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Labuan Bajo, Flores, Indonesien
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Unsere Suche nach der idealen Blauwasseryacht

Was ist die ideale Blauwasseryacht?

Verschiedene Cruiser würden sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage geben und selbst wenn man eine Person befragt, stellt man schnell fest, dass es die ideale Blauwasseryacht nicht gibt. Immer handelt es sich bei der Auswahl der Yacht um eine Kompromisslösung zwischen unterschiedlichen Kriterien. Eine schnell segelnde Yacht bietet vielleicht nicht den Lebensraum den man möchte, eine zu große Yacht kann eventuell nicht mehr mit einer kleinen Crew gehandelt werden usw. So war das auch bei uns. Wir schildern hier unsere Gedanken zu unserer Suche nach der für uns einer idealen Blauwasseryacht mit starkem Fokus auf Sicherheit und Leben an Bord.

Ohne Eigner- und Blauwassererfahrung ist es uns zunächst schwer gefallen Kriterien für unseren Bootskauf zu definieren. Inzwischen können wir sagen, dass wir mit unseren initiallen Überlegungen gar nicht so falsch lagen, wir sind nämlich sehr zufrieden mit unserer Lady:

Welche Größe soll die Blauwasseryacht haben?

"Ab 9 Meter fängt der Luxus an, ab 9,5 Meter hört er wieder auf." Diesen oder ähnliche Sprüche haben wir immer wieder gehört. Ein Schiff muss eine Mindestgröße besitzen um sicher hochseetauglich zu sein, zudem ist es über längere Zeit das zu Hause der Blauwassercrew, so dass Lebensraum vorhanden sein muss. Die Definition von ausreichend Lebensraum variiert sicher mit der Anzahl der Besatzung, mit dem Alter und den Ansprüchen der Crew aber auch mit dem Design des Schiffes. Als Kaufkriterium ist diese Definition somit nur schwer zu erfassen, und kann vermutlich nur im Praxistest erfolgreich bestimmt werden. Da unsere Recherchen schnell ergeben haben, dass unter den herausfordernden Bedingungen auf See mit hoher UV Strahlung und Salzwasser, alle Materialen stark beansprucht werden und alles erdenkliche und nicht erdenkliche kaputt gehen wird, haben wir uns dazu entschieden, eher am unteren Ende der Hochseetauglichkeit mit unserer Schiffssuche zu beginnen - frei nach dem Motto je größer das Schiff, desto mehr geht kaputt. Nach der Besichtigung einiger Boote im Bereich 35 Fuss, haben wir dann im zweiten Schritt, nach etwas größeren Schiffen Ausschau gehalten, um mehr Stau- und Lebensraum an Bord zu haben. Wenn auch die Unterhaltskosten mit der Bootsgröße steigen, ist uns ein Mindestmaß an Platz für Ausrüstung und Reserven wichtig. Unterwegs fällt uns nun immer wieder auf, dass Moya mit ihren 39 Fuss eher im unteren Mittelfeld der Fahrtenyachten angesiedelt ist. Der Trend geht bei Familien zu größeren Yachten zwischen 40 und 50 Fuss oder sogar Katamaranen in ähnlicher Länge.

Material der Blauwasseryacht: GFK, Holz oder Metall?

Das "richtige" Bootsmaterial scheint es nicht zu geben. Für uns bedeuten die verschiedenen Möglichkeiten nur unterschiedlich große Kompromisse. Während man in Punkto Wartungsaufwand mit einer neuen GFK Yacht anscheinend fast nichts falsch machen kann, scheiden sich die Geister zum Kauf einer Gebrachten-GFK-Yacht, da der Yacht potentielle Osmoseaktivität über lange Zeit nicht anzusehen ist und dann in kürzester Zeit in einem Totalverlust münden kann. Budgettechnisch ist eine GFK Yacht immer sehr attraktiv, im Vergleich zu Booten aus anderen Materialien sind sie wesentlich preiswerter, auch ist der Markt sehr viel größer. Zum Thema Sicherheit auf See gibt es inzwischen für GFK Yachten Crashtests mit erfreulichem Ergebnissen, allerdings bleiben Blitzeinschläge oder herrenlose Seekontainer Sicherheitsrisiken.

Aluminium für die Bootsherstellung scheint auf den ersten Blick perfekt, es ist leicht und dennoch stabil, so dass Fahrtensegler schnell vorankommen, ohne größere Sicherheitsbedenken und mit überschaubaren Pflegeaufwand. Kleinere Nachteile einer Aluyacht sind die erhöhten Antifoulingdürftnisse und eventuell vorhandene versteckte Korrosion. Leider ist der Bootsmarkt für Aluyachten relativ überschaubar, zumindest dann, wenn man zusätzlich nach weitere Ausstattungsmerkmalen selektiert und vor allem wenn das Budget restringiert ist.

Somit bleibt, neben den wenigen Ferrozementyachten, noch Stahl und Holz für die Bootsherstellung. Stahl wird im industriellen Schiffsbau fast ausschließlich verwendet, so dass die prinzipiellen Eigenschaften und Sicherheit des Baustoffs weit erprobt sind. Im Yachtbau gelten Stahlyachten eher als gemütlich, durch das hohe Gewicht, kann mit diesen Schiffen sicherlich keine Regatta gewonnen werden. Hinzu kommt, dass wir immer wieder hörten, dass man Eigner von Stahlbooten an den schönsten Orten der Welt oft nur mit Schleifmaschine und Pinsel antrifft, um den allgegenwärtigen Rost den Kampf anzusagen. Nach fast 5 Jahren als Stahlschiffeigner können wir inzwischen sagen: "so schlimm ist es nicht". Es ist zwar richtig, dass ein Stahlschiff sicherlich einen höheren Wartungsaufwand hat im Vergleich zu einer GFK Yacht, allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass es selbst in den Tropen ausreicht kleinere Roststellen alle Viertel Jahr gründlich zu entfernen bevor sie zum Problem werden.

Unser kleiner Geldbeutel gepaart mit dem hohen Anspruch an Sicherheit auf See, waren die Hauptgründe für die Suche nach einem Stahlboot.

Blauwasseryacht: Neu oder gebracht?

Für uns war ziemlich schnell klar, dass wir nach einer gebrauchten Yacht Ausschau halten. Bei einem Neukauf kann man zwar die Yacht nach seinen Wünschen zusammenstellen und ist sich sicher, dass man kein "faules Ei" kauft. Allerdings ist ein neues Boot erheblich teuerer in der Anschaffung und natürlich auch im Unterhalt, da die Versicherungsprämien mit dem Bootswert korrelieren. Ein weiterer Nachteil einer neuen Yacht sind die Kinderkrankheiten, 1001 Kleinigkeiten, die am Anfang kaputt gehen oder nicht für die Langfahrt geeignet sind, schließlich werden Yachten nicht standardmäßig für eine Weltumsegelung gebaut. Wie nervenaufreibend dieser Faktor ist, haben wir erst unterwegs gemerkt, wenn andere Cruiser mit neuen Booten paradoxerweise ihre Zeit in den Werften verbrachten anstatt an den schönen Orten der Welt um mit dem Hersteller ihre neue Yacht nachzubessern und langfahrtentauglich zu machen. Gebrauchte Yachten hingegen haben sich oft schon bewährt, allerdings ist es bei ihnen als Laie schwer zu sagen, ob man einen guten Kauf macht oder man am Ende einen Schrotthaufen an der Backe hat - Osmose, Motorprobleme, schleichende Roststellen, Unfallschäden - sieht man einem Boot ja nicht unbedingt an. Um besser einschätzen zu können, ob die Gebrauchtyacht in gutem Zustand ist, haben wir beim Kauf besonderen Wert auf die Voreigner und die Vorgeschichte des Bootes gelegt. Wir haben die Verkäufer immer wieder nach ihrer Motivation für den Verkauf ihres Schiffes gefragt, für uns war somit die Vorgeschichte des Schiffes Teil unserer Entscheidungsfindung. Aber ganz ehrlich - am Ende, nach Probetörn und der Landbesichtigung, haben wir uns dann doch auf unsere Intuition verlassen, ob Moya unsere Schiff sein soll oder nicht.

Welches Rigg?

Ob Kutter-, Ketsch- oder Sluptakelung war eigentlich kein Auswahlkriterium für unseren Bootskauf. Wichtig war uns, dass alle Segelflächen variabel gesetzt werden können, um auf Flaute oder Sturm reagieren zu können. Sicherlich hat man bei Kutter oder Ketschbesegelung neben der schöneren Ästhetik auch dem Vorteil einer Vielzahl von Möglichkeiten um die richtige Segelfläche zu setzten, allerdings benötigt dies in brenzligen Situationen auch mehr Zeit und "Hände". Wichtiger als die Anzahl der Möglichkeiten fanden wir, dass die Segelfläche unkompliziert und im Idealfall auch alleine stark gerefft werden kann, da bei Sturm bei einer Crew aus 2 Erwachsenen und 2 kleinen Kindern eventuell nicht immer mit einem ganzen Steuermann und einer ganzen Deck-Hand gerechnet werden kann. In der Charter hatten wir bereits wiederholt Probleme mit verklemmten Rollgroßsegeln, so dass für uns nur ein gelattetes Großsegel mit mehreren Reffmöglichkeiten in Frage kam. Weiterhin sollten Wanten und Stage ausreichend dimensioniert sein. Beim Vorstag haben wir darauf geachtet, dass ein Babystag als Backup vorhanden ist, um das Mastbruch Risiko zu reduzieren. Für den einfachen Check des Riggs und gegebenenfalls auch zur Navigationshilfe finden wir außerdem Maststufen auf einer Blauwasseryacht unerläßlich, Entscheidungskriterium für den Bootskauf sind diese nicht, da sie einfach und relativ günstig nachgerüstet werden können.

Raum zum Leben auf der Blauwasseryacht

Da man auf einer Blauwasseryacht über Monate oder Jahre lebt, ist die Anzahl von Gästekojen weniger wichtig, als für verschiedenste Bedingungen gerüstet zu sein, so waren Heizung, Sonnensegel, Badeplattform und 2 Bäder gewünschte Details. Außerdem sollte die Bootsaufteilung genügend Raum bieten, dass z.B auch einmal mehr als eine Person in der Pantry zugange sein kann oder für die Navigation genügend Platz eingeplant ist. Lange waren wir uns unschlüssig, ob eine Decksalonyacht für das Fahrtensegeln von Vorteil ist. Letztendlich fanden wir an diesen Schiffen - so auch bei Moya - gut, dass der Essensbereich aus dem Schiffsbauch geholt wurde und man vor allem bei schlechtem Wetter die Wachen auch von innen übernommen werden können. Retrospektiv, sind wir sehr glücklich damit eine Decksalonyacht zu haben, vor allem mit den Kindern ist es super sie bei schlechteren Bedingungen rein schicken zu können und dennoch in der Nähe zu haben.

Versorgung auf der Blauwasseryacht

Genügend Stauräume für persönliche Dinge, sowie ausreichend große Tanks für Wasser und Diesel waren für uns ein Kriterium für den Bootskauf, dies soll ermöglichen über längere Zeit autark sein zu können. Zum Thema Diesel war uns weiterhin wichtig, dass die Dieselversorgung des Motors zu jeder Zeit gewährleistet ist. Bei schwierigen Wetter- und Seebedingungen in Küstennähe, ist ein Ausfall des Motors der Gau, den es zu vermeiden gilt. Ein Tagesdieseltank der den Motor per Schwerkraft mit Diesel versorgt fanden wir einen überzeugenden Ansatz, um dieses Problem zu lösen. Zum Thema Strom- und Wasserversorgung hätten auf unserer Wunschliste ein Wassermacher, Solarpanels, ein Windgenerator sowie ausreichende Kapazität an Versorgungsbatterien gestanden, leider kann man nicht alles haben und wir haben später diese Dinge selbst nachgerüstet.

Wieviel Sicherheit braucht eine Blauwasseryacht?

Sicherheit hat für uns nicht nur wegen der Kinder absolute Priorität, deshalb war der Gesamteindruck des Schiffes bzgl. Sicherheit das Hauptentscheidungskriterium. Viele Faktoren zählen für uns zum Sicherheitskonzept einer Yacht, angefangen mit dem Bootsmaterial über die Geschlossenheit des Cockpits bis hin zu Rettungsmitteln und Sicherheitsausrüstung. Für Langfahrt finden wir es wichtig, dass Runder und Schraube geschützt sind, so dass man nicht beim kleinsten Andotzen in echte Probleme gelangt. Ob uns ein Langkieler oder Kurzkieler lieber ist wussten wir auch nicht so recht: im Hafen der Kurzkieler und auf See der Langkieler. Inzwischen waren wir wiederholt in Situationen bei denen wir sehr glücklich über unseren langen Kiel waren, angefangen von den Wellengiganten vor der kolumbianischen Küste bis hin zu den Passeinfahrten in französisch Polynesien, Moya fährt wenn es ruppig wird immer noch wie auf Schienen und reagiert prima auf das Ruder. Ihr starker Motor war in diesen Situationen auch recht hilfreich.

Uns war außerdem wichtig, dass die Technik gut zugänglich und "lebenswichtige" Systeme redundant vorhanden sein sollten. Moya machte auf uns von Anfang an einen sehr soliden Eindruck, eine Stahllady mit Mittelcockpit und fester Seezaun, im Inneren ist die Technik zentral gehalten, so dass sowohl Motor, Elektrik und sogar die Ruderanlage gut zugänglich ist. Die Sicherheitsausstattung ist war beim Kauf noch unvollständig: Rettungsinsel, EPIRB, ein MOB System, ein Iridium Telefon und einen AIS Transponder haben wir später noch ergänzt und waren somit kein Ausscheidungskriterium. Das Sicherheitskonzept des Schiffes kostet natürlich den Preis, weniger sportlich segeln zu können und mehr Wind für die Rumpfgeschwindigkeit zu benötigen, für manch einen mag das inakzeptabel sein - wir sind lieber langsamer und dafür sicher unterwegs.

Nach dem Kauf haben wir Moya zur Blauwasseryacht ausgerüstet, mehr dazu hier: Blauwasser Ausrüstung