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Breite:
36° 26.0' N
Länge:
28° 14.3' O
Ort:
Rhodos, Grichenland
Datum/Uhrzeit:
28.05.2019
07:35 UTC+3
Wettermeldung:
vom
29.05.2019 12:00 UTC+3
28 °C
Mäßige Brise aus Ost

Logbucheinträge zu Reparaturen

28.03.2019 - Irgendwo im Arabischen Meer

Tag 14: Nächtliches Treiben oder Wer will schon schlafen?

Christian weckte mich heute Morgen um 2 Uhr zu meiner Nachtwache. Die Maschine knatterte. Es gab immer noch nicht mehr als ein Hauch von Wind. „Unsere Tankanzeige zeigt nur noch halbvoll!“ meinte der Capitano und öffnete die Klappe im Fussboden neben Joni‘s Koje. Die Tankanzeige gibt den Dieselstand in unserem Tagestank an. Der sollte eigentlich immer voll sein, da - sobald der Motor arbeitet - kontinuierlich Diesel aus unserem Kieltank gefiltert und in den Tagestank gepumpt wird. Überschüssiger Diesel fließt dann über einen Überlauf zurück in den Kieltank. Selbst mir war klar, dass da etwas nicht stimmte.

Wir setzen Segel und schalten Henry ab. Die Segel hängen lose an den Fallen, aber zumindest driften wir nicht unkontrolliert, sondern mit einem Knötchen Richtung Westen. Wir suchen Messgeräte und Werkzeuge zusammen, dann beginnt Christian in der Bodenklappe zu hantieren. „Zündung an! Und wieder aus!“ leitet er mich an. Schnell war herausgefunden, dass der Dieselfilter verstopft war. Das war eigentlich überhaupt kein Problem, denn Moya besitzt ein redundantes Pump-System mit 2 unabhängigen Pumpen und vorgeschalteten Dieselfiltern zwischen denen man umschalten kann. Doch nach Bestätigung des Schalters rührte sich immer noch nichts, die zweite Dieselpumpe machte keinen Mucks. Christian machte sich an die Dieselfilter. Dieselschwaden ziehen durchs Schiff. Lecker! Aber immerhin! Die eine Pumpe lief wieder, nachdem die Filter gewechselt waren. Die andere nicht, sie muss irgendwann kaputt gegangen sein, ohne dass wir es gemerkt hätten. Also baute Christian auch noch gleich die defekte Pumpe aus und eine Ersatzpumpe ein. Die hatten wir zum Glück als Ersatzteil dabei. Manchmal lohnt es sich also doch, dass das halbe Schiff gut gefüllt ist mit Werkzeugen und Ersatzteilen.

Um 6:00 Uhr konnte sich Christian endlich hinlegen. Eine halbe Stunde später schepperte es im Cockpit. Ich hatte gestern Abend vergessen die Angelleine einzuholen. Ein kleiner Bonito war an der Leine. Den schaffte ich dann auch alleine zu landen. Joshua schaute zu. Die Nacht war vorbei.

Mit Sonnenaufgang setzte ein laues Lüftchen ein, wir segeln endlich wieder - aber laaangsam.

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21.03.2019 - Irgendwo auf dem indischen Ozean

Tag 7: Vollmond

Heute Nacht war es fast so hell wie an einem düsteren Wintertag in Deutschland. Der Vollmond begleitete uns die ganze Nacht. In solchen Nächten fällt mit die Nachtwache viel einfacher. Anstatt in die Düsterniss zu starren, sieht man das Mondlicht reflektiert auf dem Wasser, die Wolken und den Horizont. Das Timing ist eigentlich ganz gut, denn ab jetzt wird der Mond abnehmen und im letzten Viertel dann erst am frühen Morgen aufgehen, was uns den Grossteil der Nacht unsichtbar macht, wenn wir die Navigationlichter ausschalten. Wenn es so langsam weitergeht wie bisher, werden wir genau dann den Golf von Aden durchqueren. Gut zu wissen, dass wir einfach mal von der Bildfläche verschwinden könnten, wenn wir wollten. Geplant ist es nicht, denn nachts gab es selbst auf die Containerschiffe und Tanker unseres Wissens überhaupt noch nie einen Piratenangriff.

Seit gestern springt nun auch Henry wieder an. Die Starterbatterie ist im Nirvana angekommen und eine unserer Servicebatterien nun mit dem Starter verbunden. Die Aktion war überraschend einfach, die Klemmen passten und die Kabel waren lang genug. Nach 30 min. verkündete der Capitano “Mission accomplished”.

Wir dümpeln weiter Richtung Westen, bei den schwachen Winden (eigentlich immer unter 10 Knoten, inzwischen haben sie von Norden auf Osten gedreht) ist das eine richtige Geduldsprobe. Aber immerhin gibt es dafür auch fast keinen Schwell und Moya liegt im Wasser fast wie vor Anker unter wolkenlosen Himmel.

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08.03.2019 - 6°41,9 N, 73°34,9 O, Indischer Ozean

Wasser im Schiff

Joshi Adlerauge

„Papa, das rote und orange Lämpchen der Bilgepumpe ist an“ rief Joshua ganz aufgeregt gestern Morgen um kurz nach 6:00 Uhr. Er war kurz davor aufgestanden und wusste genau, dass da eigentlich nur das grüne Licht leuchten sollte. Christian hatte mich ausnahmsweise noch nicht zur Morgenwache geweckt, aber nach dem Ausruf von Joshi war ich hellwach. Die beiden Lämpchen zeigten an, dass unsere Bilgepumpe arbeitete, sie pumpte Wasser aus dem Schiffsbauch nach draußen. Wasser im Schiff! Gar nicht gut. Beim aus der Koje klettern fragte ich mich, wo das Wasser wohl herkommt, als auch schon der Capitano mit Taschenlampe bewaffnet an mir vorbei rannte. In der Hektik hatte er ganz vergessen das Licht im Maschinenraum anzuschalten. Gleichzeitig brüllte Joni aus dem vorderen Bad „aus dem Wasserhahn kommt nichts!“. Ich schaltete das Licht ein und die Frischwasserpumpe besser aus, denn unsere Wasserleitungen stehen bei angeschalteter Pumpe unter Druck. Christian kam erleichtert aus dem Maschinenraum gekrabbelt: „Es ist Frischwasser.“ Das grüne Lämpchen der Bilgepumpe leuchtete jetzt auch wieder. „Ok gut! - Hast Du schon eine Ahnung wo es herkommt?“ Hatte er nicht und war auch schon wieder auf dem Weg das Problem zu suchen.

Schon wenige Minuten später wurde er fündig, der Schlauch von der Druckwasserpumpe zu unserem Warmwasserspeicher hatte sich wohl im Laufe der Zeit gelöst. Durch das Druckwassersystem im Schiff sprudelte nun unser Trinkwasser in die Bilge und wurde brav ins Meer gepumpt. Es war dennoch der denkbar beste Auslöser für das Problem „Wasser im Schiff“, überall anders wäre es deutlich aufwändiger geworden das Leck zu finden. Der Schlauch war schnell wieder drauf gesteckt, die Schlauchschelle angezogen und gecheckt, dass alles dicht ist. Und einmal mehr dachte ich „wie gut, dass wir einen Wassermacher an Bord haben.“ Ohne ihn wäre ich weniger entspannt gewesen, wenn das kostbare Nass in der Mitte des indischen Ozeans im Meer verschwindet.

Fast da

Die letzten Nächte waren unglaublich dunkel. Der abnehmende Mond ging immer erst in den frühen Morgenstunden auf. Heute ist Neumond. Selbst die Sterne waren in der milchigen, fast stehenden Luft nur in kleiner Zahl erkennbar. Normalerweise reichte deren Licht immer, um selbst in einer mondlosen Nacht den Horizont zu sehen. Die letzten Tage war dem nicht so. Ich fand es fast ein bisschen gespenstisch, so in das Schwarze hinein zu fahren. Aber jetzt haben wir es fast geschafft.

Zum Glück behielt die Wettervorhersage auch dieses Mal nicht Recht. Wir hatten zumindest ein kleines bisschen Wind zum Segeln. Der nagende Strom drehte letztendlich auch noch in unsere Richtung, so dass wir jetzt schon die ersten Inseln der Malediven ausmachen können. Wir freuen uns schon auf den Landfall.

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11.02.2019 - Royal Langkawi Yacht Club, Langkawi, Malaysia

Aufbruchstimmung

Schön ist sie wieder, unsere Lady

Nach weiteren 5 Tagen Arbeiten an Bord und Gerenne durch die Stadt ist unsere Lady fertig für den indischen Ozean und sieht dabei auch noch richtig schick aus. Alle kleinen Roststellen sind repariert, unser Salonboden ist quasi neu, nachdem wir mit Heißluftföhn und Schleifmaschine den alten Lack attackiert haben, unser gelbliches Andenken vom Kumai River ist vom Lack entfernt, die Schalter sind neu verkabelt, das Rigg gecheckt, der Windpilot montiert, eine neue Funke, ein neuer AIS Splitter und ein Radio ist eingebaut, so dass es jetzt endlich losgehen kann. Nach den letzten Tagen sind wir zwar ganz schön geschafft, wir werden aber dennoch heute noch nach einer letzten warmen Dusche in der Marina, die Leinen los schmeissen. Ziel: Sri Lanka

Unsere Pläne bestimmt der Wind

Hier halten uns alle für ziemlich verrückt, dass wir Thailand rechts liegen lassen, ohne auch nur einen kleinen Zwischenstopp auf den wunderschönen Inseln zu machen, ganz zu Schweigen von dem hervorragenden Essen dort, aber leider bestimmen wir nicht alleine wann es losgehen muss. Auch sonst wäre ich hier noch gerne weiter gesegelt, es gäbe noch so viel zu entdecken in diesem wunderschönen Segelrevier: Anambas, Sulawesi, Tioman und die gesamte Ostküste Malaysias, Thailand, Myanmar sind alles tolle Ziele für ein Segelboot. Wenn wir nur noch ein bisschen Zeit hätten...

Haben wir aber nicht! Im September fängt für Joshi die Schule an, bis dahin müssen wir wieder in Deutschland gesettelt sein, die Uhr tickt. Wir haben lange überlegt, ob wir Moya hier in Malaysia verkaufen sollen, konnten uns aber noch nicht von ihr trennen. Deshalb werden wir nun in den nächsten Monaten unsere Weltumsegelung zumindest fast komplett machen und ins Mittelmeer zurück segeln. 4500 Meilen sind es ungefähr noch, genauso viel wie von hier nach Vanuatu. Eigentlich kein Problem diese Strecken in 6 Monaten zu segeln, wenn da nicht der Nordostmosun wäre. Den brauchen wir nämlich um nach Europa zurück zu kommen, nur weht er leider keine 6 Monate mehr. Deshalb sind wir einmal mehr unter Zeitdruck unterwegs, vor Mai müssen wir es über den indischen Ozean geschafft haben, bevor der Südwestpassat einsetzt und uns auf die Nase bläst.

Die Wettervorhersage von heute sagt der Wind passt für die nächsten Tage, wir müssen also los! Ko oder nicht, Leinen los!

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05.02.2019 - Royal Langkawi Yacht Club, Langkawi, Malaysia

Einer der Tage,...

... an denen wir uns besser morgens im Bett umgedreht und weitergeschlafen hätten, gibt es zwar nicht so häufig an Bord, aber gestern gehörte definitiv dazu. Im Bett wären wir wenigstens nicht rückwärts gestolpert. So aber standen wir morgens voller Tatendrang auf und blickten nach einem langen Tag auf ein vernichtendes Fazit. Nichts von dem was wir uns für den Tag vorgenommen hatten, hat auch nur annähernd funktioniert. Im Gegenteil, unsere Projektliste war sogar noch angewachsen. Aber der Reihe nach:

Herdentrieb am See der schwangeren Jungfrau

Da wir gerade ohnehin schon da waren, beschlossen wir uns den Süßwassersee noch anzuschauen, bevor wir die nächsten Tage mit Boot Instandhaltung beschäftigt sein würden. Instandhaltungsarbeiten waren noch an keinem Ort auf unserer Reise einfach gewesen und sind mit dem verlassen Europas exponentiell schwieriger geworden, deshalb hatte weder der Capitano noch ich große Lust anzufangen. Wir schnappten uns also Tilly und tuckerten zu dem großen Bootsanleger, wo seit dem frühen Morgen schon Ausflugsboote im Minutentakt festmachten. An Land standen einige Häuser, in welchen Souvenirs, Essen und Trinken verkauft wurden und natürlich das Häuschen an dem man für 6 Ringgit ein Armbändchen erwerben konnte, das einem den Eintritt in den Geopark erlaubte. Wir waren nicht allein. Hunderte von Touris wurden aus den Ausflugsbooten gespuckt. Sie alle schleppten sich, schön aufgereiht, den kurzen, mit Duzenden von Hinweisschildern geschmückten, Weg durch den Wald bis zum See. Auf dem Schildern erfuhren wir wie gefährlich das leben hier am See sein kann, dass man ohne Schwimmweste nicht im Wasser schwimmen oder gar Tretboot fahren darf, dass die Makaken gerne Essen und Trinken klauen, und dass auch sonst keinerlei Haftung für -was auch immer- übernommen wird. Es war skuril, zu sehen wie die Herde Homo Sapiens sich in einer großen Schlange bis zum See arbeitete, unterwegs sich einige Exemplare kreischend von den niedlichen Äffchen beklauen ließen und die ganze Bande sich dann nach 10 minütigem Marsch Schwimmwesten auslieh. Der kleine abgesperrte Bereich am Steg war einfach zu verführerisch, um ins Wasser zu plumpsen. Alternativ waren die Tretbootschwäne und Elektroboote ganz hip, um in einem Radius von 100 Metern Kreise um den Steg zu drehen. Wir schauten ungläubig und bogen auf den verlassenen Wanderweg ab, der ein Stückchen, um den See herumführte. Vom Seeende konnten wir aufs Meer hinausschauen, genau dort lag Moya. Bevor wir uns durchrangen Anker auf zu gehen, hielten wir noch an dem kleinen feinen Sandstrand an, an dem alle Ausflugsboote vorbei flitzte und badeten ganz ohne Schwimmwesten im Meer.

Arbeiten im Royal Langkawi Yacht Club

Bereits zwei Stunden später lagen wir fest vertäut in der Marina am Rande von Kuah. Der Royal Langkawi Yacht Club ist riesig, vermutlich die größte Marina seitdem wir die Karibik verließen. Neben den vielen Seglern, liegen hier auch die großen Superyachten am Steg, von denen wahrscheinlich die Gangway so viel kostet wie unser ganzes Schiff. Neben dem Marina Office gibt es eine ganze Reihe von Restaurants und Geschäften und Kuah ist in Laufentfernung. Langkawi insgesamt ist einer der besten Orte in Südostasien, um Bootsreparaturen durchzuführen. Hier gibt es Werften, Baumärkte, Bootszubehörläden und vor allem jede Menge Boote, die ja auch irgendwie unterhalten werden müssen. Nachdem wir uns schon wiederholt die Hacken erfolglos nach Ersatzteilen krumm gelaufen haben, wollten wir dieses Mal alles richtig machen, wählten den Ort mit der besten Infrastruktur und bestellten die wichtigsten Ersatzteile aus Deutschland. Der Duty free Status der Insel ersparte uns den gewöhnlichen Spass mit dem Zoll und unser Paket lag tatsächlich ganz brav im Büro der Marina. Eigentlich konnte es also losgehen, aber wie immer ist Boot Instandhaltung eine große Wundertüte mit jeder Menge Überraschungen.

Ein Schritt nach vorne, zwei zurück

Wir starteten wie immer indem wir unsere Schleifmaschine auspackten. Das letzte Mal Rostbekämpfung lag bereits 6 Monate zurück und unsere Stahllady zeigte einige kleine, hässliche Schlieren. Ein bißchen Kosmetik würde Moya gut tun. Der erste Tag ist immer der schlimmste: die Farbe muss ab, der darunter liegende Rost weg und bis auf das blanke Metall geschliffen werden. Danach entfernen wir kleinste mögliche Rückstände mit einem auf Phosphorsäure basierendem Rostentferner, waschen das Zeug nach der Einwirkzeit ab, bevor dann die erste Schicht der Grundierung aufgebaut wird. Danach brauchen wir nur ein paar Tage gutes Wetter und jeden Tag ne Stunde Zeit zum pinseln: erst die zweite Schicht Grundierung, am Tag danach eventuell eine Schicht Filler, am nächsten Tag Grundierung, danach die erste Schicht Lack und am letzten Tag die zweite Schicht Lack. Grundierung und Lacke haben wir noch von Europa an Bord, deshalb gingen unsere Entrostungsaktionen auch an den entlegensten Winkeln der Erde, letztes Mal in Raiatea.

Nach einem routinierten, wenn auch arbeitssamen Tag, wagten wir uns gestern an die anderen Projekte auf unserer Liste. Schon seit einer Ewigkeit steht dort: Impeller tauschen. Der Impeller ist eine Pumpe, die das Salzwasser für die Motorkühlung ansaugt und somit essentiell. Der Capitano hatte nur bisher immer Skrupel das Ding auszubauen und Bedenken bei Problemen im Nirgendwo vielleicht ohne funktionstüchtigen Motor dazustehen. Zurück in der Zivilisation musste das Ding jetzt endlich getauscht werden, zumal wir vier Stück davon als Ersatzteile mit uns herumfahren. Christian baute das Gummirädchen aus, steckte das Ersatzteil rein und dann passierte es, eine der Schrauben brach beim Zuschrauben. Die Schraube musste aufgebohrt werden. Der Ölfilter war im Weg. Nachdem Christian den Filter ab hatte, reichte der Platz zum Bohren immer noch nicht. Außerdem hatten wir in unserem endlos Schraubensortiment, ausgerechnet genau diese Schraube nicht als Ersatz.

Inzwischen war ich mit den Kindern in die Stadt gelaufen. Wir wollten eine Pütz (stabiler Eimer mit Öse im Henkel), eine Schleifmaschine und ein neues Radio erstehen. Es war unglaublich heiss und weiter als erwartet. Die Kinder kriegten ganz rote Köpfe von der Hitze und moserten. Zum Glück waren sie gut eingecremt, so dass es wenigstens keinen Sonnenbrand gab. Im Bootszubehörladen bekamen wir ein entrüstetes “I don’t sell buckets” auf unsere Frage nach der Pütz. Im Baumarkt gab es auch keine Eimer und überraschend auch keine Schleifmaschine. Einen Haarschneider oder Ventilator hätten wir bekommen, aber der DIY führt offensichtlich keine elektrischen Geräten zum Handwerken und die Verkäufer schauten mich an, als ob ich die Erste war die jemals danach gefragt hat. Wie kann man nur eine Schleifmaschine in einem Baumarkt suchen? Nach einer Stunde Fussmarsch standen wir dann vor den verschlossenen Toren von HE Trading. Laut Internet hätte der Laden offen haben sollen, die Chinesin nebenan erklärte mir der Laden hätte wegen dem chinesischen Neujahrsfest um die Mittagszeit geschlossen und wäre auch die nächsten drei Tage zu. Ich gab auf mit den Kids durch die Hitze zu laufen und bestellte ein GRAB Taxi. Vor dem Samsung Store stellten wir fest auch hier war alles fest verschlossen. Erst jetzt fiel mir auf, dass 95% aller Rollläden geschlossen waren, fast alle Läden gehören hier Chinesen. Malaysier arbeiten ganz normal erklärte mir der Fahrer. Langsam bekam ich auch so eine Idee warum wir niemanden bei Steelway erreichten. Vielleicht gehört die Firma, bei der wir unsere Ankerkette neu feuerverzinken lassen wollten dann auch Chinesen? Unverrichteter Dinge kehrten wir in die Marina zurück mit der Hoffnung, dass Christian einen großen Schritt weiter gekommen ist...

Zum Glück war heute ein besserer Tag. Christian improvisierte und fand einen anderen Weg unseren Impeller ein zu bauen. Er baute unser neues Funkgerät ein und reparierte unterwegs noch unser AIS, dessen Handicap natürlich erst jetzt durch den Einbau der neuen Funke ein Problem darstellte. Ich pinselte die nächste Farbschicht, schliff den Durchgang zur Küche mit der Hand am Arm, der alte Lack hatte sich angefangen vom Holz zu lösen, und ölte das Holz anschließend. Jetzt sieht es aus wie neu. Auch heute ging alles -wie immer- langsamer als gedacht, aber es ging voran und Zeit für einen Kaffee am Marinapool blieb auch noch.

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11.12.2018 - Loh Buaya, Rinca, Nusa Tenggara, Indonesien

Komodo muss warten

Kleine Insel, großartige Aussicht

Bevor wir uns in die Welt der Drachen stürzten, machten wir noch einmal ein paar Stunden Urlaub vom unserem Leben am Boot. Einen Vormittag lang bediente uns das nette Mädel des Atlantic Beach Clubs und laß uns unsere Wünsche an den Augen ab. Es war herrlich auf einem Liegestuhl im Schatten zu sitzen und einen richtigen Cappuccino zu trinken während sich die Kinder sich im leeren Pool austobten. Das war Pause von den Kids, Pause vom Kochen, Putzen, Segeln und allem womit wir sonst so den gesamten Tag füllen. Die Seele baumelte.

Bevor wir uns zu sehr an diesen Luxus gewöhnten, gingen wir am frühen Nachmittag Anker auf, unser Ziel war das kleine Inselchen Mangia Tang. Warum dorthin? Das wissen wir auch nicht so recht, es war eine Zufallsentscheidung - sozusagen russisch Roulette beim Blick auf die Seekarte. Zwei Segelstunden (ja, wir hatten tatsächlich Wind) später fiel das Eisen an der Ostseite der Insel (8°33' S / 119°49' O), direkt zwischen der weißen Sandbank und dem vorgelagertem Riff. Wir brauchten mal wieder mehrere Versuche bis der Anker auf dem gefühlt genau ein Quadratmeter großem optimalem Fleck saß, an dem der Sandgrund noch nicht im tiefen Wasser verschwand und wir trotzdem schon im sicheren Abstand vor dem Riff lagen, auch wenn der Wind drehen sollte. Genauso wie auch schon in Flores ist es hier nicht ganz trivial zu ankern, da die zu flachen Riffe fast immer steil in die zu großen Tiefen abfallen. Unser Eisen hielt jedenfalls bombig, trotz des um die Insel herum fegenden Windes, so dass wir nur kurz warteten und uns dann auf den Weg machten die Insel zu erklimmen. Es war eine ganz schöne Kraxelei, steil hinauf auf den kleinen Berg und noch dazu mit den falschen Schuhen. Flipflops statt Wanderschuhe befanden sich zumindest bergauf an unseren Füssen. Unseren Plan, den Sonnenuntergang über dem Komodo Nationalpark von oben anzuschauen, verwarfen wir noch auf dem Weg nach oben. Selbst ohne Kids wäre der Weg bergab in der Dunkelheit eine Schlitterpartie über das lose Geröll geworden. Der Blick über die Inselwelt der Komodo Drachen, war trotzdem sensationell, auch ohne rotgefärbten Himmel. Mit den Kids an der Hand, balancierten wir später auf blacken Sohlen und auf dem Hosenboden die steilen Hänge wieder herab.

Unten war inzwischen ein kleines Boot am Strand angekommen. 2 schneeweiße junge Männer waren dabei. Überrascht stellten wir fest, dass Wory und Anton aber keine Touristen sind, sondern dass sie bei den Rangern im Nationalpark in den nächsten Wochen ehrenamtlich mitarbeiten würden. Noch sahen sie aber sehr frisch aus und bekamen erstmal eine Tour durch die Inselwelt.

Zwischen den Welten

Meine erste Tat gestern Morgen war ins Wasser zu springen. Die Nacht war windlos und heiß gewesen und spätestens seit 6 Uhr war die Haut nass und ich restlos überhitzt. Mit Flossen, Taucherbrille und Kamera wollte ich das Riff erkunden. Was ich dann auch machte, aber nicht bevor ich unsere Unterwasserkamera killte. Das wasserdichte Gehäuse öffnete sich und Salzwasser flutete die Kamera. Noch bevor ich wieder aus dem Wasser war, hatte der Capitano die Kamera in ihre Einzelteile zerlegt und in Frischwasser gelegt. Aus früheren Unfällen mit elektrischen Geräten hatten wir gelernt, dass ein paar Tropfen Salzwasser, der fast sichere Tod für die Elektronik bedeuten, wenn das Salz nicht restlos entfernt wird. Sogar unsere Ladekabel, unsere Schnittstellen an den Computern und andere Elektronik wird an Bord allein von an der salzhaltigen Luft angegriffen und korrodieren. Mindestens die Hälfte unserer Kabel funktionieren nach einem Jahr auf See schon nicht mehr. Ob die Kamera überlebt wissen wir noch nicht, noch wagen wir es nicht sie wieder zusammen zu bauen und einzuschalten. Sie muss ganz trocken sein um nicht ins Nirvana überzugehen.

Schnorcheln delux

Nach der Not-OP ging es wieder ins Wasser. An der steil aufsteigenden Wand des Riffes wurden wir bereits von Schwärmen tropischer Fische begrüßt. Nicht nur Joshi war begeistert. Hier war es schon besonders toll zu schnorcheln. So viele verschiedene bunte Fische hatten wir auf unserer Reise noch nirgendwo gesehen. Wir sahen Nadelfische, Feuerfische, Clownfische, Anemonenfische, Moorish Idols, verschiedene Schmetterlingsfische und Chirurgenfische, Kugelfische, Papageienfische, Triggerfische und noch eine ganze Menge die ich nicht kenne (Ein Fischbestimmungsbuch steht auf meinen Wunschzettel fürs Christkind). Sie kamen gleich in ganzen Schwärmen und ganz ohne Angst auf uns zu. Die 20 cm langen weißen Fische mit den rosafarbenen Köpfen waren besonders neugierig und kamen manchmal ganz angriffslustig direkt auf uns zu geschwommen und zwickten in die Arme und Beine. Meine persönlichen Favoriten waren aber die 30 cm großen mit feinen blau und orangen Linien überzogenen Fische mit durchsichtig orange gestreiften Flossen, die länglichen mit den pink blauen Flossen, dem länglichen Schwanz und dem schön gemusterten Kopf und die rosafarbenen Anemonen mit den grünen Köpfchen zwischen denen die Nemos immer mal wieder herausschauten. Schade, dass ich das alles nicht besser beschreiben kann. Warum musste ich denn eigentlich ausgerechnet hier unsere Kamera ersäufen?

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14.10.2018 - Nimoa Island, Louisaden, Papua Neuguinea

Zu Besuch im Provinzkrankenhaus der Louisaden

Um den vielen Einbäumen kurzzeitig zu entkommen, segelten wir nur 2 Meilen zurück bis zum Riff. Vor einer kleinen Insel gingen wir in 10 Meter tiefem Wasser vor Anker (11°21,48' S / 153°19,89' O), sonderlich vor Wind geschützt war diese Stelle zwar nicht, aber wir wollten auch nicht lange bleiben. Ob Papua Neuguinea tatsächlich einer der besten Orte unseres Planeten zum Tauchen und Schnorcheln ist, wollten wir herausfinden, schnappten uns Tilly und tuckerten hinüber zur Insel. Mit Schnorchel, Maske und Flossen gingen wir auf auf Entdeckungstour an einem x-beliebigen Ort, der in keinen Guide stand. Leider war das Wasser hier nicht so glasklar wie an anderen Orten, aber es gab viele kleine bunte Fische, die leider, wie immer, viel zu schnell waren für meine Kamera. Es waren nicht so sehr die Fische, die mich beeindruckten, sondern vielmehr die Vielfalt der Korallen. In Gelb-, Orange-, Rosa-, Blau- und Brauntönen formten sie die unterschiedlichsten Gebilde unter Wasser - rundlich, fächerförmig, tellerförmig, spitz oder platt. Es waren Gärten aus Korallen, zwischen welchen sich die Fische versteckten. Ich bin schon ganz gespannt auf unsere weiteren Schnorchelrunden, wir werden hier bestimmt noch tolle Tiere und Pflanzen entdecken.

Für die Nacht wollten wir hier nicht bleiben und außerdem hatten wir ja noch unseren Postbotenauftrag zu erledigen. So fuhren wir bis an das Westende von Sudest Island nach Badia (11°19,6' S / 153°12,66' O). Dort gibt es einen kleinen Laden, der den Einwohnern der umliegenden Inseln das Notwendigste verkauft. Nur eine Familie besitzt die kleine Siedlung mit 2 Häusern und einem richtigen Bootsanleger aus Beton. An Land treffen wir wie immer viele Kinder, aber wir merken gleich, dieser Ort spielt in einer anderen Liga. Alle Kinder tragen T-shirts und Shorts ganz ohne Löcher. Keines der Kinder läuft in Fetzen oder wie so oft sogar nackt herum. Badia ist der Hauptversorgungsstützpunkt der Louisaden. Wer Reis braucht, läuft viele Meilen weit hierher oder kommt von anderen Inseln mit den Boot.

Bereits am nächsten Morgen segeln wir nach Nimoa und trauen unseren Augen kaum - in der Bucht liegt ein Katamaran vor Anker. Welch ein Zufall! Die Einheimischen erklärten uns, dass nur zwischen 5 und 10 Boote im Jahr hier vorbei schauen. Die Entice ist das erste Cruising Boot, das wir seit Wochen sehen und natürlich wollten wir gleich „Hallo“ sagen. Karen und Greg luden uns direkt auf einen Sundowner ein. Die Entice war gerade aus den Salomonen nach PNG gekommen, auch sie hatten seit Wochen kein anderes Segelboot gesehen. Die Kinder waren auf Wolke 7, denn es gab hier einen Fernseher und sie durften das Dschungelbuch sehen, so versumpften wir bei den beiden netten Australiern bis spät in die Nacht. Am nächsten Morgen wurde schon früh auf dem Kat gehämmert, die Ankerwinsch hatte einen Wackler. Mit so einem Boot ohne Winsch in diesen Gewässern zu segeln ist fast unmöglich, deshalb wollte Greg der Sache auf den Grund gehen bevor die Gute endgültig streikt. Wir packten unsere Spendentüte um einen Besuch im Krankenhaus der Insel zu machen, änderten unsere Pläne aber als wir den oben bis unten schwarzen Australier auf dem Vordeck des Kat sitzen sahen. Greg und Christian bauten nun zusammen die Ankerwinsch erst aus ihrer Halterung und dann auseinander, während Karen, die Kids und ich eine Tour an Land machten. Die Kohlenbürsten hatten sich verhakt, so dass die Winsch bald vollkommen ausgefallen wäre. Als wir aus dem Dorf zurück kamen, fanden wir zwei vor Dreck strotzende, erledigte, aber zufriedene Capitanos. Mit vereinten Kräften hatten die Beiden den Fehler gefunden, die Kohlen glatt geschliffen, das reparierte schwere Teil wieder zusammengesetzt und eingebaut.

Währenddessen waren wir nicht nur im Dorf, sondern auch im Krankenhaus, dem einzigen, das es hier in den Louisaden gibt. Schwester Maria erzählte uns, dass sie im Krankenhaus keine Ärzte haben, allein die Schwestern sorgen sich um die Patienten und pflegen sie gesund. Nur einmal im Jahr kommt ein Arzt auf Visite vorbei. In Notfällen werden die Patienten mit dem Boot nach Misima, dem 50 sm entfernten Provinzzentrum gebracht. Die Behandlung von Messerwunden und Malaria sind neben den Geburten die Hauptaufgaben der Schwestern. Nur leider sind die Medikamente - vor allem Schmerzmittel und Malariatabletten - immer zu knapp. Nur ein bis zwei Mal im Jahr bekommen sie hier Nachschub aus Port Moresby. Neben Milchpulver, Babyschlafsack, Nuckelflasche, Verbandszeug und einigen Brillen, ließen wir ein Drittel unserer Bordapotheke bei Schwester Maria. Auch wenn nur Schwestern vor Ort sind, bin ich sicher, sie wissen genau wie sie die Schmerzmittel, Anti-Histaminika, Adrenalin und Lidocain verabreichen müssen, die in unserem Beutel waren. Insgesamt war ich positiv überrascht von den Räumen. Das Haus ist ein solides Holzhaus mit Glasfenstern, die Böden sind gefliest. Auf dem Edelstahlwagen im Zimmer lagen sterile Instrumente noch eingepackt vom Autoklavieren. Im Zimmer nebenan, saßen zwei Frauen mit neugeborenen Babies auf den sauberen Betten. Bis zu drei Monate vor der Geburtt wohnen die Frauen der umliegenden Inseln im Gästehaus nebenan, da nur selten ein Boot für den Transport zur Verfügung steht.

Vor dem Krankenhaus wartete eine ganze Horde an Kindern auf uns. Heute war ja Sonntag, deshalb hatten alle Zeit sich genau anzuschauen, was wir auf ihrer Insel machen. Speziell Joshi und Joni wurden genauestens inspiziert. Auf dem Platz vor dem Krankenhaus fanden wir ein kleines rundes Etwas. Erde und Blätter waren in eine alte Reistüte gefüllt und zur einer Kugel zusammen gebunden. Ich brauchte einen Moment bevor ich begriff, dass die Kids mit dieser Kugel Fussball spielen. Schade, dass wir keinen Ball mitgenommen haben, aber wenigstens Luftballons.

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08.09.2018 - 19°13’S; 172°40’O; Pazifik

Das Ding is durch

Interessant, wenn auch nicht gerade angenehm, war es durch die Scherung zu segeln - und nein es blieb nicht bei drehenden Winden. Zunächst waren wir unter wolkenverhangenem Himmel unterwegs, der Wind wehte von Osten und drehte dann ziemlich plötzlich nach Norden. Mit der Winddrehung verzogen sich die Wolken, als ob das Wolkenband abgeschnitten wurde, wir genossen angenehm warme Temperaturen. Der Wind wurde immer weniger und starb letztendlich als wir beim Abendessen saßen. Wir tuckerten also in die Nacht hinein und warteten darauf, dass der Wind von Westen wieder einsetzen würde, bevor er nach Süd drehen und wir wieder segeln können würden. Stattdessen setzten wir schon am Abend wieder die Segel, um den auffrischenden Nordwind einzufangen. Nach 10 Minuten war die Flaute wieder da und keine fünf Minuten später traf uns die 30 Knoten starke Windfront aus Süden. Zum Glück war das Grosssegel gerefft und das Vorsegel eingeholt, sonst wäre das abenteuerlich geworden. Innerhalb von 15 Minuten hatte der Wind um 180° gedreht, es regnete und war A...kalt. Von nun an wehte es mit 25 bis 30 Knoten, Moya macht Lage und schob sich durch die Wellen. Erst langsam, wir hatten schon seit Tagen mit dieser Gegenströmung zu tun, die uns einfach 2 Knoten Fahrt über Grund klaute, dann immer schneller bis wir mit 7-8 Knoten voran kamen. Zwar in Schlangenlinien und mit Rollen, aber es ging vorwärts. Es blieb gestern den ganzen Tag kalt und ungemütlich, erst heute Morgen lugte die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und der Wind ließ etwas nach. Trotzdem fliegen wir immer noch mit über 6 Knoten Richtung Vanuatu - nur noch 200 Meilen, dann ist unsere dritt längste Passage geschafft.

Und das auch noch mit vollen Akkus, der Windpropeller hat sich ordentlich gedreht, so dass wir sogar Saft zum Wassermachen unterwegs übrig hatten. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Capitano unser Stromleck entdeckt hat, durch das wir seit einiger Zeit durchgehend ca. 2-5 Ampere verloren haben. Seit Wochen waren wir strommässig immer am Limit und mussten sogar einige Male den Kühlschrank ausschalten, Wasser sparen (da wir zum Wassermachen Strom brauchen) und Henry um Strom bitten, was normalerweise absolute Ausnahme ist. Ein Stromkabel zur Lichtmaschine war aufgerieben, dadurch wurde unser Ladegerät so kurzgeschlossen, dass es konstant dachte, dass die Lichtmaschine läuft ohne Strom zu produzieren und den Erregerstrom erhöhte. Nachdem klar war, dass ein Stromleck da sein muss, war dieses schnell gefunden und gefixt. Seitdem passt unser Energie- und somit auch Wasserhaushalt wieder.

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03.05.2018 - 6°43'S / 125°37'W, Pazifik

Pacific Crossing Tag 29: Bang!

Heute morgen, wir waren eben fertig mit dem Frühstück, ich war gerade dabei die Krümmel vom Frühstückstisch über Bord gehen zu lassen und hörte ein lautes metallisches Geräusch. Die Sonne schien, es wehte eine mäßige Brise aus Osten, einige Wellen hatten gebrochene Kämme und kamen von schräg hinten - leichtes Passatsegeln also, so dass ich im ersten Moment dachte, unser Vorsegel hätte mal wieder am Spibaum gerissen. Aber das Geräusch war irgendwie anders und kam von einer anderen Richtung. Ich hob den Blick zu unserem weit ausgestellten Grosssegel und sah sofort da stimmt etwas ganz und gar nicht. Anstatt schön gespannt eine Tragfläche zu bilden, schlug das Tuch Wellen. In der nächsten Sekunde lief mein Gehirn auf Hochtouren und ging die Möglichkeiten durch - die Grossschot lag unverändert in der Klemme, das Fall war weiterhin durchgesetzt, aber die Spannung des Unterlieks fehlte und da sah ich das Schlamassel auch schon. Das 5 mm Stahlseil unseres Unterliekstreckers war gerissen und mit ihm das Gurtband das unser Großsegel in der Baumführung fixierte. „Christian, kannst du mal eben kommen, unser Großsegel hat ein Problem?“ rief ich und fing gleichzeitig schon an zu überlegen wie schlimm der Schaden ist und ob wir ihn provisorisch beheben können.

Als der Capitano Sekunden später aus dem Niedergang sprang und uns schon mit Vorsegel Richtung französisch Polynesien segeln sah, waren die Alarmglocken bei mir schon wieder ausgeschaltet - notfalls würden wir einfach im ersten Reff segeln. Christian holte meinen Gedankenvorsprung blitzschnell auf und präsentierte auch gleich die Lösung unseres Problems. Wir gingen erstmal ins erste Reff, damit Moya wieder Fahrt aufnehmen konnte. Danach holen wir die Grossschot dicht, lösten die Reste unseres Unterliekstreckers vom Segel und zweckentfremdeten dann unsere dritte Reffleine, um sie bis wir ein neues Stahlseil organisieren können, als Unterliekstrecker zu verwenden. Für den Augenblick haben wir zwar kein drittes Reff mehr, aber das ist verschmerzbar, haben wir es bisher nur sehr selten gebraucht. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass unsere Reff-3 Leine stark genug ist und wir so bis zu den Marquesas und vielleicht sogar bis nach Tahiti, wo es eine bessere Versorgung an Ersatzteilen gibt, segeln können. Moya ist inzwischen wieder voll besegelt und pflügt in Richtung der 800 verbleibenden Meilen Marke.

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01.03.2018 - Bahia Golondrina, San Blas, Panama

Erste Entdeckungstour auf San Blas

Nach dem Frühstück heute morgen kam Katharina aus der Toilette und fragte "Welchen Schalter muss ich bedienen, damit die Toilette absaugt?". Christian erklärte ihr noch einmal unser Sicherungspanel und sie verschwand wieder im Bad. Kurz darauf rief sie "bei mir saugt die Toilette nicht". Bei mir gingen sofort die Alarmglocken an, nicht schon wieder eine defekte Toilette. Im hinteren Bad war alles ok, aber auch nach wiederholter Betätigung der Spülung war im vorderen stillen Örtchen nichts zu machen, die Suppe stand genauso wie zuvor. Eine Verstopfung hatten wir bisher noch nie.

Mit Fragezeichen im Kopf starteten wir trotzdem erstmal die Maschine, die Sonne stand schon recht hoch am Himmel und wir wollten heute gerne ein Stück weiter Richtung Norden tuckern. Eigentlich wollten wir noch lieber segeln, aber der Wind kam aus Nordwesten und wir wollten im engen Kanal zwischen dem äußeren Riff und dem Festland zwischen den Korallenköpfen volle Manövrierfähigkeit behalten, also musste Henry heute zum Dienst treten.

Wir zogen den Anker aus dem Wasser und wagten uns zwischen die Korallenköpfe, Christian am Steuer und ich oben auf unserem Decksaufbau um einen besseren Blickwinkel ins Wasser zu haben. Mit der Sonne hoch am Himmel konnten wir die Korallenabschnitte dunkel im blauen Wasser erkennen und haben uns so langsam durch den Korallenhindernissparcour gearbeitet. Auf den 3 Meilen, die wir heute unterwegs waren, haben wir insgesamt eine weitere bewohnte und 6 unbewohnte Inselchen gesehen, jede von Ihnen ein wenig anders. Unterwegs haben uns einige Delfine begleitet und sich an Moyas` Bug vergnügt. Vor Anker gingen wir dann in der Mitte von drei kleinen Inselchen mit weißem Sandstrand und Palmen. Moya lag ruhig wie in einem Ententeich, da all die kleinen Inseln vor den Wellen der karibischen See vom äußeren Riff abgeschirmt sind.

Während Kathi, die Kinder und ich mit unserem Paddelboard an Land paddelten, verschwand Christian im Schiffsbauch auf Fehlersuche des wichtigsten Platzes an Bord. Wir erkundeten Islandia und fanden Kokosnüsse, Palmen und leider auch einiges an Treibgut. Dabei waren T-Shirts, Jacken, Kinderwägen, Rucksäcke, Plastikflaschen und vor allem viele Schuhe, so viele dass ich an jedem Fuss am Ende einen passenden Schuh hatte. Joni lief den restlichen Tag mit einem Fundschuh herum und wir bauten eine Burg dekoriert mit Fundstücken von Holzstücken bis Elektronikplatinen war alles dabei. Die Kinder genossen es das erste Mal seit Curacao wieder ausgiebig am Strand zu buddeln, nur baden wollten sie nicht, da sich Seegras direkt an den weißen Strand im Wasser anschloss.

Währenddessen hatte Christian den Übertäter in den Rohren gefunden. Unser Capitano war heute definitiv der Held des Tages, der alles ohne Murren und Knurren reparierte - er hat was gut. Unsere Toilettenschulung müssen wir in Zukunft noch verbessern, damit solche Unfälle nicht mehr passieren.

Nachdem auch der schweisstriefende Skipper abgekühlt war, tuckerten wir noch in die Bahia Golondrina, eine Bucht komplett umgeben von Mangroven, die direkt an den dichten Regenwald angrenzt. Schon von außen sehen die mit Urwald bewachsenen Berge undurchdringlich, unberührt und wahnsinnig schön aus. Im Wald scheint es immer noch viele Orte zu geben, die noch nie von einem Mensch gesehen wurden. Dazwischen fließen Flüsse, die immer noch Gold bringen, aber durch die Gesetze der Guna nicht zum Schürfen frei gegeben sind. Selbst sie kaufen das Gold um ihren Goldschmuck herzustellen. Beim Eintreffen in die Bucht wurden wir von einen über das Wasser laufenden Fisch und weißen Vögeln begrüßt und liegen jetzt unter einem riesigen orangenen Mond am Himmel, allein am Rande des grünen Meeres und trinken Rumpunsch.

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22.02.2018 - Cartagena, Kolumbien

Colombia rocks!

Die letzten beiden Tage hatten es so richtig in sich. Moya steht ja schon seit vorgestern auf dem Trockenen hier in der Werft, aber erst gestern haben wir so richtig angefangen zu werkeln. Erstmal haben wir MoyasBauch genauestens unter die Lupe genommen und waren positiv überrascht. Ja, es gab schon einige Stellen, an welchen sich Seepocken nieder gelassen hatten und ja es gab auch einige Stellen, an welchen sich das Antifouling, das wir von nicht mal einem Jahr aufgebracht hatten, abgefahren hat, aber im Großen und Ganzen sah unser Unterwasserschiff tiptop aus. Wir sahen, dass die Anoden gearbeitet hatten, aber sie waren alle noch da und hätten auch noch ein bißchen länger ausgehalten. Entsprechend gibt es am Moyas Bauch nicht eine Stelle mit Rost und das bei einem mittlerweile fast 30 Jahre alten Stahlschiff.

Jetzt musste erst mal geschliffen werden, bevor die das blanke Metall wieder mit Grundierung aufgebaut werden konnte. Christian hat sich an die Arbeit gemacht, während ich Kilometergeld hätte beantragen sollen. Erst zu Todomar, dann zum Farbenladen, dann zum Supermarkt und dann wieder zum Farbenladen bin ich getingelt um Antifouling, Lebensmittel und tatsächlich unser Toiletten Ersatzteil zu organisieren. Vorgestern Abend hatte ich mit dem einzigen Dometic Händler Kolumbiens telefoniert und hatte am nächsten Morgen ein Angebot für das heiß ersehntes Teil in meinem email Postfach. Luis, mein Kontakt, hatte gezaubert, so dass ich den Balg noch am gleichen Tag nur einen Kilometer die Straße hinunter bei Todomar abholen konnte. Also lief ich los, als ich 10 Minuten später vor der hohen weißen Mauer stand zögerte ich kurz und fragte mich, ob ich hier richtig sein kann, erst recht nachdem ich am Security Mann vorbei gegangen war und mich auf einem Werftgelände befand. Es sah hier so gar nicht danach aus als ob man hier etwas kaufen kann. Auf Nachfrage wurde ich zu einer weißen Tür geschickt auf der Almacen stand, daneben war eine offene Werkstadt. Ich glaubte immer noch nicht, dass ich hier fündig werden würde, ging aber durch die Tür. Dahinter lag ein Raum ohne Fenster, darin stand nur ein Schreibtisch und eine Theke. Dahinter stand Jonathan und fragte wie er mir helfen kann. Ich zückte mein Angebot, er schaute in seinen Computer und drückte mir 2 Minuten später den Blag in die Hand. Ich war ziemlich verblüfft. Nach der hochprofessionellen Arbeit von Ferroalquimar, haben wir hier in nicht mal 24h unser Ersatzteil organisiert. Von wegen südamerikanisch chaotisch, zumindest die beiden Werften arbeiten perfekt organisiert.

Leider konnten sie mir mit meinen anderen gesuchten Dingen auch nicht weiter helfen, so dass ich mich die Straße hinunter durchfragte wo es Anoden, Ventile, Ölfilter, Batterien und was sonst noch auf der Liste stand gibt. Keiner hatte was ich brauchte, dafür hatte ich viele nette Begegnungen mit wirklich absolut herzlichen Menschen. Am besten gefiel mir der ältere Herr in einem Motorengeschäft, der meinte er rede in seinem Office nur spanisch sich dann aber doch mit mir in einer Mischung von Englisch und Spanisch unterhielt, mir erklärte, dass ich Spanisch lernen solle und dass es Ölfilter am anderen Ende der Stadt gibt.

Während ich morgens unterwegs war, waren die Jungs bei Christian und haben mit geholfen. Joshua hatte den Auftrag unsere Anoden vom Rumpf zu schrauben. Obwohl das ganz schön tricky für ihn war, waren am Ende alle 7 Anoden auf dem staubigen Boden gelegen. Daneben stand Joshua und grinste stolz. Am Nachmittag war dann Primern angesagt, Lebensmittel einkaufen und Farbe besorgen. Am Abend waren wir dann auf der Marianne und haben den Abend mit dem schweizer Skipper, seiner brasilianischen Frau und seiner 3 jährigen Tochter verbracht. Man lebt hier auf der Werft wie in einem Mikrokosmos, innerhalb kürzester Zeit kennt man jeden, selbst der Security Mann an der Schranke ruft schon von weitem "Buenos Dias Sabrina".

Heute morgen kam pünktlich wie vereinbart Margarita auf das Werftgelände. Wir hatten uns doch noch dazu durchgerungen unser Segel zum Reparieren zu geben. Nun brachte sie die Genua mit dem neuen UV Cover - sehr verlässlich. Bei Moya ging es weiter mit der 2ten Runde Primer gleich nach Sonnenaufgang, mit Abschleifen der Schraube, Prüfung vom Wassersammler, Saubermachen der Anodenkontakte und heute Abend dann der ersten Runde Antifouling. Die Kinder waren so eifrig dabei, dass sie vorhin gleich nach dem Abendessen einfach eingeschlafen sind während Christian und ich noch kurz an Deck standen und den Segelsack nach oben gekrant haben - so gut ging das Schlafengehen schon lange nicht mehr.

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23.02.2018:
Kommentar from Dieter
Freut uns, dass das UW-Schiff eure Reise bisher so gut überstanden hat! Und natürlich, dass das mit dem Ersatzteil für die Toilettenpumpe auch gut gegangen ist. Dann wünschen wir euch eine gute Wasserung und viel Spaß bei der Weiterreise. Euch allen liebe Grüße aus dem zur Zeit recht kalten Berlin. Dieter
25.02.2018:
Kommentar from Moya Crew
Danke Dieter! Mit den beiden Jungs ohne funktionierende Toilette länger zu segeln, wäre wirklich anstrengend geworden. Wir sind sehr froh, dass unser Alptraum sich nicht bewahrheitet hat und haben den Balg sogar jetzt nochmal als Ersatz.
29.12.2017 - Charlestown Bay, Canouan

Wir sitzen fest

Draußen am Atlantik weht der Passat konstant mit 20 bis 25 Knoten. Caouan schrimt ihn mit ihren Bergen ab, allerdings nicht vollständig. Es fallen immer wieder neckische, starke Fallböen über die Berge, die Moya an ihrem Anker ziehen lassen. Bei so einer Böe springt unser Windgenerator an, der Wind pfeift und rüttelt, unser Binimi vibriert. Da die Böen nur kurz sind, kann unser Windmesser nicht messen wie stark sie sind. Gestern Morgen, wir schliefen alle noch, hörten wir "Hello, my friend" und ein Außenborder der tuckerte. Immer wieder rief der Mann, bis Christian entnervt aufgab, aus dem Bett stieg und seinen Kopf durch unsere Achterschifflucke streckte. "Your dingi is flipped. I can fix this for you". Christian kletterte an Deck und tatsächlich lag Tilly falsch rum im Wasser, unser Außenborder eingetaucht im Salzwasser, der Gummiboden zeigte nach oben. Die Paddel die im Inneren lagen waren weg. Wir waren erstmal gefangen an Bord - ohne Paddel und funktionierenden Motor für Tilly.

Der Wind und die Wellen müssen es irgendwie geschafft haben Tilly umzudrehen. Oder war es doch anders? Christian zumindest war sehr skeptisch, dass ein Dingi sich durch den Wind auf dem Kopf stellte war ihm noch nie passiert. Er schlug die Hilfe des Mannes aus und fing sofort an unseren Außenborder zu zerlegen und mit Frischwasser zu spülen, alle Teile zu trocknen säubern und mit WD40 einzusprühen. Nach ungefähr zwei Stunden kam das orangefarbene Dingi wieder angefahren "I found some paddels". Christian schaute ins Boot, tatsächlich lagen da unsere Paddel, alle beide. Für ein bißchen Kleingeld konnten wir sie wieder haben - zum Glück es wäre schwierig geworden genau solche wieder zu bekommen. Diesmal fragte ich mich, wie wahrscheinlich es ist, dass man zufällig beide Paddel findet. Die Paddel schwimmen zwar und können am Strand angespült werden, aber Moya liegt relativ weit draußen und Wind und Strömung sollten sie erst hunderte von Meter weit weg anspülen. Christian repariert weiter, erst sprang der Motor zwar an aber bekam zu wenig Benzin, dann lief er nur bei viel Gas. Nach zweimal Vergaser zerlegen und zwei weiteren Besuchen unseres Freunds war am Abend unser Außenborder wie neu. Wind oder nicht - wir hatten Glück gehabt.

Nach dem Frühstück wollen wir los nach Myreau in die Salt Whistle Bay um zu schauen ob Moya hier ruhiger steht. Außerdem sieht die Bucht zumindest im Cruisers Guide wahnsinnig toll aus mit weißem Sandstrand und Palmen.

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30.12.2017:
Kommentar from Dody
Nachtraeglich Happy Birthday fuer Christian, und die grosse Party mit Freunden kommt wenn sie da ist, no worries, muss ja nicht unbedingt am gleichen Termin sein, oder? Mit dem Dinghi, mir ist es bisher 3 mal passiert dass der Wind es mit Motor aus dem Wasser geblasen und umgedreht hat und vielen meiner Freunde ist das auch schon passiert. Ich will damit nicht sagen, dass in Eurem Fall "Fremdhilfe" ausgeschlossen ist, sondern dass es durchaus moegich ist dass sich ein Dinghi bei einer starken Boe mit Motor am Heck aus dem Wasser hebt und auf der falschen Seite zu liegen kommt. Und Paddel? Eine Woche nachdem sie uns von den Rocks gezogen hatten brachte uns jemand beide unserer Paddel die er am Strand gefunden hatte. Nun, ganz sicher in dem Fall, waren sie nicht vorher von Menschenhand entfernt worden sondern von den Wellen die ueber's Schiff schlugen, und, wegen Stroemung, Wind, und weil sie gleich schwer waren vermutlich, landeten sie nicht weit voneinander am Strand. Big hugs an alle xXx
30.12.2017:
Kommentar from Moya Crew
Danke Dody, so richtig dran geglaubt habe ich ohnehin nicht, dass jemand einfach des Buisiness wegen Dingis kaputt macht. Jetzt ist mein Glaube an die Menschheit aber wieder deutlich gestärkt :-)
01.01.2018:
Kommentar from Martina & Stefan
Es ist tatsächlich unglaublich und man denkt erstmal, das kann nicht sein. Aber uns ist das gleiche in Bequia passiert - Dinghi mit samt dem Außenborder auf dem Kopf im Wasser. Das erste und sicherlich einzige Mal, wo wir nicht konsequenterweise das Dinghi nachts reingeholt haben... Bei der Gelegenheit wünschen wir Euch ein fröhliches neues Jahr und weiterhin viele unvergessliche Erlebnisse auf Eurem Törn. Liebe Grüße Martina & Stefan
14.12.2017 - Pointe du Bout, Martinique

Von Kreuzfahrern und 5-Mastern

Im Hafen von Fort de France lagen gestern 4 große Kreuzfahrtschiffe die zusammen gut und gerne 5000 Gäste unterbringen. Bei diesen Tourimassen haben wir kurz überlegt direkt Kurs auf die nächste Ankerbucht zu nehmen, aber wir brauchten noch Kleber um unser Dingi zu reparieren, Joni ein paar neue Schuhe und die Kinder Auslauf auf dem Spielplatz. Also sind wir doch übergesetzt und waren ganz überrascht, dass in der Stadt gar nicht so viel los war. Die meisten Cruiser sind an den Souvenir Ständen direkt am Hafen hängen geblieben, nur einen Straßenzug entfernt sah man fast niemanden mehr mit buntem Band und Kärtchen um den Hals.

Fort de France ist ein kleines französisch geprägtes Städtchen mit unendlich vielen Autos. Überall gibt es kleine Geschäfte und Restaurants, nur auf der Suche nach einer Bäckerei habe ich mir die Hacken krumm gelaufen. Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt haben sind wir Anker auf gegangen um auf die Südseite der Bucht nach Anse a L´Ane zu fahren. Die ist eine kleine Bucht mit Sandstrand und Palmen und wir sollten unser repariertes Leichtwindsegel heute wieder bekommen. Wir Armen mussten also am Strand warten bis wir unser Segel gebracht bekamen und durften solange im Meer schwimmen, schnorcheln, Sandburgen bauen und Muscheln sammeln.

Gleich nach dem Frühstück waren wir mit den Kindern schon da und haben Gabi eine Kinder-Auszeit am Boot gegönnt. Als wir ankamen war der Strand noch weitgehend unbesiedelt, nur ein Rastaman mit dicken Dreadlocks unter der Rastamütze stand mit einem Wurfnetz am Strand und hat Anchovies gefischt und ein anderer hatte einen gelben Eimer neben sich stehen in dem zwei riesige Muscheln lagen - beide ungefähr so groß wie mein Kopf. Hinter uns in der Bucht lag majestätisch ein großer 5-Master vor Anker. Ich meinte noch zu Christian "Es gibt doch gar nicht so viele 5 Master, lass uns mal schauen wie der heißt". An Bord schaute Christian dann auf unser AIS und meinte "Ah, die Royal Clipper liegt dort im Hafen. Aber Moment wie kann das sein? Der da liegt doch vor Anker!". Nach einigem Stirnrunzeln fanden wir heraus, dass tatsächlich von den nur drei weltweit fahrenden 5-Master Segelbooten, 2 momentan in Sichtweite lagen, nur das Schwesternschiff der Wind Surf, die Club Med 2 segelte wo anders.

Überhaupt gab es laut Wikipedia nur insgesamt 12 so große Segelschiffe von welchen 9 verschwunden oder gesunken sind, die meisten tatsächlich schon am Anfang des letzten Jahrhunderts. Heute Nachmittag hat dann die Royal Clipper ihre volle Besegelung gesetzt und ist in einem ziemlichen Tempo davon gesegelt und hat dabei wirklich atemberaubend ausgeschaut. Wer will kann im April mit ihr den Atlantik überqueren, sie benötigt dafür garantiert weniger als 19 Tage ;-). Wir sind dann nochmal eine Bucht weiter gefahren bis zum Pointe du Bout, dort haben wir unseren Anker unter dem weit und breit einzigen Felsbrocken verkeilt und Christian musste ein Anker-Rescue-Manöver tauchen um uns wieder zu befreien. Nach dem Abendessen kann es jetzt weiter gehen über Nacht nach St. Lucia.

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05.12.2017 - Atlantik 14´49'N, 57°05'W

Atlantik Tag 17 - uns ist immer noch nicht langweilig

Heute war jedenfalls keiner dieser Tage die einfach so dahin plätschern, an welchen die Zeit verrinnt und man gar nicht so richtig weiß was man mit sich anfangen soll. Solche gibt es auf See definitiv auch- aber nicht heute:

4.12. / 12:00 Uhr: Christian knetet Teig, wir müssen noch einmal Backen vor dem Landfall. Die Kinder und ich starten die Weihnachtsbäckerei und machen einen Mürbeteig

4.12. / 13:00 Uhr: Wassermelonenalarm, die Kinder sind kaum zu halten

4.12. / 13:28 Uhr: Christian Handy bimmelt, Christian schnappt sich den Sextant zur Bestimmung der Mittagsbreite

4.12. / 13:40 Uhr: Ich gehe auf das Achterdeck und wasche Windeln mit unserer Windelwaschmaschine: Windel ins Netz, über Bord gehen lassen, hinter Moya her ziehen, danach eine Frischwasserspülung

4.12. / 14:00 Uhr: Ich lese Pixibücher mit den Jungs

4.12. / 14:15 Uhr: Wir hören "Was passiert im Krankenhaus". Joni zieht Schnürchen durch den Salon und baut Lager. Joshi ärgert ihn und funkt nebenbei. Am Horizont voraus zieht eine dunkle Regenwolke auf, wir beraten ob wir die Segel verkleinern, entscheiden uns aber erstmal dagegen

4.12. / 14:30 Uhr: Krrsch, Diiiiee, Krrsch - Christian schaltet die Funke an. Das Hörbuch geht unter Protest aus für die Intermar Abendrund (in D). Erstmal gibt es Wetter dann ruft Enrico in die Runde CQ. "Delta - Golf- Fünf- November- Foxtrott- Papa- Strich- Mike- Mike" antwortet Christian. "Hallo Christian kannst Du mich hören?" "Hallo Enrico, ja Du kommst mit 5 und 5 hier an, unsere Position ist 14?50'N; 54?30'W; Kurs 280 Grad mit 5.5 Knoten" "Wolf von der ARC ist noch über 1000 Meilen hinter Euch, aber gestern sind die ersten Kats in St. Lucia angekommen" "Wow, die sind auf den Kanaren einen Tag nach uns gestartet und schon da, bei uns sind es noch 370 Meilen" "Weiterhin gute Reise"

4.12. / 14:45 Uhr: Das Hörbuch geht weiter. Ich hole den Teig aus dem Kühlschrank und balanciere ihn in den Salon. Dort sitzen Joni und Joshi am Tisch und sind schon ganz aufgeregt, dass sie jetzt ausstechen dürfen. Anstatt eines Nudelholz verwenden wir ein Glas zum ausrollen. Der Teig rutscht mit der Unterlage immer wieder von einer Seite auf die andere Seite des Tische, wo er von der Tischumrandung vor dem Absturz bewahrt wird. 2 Bleche mit Herzchen, Sternchen, Stiefel und Tannenbäumen schaffen wir und das erste Plätzchen wir noch warm in den Mund gesteckt. Die werden es nicht bis zum Landfall schaffen.

4.12. / 15:30 Uhr: Das Brot darf nun in die Röhre, wir versuchen uns das Chaos einzuschränken

4.12. / 15:50 Uhr: Jetzt ist auch der Himmel hinter uns schwarz. Wir entscheiden uns ins Reff1 zu gehen. Christian zieht seine Schwimmweste an und geht an den Mast um die Reffleinen zu bedienen. Ich bleibe im Cockpit für die Steuerung und ziehe die Genua rein. Die ersten Tröpfchen fallen schon bevor Christian wieder im Cockpit ist. Wir rennen um die Fenster zu schließen - es wird sofort heiß.

4.12. / 16:15 Uhr: Die schwarzen Wolken sind durch, eigentlich hätten wir nicht reffen müssen. Wir setzen die Genua.

4.12. / 16:25 Uhr: Wir analysieren wie gut wir voran gekommen sind. 131 Meilen, aber leider nicht auf direkten Weg wegen der Gewitter und tragen alles auf unserem Planner im Salon ein

4.12. / 16:35 Uhr: Joni zerstört unsere Gardinenstange, Christian repariert

4.12. / 16:50 Uhr: Die Kinder holen die Malbücher raus. Christian startet den Motor. Wir segeln zwar noch, aber haben keinen Strom mehr, da der Himmel bedeckt war und es zu wenig Wind gab für unseren Windgenerator.

4.12. / 16:51 Uhr: Motor aus! Ich schaue Christian fragend an. "Es kommt kein Wasser aus dem Auspuff, die Kühlung funktioniert also nicht." Er verschwindet erstmal im Maschinenraum und geht auf Fehlersuche. Die Kinder sind im Salon uns mischen munter mit als Christian dann unseren Vorfilter für das Kühlwasser auseinander baut. Wo Wasser sein sollte war Luft, nur wo kam die bloß her? Wir checken alle Möglichkeiten und kommen zum Schluss, dass sie sich mit der Zeit angesammelt haben muss.

4.12. / 17:35 Uhr: Der Motor läuft wieder. Ich fange an Abendessen zu machen.

4.12. / 18:00 Uhr: Wir essen zu Abend, es gibt Kartoffelbrei mit Omlette

4.12. / 18:30 Uhr: Windel Waschen

4.12. / 18:45 Uhr: Ich kontrolliere die Lebensmittel. Joshi und Joni spielen Fireman Sam - Joshi ist Sam, Joni Elvis

4.12. / 19:15 Uhr: Zähne putzen, Schlafi an danach gibts noch den kleinen Drachen Kokosnuss als gute Nachtgeschichte. Der Motor ist jetzt wieder aus.

4.12. / 20:00 Uhr: Christian startet mit seiner ersten Nachtwache. Ich bleibe noch ein paar Minuten im Salon und lege mich dann hin

4.12. / 22:00 Uhr: Intermar Nachtrunde. Christian hört Gunter aus Costa Rica, er ihn aber nicht.

5.12. / 0:00 Uhr: Wir verkleinern die Genua. Ich starte meine erste Nachtwache heute um eine Stunde verspätet.

5.12. / 3:00 Uhr: Christian übernimmt wieder, Moya läuft mit 6 Knoten, es ist ruhig

5.12. / 6:00 Uhr: Die Kinder sind wach und stürmen den Salon. Ich komme ein paar Minuten später nach. Eine Segelyacht taucht Backbord zu uns am Horizont auf und kommt näher. Wir sind zum ersten Mal schneller als die. Wir sind so aufgeregt, dass wir alle zusammen erstmal frühstücken und Christian sich nicht wie sonst immer sofort aufs Ohr legt

5.12. / 7:30 Uhr: Wir sind jetzt ganz nahe dran und sehn sogar die gelbe Badehose des Skippers. Die blaue Yacht dreht in den Wind um ihr Groß aus zu reffen. Wir setzten unser Großsegel voll vor dem Wind, danach legt sich Christian hin.

5.12. / 7:45 Uhr: Wir räumen den Tisch ab. Die Jungs fangen an Lego Duplo zu spielen. Ab und zu kommt einer der beiden mit dicken Backen aus der Küche, die Weihnachtsplätzchen werden weniger.

5.12. / 8:00 Uhr: Windel Waschen.

5.12. / 8.15 Uhr: Wir hören "Alles über Piraten" und spielen nebenbei LottiKarotti

5.12. / 9:50 Uhr: Ich höre das Segel schlagen. Seltsam, es hängt ganz lose nach unten. Um zu schauen was los ist, ziehe ich die Schwimmweste an, klettere aufs Vordeck. Der Baumniederholer des Spibaums hängt in der Ankerhalterung. Ich löse sie, aber das Segel hängt immer noch. Ich wecke Christian.

5.12. / 10:00 Uhr: Es dauert ein bißchen bis wir den Grund für das flatternde Segel gefunden haben. Der Spibaum hatte sich eingefahren, obwohl wir eigentlich dachten, dass der Teleskopmechanismus nicht mehr funktionierte. Wir versuchten den Baum wieder auszufahren konnten ihn aber nicht richtig feststellen, wir versuchten es trotzdem die Genua wieder zu setzten nur um 2 Minuten später wieder mit eingefahrenen Baum dazu stehen.

5.12. / 12:00 Uhr: Unser Ersatz-Spibaum wollte auch nicht halten, er ist eher für Leichtwindsegel gedacht. Die blaue Segelyacht hat inzwischen wieder zu uns aufgeschlossen.

Die Reparatur ging noch fast den gesamten Nachmittag weiter, irgendwann hatten wir verstanden, dass die Voreigner den Spibaum festgenietet hatten. Wir konnten erfolgreich die abgebrochen Nieten entfernen und hatten sogar neue an Bord um den Baum wieder festzustellen - wenn da nur unsere Nietenzange nicht auf halben Weg den Geist aufgegeben hätte wäre das auch ganz schnell gegangen. Die Genua steht mittlerweile wieder und wir sind froh, dass nicht jeder Tag so viel Action mit sich bringt.

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06.12.2017:
Kommentar from Lars
Es ist so toll Eure Reiseberichte zu verfolgen! Und Plätzchen am frühen morgen ist definitiv Urlaub pur - genauso soll es sein! Freue mich für Euch, dass ihr es bald geschafft habt. Möge der Wind mit Euch sein!