Letzte Position:
(auf Karte anzeigen)

Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Atlantiküberquerung

11.12.2017 - Les Anses d Arlets, Martinique

Wie war nun der Atlantik?

Seit 5 Tagen sind wir nun in der Karibik, lassen es ganz langsam angehen und genießen die Zeit die neue Welt am anderen Ende der Welt zu erkunden. Ich finde, es ist genau der richtige Zeitpunkt nochmal unsere Atlantiküberquerung Revue passieren zu lassen.

Wir waren 19 Tage auf dem Wasser und haben insgesamt 2237 nautische Meilen zurück gelegt, davon 2152 Meilen unter Segel. Wir hatten durchweg leichte bis sehr leichte Winde bis hin zur totalen Flaute und haben den Wind gesucht. Nach einer ungewöhnlichen Hurrikan Session 2017 folgte wohl eine ungewöhliche Zeit für den Nordostpassat, der zu dieser Jahreszeit noch ungewöhnlich schwach ausgeprägt war und uns eine mindestens 3 Tage längere Zeit auf dem Atlantik beschert hat. Neben den schwachen Winden hatten wir keine westliche gehende Strömung die normalerweise hier mit ungefähr einem halben Knoten schiebt. Die Atlantikwellen waren über weite Teile der Überfahrt wenig ausgeprägt, einige Tage haben wir die Ausläufer im Norden liegenden Tiefdruckgebietes in Form von sehr langen, ca 3 Meter hohen Atlantikdünnung, gespürt. An anderen Tagen war das Wasser unruhig durch die vielen durchziehenden Squalls und schwappte wild von allen Seiten.

Insgesamt fanden wir die Überfahrt sehr angenehm, vor allem die Kinder haben die Zeit an Bord sichtlich genossen. Die Jungs spielten fast die ganze Zeit im Salon und turnten durchs Schiff. Den ganzen Tag einfach nur ungestört zu Spielen war so toll, dass am ersten Tag an Land lieber an Bord bleiben wollte und weiterspielen. Wir hatten nicht den Eindruck, dass es den Beiden langweilig war, auch wenn Christian und ich beim 20 zigsten Durchgang "Mein Körper" etwas gestöhnt haben. Der Bewegungsdrang stillten die Jungs etwas indem sie in der Küche herum gekletterten oder durch Moyas Bauch fegten. Außerdem ist man ohnehin ständig am festhalten, ausgleichen und herumfallen, selbst bei wenig Wind und Seegang. Die Stoffwindeln waren auf der Überfahrt nur etwas aufwändig, da wir mehrfach am Tag Windeln gewaschen haben. Ich würde es wieder so machen, so hatten wir wenig Müll, ohne Gestank da wir alles abgespült haben. Wir hatten vorab ziemlich intensiv darüber nachgedacht Crew an Bord zu nehmen, um noch weitere Hände zum Segeln zu haben und die Wachen ein bisschen aufzuteilen. Wir wissen nicht wie die Passage mit Crew gelaufen wäre, aber ohne war es eine sehr schöne, wenn auch intensive Zeit für uns als Familie. Auch die Nachtwachen haben gut funktioniert und wir hatten bald einen etablierten ca. 3 Stunden Rhythmus, der uns beide nicht an unsere Reserven gehen ließ - vielleicht wäre das bei schwerem Wetter anders gewesen, so aber hatten wir keine Probleme mit Schlafen auf Raten. Keiner von uns war Seekrank, ich hatte als einzige die ersten 4 Tage mit ein bißchen Übelkeit zu kämpfen und konnte nicht vorlesen und habe viel Zeit im Freien verbracht. Danach hatte ich meine Seebeine gefunden und alle Tätigkeiten gingen ohne darüber nach zu denken wo wir waren.

Neben einigen kleineren Pannen hatten wir keine Schwierigkeiten auf See. Die Passatroute ist aber nicht ohne für Segel und Rigg, selbst bei den wirklich gemäßigten Bedingungen, konnten wir spüren wie der Wind manchmal an den Segeln riss und das gesamte Rigg vibrierte. Jeden Tag gehörte zu unserer Sonnenuntergangsroutine, einmal über das Schiff zu gehen und Rigg, Segel und Windpilot auf Verschleiß zu kontrollieren. Für die Nacht refften wir fast immer unser Großsegel damit wir für schnell heran rauschende Squalls gewappnet waren. Die Fock (auf Lee) und die ausgebaumte Genua (auf Luv) blieben beide gesetzt, da die Genua mit nur wenigen Handgriffen eingeholt werden konnte und die Fock mit ihrer geringen Segelfläche draußen bleiben konnte. Wenn auch der erste Squall uns etwas überrascht hat, waren es insgesamt weniger Squalls als erwartet und die süddrehenden Winde waren auch gar nicht so stark (<30 Knoten). Oft war der Nordostpassat nach einem Squall völlig durch einander und wir hatten teilweise für Stunden nur Leichtwind.

Essen und Proviant hat für die 19 Tage genau gepasst, am letzten Segeltag gab es noch Couscous mit Kürbis-Zucchini-Sugo, so dass wir keine frischen Lebensmittel vermisst haben. Wir haben auf der Passage ca 650 Liter Wasser verbraucht und waren sehr froh, dass wir unseren Wassermacher an Bord hatten, so dass wir mit Süßwasser duschen konnten und nicht Wasser sparen mussten. Unser Stromhaushalt hat weitgehend gepasst, nur 2 Mal haben wir Henry angeschmissen um Strom zu produzieren, als der Himmel bedeckt war und nur wenig Wind von hinten wehte. Rückblickend würden wir noch schneller, noch direkter nach Süden segeln um den leichten Winden noch besser zu entgehen und eventuell eher Abkreuzen damit der Wind nicht ganz direkt von hinten kommt und die Segel besser stehen. Gefehlt hat uns in den 2.5 Wochen eigentlich noch nichts, bis auf mir von Zeit zu Zeit etwas Privatsphäre, aber wir waren dann doch froh als wir wieder in ein Restaurant gehen konnten, einige Minuten für sich sein konnten und auch mal andere Gesichter vor Augen zu bekommen. ChristiansFazit: "Der Atlantik ist größer als ich dachte, ich weiß jetzt wo die Karibik liegt. Die Tage verschwimmen auf See ineinander, die Passage war gut ist aber nur Mittel zum Zweck von A nach B zu kommen." Sabrinas Fazit: "Die Passage hat mir gut gefallen, mit viel Zeit für die Familie um zur Ruhe zu kommen. Ankommen ist aber auch toll."

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
08.12.2017 - Marin, Martinique

Geschafft!

Gestern am späten Nachmittag haben wir noch einmal richtig Gas gegeben. Der Wind frischte auf und Moya rauschte Richtung Martinique. Um 14:30 Uhr hatte wir dann Handy Empfang - Ding das war die SMS von Vodafone die uns mitteilte, dass wir hier wie in Deutschland telefonieren. Martinique ist schließlich EU, sehr cool! Christian rief dann erstmal in der Marina du Marin an. Ja, sie haben noch bis 18 Uhr offen, wenn wir bis 17:30 Uhr da sind können wir noch einen Liegeplatz bekommen, sonst müssten wir vor Anker gehen. Da änderten auch 2 kleine Kinder und die Atlantiküberquerung nichts, 17:31 Uhr ist keiner mehr da der uns einweist, alles gesellschaftlich geregelt. An dieser Stelle hatten wir noch 18 Meilen bis zum Ziel und wir sahen uns schon vor Anker stehen. Aber mit Rückenwind, Flutstrom, einem Squall, Henry der dazu schnurrte und das rufende Steak waren wir 17:25 Uhr an der Marina und tatsächlich meinte der nette Herr am Funk "Come quickly, Come quickly".

In der Bucht vor Marin liegen hunderte Boote vor Anker, die Insel ist sehr grün mit Mangroven bewachsen. Als wir Richtung Marina fuhren und sich die Wassermassen von oben entleert hatten, kamen wir auch schon an einem kleinen weißen Standstrand vorbei gefahren, am Strand standen Liegen, dahinter Palmen und davor lag ein gelber Katamaran - grinsend standen wir da, zwar pitschnass von dem Squall der uns auf Martinique empfangen hatte, aber das Karibikfeeling war definitiv entzündet. 17:30 Uhr war Moya dann fest am Steg, der Motor war aus und plötzlich bewegte sich gar nichts mehr. Joshua meinte "warum schaukelt es nicht mehr?" - sehr ungewohnt. Noch ungewohnter waren die vielen Lämpchen an Land - die haben ganz schön geblendet nach 19 Tagen auf dem Wasser mit keinem Licht um uns herum.

Um 18 Uhr wird es hier schon dunkel und bis wir von Bord kamen war es schon dunkel. Trotzdem gab es noch kein Abendessen, hier merkt man den französischen Einfluss schon sehr. Wir sind also noch ein bißchen durch den Ort gelaufen und haben Baguette fürs Frühstück gekauft und schließlich gab es dann doch noch lecker Abendessen. Leider hatte die Bedienung mich um mein Steak gebracht. Das stand zwar auf der Karte, war aber nur am Wochenende zu haben. Zumindest bis die nette Dame am Nachbartisch das schöne Ribeye auf ihrem Teller hatte - hmpf! Naja, kommt schon noch und es war auch so lecker! Heute war dann Großreinemachen angesagt. Wir haben alle Betten raus geräumt, die Sofapolster haben eine Wäsche bekommen, alles wurde gesaugt und gewischt und die Wäsche gewaschen. Danach ging es direkt zum Einkaufen unser Kühlschrank war leer, genauso wie die Obst und Gemüsenetze und schließlich wollte unser Spi noch repariert werden, das beim Segel setzen von den Maststufen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwischen dem ganzen Chaos haben wir Gabi an Bord gegrüßt, die die nächsten Tage mit uns Segeln wird. Wir freuen uns, dass sie da ist und wir mit ihr Martinique erkunden dürfen.

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.
09.12.2017:
Kommentar from Martin
Hallo ihr tapferen Segler, bin der Schwiegervater von Sarah aus Tübingen und habe eure Reise mit Spannung verfolgt, gratuliere euch unbekannterweise ganz herzlich zur gelungenen Ankunft....wir haben Schnee auf der schwäbischen Alb.... lg martin
09.12.2017:
Kommentar from Judith Michaela Markus Robert Simon Carina Lukas Theresa Anne Oli und Marcus
Hallo Ihr Kolumbusse, wir vermissen Euch beim Weihnachtsessen. Sind sehr sehr stolz auf Euch. Lasst es Euch weiter gutgehen. Viele liebe Grüße von den Landratten
13.12.2017:
Kommentar from Moya Crew
Oh wie schön, dass ihr eine so schöne Vorweihnachtszeit mit Schnee habt. Weihnachtsgefühle kommen hier noch nicht so richtig auf. Wir denken an Euch!
07.12.2017 - Atlantik 14´17'N, 60°08'W

Altlantiküberquerung Tag 19: Geduldsprobe

Oh Mann! Was soll denn das jetzt? Warum muss der Wind ausgerechnet am Tag vor unserer geplanten Ankunft in Martinique schwächeln? Wir hatten ja auf unserer gesamten Passage nie viel Wind, wenn man die Squalls mal außen vor läßt hatten wir immer unter 20 Knoten Wind und haben immer alle Tücher rausgehängt um das letzte Lüftchen noch ein zu sammeln. Wenn der Wind wenigstens so weiter geblasen hätte wie die letzten Tage, wären wir kurz nach Sonnenaufgang am 7 Dezember in Martinique gewesen. Aber nein, der Wind wollte nicht mehr - zumindest bei uns- wenn man auf die Wettervorhersage schaut soll es eigentlich auf dem Westatlantik wehen, nur eben nicht da wo wir gerade sind. Moya schaukelt in den Wellen, die natürlich weiterhin da sind und von allen Seiten schwappen, von rechts nach links. Die Segel schlagen, im gesamten Schiff scheppert, knarzt, klappert und ruckelt es. Für die Segel und das Rigg ist das ein regelrechter Alptraum, da bei jeder Welle, der Wind wieder neu in die Segel bläst und sie mit lauten Rums nach außen drückt, oft schlägt dabei noch der Spibau von oben nach unten. Das nervt! Aber es nervt erst richtig, wenn man darüber nachdenkt, dass aus dem Anlegen bei den ersten Sonnenstrahlen, ein wahrscheinlich Anlegen im Dunkeln wird und das schöne Rindersteak das vor dem inneren Auge winkt immer blasser wird. Naja, wir werden es heute noch schaffen, es sind nur noch 55 Meilen bis zur Marina. Geduld!

Zu diesem Eintrag gibt es 6 Kommentare.
07.12.2017:
Kommentar from Flo
Für ein Steak würde ich auf jeden Fall den Motor starten!
07.12.2017:
Kommentar from DanM
Ich habe gerade gesehen, dass Ihr im Hafen von Le Marin/Martinique eingetroffen seid. Glückwunsch zur Atlantiküberquerung und lasst Euch das Steak gut schmecken!
07.12.2017:
Kommentar from Maxi und Lars
wir gratulieren auch! auf ein schwankendes Ankommen an Land!!! Toll, Ihr seid Helden!
08.12.2017:
Kommentar from AMS und Robert
Herzlichen Glückwunsch, einfach klasse - eine grandiose Leistung. Einen "Planteur" auf den Käpitan und die Crew. Beste Grüße aus S. PS Christian: War vor vielen Jahren in der Ecke (1987: Les trois Illets).
08.12.2017:
Kommentar from Dieter Korte
Herzlichen Glückwunsch an Crew und Boot! Freue mich, dass alles so gut gelaufen ist. Guten Appetit bei karibischer Kost und alles Gute weiterhin! Mit herzlichen Grüßen aus dem kalten Europa und viel Vergnügen bei der so anderen karibischen Weihnachtszeit, die ich ja einmal selbst erlebt habe. Dieter
13.12.2017:
Kommentar from Moya Crew
Vielen Dank für all die Glückwünsche! Wir sind ganz gerührt wie viele Menschen mit uns mitgefiebert haben. 1001 Dankeschöns für den tollen Support aus der Ferne!
05.12.2017 - Atlantik 14´49'N, 57°05'W

Atlantik Tag 17 - uns ist immer noch nicht langweilig

Heute war jedenfalls keiner dieser Tage die einfach so dahin plätschern, an welchen die Zeit verrinnt und man gar nicht so richtig weiß was man mit sich anfangen soll. Solche gibt es auf See definitiv auch- aber nicht heute:

4.12. / 12:00 Uhr: Christian knetet Teig, wir müssen noch einmal Backen vor dem Landfall. Die Kinder und ich starten die Weihnachtsbäckerei und machen einen Mürbeteig

4.12. / 13:00 Uhr: Wassermelonenalarm, die Kinder sind kaum zu halten

4.12. / 13:28 Uhr: Christian Handy bimmelt, Christian schnappt sich den Sextant zur Bestimmung der Mittagsbreite

4.12. / 13:40 Uhr: Ich gehe auf das Achterdeck und wasche Windeln mit unserer Windelwaschmaschine: Windel ins Netz, über Bord gehen lassen, hinter Moya her ziehen, danach eine Frischwasserspülung

4.12. / 14:00 Uhr: Ich lese Pixibücher mit den Jungs

4.12. / 14:15 Uhr: Wir hören "Was passiert im Krankenhaus". Joni zieht Schnürchen durch den Salon und baut Lager. Joshi ärgert ihn und funkt nebenbei. Am Horizont voraus zieht eine dunkle Regenwolke auf, wir beraten ob wir die Segel verkleinern, entscheiden uns aber erstmal dagegen

4.12. / 14:30 Uhr: Krrsch, Diiiiee, Krrsch - Christian schaltet die Funke an. Das Hörbuch geht unter Protest aus für die Intermar Abendrund (in D). Erstmal gibt es Wetter dann ruft Enrico in die Runde CQ. "Delta - Golf- Fünf- November- Foxtrott- Papa- Strich- Mike- Mike" antwortet Christian. "Hallo Christian kannst Du mich hören?" "Hallo Enrico, ja Du kommst mit 5 und 5 hier an, unsere Position ist 14?50'N; 54?30'W; Kurs 280 Grad mit 5.5 Knoten" "Wolf von der ARC ist noch über 1000 Meilen hinter Euch, aber gestern sind die ersten Kats in St. Lucia angekommen" "Wow, die sind auf den Kanaren einen Tag nach uns gestartet und schon da, bei uns sind es noch 370 Meilen" "Weiterhin gute Reise"

4.12. / 14:45 Uhr: Das Hörbuch geht weiter. Ich hole den Teig aus dem Kühlschrank und balanciere ihn in den Salon. Dort sitzen Joni und Joshi am Tisch und sind schon ganz aufgeregt, dass sie jetzt ausstechen dürfen. Anstatt eines Nudelholz verwenden wir ein Glas zum ausrollen. Der Teig rutscht mit der Unterlage immer wieder von einer Seite auf die andere Seite des Tische, wo er von der Tischumrandung vor dem Absturz bewahrt wird. 2 Bleche mit Herzchen, Sternchen, Stiefel und Tannenbäumen schaffen wir und das erste Plätzchen wir noch warm in den Mund gesteckt. Die werden es nicht bis zum Landfall schaffen.

4.12. / 15:30 Uhr: Das Brot darf nun in die Röhre, wir versuchen uns das Chaos einzuschränken

4.12. / 15:50 Uhr: Jetzt ist auch der Himmel hinter uns schwarz. Wir entscheiden uns ins Reff1 zu gehen. Christian zieht seine Schwimmweste an und geht an den Mast um die Reffleinen zu bedienen. Ich bleibe im Cockpit für die Steuerung und ziehe die Genua rein. Die ersten Tröpfchen fallen schon bevor Christian wieder im Cockpit ist. Wir rennen um die Fenster zu schließen - es wird sofort heiß.

4.12. / 16:15 Uhr: Die schwarzen Wolken sind durch, eigentlich hätten wir nicht reffen müssen. Wir setzen die Genua.

4.12. / 16:25 Uhr: Wir analysieren wie gut wir voran gekommen sind. 131 Meilen, aber leider nicht auf direkten Weg wegen der Gewitter und tragen alles auf unserem Planner im Salon ein

4.12. / 16:35 Uhr: Joni zerstört unsere Gardinenstange, Christian repariert

4.12. / 16:50 Uhr: Die Kinder holen die Malbücher raus. Christian startet den Motor. Wir segeln zwar noch, aber haben keinen Strom mehr, da der Himmel bedeckt war und es zu wenig Wind gab für unseren Windgenerator.

4.12. / 16:51 Uhr: Motor aus! Ich schaue Christian fragend an. "Es kommt kein Wasser aus dem Auspuff, die Kühlung funktioniert also nicht." Er verschwindet erstmal im Maschinenraum und geht auf Fehlersuche. Die Kinder sind im Salon uns mischen munter mit als Christian dann unseren Vorfilter für das Kühlwasser auseinander baut. Wo Wasser sein sollte war Luft, nur wo kam die bloß her? Wir checken alle Möglichkeiten und kommen zum Schluss, dass sie sich mit der Zeit angesammelt haben muss.

4.12. / 17:35 Uhr: Der Motor läuft wieder. Ich fange an Abendessen zu machen.

4.12. / 18:00 Uhr: Wir essen zu Abend, es gibt Kartoffelbrei mit Omlette

4.12. / 18:30 Uhr: Windel Waschen

4.12. / 18:45 Uhr: Ich kontrolliere die Lebensmittel. Joshi und Joni spielen Fireman Sam - Joshi ist Sam, Joni Elvis

4.12. / 19:15 Uhr: Zähne putzen, Schlafi an danach gibts noch den kleinen Drachen Kokosnuss als gute Nachtgeschichte. Der Motor ist jetzt wieder aus.

4.12. / 20:00 Uhr: Christian startet mit seiner ersten Nachtwache. Ich bleibe noch ein paar Minuten im Salon und lege mich dann hin

4.12. / 22:00 Uhr: Intermar Nachtrunde. Christian hört Gunter aus Costa Rica, er ihn aber nicht.

5.12. / 0:00 Uhr: Wir verkleinern die Genua. Ich starte meine erste Nachtwache heute um eine Stunde verspätet.

5.12. / 3:00 Uhr: Christian übernimmt wieder, Moya läuft mit 6 Knoten, es ist ruhig

5.12. / 6:00 Uhr: Die Kinder sind wach und stürmen den Salon. Ich komme ein paar Minuten später nach. Eine Segelyacht taucht Backbord zu uns am Horizont auf und kommt näher. Wir sind zum ersten Mal schneller als die. Wir sind so aufgeregt, dass wir alle zusammen erstmal frühstücken und Christian sich nicht wie sonst immer sofort aufs Ohr legt

5.12. / 7:30 Uhr: Wir sind jetzt ganz nahe dran und sehn sogar die gelbe Badehose des Skippers. Die blaue Yacht dreht in den Wind um ihr Groß aus zu reffen. Wir setzten unser Großsegel voll vor dem Wind, danach legt sich Christian hin.

5.12. / 7:45 Uhr: Wir räumen den Tisch ab. Die Jungs fangen an Lego Duplo zu spielen. Ab und zu kommt einer der beiden mit dicken Backen aus der Küche, die Weihnachtsplätzchen werden weniger.

5.12. / 8:00 Uhr: Windel Waschen.

5.12. / 8.15 Uhr: Wir hören "Alles über Piraten" und spielen nebenbei LottiKarotti

5.12. / 9:50 Uhr: Ich höre das Segel schlagen. Seltsam, es hängt ganz lose nach unten. Um zu schauen was los ist, ziehe ich die Schwimmweste an, klettere aufs Vordeck. Der Baumniederholer des Spibaums hängt in der Ankerhalterung. Ich löse sie, aber das Segel hängt immer noch. Ich wecke Christian.

5.12. / 10:00 Uhr: Es dauert ein bißchen bis wir den Grund für das flatternde Segel gefunden haben. Der Spibaum hatte sich eingefahren, obwohl wir eigentlich dachten, dass der Teleskopmechanismus nicht mehr funktionierte. Wir versuchten den Baum wieder auszufahren konnten ihn aber nicht richtig feststellen, wir versuchten es trotzdem die Genua wieder zu setzten nur um 2 Minuten später wieder mit eingefahrenen Baum dazu stehen.

5.12. / 12:00 Uhr: Unser Ersatz-Spibaum wollte auch nicht halten, er ist eher für Leichtwindsegel gedacht. Die blaue Segelyacht hat inzwischen wieder zu uns aufgeschlossen.

Die Reparatur ging noch fast den gesamten Nachmittag weiter, irgendwann hatten wir verstanden, dass die Voreigner den Spibaum festgenietet hatten. Wir konnten erfolgreich die abgebrochen Nieten entfernen und hatten sogar neue an Bord um den Baum wieder festzustellen - wenn da nur unsere Nietenzange nicht auf halben Weg den Geist aufgegeben hätte wäre das auch ganz schnell gegangen. Die Genua steht mittlerweile wieder und wir sind froh, dass nicht jeder Tag so viel Action mit sich bringt.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
06.12.2017:
Kommentar from Lars
Es ist so toll Eure Reiseberichte zu verfolgen! Und Plätzchen am frühen morgen ist definitiv Urlaub pur - genauso soll es sein! Freue mich für Euch, dass ihr es bald geschafft habt. Möge der Wind mit Euch sein!
04.12.2017 - Atlantik 14´49'N, 54°18'W

Gewitter im Morgengrauen

Ein gleißend helles Licht blitze vor meinen Augen auf und holte mich aus dem Schlaf. Ich ging in den Salon, um zu schauen was los war. 6 Uhr, es war noch stockdunkel und ohnehin Zeit für meine zweite Nachtschicht. In Jonathans´s Koje regte sich auch schon etwas und Joshua rief von hinten "Mama, ich bin wach". Die Nacht war zu Ende.

Auf Moya´s Backbordseite war der Himmel noch dunkler und wieder zuckte ein Blitz in der Ferne durch die großen, dunklen Wolken, die sich bis zum Wasser zogen, so dass der Horizont nicht erkennbar war. Der Donner folgte einige Zeit später als relativ leises dumpfes Grollen. Christian war gerade dabei die Fenster zu schließen und ohne jegliche Verzögerung wurde es drücken heiß im Boot und ein feuchter Film legte sich auf die Haut. Noch regnete es nicht aber der düstere Himmel verhieß nichts Gutes.

Um gewappnet zu sein rollten wir die Genua auf, das Groß war schon im zweiten Reff - wie fast immer in der Nacht. Wir räumten unsere portablen elektronischen Geräte in den Backofen, zwar sollten die Geräte auch so durch den faraday´schen Käfig unseres Stahlrumpfs geschützt sein, aber man weiß ja nie. Ein Gewitter auf See ist nicht ohne, da die Masten der Yachten den weit und breit am höchsten in den Himmel hinauf ragen und so idealer Ansatzpunkt sind für Blitzkanäle. Als Joshua in den Salon wankte fragte er direkt "Haben wir einen Blitzableiter?" - zum Glück haben wir das schon ohne einen dedizierten Ableiter installiert zu haben durch unseren Stahlrumpf. Die meisten Yachties müssen sich hier vorab mehr Sorgen machen, denn bei einer GFK Yacht ohne Blitzableiter findet der Blitz nicht mehr ohne weiteres aus dem Boot hinaus, setzt alle elektronischen Geräte außer Gefecht und hinterläßt eventuell sogar ein Loch im Bootsrumpf. Trotzdem ist es auch für uns ist es schlecht vom Blitz getroffen zu werden, in der Mastspitze sitzt unser AIS, VHF Funkantenne und ist der Ansatzpunkt für die Kurzwellenantenne, die wahrscheinlich nicht überleben würden. Auf dem Radarschirm sahen wir, dass das Gewitterzentrum noch 6 Meilen entfernt war und setzten Moya auf nördlichen Kurs um auszuweichen. Danach konnten wir nur noch warten, Christian legte sich in die Koje und die Kinder aßen eine Kleinigkeit.

Langsam wurde es heller und bei Tagesanbruch lockerte der Himmel auf. Wir waren an der Gewitterzelle vorbei geschrammt. Ein paar Stunden zuvor machte es Blong, dann klatsch, klatsch, klatsch als Christian im Niedergang stand um seinen Rundumblick zu machen. Er konnte es kaum glauben, bei uns im Salon lag ein 30 cm großer fliegender Fisch auf dem Boden und zappelte was das Zeug hielt. Fast wäre er bei uns auf dem Herd gelandet, den der einzige Weg für ihn ins Boot zu kommen war durch die offen stehende Küchenluke. Tagsüber ist es immer wieder interessant zu zu sehen, wie elegant die Fisch über die Wellen fliegen und vorallem wie weit - mehrere hundert Meter sind da locker auch bei den Kleineren drin. Aber den schönsten Fisch, den wir bei uns bisher an Bord hatten war eindeutig der MahiMahi, den wir am Vorabend gefangen hatten. Er hatte einen dunkelblaue Rückenflosse, die er aufstellen konnte und über den ganzen blaugrünen Rücken verlief. Der Rest des Fisches war goldgelb gesprenkelt mit blauen Punkten und er glänzte. Die Flosse hinten war zweigeteilt und lief auf beiden Seiten spitz zu. Mahis sind in der offenen See zu Hause, schwimmen alleine oder in Paaren und sind schnelle, starke Jäger. Sie können bis zu 80 Pfund schwer werden, unserer war aber mit 3 kg ein kleineres Exemplar, hat aber auch so die ganze Familie satt gemacht und absolut fantastisch geschmeckt.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
11.12.2017:
Kommentar from Marcus
Nachbrenner: ich finde die Meilensteintrendanalyse hervorragend nerdig. 5 von 5 Projektmanagement-Sterne dafür. :-)))
02.12.2017 - Atlantik 13´41'N, 49°58'W

Essen auf See

Joni macht gerade -heute schon zum dritten Mal und es ist erst 9 Uhr- sein Tierpuzzle. Joshua sitzt neben mir und hilft beim Tippen. Christian steht gerade auf. Die Kinder haben schon ein Müsli gegessen damit sie durchhalten bis zu unserem gemeinsamen Frühstück. Die beiden stehen auf See immer im Morgengrauen auf, egal ob das heißt morgens um 5 oder um 8 Uhr aufzustehen. Es wird frisch gebackenes Vollkornbrot geben - wir haben schon seit den Kanaren angefangen selbst Brot zu backen. Die Brotversorgung an Bord ist also besser als auf den Kap Verden, wo es selbst bei den Bäckern nur wirklich grauenvolles Brot zu kaufen gibt, das schon bei Einkauf alt schmeckt. Vor zwei Tagen ist mir aufgefallen, dass der Grossteil unserer Hefe doch Backpulver ist, deshalb müssen wir ein bißchen Hefe sparen, aber bis Martinique wird es wohl reichen. Zu Mittag gibt es an Bord meist nur eine Kleinigkeit - Milchreis, Pudding, Suppe, Kuchen oder Obst. Richtig gegessen wird erst am frühen Abend bevor die Sonne untergeht und wir Moya für die Nacht klar machen.

Ich fand es ausserordentlich schwierig abzuschätzen, was wir in 2-3 Wochen auf See so essen werden und bin überrascht wie gut die Proviantierung dieses Mal geklappt hat. Eigentlich zählen hier nur die frischen Lebensmittel, weil wir für alles das lange haltbar ist einfach so lange Einkäufe in Moyas´ Bilge verstaut haben bis wir die Klappen nur noch unter Druck zu bekommen haben. Wenn man jetzt in die Schapps schaut, sieht man eigentlich gar nicht, dass wir schon etwas davon verbraucht haben - gut so, denn in der Karibik wird ´s teuer. Am Tag bevor wir die Leinen in Mindelo los geschmissen haben, war Großeinkauf auf dem Markt angesagt, wir kauften:

Obst: 5.5 kg Äpfel, 3.5 kg Orangen, 5 kg Bananen, 1 kg Zitronen, 1 kg Birnen, 1 Ananas, 1 Wassermelone und 1 Kokosnuss

Gemüse: 5 kg Kartoffeln, 3.5 kg Zwiebeln, 5 Knollen Knobi, 1 großen und 1 kleinen Kürbis, 6 Paprika, 2 grüne Salat, 5 Gurken, 3.5 kg Tomaten, 5 Zucchini, 1 Stange Lauch, 2 große Krautköpfe. Avocado hatten wir leider vergessen und Karotten absichtlich nicht gekauft, da diese aus mir unerfindlichen Gründen innerhalb kürzester Zeit an Bord anfangen zu faulen und schimmeln.

Fleisch, Käse und Eier: 700g Rinderhack, 700g Schweinefleisch, 1 gegrilltes Hähnchen, 50 Eier, 500g Schinken, 700g Gouda außerdem hatten wir noch von den Kanaren vakkumverpackten Käse, Butter, Streichkäse, Speck und Schinken.

Nur das Fleisch, Käse, Wurst und der grüne Salat hatten Platz im Kühlschrank, der Rest wanderte in 2 große Gemüsenetze und in die Bilge. Bisher mussten wir nur 2 Orangen über Bord gehen lassen und ich konnte jeden Tag ohne Probleme ein gesundes Abendessen kochen. Nach 2 Wochen auf dem Wasser haben wir wenig überraschend kein frisches Fleisch, Wurst und Käse mehr. Ich hoffe, dass wir bald wieder Angeln können - seit 7 Tagen ist das Wasser voll von Seegras, so dass unsere Angel fast die ganze Zeit an Bord ist und gestern abend hat noch ein ganz großer Brocken einfach unseren Köder mitgenommen, das Stahlvorfach war noch dran. Der Großteil von Obst und Gemüse wurde schon aufgefuttert, das letzte Viertel reicht aber hoffentlich für die letzten Tage. 1520 Meilen sind geschafft, es sind "nur" noch 650 nm, wenn der Wind so bleibt sind wir in 5 Tagen da!

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
03.12.2017:
Kommentar from Ingeborg Tames
W4QNW...amateur radio code meines mannes..Sherwin sein name...ihr beide habt euch heute kurz via radio funk unterhalten...sherwin in den USA in South Carolina konnte die verbindung zu euch herstellen..Welch eine super und abenteuerliche fahrt ihr gerade mit euren kindern erlebt. Viel glueck und eine gefahrfreie reise. Schreibt ein buch darueber...Ich werde es Mir begeisterung lesen.. Alles gute fuer euch.. Wir werden weiter eure logbucheintragungen verfolgen Ingeborg und Sherwin
30.11.2017 - Atlantik 13´27'N, 45°19'W

Altlantiküberquerung Tag 12: Rauschefahrt Richtung Karibik

Als wir in Mindelo unsere Passage gestartet haben, haben wir unsere Bordzeit auf UTC - 2 Stunden gestellt. Die Sonne ist deshalb bereits um kurz nach 17 Uhr untergegangen, aber dafür war es um 5 Uhr morgens auch schon wieder hell. Inzwischen beginnt die Morgendämmerung um 7:30 Uhr, wir sind der Sonne hinterher gefahren und merken so, dass wir wirklich schon 1200 nautische Meilen von den Kap Verden entfernt sind. Ansonsten sieht der Atlantik ziemlich genauso aus wie an Tag 1 unsere Überfahrt nur der Himmel ist inzwischen bewölkt.

Wer aufgepasst hat merkt, dass jetzt schon über die Hälfte der Strecke hinter uns liegt - gerade jetzt sind es noch 920 Meilen nach Martinique, wo wir in der Marina Le Marin anlegen werden. Wir freuen uns jetzt schon auf des erste Landessen und überlegen schon was wir im Restaurant bestellen werden, bei mir ist gerade ein Rindersteak mit frischem Salat ganz hoch im Kurs, Christian möchte Burger und die Kinder Chicken Wings. Gestern ist zum ersten Mal ein Segler an uns vorbei gekommen, morgens sahen wir das Segel am Horizont und dachten kurz nach ob unser AIS ausgefallen war, da wir kein Siganl detektierten (das erste Mal). Seltsam war auch, dass wir nachts die Navigationslichter nicht gesehen haben. Vielleicht musste er Strom sparen und hat zur Sicherheit mal AIS und Navigation aus. Schade, wenn Leute das machen, sicherer ist es wenn jeder jeden sehen kann.

Wir haben gestern außerdem einen Rekord aufgestellt indem wir an einem Tag 139 nm zurückgelegt haben, morgens um sechs Uhr hatten wir schon die Strecke zurückgelegt die wir einige Tage zuvor erst nachmittags um 15 Uhr am Ende unseres nautischen Tages geschafft hatten. So macht Segeln noch mehr Spass. Es geht übrigens momentan nicht allen so gut wie uns hier auf dem Atlantik. Wir hatten ein längeres Gespräch mit dem Amateurfunk Seglernetzwerk Intermar in Deutschland. Über Kurzwelle haben wir erfahren, dass die Boote der Atlantic Rallye for Cruisers die am 19 November in Gran Canaria gestartet waren immer noch in dem großen Flautengebiet festhingen. Offensichtlich ist dieses Jahr der Passatwind noch nicht so richtig etabliert, die Bedingungen sind sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Laut Statistik ist das Risiko einen Tag in der Flaute zu verbringen auf der Ostseite 4% auf der Westseite des Atlantiks 2%. Unsere Entscheidung Richtung Süden auszuweichen hat uns ein Grossteil der Flaute erspart, so dass wir wenigstens mit Schwachwind segeln konnten. Jetzt freuen wir uns, dass wir optimalen Segelwind mit 15 Knoten von Nordost bis Ost haben.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
28.11.2017 - Atlantik 12´59'N, 40°53'W

Weit weg...

... sogar am weitesten weg von nächsten Land, nämlich 1600 km oder 864 nm, war Moya gestern um 19:36 Uhr. Dabei haben wir noch eine paar Meilen bis wir Bergfest feiern können und auf den halben Weg bis in die Karibik anstoßen können. Das nächste Land ist also keineswegs Barbados, St. Lucia oder eine andere karibische Insel sondern das Capo Orange in Brasilien auf der Westseite des Atlantiks und Santo Antao auf den Kap Verden auf der Ostseite des Atlantiks. Wir haben schonmal fürs Bergfest geübt und direkt mal angestoßen, dass wir Land wieder etwas näher kommen.

Einige Stunden zuvor meinte Christian "Oh da hinten sieht es nach Regen aus". Ich fand das eine Untertreibung schlecht hin, der Himmel südlich von Moya war schwarz verfärbt, die Wolken dunkel am Horizont nicht mehr vom Ozean zu unterscheiden. "Hoffentlich zieht das nicht zu uns, das sieht ziemlich ungemütlich aus" meinte ich und hielt meinen Blick nach Süden gewandt. Christian schaute inzwischen auf unserer Radargerät, ob wir Echos von den Regengüssen empfingen. Tatsächlich sah er nicht nur südlich sondern auch westlich und weiter weg auch östlich Signale auf dem Schirm. Die Wolken am Himmel veränderten sich rassant, Regengebiete verschmolzen und lösten sich wieder von einander. Es sah zwar so aus als ob wir an ihnen vorbeifahren würden, aber zur Sicherheit verkleinerten wir doch lieber Moya´s Besegelung und ich holte unsere Angelleine rein. Ich war gerade auf dem Weg zurück ins Cockpit als plötzlich eine Böe in die Segel ging. Moya beschleunigte innerhalb kürzester Zeit auf 9 Knoten, kränkte sich auf die Backbordseite und wurde von den schnell höher werdenden Wellen herumgeschubst. Ich schaute in den Himmel hinter uns, wie aus dem Nichts standen da plötzlich schwarze Wolken, der Wind hatte gedreht - da war er also unsere erster Squall. Wir hatten vorab schon gelesen, dass sichs Squalls sehr schnell entwickeln, dennoch waren wir überrascht über die Geschwindigkeit der Ereignisse.

Joshi und Joni legten sich auf die Bank im Salon und beobachten wie ich draußen pitschpatsch nass wurde und hörten Hörbuch - Ihnen fiel zwar auf, dass mehr Aktion angesagt war als sonst, das störte sie aber nicht weiter. Nach einer Stunde ließ der Wind nach bis schließlich fast Flaute herrschte, aber das Meer brauchte noch Stunden um sich wieder zu beruhigen. Es schwappten Wellen von Norden, Süden und Osten. Erst am Abend hatte sich der Nordost Passat wieder stabilisiert und drückte Moya wieder nach Westen. Damit uns nicht langweilig wird, erlebten wir dann nachts unseren zweiten und dritten Squall. Momentan sind unsere Luken eigentlich immer offen, so dass innerhalb von Sekunden in Moya´s Bauch alles unter Wasser stand und ich eine nächtlich Putzaktion startete. Ab jetzt werden uns die Squalls Richtung Karibik begleiten, da die Wassersättigung der Luft Richtung Westen immer weiter steigt und das Wasser halt irgendwann auch wieder runter muss.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
27.11.2017 - Atlantik 12´43'N, 38°35'W

Das Rauschen ist zurück

Gestern Abend saßen wir im Cockpit, die Sonne war bereits untergegangen und Joni war schon im Bett. Joshua durfte ausnahmsweise noch ein bißchen wach bleiben, da das Thermometer noch fast 30° Grad anzeigte. Wir schauten gemeinsam in den Sternenhimmel, beobachteten vorbei fliegende Satelliten und überlegte ob es wohl die ISS gewesen sein könnte, die Joshua so gerne sehen würde. Christian fand schnell heraus, dass die International space station momentan auf der anderen Seite der Erde kreiste, deutete aber in den Himmel und zeigte auf einen hell leuchteten Stern " Das ist Capella, einer der hellsten Sterne die man von der Erde sehen kann. Schaut mal durch das Fernglas." Amüsiert nahm ich unsere Fernglas in der Annahme nicht wirklich etwas anderes zu sehen. Überraschend sah ich einen in allen Farben funkelten Stern, der sich durch die Bewegung des Bootes bewegte wie ein Flummyball. Ich hatte noch nie einen Stern so stark funkeln gesehen und fragte direkt "Was ist den mit dem los? Geht dem bald die Puste aus?" Nein, Capella, bleibt uns wohl auch weiterhin erhalten, hier so nahe am Äquator flimmert die Luft einfach viel stärker und die Sterne funkeln deshalb mehr. Danach haben wir einen Ausflug in die Pleiaden gemacht, diese Sternengeburtsstätte sieht man in Deutschland eigentlich nur von Sternwarten aus. Das sah einfach toll aus. Joshua kommentierte "Ganze viel Sterne auf einem Haufen".

Heute morgen dann im Morgengrauen saß ich wieder im Cockpit und beobachtete den immer heller werdenden Himmel im Osten. Irgendwas etwas war anders als die letzten Tage, ich brauchte kurz bis es mir klar wurde. Das Rauschen des Atlantiks war zurück. Moya fährt jetzt wieder mit 5 Knoten durchs Wasser und die Wellen rauschen an ihr vorbei. Am Himmel steht das erste Mal Passatbewölkung. Ich freute mich, dass wir das Flautengebiet hinter uns gelassen. haben und schaute ganz fasziniert nach Osten, wo sicher der Himmel langsam rötlich verfärbte und genoss den spektakulären Sonnenaufgang - meine Lieblingszeit des Tages, bei der alles an Bord noch so schön friedlich ist.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
28.11.2017:
Kommentar from Herzliche Grüße aus N195
Hallo Familie Coqui, wir sind beeindruckt von eurem Trip. Gruß vom AMS
25.11.2017 - Atlantik 13´11'N, 35°43'W

Schiff in Sicht nach einer Woche auf dem Wasser

Der Atlantik ist so groß, dass wir heute Nacht das erste Mal seit wir gestartet sind ein Schiff gesehen haben, erst am AIS und dann auch wirklich. Für eine Stunde war es unser Begleiter beim Überholmanöver und ein bißchen Abwechslung auf der Nachtwache. Die Segel sind wieder gesetzt also haben wir Vorfahrt, trotzdem schauten wir genau hin was der Große da macht. Die Nachtwachen laufen mittlerweile routiniert und meist ist die Übergabe mit nur einem Satz beendet "Kurs und Wind wie gehabt, sonst nichts zu sehn". Nach der letzten Nacht bei der Christian und ich den Großteil der Nacht an Deck herumgeturnt sind, sind wir aber müder als sonst.

Wir quälen uns langsam aber stetig aus dem Flautengebiet heraus und haben mittlerweile wieder 8 Knoten achterlichen Wind. Moya gleitet über die lange aber beträchtliche Atlantikdünnung von Norden, den das Tiefdruckgebiet uns geschickt hat. Nach einer Woche ist unser Fahrt fast schon normal geworden, meine anfängliche Übelkeit ist schon seit einigen Tagen weg, alles trottet vor sich hin nur ein bißchen langsamer wie sonst. Christians Terminkaldender hier ist sogar voller als zu hause, im halb Stunden Takt klingelt sein Handywecker: Intermar Morgenrunde, Mittagsbreite bestimmten, 2x Mittagslänge bestimmen, Wetter ziehen. Intermar Abendrunde, dazwischen an den Segeln arbeiten, mit den Kindern spielen und essen. Es gibt also immer was zu tun. Heute zeigte unsere Reisezeitschätzung zum erstmal wieder noch 16 Tage bis zum Ziel an, den gleichen Wert den das Navigationsprogramm bei gleichbleibender Reisegeschwindigkeit an Tag 1 berechnet hatte nur dass nun eben schon eine Woche vorbei ist - ein bißchen frustrieren ist das schon, aber trotzdem ärgern wir uns nicht wirklich gestern stand da noch 28 Tage! Nach einer Woche haben wir ungefähr 700 nm zurückgelegt, noch 1500 hoffentlich schnellere Meilen bis nach Martinique.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
24.11.2017 - Atlantik 13´40'N, 34°08'W

Atlantikcrossing Tag 6: Von Flauten und Segeln

Am Spätnachmittag gestern ist dem Wind völlig die Puste ausgegangen, der Windanzeiger drehte sich im Kreis, Moya schwamm wie in einer Badewanne, nicht mal die Segel haben mehr geflattert sondern sind nur noch schlaff nach unten gehangen. Nur noch sehr wenig lange Atlantikdünnung von sehr weit entfernten Windsystemen sorgten ab und an für ein wenig Bewegung. Das Rauschen des Atlantiks wurde abgelöst von gelegentlichem Gluggern und Stille. Moya stand - zumindestens fast.

"Essen wir erst mal was und schauen dann nochmal nach dem Wind, bisher gab es bei Sonnenuntergang immer wenigstens ein bißchen Wind" sagte ich und fing an in der Küche zu werkeln. Es gab Nudeln mit weißer Soße - das Lieblingsesssen von Joshi und Joni - dazu Salat, eine Flasche Mineralwasser und für jeden eine Kugel Ferrero Roche um die Spirits zu heben. Joni kriegte einen Freudenausbruch, strahlte über beide Backen und rief "Yeah, Blubberwasser! Blubberwasser!" Mineralwasser ist mittlerweile etwas ganz Besonders geworden und bei den Kindern auf einer Ebene mit Limonade angesiedelt, da wir sonst an Bord nur selbst gemachtes Wasser trinken.

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand und die Wolken rötlich anstrahlte gab es leider immer noch kein Lüftchen und wir holten mit dem letzten Tageslicht unser Leichtwindsegel ein. Ein bißchen zögerlich startete Christian Henry. Es kam ihm nicht so ganz richtig an unseren Diesel zu verblasen, wo er doch wusste, dass unser Tank nicht bis zur anderen Seite des Wassers reichen wird, die nächsten 2 Tage noch seeehr wenig Wind vorhergesagt ist und außerdem ist dann unsere schöne Segelstatisik hin. Bisher waren wir ungefähr 90% der Reise unter Segeln unterwegs. Wir starteten den Motor trotzdem, um mit unserem Diesel nach ein bißchen Wind zu suchen, anstatt hier einfach rum zu stehen und so unsere Reise zu verlängern. Tatsächlich heute nacht um 3 Uhr war es dann so weit - ein Lüftchen 7 Knoten Wind von hinten. Also setzten wir unseren Blister und sammelten ein was da war - allerdings hat es fast nicht gereicht, das Segel schwankte bei jeder Welle hin und her und nur eine Stunde später hatte sich das Segel so um unsere Genua gewickelt, dass wir das Leichtwindsegel weder bergen noch entwursteln konnten. Christian weckte mich und da standen wir erstmal mit 2 Fragezeichen im Gesicht. Ziehen half nichts, also versuchten wir die Genua ein bißchen abzurollen mit der Hoffnung dass der Blister sich mitlöst - ohne Erfolg. Christian dachte schon an abenteuerliche Mastaktionen, bei denen er sich am Vorstag abseilen wollte, dann hatte er aber doch noch die brilliante Idee den Motor zu starten und mit Moya Kreise zu drehen. Damit gelang es uns schließlich das Segel zu lösen, es wanderte dann direkt in den Segelsack - für heute nacht hatten wir genug Leichtwindabenteuer gehabt.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
24.11.2017:
Kommentar from Adolf
Hallo Sabrina u. Christian , quäle mich etwas , weil ich keine Ratschläge erteilen will, schreibe aber mal einfach: Wir haben bei achterlichen Winden grundsätzlich Genua und Blister bei weggenommenem Großsegel ausgebaumt gefahren , weil vor allen Dingen der Blister besser offengehalten und bei einfallendem Achterliek auch in Grenzen passend getrimmt werden konnte.Ob man die Genua auch ausbaumt , hängt mit Rücksicht auf schnelles Segelbergen von der jeweiligen Situation ab. Allerdings braucht man auf dem Vordeck Bewegungsfreiheit , was bei dem dort gelagerten Schlauchboot nicht ganz so einfach sein dürfte. Ich wünsche euch Geduld und Gelassenheit.Zum zu erwartenden Zeitablauf eine kurze Information: Lily liegt am Ende des ARC-Feldes mit mit einem ETA von z.Zt. 8. Dezember, Tendenz täglich steigend.
22.11.2017 - Atlantik 14´35'N, 31°27'W

Atlantikwind wo bist Du?

Moya rollt von einer Seite auf die andere, wird von den sanften Wellen des Atlantiks einfach hin und her gedrückt, das Wasser plätschert, ab und zu rauscht es ein wenig wenn eine kleine Welle an die Seite prallt, die Schoten quietschen in den Blöcken und die Segel schlagen. Die Kinder spielen momentan im Salon, singen und machen Musik. Christian und ich beratschlagen wie wir aus dem schon seit Tagen anhaltenden lauen Lüftchen das Beste rausholen können. Wenn die Bootsgeschwindigkeit unter 3 Knoten sinkt und kein Winddrcuk mehr in den Segeln ist, schaukeln uns selbst kleine Wellen ziemlich durch und die Schiffsbewegungen werden unvorhersehbar.

In der Hoffnung auf ein kleines bißchen mehr Wind haben wir eben die aktuelle Wettervorhersage gezogen und voller Erwartung angeschaut. Enttäuscht klappe ich das ipad zu - auch die nächsten Tage werden wohl windtechnisch lau aussehen, bis zum Wochenende maximal 10 Knoten. Das Azorenhoch hat sich auf Grund einiger aktiven Tiefs im Nordatlantik stark nach Westen und Süden verschoben und reicht fast bis zu den Kap Verden. Durch das festsitzende Hochdrucksystem haben wir hier fast keinen Wind, nur durch das Ausweichen Richtung Süden sind wir der absoluten Flaute bisher entgangen - aber wir sind nicht sicher ob das die nächsten Tage auch ausreichend sein wird. Wir haben schon mehrfach an die Atlantic Ralley for Cruisers gedacht, deren Hauptteil (über 200 Boote) der Boote vor Kurzem auf den Kanaren gestartet sind und fühlen mit - die müssen einmal komplett durch das große Flautengebiet.

Gestern haben wir ein Übersichtsdiagramm unserer Atlantiküberquerung erstellt - mehrere aneinander geklebte Papierbögen reichen quer durch den Deckssalon - auf der einen Seite steht da Mindelo auf der anderen eine Flagge mit Martinique. Hier tragen wir unseren täglichen Fortschritt der Reise ein und malen Bildchen mit besonderen Vorkommnissen wie heute die Schule Delphine die uns besucht haben, so dass auch die Kinder wissen wo wir sind und wie weit es noch ist. Drückt uns mal die Daumen, dass sich unsere Reisegeschwindigkeit bald etwas erhöht, sonst bleiben 3 Wochen für die Passage eher eine Wunschvorstellung. Momentan segelt Moya ca 400 nm westlich der Kap Verden in südwestlicher Richtung, noch 1750 Meilen bis zum Ziel.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
20.11.2017 - Atlantik 15´31'N, 28°21'W

Zeit...

...zu schlafen, sich in die Sonne sitzen und einfach auf die Wellen hinaus schauen, zu lesen, zu spielen, die Mittagsbreite zu bestimmen, kreativ zu sein - wir haben Zeit alles das zu machen für das wir uns normalerweise zu wenig Zeit nehmen. Momentan sind es hier um die 30 Grad Celsius mit nur sehr wenig Wind. Das Gute daran ist, dass wir uns an Bord normal bewegen können und es sich stellenweise fast so anfühlt als lägen wir vor Anker, der große Nachteil an wenig Wind ist, dass unsere Reisezeit sich verlängert. Momentan genießen wir Urlaub auf See ohne Ablenkung durch Internet, Freizeitstress, Bootinstandhaltung sondern wir sind einfach nur wir 4 auf See und leben.

Joshua folgte heute einem kreativen Impuls und fängt an zu malen, wenig später kam er zu Christian "Schau mal was ich geschrieben habe, ist das ein Wort?" Er buchstabiert: "FOOTOEF" Christian liest nochmal vor - Joshua lacht und meint "Cool, fast wäre es Foto geworden". Joni stellt wie immer das Schiff auf den Kopf und ein Ding nach dem anderen an, einmal nicht hingeschaut schon ist das Fernglas auseinander gebaut, Seile sind um unsere Sicherungsschalter geknotet oder man hört ihn singen. Christian hat sich heute leidenschaftlich mit seinem Sextanten beschäftigt und Tabellen für die Mittagsbreite des nächsten Monats berechnet. Falls dann doch wieder jeder Wahrscheinlichkeit das GPS ausfallen sollte sind wir nicht verloren, mein Mann bringt uns sicher in die Zivilisation zurück - wobei man vielleicht ohne GPS auf dem Atlantik eigentlich besser aufgehoben wäre als im Chaos der Restwelt.

Ich habe heute meinen ersten Fisch an Land gezogen und war stolz wie Oskar, dass ich Futter für alle herangeschafft hatte. Aber leider weiss ich nicht mal was es für ein Fisch war. Als er noch im Wasser schwamm und ab uns zu an die Meeresoberfläche aufblitzte dachte ich es sei eine Goldmakrele, als er dann an Bord lag verschwand langsam die wunderschön goldene Farbe dieses herrlichen Tieres und ich schaute nochmal ins Bestimmungsbuch - vielleicht war es doch ein Amberjack? Auch die nächsten Tage wird es bei wenig Wind bleiben, so sind wir nun nicht mehr auf direkter Route Richtung Karibik unterwegs, sondern weiter südlich um der komplett Flaute zu entkommen - mal schaun ob unser Plan aufgeht.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
21.11.2017:
Kommentar from Maxi
Wir wünschen Euch dass alles weitestgehend rund läuft, Joni die Moya nicht zerlegt und Joshi weiter so gute Laune hat! Viel Spaß und guten Wind! Wir sind gerade in Südafrika und hier stürmt es gewaltig - vielleicht ist der Wind in ein paar Tagen bei Euch :-) Maxi, Lars und Benno
19.11.2017 - Atlantik 16°22'N, 26°48'W

Diletantenstart Richtung Karibik

Gestern 16:00 Uhr waren wir endlich soweit, Moya war seefertig, die ToDo Liste war abgearbeitet und wir konnten die Kinder davon überzeugen sich von ihren Freunden zu verabschieden - wir wollten den zweiten Teil unserer Atlantiküberquerung starten. Wir waren so fertig wie wir hätten sein können, dennoch hatte ich gemischte Gefühle - 2 bis 3 Wochen ohne Land ist nun doch noch einmal eine andere Nummer als 6,5 Tage auf See. Einigen möchen sagen ist doch das gleiche nur länger - finde ich auch, wenn da nur mal die Wettervorhersage nicht wäre. Bin mal gespannt was die Wettervorhersage nach 1 Woche noch mit der Realität zu tun hat.

Wir sind also tatsächlich losgefahren und segeln inzwischen ungefähr 100 nautische Meilen westlich von den Kap Verden Richtung Sonnenuntergang. Allerdings hatten wir gestern so unsere Anfangsschwierigkeiten: Wir hatten fast keinen Wind beim Ablegen, so dass wir entschieden unser Leichtwindsegel zu setzten. Also haben wir das Segel aus der Hundekoje gekrammt, an Deck geschleppt, Schot, Fall und Halsstrecker dran und danach das Segel gehisst. Theoretisch muss man jetzt nur noch den Bergeschlauch nach oben ziehen, vorallem da das Segel lehrbuchmässig in Lee des Großsegels gesetzt war, praktisch hat sich nach dem entfernen des Bergeschlauchs unser Blister aber einfach um die Genua gewickelt und hat dabei ziemlich viel Lärm gemacht als der Wind an ihm gerissen hat. Lange macht so ein Segel das nicht mit, deshalb haben wir das Segel so schnell wie möglich vom Vorstag gelöst den Bergeschlau drübergeschoben. Christian hat dann nochmal alles kontolliert bevor es an den zweiten Versuch ging mit dem Resultat der klassischen Eieruhr (das Segel ist oben und unten mit Wind gefüllt und dazwischen einmal um sich selbst gedreht) - Ohje! Bergeschlauch wieder drüber und da unser Windmesser inzwischen 20 Knoten ansagte, haben wir das Segel dann wieder eingepackt. Nächster Versuch Genua ausgebaumt und Gross zusammen setzten: wir fanden die Idee gut der Wind war zu achterlich um beide Segel einfach so auf Backbord zu fahren aber noch nicht achterlich genug für Schmetterlings- oder Passatbesegelung. Lesson learned fürs nächste Mal: nicht unter Windpilot ausbaumen, der konnte den Kurs mit veränderten Segeln nicht mehr halten. Danach waren war die Sonne weg und wir beschlossen, den nächsten Versuch auf nach Sonnenaufgang zu verschieben, Nach einer fast windlosen Nacht starten wir heute morgen den nächsten Bilsterversuch, den wir dann wegen zu viel Wind abbrachen. Mit dem Satz "Joshua, pass auf dass Mama und Papa nicht unser Blister (war im Segelsack) crashen" haben wir dann die Genua gesetzt und seither läuft´s. Das war mal echt ne schwere Geburt!

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
19.11.2017:
Kommentar from Manuela und Felix
Hallo ihr vier, wir verfolgen schon fast seit Beginn gespannt eure Berichte! Wahnsinn, wie weit ihr es schon geschafft habt und dass ihr nun den großen Sprung über den Atlantik wagt! Wir drücken euch die Daumen, dass es genauso gut klappt wie der erste Teil! Viele liebe grüße aus der Torstrasse! Manu, Felix, Sophia und Luisa
20.11.2017:
Kommentar from JaJapami
Moya ahoi! Diese verflixten Spinnaker! Seid froh, dass nichts gerissen ist (wie bei uns... ;) Wir folgen am Donnerstag! LG Jana von JaJapami
30.10.2017 - Atlantik 20°11'N, 22°54'W

Leben unter Atlantiksegeln

Der Nordost hat wieder eingesetzt, unser Henry kann also aus bleiben solange uns der Strom nicht ausgeht. Der wenige Wind gepaart mit dem bedeckten Himmel die letzten Tage hat an unseren Energiereserven gezerrt. Heute ist zwar der Himmel fast frei, da wir aber momentan Richtung Süden fahren liegen heute unsere Soloarpanels fast den ganzen Tag im Schatten. Stromsparen ist also angesagt. Moya wird von unserem Windy gesteuert, das braucht nicht nur keinen Strom sondern hat auch den Vorteil, dass der nicht nur nach dem Wind lenkt, sondern auch die ca. 2 Meter Wellen optimal ausfährt. Moya fährt deshalb relativ stabil, auch wenn wir etwas durchgeschüttelt werden.

Sonst ist hier eigentlich nicht viel los, wir machen so weiter wie die letzten Tage außer dass mittlerweile das Brot ausgegangen ist. Gestern habe ich das erste Bordbrot gebacken, was trotz Gasbackofen eigentlich ganz gut geklappt hat. Essen ist ohnehin so eine Sache. Hier auf dem Wasser schmeckt alles so unglaublich gut. Ich kenne eigentlich nur eine vergleichbare Situation nämlich wenn man seine mitgebrachte Jause oben auf der Bergspitze auspackt, dann gibt es auch nichts besseres als der Schwarzwälder Schicken und das Stück Brot, da können bei mir selbst Sterneköche nicht mithalten. Weil es so gut schmeckt verdrückt meine Mannschaft auch ganz schön was. Eine 500g Packung Nudeln reicht gerade ebenso, 4 normale Portionen Kartoffelbrei mit einer riesigen Schüssel Salat und einer großen Pfanne Boef Stroganoff haben dagegen nicht gereicht und ich musste nochmal improvisieren. Das Bananabread das ich vorgestern gebacken habe ist nicht mal kalt geworden. Die Kinder aßen die eine Hälfte des Kuches, Christian die andere. Für die zweite Atlantikhäfte muss ich die Kombüsse noch mehr aufstocken, sonst gibt es am Ende noch eine Meuterei.

Die Jungs sind gut gelaunt, werden aber langsam etwas anstrengend, wir müssen noch kreativere Ideen entwickeln wo die Beiden ihre überschüssige Energie loswerden können. Durchs Schiff, auf Mama und Papa klettern und mit voller Lautstärke Spielen ist nicht immer entspannend. Christian meinte dazu "Eigentlich braucht man sich um die Sicherheit der Kinder keine Sorgen machen, sondern mehr darum ob auch wir wieder ankommen." Gerade haben wir eine Flaschenpost abgeschickt, mal schaun ob sie jemand findet. Noch 199 Meilen - wir sind fast da!

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
29.10.2017 - Atlantik 21°53'N, 21°53'W

Christians´ Dilemma oder aus Nord mach West

Gerade eben sind wir über den selben Längen wie Breitengrad gefahren und unsere Positionskoordinaten nördlicher Breite und westlicher Länge sind identisch. Inzwischen ist es hier tagsüber konstant über 30° Grad warm und ich kann gar nicht glauben, dass wir immer noch 21° vom Äquator entfernt sind. Gestern Abend haben wir noch Bergfest gefeiert das heißt die Hauptarbeit ist getan. Jetzt sind es nur noch 310 Seemeilen bis zum Ziel. Allerdings waren die letzten beiden Tage zäh, der Wind war konstant unter 10 Knoten direkt von achtern, so dass unser Etmal (Tagesetappe) nur knapp über 100 Meilen lag. Wir sammelten mit wechselnder Besegelung jedes Lüftchen ein um voran zu kommen und sind ganz stolz, dass wir trotz beinah Flaute bisher fast (mit Ausnahme der Windabdeckung El Hierro und La Palma) die gesamte Strecke gesegelt sind. Teilweise war das ganz schön Arbeit, Blister hoch, Genua ausbaumen, Groß runter, Genua rein, Groß wieder rauf, Genau steuerbord dann backbord ausbaumen, Schmetterling mit Genua und Großsegel, nur die Fock die haben wir bisher noch nicht gesetzt.

Das Gute am Rumprobieren ist, dass wir immer ein bisschen mehr dazu lernen, heute zum Beispiel das Großsegel vor dem Wind zu setzten, welchen Einfluss die einzelnen Segel auf unsere Bootsgeschwindigkeit haben und wie stabil Moya dabei in den Wogen liegt. Gleichzeitig kämpft Christian schon den ganzen Tag mit der Frage: Wann stellen wir denn eigentlich die Bordzeit um?. "Normalerweise gewinnt man ja eine Stunde Schlaf bei der Umstellung von Sommer auf Winterzeit, aber das bedeutet dann dass einer von uns eine längere Wache fahren muss." Für mich kein Problem, dann stellen wir halt tagsüber um, aber Chrisitan schaute mich bei der Antwort nur wie entsetzt an und meinte: "Dann hat man ja gar nichts gewonnen!" Ja, der Schönheitsschlaf ist unterwegs definitiv etwas gestückelt, mittlerweile ist es schon so weit, dass wir beide 5 Minuten vor Anfang unserer Wache von selbst aufwachen.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
28.10.2017 - Atlantik 23°44'N, 20°56'W

Wir bekommen Seebeine

Lustig wie Joni durchs Schiff wankt, breitbeinig wie ein echter Seemann. Er hat inzwischen gelernt immer eine Hand für das Schiff übrig zu haben auch wenn es ihm manchmal schwerfällt, will er doch so gerne mehr Legos von einer Ecke in die nächste schleppen. Die beiden Jungs bewegen sich inzwischen fast so als läge Moya vor Anker. Sie turnen durchs Schiff, spielen Brettspiele, Lego, MiniLük, malen und basteln, hören Hörbucher, aber am meisten spielen sie Rollenspiele - gerade im Moment: Giftbeseitigung mit einem Feuerwehrschiff. Der Niedergang ist das Feuerwehrschiff Rafi, eine Decke das Schlauchboot Moby und Seilchen werden als Gift ausgelegt. Natürlich müssen immer die Funkgeräte (eine Packung Taschentücher) dabei sein.

Während die beiden spielen haben Christian und ich das erste Mal Passatbesegelung gesetzt, der Wind - eigentlich das laue Lüftchen (5 Knoten) - kommt von achtern und Moya hat Mühe Strecke zu machen. Aber immerhin kommen wir jetzt mit ausgebaumter Genua und Blister mit 3 Knoten in die richtige Richtung voran. Der Himmel ist heute bedeckt, die See sehr ruhig, zum Glück den Christian war seit dem letzten Logbucheintrag gestern schon drei Mal oben im Mast. Gestern Nachmittag hat sich unsere Kurzwellenfunkantenne von der Mastspitze verabschiedet und der lange Draht hing ins Meer. Keine Chance damit noch Logbucheinträge zu funken und viel wichtiger: Wetter zu bekommen. Ich fühlte mich bei der Mastaktion nicht wohl, mitten auf dem Meer hunderte Meilen von der nächsten Küste entfernt, vor allem als Christian kurz vor Sonnenuntergang noch einmal hoch klettern musste. Christian hatte da weniger Bedenken und jetzt funktioniert unsere Funke wieder und wir bekommen Wetter und ihr Einträge - yeah. Das dritte Mal im Mast war dann heute mit dem Setzen der Passatbesegelung. Das Großsegel musste runter und das Großfall wickelte sich unschön um unsere Salinglampe. Die Kinder fanden die Aktion toll und schauten angeleint vom Cockpit aus zu wie ich Christian sicherte. Als alles dann geschafft war meinte Joshua: "Wow, sieht das cool aus" - Es ist schon beeindruckend die volle Genua vor uns zu sehen und daneben den bunten Blister, die Moya zusammen Richtung Süden schieben.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
29.10.2017:
Kommentar from Marcus und Judith
Hallo Ihr Lieben, wir stellen uns vor wie Ihr und die Moya über den Atlantik rauschen & freuen uns wahnsinnig für Euch! Habe mal bei windy gelinst: sieht so aus, als ob 15 Knoten von hinten bis zum Wochenende bleiben werden... war das nicht Weißweinkurs? Wir wünschen Euch Gute Fahrt und drücken Euch ganz feste. Marcus & Judith
27.10.2017 - Atlantik 25°23'N, 19°57'W

Dritter Tag auf dem Atlantik...

... und Moya rennt. Es geht ordentlich vorwärts mit durchschnittlich 6 Knoten. Der Atlantik spielt bisher hervorragend mit, es gibt eine leichte Windsee aus Ost und seeehr lange Atlantikdünnung aus Nordwest, beides aber sehr moderat. Von der angesagten Flaute ist momentan noch nichts zu spüren, wir haben idealen Segelwind mit 14 Knoten von der Seite. Joshua sitzt momentan neben mir im Cockpit und meinte eben "Ist das nicht herrlich hier im Wind?" Ja finde ich auch, deshalb kommt der Eintrag heute auch von außen. Seit wir abgelegt haben von La Palma haben wir noch kein einziges Schiff gesehen. Auf dem AIS zwar einige, aber auf unserem Betrachtungshorizont gibt es weit und breit kein Schiff und das schon seit 230 Meilen. Vorhin haben wir kurzer Hand unsere Pläne geändert, wir wollen jetzt anstatt Sao Vincente doch lieber Sal als erste Insel der Kap Verden anlaufen, weil es dort einen schönen Sandstrand geben soll und wir es dann mit dem vorherrschenden Nordost leichter haben, die anderen Kap Verdischen Inseln zu besuchen. Noch 540 Meilen sind es jetzt bis zum Landfall.

Gestern Abend bekamen wir Besuch von einer Schule Delphine die neben Moya herschwamm, ich war überrascht wie groß die waren. Auch Joshua und Jonathan fanden das total klasse. Joni hätte die Delphine am liebsten geangelt, und schaute noch eine halbe Stunde später durch das Fernglas auf der Suche nach ihnen. Joshua beobachtete die Tiere sehr genau und meinte dann ganz trocken: "Das war aber ein tolles Erlebnis". Gerade als sich alle wieder beruhigt hatten kam ein Vogel (keine Ahnung was das war, sah aus wie ein kleiner Adler) angeflogen und setzte sich erst auf die Mastspitze und dann auf unser Windex. Christian schaute ganz erboßt und stachelte die Kinder an, der würde nur auf Moya kacken. Die drei überlegten dann wie sie ihn am besten vertreiben könnten, es fing beim Nebelhorn an und reichte doch tatsächlich bis zu unserer Signalpistole, was ich zum Glück noch zu verhindern wußte. Gerade kommt eine Möwe um die Ecke die Angriffe auf unseren Angelköder fliegt, das gefällt mir gar nicht, ich möchte doch so gerne unseren ersten Fisch fangen und Sushi zum Abendessen - man, jetzt knurrt mir der Magen.

Zu diesem Eintrag gibt es noch keine Kommentare.
26.10.2017 - Atlantik

Leinen Los: Atlantiküberquerung Teil 1

Gestern hat mal wieder alles länger gedauert als erwartet. Die Idee war Moya seefertig zu machen und dann möglichst bald die Leinen los zu werfen. In Wirklichkeit wurden die wenigen Sachen die wir unbedingt noch vor Abfahrt erledigen müssen immer mehr. Die Badeleiter und die 2te Farbschicht sollte noch dran, das zweite Vorstag wollten wir gerne für die lange Überfahrt anbringen, die Jungs mussten noch zum Spielplatz und wir alle unter die Dusche und natürlich mussten wir den Hafen noch bezahlen.

Um 15:45 Uhr war es dann so weit, Christian schaltete den Motor an, ich zog die Leinen an Bord und wir legten ab - alles ganz so wie immer, wir hätten auch nur 5 Meilen um die nächste Ecke fahren können. Wir blickten auf La Palma zurück, da lag die Schöne unter wolkenlosem Himmel und machte uns den Abschied ein bißchen schwer: "Tschüß La Plama, Tschüß Europa, Tschüß Land". "Für 6 oder 7 Tagen werden wir jetzt auf See sein und kein Land sehen" sagte ich zu den Kindern. Trotz angesagtem Leichtwind konnten wir bereits direkt in der Hafenausfahrt die Segel setzten und Kurs Richtung Süden nehmen. Kurioserweise kam der Wind aber aus Westen anstatt aus Osten. In der Windabdeckung von La Palma bilden sich wohl Windverwirbelungen, die den Ostwind den wir später noch trafen, einmal um 180 Grad drehen.

Die Kinder fingen an im Salon aus unseren Sitzkissen Höhlen zu bauen und bereits nach einer Stunde Fahrt hatten die Jungs schon 2 Orangen, 1 Mandarine und 1 Pflaume verdrückt. Am Abend kochte ich dann einen Gemüse-Maronen-Eintopf und musste leider vorher noch unsere komplette Gemüsebox ausräumen. Die Paprika die ich im Supermarkt gekühlt gekauft hatte, hatte es bei uns in der Bilge nicht gefallen. Ich zog die leere Paprikahaut heraus, der Saft lief überall herum. Christian lachte: "Nach 2 Stunden auf See müssen wir schon unser Gemüse entsorgen". Inzwischen haben wir die erste ruhige Nacht und die ersten 90 Meilen hinter uns gelassen und ich konnte bei Sonnenaufgang gerade noch einen letzten Blick auf El Hierro werfen. Moya rauscht bei 15 Knoten Wind aus Südost durch den Atlantik und macht sehr angenehme Fahrt. Wir drücken die Daumen, dass es so bleibt.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
26.10.2017:
Kommentar from Adolf
....das tue ich auch , vor allen Dingen damit die Kinder sich in ihrem Bewegungsdrang nicht zu sehr einschränken müssen. Bei dieser Gelegenheit auch ein riiiieeeesiges Kompliment an Sabrina für ihre immer lesenswerte und stilistisch tolle Logbuchführung , die auch viel atmosphärisches vermittelt ; fast als wäre man selbst dabei. "Mast-und Schotbruch" , Adolf