unter Moya auftaucht. Er sieht so nah aus, obwohl er an der flachsten Stelle 9 Meter unter uns liegt. Wir sind in der Mitte des Passes, ich sehe Fische unter uns im Wasser schwimmen und neben uns aus dem Wasser springen. Das Wasser steht - slack water. Vor uns liegt die Lagune umringt von hunderten kleine Islets. Wir biegen rechts ab, um vor dem Dorf zu ankern. Wir hatten mal wieder Glück mit den Bedingungen, unsere erste Atoll Einfahrt hätte besser nicht laufen können.

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30.05.2018 - 11°09' S; 140°42' W; Pazifik

On the lean towards Raroia

Nachdem wir Moya gestern für die Passage zu den Tuamotus vorbereitet haben, sind wir nochmal an Land getuckert. Wir wollten gerne Gemüse, Eier und Brot einkaufen, da die Tuamotus einer der remotesten Plätze der Erde sind. Viele der Atolle sind nicht oder nur spärlich besiedelt. Ergo gibt es diese Dinge oft gar nicht oder wenn sie dann doch mal von einem Versorgungsschiff gebracht werden, werden sie zu astronomischen Preisen angeboten werden. Leider war unsere Ausbeute nicht wirklich gut, der kleine Laden bot bis auf Knobi nichts frisches an, Baguettes waren aus und das obwohl die Aranui 5, das Hauptversorgungsschiff der Marquesas, morgens erst da war. Wir hätten wohl in die 15 km entfernte Hakahau Bucht segeln müssen, dort soll die Versorgung mit einem echten Supermarkt (vermutlich der einzige der Marquesas, sonst gibt es hier nur kleine Tante Emma Lädchen) exzellent sein. Aber das hätte unsere ganze Tagesplanung über den Haufen geschmissen und unsere Abfahrt einen weiteren Tag verzögert. Wir wollten um 17:00 Uhr Anker auf gehen, damit wir passend zu Slack water (Stillwasser) am Samstag Morgen vor dem Pass von Raroia stehen, um dann beste Bedingungen für unsere erste Atoll Einfahrt zu haben. Die Tuamotus sind kein einfaches Segelgebiet und wurden bereits von Cook die gefährlichen Inseln genannt, da man die Atolle erst spät sieht und zwischen den Inseln sowie in den Einfahrten sehr starke Strömungen herrschen können. Täglich gibt es wegen der Tide nur ein bis zwei gute Möglichkeiten in die Atolle hinein zu fahren, so dass wir versuchen unsere Ankunft gut zu timen, um nicht einige Stunden oder gar über Nacht vor dem Pass warten zu müssen. Viele Kinderboote waren schon dort oder auf dem Weg dorthin, wir wollten also auch los und gaben uns so mit unseren erstanden Eiern zufrieden. Zum Glück hatten wir immer wieder Früchte mit an Bord gebracht, so dass wir jetzt zwar wenig Gemüse aber zumindest Obst am Schiff hatten.

16:50 Uhr gingen wir Anker auf, setzten die Segel und segelten überraschender Weise an der Küste Ua-Pous entlang Richtung Süden. Wir hatten damit gerechnet auf der Leeseite der Insel erst einmal Henry bemühen zu müssen, aber wo Wind war, war auch Vortrieb. Die Segel standen dicht geholt für das erste Stück unserer Passage. Moya neigte sich nach Lee und segelte 45 Grad zum Wind im ruhigen Wasser. Parallel zu uns waren noch zwei Katamarane von Ua-Pou gestartet, aber sie segelten weiter in westliche Richtung, weil sie vielleicht zu einem anderen Atoll wollten oder nicht so hart am Wind segeln konnten wie ein Einrümpfer.

Als wir die Wellenabdeckung von Ua-Pou verließen wurde, es etwas ruppiger und ich war froh das Abendessen vorgekocht zu haben. Der Schwell war nicht groß genug, dass wir große Geschwindigkeitseinbußen gehabt haben, aber er reichte aus, dass es anstrengend wurde. Der Topf blieb auf unserem aufgehängten Herd, so dass sich jeder an seinen Teller und seinen Löffel klammern musste. Auch in der Nacht segelten wir weiterhin am Wind, so dass wir auf die Leekojen ausgewichen sind und Christian sich zwischen den Rundumblicken im Salon auf den Boden legte um nicht vom Sofa zu purzeln. Die Nacht verlief ereignislos und am Morgen waren wir bereits 90 Meilen näher am Ziel.

Vorhin hatten wir dann auch noch unseren ersten Thunfisch überhaupt an der Angel, bisher hatten wir nur Mahis und Barrakudas gelandet, mussten den Leckerbissen aber wieder in den Ozean werfen, da im Fleisch viele kleine Würmer herum krabbelten. Das Thunfischglück war also wieder nicht mit uns, aber das wird schon noch was, jetzt da unsere Handline optimiert ist.

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28.05.2018 - Hakahetau, Ua Pou, Marquesas, Französisch Polynesien

Schokijagd in den Bergen von Ua Pou

Ua Pou liegt 25 Meilen südlich von Nuku Hiva, also beim vorherrschenden Südost Passat in etwa dort wo der Wind herkommt. Nach einem langsamen Start in den Tag, haben wir Moya für den Segeltag vorbereitet. Nach einigen Tagen in der Bucht lagen mal wieder Spielsachen, Computer und Kleidung quer im Schiff verteilt, an Deck lagen unsere Schuhe, der Sonnenschirm und die Schotts, das alles musste wie immer seinen Platz in den Schapps finden bevor wir Anker auf gehen können. Nach einigem Geräume war alles wo es hin gehörte, der Boden war geputzt und auch an Deck war alles befestigt. Da in der tiefen Bucht kaum ein Lüftchen wehte, setzten wir schon vor Anker unser Großsegel und zogen dann das Eisen aus dem trüben Wasser. Am Morgen war bereits Shawnigan, eines der Kinderboote, aufgebrochen, Baloo war noch da und winkte uns zum Abschied zu. Sobald wir den Windschatten der Bucht hinter uns gelassen hatten, wehten uns eine mäßige Brise Wind auf die Nase, alle Tücher waren gesetzt und Moya segelte leicht gekränkt Richtung Süden. Der Ozean war friedlich, die Sonne schien, es war ein herrlicher Tag am Wasser. Nur das Tuckern von Henry störte, der lief nämlich im Leerlauf mit um Strom für unseren Wassermacher zu produzieren. Die letzten Tage waren bedeckt und die Buchten so gut vor Wind geschützt, dass wir mit unseren Solarzellen und dem Windgenerator gerade so unseren Tagesbedarf decken konnten, aber für Wasser reichte der Saft nicht. Nach einigen Stunden am Wasser segelten wir in die Hakahetau Bucht, hier lagen schon drei weitere Boote vor Anker, an Land gibt es ein kleines Dorf. 200 Menschen leben hier.

Außerdem wohnt Manfred der Schoko-Mann hier in den Bergen und verkauft seine selbstgemachte Schokolade an alle die es zu ihm schaffen. Schokolade gab es in Kolumbien und Panama nur selten und kann in französisch Polynesien nur teuer erstanden werden, so dass wir schokoladenhungrige Piraten uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten. Am nächsten Morgen setzten wir also gleich nach dem Frühstück mit Tilly über zu dem kleinen Anleger. Es war Niedrigwasser und der Betonanleger ragt hoch über uns hinweg. Die Edelstahleiter war Joshua 1,2,3 hinaufgekraxelt, aber Joni ist doch noch unsicher und war nur eben so erst von Christian unten, dann von mir oben zu sichern. Die Schwimmwesten tauschten wir mit Wanderschuhen, dann gingen wir los. Erst an der Straße entlang durchs Dorf, an der kleinen Brücke bogen wir links ab und gleich danach rechts auf den Wanderweg. Der führte an Ausgrabungen vorbei den Berg hinauf. Auch heute fanden wir unseren Proviant unterwegs, mittlerweile nehmen wir nur noch Wasser und Kekse mit, so verlässlich findet man hier Mangos, Kokosnüsse, Limetten und Pomelos und heute auch noch Sternfrucht und Granatäpfel. An einer Wegbiegung fanden wir einen Wegweiser zu Manfred 1500 Meter nach links, wir gingen aber erstmal rechts durch den Wald entlang des Baches bis zu einem Wasserfall. Das Wasser stürzt hier ca 10 Meter hinunter und füllt einen Süßwasserpool. Badehosen hatten wir keine dabei, aber es war ja niemand da, so dass wir im kühlen Nass verschwanden bevor wir unsere Fundstücke verdrückten. Joshi und Joni bauten noch ein bißchen Staudämme, dann machten wir uns wieder an unsere Schoki Quest. Der Weg schlängelte sich weiter nach oben, wir kamen den spitzen erloschenen Vulkanschloten immer näher und standen dann vor der Ville Manfred und wurden von lauten Hundegebell begrüßt. Die kleine Finka lag sehr schön, umgeben von Obst, Kakaobäumen und Gemüsebeeten, dazwischen pickten Hühner, und Katzen lagen in der Sonne. Es gab sogar einen kleinen Pool. Nur Manfred fanden wir nicht, dafür aber Therese seine Frau. Sie sprach nur französisch, gab uns aber zu verstehen, dass Manfred ins Dorf abgestiegen war um morgen seine Schokolade an Touris des ankommenden Kreuzfahrtschiff zu verkaufen. Er habe den gesamten Schokoladenvorrat mitgenommen, nur zwei Rippchen waren noch da für die Jungs, der Rest von der letzten Tafel hatten die Niederländer aufgefuttert die am Küchentisch saßen. Ohje, die Jungs waren enttäuscht, sie waren ja hauptsächlich wegen der Schoki hier hoch gelaufen. Die herzensgute Therese schenkte uns eine Papaya, einige Bananen und ein Brot und erklärte uns den Weg zu Manfred, damit wir doch noch an ein bißchen Zucker kommen.

Wir liefen den Berg hinunter und machten unten einen Stopp bei Pierre, dem einzigen Restaurant im Ort, tranken Kaffee und bestellten einen Tisch zum Abendessen. Seit wir auf den Marquesas sind waren wir auf der Suche nach einem netten Restaurant und das hier sah klein aber oho aus. Weiter ging es auf unserer Schnitzeljagd, einmal durchs Dorf, dann am Westende der Bucht ein Stückchen bergauf und tatsächlich kam uns bei dem Haus mit dem großen Stein ein weißhaariger Mann entgegen - Manfred. Der Deutsche war vor 30 Jahren nach französisch Polynesien gekommen und hat seither allerlei erlebt. Er erzählte uns seine Lebensgeschichte, ich bekam eine Einführung in Selbstverteidigung, nur für den Fall, dass ich es irgendwann mal bräuchte und wir durften endlich seine Schokolade kosten. Er ist der Einzige hier auf den Inseln der Schokolade macht, nur mit Kakaofett ohne Zusatz von Palmöl, und sie ist heiss begehrt, dieses Jahr wären wir schon die 346 Besucher, die zu ihm den Berg hinauf liefen. Nach der Kostung wußten wir auch warum, es ist mit Abstand die beste Schokolade, die ich je gegessen habe. Manfred freute sich über unseren Besuch, auch die Kinder fanden die Unterhaltung auf toll und wollten den skurrilen Deutschen gar nicht mehr gehen lassen als er uns zurück ins Dorf begleitete.

Aber wir hatten ja noch einen Termin bei Pierre zum Schlemmen. Das kleine Restaurant hat dann unsere Erwartungen noch übertroffen, so dass wir alle vier zu Tilly zurück gekugelt sind. Bei Dunkelheit übersetzen ging dann auch, obwohl wir alle Mühe hatten wieder an Bord zu kommen, da Moya vor uns über einen Meter nach oben und unten schwankte, so stark steht hier der Schwell in der Bucht.

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26.05.2018 - Taiohae, Nuku Hiva, Marquesas, Französisch Polynesien

Nuku Hiva auf vier Rädern

Nach dem unruhigen Nacht mit Schwell in der Bucht waren wir froh unseren Roller Coaster für den Tag heute eintauschen zu können. Taiohae liegt auf der Südseite von Nuku Hiva, so dass die Wellen aus Südost sich immer wieder in die tiefe Bucht hinein arbeiten und die vor Anker liegenden Boote hin und her wippen lässt.

Wir hatten am Donnerstag Glück gehabt und konnten beim Touri Office noch ein Auto für heute organisieren. Jetzt waren wir alle vier ganz aufgeregt. Wir freuten uns auf die Insel, auf ein Picknick im Grünen und auf eine Spritztour mit dem kleinen Geländewagen. Um 8 Uhr warteten wir im Hafen auf Anthony und beobachteten die Fischer, die gerade ihren Fang an Land brachten. Kurze Zeit später, bekamen wir die Schlüssel in die Hand gedrückt und dann waren wir auch schon auf der Straße. Gezahlt wird morgen, einen Namen brauchte Anthony nicht. Das letzte Mal Auto gefahren waren wir im Februar. Wieder Räder unter dem Hintern zu haben, war erst mal ungewohnt, Christian fühlte sich im ersten Moment wie ein Fahranfänger. Ich kaufte noch schnell Baguettes, Marmelade und Frischkäse fürs Frühstück, dann fuhren wir auch schon aus Taiohae hinaus in die Berge. Mit einem tollen Ausblick über die Bucht, machten wir ein Frühstücks-Picknick bevor wir weiter cruisten.

Eine Teerstrasse führte über die grünen, steilen Berge in die Nachbarbucht und von dort auf die Nordseite der Insel. Kurz vor Hatiheu hielten wir an einer archäologischen Stätte und besichtigen Tikis und riesige Bäume zwischen den alten Mauern, auf denen teilweise Fische und andere Tiere eingeritzt waren. Die Kinder fanden den Tiki, der aussah wie ein Minion, und eine steinerne Schildkröte besonders toll. Um den nervigen kleinen Fliegen zu entkommen, die uns hier ausfraßen und deren Juckreiz jede Stechmücke in den Schatten stellt, eilten wir zu unserem kleinen Flitzer, machten einen Abstecher bei Yvonne, um noch einmal in den Genuss von echtem Espresso zu kommen und wagten uns dann auf die Schotterpiste. Wir fuhren entlang der Küste durch dichte grüne Wälder, in kleine Buchten bis wir schließlich im Nordwesten auf eine steppenartige Landschaft trafen. Hier gab es nur braune Erde und niedriges Gestrüpp, so ganz anders wie auf der Ostseite, von wo die Regenwolken kommen und an den Bergen hängen bleiben. Dann kamen wir wieder auf die große Straße und machten uns auf den Rückweg. In Serpentinen ging es durch Pinienwälder den Berg hinauf. Oben fing es an zu regnen und die Landschaft änderte sich einmal mehr gewaltig. Kühe standen auf grünen Wiesen zwischen Nadelwäldern, es war neblig und kühl, wir fühlten uns wie im Allgäu.

Danach tuckerten wir zurück zum Hafen, wo auch gerade eine Hochzeitsgesellschaft ankam. Wir sahen zu wie das Brautpaar im Restaurant mit Gesang, Muschelgetröte und Getrommel begrüßt wurde. Die Männer waren nur mit ihren Tattoos, Röcken aus Grashalmen und Ketten aus Zähnen bekleidet, manche hatten Muscheln, andere Äxte in den Händen. Auch die Frauen trugen Röcke aus Gras dazu aber noch festliche Kleidung. Nicht nur die Jungs hatten große Augen und schauten dem für uns ungewohnten Treiben aufmerksam zu - es war faszinierend.

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25.05.2018 - Taiohae, Nuku Hiva, Marquesas, Französisch Polynesien

Arztcheck auf Nuku Hiva

Taiohae ist das administrative Zentrum der Marquesas, es liegt auf Nuku Hiva, der nach Tahiti zweit größten Insel von französisch Polynesien. Auf den 330 Quadratkilometern leben rund 2000 Menschen. Der Grossteil der Insel ist mit hohen Bergen, von denen sich Wasserfälle in grüne Täler ergießen, bedeckt. Auf der Westseite gibt es eine Wüste, im Norden einen Flughafen und einige besiedelte Buchten. Dazwischen liegen archäologische Stätten, wo die historischen Tikis ausgegraben werden. Man vermutet, dass seit ca. 1000 nach Christus Menschen auf den Inseln leben. Die Polynesier sind überraschend hellhäutig, haben aber schwarze Haare und einige der Frauen sind wahre Schönheiten. Wir fragen uns schon die ganze Zeit, wie es die Menschen vor Tausend Jahren auf diese Inseln im Nirgendwo in ausreichender Zahl geschafft haben und dabei noch alles lebensnotwendige wie Schweine, Mais und Hühner dabei zu haben. Wir wissen, dass die Inseln von Westen her besiedelt wurden, aber vermutlich hat es trotzdem viele Todesopfer gefordert bis irgendwann eines der Flöße auf eine Insel traf.

Inzwischen werden die Inseln von Versorgungsschiffen aus Tahiti versorgt, es gibt alles notwendige inklusive vieler französischer Produkte aber auch zahlreiche Produkte aus Neuseeland und Australien. Natürlich gibt es nicht immer alles, vor allem die Auswahl an frischem Gemüse ist eingeschränkt und die Sachen sind teuer. Uns ist nicht ganz klar wie die Polynesier bei den Preisen überleben, sie wohnen oft in sehr einfachen Häusern. Vielleicht leben sie von sehr eingeschränkter Kost, denn bestimmte Lebensmittel wie Mehl und Milch sind reguliert und daher preiswert.

Zumindest die medizinische Versorgung scheint aber erschwinglich zu sein. Gestern Morgen bin ich zu dem kleinen Krankenhaus hinter dem Hafen gelaufen. Seit einigen Tagen hatte ich eine Wölbung auf der Bindehaut, gleich neben der Iris, und eine leichte Entzündung, so dass ich das gerne ärztlichen Rat einholen wollte. Das Krankenhaus ist klein, ein einstöckiges Gebäude mit zwei Flügeln. Einige Menschen warteten auf Bänken im Freien. Neben der Tür mit Aufschrift bureau de consultation hing ein Flyer mit den Gebühren. Ohne Versicherung 2500 Franc für eine allgemeine Visite, für chirurgische Eingriffe 3500 Franc, mit Versicherung weniger. Ich staunte, und fragte mich ob ich richtig verstanden hatte und wirklich mit einem Arzt für weniger als 25€ sprechen kann.

Ich schien an der falschen Stelle zu sein, eine Schwester begleitete mich in den anderen Flügel. Dort kümmerte man sich direkt um mich. Erst wurden meine Daten aufgenommen, Temperatur, Blutdruck und Puls gemessen und nach meinem Anliegen gefragt. Der Pfleger Christoph konnte ein bißchen englisch und erklärte mir, dass ich nun bezahlen müsste und dann einen Arzt sehen könnte, er lief mit meinen Papieren davon. Als die Schwester mit der Blume im Haar mit Anamnese und Sehtest fertig war, zeigte sie mir die Zahlstelle und brüllte unterwegs nach Christoph der ja meine Papiere hatte. Christoph tauchte irgendwann auf und erzählte mir lächelnd, dass er einen Zahnarzttermin beim Zahnarzt im Dort für mich gemacht hat. Ich hatte davor angefragt, ob es im Krankenhaus einen gäbe und war jetzt wieder mal ganz perplex über die Freundlichkeit der Menschen. Er erklärte mir noch wie ich hin kam, dann war er weg.

Tatsächlich löhnte ich nur 25€ und wurde wenig später vom Herrn Doktor über den Hof geführt zurück in den anderen Flügel des Krankenhauses. Hier gab es ein Instrument mit dem der Arzt in meine Augen schauen konnte. Mit der Hilfe von Flourescein Tropfen sah er, dass die Entzündung bereits abgeklungen war, die antibiotischen Tropfen, die ich getropft hatte, schienen gewirkt zu haben. Die weißliche Erhebung war noch da. Er wusste sofort was es war, Pinguecula. Eine von Sonne und Wind verursachte Degeneration der Bindehaut. Nichts Schlimmes, scheint hier eine Allerweltserkrankung zu sein, ich muss nur besser darauf achten zukünftig immer eine Sonnenbrille aufzusetzen. Supi, das hatte ich gar nicht erwartet, hier so schnell eine kompetente Diagnose zu bekommen.

Heute morgen bin ich dann zum Zahnarzt geirrt. Es hat etwas gedauert bis ich das grüne Haus am Berg gefunden hatte. Von außen sah es aus wie jedes andere Haus hier, die Straße dorthin war eine Schotterpiste, es war kein Schild angebracht, man musste schon wissen, wo man hin wollte. Ich zögerte kurz, ob es eine gute Idee ist, hier zum Zahnarzt zu gehen und dachte an die schäbigen Toiletten, die man hier meist antrifft. Da ich nun schon mal da war und es außerdem gerade anfing zu kübeln, entschied ich, mir das Ganze wenigstens anzuschauen, gehen könnte ich ja dann immer noch.

Der alte französische Zahnarzt empfing mich an der Tür und führte mich in seine kleine ein-Zimmer Praxis. Es war alles da, ein Zahnarztstuhl, ein Schreibtisch auf dem Modelle von Protesten lagen, der Wagen mit den Instrumenten und ein Autoklav. Dr. Puech freute sich sichtlich, dass ich beeindruckt war. Er war vor 20 Jahren hier her gekommen und genießt jetzt mit seiner Frau die Vorzüge vom anderen Frankreich. Er schaute mir in den Mund und meinte, mit Ihren Zähnen ist alles in Ordnung. Geld nehme er nicht, er hätte ja schließlich nicht gearbeitet. Ich wünschte ihm alles Gute und ging gut gelaunt zurück Richtung Hafen.

Unterwegs wurde ich ein paar Mal geduscht, schaute mir aber trotzdem noch die Tikis und Notre Dame im Dorf Zentrum an. Am Nachmittag hatten wir einen Potluck mit einigen Kinderbooten. Zum Picknick gab es jede Menge Essen, nette Gespräche und nagelneue Tattoos, die einige Boaties zum ersten Mal ausführten. Die marquesischen Tätowierer, tätowieren nur schwarz-weiß und sind wahre Künstler. Die Tattoos gehören zu der Tradition der Leute hier, fast jeder auf der Insel ist auf die ein oder andere Weise tätowiert, manche sehr stark und selbst im Gesicht, dass es an Kriegsbemalung erinnert.

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23.05.2018 - Taiohae, Nuku Hiva, Marquesas, Französisch Polynesien

Am Wind nach Taiohae

Nach den beiden aktiven Tagen hatten wir es gestern ganz langsam angehen lassen. Nach dem Frühstück wollten die Kinder wissen wie die Kariesbakterien Löcher in die Zähne machen und schauten sich ein Filmchen dazu an. Während dessen ließ ich das Paddle Board uns Wasser und ging auf Erkundungstour entlang der Bucht. Schon vom Board aus konnte man die Korallen und viele bunte Rifffische erkennen. Der Blick unter die Wasseroberfläche war noch beeindruckender. Ich fand, dass es ein großartiger Ort für eine erste Schnorchelstunde mit Joshi ist.

Joshi fand es ganz toll jetzt einen echten Schnorchel zu besitzen, aber als wir dann dazu kamen den Kopf unter Wasser zu stecken zögerte er dann doch - wie immer wenn wir etwas neues versuchen. Ich packte Joshi auf das Board setzte ihm die Taucherbrille und den Schnorchel auf und paddelte zum Riff. Dort legte Joshi sich rechtwinklig über das Brett und konnte so die Taucherbrille erst auf das Wasser legen, bis er schließlich, total beeindruckt von der Unterwasserwelt und der Tatsache ganz normal mit dem Schnorchel atmen zu können, den Kopf nach unten gleiten ließ. Wir sahen ein Sammelsurium von kleinen und mittelgroßen Rifffischen, gelbe, blaue, gelb-blau gestreifte, schwarz-gelb gestreifte, Schwarze mit weißem Kopf, lilafarbene und viele mehr. Leider war der Himmel bedeckt und die Farben waren etwas gedeckt, bei wolkenlosem Himmel wäre das Schauspiel bestimmt noch faszinierender gewesen. Wenig später fing es an zu regnen und wir gingen zum buddeln zum Strand - nass waren wir ja ohnehin schon und der Regen ist hier nicht kalt. Der Blick über die Lagune war ja wirklich super, aber hier im seichten Wasser zu plantschen war fast noch besser sogar bei Regen. Joshi hatte auf Schwimmübungen überhaupt keine Lust und spielte lieber mit Joni im Sand und im flachen Wasser. An Land lagen Kokosnüsse und Zweige herum, die die beiden mit einbauten. Neben der Sandburg entdeckte ich im flachen Wasser zuerst einen Rochen, dann erst einen später mehr als 5 Minihaie. Mein anfänglicher Schreck hielt nicht lange an, die Haie waren wirklich klein und nahmen schnell reiß aus, wenn man näher kam. Die Polynesin, die gerade dabei war in die Lagune zum Baden zu gehen, sah wohl trotzdem meine Skepsis. Sie erklärte mir, dass es keine großen Haie hier gäbe und die kleinen völlig harmlos seien.

Wir genossen den Tag in der Lagune und gingen dann heute Morgen Anker auf, um Nuku Hiva halb zu umrunden. Wir wollten gerne von Anaho auf der Nordseite nach Taiohae, dem Hauport, auf der Südseite der Insel. Hierfür hieß es, gegen Wind, Welle und Strömung arbeiten und mal wieder hart am Wind unterwegs sein. Wir kreuzten mit dichten Segeln bis wir das Kap an der Ostseite von Nuku Hiva hinter uns gelassen hatten und bogen dann nach Süden ab. Hinter dem Kap kam uns die Tada entgegen, die wir schon öfter getroffen hatten.

Der kurze Chat über Funk hatte was, es war wie alte Bekannte wieder zu treffen. Später als wir dann in Taiohae im kleinen Seglerbistro saßen und nach kurzem zwei weitere bekannte Bootcrews bei uns am Tisch standen und schnackten, dachte ich, dass es doch irgendwie seltsam ist an einen neuen Ort zu kommen, dort aber trotzdem viele bekannte Gesichter zu treffen. Die Segler Community ist klein, man kennt zwar nicht jeden, viele trifft man aber öfter und kommt unglaublich schnell in Kontakt - wir haben ja alle die gleiche Leidenschaft und eine ähnliche Reise vor uns.

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21.05.2018 - Baie D’Anaho, Nuku Hiva, Marquesas, Französisch Polynesien

Buchteln auf Nuku Hiva

Über Nacht ist Moya gestern nach Nuku Hiva geflogen. Für die 100 Meilen brauchten wir gerade mal 14 Stunden und konnten schon in der Lagune Anaho frühstücken. Auf der Leeseite von Tahuata kam der Wind wild von allen Seiten, die Berge der Inseln sorgten für wilde Verwirbelungen und Böen die sich mit Flaute abwechselten. Mit einigen Meilen Abstand segelten wir dann mit halben Wind von Osten Richtung Norden. Erst war die See ruhig wie ein Ententeich, später als wir die Wellenabdeckung von Hiva Oa hinter uns liegen ließen, war die bewegte See wieder da und begleitete uns bis zum Einlaufen in die längliche Bucht Anaho.

In der Bucht waren wir nicht allein, ca. 25 andere Boote lagen hier schon vor dem Korallenriff vor Anker. Später verstanden wir auch warum, in die Bucht wehte eine angenehme Brise aus Ost aber gleichzeitig schaffte es der Pazifikschwell nicht zu den Booten, so dass das Leben an Bord sehr angenehm wird. An Land gibt es kein Dorf, dafür aber ein kleines Bistro, weißer Sandstrand unter Palmen und üppig blühende Vegetation, als ob die Pflanzen in einem Garten angelegt wären. In der Lagune vor dem Strand liegt ein großes Korallenriff, mit nur einer schmalen Einfahrt, durch die wir mit Tilly anstranden können. Durch das Riff gelangt nicht die kleinste Welle zum Strand, so dass man hier wie in eine Badewanne baden kann und bei Niedrigwasser über das Riff spazieren gehen kann. Hinter dem Strand ragen die Berge von Nuku Hiva steil nach oben und laden zum Wandern ein.

Gestern Nachmittag haben wir noch einen kurzen Spaziergang in die Nachbarbucht Haataivea gemacht. Dort lebt bis auf einen Gemüsebauer keiner. Der Weg um die Bucht herum verläuft flach, aber atemberaubend schön direkt an der Küste entlang. Man geht zwischen Palmen hindurch, über Strände und Felsen bis man schließlich nach einem kurzen Stück bergauf in Haataivea ankommt. Unterwegs sind uns Ziegen begegnet und natürlich Pferde und Hühner die hier überall herumlaufen. Die kleine Gemüsefarm liegt im nirgendwo und der Bauer hat sichtlich Probleme die Pflanzen zum wachsen zu überreden. Tomaten, Papayas und Pomelos wachsen üppig, aber Auberginen, Gurken und Zucchini welken, faulen mit nur wenigen schönen Früchten. Ich hätte gerne eingekauft, aber leider war keiner da - es war ja auch Feiertag.

Heute sind wir dann den Berg hinaufgestiegen um nach Hatiheu, eine Bucht weiter westlich, zu gelangen. Der Weg ging in Serpentinen steil den Hang hinauf, immer wieder wurden wir von Pferden überholt. Oben auf dem Grat hatten wir dann eine hervorragende Aussicht über Anaho, das Riff und Moya lagen tief unter uns. Es war der ideale Platz für eine Rast und Mangos waren wie üblich in Reichweite. Anschließend stiegen wir hinab in das Nachbartal. Hier gibt es einen kleinen Ort, eine Straße und sogar ein kleines Restaurant, das richtigen Espresso ausschenkte. Wir blieben ein Weilchen, schauten uns die kleine Kirche an und wollten ins archäologische Museum. Das war leider zu. Am Nachmittag kletterten wir mit zwei Baguettes bewaffnet wieder nach Anaho hinüber. Es war eine wunderbare Wanderung und brachte unseren Kreislauf nach der langen Überfahrt wieder in Schwung. Joshua ist wie immer prima mit gewandert und selbst Joni hat die nicht so steilen Passagen gemeistert. “Hier ist es so schön, dass ich kaum mehr weg möchte” sagte Joshua heute Abend - ich hätte es nicht besser formulieren können und verstehe die kleine französische Familie, die wir heute Morgen getroffen haben, plötzlich. Sie waren vor drei Jahren zu zweit hierher gesegelt, sind einfach geblieben und haben inzwischen 2 Kids, das kleinere gerade mal einen Monat alt. Life is good!

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19.05.2018 - Baie Hapatoni, Tahuata, Marquesas, Französisch Polynesien

Pfingsten polynesisch

Gestern nachmittag sind mit uns 200 bis 300 Menschen von umliegenden Inseln in dem kleinen Hafen von Hapatoni angekommen. Als wir mit Tilly am Dingidock anlegten, waren auch die Polynesier dabei, erst die Menschen, danach ihr Gepäck mit einem Dingi an Land zu bringen. Ihr Hab und Gut hatten einige verpackt in Koffer oder Taschen, die meisten aber schlicht in schwarzen großen Müllsäcken. Am Dock luden sie die Sachen auf einen Pickup, der das Gepäck dann die wenigen Meter bis zum Dorf fuhr. Hier wurde alles ausgeladen und in die offenen Gebäude, die nur ein Dach aber keine Wände haben, gebracht. Hier waren die Fussböden bereits mit dutzenden von Matratzen ausgelegt und stellten das Nachtlager für die Festivalteilnehmer die nächsten Tage.

Wir gingen zur Kirche, deren Säulen schön geschmückt waren mit geflochtenen Palmenblättern. Im Eingang stand eine aufgebahrte Marienstatue zwischen Farn und Blumen auf einem weißen Tragegestell. Vor der Kirche war aufgestuhlt, es gab einen kleinen Tisch für den Priester, Lautsprecher und daneben Plätze für den Chor. Gegen halb fünf trudelten immer mehr Menschen ein und nahmen Platz auf den Stühlen. Die Frauen trugen lange geblümte Kleider und hatten schön geflochtene Kränze aus Blumen oder Palmwedel im Haar. Eigene Männer trugen geblümte Hemden, fast alle sind tätowiert an Armen und Beinen. Dann fing der Chor, begleitet von Gitarren und Trommeln an zu singen. Sie sangen nicht auf französisch sondern verwendeten ihre ursprüngliche Sprache. Wenn nicht ab und zu ein Halleluja dabei gewesen wäre, hätte nichts an Kirchenmusik erinnert. Es war unglaublich schön. Nach dem Eingangsgesang begann der Gottesdienst. Der Priester trug ein weißes Gewand mit Schales, ähnlich wie in einer katholischen Kirche zu hause. Was er sagte konnten wir nicht verstehen. Zwischen der Predigt wurde immer wieder gesungen. Es herrschte eine lockere Atmosphäre, die Menschen kamen und gingen wie es ihnen gefiel.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es für alle Essen, dafür war ein Zelt nebenan aufgebaut. Dann wurde getanzt und gefeiert. Wir waren leider nicht mehr dabei, da es schon dunkel geworden war und die Jungs unausstehlich waren. Etwas widerwillig sind wir mit Tilly zu Moya getuckert und haben dort zu Abend gegessen.

Heute gab es ein großes Buffet zum Mittagessen, alle waren eingeladen und konnten sich die Bäuche für 500 Franc voll schlagen. Da alle gestern so schick aussahen, warfen wir uns in Schale, schnitten die Haare und machten uns hübsch. Um 13 Uhr waren wir vor der Kirche und freuten uns auf das Essen, leider gab es aber nichts mehr, wir waren zu spät gekommen. Wir ärgerten uns und packten unsere obligatorische Pomelo aus, bevor wir durch den Ort liefen, um uns die Vorbereitungen für die Prozession am Nachmittag anzuschauen.

Die Männer hackten Löcher in die Erde und stellten Bambusstäbe hinein, oben wurde ein Docht befestigt. So wurde eine Fackelallee vom Hafen bis zur Kirche errichtet, in der wohl später am Abend die Marienstatue zurück getragen wird. Einige Frauen schmückten den Hafen mit Blumen, Farn und Palmenzweigen genauso wie die Barke mit der später durchs Wasser prozessiert wurde.

Eigentlich rasten sie ziemlich mit dem kleinen Boot zum nächsten Kap mit der kleinen Kapelle, so dass die Prozession in 30 min erledigt war und nicht sehr erhaben war oder zum Gedenken anregte. Im Anschluss gab es eine Feier im kleinen Hafen, wir aber sind zu Sonnenuntergang Anker auf gegangen und sind Richtung Nuku Hiva gesegelt. Die letzten beiden Tage waren für uns sehr schön, das Festival wirkte für uns wie ein großes ungezwungenes Zusammenkommen bei dem sich die Insulaner austauschten, lachten und Zeit miteinander verbrachten. Leider haben wir von den Veranstaltungen nur wenig miterlebt, aber für einen Blick in die polynesischen Bräuche hat es gereicht - wir sind froh noch geblieben zu sein.

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18.05.2018 - Baie Hapatoni, Tahuata, Marquesas, Französisch Polynesien

Zu Besuch im Paradies

Bei Hapatoni handelt es sich um eine kleine Ansammlung von bis 30 Häuschen. Es gibt eine Kirche, einen Friedhof aber weder Bäcker noch Restaurant oder sonstiges Geschäft - man kann hier kein Geld ausgeben. Die Häuschen stehen entlang des Ufers unter Palmen. Zwischen den bunten Häusern blüht es in allen Farben, statt grüne Pflanzen in allen vorstellbaren Grüntönen wechseln einander ab. Durchs Dorf zu streichen erinnert mich ein bisschen an einen Besuch eines botanischen Gartens. Neben der Kirche liegen einige Gräber mit weißen Holzkreuzen, Bildern von den Verstorbenen, Blumen und letztem ewigen Blick aufs Meer hinaus.

Unter einem offenen Gebäude nur mit Dach steht eine große, schön verzierte Holztrommel, die wir uns neugierig anschauen. Ein tätowierter junger Mann eilte mit einer Hand voll Bananen herbei. Die Bananen schenkte er den Kindern und führte uns dann den tiefen lauten Drum der Trommel vor. Nebenan gibt es ein Volleyballfeld, hier spielen die Männer um vier Uhr am Nachmittag gekonnt ihre matches, einige Segler sind auch mit am Start. Während die Frauen sich auf der Terrasse des orange farbenen Hauses zusammensetzen und Bingo spielen. Flink legen sie ihre Perlen auf große Matten mit aufgedruckten Zahlenreihen. Die Bingozahlen zieht jedes Mal eine andere aus einem kleinen Säckchen, sie sind aufgemalt auf kleinen Holzringen. Im blauen Haus sitzt eine alte Frau auf ihrer Terrasse, sie verschenkt Bananen, Mangos und den Code für ihr Internet Netzwerk und möchte im Gegenzug nur gut unterhalten werden mit den Geschichten der Boaties. Ihre Enkeltocher liegt nebenan im Wohnzimmer auf dem Boden und schläft, zumindest so lange bis sie von Joshi und Jonis Gebrüll wach wurde, danach spielen die Kinder fangen während auch wir den Geschichten der Segler lauschen. Ein spanisches Pärchen, das wir vor zwei Tagen bereits getroffen hatten, taucht hier entlang der Küste Apnoe und erzählt von faszinierenden Begegnungen mit bunten Fischen, Langusten, Delfinen, Mantarochen und sogar einem Tigerhai. Leider kann man die meisten Fische hier nicht essen, da durch akkumuliertes Ciguatera Toxin ungenießbar sind. Nur die Locals wissen genau wann und wo welcher Fisch gegessen werden kann, das ist von Bucht zu Bucht verschieden.

Wir angeln keine Rifffische, sondern essen statt dessen lieber die Früchte, die wir heute auf unserer kleinen Wanderung über die Bucht eingesammelt haben. Am Wegrand stehen zig Mangobäume mit tausenden von Mangos, viele davon liegen bereits halb vergammelt auf der Erde. Aber es gibt auch Bananenstauden, Limetten, Orangen und Pomelobäume. Ein gestrandeter Schiffbrüchiger könnte hier problemlos von den Früchten leben und genug Material für einen Unterschlupf wäre auch im Handumdrehen gefunden. Wahrscheinlicher wäre es aber, dass er von den Einheimischen adoptiert werden würde, die uns alle herzlich grüßen und anlächeln, so als ob wir auch zur Community gehören. Noch nirgendwo war es leichter in Kontakt zu den Locals zu kommen und die Natur kam noch nirgendwo näher an meine Vorstellung von Paradies.

Heute Nachmittag kommen die Bewohner aus Hiva Oa und Fatu Hiva zu Besuch nach Hapatoni, um zusammen mit den Dorfbewohnern Maria zu gedenken. Wir sind schon sehr gespannt, mehr über die christlichen Bräuche Menschen zu lernen.

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16.05.2018 - Baie Hapatoni, Tahuata, Marquesas, Französisch Polynesien

Die Kirche von Vaitahu...

... hat mich heute schwer beeindruckt. Das kleine Steingebäude, mit dem kleinen Kirchturm, den schönen Holzvertäfelungen und teilweise offenen Wänden, ist vielleicht nicht im klassischen Sinne schön, aber für mich ist es eine der schönsten Kirchen, die ich bisher gesehen habe. In den kleinen Kirchturm wurde aus Holz eine riesige Marienstatue eingearbeitet. Sie schaut über den Dorfplatz, man kann sie schon vom weitem sehen. In der Kirche, gibt es hinten ein großes Fenster aus buntem Glas und ansonsten keinerlei Prunk oder Kitsch, dafür aber überall Blumen. Die Stein und Holzarbeiten der Fassade sind bis ins letzte Details mühevoll gearbeitet. Alles an diesem Gebäude scheint mit diesem Ort zu harmonieren. Zu gerne hätte ich gesehen, wenn die Kirche besucht ist, aber heute an einem Mittwoch Nachmittag war bis auf zwei kleine Jungs niemand da.

Die Jungs hatten Joshua und Jonathan schon früher entdeckt und spontan Freundschaft geschlossen. Mit Stöcken spielen, Fangen und Erschrecken geht auch ohne, dass man dieselbe Sprache spricht. Jetzt sind die beiden einfach mit uns durch das Dorf gelaufen und haben mit uns mit Mandarinen vom Baum neben der Kirche beschenkt. Im Dorf haben wir außerdem eine Bananenstaude erstanden und uns mir den super leckeren Pomelos eingedeckt, die hier überall wachsen. Baguettes waren in dem kleinen Laden zwar ausverkauft, aber ein Einheimischer kam uns hinter her, er hatte plötzlich noch zwei Stangen herbei gezaubert, als er merkte was wir wollten. Mit unserem nicht vorhandenen französisch, englisch und Händen und Füßen kommunizieren wir mit den Leuten, die uns ausnahmslos mit einer fast unglaublichen Herzlichkeit willkommen heißen und helfen wo sie nur können ohne dabei auch nur im geringsten aufdringlich zu sein.

Als wir später zu Moya zurückfuhren, waren wir zu fünft im Dingi. Einer der beiden Jungs war einfach mitgekommen, hat neugierig unser Schiff erkundet und mit Paddle Board und Dingi gespielt. Wir waren heute morgen nur drei Meilen aus der Nachbarbucht herüber gesegelt, nachdem die Kinderboote gestern Abend bereits nach Norden aufgebrochen waren. Am Freitag soll es hier eine traditionelle Feier geben, die wir uns noch anschauen wollen, bevor wir weiter ziehen.

Jetzt sitzen wir aber erstmal im Cockpit, die Kinder sind im Bett, und genießen die Ruhe vor Anker. Hinter uns hört man die Brandung rauschen, die an die steilen Klippen schlägt. Über uns leuchten die Sterne, es weht nur eine laue Brise, kurz vor Sonnenaufgang waren noch einige Delfine zu Besuch - es ist einfach wunderschön hier.

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14.05.2018 - Baie Hanamoenoa, Tahuata, Marquesas, Französisch Polynesien

Hier sind also die ganzen Boat Kids

Wir haben ja eigentlich schon von vielen Blauwasser Familien gelesen und haben auf den Kanaren und der Karibik auch einige Kontakte geknüpft. Wir wussten also, die müssen da draußen irgendwo sein. Nur wo? Seit Monaten, hatten wir kein anderes Schiff mehr mit Kindern getroffen, nicht einmal mit älteren Kids. Joshua und Jonathan finden es auch toll andere Erwachsene zu treffen, hatten Frank und Stefan in den letzten Wochen fest ins Herz geschlossen und waren gestern Abend im siebten Himmel, als wir auf der Tada eingeladen waren. Aber andere Kinder kennenzulernen ist eben noch ein bißchen besser. Heute Morgen auf dem Weg ins Dorf, traf ich auf auf eine französische Familie mit drei Kids in Joshua und Jonathans‘ Alter. Ich war ganz entzückt, dass sie planten morgen nach Tahuata zu segeln - da wollten wir nämlich auch hin, nur eben schon heute. Mit den französischen Kindern würde es zwar eine kleine Sprachbarriere geben, aber das hat unsere Jungs bisher noch nie vom Spielen abgehalten.

Guter Dinge setzte ich also meine Suche nach einer Sim Karte fort. In der Post, sagte mir die nette Dame mit den schönen Blüten im Haar, dass ich meinen Reispass vorlegen muss um eine Sim Karte zu bekommen. Also 3 km zurück zum Schiff, Reispass holen und wieder zurück ins Dorf. Dieses Mal stand ich vor dem zweiten Postschalter und wurde von einem älteren Franzosen, der etwas besser Englisch sprach bedient. „Yes, we are having SIM cards, but only for calling. Data SIM cards are sold out“. Oh no! Wir waren doch extra das ganze Wochenende hier geblieben um so ein Ding zu ergattern. Auf meine Frage, wo ich denn ein Karte bekommen könnte, antwortete er vielleicht in Nuku Hiva, 80 Meilen weiter nördlich, im zweiten Ort der Inselgruppe. Ihr werdet nun leider wieder auf Bilder warten müssen, da wir die Pics nicht über Kurzwelle hochladen können. Email geht über das Kontaktformular auf unserer Website.

Anschließend habe ich noch drei Baguettes gekauft, die sind hier wirklich genauso gut wie in Frankreich, damit wir in der Baie Hanamoenoa nicht Brot backen müssen. Danach hielt uns nichts mehr im Hafen und wir gingen Anker auf, haben Moyas Bug nach Süden gedreht und die Segel gesetzt. Mit wehenden Tüchern segelten wir in zwei Stunden nach Tahuata und bogen am Nachmittag in die Baie Hanamoenoa ein. Die Bucht auf der Leeseite der Insel lag ganz ruhig vor uns, kein Schwell schaffte es hinein, an Land gab es einen weißen Sandstrand, Palmen und sonst nichts. In der Bucht lagen trotzdem 15 Boote vor Anker. Wir stellten uns hinten an, ankerten 10 Meter über Geröll in kristallklarem Wasser und sprangen ins kühle Nass, um nach über einem Monat wieder schwimmen zu gehen. Und natürlich um unsere Unterwasserkultur unter die Lupe zu nehmen. Am Heck war der Bewuchs noch schlimmer als ich es erwartet hatte, zwischen den Rankenfusskrebsen saßen auch noch Seepocken, aber wenigstens lies sich das Zeug mit einer Spachtel leicht abkratzen.

Wir waren vielleicht 20 Minuten im Wasser, als ein Mädchen zu uns heraus gepaddelt kam. Nina war von der Shawnigan und lud uns zu einer Geburtstagsparty am Strand ein. Es war nicht hr Geburtstag, sondern der von dem 4 jährigen Jungen von der schweizer Bajka - alle seien eingeladen. Ich packte ein improvisiertes Geschenk zusammen und schon waren wir mit Tilly unterwegs zum Strand. 25 Kinder aller Altersklassen badeten hier gerade in der Brandung und feierten später Geburtstag. Das beste aber war, dass auch fünf 4-5 jährige Jungs dabei waren, zwei davon sprachen sogar deutsch, die anderen englisch. Joshua und Jonathan mischten sich unter die Bande, spielten aber erstmal doch lieber alleine, bei so vielen neuen Leuten dauert es immer bißchen bis sie auftauen. Die Yachties sind eine richtig nette Truppe, die sich schon länger kennen und jetzt genauso wie wir die nächste Zeit auf den Marquesas, Tuamotus und den Gesellschaftsinseln unterwegs sein werden. Wir werden also noch genug Zeit haben zum kennen lernen.

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12.05.2018 - Baie Tahauku, Hiva Oa, Marquesas, Französisch Polynesien

Erste Expedition auf Hiva Oa

Gestern Morgen wurden wir um kurz vor sechs von Moya Rufen geweckt. Ein anderer Segler wollte uns vor de Ankunft der Versorgungsschiffes warnen. Wir streckten die Köpfe aus dem Niedergang und tatsächlich waren wir im vorderen Bereichs des Hafenbeckens alleine, obwohl hier am Tag davor noch mindestens 5 weitere Boote lagen. Die wußten offensichtlich was, was wir nicht wussten. Der Capitano entschied, dann doch auch besser mal Anker auf zu gehen. Auf dem Weg zum Ankerkasten, wir hatten gerade den Motor gestartet, ertönte schon ein tiefes lautes Tröten, das uns spätestens jetzt aus unseren Kojen geholfen hätte. Das Versorungsschiff oder besser gesagt ein Zwitter zwischen Kreuzfahrer und Containerschiff fuhr bereits auf die Hafenmole zu. Es wollte zum Anleger, um die Touris für den heutigen Tag abzusetzen und den Insulanern Lebensmittel, Baumaterialien und sonstige Güter zu bringen. Wir waren ein kleines bisschen im Weg und waren dankbar, dass wir vorgewarnt waren und so noch rechtzeitig das Feld räumen konnten.

Die Kinder waren natürlich von dem Spektakel aufgewacht, wir frühstückten, organisierten Internet für den Tag und schauten was bei Euch so los war. Internet auf den Inseln ist laaangsam und das obwohl wir wohl schon das schnellste Netz verwendeten und dafür pro Tag und Gerät 4€ bezahlten. Reconnecten dauerte also ein bißchen, bevor wir entschieden ins Dorf zu laufen um endlich frische Lebensmittel zu kaufen und eine lokale SIM Karte zu erstehen, damit wir dann zwar noch langsameres Netz haben, dafür aber auch außerhalb des Hafens. Als wir um 14 Uhr vor dem kleinen Gemischtwarenhändler standen, gab es bereits eine Schlage von Menschen, die darauf warteten, dass sich die Türen nach der Mittagspause öffneten. Das Schiff war da und jetzt der beste Zeitpunkt, um Gemüse zu bekommen. Mit 40 Minuten Verspätung war es soweit, der Laden öffnete und der Run begann. Wir erstanden einige Tomaten, Gurken, Kraut, Kartoffeln, Karotten, Zucchini und Aubergine und waren damit Franc im Gegenwert von 80 Euronen los - Autsch, ist das teuer! Wir waren zwar vorgewarnt, aber ich musste dennoch kräftig schlucken. Sim Karten gibt es nur in der Post und die hat heute, genauso wie gestern, morgen und Sonntag geschlossen. Wow! Auch der Blick auf die Öffnungszeiten der anderen Läden zeigte, dass es hier etwas relaxter zugeht. Wir werden jetzt also bis Montag auf Hiva Oa bleiben, denn ohne Sim Karte, hat man in den anderen Ankerbuchten keine Chance ins Internet zu kommen und selbst funken geht hier wegen den Bergen schlecht.

Heute Morgen nahmen wir unsere Putzaktion, die wir gestern gestartet hatten, wieder auf. Die bräunlich gelbliche Masse bedarf einiger Überredungskunst mit der Bürste, um vom Lack zu lassen. Inzwischen sind zwei Drittel des seitlichen Lacks wieder weiß, aber unter Wasser, haben wir immer noch ein Rankenfusskrebs Biotop. Um das zu ändern brauchen wir klareres Wasser und eine ruhigere Ankerbucht, hier ist selbst hinter dem Wellenbrecher das Wasser in ständiger Bewegung und Moya schaukelt mit.

Nachdem die Arme lang wurden, packten wir einen leichten Wanderrucksack und gingen auf erste Entdeckungstour. Erst am Hafen entlang wanderten wir aus der Bucht hinaus. Über kleine Trampfelpfade stiegen wir durch riesige Mimosenbüsche und dichtes Grün bis wir zu einer Landschaft aus schwarzen Lavafelsen kamen. Dort schlugen die Wellen des Pazifiks an die Küste und schossen in großen Wasserfontänen in den Himmel. Danach ging es vorbei an Palmen den Berg hinauf Richtung Resort, das über der Bucht thronte. Wenig später trafen wir wieder auf richtige Wege und polynesische Häuser, auf Stelzen gebaut mit Hängematte auf der Terasse und einem hervorragenden Blick über die Bucht. Daneben standen Brotfrucht, Pomelo, Mangobäume und Bäume mit mir unbekannten Früchten. Joni war heute das erste Mal überhaupt richtig mit am Start und ist die ganze Strecke tapfer mitgelaufen und geklettert. Bei der genialen Aussicht konnte auch unser Kleiner gar nicht mehr aufhören zu schaun. Über die Baie Tahauku habe ich gelesen, dass man nur hier her kommt, um einzureisen und dann schnellst möglich an schönere Orte entschwindet, aber wir finden es hier schon wirklich traumhaft.

Anschließend sind wir per Anhalter ins Dorf gefahren und wollten irgendwo einen Kaffee trinken. Das Dorf war wie ausgestorben, alle Läden waren zu und auch das kleine Cafe hatte nur Mo bis Fr bis 1.30 Uhr geöffnet. Wir sind trotzdem noch ein bißchen durch den Ort gelaufen, haben und die Tikis am Marktplatz angeschaut und gesucht ob wir nicht doch noch irgendwo ein nettes Plätzchen zum Einkehren finden. Die Pizzeria am Ortsausgang hat uns dann vor dem sicheren Hungertod gerettet.

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15.05.2018:
Kommentar from Robert
Wir verfolgen Eure aufregende Reise und freuen uns über den guten Verlauf. Eine bewunderswerte Leistung. Herzliche Grüße X-AMS :)
16.05.2018:
Kommentar from Maxi
Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Pazifik-Fahrt! Wir verfolgen eifrig Euren Blog und sind fasziniert wie Ihr das alles meistert. Viel Spaß und Grüße an die Jungs.
17.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Vielen Dank Euch beiden, wir freuen uns sehr über Grüße aus der Heimat! Wir wachsen mit unseren Aufgaben und haben wirklich Glück, dass unsere beiden Kapitäne so gut mit machen. Leider haben wir hier Probleme mit dem Internet, deshalb kann es sein, dass unser Logbuch in nächster Zeit nicht immer auf aktuellen Stand sein wird.
11.05.2018 - Hiva Oa, Marquesas, Französisch Polynesien

Zurück in die Zukunft

Heute hatten wir das erste Mal seid über einem Monat wieder Kontakt mit der Außenwelt. Die letzten 5 Wochen lebten wir vier gemeinsam auf unseren schwimmenden Quadratmetern. Wir erlebten den Ozean und die Elemente gemeinsam, hatten aber mal abgesehen von der Wettervorhersage so gut wie keinen Kontakt zu anderen befreundeten Seglern, Freunden, Bekannten oder Familie.

Mit dem in See stechen entkoppelten wir unsere Welt von dem Rest. Die Tage auf See vergingen und mit der Zeit schwamm ein Tag in den nächsten. Manchmal ist etwas außerordentliches passiert, oft waren die Tage aber auch sehr ähnlich, kaum von einander zu unterscheiden. Erst heute morgen als wir den virtuellen Stecker in die Internetdose steckten, ist mir aufgefallen wie weit die Welten auseinander gedriftet sind.

Ich staune immer noch darüber, was in unserer Zeit auf dem Pazifik bei Euch so alles passiert ist und fühle mich als ob ich gerade eine Zeitreise einen Monat in die Zukunft gemacht hätte. In unser Zeit auf dem Wasser ist es in Deutschland Frühling geworden, ein sehr guter Freund ist plötzlich verheiratet, ein anderer verkauft sein Boot; ein befreundetes Boot segelte von der dominikanischen Republik nach Jamaika und schließlich nach Panama, ein anderes kam in Panama an, durchquerte den Panama Kanal, erkundete Galapagos und ist nun auf dem Weg zu uns. Die Aufzählung ist eigentlich noch deutlich länger, aber ich denke man versteht auch so was ich meine.

Es passierten 1001 Dinge während bei uns die Zeit still zu stehen schien. Jetzt müssen wir erst mal synchronisieren bevor wir wieder zurück in der Zukunft sind.

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10.05.2018 - Baie Tahauku, Hiva Oa, Marquesas

Landfall in der Südsee

4099 Meilen, 7591 Kilometer, 65 Motorstunden und 798 Segelstunden oder knapp 36 Tage auf See liegen hinter uns, als wir heute am frühen Nachmittag den Anker in der Baie Tahauku auf Hiva Oa versenkten. In der schmalen Bucht sind wir nicht alleine, ungefähr 25 andere Segler teilen sich den engen Raum mit Moya, denn hier muss jeder hin um offiziell nach französisch Polynesien einzureisen. Schon heute morgen hatten wir Land gesehen. Die hohen Felsen von Hiva Oa und der Nachbarinsel Mohotani waren plötzlich im Dunst am Horizont ganz deutlich zu sehen und es schallte in ohrenbetäubender Lautstärke vier mal “Land in Sicht” durch Moyas Bauch. Wir waren alle furchtbar aufgeregt, allen voran der Capitano, der kurzer Hand seinen ersten Logbucheintrag unserer Reise schrieb. Mit dem näher kommen sahen wir dann die hoch in den Himmel ragenden Felsen immer besser, von weitem sah noch alles bräunlich aus, aber dann erkannten wir, dass weite Teile mit dichten satt grünen Bäumen bewachsen sind. Nach Wochen von allen vorstellbaren Blauschattierungen, war das Grün und Braun der Insel etwas ganz Besonderes. Bis zum Abbiegen in unsere Ankerbucht, ragten Urwald und Felsen ohne jegliches Anzeichen von Zivilisation aus dem Meer - wild, schön und zeitlos. Vermutlich haben die Abenteuer vor 250 Jahren ähnliche Impressionen gehabt beim Landfall im Nirgendwo.

Auf den letzten Metern, hatten wir noch richtig viel zu tun. Ein Squall nach dem anderen fegte über Moya und die Küste von Hiva Oh hinweg. Wir schauten dem Naturschauspiel zu, arbeiteten immer wieder an den Segeln und schwupps waren wir plötzlich vor dem Eingang der Bucht. Die Tücher fielen und nur wenig später sah man eine deutsche Familie mit dem Dingi an Land rudern. Unser Außenborder wollte nicht anspringen, aber wir waren natürlich nicht an Bord zu halten. Als ich ins Dingi stieg war ich schockiert, ich sah das erste Mal das gesamte Ausmaß an Bewuchs an Moyas Unterwasserschiff. Katastrophal! Am liebsten hätte ich gleich angefangen zu schrubben, jeder Zentimeter unseres neuen Antifouling Anstrichs ist mit bis zu 10cm langen Füßchen von Rankenfusskrebsen bewachsen.

Aber natürlich hatte jetzt erst unser Landgang Priorität. Die Kinder wollten rennen und wir ins Dorf einklarieren, einkaufen und Internet organisieren. Also los per Pedes immer der Straße entlang den Berg hinauf. Pomelos und Mangos lachten uns von den Bäumen am Wegrand an. Nach ca. drei Kilometern kamen wir nach Atuona hinein. Leider waren alle Geschäfte geschlossen, es ist wohl Feiertag heute, so dass wir eben noch einen Tag ohne Internet und frische Sachen aushalten müssen. Zumindest fast, denn auf dem Rückweg hat uns ein netter Marquese per Anhalter mitgenommen, am Hafen abgesetzt und uns gleich noch einige Pomelos geschenkt. Die erste davon hat das Licht der Welt gar nicht gesehen, sondern ist direkt in kleinen Stücken in die Kinderschlünde gewandert. Unser Gang in den Ort war dennoch erfolgreich, denn die Gendarmerie war auch heute offen. Dort sind wir bei den nettesten Polizisten ever nach französisch Polynesien eingereist. Inzwischen sind wir wieder an Bord und freuen uns jetzt nach dem Abendessen auf unser Bett. Toll!

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11.05.2018:
Kommentar from Dody
Super, ganz ganz herzlichen Glueckwunsch an Euch alle!!! Allerdings, das mit den Rankenfusskrebsen auf dem neuen Antifouling ist nicht grade prickelnd. Koennt Ihr am Ankerplatz mal bitte fragen was die anderen als Antifouling benutzt haben und wie es bei ihnen ausgegangen ist damit? DANKE!!! Big hugs xxx Dody
12.05.2018:
Kommentar from Nici
Wahnsinn :) herzlichen Glückwunsch! Ich war die letzten Tage ganz nervös und habe aufgeregt auf euren neuen Beitrag gewartet. Ihr habt es geschafft und darauf könnt ihr unglaublich stolz sein. Habt eine wunderbare Zeit auf französisch Polynesien. Liebe Grüße aus dem Schwabenland:)
13.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
Ja, wir wissen grade auch nicht so recht, ob es am Antifouling liegt oder ob das einfach normal ist. Heute sind zwei weitere Boote angekommen, die auch die Krebse am Rumpf hatten, aber weniger. Ein anderes hatte keine Probleme. Naja wir schaun mal wie sich das weiter entwickelt. Besten Dank für die Glückwünsche, wir freuen uns sehr, dass wir dieses dicke Brett gebohrt haben und ohne große Probleme angekommen sind.