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Palaia Epidhavros, Peleponnes, Griechenland
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17.07.2019
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vom
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Logbucheinträge im Juni 2019

30.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Gnadenfrist

Alles dicht

Schweißperlen standen unserem sonst so gelassenem Capitano auf der Stirn, als der blaue Kran Moya wieder ins Wasser setzte. Sobald der Kiel unserer Lady im Wasser war, kletterte Christian an Bord und stürzte in den Schiffsbauch. Er wollte sehen, ob Wasser ins Schiff gelangt. Die letzten Tage hatte er sowohl ein neues Seeventil für den Wassermacher als auch ein neues Wellenlager und neue Dichtringe für die Wellenbuchse eingebaut. Die Bilgefächer standen noch offen, um einen Wassereinbruch möglichst gleich zu sehen. Aber die Sorge war unbegründet, der Capitano hatte unter Sigis fachkundiger Anleitung prima Arbeit geleistet. Alles war dicht und auch die Welle drehte sich ohne Probleme, als wir die Maschine noch in den Kranschlingen testeten. Nach einer Woche auf dem Trockenen war Moya nun wieder im Wasser. Selbst für die Crew war das ein tolles Gefühl.

Bald ist Schluss

Mehr als Crew sind wir inzwischen tatsächlich nicht mehr. Unsere geliebte Lady hat einen neuen Besitzer bekommen. Noch fühlt es sich surreal an, dass wir unser zu Hause bald in andere Hände geben werden. Einige Wochen dürfen wir aber noch an Bord genießen und Moya nach Kroatien segeln, bevor dann das große Heulen kommt. Nach 5 Tagen gemeinsamer Zeit, vielen Fragen und Erkundung von jeder Ecke und jedem Schaltkreis an Bord können wir uns wenigstens sicher sein, dass sich ihre neuen Eigner mindestens so gut um unsere Lady kümmern werden, wie wir das getan haben. Das war uns wichtig, denn jedem würden wir Moya nicht anvertrauen. Trotzdem wird es verdammt schwer werden, das Leben als Landratten wieder aufzunehmen. Ganz ohne die Weite, das Meer, das sanfte, manchmal auch kräftige Schaukeln, die viele Zeit mit den Kleinen an der frischen Luft und den anderen Seglern - ich will noch gar nicht daran denken! Fürs Erste werde ich das noch Verdrängen, später ist noch Zeit genug, Moya zu vermissen. Nach den Wochen in denen wir an Bord gewerkelt haben, freue ich mich statt dessen total wieder in See zu stechen und eines der schönsten Reviere der Welt zu bereisen. Die Ägäis wartet.

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03.07.2019:
Kommentar from Adolf
Ja....ja...: Eine sinnvolle Kopfentscheidung ist die eine Seite von zweien. Das danach folgende loslassen müssen ist die zweite , wesentlich schmerzlichere Seite. Davon kann ich selbst jetzt noch ein Lied singen. Ich wünsche Euch eine glückliche Weiterreise und noch schöne Tage an Bord .
26.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Tage in der Werft

Nereus ist das Beste was man von einer Werft erwarten kann. Sie liegt direkt neben der Altstadt von Rhodos und nur einige wenige Schritte entfernt von Handwerkern, Werkzeug- und Marine Läden. Im Gegensatz zu anderen Werften, darf man am Schiff selbst arbeiten, wenn man will, ansonsten gibt es auch Arbeiter die das erledigen. Bäcker und Supermarkt sind in Laufentfernung. Allerdings ist es total irritierend wie viel Geschleppe es ist Wasser zum Schiff zu bringen und noch schlimmer wieviel Müll allein die Wasserflaschen produzieren. Jeden zweiten Tag zwei Sixpacks 1.5 Liter Wasserflaschen zum Boot zu tragen ist neu für uns. Normalerweise kommt unser Trinkwasser direkt aus dem Wassermacher. Auch jetzt kaufen wir das Wasser nur deshalb, weil wir vor dem Kranen vergessen haben Wasser zu machen. Abgesehen vom Geschleppe sind wir auf dem Trockenen happy. Es gibt Duschen und Toiletten auf dem Werftgelände und sogar einen kleinen Strand 50 Meter von Moya entfernt- perfekt für die Jungs zum Spielen, Plantschen und Räubern. Für Beide ist die Werft ohnehin ein großer Abenteuer Spielplatz. Es gibt einfach so viel zu entdecken und auszuprobieren: der Kran, die Arbeiten an den Booten, Handwerker mit ihren Werkzeugen, Stöcke und Holzblöcke zum Bauen und Wasser und Kies um Suppe zu kochen. Dementsprechend sehen die Kids auch jeden Abend aus: schwarze Füße und Hände und Hosen und T-Shirts die vor Staub schon ganz starr sind. Wenn ich nur eine Waschmaschine an Bord hätte...

Eigentlich wollten wir morgen wieder im Wasser sein, nun wird es wohl einen Tag später werden. Das Unterwasserschiff ist zwar fertig, aber unser Propeller hatte knapp 2mm Spiel, so dass wir nun besser das Wellenlager tauschen. Um das Lager zu tauschen, muss der Propeller ab und die Welle gezogen werden. Beides hatten wir bisher noch nicht gemacht und dementsprechend viele Fragezeichen hatten wir im Gesicht. Muss die Welle nach innen oder nach außen? Wo fangen wir an? Welche Schrauben müssen gelockert werden? .... Die Handwerker waren total ausgebucht, wir hatten keine Chance den Job zeitnah extern zu vergeben. Nikos versprach aber zu helfen, falls wir hängen bleiben. Seit langem zogen wir mal wieder unseren Telefon Joker und riefen erst Dieter und Adolf, die Voreigner von Moya, und anschließend Sigi, der sich immer um die Maschine gekümmert hatte, an. Mit der telefonischen Unterstützung und der in Aussicht gestellten Notfall Hilfe vor Ort, wagte sich Christian daran die Welle auszubauen. In unzähligen Telefonaten erklärte Sigi Christian Schritt für Schritt was er zu tun hatte. Der Mann hat ein unglaubliches Gedächtnis! Selbst welche Größe der Imbusschlüssel wir benötigen, konnte er Christian noch aus der Erinnerung sagen. Das war eine unschätzbare Hilfe, ohne die wir den Ausbau wohl nicht geschafft hätten. Großen Dank Sigi, Dieter und Adolf! Jetzt liegt der Propeller unter dem Schiff, die Welle im Schiff und das Lager in zwei Teile gesägt neben Moya. Per Expresslieferung soll morgen das neue Lager kommen. Wo die Welle schon draußen ist, tauschen wir dann auch die Simmeringe der Wellendichtung gleich. Sie liegen schon auf dem Navi Tisch. Ich hoffe nur, dass wir das Puzzle dann auch wieder zusammengesetzt kriegen. Aber bei so viel Unterstützung aus der Ferne sollte das doch klappen.

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29.06.2019:
Kommentar from Joe Curtain Wall
Tolles Logbuch/ toller Blog Gratulation Lg Joe Curtain Wall
23.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Auf dem Trockenen in der Nereus Werft

Endlich wieder Wasser

Bevor unsere Lady aus dem Wasser musste, machten wir noch einen kleinen Törn an der Nordspitze von Rhodos. Robert und Moritz waren dieses Mal als Crew dabei und packten ordentlich mit an. Da konnte ich mich zurück lehnen und einfach nur genießen. Nach fast drei Wochen in der Marina, war es toll mal wieder draußen am Wasser zu sein. Die Bedingungen waren perfekt. 20 Knoten Wind aus Nordwest. In der Abdeckung der Insel gab es kaum Schwell und wir machten 6 Knoten hart am Wind. Später kreuzten wir noch ein Stückchen auf bevor es zurück ging. Der Wind wehte uns um die Nasen, die Sonne schien, der Himmel war blau. Es war großartig. Nur die Jungs verschliefen den Törn zu großen Teilen. Joshua lag im Salon, Joni im Cockpit und schnarchten. Erst als Moya wieder fest vertäut am Steg lag wachten sie auf. Sie waren wohl das Segeln nicht mehr gewöhnt. Wie schnell sich Kinder doch anpassen! Nur drei Wochen am Steg hatten gereicht, dass unsere kleinen Seemänner die sonst bei den rauesten Bedingungen durchs Schiff turnten, von Moya in den Schlaf geschaukelt wurden. Welch Luxus!

Kranen

In der Nereus Werft gibt es nur einen relativ kleinen Travellift. Er krant 75 Tonnen, ist dabei ca. 10 Meter lang und hat eine lichte Höhe von 7 Metern. Das Gewicht ist natürlich kein Problem, aber bei der Höhe waren wir skeptisch. Wir waren schon vor einigen Tagen bei Elias in der Werft gewesen, um uns den Kran vorab anzuschauen. Mit dem Querträger des Krans und unserem in den Mast laufenden Vorstag, war vorwärts kranen ausgeschlossen. Aber mit 7 Meter Clearance war selbst rückwärts kranen kein Selbstläufer. Achtern befinden sich ja unser Gerätetäger mit Radar, Solarzellen und Windgenerator. Wir wollten besser auf Nummer sicher gehen, demontierten die Solarzellen und bereiteten den längeren Backbord Träger mit dem Windgenerator vor, gelegt zu werden. Dann tuckerten wir hinüber zu Werft. An der schmalen Kranstelle standen schon acht Mann und warteten die Leinen entgegen zu nehmen. Ich war, wie jedes Mal wenn Moya aus dem kühlen Nass gehoben wird, total aufgeregt und heilfroh, dass wir so viel Hilfe hatten, denn es wehte ordentlich und das Wasser schwappte. Der Capitano machte seine Sache hervorragend und parkte auf Anhieb ein - fest waren wir. Der Kran kam auch schon daher gerollt und siehe da, es passte doch. Der Träger konnte bleiben wo er war. Die Gurte wurden dann hinten zwischen Skeg und Kiel und vorne zwischen Kiel und Echolotgeber gefädelt, schnell nochmal im Wasser mit Taucherbrille geprüft, ob alles richtig sitzt, und schups, schwebte unsere Lady über dem Wasser.

Knapp 20 000 Seemeilen waren wir gesegelt seit wir das letzte Mal auf dem Trockenen waren und hatten Schlimmes befürchtet. Aber das Antifouling arbeitete noch. An manchen Stellen war es zwar schon abgefahren, aber große Teile des Unterwasserschiff waren noch schön schwarz, fast ohne Bewuchs. Im Roten Meer hatten wir das letzte Mal die Seepocken entfernt und den grünen Flaum, der im warmen Wasser so schnell wächst. Das Mittelmeer scheint sehr viel Eigner freundlicher zu sein - eine positive Überraschung.

Durchleuchtet

Gestern wurde dann jeder Winkel unseres Schiffes genauestens inspiziert. Herr Walsh war mit der Übernachtfähre aus Athen gekommen und wollte Moya auf Herz und Nieren überprüfen. Als erstes packte er sein Ultraschallmessgerät aus seinem Koffer aus und fing an mit hunderten Messpunkten Moya’s Rumpf systematisch zu inspizieren. Neben jeden Messpunkt schrieb er mit Kreide die Stahldicke in Millimeter. Am Ende war der Rumpf übersäht mit weißen 4.8 und 4.9, nur am Ruder war der Stahl dünner, dort hatte die Werft offensichtlich nur 4mm Stahl verwendet. Dann wurde Moya abgeklopft, 2 Runden mit dem Hammer. Herr Walsh hörte gespannt und war ganz überrascht als er an keiner Stelle Rieselgeräusche hörte. Dass der Rumpf tiptop in Ordnung ist sagte er aber erst nachdem er von Innen in alle Bilgenfächer geschaut hatte. Weiter ging es dann an Deck mit der Gasanlage, den Winschen, dem Ankerkasten, den Navigationsinstrumenten und Lichtern, alles wurde überprüft und fotografiert. Nach dem Öffnen der Staufächer, arbeitete er sich zu den Tanks, den Fenstern, der Ruder- und Wellenanlage vor, bevor der Experte schließlich im Maschinenraum landete und Heizung, Maschine, Toilettenanlage, Bilgenpumpen unter die Lupe nahm. Am Stevenrohr angekommen meinte er dann “It’s almost too clean. Steal yachts usually are showing corrosion here. This one is not.” Je länger es sich im Schiff aufhielt, desto mehr taute er auf. Am Ende der Untersuchung lächelte der Mann, der mein freundliches "Hallo" morgens komplett ignoriert hatte, sogar und witzelte mit uns. Ihm hatte gefallen was er gesehen hatte, da änderten auch unsere nicht gewarteten Schwimmwesten und Rettungsinsel nicht viel. Es war ein gutes Gefühl, wir hatten Moya immer so gut wir konnten instandgehalten, aber sicher sein konnten wir nicht, ob wir alles richtig gemacht hatten.

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24.06.2019:
Kommentar from AMS
Wir freuen uns, dass ihr wieder in der Nähe seid. Alles Gute aus der Neckarstrasse
19.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Fix und Fertig...

... sind wir. Den Großteil unserer Instandhaltungsaktivitäten haben wir geschafft. Moya ist geschrubbt und gebohnert worden. Schalter sind getauscht worden, Schrankverschlüsse ersetzt, natürlich auch wieder einige kosmetischen Roststellen entfernt und noch 63 andere Projekte und Projektchen. Zwar gibt es immer noch einige Punkte auf unserer Liste, aber irgendwann muss Schluss sein oder zumindest Pause - bis Freitag. Dann wird gekrant werden. Moya’s Unterwasserschiff will dringend einen neuen Anstrich. Bis dahin können sich meine Arme erstmal erholen, die sind momentan echt müde und haben überhaupt keine Lust mehr auf schleifen, putzen und polieren.

Heute Morgen war auch Costas Markopouliotis da, um sich unsere Schramme anzuschauen. Pantaenius, unser Versicherer, hat den Sachverständigen aus Athen zu uns geschickt, um unser Maleur zu bewerten. Wir sind wirklich froh, dass der nette Bootsbauer nur über unseren Kratzer gelacht hat. “Das ist nichts” waren seine Worte. Gleichzeitig war er total begeistert von den Holzarbeiten in unserem Vorschiff und war sehr zurückhaltend als wir ihm den Vorschlag der hiesigen Handwerker weiter gaben. Nämlich einen Teil dieser Innenverkleidung abzubauen, um dann eine neue Edelstahl Scheuerleiste anschweißen zu können. Schweißer, Maler und Schreiner müssten dafür nacheinander teilweise mehrfach an Bord kommen. Was gar nicht so einfach sein wird, so beschäftigt wie die alle sind. Aber das störte Costas weniger, ihm ging es viel mehr darum mit den Arbeiten nicht die Inneneinrichtung zu zerstören. Er riet uns deshalb diese rein kosmetische Reparatur nur von außen vornehmen zu lassen und empfahl uns hierfür eine Werft in der Nähe von Athen. Mal schauen was wir machen werden. Ehrlich gesagt, habe ich schon eine Präferenz.

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16.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Rhodos - bewegte und ruhige Ecken

Die Großeltern haben uns inzwischen verlassen und sind wieder nach Deutschland zurück gejettet. Aber nicht ohne vorher einen gemeinsamen Ausflug mit dem Mietauto über die Insel zu unternehmen. Während Rhodos Stadt sehr touristisch ist, findet man außerhalb sogar Eckchen, die von den Touris weitgehend verschont werden. Die Landschaft ist hügelig, durchzogen von kleinen Dörfchen und über weite Strecken mit unzähligen Olivenbäumen bewachsen. Ich fühlte mich fast wie in der Toskana.

Lindos ist zwar alles andere als ein authentisches griechisches Dörfchen, trotzdem wollten wir den Ort mit der Festung und der schönen Bucht davor gerne besuchen. Ganz einfach war das nicht. Die kleinen weißen Mietautos standen in Reihen am Rand der Straße und in Schlangen darauf. Der Stau war nur von einen Mann in zivil mit Trillerpfeife im Mund in geregelte Bahnen zu lenken. Alle suchten einen Parkplatz. Als wir schließlich unten am Strand einen ergattert hatten, starteten wir unsere Entdeckungstour genau dort. Der Strand war belagert, jeder Quadratmeter belegt von Liegen und Sonnenschirmen, dahinter reihten sich die Strandrestaurants auf. Das waren wir überhaupt nicht mehr gewöhnt. Schnell liefen wir über die Holzbretter im Sand zum anderen Ende der Bucht und stiegen durch kleine Gässchen hinauf zur Festung. Über Pflastersteine und Mosaike, vorbei an netten Restaurants, Hotels, kleinen Läden und Pensionen ging es. Überholt wurden wir von zwei Esel mit hellhäutigen Menschen auf dem Rücken. Das Dorf ist wunderschön, aber in jeder Ecke für den Tourismus hergerichtet. Das wahre Griechenland findet man hier eher nicht.

Auch in Rhodos ist es erstmal schwierig nicht in einem Tourischuppen zu landen. In der Altstadt gibt es wenig anderes und auch bei der Marina findet man eine Autovermietung, einen kleinen Supermarkt mit Apothekenpreisen und einige posh Restaurants. Läuft man aber einige Straßen in das Wohnviertel hinter der Marina findet man auch die kleine Gyros Taverne, eine Konditorei, mit endlosen süßen Köstlichkeiten, oder die Hippopotamus Café Bar, wo normalerweise nur die Griechen sich die Klinke in die Hand drücken.

Am besten aber lernt man die Griechen kennen, wenn man mit ihnen arbeitet. Die Marinieros sind natürlich hochprofessionell, genauso wie der Segelmacher, der uns unsere Genua zwar ein paar Tage verspätet, aber dafür in Top Zustand zurück brachte. Er hat das Segel nicht nur repariert und die UV Protection erneuert, sondern es auch gewaschen und alle Nähte überprüft. Nur als wir ihn nach der Rechnung fragten kam er ein wenig ins Schwitzen, damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet. An der Mehrwertsteuer vorbei wirtschaften ist hier die Regel und keine Ausnahme. In der kurzen Zeit hier auf der Insel sind wir schon zig Mal darüber gestolpert, keinen Kassenzettel zu bekommen, andere Preis genannt zu kriegen, wenn mit Karte bezahlt wird oder direkt angesprochen zu werden, dass es ohne Rechnung bessere Preise gibt. Wer Böses denkt, schweift ab zur Pleite Griechenlands. Qualität haben bisher alle Handwerker geliefert, nur Socrates ist auch nach Duzenden Anrufen und 5 Besuchen in seinem Laden nicht dazu zu bewegen gewesen, sein Versprechen wahr zu machen und eine neue Sprayhood anzufertigen. Naja, vielleicht finden wir noch jemanden anderen?

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11.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Kinderfrei

Die Grosseltern sind zu Besuch. Sie haben sich in Rhodos Stadt in einem kleinen Hotel eingemietet. Die Jungs waren schon Tage davor total aus dem Häuschen und zählten die Tage rückwärts bis zu ihrer Ankunft. Bei jedem Flugzeug zeigten zwei kleine Zeigefinger in den Himmel und fragten ob Oma und Opa drin seinen. Das letzte Mal hatten Joni und Joshi Opi und Omi auf Curaçao vor fast 1.5 Jahren gesehen. Vor allem für das bisher nur vier Jahre kurze Leben von Joni ist das eine beträchtliche Zeit. Trotzdem gab es keinerlei Startschwierigkeiten, die Jungs gingen sofort auf Tuchfühlung und schlossen die Großeltern in die Arme, zeigten ihnen die Marina und ließen sie von da an kaum mehr aus den Augen. Schon am ersten Morgen verabschiedeten sich die vier, tingelten durch Rhodos Stadt, zum Spielplatz und zum Hotel. Die darauffolgenden Tage habe ich die Kleinen kaum gesehen. Ein Ausflug jagte den nächsten: Lindos, das Schmetterlingstal, der Golden Beach und Symi wurden zusammen erkundet, während wir unsere Arbeiten an Moya voran brachten. Jeden Abend trafen wir uns alle nach einem erfüllten Tag und fielen in eine der zahllosen griechischen Tavernen ein. Ich liebe das griechische Essen und den genialen Kaffee den es hier an jeder Ecke gibt. Costas, aus der kleinen Bar Hippopotamus, erwartet uns inzwischen schon zum Cappuccino am Nachmittag. Eigentlich kommen wir täglich bei ihm in der Mittagspause vorbei, wenn wir in das kleine Industriegebiet zwischen Werft und Marina wandern um einzukaufen und Socatres so lange zu nerven bis er vielleicht irgendwann doch noch unsere Sprayhood in Angriff nimmt. Bisher wenig erfolgreich.

Vor zwei Tagen beschlossen die Kinder dann bei Opa und Oma im Hotel zu übernachten. Für Christian und mich bedeutete das den ersten Abend kinderfrei seit dem Beginn unserer Reise. Nach über 500 Tagen Kinderbetreuung mehr oder weniger 24/7 war dieser Abend sehr besonders, obwohl wir eigentlich nur zur dem kleinen Bistro um die Ecke tingelten, ein Bier tranken und Gyros aßen. Der Gin Tonic am Hafen musste danach allerdings schon noch sein. Wir hatten ja etwas zu feiern: die erste Nacht ganz ohne Kinder seitdem Joshi auf der Welt ist. Ungewohnt ruhig war es an Bord.

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12.06.2019:
Kommentar from Micha + Markus
Herzlichen Glückwunsch. Auch wenn die Jungs so lieb und kuschelig sind, ist ein Tag ohne sie auch mal schön. Klingt, als hättet Ihr ihn genossen. Wir sind auch gerade auf dem Meer, setzen gerade in Japan über die Ise-Bucht vor Nagoya von Irago nach Toba über. Viele Grüße, Markus und Micha
04.06.2019 - Rhodos, Griechenland

Schaffe, Schaffe, .... Böötle bauen

... oder so ähnlich. Mit Rhodos hatten wir ein glückliches Händchen. Nachdem wir uns in der weiten Welt die Hacken schon so oft nach Ersatzteilen krumm gelaufen haben, müssen wir hier einfach über die Straße. Bei Zairis gibt es alles was das Seglerherz begehrt und auch noch zu annehmbaren Preisen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht noch kurz zu Zairis tingeln, irgendwas fehlt halt doch immer. Farbe, Pinsel, Sandpapier, Leinen, Bolzen, Blöcke, Kleber und 1001 andere Kleinigkeiten. Alles bei dem wir unterwegs improvisieren mussten, wird jetzt ordentlich Instand gesetzt. Was nicht im Laden zu haben ist, zaubern die Töchter des Inhabers innerhalb von ein paar Tagen herbei. Was für ein Luxus! Erst die Ankerkette und nun eine neue Starter-Batterie. Wir waren ja seit kurz nach den Malediven mit einer Service-Batterie weniger unterwegs gewesen, da unsere Starterbatterie über den Jordan gegangen war. Seit heute haben wir wieder mehr Saft, auch wenn wir den hier in der Marina gar nicht so nötig haben.

Aber nicht nur Zairis macht Rhodos zum idealen Standort um Dinge wieder in Ordnung zu bringen. In 10 Minuten ist man zu Fuss im Baumarkt und beim Supermarkt, in 20 Minuten bei der Werft. Um die Ecke gibt es noch andere Marine Läden, Läden für Motorersatzteile, Öl und Kühlwasser. Außerdem sind Fachleute vor Ort - wenn man sie erwischt. Alle sind super busy. Unsere Genua liegt schon bei Kyriakos dem Segelmacher. Unser Wassersammler, der zu tropfen angefangen hat, bei Nikos dem Edelstahl Schweißer. Für eine neue Sprayhood haben wir schon ein Angebot, allerdings bin ich noch etwas skeptisch, ob wir Socrates wirklich dingfest machen können. Er scheint in Arbeit zu versinken.

Auch uns mangelt es daran nicht. Wir werkeln kräftig vor uns hin, trotzdem ist unsere Projektliste noch lang. Während ich vor allem mit Schleifmaschine, Sandpapier und Pinsel unterwegs bin und in den letzten Tagen den Salonboden fertig restauriert habe und die Holzteile an Deck gestrichen habe, arbeitet Christian an der Elektrik, ersetzt Seeventile und streicht unseren Ankerkasten neu. Überhaupt meistert er Alles von dem ich keinen blassen Schimmer habe. Auch die Jungs helfen prima mit. Joshi ging vor einigen Tagen das erste Mal alleine einkaufen zu dem kleinen Supermarkt auf dem Marinagelände - ich bin immer noch wahnsinnig stolz auf ihn. Joni und er machen die Stege unsicher, rollern durch die Marina und schließen Freundschaft mit jedem der deutsch spricht. Uns lassen sie in Ruhe werkeln - das wäre noch vor einem halben Jahr undenkbar gewesen.

Am Sonntag haben wir frei gemacht, um uns Rhodos Stadt anzuschauen. Vor 11 Jahren haben Christian und ich uns hier kennen gelernt. Inzwischen hat sich Einiges verändert, nicht nur in der Stadt ...

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