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Breite:
8° 30.0' S
Länge:
119° 52.5' O
Ort:
Labuan Bajo, Flores, Indonesien
Datum/Uhrzeit:
08.12.2018
16:40 UTC+8
Wettermeldung:
vom
08.12.2018 16:40 UTC+8
33 °C
Mäßige Brise aus Südwest

Logbucheinträge zu Äquatorialstrom

07.05.2018 - 8°07'S / 133°10'W, Pazifik

Landeanflug auf Hiva Oa

Heute ist der dreiunddreißigste Tag unserer Passage. Die Sonne scheint und weiße Cumuluswölkchen bedecken den Himmel. Der Südost hatte die letzten Tage schon einen Hänger und hatte heute Nacht noch weiter nachgelassen. Das Gute daran war, dass man prima Sternchen schauen konnte. Auch wenn ich von dem Südhalbkugelhimmel bis auf das Kreuz des Südens gar nichts kenne, kann selbst ich die Milchstraße nicht verfehlen. Sie spannt sich zwar hier eher seitlich über den Himmel, sieht aber sonst genauso gigantisch schön aus wie im Norden. Hier außen auf dem Wasser ist von Lichtverschmutzung keine Spur und die Sterne leuchten so hell, dass man selbst ohne Mond den Horizont und die Bewölkung tief in der Nacht erkennen kann.

Um halb zwei Uhr heute morgen war ich trotz Sterne und Smilymond, der mittlerweile aufgegangen war, kurz davor mitten in der Nacht alle Segel zu bergen und Henry anzuschmeißen. Es war einfach fürchterlich wie abwechselnd das Gross und dann wieder die Genua geknallt und an ihren Bäumen gerissen haben. Bei dem lauen Lüftchen hatte unser Windpilot Schwierigkeiten den Kurs zu halten und ist zwischen zu hart am Wind und zu weit vor dem Wind gependelt. Moya machte Stellenweise keine 3 Knoten durchs Wasser, trotz des schiebenden südlichen Äquatorialstroms. Selbst Christian, den eigentlich nichts aufweckt, kam wegen dem Geschlage verschlafen ins Cockpit geschwankt und hat mir einen Adrenalinschub versetzt. Wach war ich dann erstmal. Nur die dunklen Wolken am Horizont haben uns letztendlich davon abgehalten die Tücher fallen zu lassen und den Motor anzuschalten. Wir hatten Hoffnung, dass es regnet und der Regen auch ein bißchen Wind mitbringt. Im Gegensatz zu unserer Atlantiküberquerung hatten wir hier im Pazifik noch fast keine Squalls und wenn es doch mal regnete kam der Regen meist nur mit wenig Wind. Bizarr, dass wir heute auf einen Squall warteten, haben wir doch eigentlich einen Heidenrespekt, wenn von jetzt auf gleich der Wind um 10 bis 20 Knoten zunimmt und man alle Hände voll zu tun hat die Segel zu reffen. Nach 32 Tagen auf See mit Ziel gefühlt direkt vor dem Bug ist es einfach Folter, wenn der Wind beschließt Feierabend zu machen. Das Warten lohnte sich heute Nacht tatsächlich, es kam erst ein richtiger Squall bevor dann schließlich der Südost seine Arbeit wieder aufnahm und nun mit frischer Brise bläst.

Jetzt sind wir nur noch eine Biskaya weit weg von Hiva Oa und nach 3700 Seemeilen wirklich fast da, obwohl es ja dann doch noch drei Tage sein werden. Mann, waren wir nervös bevor wir in L’Aberwrach Richtung Acoruna starten. Wochen zuvor hatte ich schon immer auf ein passendes Wetterfenster geschielt, was aber nie kam und sich dann doch plötzlich öffnete, so dass wir dann fast überstürzt die Leinen los schmissen. Wir konnten uns erst überhaupt nicht vorstellen wie wir den Schlafentzug von drei Tagen auf See und rund um die Uhr Wache mit den Kurzen den überstehen würden und waren dann auch ziemlich fertig als wir glücklich in Galicien ankamen. Die ersten drei Tage auf See braucht man eben bis man Seebeine hat, danach wird alles besser und außerdem ist das Wetter hier wirklich um Welten besser als auf der Biskaya, wo man ständig vor dem nächsten arktischen Tief auf der Hut sein muss.

Zu diesem Eintrag gibt es 3 Kommentare.
08.05.2018:
Kommentar from Yvonne
Hallo Sabrina, wie schön, dass ihr wieder unterwegs seid. Ich bin seit langem heute mal wieder auf der Seite und bin gleich abgetaucht in deine Berichte und Fotos. Vielen dank für die kleine imaginäre Fernreise, die du mir damit beschert hast. Ich wünsche euch noch eine gute Fahrt und einen tollen Aufenthalt auf Hiva Oa. Ganz liebe Grüße Yvonne
08.05.2018:
Kommentar from Lars
Gute Fahrt noch und eine schnelle Ankunft in der Südsee!! Ich freue mich schon auf die Bilder voller prächtigem Grün und natürlich auch auf die von der Passage. Möge die Macht mit Euch sein
13.05.2018:
Kommentar from MoyaCrew
@Yvonne: Schön, dass Du‘s mal wieder zu uns geschafft hast. Was machen Eure Segelpläne für dieses Jahr? @Lars: Bilder sind jetzt drin junger Jedi.
31.01.2018 - Punta Santa Barbara, Curacao

Eigentlich fast überhaupt nicht!

War schon das zweite Mal die Antwort auf meine morgendliche Frage "Wie habt ihr geschlafen?". Moya lag auf der Leeseite (der Wind abgewandten Seite) von Klein Curacao. Die kleine Insel befand sich zwischen den Atlantikwellen und dem von Osten wehenden Trade Wind, ansonsten gab es keinerlei Deckung und einige ganz penetrante Wellen suchten sich ihren Weg um die Insel herum. Entsprechen bewegte sich Moya leicht von einer Seite auf die andere. Was wir kaum merkten und uns nur noch besser schlafen ließ, war für die Großeltern, die erst das zweite Mal in ihrem Leben für mehrere Tage an Bord eines Segelschiffes lebten, nachts nur schwer zu ertragen. Zwei weitgehend schlaflose Nächte nach unserer hard am Wind Schneckenetappe gegen den starken Äquatorialstrom nach Klein Curacao waren nur schwer durch den weißen Sandstrand und das glasklare, türkisfarbene Wasser wieder weg zu machen. Mit müden Augen sieht man eben auch den schönsten Ort nicht von seiner besten Seite. Offensichtlich dauert es länger für gestandene Landbewohner bis die Seebeine letztendlich irgendwann gefunden werden. Nun hatte auch noch die Atlantikwelle an Fahrt zugelegt, so dass das Anlanden am Strand zu einem kleinen vermutlich nassen Abenteuer geworden wäre, das bestimmt nicht auf der Habenseite der positiven Erlebnisse abgespeichert werden würde. Deshalb beschlossen wir anstatt noch einmal einen Besuch auf der kleinen Insel zu machen, lieber Moyas' Hintern in den Wind zu drehen und uns 11 Meilen nach Curacao zurück spülen zu lassen.

Wir setzten nur das Großsegel und segelten dieses Mal mit Wind, Strom und Welle von hinten. Die ersten Meilen waren dennoch etwas holprig, da die 2 bis 3 Meter hohe Atlantikwelle sich von links und rechts um Klein Curacao herum arbeitete und teilweise regelrechte Wasserlöcher durch Überlagerungseffekte entstehen ließ. Bald waren wir aber so weit von der Insel entfernt, dass Moya über die Wellen surfte und nach nicht einmal 2 Stunden schmissen wir bereits den Anker in der Fuik Baai, einer durch vorgelagerte Landzungen sehr geschützten Bucht. Moya lag hier wie in einem Ententeich und machte nicht den Hauch einer Bewegung, was zur angenehmen Nachtruhe der Crew erheblich beitrug. Um auf der Habenseite zu bleiben, ging es gestern nur 2 Meilen weiter Richtung Norden, bis an die Einfahrt nach Spanish Water, wo sich direkt am Meer die Santa Barabara Plantation befindet. Es handelt sich dabei weniger um eine Plantage als mehr um ein schickes Hotel mit Pool, Golfplatz und einem Bootsanlegersteg davor. Wenigstens eine Nacht wollten wir unseren tapferen Kurzschläfern hier gönnen. Moya ist fest angebunden an dem Steg, von dem man ganz unkompliziert ohne Dingi an Land kommt, wo wir alle Annehmlichkeiten der Hotelgäste teilen dürfen. Die beiden Jungs liegen schon gleich nach dem Frühstück im Pool. Joshua macht große Schritte in Richtung Schwimmen lernen und hat seine Leidenschaft fürs Schachspielen entdeckt, mit Figuren die fast so groß sind wie er selbst.

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25.01.2018 - Spanish Water, Curaçao

Aufkreuzen rückwärts

Damit Moya nicht anfängt Wurzeln zu schlagen haben wir heute morgen die Piscadera Bucht hinter uns liegen lassen. Die ganze Family ist inzwischen an Bord, Joshua, Jonathan, die Großeltern, Christian und ich. Weil meine Eltern keine geborenen Seeleute sind, wollten wir es langsam angehen lassen und nur einen kleinen Schlag ins südöstlich gelegene Spanish Water segeln. Der Trade Wind kam schon die letzten Tage, so wie fast immer hier, aus Osten. Dementsprechend ist das auch die Richtung aus der der Schwell um die Insel schwappt. Seit langem, war heute also mal wieder ein am Wind Segeltag. "Das ist zwar nicht ganz so toll für Segelnoobies, da die Bootsbewegungen hart am Wind, mit Welle von vorn doch etwas ruppig sind, aber dafür ist der Spuk nach 2 Stunden vorbei" dachte ich noch bevor es los ging.

Außerdem wollten wir in den nächsten Tagen gerne noch nach Bonair segeln, da die Insel zum Tauchen und Schnorcheln exzellente Bedingenden bietet. Bonair liegt 30 nm östlich von Curacao, also war unser Trip heute entlang der Küste die Generalprobe vor der Premiere. Der Wind war heute nicht ganz so stark wie die Tage davor, so dass wir fröhlich aus der Piscadera Bucht hinaus segelten. Schon nach wenigen Metern war aber klar, dass unsere Fahrt ein kleiner Kampf werden würde. So hart wie möglich tasteten wir uns an den Wind heran, der nun eben exakt von da kam wo wir hinwollten. Die Wellen von vorne stoppen Moya immer wieder auf, so dass wir nur ca 3 Knoten Fahrt durchs Wasser machten. Ich stand am Ruder und drehte mich ab und zu um, dabei fiel mir auf, dass wir zwar Abstand von der Küste bekamen, uns aber fast nicht in Richtung Südosten voran arbeiten. Wir versuchten es lieber noch einmal auf dem Backbordbug. Aber auch hier war die Abdrift so stark, dass wir zwar wieder zurück an der Küste waren, dafür aber auch wieder direkt vor der Piscadera Bucht lagen. Christian begutachtete unseren Track auf der Seekarte und kommentierte "wir fahren effektiv rückwärts". Die Strömung die hier an der Insel vorbei fegt, war so stark, dass sie Moya für jeden gewonnen Meter einen Meter zurück setzte. Da wir nicht komplett ausreffen wollten und auch nicht 10 oder mehr Stunden am Wasser gegen Wind und Welle arbeiten wollten, schmissen wir schließlich Henry an. Es war ohnehin mal wieder an der Zeit, dass er auf Touren kam, sonst brauchten wir ihn schon seit Monaten nur zum An oder Ablegen.

Inzwischen sind wir angekommen, aber unser Bonair Trip ist in meilenweite Ferne gerückt. Bis zur nächsten Insel zu motoren finden wir nicht ganz richtig und segeln wird in dieser Konstellation auch nicht ganz einfach. Schade! Aber immerhin habe ich gestern, das erste Mal seit wir auf Curacao sind, die Taucherbrille geschnappt und war Fische kucken. Kaum war ich im Wasser, war ich schon total begeistert. Die Sonne schien ins Wasser und erleuchtete die Unterwasserwelt, ich konnte Duzende Meter weit sehen, außerdem gab es hier am Strand hunderte von Verstecke, die ein regelrechter Anziehungspunkt für die Fische sind. Wahrscheinlich gibt es hier nicht die Fischvielfalt von Bonair, aber Schnorcheln ist hier trotzdem weltklasse. Gleich bei meinem ersten Schnorchelgang direkt vom Strand aus, habe ich neben den vielen kleinen bunten Fischen auch einen kleinen Hai, 2 riesige Papageienfische und einen Steinfisch gesehen.

Zu diesem Eintrag gibt es 2 Kommentare.
27.01.2018:
Kommentar from Hans und Edith (Weidner)
Verfolgen fasziniert und voller Bewunderung euer Reiseabenteuer. Grüße an Marlene und Werner den Schisser(Meeresangsthase)
30.01.2018:
Kommentar from Moya Crew
Schön, dass ihr aus der Ferne mitfiebert. Grüße auch von unseren beiden ersten Offizieren Werner und Marlene.
15.01.2018 - Los Roques, Venezuela

Landfall auf Los Roques

In den letzten 48 Stunden haben wir 300 nautische Meilen zurück gelegt - für Moya ist das absoluter Rekord. Mit solchen Etmalen hätten wir die Atlantiküberquerung in 14 Tagen geschafft. Dabei gab es noch nicht einmal sooo viel Wind, die 20-25 Knoten von hinten zusammen mit dem Äquatorialstrom haben uns einfach über das karibische Meer geschoben und schwups waren wir da. Geplant hatten wir die Überfahrt in 2 Tagen und 3 Nächten zu machen, nun dürfen wir die dritte Nacht in unseren Betten verbringen anstatt auf Wache - yeah!

Nur der Landfall auf Los Roques war etwas abenteuerlich. Wir waren in Grenada erst nach Sonnenuntergang gestartet, so dass wir hier auch erst in der Nacht angekommen sind. Prinzipiell ist es keine gute Idee nachts Inseln anzulaufen, die von Korallenriffen umgeben sind, so wie fast alle Inseln des Archipels. Die Seekarten in weniger befahrenden Gebieten sind oft nicht akkurat, so dass man sich auf sein GPS Gerät besser nicht verlassen sollte sondern schlicht und ergreifend die Augen zur Navigation verwendet. Warum wir dennoch nachts hier angelandet sind hat zwei Gründe, zum einen ist Anfahrt zum El Grand Roque unproblematisch, ohne Untiefen und ohne davor liegende Korallenriffe, zum anderen hat Christian vor unserer Abfahrt in Grenada Google Earth befragt und vom kompletten Archipel Luftbilder gespeichert, die haben wir über unsere Seekarten gelegt und haben die Daten verglichen. Bei der Übung kam heraus, dass unsere eine Seekarte identisch war zu den Google Earth Informationen, unsere andere Seekarte dagegen 500 Meter verschoben war. Wir waren also ziemlich sicher eine valide Seekarte zu haben und haben uns so langsam in die Bucht herangetastet und tatsächlich haben alle Tiefenangaben bis auf den Meter genau gestimmt - ich war schwer beeindruckt.

Sonst war unsere Passage weitgehend ereignislos, sieht man mal vom Piratengedankenkarusell ab. Ihr kennt das bestimmt: man weiss genau, dass bestimmte Sorgen irrational sind, aber trotzdem kann man nicht anders, als immer wieder das was wäre wenn Spielchen im Kopf durchlaufen zu lassen. Besonders gut klappt das übrigens nachts um drei Uhr auf Nachtwache. Nur gut, dass ich mich in der wahren Welt nur mit kleineren Schwierigkeiten auseinander setzten muss: über den riesiger Fisch, der unseren Köder samt Angelschnur geklaut hat, nachdem die Bremse an unserer Angel einfach keine Chance hatte den Zug des Giganten zu halten, hatte ich mich erst geärgert. Jetzt tut er mir einfach nur leid, ihm wird wohl unser Angelequipment vermutlich auch nicht bekommen.

Zu diesem Eintrag gibt es einen Kommentar.
17.01.2018:
Kommentar from André
Cool, congratulations! Schnelle Überfahrt! Bin gespannt wie es euch gefällt! #sailingmirabella