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Breite:
33° 44.8' N
Länge:
30° 54.0' O
Ort:
Überfahrt Ägypten nach Griechenland, Tag 2
Datum/Uhrzeit:
19.05.2019
10:30 UTC+2
Wettermeldung:
vom
19.05.2019 13:55 UTC+2
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Schwache Brise aus West

Logbucheinträge zu Affen

06.01.2019 - Camp Leakey, Tanjung Puting, Kalimantan, Indonesien

Auf dem Sekonyer Fluss durch den Regenwald

Braunes Gold aus Kumai

Im Morgengrauen erreichten wir die geschützten Gewässer des Kumai Deltas. Das Wasser dort ist an vielen Stellen flach, zu flach für Moya, und unsere Seekarten sind mal wieder viele Meter verschoben und deshalb für die Navigation alles andere als gut geeignet. Erschwerend kam hinzu, dass das Wasser des Kumai Flusses die Farbe von Coca Cola hat. Kurz vor Niedrigwasser alles nicht optimal, trotzdem waren wir nicht im Blindflug unterwegs, denn vor uns war ein Schlepper den Fluss hinauf gefahren. Der Capitano war geistesgegenwärtig genug, seinen AIS-Track aufzuzeichnen, so dass wir nur noch den Wegpunkten folgen mussten.

Auf dem Fluss kamen uns immer wieder mittelgrosse Frachtschiffe und viele viele Schlepper entgegen, die mit Seilen riesige Flöße beladen mit kleineren braunen Gebirgsketten hinter sich her zogen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, was das ist. Erst nach ein wenig Recherche begriff ich heute, wie traurig diese Flöße eigentlich sind. Die braunen Berge bestehen aus den kleinen Früchten der Ölpalmen, die für die Produktion von Palmöl gebraucht werden. Die größten Herstellernationen von Palmöl sind Malaysia und Indonesien, die in den letzten Jahren ihre Produktivität vervielfachten. Um neues Land für die Ölpalmenplantagen zu generieren, wurde der Regenwald gnadenlos gerodet. Bizarr - wenn man bedenkt, dass neben Rapsöl, Palmöl unserem europäischen Biodiesel beigemischt wird, für „eine bessere Ökobilanz“. Regenwaldrodung mit Ökosiegel also - das ist zum verrückt werden!

Auf dem Sekonyer Fluss zu den Orang-Utans

Neben den bekannten Problemen, die mit dem Verschwinden des tropischen Regenwaldes einhergehen, wird auch der Lebensraum der Orang-Utans verringert, so dass ihre Population seit Jahrzehnten sinkt. Um die „Wald (utan) menschen (orang)“ besser zu verstehen und sie zu schützen, wurde schon 1971 die erste Forschung- und Rehabilitationsstation im späteren Tajung Puting Nationalpark eingerichtet. Mittlerweile gibt es einige dieser Stationen an vielen Orten Borneos. Damit die Tiere überleben, werden sie dort gefüttert, kleine Affen großgezogen und später wieder ausgewildert. Trotzdem gibt es nur noch zwischen 15.000 und 40.000 Borneo Orang-Utans, die Sumatra Art ist vom Aussterben bedroht.

Wegen den Waldmenschen waren wir nach Borneo gekommen. Auch wenn man sie hier zwar in freier Wildbahn, aber großteils nur an den Futterstationen stehen kann, wollten wir uns unsere nahen Verwandten gerne anschauen. Als wir das Hafendorf Kumai erreichten, war unser Anker noch nicht ins Wasser gefallen, als ein kleines Speedboot auf Moya zuhielt. An Bord winkte Majid und führte uns zur besten Ankerstelle. Majid war natürlich nicht nur deshalb zu uns herausgefahren, sondern auch, um Geschäfte mit uns zu machen. In der Regenzeit herrscht auch bei den Organ-Utan Touristen Nebensession, so dass Moya alleine im Fluss vor Anker lag und die meisten von Majids neun Klok Toks, der African Queen style Hausboote, an den Stegen vertäut lagen. Majid hatte Zeit, und trank erst einmal einen Kaffee mit uns, bevor er uns höflich seine Tour Optionen aufzählte. Wir entschieden uns für eine Tour, bei der man drei der Rehabilitation Stationen besucht und eine Nacht an Bord eines Hausboots im Dschungel übernachtet - und wurden nicht enttäuscht.

Schon am nächsten Tag ging es los. Morgens wurden wir direkt mit dem Klok Tok bei Moya abgeholt. An Bord waren neben Majid, der die Tour nur ausnahmsweise zum Spass als Guide machte (normalerweise hat er seine Jungs), der Fahrer, eine Köchin, ein Maschinist und der Kanadier Will, der spontan einen Tag mitfahren wollte. Ein Boat Boy blieb bei Moya, um aufzupassen. Während so eine Tour in vielen anderen Ländern unbezahlbar wäre, können wir uns das in Indonesien leisten, 400€ kostete der Spaß für uns alle zusammen, inklusive Eintrittsgelder, Essen und Trinken. Mit dem an Bord kommen, konnten Christian und ich uns zurück lehnen und relaxen. Die Kinder fanden das Hausboot super, denn an Deck waren zwei große Matratzen ausgebreitet auf denen sie hervorragend herumtoben konnten. Nachts wurden die Matrazen dann mit Fliegennetzen zu Himmelbetten umgebaut, so dass wir auf dem Fluss Mitten im Dschungel übernachten konnten. Mit Anbruch der Dunkelheit wurden die Dschungelgeräusche lauter, wir hörten Zirpen, Rascheln, Rauschen, Quaken und vieles undefinierbare. Morgens wurden wir vom Gebrüll der Nasenaffen geweckt, die neben uns in den Bäumen spielten. Insgesamt sahen wir überraschend viele Tiere unterwegs auf dem Fluss und bei den insgesamt drei kleinen Wanderungen am Tag und einer Nachtwanderung durch dem Dschungel: Taranteln, Gekos, Glühwürmchen, Langnasenaffen, Gibbons, Makaken, Wildschweine, Kingfisher, Riesenameisen, Stabheuschrecken, Schmetterlinge in allen Farben und natürlich auch die Orang-utans.

Treffen mit unserer roten Verwandtschaft

Vom Kumai Fluss bogen wir ab in einen Seitenfluss, den Sekonyer Fluss. Es ist wesentlich schmäler aber genauso kaffeebraun, rechts und links ragen Palmen und andere Bäume ins Wasser. In der Mitte des Flusses kamen uns immer wieder kleinen Pflanzeninseln entgegen. Wir schmunzelten über die blaue Verkehrsschilder an den Flussbiegungen, die dem Flussverlauf mit weißen Linien abbilden. In Indonesien sind Verkehrsschilder absolute Mangelware, noch seltener sind eigentlich nur noch Ampeln. Aber hier, wo man ganz sicher nicht verloren gehen kann, ist der Weg exzellent ausgeschildert. Während das Klok Tok dem Fluss hinauf tuckerte wurden wir bekocht mit indonesischen Köstlichkeiten. Wir machten noch einen kurzen Abstecher in ein Dorf und waren dann um kurz nach 15 Uhr auf dem Weg zur ersten Rehabilitations-Station. Auf Plattformen warteten dort schon aufgeschnittene Ananas darauf, dass die roten Menschenaffen kommen würden und davor noch ungefähr 30 Touristen. Die meisten waren bewaffnet mit riesigen Kameras, anschlagbereit, falls ein roter Zottel zwischen den Bäumen hervorlugt. Die Park Ranger saßen daneben und riefen immer wieder in den Wald hinein, um die Orang-Utans anzulocken. Ich bin mir zwar nicht so sicher, ob das half und denke das Rufen war eher kontraproduktiv.

Nichts regte sich und nach einer halben Stunde schon gaben die ersten auf und wanderten zu ihren Klok Toks zurück. Die Regenzeit ist auch Früchtezeit, deshalb finden die roten Zottel ihr Essen einfach im Wald und haben manchmal keine Lust auf Touris. Nach einer Stunde war immer noch nichts zu sehen. Wir waren mittlerweile mit Will und den netten Österreichern Kathi und Harry allein. Da raschelte es, die Äste bewegten sich und eine Orang-Utan Dame mit Baby kam langsam durch die Bäume geklettert. Wenig später kamen noch weitere insgesamt acht Weibchen, ein Männchen und drei Babies an die Futterstelle. The Show was ours! Es war umwerfend zu sehen mit welcher Kraft sich die Tiere mühelos durch die Bäume schwangen. Eine Hand blieb fast immer am Baum, auch wenn sie auf die Plattformen herunter kamen. Man sah Ihnen an, dass sie gegen ihre Instinkte arbeiteten, wenn sie Früchte vom Boden einsammelten. So schnell wie möglich wollten sie wieder in die sicheren Bäume hinauf. Wenn sie aber auf den Plattformen standen, war unsere Verwandtschaft unverkennbar. Für mich sahen sie aus wie Menschen mit zu langen Armen und roten Zotteln. Auch die Bewegungen waren denen von Menschen ähnlich: wie sie die Früchte aufhoben, mit dem Mund hielten, um beim Klettern die Hände frei zu haben, oder wie das Babyäffchen seiner Mutter das Obst hinhielt. Orang-Utans sind Einzelgänger, das Männchen bleibt nicht beim Weibchen und es gibt auch unter den Weibchen nur wenig Gruppenbildung. Nur die Jungaffen bleiben bei ihren Mütter bis sie sieben Jahre alt sind. Vermutlich kommunizieren sie deshalb wenig. Obwohl zwölf Tiere an der Fütterungsstelle waren, hörte man nichts. Interessant fand ich, dass die Tiere uns meist ihren Rücken zudrehten, als ob sie genervt sind, Zuschauer beim Essen zu haben. Manchmal sahen wir ihre Gesichter trotzdem, das war dann besonders toll, denn die Mimik ähnelt der unseren auch.

Auch heute hatten wir Glück, an beiden Camps sahen wir je zwei Orang-Utans. Diesmal mit mehr Publikum, maschinengewehrähnlichen Fotografiergeräuschen und traurigerweise Biltzlichtgewitter, was die Tiere ganz offensichtlich störte. Auch der Gibbon, der sich einige der Bananen klaute, wurde schnell von den Blitzen vertrieben. Die Lernkurve von einigen Homo Sapiens scheint eindeutig flacher zu verlaufen, als bei unserer roten Verwandtschaft. Der kurze Besuch des Gibbon war trotzdem super, viel schneller und akrobatischer als die Orang-Utans war er unterwegs und ist geradezu durch die Luft gesegelt, so als ob es für ihn keine Schwerkraft gäbe.

Nach einem langen Tag sind wir eben mit vollen Bäuchen wieder bei Moya abgesetzt worden und finden, unser Treffen mit den Orang-Utans war ein großartiges Erlebnis.

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11.01.2019:
Kommentar from Dody
Oh, dass sie fuer die Birds-Nests jetzt auch kuenstliche Gebaeude schaffen wusste ich nicht! In Thailand - und meines Wissens auch Malaysia - werden (wurden) die in den Hoehlen gesammelt die meist am Meer liegen, ein ziemlich gefaehrliches Unternehmen bei dem es haeufig zu Todesfaellen kommt (naja, kam!).
12.12.2018 - Loh Buaya, Rinca, Nusa Tenggara, Indonesien

Ein Treffen mit Drachen in Komodo

Lebendig Riffe, Reissende Ströme

Auf unserem Weg nach Rinca zum Haupteingang des Komodo Nationalparks wollten wir gerne an der Insel Koaba stoppen, um uns die Unterwasserwelt anzuschauen. Komodo ist nicht nur in Indonesien für seine geschützten, lebendigen Riffe bekannt, sondern gilt auch international als einer der schönsten Tauchgründe weltweit. Obwohl wir diesen Superlativ auch schon von den Tuamotus und von Papua Neuguinea gehört haben, waren wir doch nach unserem ersten Schnorchelgang an dem zufällig gewählten Riff vor Palau Mangia Tang schwer beeindruckt. Koabas Riffe sollen nun besonders toll sein, sagte man uns in Labuan Bajo. Wir können dazu allerdings nichts sagen, obwohl wir uns redlich bemühten uns selbst ein Bild zu machen. Das Ankern war bereits herausfordernd, zu tiefes oder zu flaches Wasser war zur Auswahl. Als das Eisen nach mehreren Versuchen endlich hielt, war aber an Schnorcheln nicht zu denken. Das Wasser rings um Moya brodelte wie in einer Schleuse. Joshi fragte nach einigen Minuten „Fahren wir?“ Tatsächlich sah es so aus, denn die Fluten rauschten unter uns hindurch. Ich versuchte dennoch ins Wasser zu steigen, aber gab noch auf, bevor ich die Badeplattform los gelassen hatte, da das Wasser mich in kompletter Länge horizontal nach hinten drückte. Es fühlte sich so an, als würde ich durchs Wasser geschleppt. Hätte ich losgelassen, hätte Christian wohl eine Rettungsaktion starten müssen, denn gegen diese Strömung anzuschwimmen wäre selbst mit Flossen aussichtslos gewesen. Da die Inselwelt hier eine der wenigen Verbindungen zum indischen Ozean ist, hatten wir mit starken Strömungen zwischen den Inseln gerechnet. Trotzdem war ich etwas überrascht, da nur wenige Minuten vor unserem Ankermanöver die Strömung noch mit uns gewesen war. Offensichtlich sind die Effekte hier lokal und auch noch stark veränderlich, abhängig von der Tide. Mit den Kids werden wir hier gut aufpassen müssen.

Weihnachtsbäckerei in der Krokodilbucht

Um heute Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen bei den Drachen zu sein, ankerten wir noch gestern Abend in Loh Buaya, der Krokodilbucht, direkt vor dem Bootsanleger am Eingang zum Komodo Park. Hier lebten nicht nur die Komododrachen, sondern auch einige Salzwasserkrokodile, die aber seit einigen Jahren nicht mehr gesehen wurden. Wir gingen an Land, um vorab zu schauen, wo wir den heute hin mussten, danach ging es ans Teig kneten, Ausstechen und Backen. Damit verwandelten wir Moya in eine Sauna, aber was tut man nicht alles damit das Christkind auch wirklich kommt und die Kinder glücklich sind. Und das waren sie - schon beim Ausstechen und erst recht, als sie dann stolz ihre selbstgebackenen Plätzchen probierten.

Gut getarnte Riesen mit gelber Zunge

Um 5 Uhr heute Morgen weckten uns zwei aufgeregte Jungs. „Mama, wir müssen doch früh aufstehen, um die Drachen zu sehen.“ Ich hatte gestern noch den Eintrag zu den Komodo Drachen in unserer offline Wikipedia gelesen und muss zugeben, die Kids waren mit ihrer Aufregung nicht alleine. Bis zu 80 kg schwer und 3 Meter lang können die Riesenechsen werden. Sie essen zwar nur einmal im Monat, reißen aber durch ihre Giftdrüsen im Mund sogar ausgewachsene Wasserbüffel, Hirsch und die schlauen, flinken Affen. Angriffe auf Menschen gab es zwar selten, und wenn meist provoziert, aber wer weiß schon, ob die sich das nicht auch mal anders überlegen, wenn sie hungrig sind? Sehen wollten wir die Drachen aber trotzdem, setzten über und wurden kurz vor sieben von einem Ranger direkt am Steg empfangen. Primus hatte einen langen, gegabelten Holzstab in der Hand, mit dem er, falls nötig, die Drachen auf Distanz halten würde. Ob wir überhaupt einen zu Gesicht bekommen würden, war aber nicht sicher, sagte er. Wir bezahlten am Ticketbüro die Nationalparkgebühr, die Liegegebühr für Moya, die Gebühr für den obligatorischen Guide, die Gebühr zum Wandern, die Gebühr zum Tiere anschauen und die Steuern und bekamen im Gegenzug einen ganzen Stapel Eintrittskarten. Atmen war umsonst, wir haben jedenfalls nichts bezahlt, aber vielleicht haben wir auch nichtsahnend die Zeche geprellt?

Mit leichtem Schmunzeln auf den Lippen gingen wir los, kamen aber nicht weit. Direkt unter dem auf Pfählen errichteten Gebäude ließ sich einer der Drachen nieder und posierte sogar für meine Fotos. Ich finde die Drachen sehen ein bißchen so aus wie eine Mischung aus Krokodil und Schlange nur mit anderem Kopf. Dieses Exemplar war mit 2 Metern mittelgroß, dunkelbraun mit orangenen Flecken auf dem Rücken und grünen im Gesicht. Die gelbe, gespaltene Zunge war draußen um zu Riechen, das geht kilometerweit. Einige Schritte weiter befand sich das Küchenhaus und dahinter mindestens zehn Drachen, die von den Gerüchen angelockt worden waren. Es waren auch ganz Große dabei, vor denen hielten sogar die Kleineren Drachen Abstand. Schließlich hatten sie es schon weit gebracht, nur 1-2 Drachen eines Geleges (15-30 Eier) schaffen es erwachsen zu werden, und wollten nicht jetzt noch von ihren kannibalischen Artgenossen gefrühstückt werden. Die Bäuche der riesigen Tiere schienen zwar rundlich voll, wir kamen ihnen trotzdem mal lieber nicht zu nahe.

Wir erfuhren, dass die weißen, wie Kalk aussehenden Spuren am Boden, der hauptsächlich aus Knochenmehl bestehende Kot der Drachen ist, dass sie schwimmen können und bis zu einer Größe von 1.5 Metern senkrecht die Bäume erklimmen. Dann wanderten wir los, eine Schleife durch den Nationalpark, erst durch den Dschungel später durch offenes, hügeliges Gelände. Unterwegs sahen wir ein Weibchen in ihrem Erdnest, das sie sich mit einem Kiwi teilt. Die ersten Monate bis zum Beginn der Regenzeit beschützt sie die Eier, danach werden sie bis zum Schlüpfen nach 8 Monaten vom Schlamm geschützt. Zum Abschluss zeigte uns ein Ranger noch ein Video, in dem ein Drache ein junges Kalb erlegte. Als der Drache minutenlang Stücke aus dem Hinterbeins des leidenden Tiers herausbiss, war ich schockiert wie grausam die doch Natur sein kann. Wir gingen dann mal lieber...

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01.12.2018 - Maumere, Flores, Nusa Tenggara, Indonesien

Auf zum Kelimutu

Die letzten Tage lag Moya in einsamen wunderschönen Buchten vor Anker mit viel Zeit für uns am Strand und im Wasser. So ganz ohne andere Menschen muss man auf Dauer schon ganz gut mich sich selbst auskommen. Das sind wir zwar von unseren Ozeanpassagen gewohnt, allerdings ist es dann auch wieder schön andere Gesichter zu sehen, über andere als Familienthemen zu reden und natürlich andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Wir gingen also Anker auf mit Kurs nach Maumere zu dem kleinen Strandhotel Sea World.

Abendessen unter Palmen

Bei Sonnenuntergang fiel der Haken im dunklen Vulkansand. Wir fackelten nicht lange, sondern setzten direkt über. Trotzdem war es inzwischen dunkel, so dass wir vergeblich das Dingi Dock suchten und schließlich Tilly dort strandeten, wo gerade eine festliche Tafel direkt am Strand aufgebaut wurde. Die herzliche Kellnerin kam auf uns zu, hieß uns im Hotel willkommen und fragte, ob wir gerne zum Abendessen drinnen oder draußen sitzen wollen. Draußen natürlich! Im Handumdrehen war auch für uns der Tisch hergerichtet. Eine 10 köpfige Musikgruppe setzte sich neben uns und fing an ihren ungewöhnlichen Instrumenten einheimische Klänge zu entlocken und dazu zu singen. Auf einer Art von auf dem Boden liegendem Kontrabass wurde geklopft und die einzige Saite gezupft, daneben gab es viele nicht ganz so exotische Musikinstrumente und Gesang. Die Lieder erinnerten uns an die chillige Meerjungfrauen Südsee Musik aus Samoa - sehr relaxed.

Als sich herum gesprochen hatte, dass wir aus Deutschland sind, gesellte sich ein älterer Herr an unseren Tisch. Pater Heinrich Bollen war vor über 50 Jahren von Deutschland nach Indonesien gekommen und hatte sich neben seiner missionarischen Tätigkeit für die Menschen hier stark gemacht. Vor Jahren initiierte er den Aufbau von Sea World als Entwicklungshilfeprojekt und wohnt seit einigen Jahren im Hotel. Offensichtlich war er auch missionarisch nicht unerfolgreich, leben doch 80% Christen auf Flores. Nun war er ganz froh mal wieder seine Muttersprache zu gebrauchen. Das Essen kam, wir schlemmten die einheimischen Köstlichkeiten unter Palmen und genossen den tollen Abend.

Über die Insel zum Kelimutu

Noch nach dem Abendessen konnte das Hotel für uns Fahrer und Auto für den nächsten Tag organisieren. Um fünf Uhr standen wir deshalb am nächsten Morgen mit Wanderschuhen und Rücksäcken bepackt an der Rezeption. Dort wartete Gen bereits auf uns. Der nette, junge Mann mit dem ansteckendem Lachen und dem zurückgebundenem lockigen Haar fuhr uns die nächsten 12 Stunden über die Insel und erzählt uns ein bißchen von Flores.

Wir ließen das Provinzzentrum Maumere hinter uns liegen und fuhren durch viele kleine Dörfer auf die Südseite der Insel. Von dort ging es an Reisterrassen und Kakaoplantagen vorbei hinauf in die Berge. Gen zeigte uns wie Macadamia Bäume ausschauen, wie die Nüsse direkt am Rand der Straße auf dem Asphalt getrocknet und vor dem Verkauf geöffnet wurden. Überhaupt findet hier ein großer Teil des Lebens auf der Straße statt. Fußgänger laufen nicht auf dem Grasstreifen daneben, sondern direkt auf der Straße. Da trifft man sich dann auch schon mal und setzt sich zum Schnacken. Die Hunde sehen das ähnlich, auch sie lieben den Asphalt um sich auszuruhen. Die vorbei bretternden Motorräder, Autos, Bemos und LKWs stören da nicht wirklich. Und dabei ist gibt es durchaus Verkehr mit viel Hupen, Rasen und Überholen, auch hier nach dem Motto der Stärkere gewinnt. Gen fuhr überraschend gelassen an den mit ganzen Familen bestückten oder auf strassenbreite beladenen Motorrädern vorbei, er überholte sogar nur dort wo die Straße einsichtig war, was man von vielen anderen Verkehrsteilnehmern nicht behaupten konnte.

Drei Seen und ein Dieb

Nach drei Stunden abwechslungsreicher Fahrt bogen wir von der Hauptstraße ab hinauf zum Kelimutu. Wegen den vielen Erdrutschen war die Straße hier nagelneu und die Abhänge wurden gerade befestigt. Wir bezahlten, parkten und gingen los auf die kleine Wanderung hinauf zu den legendären verschiedenfarbigen Vulkanseen. Für die Einheimischen sind die Seen ein heiliger Ort, sie glauben, sie seinen die letzte Ruhestätte der Seelen nach dem Tod. Je nach Charakter des Menschen ruht die Seele im dunklen See Tiwu Ata Bupu, dem See des Alters, dem türkisfarbenen See der Jugend Tiwu Ko o Fai Nuwa Muri oder im dem roten bis wechselnden See Tiwu Ata Polo, dem See der Bösen. Die Farbe wechselt in jedem der Seen unabhängig mit der Zeit, da es sich um drei separate Schlote des noch immer aktiven Vulkans handelt. Die Färbung des Wassers ist abhängig von den vulkanischen Mineralien, dem Oxidationsstatus und dem pH Wert des Wassers und wird so auch vom Regen und Klima beeinflusst.

Nach kurzem Aufstieg standen wir vor den Zwillingsseen, beide hatten eine sehr unwirkliche türkise Farbe. Es sah toll aus. Wir gingen weiter zum See des Alters. Joshi und Christian waren voraus, Joni und ich langsamer auf den Treppen. Wir machten eine kurze Trinkpause und schauten uns den Affen an, der am Kraterrand saß. Kaum hatte ich den Rucksack geöffnet, schoss das diebische Tier auf mich zu, bleckte die Zähne und klaute schneller als ich schauen konnte meine Chipstüte aus dem Rucksack. Joni hatte Angst bekommen und war die Treppe hinauf gerannte, der Affe zurück mit der nun geöffneten Tüte auf seinen Platz am Abgrund und ich stand perplex da und überlegte, ob ich mich nun mit dem hässlichen Dieb anlegen sollte. Ich ließ es, dafür kam eine ganze Bande von Affen vorbei die nun den Kampf um die Tüte aufnahmen. Sowas! Joshi hätte einen Stein geworfen, aber so gewieft war ich nicht.

Oben sah man auf alle drei Seen hinunter, der See der Alten lag da in dunklem Grün. Am Aussichtspunkt saßen mehrere Frauen, die heiße Getränke, Suppen, Snacks und Webarbeiten verkauften. Daneben stand ein Schild „do not feed the monkeys“ - na wenn ich das mal eher gewusst hätte...

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